Wenige Tage nach dem Rom-Vortrag von Peter Thiel (PayPal, Palantir) über den Antichristen meldete sich Don Curzio Nitoglia kritisch zu Wort. Gleiches tut nun José Arturo Quarracino, nachdem Thiel vor wenigen Tagen auch in Buenos Aires seinen Vortrag hielt. Hier der neue, wie immer pointierte Quarracino:
Von José Arturo Quarracino*
Mitte März dieses Jahres, genauer ab dem 15. März, verbrachte Peter Andreas Thiel, Mitbegründer von PayPal und Gründer von Palantir Technologies, vier Tage in Rom, um eine private Konferenz/Präsentation über den Antichristen zu halten, die nur 165 ausgewählten Teilnehmern vorbehalten war. In den darauffolgenden Tagen führte er vertrauliche und geheime Treffen durch, die sich dem Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft, Religion und Wissenschaft sowie zwischen dem Westen und dem Antichristen widmeten.
Er hatte bereits zuvor über den Antichristen und die Apokalypse in Cambridge (England), San Francisco (USA) und Paris gesprochen.
Im April reiste der genannte Unternehmer nach Buenos Aires in Argentinien und traf Santiago Caputo, den Schattenberater und enger Mitarbeiter von Präsident Javier Milei. Caputo ist in eine heftige politische Rivalität mit Karina Milei verwickelt, der Schwester des Präsidenten und Generalsekretärin der Präsidialkanzlei. Anschließend traf er den Präsidenten selbst, mit dem er sich zuvor bereits zweimal getroffen hatte, mutmaßlich, um die Dienstleistungen seines Unternehmens anzubieten.
Obwohl dieses Treffen bei argentinischen politischen Führern sowie in den nationalen und internationalen Medien Aufsehen und auch Besorgnis erregte, war noch besorgniserregender, daß der Kauf einer Villa in einem der exklusivsten Stadtteile von Buenos Aires durch Herrn Thiel bestätigt wurde, für die er 12 Millionen Dollar zahlte – ein Zeichen dafür, daß er sich dauerhaft in Argentinien niederlassen könnte.
Es ist kein Zufall, daß während dieses Besuchs und der laufenden Verhandlung Alexander C. Karp, Mitbegründer und CEO von Palantir, am 18. April ein Manifest auf X veröffentlichte, in dem er eine Zusammenfassung seines Buches „The Technological Republic: Hard Power, Moral Belief and the Future of the West“ („Die technologische Republik: Harte Macht, moralische Überzeugung und die Zukunft des Westens“) in 22 Punkten präsentierte, das im vergangenen Jahr gemeinsam mit Nicholas W. Zamiska veröffentlicht wurde.
Wie vom Verlag Penguin Random House (Bertelsmann), der das Buch herausgegeben hat, auf seiner Internetseite erklärt wird, wurde Palantir 2003 in Palo Alto (Kalifornien) gegründet und entwickelt Softwareplattformen und KI-Funktionalitäten, die von Verteidigungs- und Geheimdienstbehörden der USA und verbündeter Länder weltweit sowie von Unternehmen im kommerziellen Bereich genutzt werden.
Sein Name stammt aus dem Werk „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien, in dem von einem mächtigen magischen Objekt die Rede ist – einem kugelförmigen, unzerbrechlichen Kristall, dunkel gefärbt und vollkommen glatt –, der es ermöglicht, mit anderen identischen Steinen zu kommunizieren und seinem Besitzer erlaubt, Dinge zu sehen, die weit entfernt sind, im Raum oder in der Zeit, jedoch nur durch große Willensanstrengung, Konzentration und mentale Schulung.
Mit der Bedeutung dieses Namens ist die Tatsache verbunden, daß das Unternehmen, obwohl es 2003 gegründet wurde, erst im Jahr 2004 nach Treffen mit hochrangigen Beamten der Central Intelligence Agency (CIA) den entscheidenden Anfangsimpuls erhielt – sowohl finanziell als auch technologisch –, um 2005 seine Tätigkeit aufzunehmen, und zwar über In-Q-Tel, den Venture-Capital-Zweig der CIA, die es zudem für ihre Geheimdienstanalysedienste beauftragte.
Mit anderen Worten: Peter Thiel, der sich selbst als „sehr libertär“ bezeichnet, begann seine Ziele nicht trotz oder gegen den Staat zu verwirklichen, sondern mit dessen ausdrücklichen Unterstützung und in dessen Diensten – und nicht durch irgendeine Organisation, sondern durch die offizielle US-Institution, die weltweit für Geheimdienstanalyse und Spionagetätigkeit zuständig ist. Also ist er ein überzeugter libertärer Marxist oder ein staatsnaher Libertärer, obwohl er der Theorie nach die Linke verabscheut.
Und als Unternehmen eines guten libertären Marxisten ist Palantir bis heute weiter gewachsen und unterhält primär Geschäftsbeziehungen zu staatlichen Behörden und Organisationen in den USA und im Ausland, indem es seinen Kunden Dienstleistungen in den Bereichen Datensammlung, strategische Geheimdienstanalyse und Spionage anbietet.
Doch obwohl er das öffentliche Gesicht ist, nun zusammen mit Alexander C. Karp, ist Thiel nicht der wahre Eigentümer des Unternehmens. Es gehört vielmehr den Investoren, die darin investiert haben: Vanguard Group (9,01 %); BlackRock (8,08 %); Sompo Holdings (4,5 %); State Street (4,28 %); Geode Capital Management (2,27 %); JP Morgan Chase (1,49 %); Morgan Stanley (1,22 %); Norges Bank (1,21 %) usw.
Mit anderen Worten: Palantir ist nicht Peter Thiel. Palantir ist der „private“ Rammbock der globalistischen Finanzplutokratie, die weltweite Reichtumskonzentration betreibt, den pränatalen globalen „Genozid“ fördert und das Informationszeitalter nutzt, um zu verschleiern, daß die wahre Macht der Welt nicht mehr bei souveränen Staaten oder im demokratischen Willen der Mehrheit liegt, sondern in den Händen einer ultra-minoritären Oligarchie, die sich selbst als „Herrscher des Universums“ ausruft, Gott ersetzt, die Völker unterwirft und die Welt ausraubt. Deshalb fördern sie nun die Herrschaft „freier und demokratischer“ Gesellschaften durch ihre Zwangsmacht, die auf Software basiert, nicht auf einem „moralischen Appell“, also einem Ideal. Um die Welt zu regieren, wollen sie eine neue Ära der Abschreckung einleiten, die nicht mehr auf Atomwaffen basiert, sondern auf der Macht der Künstlichen Intelligenz, wobei die USA als Vorbild fortschrittlicher Entwicklung dienen.
In diesem Zusammenhang konkretisiert dieses politische Projekt den Vorschlag einer Neuen Weltordnung, der David Rockefeller 1991 beim jährlichen Treffen der Bilderberg-Gruppe zugeschrieben wird:
„Die Welt ist heute ausgefeilter und besser darauf vorbereitet, sich auf eine einzige Weltregierung zuzubewegen. Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und der Weltbankiers ist sicherlich der nationalen Selbstbestimmung vorzuziehen, wie sie in vergangenen Jahrhunderten praktiziert wurde“.1
In diesem Sinn wird die politische Macht privatisiert, was die Annahme nahelegt, daß der ethische und moralische Verfall der nationalen Führung in den letzten Jahrzehnten nicht zufällig war, sondern Teil eines vorgeplanten, ohne Eile, aber unaufhaltsam umgesetzten Plans, denn diese technotronische Macht braucht keine Staatsmänner, sondern Marionetten.
Und sie üben die Kontrollmacht im täglichen Leben der Menschen aus durch die Betriebssysteme der Computer und die relevanten soziale Netzwerke, da dieselben Investmentfonds sowohl die eine als auch die anderen Unternehmen besitzen – von Alphabet-Google und Microsoft (Vanguard, BlackRock, State Street Corp, Fidelity Management & Research, Geode Capital Management) über Facebook-Meta (Vanguard, BlackRock, Fidelity Management & Research, State Street, JP Morgan Chase, Geode Capital Management), Zoom (Vanguard, BlackRock, Fidelity Management & Research, State Street, JP Morgan Chase) bis hin zu X/Twitter (Vanguard, Morgan Stanley, BlackRock, State Street, Aristotle Capital Management, Fidelity Management & Research) und Tinder (Vanguard, State Street, BlackRock).
Kurz gesagt: Wir erleben die orwellsche Gesellschaft aus dem Buch „1984“ in der Version des 21. Jahrhunderts: konzentrierte und privatisierte politische und wirtschaftliche Macht in den Händen weniger, und eine kontrollierte, manipulierte und überwachte Gesellschaft unter dem Deckmantel eines „demokratischen“ Lebens und angeblich zu dessen Schutz und Sicherstellung. Das ist kein Technofaschismus, wie manche meine; es ist ökonomischer Hyperkapitalismus in einer libertär-totalitären Gesellschaft.
*José Arturo Quarracino, Publizist und Analyst, Lehrtätigkeit an der Universidad del Salvador in Buenos Aires, Neffe von Kardinal Antonio Quarracino, der als Erzbischof von Buenos Aires und Primas von Argentinien den Aufstieg des Jesuitenpaters Jorge Mario Bergoglio möglich machte, während der Neffe einer der ersten und schärfsten Kritiker des Pontifikats von Franziskus war.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Präsidialkanzlei Argentinien (Screenshot)
- Das Bilderberger-Treffen fand vom 30. Mai bis 2. Juni 1991 in Baden-Baden (Baden-Württemberg) statt. Offiziell wird das Treffen, das hinter verschlossenen Türen stattfindet, nicht protokolliert. Das dient, laut offizieller Darstellung, dem freien, ungezwungenen Austausch, verschleiert aber gleichzeitig die Inhalte gegenüber der Außenwelt. ↩︎
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