Am 18. März 2026 hat das britische Oberhaus zwei entscheidende Gesetzesänderungen abgelehnt, was faktisch die vollständige Entkriminalisierung der Abtreibung bis zur Geburt ermöglicht. Mit 185 zu 148 Stimmen wurde der Versuch, die umstrittene Klausel 208 aufzuheben, verworfen, während ein weiteres Gesetz zur verpflichtenden medizinischen Beratung vor einer chemischen Abtreibung durch die Tötungspille Mifegyne mit 191 zu 119 Stimmen scheiterte.
Damit könnte künftig das Töten eines ungeborenen Kindes sogar im letzten Schwangerschaftsmonat straffrei möglich werden – ein radikaler Einschnitt in den Schutz des ungeborenen Lebens.
Die umstrittene Klausel 208
Die Klausel 208 war 2025 von der Labour-Abgeordneten Tonia Antoniazzi eingeführt worden. Sie entkriminalisiert Abtreibungen bis zur Geburt und macht Frauen, die eine späte Abtreibung vornehmen lassen, strafrechtlich unbehelligt. Das ungeborene Kind, obwohl unschuldig und völlig schutzlos, kann bis zum Moment der Geburt getötet werden. Das Oberhaus bestätigte diese Regelung nun und lehnte zugleich ein von der Baroness Stroud eingebrachtes Gesetz ab, das wieder verpflichtende persönliche Arztgespräche vor einer chemischen Abtreibung vorsah.
Bereits bisher werden in Großbritannien rund 300.000 Kinder pro Jahr im Mutterleib getötet, und gesetzlich war ein Eingriff bis zur 24. Schwangerschaftswoche möglich. Mit der neuen Gesetzeslage könnte es jedoch legal sein, ein Kind bis kurz vor der Geburt abzutreiben. Das bezeichnete der katholische Erzbischof von Southwark, John Wilson, als „erschreckend“.
Großbritannien war 1967 das erste westliche Land, das mit dem Abortion Act die Tötung ungeborener Kinder legalisierte. Seither sind im Vereinigten Königreich rund elf Millionen Kinder getötet worden. Tendenz steigend. Im Königreich von Charles III., unter der Labour-Regierung von Keir Starmer, werden etwa alle zwei Minuten ein ungeborenes Kind getötet. Hekatomben an Toten, wie sie die Geschichte des Landes nie zuvor gesehen hat. Währenddessen wird den Engländern, Schotten und Walisern durch Massenmigration ihr Land weggenommen.
In geistlicher Hinsicht findet sich der Schlüssel dazu im Buch Levitikus 12, 31; 18,21, 24–28, bestätig durch Deuteronmium 9,4–5. Der Herr erinnert die Israeliten daran, daß er den Kanaanitern das Land wegnahm und es den Israeliten gab wegen der Gottlosigkeit der Heiden (Kanaaniter). Konkret nennt Gott, daß die Heiden ihr Land verunreinigt haben durch Menschenopfer, vor allem Kinderopfer, die dem Moloch gebracht wurden. Deshalb wurden sie vom Land „ausgespien“. Der Herr ermahnt die Israeliten, es den Heiden nicht gleichzutun, denn sonst werde das Land auch sie ausspeien.
Wie es dazu kam
Die Liberalisierung hat ihre Wurzeln in den Änderungen während der Pseudo-Pandemie. Covid-19 wurde als Vorwand genommen, daß seit März 2020 die Einnahme der Abtreibungspille ohne ärztliche Aufsicht zu Hause erlaubt ist. Zunächst galt diese nur befristet, doch seit 2022 dauerhaft. Damit wurde die Tötung eines ungeborenen Kindes vom medizinisch überwachten Eingriff zur privaten Selbstanwendung.
Verschwiegen wird dabei, daß die letale Wirkung der Tötungspille rückgängig gemacht werden kann, ohne daß das Kind Schaden leidet – wenn rechtzeitig das Gegenmittel eingenommen wird. Diese lebensrettende Information wird von der Abtreibungslobby, die den Tenor in den staatlichen Behörden und den meisten Medien angibt, jedoch massiv bekämpft.
Zudem wird im öffentlichen Diskurs zunehmend argumentiert, daß alte Gesetze wie der Offences Against the Person Act von 1861 veraltet seien. Dabei wurde bislang anerkannt, daß ein ungeborenes Kind ein eigenständiges Rechtsgut darstellt – ein Aspekt, der nun faktisch entfällt. Jede Form des Lebensrechts für das ungeborene Kind wird systematisch beseitigt, um der Massentötung noch mehr Tür und Tor zu öffnen.
Erschreckend ist die Diskrepanz zur öffentlichen Meinung: Laut Umfragen lehnen 91 % der Bevölkerung die vollständige Entkriminalisierung ab; nur 1 % der Frauen befürworten Abtreibungen im neunten Monat. Das linksdominierte Parlament ging dennoch den gegenteiligen Weg.
Wenn das Leben keine Rechtsstellung mehr hat
Die Folgen sind gravierend: Die vollständige Entkriminalisierung hebt jeglichen rechtlichen Schutz des Kindes auf, selbst in Stadien, in denen es außerhalb des Mutterleibs längst überleben könnte. Zudem steigt die Gefahr der selektiven Abtreibung, etwa nach Geschlecht oder genetischen Merkmalen. Wer kein Mädchen will, tötet es im Mutterleib. Was für eine Barbarei.
Catherine Robinson von Right To Life UK warnte: „Eine derart umfassende und furchtbare Gesetzesänderung gefährdet direkt das Leben ungeborener Kinder und auch das ihrer Mütter.“
Die Entwicklungen im Vereinigten Königreich werfen zudem Schatten auf andere Länder. In Italien wurden 2023 laut Gesundheitsministerium 65.746 Abtreibungen registriert – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Parallel stieg die Ausgabe der Abtreibungspille und der Notfallverhütung auf über 760.000 Packungen. Nicht anders zeigt sich die Situation im deutschen Sprachraum. Die chemische Abtreibung verdrängt die chirurgische immer mehr. Während Corona orchestrierte die Abtreibungslobby auch im deutschen Sprachraum die Zulassung der Abtreibungspille als private Haustötung. Angebliche Kinderschutzorganisationen ließen sich als Steigbügelhalter dafür mißbrauchen.
Reaktionen – Empörung und Lob
Die Debatte ist emotional: Caroline Ansell von CARE fragt: „Wenn der Maßstab für eine gerechte Gesellschaft der Umgang mit den Schwächsten ist – was sagt diese Gesetzgebung über uns aus?“
Befürworter wie Louise McCudden vom Abtreibungslobbyisten MSI Reproductive Choices, der sich auf die Eugenikerin und Rassistin Mary Stopes beruft, sehen die Reform hingegen als „historischen Moment“.
Der katholische Episkopat warnt eindringlich. Erzbischof John Sherrington betont, daß die neue Gesetzeslage zu noch mehr Abtreibungen führen wird.
Die fundamentale Frage
Bleibt die zentrale Frage: Wenn eine Gesellschaft das Leben in seinem verwundbarsten Moment nicht schützt, auf welcher Grundlage kann sie noch von Gerechtigkeit sprechen? Welches Vertrauen können Menschen in den Rechtsstaat haben, der täglich die Massentötung unschuldiger Kinder zuläßt?
Die Soziallehre der Kirche erinnert: Die Würde des Menschen ist von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod unverletzlich. Doch diese Würde scheint von den derzeit in Staat und Gesellschaft mächtigen Kreise nur mehr bedingt und selektiv ernstgenommen zu werden.
Der Fall Großbritannien zeigt, daß Pro-Life-Engagement dringlicher ist denn je – nicht nur als moralisches, sondern auch als politisches Gebot.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Parlament TV (Screenshot)
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