„Sì sì no no“, die älteste Zeitschrift der Tradition

Geschichte, Autorenkreis und theologische Entwicklung


Si si no no, die älteste Zeitschrift der Tradition, pointiert, akzentuiert, nicht unumstritten.
Si si no no, die älteste Zeitschrift der Tradition, pointiert, akzentuiert, nicht unumstritten.

Die Grün­dung eines Blogs der „Freun­de von Sì sì no no“ ist Anstoß, einen Blick auf die ita­lie­ni­sche Zeit­schrift Sì sì no no (Ja ja, nein nein) zu wer­fen, die zu den bestän­dig­sten publi­zi­sti­schen Orga­nen der katho­li­schen Tra­di­ti­on im 20. und 21. Jahr­hun­dert gehört. Seit ihrer Grün­dung in der Mit­te der 1950er Jah­re ist sie ein kon­ti­nu­ier­li­ches Forum für eine theo­lo­gisch klar neu­scho­la­stisch gepräg­te Per­spek­ti­ve geblie­ben, die sich bewußt an der vor­kon­zi­lia­ren Lehr­tra­di­ti­on ori­en­tiert und die Ent­wick­lun­gen der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che kri­tisch beglei­tet. Ihre Geschich­te ist eng mit den inner­kirch­li­chen Span­nun­gen ver­bun­den, die bereits vor dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil sicht­bar wur­den und sich danach deut­lich ver­schärf­ten. Die Zeit­schrift wird auch inner­halb tra­di­ti­ons­freund­li­cher Krei­se nicht ein­hel­lig gese­hen. Gera­de die Art ihrer Kri­tik wird unter­schied­lich bewer­tet: Was die einen als „zu radi­kal“ emp­fin­den, gilt ande­ren als „Aus­druck kon­se­quen­ter Prinzipientreue„konsequent“.

Entstehung im Kontext der 1950er Jahre

Die Zeit­schrift, die in gedruck­ter Form zwei­wö­chent­lich erschien, wur­de, was man­che erstau­nen dürf­te, bereits 1955 in Ita­li­en gegrün­det, also noch wäh­rend des Pon­ti­fi­kats von Pius XII., in einer Pha­se, in der die katho­li­sche Theo­lo­gie noch stark von der neu­scho­la­sti­schen Syste­ma­tik geprägt war. Die­se Zeit war jedoch bereits von tief­grei­fen­den intel­lek­tu­el­len Span­nun­gen gekenn­zeich­net. Einer­seits bestand die offi­zi­el­le Theo­lo­gie wei­ter­hin auf der kla­ren Begriffs- und Lehr­struk­tur der Scho­la­stik, ande­rer­seits gewann ins­be­son­de­re in Frank­reich und in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine neue theo­lo­gi­sche Bewe­gung an Ein­fluß, die spä­ter als Nou­vel­le Théo­lo­gie bezeich­net wurde.

Die­se Strö­mung ver­such­te, Dog­ma­tik stär­ker histo­risch zu den­ken, die Bibel­wis­sen­schaft neu zu akzen­tu­ie­ren und die Theo­lo­gie pasto­ral zu öff­nen. Für kon­ser­va­ti­ve Theo­lo­gen stell­te dies jedoch eine pro­ble­ma­ti­sche Ent­wick­lung dar, da sie dar­in eine Auf­wei­chung klar defi­nier­ter Lehr­ent­schei­dun­gen und eine Rück­kehr zu bereits frü­her kri­ti­sier­ten und über­wun­den geglaub­ten moder­ni­sti­schen Ten­den­zen sahen. Genau in die­sem Span­nungs­feld ent­stand Sì sì no no als publi­zi­sti­sche Ant­wort auf die­se Entwicklungen.

Es gab kei­nen Aus­lö­ser, der sich als Anstoß zur Grün­dung der Zeit­schrift iden­ti­fi­zie­ren lie­ße. Sì sì no no, gegrün­det von Don Fran­ces­co Maria Put­ti (1909–1984), war viel­mehr das Ergeb­nis einer kumu­la­ti­ven Wahr­neh­mung einer sich zuspit­zen­den theo­lo­gi­schen Ent­wick­lung in der unmit­tel­ba­ren Nach­kriegs­zeit.
Don Put­ti war ein Spät­be­ru­fe­ner, den der hei­li­ge Kapu­zi­ner Pater Pio von Piet­rel­ci­na zum Prie­ster­tum führte.

Die Zeit­schrift ver­stand sich nicht als oppo­si­tio­nel­les Organ außer­halb der Kir­che, son­dern als inner­kirch­li­che Stim­me, die die Kon­ti­nui­tät der klas­si­schen katho­li­schen Leh­re beto­nen woll­te. Ihr Titel, ent­nom­men dem Mat­thä­us­evan­ge­li­um („Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was dar­über hin­aus­geht, stammt vom Bösen“), bringt die­sen Anspruch auf begriff­li­che und dog­ma­ti­sche Klar­heit pro­gram­ma­tisch zum Ausdruck.

Geistige Grundausrichtung und theologischer Ansatz

In ihrer Grund­aus­rich­tung ist die Zeit­schrift ein­deu­tig der neu­scho­la­sti­schen Tra­di­ti­on ver­pflich­tet, ins­be­son­de­re dem Den­ken des hei­li­gen Tho­mas von Aquin. Die­se scho­la­sti­sche Metho­de, die durch kla­re Defi­ni­tio­nen, logi­sche Argu­men­ta­ti­on und syste­ma­ti­sche Dar­stel­lung der Glau­bens­leh­re gekenn­zeich­net ist, bil­det den intel­lek­tu­el­len Hin­ter­grund der mei­sten Beiträge.

Cha­rak­te­ri­stisch für Sì sì no no ist die Über­zeu­gung, die für Katho­li­ken selbst­ver­ständ­lich sein soll­te, daß dog­ma­ti­sche Aus­sa­gen der Kir­che eine feste und ver­bind­li­che Bedeu­tung besit­zen, die nicht durch histo­ri­sche oder her­me­neu­ti­sche Rela­ti­vie­run­gen abge­schwächt wer­den dür­fe. Ent­spre­chend kri­tisch wird jede theo­lo­gi­sche Ent­wick­lung betrach­tet, die als Auf­wei­chung die­ser Klar­heit ver­stan­den wird.

Bereits in den frü­hen Jahr­gän­gen zeigt sich eine wie­der­keh­ren­de the­ma­ti­sche Struk­tur: die Ver­tei­di­gung der klas­si­schen Dog­ma­tik, die Abgren­zung gegen­über moder­nen phi­lo­so­phi­schen Strö­mun­gen und die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit neu­en bibel­wis­sen­schaft­li­chen Metho­den, ins­be­son­de­re der histo­risch-kri­ti­schen Exegese.

Die frühen Jahre: Autorenkreis und Publikationsform

Die Grün­dungs­pha­se der Zeit­schrift war durch einen rela­tiv klei­nen, aber aka­de­misch gebil­de­ten Autoren­kreis geprägt. Die­ser bestand über­wie­gend aus Kle­ri­kern und Theo­lo­gen, die in der scho­la­sti­schen Tra­di­ti­on Roms geformt wor­den waren und teil­wei­se an römi­schen oder ita­lie­ni­schen Lehr­in­sti­tu­tio­nen wirkten.

Von Anfang an wur­den vie­le Bei­trä­ge anonym oder unter Initia­len ver­öf­fent­licht. Bereits im Unter­ti­tel des Zeit­schrif­ten­kop­fes wur­de ein Satz aus Dan­te Ali­ghie­r­is „Gött­li­cher Komö­die“ zitiert: „Wol­le nicht wis­sen, wer es gesagt hat, son­dern ach­te dar­auf, was gesagt wird.“ Dies hat­te zunächst weni­ger den Cha­rak­ter von Geheim­hal­tung, son­dern war Aus­druck eines Ver­ständ­nis­ses, das die Zeit­schrift als gemein­sa­mes theo­lo­gi­sches Pro­jekt einer Schu­le und nicht als Platt­form ein­zel­ner Per­sön­lich­kei­ten ver­stand. Es soll­te bewußt nicht um Per­son­be­zo­gen­heit oder Per­so­na­li­sie­run­gen gehen soll­te, son­dern allein um Sach­fra­gen und deren objek­ti­ve theo­lo­gi­sche Klä­rung. Die Geheim­hal­tung wur­de von man­chen Autoren aber sich auch aus ande­ren Grün­den geschätzt.

Die The­men die­ser ersten Jah­re kon­zen­trier­ten sich stark auf die Ver­tei­di­gung der klas­si­schen Tho­mi­sti­schen Phi­lo­so­phie, auf Kri­tik an neu­en Bibel­in­ter­pre­ta­tio­nen und auf die Abwehr des­sen, was als „Moder­nis­mus“ im wei­te­ren Sin­ne ver­stan­den wurde.

Die Phase des Zweiten Vatikanischen Konzils

Mit dem Beginn des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils im Jahr 1962 ver­än­der­te sich der kirch­li­che Kon­text grund­le­gend, und damit auch die Rol­le von Sì sì no no. Wäh­rend das Kon­zil selbst eine brei­te theo­lo­gi­sche und pasto­ra­le Neue­rung ein­lei­te­te, betrach­te­te die Zeit­schrift vie­le die­ser Ent­wick­lun­gen mit wach­sen­der Skepsis.

Die Zeit­schrift rich­te­te sich nicht grund­sätz­lich gegen das Kon­zil, son­dern gegen das, was sie als bedenk­li­che theo­lo­gi­sche Ten­den­zen inner­halb der katho­li­schen Wis­sen­schaft wahr­nahm. Sie stand dem Kon­zil also nicht sofort ableh­nend gegen­über. Mit zuneh­me­ner Wach­sam­keit und wach­sen­der Sor­ge beob­ach­te­te sie jedoch die Arbei­ten der Vorbereitungskommissionen.

In die­ser Pha­se wur­de Sì sì no no zu einem kon­ti­nu­ier­li­chen Kom­men­ta­tor der Kon­zils­pro­zes­se. Die Bei­trä­ge kon­zen­trier­ten sich ins­be­son­de­re auf die Ana­ly­se der vor­be­rei­ten­den Kon­zils­do­ku­men­te sowie spä­ter auf die Inter­pre­ta­ti­on der ver­ab­schie­de­ten Kon­sti­tu­tio­nen. Die Autoren inter­pre­tier­ten vie­le The­men, die zuvor als Ein­zel­ent­wick­lun­gen erschie­nen, nun als Teil eines grö­ße­ren kirch­li­chen Umbruchsprozesses. 

Die Autoren warn­ten vor unkla­ren For­mu­lie­run­gen und vor einer mög­li­chen Abkehr von klar defi­nier­ten dog­ma­ti­schen Aus­sa­gen zugun­sten pasto­ra­ler Offen­heit. Beson­ders kri­tisch wur­den jene Tex­te betrach­tet, die sich mit Reli­gi­ons­frei­heit, Öku­me­ne und dem Selbst­ver­ständ­nis der Kir­che in der moder­nen Welt befaßten.

Vor dem Kon­zil war Sì sì no no als nicht offi­zi­el­les kirch­li­ches Organ ein fach­theo­lo­gi­sches Nischen­pro­dukt. Als sol­ches war es im römi­schen und ita­lie­ni­schen aka­de­misch-kle­ri­ka­len Milieu durch­aus bekannt. Eine brei­te­re kirch­li­che oder gesell­schaft­li­che Sicht­bar­keit hat­te sie aber nicht. Sie war kei­ne „füh­ren­de Stim­me der katho­li­schen Welt“, son­dern galt als Teil eines intel­lek­tu­el­len Unterstroms.

Mit der Ankün­di­gung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils durch Johan­nes XXIII. 1959 ver­än­der­te sich die Situa­ti­on grund­le­gend – aller­dings nicht abrupt, son­dern schritt­wei­se. Dies brach­te auch eine deut­li­che Bedeutungssteigerung.

Sì sì no no war aber nie Teil der offi­zi­el­len Kon­zils­me­cha­nis­men und konn­te daher insti­tu­tio­nell kei­nen direk­ten Ein­fluß auf Abstim­mun­gen oder Text­fas­sun­gen aus­üben. Den­noch ver­stand sie sich wäh­rend des Kon­zils zuneh­mend als kri­ti­sche Gegen­stim­me im theo­lo­gi­schen Dis­kurs­raum, die mit­tel­bar auf Deu­tun­gen und Rezep­ti­on ein­wir­ken wollte.

Die ver­such­te Ein­fluß­nah­me war aber nur indi­rekt und mit sehr begrenz­ter rea­ler Wir­kung auf den Kon­zils­ver­lauf selbst. Dies lag zunächst dar­an, daß die Zeit­schrift bei den mei­sten Kon­zils­vä­tern und peri­ti außer­halb Ita­li­ens kaum bekannt war und daher nur einen äußerst ein­ge­schränk­ten Reso­nanz­raum besaß. Hin­zu kam die ins­ge­samt von Opti­mis­mus und Auf­bruchs­stim­mung gepräg­te Atmo­sphä­re des Kon­zils selbst, die vie­le Bischö­fe und ihre theo­lo­gi­schen Bera­ter erfaß­te und eine eige­ne Dyna­mik ent­fal­te­te, inner­halb der kri­ti­sche Gegen­stim­men wie die von Sì sì no no nur schwer Gehör fin­den konnten.

Selbst die sich erst rela­tiv spät im Coe­tus Inter­na­tio­na­lis Patrum orga­ni­sie­ren­den kon­ser­va­ti­ven Kon­zils­vä­ter unter­hiel­ten kei­ne direk­ten oder gar stra­te­gi­schen Ver­bin­dun­gen zur Zeit­schrift Sì sì no no. Dies hing weni­ger mit inhalt­li­cher Ableh­nung ein­zel­ner Argu­men­te zusam­men, son­dern viel­mehr mit gewis­sen Vor­be­hal­ten gegen­über der Art der Posi­tio­nie­rung und dem publi­zi­sti­schen Vor­ge­hen der Zeit­schrift. Die­se betra­fen ins­be­son­de­re den stark zuspit­zen­den Argu­men­ta­ti­ons­stil sowie die exter­ne Kom­men­tie­rung des lau­fen­den Kon­zils­ge­sche­hens. Die orga­ni­sier­te kon­ser­va­ti­ve Rich­tung blieb im Ver­lauf des Kon­zils ins­ge­samt in einer struk­tu­rell defen­si­ven Posi­ti­on, ohne als ein­heit­lich geschlos­se­ner Block mit ein­heit­li­cher Stra­te­gie aufzutreten.

Nachkonziliare Entwicklung und systematische Kritik

Nach dem Abschluß des Kon­zils ent­wickel­te sich Sì sì no no zu einem dau­er­haf­ten Forum der Kri­tik an der Umset­zung der Kon­zils­be­schlüs­se. Die­se Pha­se erstreckt sich über meh­re­re Jahr­zehn­te und prägt das Pro­fil der Zeit­schrift bis in die Gegenwart.

Inhalt­lich ist dabei eine deut­li­che Ver­schie­bung von der punk­tu­el­len Kom­men­tie­rung ein­zel­ner Ent­wick­lun­gen hin zu umfas­sen­den, syste­ma­tisch auf­ge­bau­ten Ana­ly­sen zu beob­ach­ten. Die Autoren beschrän­ken sich nicht mehr auf die Bewer­tung kon­kre­ter Ein­zel­fra­gen, son­dern unter­zie­hen die theo­lo­gi­schen Grund­la­gen der nach­kon­zi­lia­ren Refor­men einer grund­le­gen­den Über­prü­fung. In die­sem Sin­ne ist zuneh­mend von einer eigent­li­chen System­kri­tik zu spre­chen, die die ver­schie­de­nen Reform­be­rei­che in ihrem inne­ren Zusam­men­hang erfaßt.

Ein beson­de­rer Schwer­punkt die­ser syste­ma­ti­schen Kri­tik liegt auf der Lit­ur­gie­re­form, ins­be­son­de­re auf der Ein­füh­rung der neu­en Meß­ord­nung im Jahr 1970. Die­se wird als tief­grei­fen­der Ein­schnitt in die lit­ur­gi­sche Tra­di­ti­on inter­pre­tiert, wobei vor allem die Fra­ge der Kon­ti­nui­tät mit der vor­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie in den Mit­tel­punkt der Argu­men­ta­ti­on rückt.

Damit ver­bun­den ist ein grund­le­gen­der Per­spek­tiv­wech­sel: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil erscheint nun nicht mehr aus­schließ­lich als histo­ri­sches Ein­zel­er­eig­nis, son­dern zuneh­mend als dau­er­haf­te theo­lo­gi­sche Pro­blem­stel­lung, deren Aus­wir­kun­gen in unter­schied­li­chen Berei­chen der kirch­li­chen Pra­xis und Leh­re ana­ly­siert werden.

Die Redak­ti­on von Si si no no sah früh­zei­tig die Rück­kehr der moder­ni­sti­schen Gefahr und wer­tet die Ent­wick­lung der Nach­kon­zils­zeit als „moder­ni­sti­sche Über­nah­me“ der Kirche

Par­al­lel dazu ver­än­dert sich auch der sprach­li­che und argu­men­ta­ti­ve Cha­rak­ter der Zeit­schrift. Es läßt sich eine schritt­wei­se Ver­dich­tung und Ver­här­tung der Argu­men­ta­ti­on fest­stel­len, ver­bun­den mit einer stär­ke­ren Zuspit­zung der Urteile.

Sì sì no no wird im sich orga­ni­sie­ren­den tra­di­ti­ons­ori­en­tier­ten Milieu eine wich­ti­ge Refe­renz­pu­bli­ka­ti­on, deren Bei­trä­ge über Jahr­zehn­te hin­weg als kon­ti­nu­ier­li­che intel­lek­tu­el­le Beglei­tung der nach­kon­zi­lia­ren kirch­li­chen Ent­wick­lung wahr­ge­nom­men werden.

Autoren und redaktionelle Entwicklung

Im Lau­fe der Jahr­zehn­te ent­wickel­te sich ein sta­bi­ler, aber nie streng insti­tu­tio­na­li­sier­ter Redak­ti­ons­kreis. Zu den prä­gen­den Figu­ren gehör­ten ver­schie­de­ne ita­lie­ni­sche Theo­lo­gen und Intel­lek­tu­el­le, die häu­fig aus dem Umfeld der klas­si­schen scho­la­sti­schen Aus­bil­dung stammten.

Die Redak­ti­on blieb über lan­ge Zeit bewußt schlank orga­ni­siert, und auch in spä­te­ren Jah­ren wur­de kein stark zen­tra­li­sier­tes Her­aus­ge­ber­sy­stem eta­bliert. Dies trug zur Kon­ti­nui­tät der inhalt­li­chen Linie bei, da kei­ne grund­le­gen­den struk­tu­rel­len Umbrü­che durch insti­tu­tio­nel­le Neu­aus­rich­tun­gen erfolgten.

Ver­schie­de­ne Autoren lie­ßen sich, trotz der Anony­mi­sie­rung, rekon­stru­ie­ren, wäh­rend in der Pha­se der nach­kon­zi­lia­ren Kri­tik eini­ge Namen stär­ker her­vor­tre­ten: Beson­ders zu nen­nen sind Pater Michel­an­ge­lo Mari­ni OP, domi­ni­ka­nisch gepräg­ter Scho­la­sti­ker mit stark syste­ma­tisch-phi­lo­so­phi­sche Bei­trä­gen, Gior­gio Gre­gan­ti, ein Lai­en­theo­lo­ge mit Schwer­punkt Phi­lo­so­phie, Dog­ma­tik und kir­chen­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen, Don Emma­nu­el du Chalard und ande­re mehr.

Im Umfeld beweg­te sich eini­ge Zeit auch Don Lui­gi Vil­la, der im Zuge des Kon­zils zuneh­mend zum Kri­ti­ker der kirch­li­chen Ent­wick­lun­gen wur­de. Er gehör­te aber nie der Redak­ti­on an, son­dern grün­de­te 1969 sei­ne eige­ne Zeit­schrift Chie­sa viva („Leben­di­ge Kir­che“).

Verhältnis zu traditionsverbundenen Bewegungen

Im Ver­lauf der Nach­kon­zils­zeit ent­wickel­te sich eine ideel­le Nähe zu ande­ren tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Strö­mun­gen inner­halb der katho­li­schen Kir­che, beson­ders zur Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Es gab aber weder eine for­ma­le Koope­ra­ti­on noch eine stra­te­gi­sche Einbindung. 

US-ame­ri­ka­ni­sche Aus­ga­be der 90er Jahre

Es gab jedoch eine teil­wei­se Über­ein­stim­mung in zen­tra­len Fra­gen: Kri­tik an bestimm­ten Ent­wick­lun­gen nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, Ver­tei­di­gung der vor­kon­zi­lia­ren lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on und Skep­sis gegen­über bestimm­ten ekkle­sio­lo­gi­schen und öku­me­ni­schen Neuformulierungen.

Die­se Nähe war also nie orga­ni­sa­to­ri­scher Natur. Sì sì no no war zu kei­nem Zeit­punkt ein offi­zi­el­les Organ die­ser oder ande­rer kirch­li­cher Grup­pen, son­dern eine eigen­stän­di­ge Publikation.

Nicht uner­wähnt blei­ben soll, daß es in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten über einen gewis­sen Zeit­raum hin­weg auch eine eng­lisch­spra­chi­ge Aus­ga­be von Sì sì no no gab. Genau genom­men han­del­te es sich dabei jedoch nicht um eine eigen­stän­di­ge Zeit­schrift, son­dern um den Nach­druck ins Eng­li­sche über­setz­ter Arti­kel aus der ita­lie­ni­schen Ori­gi­nal­aus­ga­be. Her­aus­ge­ge­ben wur­de die­se eng­li­sche Fas­sung von Ange­lus Press, einem Ver­lag mit enger Ver­bin­dung zur Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X.

Spätere Entwicklung und heutiger Status

In der jün­ge­ren Pha­se hat sich weni­ger die inhalt­li­che Aus­rich­tung als viel­mehr die Publi­ka­ti­ons­form ver­än­dert. Die Zeit­schrift erscheint nicht mehr in einer gedruck­ten Form. Seit 2007 exi­stiert eine Inter­net­sei­te. Nun wur­den par­al­lel zur Ein­stel­lung der Druck­aus­ga­be zusätz­lich ein Inter­net­blog Amici di Sì sì no no („Freun­de von Sì sì no no“) ins Leben gerufen.

Trotz die­ser Moder­ni­sie­rung bleibt die inhalt­li­che Linie unver­än­dert. Die Bei­trä­ge kon­zen­trie­ren sich wei­ter­hin auf die Ver­tei­di­gung der scho­la­sti­schen Theo­lo­gie, die kri­ti­sche Ana­ly­se nach­kon­zi­lia­rer Ent­wick­lun­gen und die Inter­pre­ta­ti­on kirch­li­cher Lehr­do­ku­men­te aus einer strikt tra­di­tio­nel­len Perspektive.

Der Reso­nanz­be­reich der Zeit­schrift hat sich im Lau­fe ihres lan­gen Bestehens natur­ge­mäß und aus ver­schie­de­nen Grün­den deut­lich ver­scho­ben. So bleibt die Fra­ge, ob es ihr gelin­gen wird, ihren Platz in einem sich auch durch Gene­ra­tio­nen­wech­sel stark ver­än­dern­den tra­di­ti­ons­freund­li­chen Milieu zu behaupten.

Die Bedeu­tung von Sì sì no no lag von Anfang an weni­ger in ihrer quan­ti­ta­ti­ven Reich­wei­te als in ihrer Funk­ti­on als kon­ti­nu­ier­li­che intel­lek­tu­el­le Stim­me eines bestimm­ten theo­lo­gi­schen Ansat­zes. Über Jahr­zehn­te hin­weg doku­men­tiert sie die Argu­men­ta­ti­ons­li­ni­en der katho­li­schen Tra­di­ti­on, die sich bewußt auf die vor­kon­zi­lia­re Lehr­tra­di­ti­on stützt.

Das ließ sie zu einem sta­bi­len intel­lek­tu­el­len Forum der theo­lo­gi­schen Tra­di­ti­on wer­den. Ihre Geschich­te spie­gelt alle Span­nun­gen wider, von denen die katho­li­sche Kir­che seit der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts heim­ge­sucht wurde.

Die Zeit­schrift pflegt eine aus­ge­spro­chen akzen­tu­iert schar­fe Kri­tik an der nach­kon­zi­lia­ren Ent­wick­lung. Von sedis­va­kan­ti­sti­schen oder sedis­pri­va­tio­ni­sti­schen Posi­tio­nen hielt sie sich jedoch fern. In ihrer Ana­ly­se ist die Zeit­schrift das, was je nach Sicht­wei­se als „kon­se­quent“, „uner­bitt­lich“ oder „radi­kal“ qua­li­fi­ziert wir­de: Das Pon­ti­fi­kat von Bene­dikt XVI. nennt sie „neo­mo­der­ni­stisch“, jenes von Fran­zis­kus, „hemds­är­me­lig-pero­ni­stisch“ und jenes von Leo XIV. „neo­kon­ser­va­tiv-ame­ri­ka­nisch“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: sis​i​no​no​.org (Screen­shot)

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