Seit dem Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges ist die Zahl der ukrainischen griechisch-katholischen Gläubigen auch in der spanischen Hauptstadt Madrid erheblich angestiegen. Dennoch stellt die Erzdiözese ihnen bis heute keine eigene Kirche zur Verfügung. Stattdessen sind sie auf das Gastrecht in einer Madrider Pfarrei angewiesen, wo ihnen lediglich ungünstige Meßzeiten eingeräumt werden und sie insgesamt nur geringe Akzeptanz zu erfahren scheinen.
Generell fühlen sich die Gläubigen mit ihrem byzantinischen Ritus von der Erzdiözese stiefmütterlich behandelt. Ihre wiederholten Bitten um angemessene Kirchenräume stoßen bei den zuständigen diözesanen Stellen auf taube Ohren. Mehr noch: Der für die Auslandsgemeinden zuständige Bischof der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche wurde eigens aus der Ukraine nach Madrid geholt, um die Gläubigen öffentlich zurechtzuweisen und sich bei den Vertretern des Erzbischofs von Madrid dafür zu entschuldigen, daß die griechisch-katholischen Ukrainer es gewagt hatten, um eine eigene Kirche sowie um größere Aufmerksamkeit und Achtung für ihren Ritus zu ersuchen.
Eck, Pseudonym eines spanischen Priesters, zeigt in einem Brief an Caminante Wanderer das Problem auf und sieht in der Behandlung der unierten Ukrainer denselben Geist am Werk, der auch die dem überlieferten Römischen Ritus verbundenen Gläubigen trifft.
Der in Ecks Darstellung erwähnte ukrainische griechisch-katholische Bischof Stepan Sus wurde 2006 zum Priester geweiht und war mehrere Jahre Militärseelsorger. 2019 wählte ihn der Heilige Synod der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche zum Kurienbischof. Papst Franziskus ernannte ihn darauf zum Titularbischof. Die Bischofsweihe wurde ihm Anfang 2020 von Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk gespendet.
Die öffentliche Demütigung einer Kirche
Von Eck
Іду на ви!
Ich trete euch offen entgegen!
Swjatoslaw Ihorewitsch (10. Jh.)
Der Gang unter das Joch des Don Andrés
Man muß es eingestehen: Eine derartige Tat erschiene unmöglich, unglaublich, undenkbar, unerreichbar für so viele im Laufe der Geschichte – hätten wir sie nicht mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört. Was Pedros, Nikolases und Alexandros sehnsüchtig erträumten; was regierende Synoden, Metropoliten und Hegumenen mit erbitterter Hartnäckigkeit verfolgten; was Stalin, Breschnew und Chruschtschow glühend begehrten – all dies hat unser schillernder Vikar vollbracht: die öffentliche Demütigung der gesamten Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche zu Füßen seiner vikarialen und siegreichen Sohlen.
Der Vikar Andrés Martínez Esteban, der Vernichter der Unierten, hat nicht nur eine lebendige Gemeinschaft zerstört – einem seit Jahren ausgearbeiteten Plan der Auslöschung und Vernichtung in der Erzdiözese Madrid folgend –, sondern es zudem fertiggebracht, vor den Augen der gesamten Gemeinde einen unierten Bischof zu erniedrigen, wohlgemerkt einen Militärbischof (welch eine Genugtuung, nicht wahr, Andrés, welch eine Genugtuung!), und diesen Bischof dazu zu bringen, sein eigenes Volk zu beschimpfen, ohne es auch nur anzuhören. Das Foto dieses einzigartigen und denkwürdigen Ereignisses illustriert diesen Beitrag.
Darauf sehen wir Vikar Andrés und Bischof Stepan Sus, Leiter der Abteilung für Seelsorge und Migration der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, in der Göttlichen Liturgie der Schande. Mit dem Rücken zum siebenarmigen Leuchter – jenem unbequemen Gedächtnis der Makkabäer, die für Gott, ihre Riten und ihr Volk aufstanden – verzichtet Bischof Sus auf die Würde seiner Kirche, indem er öffentlich den Vikar und Kardinal Cobo Cano1, Erzbischof von Madrid, um Vergebung bittet, weil sein eigenes Volk eingefordert hat, was Gott, die Weltkirche und die heiligen Konzilskanones nicht nur gewähren, sondern ausdrücklich verlangen: die Achtung der Rechte der Gläubigen auf ihren eigenen Ritus und ihre eigene Spiritualität.
Eine Szene, würdig des Pseudo-Sobors von Lemberg 1946, mit einem Bischof, zugleich Popiel und Semaschko… Das ehrwürdige Andenken an Andrij Scheptyzkyj, Jossyf Slipyj und Lubomyr Husar geschändet, befleckt und entehrt durch einen ihrer Nachfolger; das Volk Gottes eingeschüchtert, verängstigt und beleidigt durch seine eigenen Hirten; die Würde einer Kirche und einer Nation mit so ruhmreicher Vergangenheit niedergerissen und von einem ihrer eigenen Söhne in den Schlamm gezerrt.
All dies vor den Augen, leibhaftig und persönlich anwesend, unseres geliebten Don Andrés, des hochwürdigsten Trägers des Grokreuzes der bischöflichen Komturei von Oradea, für den großen Anlaß östlich gewandet, mit Epigonat und allem Drum und Dran. Gott sei Dank und seinem guten Herzen sei es gedankt, daß unser über alles geliebter Vikar darauf verzichtete, die Szene – wie bei anderen erfreulichen Gelegenheiten – mit donnernden Spasiba! Spasiba! zu beschließen. Die Noblesse gebietet, dies anzuerkennen.

Doch damit nicht genug. Ohne Zögern und ohne Zaudern beschimpfte Bischof Sus nach einer ausgesprochen stalinistischen Predigt im Kirchenportal die aufbegehrenden Gläubigen als Protestanten, ohne sie anzuhören, ohne sie zu befragen, ohne ihnen auch nur zuzuhören. Als krönenden Abschluß warf er ihnen vor, kein eigenes Gotteshaus zu besitzen – obwohl der Hauptverantwortliche für diesen Zustand eben jener mit seinem Oradea-Halsband ist, vor dem er sich Minuten zuvor noch kriechend entschuldigt hatte.
Wladyka, ich weiß nicht, was man Ihnen während Ihres Blitzbesuchs in Madrid berichtet hat. Es ist einerlei. Wir hätten die öffentlichen Entschuldigungen oder die Zurechtweisungen in der Homilie übergangen, wenn Sie im Anschluß auch nur einen Augenblick Ihrem Volk zugehört und Ihr bischöfliches Amt ausgeübt hätten – das heißt, als Aufseher die Wahrheit zu ermitteln, die Gläubigen und Kapläne nach ihrer Lage und den Gründen ihrer Klagen zu befragen. Doch nein: Sie verschlossen Mund, Ohren und Augen. Ihr Volk schrie um Hilfe und Beistand in der Ukraine und zu seinen Hirten; es hoffte und glaubte, daß seine Brüder ihm beistehen würden. Vergebens. Was kam, war der Verrat von hinten, ungerechte Vorwürfe und eine historische Demütigung vor seinem Peiniger und Vernichter.
Mit tyrannischer Geste, aus Hochmut und Feigheit, verurteilten Sie sie und ihre Gemeinschaft ohne Verfahren und ohne Verteidigung, lieferten sie gefesselt an Händen und Füßen ihrem Zerstörer aus. Es ist nicht römische Sitte, einen Menschen aus Gefälligkeit auszuliefern, bevor der Angeklagte seinen Anklägern gegenübersteht und Gelegenheit zur Verteidigung erhält (Apg 25,16), sagte Festus, ein Heide, als er über einen Juden richtete – doch es ist offenbar Sitte bei Sus, einem Bischof, gegenüber seinen Landsleuten.
Angesichts all dieser Schmach und in geschwisterlicher Verbundenheit mit den Spaniern, die nur zu gut wissen, wie es ist, von ihren Führern in den schlimmsten Stunden verlassen und verraten zu werden, stelle ich hier das Foto jener „Protestanten“ ein, die sich jeden Sonntag demütig vor den Toren der Kathedrale der Almudena für ihre Gemeinschaft versammeln und die Würde ihrer Kirche und ihres Volkes bewahren.
Kafka in Madrid – ein Sittenmaler
Und wie es sich für diese Farce gehört, tragen auch wir Spanier mit unserem so besonderen Nationalcharakter unser Scherflein bei. Und zwar mit einem erhabenen Stück, einem Meisterwerk, dem Gipfel und Höhepunkt des Surrealismus und der Absurdität – dieser Mitteilung des Erzbistums:
„Sehr geehrter (…), Grüße. Wie wir Ihnen bereits mehrfach mitgeteilt haben, sind für alle Fragen, die die ukrainisch-griechisch-katholische Gemeinschaft betreffen, an Don Andrés Martínez zu richten, der vom Herrn Kardinal als sein Vertreter für das Ordinariat bestimmt wurde; er ist es, der gegebenenfalls für Sie einen Termin bei Don José (Cobo) beantragt. Hochachtungsvoll, aDios“ (sic).
Nicht einmal Kafka ist in Der Prozeß so weit gegangen.
Denn unserem Erzbischof Cobo sind die Unierten gleichgültig – und die Ukrainer erst recht. Obwohl sie aus einem geschundenen Land stammen, obwohl viele von ihnen fliehen mußten, um ihr Leben zu retten, gezeichnet an Leib und Seele vom Krieg, das harte Brot des Exils essen müssen – ihr Schicksal kümmert ihn nicht im Geringsten, obwohl sie unsere Glaubensbrüder sind. Es tut ihm leid: Es sind nicht jene Migranten, die das Herz unseres roten, bergoglianisch gesinnten Kardinals rühren.
Nur ein einziges Mal kümmerte sich unser Kardinal um das Ordinariat, zu Beginn seines Madrider Episkopats – und er scheute weder Rom noch Añastro (Sitz der Spanischen Bischofskonferenz), um Kardinal Osoro, seinen Vorgänger, so rasch wie möglich aus dem Amt zu drängen, schändlich verraten durch seinen ungerechten Judas. Es ging um eine Stimme und ein Votum in der Bischofskonferenz… Nach vollzogenem Machtwechsel überließ er die Mordwerkzeuge dem Vikar Andrés – der töricht glaubt, dies werde ihm die heiß ersehnte Mitra einbringen… der Arme, der doch nur dazu da ist, Don José die heiße Kartoffel abzunehmen. Und weiter geht’s, nichts wie weg.
Das madrilenische Traditionis custodes
Wir sagen es zu Recht: Mordwerkzeuge. Denn diese Auslöschung der unierten Gemeinschaften ist in den madrilenischen Diözesen seit vielen Jahren vorgesehen und geplant. Das Zweite Vatikanische Konzil oder die Aussagen der Päpste spielen keine Rolle – alles muß vereinheitlicht, sowjetisiert werden. Wir nennen es das madrilenische Traditionis custodes, da es dem von Papst Franziskus gleicht wie ein Ei dem anderen und dieselbe Intoleranz gegenüber der wahren, vom Heiligen Geist gewirkten Vielfalt widerspiegelt, ebenso wie dieselbe Unterwerfung unter Macht- und Kontrollgelüste.
Der Text findet sich im Boletín Oficial de las Diócesis de la Provincia Eclesiástica de Madrid, Nr. 9, Oktober 2002, S. 819–870, unter dem Titel „Die Seelsorge für Migranten. Auf dem Weg zur Sendung der Kirche heute“.
An wen richtet sich diese Seelsorge? Der Diözesanbischof kann für eine bestimmte Migrantengemeinschaft eine Kaplanei errichten, aus Gründen der Sprache, der Kultur, des Ritus, der Zahl usw. (S. 839). Unter völliger Mißachtung der Konzilsdokumente, welche Riten und Spiritualitäten schützen, wird das Ende der rituellen Kaplaneien freimütig dargelegt, wie dieses Fragment zeigt:
„Es bedarf einer stabilen, personalisierten und gemeinschaftlichen Seelsorge, die den katholischen Gläubigen in Zeiten der Not hilft, bis zu ihrer Eingliederung in die Ortskirche, wenn sie sich des ordentlichen Dienstes der Priester in den Territorialpfarreien bedienen können“ (S. 837).
Noch deutlicher hier, wo unumwunden zugegeben wird, daß weder Entwicklung noch Erhaltung beabsichtigt sind – im Gegenteil:
„Dieser spezifische pastorale Dienst ist seiner Natur nach jedoch vorläufig und vorübergehend, auch wenn das Gesetz keinen zwingenden Zeitpunkt für sein Ende festlegt. (…) Die Migrantenseelsorge (…) verfolgt als eigenes spezifisches Ziel nicht ihre Erhaltung und Entwicklung“ (S. 837).
Zu alledem hat Bischof Stepan Sus sein enthusiastisches Amen! Amen! Amen! gegeben. Vergleicht man diese Richtlinien mit jenen, die Franziskus in seinem Schreiben zu Traditionis custodes formulierte, so sind sie wortgleich:
„Die Anweisungen zum Vorgehen in den Diözesen werden hauptsächlich von zwei Prinzipien bestimmt: Einerseits ist für das Wohl jener zu sorgen, die in der früheren Feierform verwurzelt sind und Zeit benötigen, um zum vom heiligen Paul VI. und Johannes Paul II. promulgierten Römischen Ritus zurückzukehren.“
Wie man in den USA, in Argentinien oder Frankreich gesehen hat – oder wie es die Orthodoxen beweisen –, können Ritus, Ostkirchen und ihre Spiritualität in neuen Böden Wurzeln schlagen und mit der Zeit reiche Früchte tragen. Was bedeutete das Institut Saint-Serge in Paris für die orthodoxe und die katholische Spiritualität? Wie bei der überlieferten Messe möchte man diesen verheißungsvollen Wuchs wohl im Keim ersticken – obwohl es in Spanien eine Rückkehr zu einer uralten Tradition wäre, da unsere Väter unzählige Schätze des Ostens mitbrachten, wie unsere eigene Liturgie bezeugt, deren wir heute so sehr bedürfen. Angesichts der unersetzlichen und unbezahlbaren Arbeit traditioneller Institute und Bruderschaften zur Bewahrung des überlieferten römischen Ritus gegen bischöfliche Willkür und Tyrannei sollten die Unierten vielleicht ein Institut oder eine Bruderschaft des hl. Josaphat gründen…
Schlußfolgerung
Das Große im Kleinen, oder das Senfkorn unseres Herrn: Unser Fall zeigt das wahre Krebsgeschwür der Kirche – die Ungerechtigkeit und den Mangel an Liebe in allen Bereichen, gegenüber Gott wie gegenüber den Menschen. Alles andere – Häresien, falsche Lehren und Fabeln, die Unmoral von Klerus und Laien, das liturgische Desaster usw. – sind nur ihre reifsten Früchte und Erscheinungsformen, das Fieber, das die Krankheit begleitet. Wir alle sind in unterschiedlichem Maße infiziert, und es gibt nur einen Arzt, Jesus Christus, der uns Gesundheit und Leben schenken kann. Dafür ist er gekommen, dafür hat er uns erlöst, denn nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
Hier sehen wir, wohin eine kleine Ungerechtigkeit führt: die eines Vikars, der einem befreundeten Madrider Pfarrer, P. Enrique, der vom großen Erfolg, einen Gefallen tun wollte, dem eine demütige Gemeinschaft trotz ihrer ungünstigen Gottesdienstzeiten lästig war. Daraus ist ein gewaltiger Skandal erwachsen, der bereits Bischöfe, Teilkirchen, Kardinäle und zahlreiche Laien erfaßt. Das Faß läuft nicht über, bis der letzte Tropfen fällt – dann entfalten sich die Ereignisse nach dem gerechten Gericht Gottes. Ungerechtigkeit, Gottlosigkeit und Lüge benötigen zu ihrem Fortbestand immer größere Übel und leben von unserer Zustimmung, unserer – auch passiven – Beteiligung und unserem Schweigen. Die Belästigung durch andere rituelle Gemeinschaften, seien sie ostkirchlich oder traditionell, verlangt die Rechtfertigung einer falschen Einheit, wie Kardinal Roche und Andrea Grillo sie predigen; die tyrannische Entscheidung eines Komplizen; den Gesang der Unterwerfung und den blinden Respekt vor der Autorität; und die Unmoral eine Häresie, die die Wahrheit leugnet, um das Böse als gut erscheinen zu lassen. Die Heilmittel hat Jesus Christus selbst gegeben – durch sein Leben, seine Verkündigung und seinen Tod: Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Andere gibt es nicht, denn uns ist unter dem Himmel kein anderer Name gegeben, durch den wir gerettet werden können.
Anhang
Diese öffentlichen Briefe wurden – im Unterschied zu den zuvor veröffentlichten – aus dem Ukrainischen übersetzt. Die kursiven Passagen sind von uns zur besseren Verständlichkeit hinzugefügt.
Schreiben eines Gläubigen an den Großerzbischof Swjatoslaw [Schewtuschuk]2 betreffend den Besuch von Bischof Sus
Eure Eminenz!
Mit tiefem Respekt wende ich mich an Sie in einer Angelegenheit, die unseres Erachtens pastorale Aufmerksamkeit und eine angemessene Antwort seitens der kirchlichen Autoritäten der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche erfordert.
Am 21. Dezember 2025 wandte sich Bischof Stepan Sus nach Abschluß der Göttlichen Liturgie in der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit in Madrid mit einer öffentlichen Ansprache an die Gläubigen, die den Charakter einer einseitigen Verurteilung einzelner Laien und eines Klerikers hatte.
Diese Ansprache:
– fand öffentlich im Kirchenraum vor der gesamten Gemeinde statt;
– ließ keine Möglichkeit zum Dialog, zur Erwiderung oder Erklärung durch die Betroffenen;
– war von einem emotionalen Ton und allgemeinen Anschuldigungen begleitet;
– wurde von der Gemeinde als endgültiges Urteil wahrgenommen, was eine öffentliche Reaktion hervorrief.
(…) Daher sehe ich mich verpflichtet festzustellen, daß diese Art pastoraler Antwort:
– die Würde konkreter Personen verletzt;
– der Gemeinschaft geistlichen Schaden zufügt;
– das Vertrauen in die Leitung der Kirche untergräbt;
– eine Atmosphäre von Angst und Schweigen unter den Gläubigen schafft.
Besonders schmerzlich ist, daß die Ansprache Verallgemeinerungen und Behauptungen enthielt, die nicht den Tatsachen entsprechen und zuvor nicht geklärt wurden. Eine bestimmte Gruppe von Personen wurde als protestantisch bezeichnet; der Gemeinschaft und dem Priester wurde vorgeworfen, keinen Tempel wie in Fatima errichtet zu haben.
(…) Ich kann nicht schweigen, wenn der öffentliche Raum einer Kirche zur Verurteilung ohne Dialog und persönliche Sensibilität genutzt wird. Demütig bitte ich:
– um eine pastorale Bewertung der geschilderten Situation;
– darum, daß im Leben der UGKK ähnliche Praktiken öffentlicher Verurteilung unterbleiben;
– um den Schutz der Würde der Laien, Katecheten und Priester, die der Kirche treu dienen.
Ich selbst bleibe zum Dialog bereit und bin gewillt, weitere Erläuterungen oder Zeugnisse vorzulegen.
Mit Respekt in Christus,
O. O. – 31.12.2025
Christus ist geboren!
Preist Ihn!
Schreiben der ukrainischen griechisch-katholischen Gläubigen an ihre Hirten
Wir, die Gläubigen der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Madrid, ersuchen um eine pastorale Klarstellung und eine angemessene Antwort auf die öffentliche Erklärung von Bischof Stepan Sus, Bischof für die Migranten, während seines Pastoralbesuchs am 21.12.2025 in der Kaplanei Verkündigung Unserer Lieben Frau, in der die Gläubigen, die öffentlich um eine Kirche und angemessene Seelsorge baten, als Protestanten bezeichnet wurden.
Wir halten fest, daß eine solche Charakterisierung theologisch und kanonisch unzutreffend ist. Gläubige, die mit der Gesamtkirche in Einheit stehen, den Papst anerkennen und die Fülle der Sakramente leben, können nicht allein aufgrund der Form ihrer öffentlichen Bitte mit protestantischen Gemeinschaften gleichgesetzt werden.
Solche Erklärungen vor der gesamten Gemeinde schädigen den guten Ruf der Gläubigen, geben Anlaß zur Versuchung und untergraben das Vertrauen zwischen Hirten und dem Volk Gottes. Wir sind überzeugt, daß das öffentliche Wort eines Bischofs ein Werkzeug der Einheit sein muß und keine Quelle der Spaltung oder Stigmatisierung.
Daher bitten wir demütig:
– um eine offizielle Erklärung zur verwendeten Bezeichnung;
– um die öffentliche Bestätigung, daß die um ein Gotteshaus bittenden Gläubigen vollwertige Mitglieder der UGKK bleiben;
– um die Förderung eines pastoralen Dialogs zur friedlichen und gerechten Lösung der angesprochenen Frage.
Wir versichern unsere Treue zur Kirche, unseren Respekt vor ihrer Hierarchie und unseren aufrichtigen Wunsch, die Einheit in der Wahrheit zu bewahren.
In Respekt und Gebet,
Gemeinschaft der Gläubigen der UGKK in Madrid
(Unterschriften) – 4. Januar 2026
Christus ist geboren!
Preiset Ihn!
Einleitung/Übersetzung/Fußnote: Giuseppe Nardi
Bild: parroquiabuensuceso.es (Screenshots)
- José Kardinal Cobo Cano ist seit 2023 Erzbischof von Madrid und seit 2024 Ordinarius für die Gläubigen der unierten Ostkirchen in Spanien. ↩︎
- Swjatoslaw Schewtschuk ist seit 2011 Großerzbischof von Kiew-Halytsch und durch päpstliche Bestätigung Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche. ↩︎
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