Von Caminante Wanderer*
Die Damnatio memoriae war eine Praxis im alten Rom, die darauf abzielte, die Erinnerung an eine Person auszulöschen, die als Verräter oder Staatsfeind galt, insbesondere an Kaiser, Senatoren oder in Ungnade gefallene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Mit dieser posthumen Bestrafung, die vom Senat angeordnet wurde, sollten alle Spuren ihrer Existenz aus den öffentlichen Aufzeichnungen entfernt werden, um sie zum Vergessen zu verurteilen. Statuen, Inschriften, Büsten und Dokumente, die ihren Namen oder ihr Bildnis trugen, wurden zerstört. Es war verboten, ihren Namen in der Öffentlichkeit zu erwähnen, und in extremen Fällen wurden sogar die historischen Annalen umgeschrieben. So wurden beispielsweise die Namen von Kaisern wie Nero, Domitian und Commodus nach ihrem Tod von den Denkmälern getilgt.
Franziskus war ein Feind und ein Verräter des katholischen Glaubens. Der Schaden, den er der Kirche zugefügt hat, ist unermeßlich und es wird lange dauern, bis sie sich davon erholt haben wird. Würden wir im alten Rom leben, würde er sich sicherlich die Damnatio memoriae zuziehen. Und wären wir byzantinisch, würde er von den Diptychen entfernt werden, denn durch seine Worte und Taten hat er sich von der katholischen Gemeinschaft entfernt.
Jetzt ruht er vor den Augen aller Besucher von Santa Maria Maggiore in einem minimalistischen Grabmal im Stil des italienischen Rationalismus, das von einem Innenarchitekten aus Puerto Madero in Buenos Aires entworfen wurde, der ein Vermögen für diese Arbeit verlangt haben muß. Alles sehr arm und bescheiden, obwohl, wenn das das Kriterium gewesen wäre, hätte er eine leere Gruft in den Vatikanischen Grotten vorgezogen. Aber natürlich hätte er dort mehr Konkurrenz und weniger Gläubige würden kommen, um ihn zu „verehren“.
*Caminante Wanderer, argentinischer Philosoph und Blogger
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Caminante Wanderer