Bergoglio-Woche: Seine „Geschenke“ an die argentinische Kirche

Der Fall des Erzbischofs von Buenos Aires


Msgr. Garcia Cuerva, von Papst Franziskus ernannter Erzbischof von Buenos Aires, mit der Peronistin Malena Galmarini
Msgr. Garcia Cuerva, von Papst Franziskus ernannter Erzbischof von Buenos Aires, mit der Peronistin Malena Galmarini

Von Cami­nan­te Wanderer*

Eines der schmerz­lich­sten Ver­mächt­nis­se des Pon­ti­fi­kats von Fran­zis­kus waren die Bischö­fe, die er der Kir­che hin­ter­ließ – und im Fal­le Argen­ti­ni­ens sei­ne Ten­denz, sie aus dem Kreis der Prie­ster aus­zu­wäh­len, denen oft die ele­men­tar­sten und uner­läß­li­chen Qua­li­tä­ten fehl­ten. Und ich sage Ten­denz, weil Fran­zis­kus im Lau­fe sei­nes Pon­ti­fi­kats 67 Bischö­fe in Argen­ti­ni­en ernann­te, also fast sechs pro Jahr. Papst Leo hat im ersten Jahr sei­nes Dien­stes nur einen ernannt.

Das Pro­blem liegt jedoch nicht in der Men­ge, son­dern in der Qua­li­tät, also in den Aus­wahl­kri­te­ri­en. Wir haben hier bereits erwähnt, daß Fran­zis­kus in min­de­stens drei Fäl­len für Argen­ti­ni­en Bischö­fe vor­schlug, die­se die Ernen­nung annah­men und die übli­chen Glück­wün­sche erhiel­ten, aber Wochen spä­ter auf die Wei­he ver­zich­te­ten: angeb­li­che „Lei­chen im Kel­ler“ wur­den als Grund genannt – eben­so wie im Fall des geschei­ter­ten indo­ne­si­schen Bischofs Pas­ca­lis Syu­kur. Die­ser war 2024 von Berg­o­glio zum Kar­di­nal ernannt wor­den, hat­te die Ernen­nung freu­dig ange­nom­men und Geschen­ke von Gläu­bi­gen und Auto­ri­tä­ten erhal­ten, trat jedoch weni­ge Tage spä­ter zurück. Spä­ter wur­de bekannt, daß er eine Lie­bes­be­zie­hung zu einer Frau unter­hal­ten und mit ihr zwei Kin­der gezeugt hat­te. Papst Leo akzep­tier­te vor eini­gen Mona­ten sei­nen Rück­tritt als Diözesanbischof.

Alles deu­tet dar­auf hin, daß Fran­zis­kus Bischö­fe nach per­sön­li­cher Sym­pa­thie oder nach Nähe zu ihm ernann­te und dabei die übli­chen Aus­wahl­ver­fah­ren über die Nun­tia­tu­ren umging. Das offen­sicht­lich­ste Bei­spiel ist Argen­ti­ni­en, wo sich eine Rei­he von Beson­der­hei­ten im Epi­sko­pat fin­den las­sen. So sind etwa alle Jesui­ten, die in den 1980er Jah­ren zum „berg­o­glia­ni­schen“ Kreis gehör­ten und sich gegen Pater Víc­tor Zor­zín stell­ten – den damals vom Gene­ral­obe­ren Hans Kol­ven­bach ein­ge­setz­ten Pro­vin­zi­al –, heu­te Bischöfe.

Ein wei­te­res Bei­spiel: Wäh­rend sei­ner Zeit als Pro­vin­zi­al und spä­ter als Rek­tor des Cole­gio Máxi­mo sorg­te Berg­o­glio dafür, daß mög­lichst vie­le Ordens­ge­mein­schaf­ten min­de­stens einen Kan­di­da­ten zum Stu­di­um dort­hin ent­sand­ten. Die­se wur­den nach ihrer Wei­he zu inof­fi­zi­el­len „Kor­re­spon­den­ten“ (man­che sagen: Spio­ne) Berg­o­gli­os in ihren jewei­li­gen Insti­tu­tio­nen. Vie­le von ihnen sind heu­te eben­falls Bischöfe.

Auch wenn die Pra­xis, Bischö­fe nach Sym­pa­thien oder per­sön­li­chen Bezie­hun­gen zu ernen­nen, sehr mit­tel­al­ter­lich wirkt, ist es immer noch gefähr­lich. Die Fol­gen schlech­ter Hir­ten tra­gen nicht nur die Gläu­bi­gen und Prie­ster – auch Fran­zis­kus selbst muß­te mehr­fach die Kon­se­quen­zen sei­ner eige­nen Medi­zin kosten.

Der Fall Jorge García Cuerva

Ein beson­de­rer Fall ist Msgr. Jor­ge Gar­cía Cuer­va. 1968 gebo­ren, wur­de er 2017 zum Weih­bi­schof von Lomas de Zamo­ra ernannt, spä­ter nach Río Gal­le­gos in Pata­go­ni­en ver­setzt und schließ­lich 2023 nach Bue­nos Aires berufen.

Obwohl er einen Teil sei­ner seel­sorg­li­chen Tätig­keit in einem Armen­vier­tel aus­üb­te, war er kein typi­scher „Stra­ßen­prie­ster“. Den­noch bemüh­te er sich, als ein Hir­te auf­zu­tre­ten, der „nach Scha­fen riecht“ – eine Selbst­in­sze­nie­rung, die er nicht zu beto­nen ver­säum­te. Wie Papst Fran­zis­kus selbst berich­te­te auch er von über­na­tür­li­chen Zeichen.

Bekannt ist, daß der Papst der hei­li­gen The­re­sia vom Kin­de Jesu sehr zuge­tan war und behaup­te­te, wenn die Hei­li­ge ihm eine Gna­de erwies, schick­te sie ihm eine wei­ße Rose. Natür­lich war er in allen Fäl­len der ein­zi­ge Zeu­ge die­ser Erschei­nun­gen, die er selbst berich­te­te. Jor­ge Gar­cía Cuer­va woll­te da nicht zurück­ste­hen und berich­te­te selbst einem Jour­na­li­sten, er habe ein Zei­chen der Jung­frau Maria erhal­ten, durch das sie ihm ihr Wohl­wol­len gegen­über sei­ner geist­li­chen Ernen­nung kund­ge­tan habe. Doch in die­sem Fall han­del­te es sich nicht um eine Rose, nicht ein­mal um Schnee oder eine ande­re Blü­te – son­dern um ein Blatt Rotkohl.

Es erscheint zumin­dest bemer­kens­wert, daß Papst Fran­zis­kus einen Prie­ster zum Bischof ernann­te, des­sen Wei­he nach Anga­ben des Kle­rus von San Isidro von sei­nem eige­nen Bischof zunächst zurück­ge­stellt wor­den sein soll – die Grün­de dafür sol­len hier nicht aus­ge­führt wer­den –, der sich als Pero­nist dar­stell­te, poli­tisch gepräg­te Mes­sen fei­er­te und enge Freund­schaf­ten mit den kor­rup­te­sten pero­ni­sti­schen Füh­rungs­fi­gu­ren und Ver­tei­di­gern der frag­wür­dig­sten Anlie­gen unter­hielt – etwa der Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung –, wie im Fal­le von Male­na Gal­ma­ri­ni1, mit der er auf einem Foto (oben) zu sehen ist und dabei das für den Pero­nis­mus typi­sche V‑Zeichen zeigt.

Im Jah­re 2014 war er zudem, für vie­le Gläu­bi­ge, in einen Skan­dal ver­wickelt, da er in der Kir­che des San­tí­si­mo Sacra­men­to (der vor­nehm­sten und ele­gan­te­sten Kir­che von Bue­nos Aires) die Kin­der des weit­hin bekann­ten Tra­ve­stie­künst­lers Flo­ren­cia de la V tauf­te, der mit einem ande­ren Mann „ver­hei­ra­tet“ ist.2

Daher über­rasch­te es auch nicht, daß im Jah­re 2021 ein Sale­sia­ner­prie­ster sei­ner Diö­ze­se mit gro­ßem Auf­wand und unter Teil­nah­me hoher Pro­vinz­be­hör­den, ange­führt vom Gou­ver­neur, eine sol­che Ver­bin­dung zwi­schen einem Trans­ve­sti­ten und einem Mann kirch­lich „ehe­lich“ segnete.

Obwohl Msgr. Gar­cía Cuer­va erklär­te, er habe dies nicht auto­ri­siert, blieb der Vor­fall letzt­lich unge­klärt, und der Prie­ster erhielt ledig­lich eine Verwarnung.

Kurz gesagt: Msgr. Gar­cía Cuer­va ver­füg­te nicht über die not­wen­di­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen, um den dama­li­gen erz­bi­schöf­li­chen Stuhl von Argen­ti­ni­en zu über­neh­men. War­um wur­de er also von Fran­zis­kus gewählt?

Politische Hintergründe der Ernennung

Gewiß lag eine poli­ti­sche Absicht vor, wie über­haupt jedem Schritt und jeder Ent­schei­dung des Pon­ti­fex eine sol­che inne­wohn­te. Im Jahr nach sei­ner Ernen­nung stan­den in Argen­ti­ni­en Prä­si­dent­schafts­wah­len an, und der pero­ni­sti­sche Kan­di­dat war Ser­gio Mas­sa, Ehe­mann von Gal­ma­ri­ni und per­sön­li­cher Freund Gar­cía Cuer­vas. Es han­del­te sich um ein klei­nes Geschenk Berg­o­gli­os an sei­ne pero­ni­sti­schen Freun­de und zugleich um ein Mit­tel, den Auf­stieg eines ande­ren Kan­di­da­ten zu behin­dern. Aller­dings ging die­se Stra­te­gie nicht auf.

Doch der wich­tig­ste Grund war ein ande­rer. Im Juli 2022 schloß der Vati­kan eine Finanz­prü­fung der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires ab, in deren Ver­lauf – aus ziem­lich undurch­sich­ti­gen Grün­den – der Erz­bi­schof, Kar­di­nal Mario Poli3, sowie meh­re­re Prie­ster im Zusam­men­hang mit dem Ver­kauf einer Immo­bi­lie gerügt wur­den. Selbst­ver­ständ­lich geschah dies mit Bil­li­gung von Papst Fran­zis­kus. Der Bericht wur­de in den natio­na­len Medi­en ver­öf­fent­licht und löste, wie zu erwar­ten war, einen erheb­li­chen Skan­dal aus; das Schwer­wie­gend­ste jedoch war, daß die vati­ka­ni­schen Anschul­di­gun­gen völ­lig unbe­grün­det waren.

Weni­ge Tage spä­ter ver­öf­fent­lich­te Kar­di­nal Poli ein Schrei­ben zur Unter­stüt­zung der vom Vati­kan Fran­zis­kus‘ ver­leum­de­ten Prie­ster, und 250 Prie­ster der Erz­diö­ze­se ver­faß­ten einen wei­te­ren Brief zugun­sten eben die­ser Geist­li­chen, in dem sie deren Red­lich­keit und guten Glau­ben bezeug­ten. Wie nicht anders zu erwar­ten, erzürn­te dies den römi­schen Pon­ti­fex, der nicht zöger­te, in Anleh­nung an Juan Dom­in­go Perón „die Stra­fe don­nern zu lassen“.

Kaum fünf Mona­te nach Voll­endung sei­nes 75. Lebens­jah­res setz­te er Kar­di­nal Mario Poli von der Haupt­stadt­diö­ze­se ab und ernann­te den dama­li­gen Bischof von Río Gal­le­gos, Mon­si­gno­re Jor­ge Gar­cía Cuer­va, zu sei­nem Nach­fol­ger. Die­ses Vor­ge­hen wur­de als päpst­li­che Rache sowohl gegen den gede­mü­tig­ten Erz­bi­schof als auch gegen den Haupt­stadt­kle­rus gedeu­tet, der ihn mit jenem Soli­da­ri­täts­schrei­ben her­aus­ge­for­dert hatte.

Weitere Entwicklungen

Der natür­li­che Kan­di­dat für die Nach­fol­ge Polis war Mon­si­gno­re Car­los Azpi­roz Costa OP, der Gene­ral­ma­gi­ster des Domi­ni­ka­ner­or­dens gewe­sen war und Erz­bischof von Bahía Blan­ca ist. Es han­delt sich um eine gebil­de­te und aus­ge­wo­ge­ne Per­sön­lich­keit, die alle Vor­aus­set­zun­gen für das Amt mit­brach­te. Gar­cía Cuer­va hin­ge­gen war beim Kle­rus der Haupt­stadt nicht nur unbe­liebt, son­dern wur­de in vie­len Krei­sen regel­recht abge­lehnt. Fran­zis­kus wuß­te das, und genau dar­in bestand sei­ne Rache: ihnen einen Erz­bi­schof zu geben, der im Kle­rus dau­er­haf­te Ver­är­ge­rung her­vor­ru­fen wür­de. Was er jedoch nicht erwar­tet hat­te, war, daß die­ser schon kur­ze Zeit nach sei­ner Ernen­nung auch bei ihm selbst Unmut her­vor­ru­fen würde.

Es ist bekannt, daß Fran­zis­kus weni­ge Mona­te nach der ver­häng­nis­vol­len Ernen­nung sei­ne Ent­schei­dung bereu­te. Dies ließ er, wie vati­ka­ni­sche Quel­len berich­ten, sei­ne Ver­trau­ten wis­sen. Mehr noch: Die­sel­ben Quel­len ver­si­chern, daß alles dar­auf hin­deu­te­te, daß Msgr. Gar­cía Cuer­va das­sel­be Schick­sal erlei­den wür­de wie sein Freund Msgr. Gabri­el Mest­re, der von Fran­zis­kus 2023 zum Erz­bi­schof von La Pla­ta ernannt und weni­ger als ein Jahr spä­ter zum Rück­tritt gezwun­gen wor­den war. 

Doch der Tod kam Berg­o­glio zuvor, ehe er die Straf­maß­nah­me voll­zie­hen konn­te. Alles war bereits vor­be­rei­tet. In der zwei­ten Hälf­te des Jah­res 2024 hat­te er Msgr. Jor­ge Gar­cía Cuer­va ein aus­führ­li­ches Schrei­ben zukom­men las­sen, in dem er ihm sei­ne Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten hin­sicht­lich der von ihm getrof­fe­nen Maß­nah­men dar­leg­te, obwohl man zuvor gemein­sam ande­re Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen hat­te. Es ging dabei frei­lich nicht um „neben­säch­li­che“ Fra­gen wie die Recht­gläu­big­keit in Leh­re oder Moral, son­dern um wirk­lich gewich­ti­ge Din­ge, etwa die offen­kun­di­ge Geld­gier Gar­cía Cuervas.

Ein Teil der Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten betraf die Dop­pel­zün­gig­keit des Erz­bi­schofs. Wäh­rend er öffent­lich erklär­te: „Die Arbeit ist ein gro­ßer gesell­schaft­li­cher Ord­nungs­fak­tor, die Arbeit ver­leiht dem Men­schen Wür­de“, und den hei­li­gen Kajet­an für „alle Arbei­ter unse­res Vater­lan­des“ bat, anrief weil „wir als Kir­che alle For­men der Arbeit schät­zen: die for­mel­le Beschäf­ti­gung, die Fami­li­en­un­ter­neh­men, die Volks­wirt­schaft, das Recy­cling, Gele­gen­heits­ar­bei­ten“, ent­ließ er zugleich mehr als 130 Ange­stell­te des Erz­bis­tums Bue­nos Aires.

Kurz dar­auf ver­füg­te er die Schlie­ßung des „Kle­rus­hau­ses“ in der Cal­le Para­gu­ay y Rodrí­guez Peña, in dem Prie­ster wohn­ten, die buch­stäb­lich kei­ne ande­re Unter­kunft hat­ten, dar­un­ter auch alte und kran­ke. Das gro­ße Gebäu­de wur­de der Stadt­ver­wal­tung von Bue­nos Aires zur unent­gelt­li­chen Nut­zung über­las­sen. Selt­sam, sehr seltsam …

„Wir sind Hüter der Behin­der­ten und aller Kran­ken“, sag­te der Erz­bi­schof gleichzeitig.

Auch die Bau­ar­bei­ten, die Msgr. Gar­cía Cuer­va im erz­bi­schöf­li­chen Palais vor­neh­men ließ, fan­den nicht die Zustim­mung des Pap­stes. So etwa die Reno­vie­rung des drit­ten Stock­werks, in dem zuvor Berg­o­glio und Kar­di­nal Poli gewohnt hat­ten. Mehr noch: Die Arbei­ten muß­ten ein zwei­tes Mal aus­ge­führt wer­den, da sie den Ansprü­chen des neu­en Erz­bi­schofs nicht genüg­ten. Und trotz der erneu­ten Aus­bes­se­run­gen blieb Msgr. Gar­cía Cuer­va unzu­frie­den, wes­halb er ein ita­lie­ni­sches Palais aus dem frü­hen 20. Jahr­hun­dert in der Cal­le Bal­do­me­ro Fernán­dez Moreno 2383 im Stadt­teil Flo­res als sei­ne Resi­denz her­rich­ten ließ. Papst Fran­zis­kus brach­te in dem erwähn­ten Schrei­ben sein Miß­fal­len über der­ar­ti­ge Aus­ga­ben zum Aus­druck und wies ihn an, in der Kurie zu woh­nen, gele­gen in der Ave­ni­da Riv­a­da­via 415, wie es sei­ne Vor­gän­ger getan hatten.

Im Jah­re 2024 ver­starb Pater Din­ko Krpan, Kaplan von der rus­sisch-katho­li­schen Mis­si­on byzan­ti­ni­schen Ritus in Bue­nos Aires, die ihre sonn­täg­li­chen Zele­bra­tio­nen in einer klei­nen Kapel­le abhielt, die sich in einem ele­gan­ten petit hôtel in der Cal­le Güe­mes 2967 im Stadt­vier­tel Paler­mo befand. Auch dort­hin reich­ten die Maß­nah­men Gar­cía Cuer­vas, denn er ord­ne­te die Schlie­ßung der Mis­si­on, die Auf­lö­sung der Kapel­le sowie das Ver­bot an, daß dort Prie­ster des byzan­ti­ni­schen (oder auch des römi­schen) Ritus die Gött­li­che Lit­ur­gie zele­brie­ren. Es wür­de nicht über­ra­schen, wenn die­ses petit hôtel in abseh­ba­rer Zeit vom Erz­bis­tum ver­äu­ßert würde.

All die­se Ent­schei­dun­gen von Msgr. Gar­cía Cuer­vas erklä­ren den Grund, wes­halb Papst Fran­zis­kus Bue­nos Aires den Pri­mats­sitz ent­zog und ihn auf den unbe­deu­ten­den Sitz von Sant­ia­go del Este­ro über­trug, wobei er sich auf eine nicht halt­ba­re histo­ri­sche Begrün­dung berief, zugleich des­sen Erz­bi­schof, den Laza­ri­sten Vicen­te Boka­lic, der einst sein Schü­ler im Cole­gio Máxi­mo gewe­sen war, zum Kar­di­nal erhob und Gar­cía Cuer­va ohne den ersehn­ten Pur­pur­hut zurückließ.

Die Hab­gier Msgr. Gar­cía Cuer­vas nahm nach dem Tod Fran­zis­kus’ nicht etwa ab, son­dern ver­stärk­te sich im Gegen­teil noch. Als Groß­kanz­ler der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Argen­ti­ni­ens beschloß er die Grün­dung eines neu­en Uni­ver­si­täts­cam­pus, den er „Zona Nor­te“ nann­te und der inner­halb der Anla­gen von Nordel­ta errich­tet wer­den soll. An sich ist gegen die­se Maß­nah­me nichts ein­zu­wen­den, doch weiß jeder­mann, welch enor­me Geld­sum­men ein ange­se­he­nes Uni­ver­si­täts­zen­trum in jenem Gebiet ein­brin­gen wird, das die Neu­rei­chen – und jene, die es wer­den wol­len – aus ganz Bue­nos Aires anzieht. Hät­te er sich zu einer Maß­nah­me ent­schlos­sen, die so wenig „nach Scha­fen riecht“, solan­ge Fran­zis­kus lebte?

Am mei­sten Auf­se­hen erregt jedoch – und das mit Recht – die Ver­ein­ba­rung betref­fend den Luna Park. Man erin­ne­re sich: Die­se gro­ße und geschichts­träch­ti­ge Ver­an­stal­tungs­hal­le in bevor­zug­ter Lage der Stadt Bue­nos Aires war von der Wit­we ihres Grün­ders und Eigen­tü­mers der Cari­tas des Erz­bis­tums Bue­nos Aires sowie dem Sale­sia­ner­or­den ver­macht wor­den. Papst Fran­zis­kus hat­te die Unter­zeich­nung eines Pro­jekts zur Erwei­te­rung und Umge­stal­tung aus­ge­setzt, das das Gebäu­de in einen neu­en, moder­nen Kom­plex für Ver­an­stal­tun­gen aller Art, sanc­ta et non sanc­ta, ver­wan­delt hät­te – und dies unge­ach­tet sei­ner rei­chen Geschich­te als legen­dä­rer Luna Park.

Doch wie man weiß: Ist der König tot … ändern sich die Din­ge. Msgr. Jor­ge Gar­cía Cuer­va erlang­te bei sei­ner letz­ten Rei­se nach Rom die Zustim­mung und Unter­schrift Leos XIV. für die geplan­ten Umbau­ten – eine Nach­richt, deren Ver­öf­fent­li­chung er selbst besorg­te. „Natür­lich hat das gehol­fen, eini­ge der zahl­rei­chen Pro­ble­me, die wir haben, zu lösen“, erklär­te er.

Beson­ders auf­fäl­lig ist, daß der Luna Park als natio­na­les histo­ri­sches Denk­mal gilt und unter Denk­mal­schutz steht. Wie war es also mög­lich, daß der Regie­rungs­chef des Staa­tes Bue­nos Aires Jor­ge Macri, ein Freund Gar­cía Cuer­vas, die Ein­grif­fe geneh­mig­te, die das Gebäu­de voll­stän­dig ver­än­dern wer­den? Eini­ge bos­haft gestimm­te Prie­ster in Bue­nos Aires behaup­ten, es hand­le sich um die Gegen­lei­stung für die Über­ga­be des Kle­rus­hau­ses an die Stadt.

Die Fehl­ent­wick­lun­gen von Msgr. Gar­cía Cuer­vas beschrän­ken sich jedoch nicht auf den wirt­schaft­li­chen Bereich. Wir sag­ten bereits, daß der Kle­rus von Bue­nos Aires ihn nicht moch­te und auch wei­ter­hin nicht mag. Er weiß das, und aus die­sem Grund übt er über sei­ne Prie­ster einen auto­ri­tä­ren Stil aus; jene über 45 Jah­ren igno­riert oder miß­ach­tet er, eine Hal­tung, die sich gegen­über älte­ren Prie­stern noch verstärkt.

Der para­dig­ma­ti­sche Fall ist jener von Msgr. José Luis Mol­lag­ham, 79 Jah­re alt, der erst vier Tage nach sei­nem Tod in der Woh­nung auf­ge­fun­den wur­de, in der er leb­te. Iam foe­tet… Es waren die Nach­barn, die des­halb die Poli­zei verständigten.

Wir haben einen Fall als Bei­spiel her­aus­ge­grif­fen: einen von Fran­zis­kus ernann­ten Bischof, der nicht ein­mal die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für die­ses Amt erfüll­te und im Aus­üben sei­nes Dien­stes kei­ner­lei Fehl­trit­te aus­ge­las­sen hat. Und wenn man sei­ne Kol­le­gen im Groß­raum Bue­nos Aires betrach­tet, zeigt sich, daß vie­le von ihnen den­sel­ben „Stamm­baum“ besit­zen: mili­tan­ten Pero­ni­sten, Mit­glie­der einer far­bi­gen Mafia – deren Namen wir nicht nen­nen wol­len –, und die über kaum theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung verfügen.

Gott möge der See­le von Papst Fran­zis­kus gnä­dig sein und ihm all sei­ne Sün­den vergeben.

*Cami­nan­te Wan­de­rer ist ein argen­ti­ni­scher Phi­lo­soph und Blogger.

Übersetzung/​Fußnote: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cami­nan­te Wanderer

  1. Male­na Gal­ma­ri­ni ent­stammt einer Fami­lie, die sehr mit dem link­spe­ro­ni­sti­schen Part­ido Justi­cia­li­sta (PJ) ver­bun­den ist. Nicht nur Male­na Gal­ma­ri­ni war Abge­ord­ne­te die­ser Par­tei, son­dern bereits ihr Mut­ter und auch einer ihrer Brü­der. Ihr Vater war Staats­se­kre­tär einer PJ-Regie­rung, ihr Mann Mini­ster einer sol­chen. Sie selbst war von einer PJ-Regie­rung zur Che­fin des staat­li­chen argen­ti­ni­schen Kon­zerns zur Trink­was­ser­ver­sor­gung ernannt wor­den. ↩︎
  2. Flo­ren­cia de la V ist ein Trans­ve­stit, der als Tra­ve­stie­künst­ler Kar­rie­re mach­te und eine der bekann­te­sten Figu­ren der argen­ti­ni­schen Homo-Lob­by ist. Als Mann gebo­ren, erhielt er inzwi­schen die behörd­li­che Aner­ken­nung als Frau. Die Kin­der des Homo-Paa­res stam­men aus einer soge­nann­ten „Leih­mut­ter­schaft“ im Aus­land. ↩︎
  3. Kar­di­nal Mario Poli war von Fran­zis­kus nach sei­ner Wahl zum Papst 2013 als sein direk­ter Nach­fol­ger zum Erz­bi­schof von Bue­nos Aires ernannt wor­den ↩︎

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