Die öffentliche Demütigung einer Kirche

Wo der Ritus nicht geachtet wird


Zelebration der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in Madrid anläßlich des Besuchs durch einen Bischofs (Archivbild)
Zelebration der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in Madrid anläßlich des Besuchs durch einen Bischofs (Archivbild)

Seit dem Aus­bruch des rus­sisch-ukrai­ni­schen Krie­ges ist die Zahl der ukrai­ni­schen grie­chisch-katho­li­schen Gläu­bi­gen auch in der spa­ni­schen Haupt­stadt Madrid erheb­lich ange­stie­gen. Den­noch stellt die Erz­diö­ze­se ihnen bis heu­te kei­ne eige­ne Kir­che zur Ver­fü­gung. Statt­des­sen sind sie auf das Gast­recht in einer Madri­der Pfar­rei ange­wie­sen, wo ihnen ledig­lich ungün­sti­ge Meß­zei­ten ein­ge­räumt wer­den und sie ins­ge­samt nur gerin­ge Akzep­tanz zu erfah­ren scheinen.

Gene­rell füh­len sich die Gläu­bi­gen mit ihrem byzan­ti­ni­schen Ritus von der Erz­diö­ze­se stief­müt­ter­lich behan­delt. Ihre wie­der­hol­ten Bit­ten um ange­mes­se­ne Kir­chen­räu­me sto­ßen bei den zustän­di­gen diö­ze­sa­nen Stel­len auf tau­be Ohren. Mehr noch: Der für die Aus­lands­ge­mein­den zustän­di­ge Bischof der Ukrai­ni­schen Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che wur­de eigens aus der Ukrai­ne nach Madrid geholt, um die Gläu­bi­gen öffent­lich zurecht­zu­wei­sen und sich bei den Ver­tre­tern des Erz­bi­schofs von Madrid dafür zu ent­schul­di­gen, daß die grie­chisch-katho­li­schen Ukrai­ner es gewagt hat­ten, um eine eige­ne Kir­che sowie um grö­ße­re Auf­merk­sam­keit und Ach­tung für ihren Ritus zu ersuchen. 

Eck, Pseud­onym eines spa­ni­schen Prie­sters, zeigt in einem Brief an Cami­nan­te Wan­de­rer das Pro­blem auf und sieht in der Behand­lung der unier­ten Ukrai­ner den­sel­ben Geist am Werk, der auch die dem über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus ver­bun­de­nen Gläu­bi­gen trifft. 

Der in Ecks Dar­stel­lung erwähn­te ukrai­ni­sche grie­chisch-katho­li­sche Bischof Ste­pan Sus wur­de 2006 zum Prie­ster geweiht und war meh­re­re Jah­re Mili­tär­seel­sor­ger. 2019 wähl­te ihn der Hei­li­ge Syn­od der Ukrai­ni­schen Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che zum Kuri­en­bi­schof. Papst Fran­zis­kus ernann­te ihn dar­auf zum Titu­lar­bi­schof. Die Bischofs­wei­he wur­de ihm Anfang 2020 von Groß­erz­bi­schof Swja­to­slaw Schewtschuk gespendet.

Die öffentliche Demütigung einer Kirche

Von Eck

Іду на ви!
Ich tre­te euch offen ent­ge­gen!
Swja­to­slaw Ihore­witsch (10. Jh.)

Der Gang unter das Joch des Don Andrés

Man muß es ein­ge­ste­hen: Eine der­ar­ti­ge Tat erschie­ne unmög­lich, unglaub­lich, undenk­bar, uner­reich­bar für so vie­le im Lau­fe der Geschich­te – hät­ten wir sie nicht mit eige­nen Augen gese­hen und mit eige­nen Ohren gehört. Was Pedros, Niko­la­ses und Alex­an­dros sehn­süch­tig erträum­ten; was regie­ren­de Syn­oden, Metro­po­li­ten und Hegu­me­nen mit erbit­ter­ter Hart­näckig­keit ver­folg­ten; was Sta­lin, Bre­sch­new und Chruscht­schow glü­hend begehr­ten – all dies hat unser schil­lern­der Vikar voll­bracht: die öffent­li­che Demü­ti­gung der gesam­ten Ukrai­ni­schen Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che zu Füßen sei­ner vika­ria­len und sieg­rei­chen Sohlen.

Der Vikar Andrés Mar­tí­nez Este­ban, der Ver­nich­ter der Unier­ten, hat nicht nur eine leben­di­ge Gemein­schaft zer­stört – einem seit Jah­ren aus­ge­ar­bei­te­ten Plan der Aus­lö­schung und Ver­nich­tung in der Erz­diö­ze­se Madrid fol­gend –, son­dern es zudem fer­tig­ge­bracht, vor den Augen der gesam­ten Gemein­de einen unier­ten Bischof zu ernied­ri­gen, wohl­ge­merkt einen Mili­tär­bi­schof (welch eine Genug­tu­ung, nicht wahr, Andrés, welch eine Genug­tu­ung!), und die­sen Bischof dazu zu brin­gen, sein eige­nes Volk zu beschimp­fen, ohne es auch nur anzu­hö­ren. Das Foto die­ses ein­zig­ar­ti­gen und denk­wür­di­gen Ereig­nis­ses illu­striert die­sen Beitrag.

Dar­auf sehen wir Vikar Andrés und Bischof Ste­pan Sus, Lei­ter der Abtei­lung für Seel­sor­ge und Migra­ti­on der Ukrai­ni­schen grie­chisch-katho­li­schen Kir­che, in der Gött­li­chen Lit­ur­gie der Schan­de. Mit dem Rücken zum sie­ben­ar­mi­gen Leuch­ter – jenem unbe­que­men Gedächt­nis der Mak­ka­bä­er, die für Gott, ihre Riten und ihr Volk auf­stan­den – ver­zich­tet Bischof Sus auf die Wür­de sei­ner Kir­che, indem er öffent­lich den Vikar und Kar­di­nal Cobo Cano1, Erz­bi­schof von Madrid, um Ver­ge­bung bit­tet, weil sein eige­nes Volk ein­ge­for­dert hat, was Gott, die Welt­kir­che und die hei­li­gen Kon­zils­ka­no­nes nicht nur gewäh­ren, son­dern aus­drück­lich ver­lan­gen: die Ach­tung der Rech­te der Gläu­bi­gen auf ihren eige­nen Ritus und ihre eige­ne Spiritualität.

Eine Sze­ne, wür­dig des Pseu­do-Sobors von Lem­berg 1946, mit einem Bischof, zugleich Popiel und Semaschko… Das ehr­wür­di­ge Andenken an Andrij Schep­tyz­kyj, Jos­syf Slipyj und Lub­o­myr Husar geschän­det, befleckt und ent­ehrt durch einen ihrer Nach­fol­ger; das Volk Got­tes ein­ge­schüch­tert, ver­äng­stigt und belei­digt durch sei­ne eige­nen Hir­ten; die Wür­de einer Kir­che und einer Nati­on mit so ruhm­rei­cher Ver­gan­gen­heit nie­der­ge­ris­sen und von einem ihrer eige­nen Söh­ne in den Schlamm gezerrt.

All dies vor den Augen, leib­haf­tig und per­sön­lich anwe­send, unse­res gelieb­ten Don Andrés, des hoch­wür­dig­sten Trä­gers des Gro­kreu­zes der bischöf­li­chen Kom­tu­rei von Ora­dea, für den gro­ßen Anlaß öst­lich gewan­det, mit Epi­gon­at und allem Drum und Dran. Gott sei Dank und sei­nem guten Her­zen sei es gedankt, daß unser über alles gelieb­ter Vikar dar­auf ver­zich­te­te, die Sze­ne – wie bei ande­ren erfreu­li­chen Gele­gen­hei­ten – mit don­nern­den Spa­si­ba! Spa­si­ba! zu beschlie­ßen. Die Nobles­se gebie­tet, dies anzuerkennen.

Die Madrider Pfarrei, die den griechisch katholischen Ukrainern zugewiesen wurde
Die Madri­der Pfar­rei, die den grie­chisch katho­li­schen Ukrai­nern zuge­wie­sen wurde

Doch damit nicht genug. Ohne Zögern und ohne Zau­dern beschimpf­te Bischof Sus nach einer aus­ge­spro­chen sta­li­ni­sti­schen Pre­digt im Kir­chen­por­tal die auf­be­geh­ren­den Gläu­bi­gen als Pro­te­stan­ten, ohne sie anzu­hö­ren, ohne sie zu befra­gen, ohne ihnen auch nur zuzu­hö­ren. Als krö­nen­den Abschluß warf er ihnen vor, kein eige­nes Got­tes­haus zu besit­zen – obwohl der Haupt­ver­ant­wort­li­che für die­sen Zustand eben jener mit sei­nem Ora­dea-Hals­band ist, vor dem er sich Minu­ten zuvor noch krie­chend ent­schul­digt hatte.

Wla­dy­ka, ich weiß nicht, was man Ihnen wäh­rend Ihres Blitz­be­suchs in Madrid berich­tet hat. Es ist einer­lei. Wir hät­ten die öffent­li­chen Ent­schul­di­gun­gen oder die Zurecht­wei­sun­gen in der Homi­lie über­gan­gen, wenn Sie im Anschluß auch nur einen Augen­blick Ihrem Volk zuge­hört und Ihr bischöf­li­ches Amt aus­ge­übt hät­ten – das heißt, als Auf­se­her die Wahr­heit zu ermit­teln, die Gläu­bi­gen und Kaplä­ne nach ihrer Lage und den Grün­den ihrer Kla­gen zu befra­gen. Doch nein: Sie ver­schlos­sen Mund, Ohren und Augen. Ihr Volk schrie um Hil­fe und Bei­stand in der Ukrai­ne und zu sei­nen Hir­ten; es hoff­te und glaub­te, daß sei­ne Brü­der ihm bei­ste­hen wür­den. Ver­ge­bens. Was kam, war der Ver­rat von hin­ten, unge­rech­te Vor­wür­fe und eine histo­ri­sche Demü­ti­gung vor sei­nem Pei­ni­ger und Vernichter.

Mit tyran­ni­scher Geste, aus Hoch­mut und Feig­heit, ver­ur­teil­ten Sie sie und ihre Gemein­schaft ohne Ver­fah­ren und ohne Ver­tei­di­gung, lie­fer­ten sie gefes­selt an Hän­den und Füßen ihrem Zer­stö­rer aus. Es ist nicht römi­sche Sit­te, einen Men­schen aus Gefäl­lig­keit aus­zu­lie­fern, bevor der Ange­klag­te sei­nen Anklä­gern gegen­über­steht und Gele­gen­heit zur Ver­tei­di­gung erhält (Apg 25,16), sag­te Festus, ein Hei­de, als er über einen Juden rich­te­te – doch es ist offen­bar Sit­te bei Sus, einem Bischof, gegen­über sei­nen Landsleuten.

Ange­sichts all die­ser Schmach und in geschwi­ster­li­cher Ver­bun­den­heit mit den Spa­ni­ern, die nur zu gut wis­sen, wie es ist, von ihren Füh­rern in den schlimm­sten Stun­den ver­las­sen und ver­ra­ten zu wer­den, stel­le ich hier das Foto jener „Pro­te­stan­ten“ ein, die sich jeden Sonn­tag demü­tig vor den Toren der Kathe­dra­le der Almu­de­na für ihre Gemein­schaft ver­sam­meln und die Wür­de ihrer Kir­che und ihres Vol­kes bewahren.

Kafka in Madrid – ein Sittenmaler

Und wie es sich für die­se Far­ce gehört, tra­gen auch wir Spa­ni­er mit unse­rem so beson­de­ren Natio­nal­cha­rak­ter unser Scherf­lein bei. Und zwar mit einem erha­be­nen Stück, einem Mei­ster­werk, dem Gip­fel und Höhe­punkt des Sur­rea­lis­mus und der Absur­di­tät – die­ser Mit­tei­lung des Erzbistums:

„Sehr geehr­ter (…), Grü­ße. Wie wir Ihnen bereits mehr­fach mit­ge­teilt haben, sind für alle Fra­gen, die die ukrai­nisch-grie­chisch-katho­li­sche Gemein­schaft betref­fen, an Don Andrés Mar­tí­nez zu rich­ten, der vom Herrn Kar­di­nal als sein Ver­tre­ter für das Ordi­na­ri­at bestimmt wur­de; er ist es, der gege­be­nen­falls für Sie einen Ter­min bei Don José (Cobo) bean­tragt. Hoch­ach­tungs­voll, aDi­os“ (sic).

Nicht ein­mal Kaf­ka ist in Der Pro­zeß so weit gegangen.

Denn unse­rem Erz­bi­schof Cobo sind die Unier­ten gleich­gül­tig – und die Ukrai­ner erst recht. Obwohl sie aus einem geschun­de­nen Land stam­men, obwohl vie­le von ihnen flie­hen muß­ten, um ihr Leben zu ret­ten, gezeich­net an Leib und See­le vom Krieg, das har­te Brot des Exils essen müs­sen – ihr Schick­sal küm­mert ihn nicht im Gering­sten, obwohl sie unse­re Glau­bens­brü­der sind. Es tut ihm leid: Es sind nicht jene Migran­ten, die das Herz unse­res roten, berg­o­glia­nisch gesinn­ten Kar­di­nals rühren.

Nur ein ein­zi­ges Mal küm­mer­te sich unser Kar­di­nal um das Ordi­na­ri­at, zu Beginn sei­nes Madri­der Epi­sko­pats – und er scheu­te weder Rom noch Aña­stro (Sitz der Spa­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz), um Kar­di­nal Osoro, sei­nen Vor­gän­ger, so rasch wie mög­lich aus dem Amt zu drän­gen, schänd­lich ver­ra­ten durch sei­nen unge­rech­ten Judas. Es ging um eine Stim­me und ein Votum in der Bischofs­kon­fe­renz… Nach voll­zo­ge­nem Macht­wech­sel über­ließ er die Mord­werk­zeu­ge dem Vikar Andrés – der töricht glaubt, dies wer­de ihm die heiß ersehn­te Mitra ein­brin­gen… der Arme, der doch nur dazu da ist, Don José die hei­ße Kar­tof­fel abzu­neh­men. Und wei­ter geht’s, nichts wie weg.

Das madrilenische Traditionis custodes

Wir sagen es zu Recht: Mord­werk­zeu­ge. Denn die­se Aus­lö­schung der unier­ten Gemein­schaf­ten ist in den madri­le­ni­schen Diö­ze­sen seit vie­len Jah­ren vor­ge­se­hen und geplant. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil oder die Aus­sa­gen der Päp­ste spie­len kei­ne Rol­le – alles muß ver­ein­heit­licht, sowje­ti­siert wer­den. Wir nen­nen es das madri­le­ni­sche Tra­di­tio­nis cus­to­des, da es dem von Papst Fran­zis­kus gleicht wie ein Ei dem ande­ren und die­sel­be Into­le­ranz gegen­über der wah­ren, vom Hei­li­gen Geist gewirk­ten Viel­falt wider­spie­gelt, eben­so wie die­sel­be Unter­wer­fung unter Macht- und Kontrollgelüste.

Der Text fin­det sich im Boletín Ofi­ci­al de las Dióce­sis de la Pro­vin­cia Ecle­siá­sti­ca de Madrid, Nr. 9, Okto­ber 2002, S. 819–870, unter dem Titel „Die Seel­sor­ge für Migran­ten. Auf dem Weg zur Sen­dung der Kir­che heu­te“.

An wen rich­tet sich die­se Seel­sor­ge? Der Diö­ze­san­bi­schof kann für eine bestimm­te Migran­ten­ge­mein­schaft eine Kapla­nei errich­ten, aus Grün­den der Spra­che, der Kul­tur, des Ritus, der Zahl usw. (S. 839). Unter völ­li­ger Miß­ach­tung der Kon­zils­do­ku­men­te, wel­che Riten und Spi­ri­tua­li­tä­ten schüt­zen, wird das Ende der ritu­el­len Kapla­nei­en frei­mü­tig dar­ge­legt, wie die­ses Frag­ment zeigt:

„Es bedarf einer sta­bi­len, per­so­na­li­sier­ten und gemein­schaft­li­chen Seel­sor­ge, die den katho­li­schen Gläu­bi­gen in Zei­ten der Not hilft, bis zu ihrer Ein­glie­de­rung in die Orts­kir­che, wenn sie sich des ordent­li­chen Dien­stes der Prie­ster in den Ter­ri­to­ri­al­pfar­rei­en bedie­nen kön­nen“ (S. 837).

Noch deut­li­cher hier, wo unum­wun­den zuge­ge­ben wird, daß weder Ent­wick­lung noch Erhal­tung beab­sich­tigt sind – im Gegenteil:

„Die­ser spe­zi­fi­sche pasto­ra­le Dienst ist sei­ner Natur nach jedoch vor­läu­fig und vor­über­ge­hend, auch wenn das Gesetz kei­nen zwin­gen­den Zeit­punkt für sein Ende fest­legt. (…) Die Migran­ten­seel­sor­ge (…) ver­folgt als eige­nes spe­zi­fi­sches Ziel nicht ihre Erhal­tung und Ent­wick­lung“ (S. 837).

Zu alle­dem hat Bischof Ste­pan Sus sein enthu­sia­sti­sches Amen! Amen! Amen! gege­ben. Ver­gleicht man die­se Richt­li­ni­en mit jenen, die Fran­zis­kus in sei­nem Schrei­ben zu Tra­di­tio­nis cus­to­des for­mu­lier­te, so sind sie wortgleich:

„Die Anwei­sun­gen zum Vor­ge­hen in den Diö­ze­sen wer­den haupt­säch­lich von zwei Prin­zi­pi­en bestimmt: Einer­seits ist für das Wohl jener zu sor­gen, die in der frü­he­ren Fei­er­form ver­wur­zelt sind und Zeit benö­ti­gen, um zum vom hei­li­gen Paul VI. und Johan­nes Paul II. pro­mul­gier­ten Römi­schen Ritus zurückzukehren.“

Wie man in den USA, in Argen­ti­ni­en oder Frank­reich gese­hen hat – oder wie es die Ortho­do­xen bewei­sen –, kön­nen Ritus, Ost­kir­chen und ihre Spi­ri­tua­li­tät in neu­en Böden Wur­zeln schla­gen und mit der Zeit rei­che Früch­te tra­gen. Was bedeu­te­te das Insti­tut Saint-Ser­ge in Paris für die ortho­do­xe und die katho­li­sche Spi­ri­tua­li­tät? Wie bei der über­lie­fer­ten Mes­se möch­te man die­sen ver­hei­ßungs­vol­len Wuchs wohl im Keim ersticken – obwohl es in Spa­ni­en eine Rück­kehr zu einer uralten Tra­di­ti­on wäre, da unse­re Väter unzäh­li­ge Schät­ze des Ostens mit­brach­ten, wie unse­re eige­ne Lit­ur­gie bezeugt, deren wir heu­te so sehr bedür­fen. Ange­sichts der uner­setz­li­chen und unbe­zahl­ba­ren Arbeit tra­di­tio­nel­ler Insti­tu­te und Bru­der­schaf­ten zur Bewah­rung des über­lie­fer­ten römi­schen Ritus gegen bischöf­li­che Will­kür und Tyran­nei soll­ten die Unier­ten viel­leicht ein Insti­tut oder eine Bru­der­schaft des hl. Josa­phat gründen…

Schlußfolgerung

Das Gro­ße im Klei­nen, oder das Senf­korn unse­res Herrn: Unser Fall zeigt das wah­re Krebs­ge­schwür der Kir­che – die Unge­rech­tig­keit und den Man­gel an Lie­be in allen Berei­chen, gegen­über Gott wie gegen­über den Men­schen. Alles ande­re – Häre­si­en, fal­sche Leh­ren und Fabeln, die Unmo­ral von Kle­rus und Lai­en, das lit­ur­gi­sche Desa­ster usw. – sind nur ihre reif­sten Früch­te und Erschei­nungs­for­men, das Fie­ber, das die Krank­heit beglei­tet. Wir alle sind in unter­schied­li­chem Maße infi­ziert, und es gibt nur einen Arzt, Jesus Chri­stus, der uns Gesund­heit und Leben schen­ken kann. Dafür ist er gekom­men, dafür hat er uns erlöst, denn nicht die Gesun­den brau­chen den Arzt, son­dern die Kranken.

Hier sehen wir, wohin eine klei­ne Unge­rech­tig­keit führt: die eines Vikars, der einem befreun­de­ten Madri­der Pfar­rer, P. Enri­que, der vom gro­ßen Erfolg, einen Gefal­len tun woll­te, dem eine demü­ti­ge Gemein­schaft trotz ihrer ungün­sti­gen Got­tes­dienst­zei­ten lästig war. Dar­aus ist ein gewal­ti­ger Skan­dal erwach­sen, der bereits Bischö­fe, Teil­kir­chen, Kar­di­nä­le und zahl­rei­che Lai­en erfaßt. Das Faß läuft nicht über, bis der letz­te Trop­fen fällt – dann ent­fal­ten sich die Ereig­nis­se nach dem gerech­ten Gericht Got­tes. Unge­rech­tig­keit, Gott­lo­sig­keit und Lüge benö­ti­gen zu ihrem Fort­be­stand immer grö­ße­re Übel und leben von unse­rer Zustim­mung, unse­rer – auch pas­si­ven – Betei­li­gung und unse­rem Schwei­gen. Die Belä­sti­gung durch ande­re ritu­el­le Gemein­schaf­ten, sei­en sie ost­kirch­lich oder tra­di­tio­nell, ver­langt die Recht­fer­ti­gung einer fal­schen Ein­heit, wie Kar­di­nal Roche und Andrea Gril­lo sie pre­di­gen; die tyran­ni­sche Ent­schei­dung eines Kom­pli­zen; den Gesang der Unter­wer­fung und den blin­den Respekt vor der Auto­ri­tät; und die Unmo­ral eine Häre­sie, die die Wahr­heit leug­net, um das Böse als gut erschei­nen zu las­sen. Die Heil­mit­tel hat Jesus Chri­stus selbst gege­ben – durch sein Leben, sei­ne Ver­kün­di­gung und sei­nen Tod: Wahr­heit, Gerech­tig­keit und Lie­be. Ande­re gibt es nicht, denn uns ist unter dem Him­mel kein ande­rer Name gege­ben, durch den wir geret­tet wer­den können.


Anhang

Die­se öffent­li­chen Brie­fe wur­den – im Unter­schied zu den zuvor ver­öf­fent­lich­ten – aus dem Ukrai­ni­schen über­setzt. Die kur­si­ven Pas­sa­gen sind von uns zur bes­se­ren Ver­ständ­lich­keit hinzugefügt.

Schreiben eines Gläubigen an den Großerzbischof Swjatoslaw [Schewtuschuk]2 betreffend den Besuch von Bischof Sus

Eure Emi­nenz!

Mit tie­fem Respekt wen­de ich mich an Sie in einer Ange­le­gen­heit, die unse­res Erach­tens pasto­ra­le Auf­merk­sam­keit und eine ange­mes­se­ne Ant­wort sei­tens der kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten der Ukrai­ni­schen Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che erfordert.

Am 21. Dezem­ber 2025 wand­te sich Bischof Ste­pan Sus nach Abschluß der Gött­li­chen Lit­ur­gie in der Pfarr­kir­che Unse­rer Lie­ben Frau von der Barm­her­zig­keit in Madrid mit einer öffent­li­chen Anspra­che an die Gläu­bi­gen, die den Cha­rak­ter einer ein­sei­ti­gen Ver­ur­tei­lung ein­zel­ner Lai­en und eines Kle­ri­kers hatte.

Die­se Ansprache:

– fand öffent­lich im Kir­chen­raum vor der gesam­ten Gemein­de statt;
– ließ kei­ne Mög­lich­keit zum Dia­log, zur Erwi­de­rung oder Erklä­rung durch die Betrof­fe­nen;
– war von einem emo­tio­na­len Ton und all­ge­mei­nen Anschul­di­gun­gen beglei­tet;
– wur­de von der Gemein­de als end­gül­ti­ges Urteil wahr­ge­nom­men, was eine öffent­li­che Reak­ti­on hervorrief.

(…) Daher sehe ich mich ver­pflich­tet fest­zu­stel­len, daß die­se Art pasto­ra­ler Antwort:

– die Wür­de kon­kre­ter Per­so­nen ver­letzt;
– der Gemein­schaft geist­li­chen Scha­den zufügt;
– das Ver­trau­en in die Lei­tung der Kir­che unter­gräbt;
– eine Atmo­sphä­re von Angst und Schwei­gen unter den Gläu­bi­gen schafft.

Beson­ders schmerz­lich ist, daß die Anspra­che Ver­all­ge­mei­ne­run­gen und Behaup­tun­gen ent­hielt, die nicht den Tat­sa­chen ent­spre­chen und zuvor nicht geklärt wur­den. Eine bestimm­te Grup­pe von Per­so­nen wur­de als pro­te­stan­tisch bezeich­net; der Gemein­schaft und dem Prie­ster wur­de vor­ge­wor­fen, kei­nen Tem­pel wie in Fati­ma errich­tet zu haben.

(…) Ich kann nicht schwei­gen, wenn der öffent­li­che Raum einer Kir­che zur Ver­ur­tei­lung ohne Dia­log und per­sön­li­che Sen­si­bi­li­tät genutzt wird. Demü­tig bit­te ich:

– um eine pasto­ra­le Bewer­tung der geschil­der­ten Situa­ti­on;
– dar­um, daß im Leben der UGKK ähn­li­che Prak­ti­ken öffent­li­cher Ver­ur­tei­lung unter­blei­ben;
– um den Schutz der Wür­de der Lai­en, Kate­che­ten und Prie­ster, die der Kir­che treu dienen.

Ich selbst blei­be zum Dia­log bereit und bin gewillt, wei­te­re Erläu­te­run­gen oder Zeug­nis­se vorzulegen.

Mit Respekt in Chri­stus,
O. O. – 31.12.2025

Chri­stus ist gebo­ren!
Preist Ihn!


Schreiben der ukrainischen griechisch-katholischen Gläubigen an ihre Hirten

Wir, die Gläu­bi­gen der Ukrai­ni­schen Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che in Madrid, ersu­chen um eine pasto­ra­le Klar­stel­lung und eine ange­mes­se­ne Ant­wort auf die öffent­li­che Erklä­rung von Bischof Ste­pan Sus, Bischof für die Migran­ten, wäh­rend sei­nes Pasto­ral­be­suchs am 21.12.2025 in der Kapla­nei Ver­kün­di­gung Unse­rer Lie­ben Frau, in der die Gläu­bi­gen, die öffent­lich um eine Kir­che und ange­mes­se­ne Seel­sor­ge baten, als Pro­te­stan­ten bezeich­net wurden.

Wir hal­ten fest, daß eine sol­che Cha­rak­te­ri­sie­rung theo­lo­gisch und kano­nisch unzu­tref­fend ist. Gläu­bi­ge, die mit der Gesamt­kir­che in Ein­heit ste­hen, den Papst aner­ken­nen und die Fül­le der Sakra­men­te leben, kön­nen nicht allein auf­grund der Form ihrer öffent­li­chen Bit­te mit pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten gleich­ge­setzt werden.

Sol­che Erklä­run­gen vor der gesam­ten Gemein­de schä­di­gen den guten Ruf der Gläu­bi­gen, geben Anlaß zur Ver­su­chung und unter­gra­ben das Ver­trau­en zwi­schen Hir­ten und dem Volk Got­tes. Wir sind über­zeugt, daß das öffent­li­che Wort eines Bischofs ein Werk­zeug der Ein­heit sein muß und kei­ne Quel­le der Spal­tung oder Stigmatisierung.

Daher bit­ten wir demütig:

– um eine offi­zi­el­le Erklä­rung zur ver­wen­de­ten Bezeich­nung;
– um die öffent­li­che Bestä­ti­gung, daß die um ein Got­tes­haus bit­ten­den Gläu­bi­gen voll­wer­ti­ge Mit­glie­der der UGKK blei­ben;
– um die För­de­rung eines pasto­ra­len Dia­logs zur fried­li­chen und gerech­ten Lösung der ange­spro­che­nen Frage.

Wir ver­si­chern unse­re Treue zur Kir­che, unse­ren Respekt vor ihrer Hier­ar­chie und unse­ren auf­rich­ti­gen Wunsch, die Ein­heit in der Wahr­heit zu bewahren.

In Respekt und Gebet,
Gemein­schaft der Gläu­bi­gen der UGKK in Madrid

(Unter­schrif­ten) – 4. Janu­ar 2026

Chri­stus ist gebo­ren!
Prei­set Ihn!

Einleitung/​Übersetzung/​Fußnote: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: par​ro​quia​buen​suce​so​.es (Screen­shots)


  1. José Kar­di­nal Cobo Cano ist seit 2023 Erz­bi­schof von Madrid und seit 2024 Ordi­na­ri­us für die Gläu­bi­gen der unier­ten Ost­kir­chen in Spa­ni­en. ↩︎
  2. Swja­to­slaw Schewtschuk ist seit 2011 Groß­erz­bi­schof von Kiew-Halytsch und durch päpst­li­che Bestä­ti­gung Ober­haupt der Ukrai­ni­schen Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che. ↩︎

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