Von Giuseppe Brienza*
Am 10. Januar 2026 werden in der stimmungsvollen Kulisse der Basilika Santa Maria degli Angeli in der Portiuncula bei Assisi um 10 Uhr die offiziellen Feierlichkeiten zum 800. Jahrestags des Todesgangs des heiligen Franz von Assisi 1226 eröffnet.
Das Ritual wird besonders eindrucksvoll in der „Transituskapelle“ des Poverello von Assisi stattfinden, die sich hinter der Porziuncola befindet. Sie erinnert an die letzten irdischen Augenblicke des heiligen Franziskus, der, erblindet und von den Wundmalen Christi gezeichnet, am 3. Oktober 1226 hier „nackt auf nackter Erde“ niedergelegt werden wollte – als höchsten Ausdruck seines Glaubens an die Vaterschaft Gottes und seiner Annahme des „leiblichen Bruders Tod“.
Anläßlich dieses Jubiläums wird in der Basilika ausnahmsweise das älteste in Assisi erhaltene Gemälde des heiligen Franziskus gezeigt, das im Museo della Porziuncola aufbewahrt wird: das Werk des sogenannten „Meisters von San Francesco“ (um 1335 bis 1340). Es stellt den Heiligen mit deutlich sichtbaren Stigmata dar, Ausdruck seiner vollständigen und endgültigen conformitas Christi.
Bei dem Festakt werden Vertreter der weltweiten franziskanischen Familien anwesend sein, darunter:
- P. Massimo Fusarelli OFM, Generalminister der Franziskaner
- P. Carlos Alberto Trovarelli OFM Conv, Generalminister der Minoriten
- P. Roberto Genuin OFM Cap, Generalminister der Kapuziner
- Tibor Kauser OFS, Generalminister des Franziskanischen Laienordens
- P. Amando Trujillo Cano, Generalminister des Dritten Regulierten Ordens
- Sr. Daisy Kalamparamban, Vorsitzende der Internationalen Franziskanischen Konferenz der Brüder und Schwestern des Dritten Regulierten Ordens
Das gesamte Ritual wird direkt über die offiziellen Kanäle der Seraphischen Provinz von San Francesco d’Assisi übertragen, die historische franziskanische Orte wie die Porziuncola, San Damiano und die Einsiedelei der Carceri verwaltet und das geistliche sowie missionarische Leben der Minderen Brüder in Umbrien und Sardinien koordiniert.
Unter den zahlreichen Initiativen, die in diesen Tagen dazu beitragen, dieses bedeutende Jubiläum hervorzuheben, sei auf die jüngste Ausgabe (Nr. 41 – Dezember 2025) der digitalen Zeitschrift LineaTempo verwiesen, herausgegeben vom Historiker Andrea Caspani und kostenlos online verfügbar. Das Heft enthält ein umfangreiches Dossier mit dem Titel „Franziskus durch seine Schriften“, bestehend aus 14 Beiträgen mit historischem, kulturellem, religiösem und spirituellem Schwerpunkt.
Das Dossier beginnt mit einem einführenden Aufsatz, der einen originellen Zugang zur Figur des heiligen Franziskus vorschlägt, ausgehend von seinen eigenen Schriften, die heute als unverzichtbare Quelle zum Verständnis seiner authentischen Erfahrung gelten. Die jüngsten franziskanischen Studien sind sich einig, daß die Kenntnis des Heiligen nicht länger allein auf traditionellen Biographien basieren darf, die oft idealisierende Lesarten enthalten, sondern auf dem reichen Corpus seiner Texte, einschließlich Autographen.
Die Zeitschrift überträgt die Analyse dieser Schriften an renommierte Wissenschaftler, mit dem Ziel, eine verständliche Zusammenfassung zu bieten, die insbesondere im Bildungsbereich nützlich ist. Die Beiträge behandeln Regeln, Briefe, Mahnungen, Psalmen und poetische Schriften wie die Laudes creaturarum, besser bekannt als Sonnengesang, sowie Texte im Zusammenhang mit der heiligen Klara und der Gemeinschaft von San Damiano. Im abschließenden Teil schlägt das Dossier einen Weg „von Franziskus zu uns“ vor und zeigt die Aktualität seiner Erfahrung in der Philosophie, der Literatur des 20. Jahrhunderts und in originellen Lesarten, die seine revolutionäre Kraft und seine zutiefst christliche Neuheit hervorheben.
*Giuseppe Brienza, Journalist und Publizist, Studium der Politikwissenschaften an der Sapienza in Rom, schreibt für Fides Catholica, Il Borghese, Corrispondenza Romana, Il Corriere del Sud, Autor mehrerer Bücher u. a. in der Reihe „St. Petersburger Abende heute“: „56 konterrevolutionäre Pfeile“ (2021), Vorschläge, Autoren, Ideen und Schlachten gegen gegnerische Kulturen (2025), aber auch Biographien über Evita Perón, Nelson Mandela und andere mehr.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana
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