Zwischen Widersprüchlichkeit und Aberglauben: Über die Kirche und die Päpste in unserer Zeit

Für die Seelenhygiene, die Wahrheit zu sagen


Der Papst ist der Nachfolger des Petrus auf Erden. Sein Auftrag ist es, treu das Glaubensgut zu bewahren und die Brüder im Glauben zu stärken. Papolatrie gehört nicht zum Papstamt.
Der Papst ist der Nachfolger des Petrus auf Erden. Sein Auftrag ist es, treu das Glaubensgut zu bewahren und die Brüder im Glauben zu stärken. Papolatrie gehört nicht zum Papstamt.

Von P. Joa­chim Heim­erl von Heimthal*

In Deutsch­land nimmt man die Wider­sprüch­lich­keit der Kir­che selbst­ver­ständ­lich hin; bei­spiels­wei­se ver­steht man sich nur dann als „katho­lisch“, wenn man die soge­nann­te „Kir­chen­steu­er“ bezahlt. Tut man dies nicht, wird man aus der Kir­che „aus­ge­schlos­sen“. Tau­fe und Fir­mung zäh­len nichts mehr; der Emp­fang der Sakra­men­te wird „ver­bo­ten“. Kurz: Die Kir­chen­steu­er ent­schei­det, wer „katho­lisch“ ist.

Obwohl die­ses System von Hit­ler stammt, wird es in Deutsch­land all­ge­mein akzep­tiert. Am mei­sten hän­gen natür­lich die Bischö­fe dar­an, die sich poli­tisch gegen „rechts“ enga­gie­ren und von Hit­lers Kir­chen­steu­er pro­fi­tie­ren. – Eine merk­wür­di­ge Art, „glaub­wür­dig“ zu sein, doch in Deutsch­land fällt die­ser Wider­spruch nie­mand mehr auf.

Lei­der ist Wider­sprüch­lich­keit kei­ne Eigen­art der Deut­schen, son­dern das Mar­ken­zei­chen der Kir­che in unse­rer Zeit; sie ist zu ihrer Grund­ge­stalt gewor­den, und die bei­den letz­ten Päp­ste illu­strie­ren dies; ihre über­trie­be­ne Ver­eh­rung zeigt, wie falsch das Amt des Pap­stes inzwi­schen ver­stan­den wird und in wel­che Wider­sprü­che es sich verstrickt.

Ich erin­ne­re mich, wie mir ein Prä­lat erzähl­te, er habe in jedem Papst den hei­li­gen Petrus in jeweils ande­rer Gestalt gese­hen. – Das klingt sehr fromm und fast poe­tisch, nur ist es lei­der schreck­lich falsch, und lei­der hat die­ses Miss­ver­ständ­nis eine lan­ge Tra­di­ti­on: Die Nach­fol­ge des Petrus betrifft das Amt, nie die Per­son; jede Form von päpst­li­chem Per­so­nen­kult ist des­halb anstö­ßig und nicht katho­lisch, erst recht nicht jene fana­ti­sche Ver­klä­rung der Päp­ste, die man gemein­hin „Hyper­pa­pa­lis­mus“ nennt und die wohl in die Rich­tung des Prä­la­ten weist.

Aber auch das Amts­ver­ständ­nis der Päp­ste hat sich im Lau­fe der Zeit gewan­delt: Aus dem Statt­hal­ter („vica­ri­us“) des Apo­stels Petrus (der sel­ber nicht Petrus ist!) wur­de im Hoch­mit­tel­al­ter aus macht­po­li­ti­schen Erwä­gun­gen plötz­lich der „vica­ri­us Chri­sti“ (der sel­ber nicht Chri­stus ist!). Im Volks­glau­ben ent­stand dar­aus dann schnell eine Art „Gott auf Erden“, wäh­rend der Papst heu­te eher wie ein glo­ba­ler Füh­rer gese­hen wird, der die Kir­che in „sei­ne“ per­sön­li­che Rich­tung lenkt.

Dass der­lei popu­lä­re Sicht­wei­sen falsch sind, ist nach dem Dog­ma völ­lig klar. Aller­dings inter­es­siert das Dog­ma den Aber­glau­ben nicht, der das Papst­amt überwuchert.

Dazu zählt auch die belieb­te Vor­stel­lung, der Papst sei ein von Gott Erwähl­ter und natür­lich einer, des­sen per­sön­li­che Hei­lig­keit mit der Hei­lig­keit sei­nes Amtes kongruiert.

Dafür gäbe es zwar genü­gend Gegen­bei­spie­le, aber die­sen Wider­spruch hält man gemein­hin aus. – Im letz­ten Jahr­hun­dert ist die kano­ni­sche Hei­lig­spre­chung der Päp­ste so selbst­ver­ständ­lich gewor­den, dass eine Dif­fe­ren­zie­rung nicht mehr erfolgt, weder bei den „ein­fa­chen“ Gläu­bi­gen noch bei den mei­sten Kle­ri­kern. In der Regel wird ein Papst nach sei­nem Hin­schei­den ein „San­to subito“.

Solan­ge from­me Män­ner zu Päp­sten erho­ben wur­den, war dies kein Pro­blem: Amts­hei­lig­keit und per­sön­li­che Hei­lig­keit schie­nen sich natür­li­cher­wei­se zu ent­spre­chen; nie­mand hät­te ange­nom­men, ein Papst könn­te im Gegen­satz zum Glau­ben der Kir­che stehen.

Mit Fran­zis­kus änder­te sich dies uner­war­tet: Die theo­lo­gi­sche Denk­fi­gur eines häre­ti­schen Pap­stes nahm plötz­lich Gestalt an, und alles, was das Dog­ma wie den Aber­glau­ben auf die Pro­be stell­te, trat damit ein. – Konn­te ein Papst Irr­tü­mer ver­kün­den oder wur­den Irr­tü­mer durch den Papst zu (neu­en) Wahrheiten?

Der katho­li­sche Glau­be stand mit Fran­zis­kus kopf und nur der Aber­glau­be an die „gött­li­che“ Dimen­si­on sei­nes Amtes löste den Wider­spruch sim­pel auf.

Frei­lich bemüh­te man sich offi­zi­ell, den Anti-Papst „katho­lisch“ zu framen: Er soll­te als „pasto­ra­ler Refor­mer“ ver­stan­den wer­den, als Papst der „Barm­her­zig­keit“, der ger­ne ein Auge zudrück­te, aber das Gegen­teil war der Fall: Fran­zis­kus prä­sen­tier­te sich zuneh­mend als übel­lau­ni­ger Des­pot, als einer, der der Kir­che sei­nen Stem­pel auf­drück­te und indi­rekt ein­räum­te, was man lan­ge ver­schwieg: Die Kir­che wur­de nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil nicht „erneu­ert“, son­dern durch eine „neue“ Kir­che ersetzt, und zwar durch eine, die sich von vie­lem ver­ab­schie­det hat­te, was über die Jahr­hun­der­te katho­lisch war.

Am ver­bis­se­nen Kampf des Pap­stes gegen die über­lie­fer­te Lit­ur­gie wur­de dies pein­lich sicht­bar; sicht­bar wur­de aber auch, dass die Kir­che ihren Halt in der eige­nen Tra­di­ti­on ver­lo­ren hat­te – und ihren Rück­halt bei den Kle­ri­kern, die als tap­fe­re Kar­rie­ri­sten lie­ber Fran­zis­kus folg­ten als ihr.

Ein Heer von Apo­lo­ge­ten ver­such­te zu recht­fer­ti­gen, was man vor­her nie zu recht­fer­ti­gen brauch­te: Der Papst soll­te „katho­lisch“ blei­ben und des­halb wur­de der katho­li­sche Glau­be in ent­schei­den­den Punk­ten sei­nen Ansich­ten ange­passt. – Ich wun­der­te mich dar­über, wie vie­le Mit­brü­der plötz­lich das Gegen­teil von dem pre­dig­ten, was vor­her als „unver­än­der­li­che“ Wahr­heit galt; schließ­lich „seg­ne­ten“ sie sogar gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re, und behaup­te­ten, dies sei „katho­lisch“.

So gese­hen war ein häre­ti­scher Papst wie Fran­zis­kus die Kon­se­quenz jener unheil­vol­len Ent­wick­lung, die Paul VI. im Zuge des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils her­auf­be­schwo­ren und her­nach selbst beklagt hat­te: Der „Rauch des Satans“ war, wie er sag­te, ins Inne­re der Kir­che ein­ge­drun­gen, und zeig­te unter Fran­zis­kus sei­ne zer­stö­re­ri­sche Kraft: 2019 gestat­te­te der Papst die Ver­eh­rung eines „indi­ge­nen“ Göt­zen im Vati­kan und leug­ne­te im sel­ben Jahr im Doku­ment von Abu Dha­bi die Heils­uni­ver­sa­li­tät des Opfers Jesu Chri­sti. – Den­noch hielt der „katholische“Aberglaube an; der Papst war schließ­lich immer noch „der Papst“ und konn­te äußern, was ihm belieb­te. Kaum jemand wag­te den Wider­spruch, am wenig­sten der Kle­rus, der der Wahr­heit ver­pflich­tet gewe­sen wäre. – Welch eine Blamage!

Dass sich all dies unter Leo XIV. ändert, ist nicht anzu­neh­men, auch wenn er von Anfang an als „hei­li­ger“ Papst in Sze­ne gesetzt wird, als einer, der die Kir­che im Inne­ren ver­söhnt, als „Brücken­bau­er“, „Hoff­nungs­trä­ger“ und der­lei törich­ter Aus­sa­gen mehr.

Indi­rekt schim­mert dabei natür­lich die Bot­schaft durch, dass Fran­zis­kus in der Tat ein „Desa­ster“ gewe­sen sei, wie es Kar­di­nal Pell so hell­sich­tig for­mu­liert hat.

Aller­dings glau­be ich nicht, dass man Leo als „Anti-Fran­zis­kus“ gewählt hat; im Gegen­teil: Die Par­tei der „Berg­o­glia­ner“ hat mit ihm einen der Ihren durch­ge­bracht, und die recht­gläu­bi­gen Kar­di­nä­le lie­ßen sich mit Leo all­zu leicht hin­ters Licht führen.

Bis­lang ist nichts gesche­hen, was dar­auf hin­deu­tet, dass Leo den Kurs sei­nes Vor­gän­gers ändert. Dass er päpst­li­che Klei­dungs­stücke ver­wen­det und sich bes­ser zu beneh­men weiß, ist rei­ne Augenwischerei.

Tat­säch­lich setzt er das Pon­ti­fi­kat sei­nes Vor­gän­gers fort und bekennt sich, wenn über­haupt, nur zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. – Die­ses Bekennt­nis ist zu einer stan­dar­di­sier­ten Leer­for­mel gewor­den, die wenig aus­sagt und sehr viel­sa­gend ist. Vor allem lässt sie eins ver­mis­sen: das Bekennt­nis zu dem, was die Kir­che vor „DEM“ Kon­zil aus­ge­macht hat. Doch davon ist bei Leo kei­ne Rede; wenn er von der „Kon­ti­nui­tät“ oder sei­nen „Vor­gän­gern“ spricht, ist damit mei­stens Fran­zis­kus gemeint.

Dass Leo Fran­zis­kus hei­lig­spre­chen wird, ist völ­lig abseh­bar: Mit die­sem Kunst­griff wird der „syn­oda­le Weg“ sei­nes Vor­gän­gers eben­so „gött­lich“ legi­ti­miert wer­den wie das Zwei­te Vati­ka­num mit der „Hei­lig­spre­chung“ der Kon­zil­s­päp­ste. – Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nur: Gott lässt sich nicht ein­mal von Päp­sten betrü­gen, und kei­ner kann ihm ein X für ein U vor­ma­chen. ER kennt die fau­len Früch­te des Kon­zils wie des „Syn­oda­len Weges“, und wird sie nach den Wor­ten des Evan­ge­li­ums aus­mer­zen, wenn Leo – wie ich anneh­me – in die­ser Auf­ga­be versagt.

Ich möch­te Leo nicht vor­schnell ver­ur­tei­len, doch eine sei­ner Ent­schei­dun­gen scheint mir signi­fi­kant: Er ist der erste Papst, der der Seli­gen Jung­frau einen wich­ti­gen Titel aberkannt hat. Gemeint ist der Titel der „Mit­erlö­se­rin“ und „Mitt­le­rin aller Gna­den“, der seit lan­gem zum Glau­bens­gut zähl­te. – Wel­cher Sohn Mari­ens wür­de dies tun? Unzäh­li­ge Päp­ste und Hei­li­ge haben die Seli­ge Jung­frau mit die­sem Titel geehrt, zumin­dest bis Leo den Hei­li­gen Stuhl bestieg.

Inter­es­sant ist, dass er dabei auf die glei­che Wei­se vor­ging, mit der schon Fran­zis­kus die über­lie­fer­te Mes­se ein­schrän­ken ließ: Man kon­stru­ier­te fal­sche Ver­däch­ti­gun­gen, erfand dif­fu­se Miss­bräu­che und leg­te anschlie­ßend gezielt gegen die Seli­ge Jung­frau los, die man am Ende eines blu­mi­gen Doku­ments zur „Mut­ter des gläu­bi­gen Vol­kes“ degra­dier­te. – Ohne Zwei­fel ein bei­spiel­lo­ser Vor­gang, der vor Ver­lo­gen­heit nur so strotzt.

Der anschlie­ßen­de Eklat war rie­sen­groß, Leos Pon­ti­fi­kat schon früh beschädigt.

Also muss­te ein Sün­den­bock her, der Leos „Hei­lig­keit“ für die Gläu­bi­gen ent­la­ste­te, näm­lich der umstrit­te­ne Prä­fekt des Glau­bens­dik­aste­ri­ums, Kar­di­nal Fernández.

Wir erin­nern uns: Fernán­dez ist ein Häre­ti­ker rein­sten Was­sers und wur­de von Fran­zis­kus gera­de des­halb ins Amt gebracht; die Ver­ant­wor­tung für das Down­gra­de der Seli­gen Jung­frau lag am Ende aber nicht bei ihm, son­dern nur bei Leo. Nur er war es, der das ent­spre­chen­de Doku­ment auto­ri­sie­ren konn­te, und er war es, der es unter­schrieb! Fernán­dez hat es ledig­lich ver­fasst. – Wäre Leo ein auf­rech­ter Ver­eh­rer der Seli­gen Jung­frau, hät­te er es sei­nem „Glau­bens­prä­fek­ten“ um die Ohren geschlagen.

Seit­her hat Leos Bild zurecht einen Krat­zer bekom­men, doch tra­di­tio­nel­le Katho­li­ken setz­ten (noch) wei­ter auf ihn: Wie­der ist der Papst ja schließ­lich „der Papst“ und muss um jeden Preis ein „Hei­li­ger Vater“ sein, erst recht nach dem „Aus­rut­scher“ mit Fran­zis­kus. – Wo der Glau­be an Chri­stus in den Aber­glau­ben an den Papst umschlägt, sind Wider­sprü­che für Katho­li­ken offen­sicht­lich kein Pro­blem; nicht ein­mal dann, wenn die Ehre der Seli­gen Jung­frau beschmutzt wird. – Das ist in der Tat ein „Desa­ster“!

Wie lan­ge die Kir­che in die­ser zwie­späl­ti­gen Situa­ti­on über­le­ben wird, ver­mag nie­mand sagen. Dass sie vor einer end­gül­ti­gen Spal­tung steht, gilt wohl als sicher. – Wahr­heit und Wider­spruch gehen am Ende getrenn­te Wege, und es wäre die gro­ße Auf­ga­be der Päp­ste gewe­sen, dies im Nach­gang des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils zu ver­mei­den. An die­sem histo­ri­schen Ver­sa­gen lei­det die Kir­che bis heu­te, schweigt es aber zu ihrem Ver­der­ben tot.

Wir alle kön­nen jedoch Chri­stus nicht fol­gen, der der „Weg, die Wahr­heit und das Leben“ (Joh. 14,6) ist, wenn wir zugleich den Abwe­gen einer „nach­kon­zi­lia­ren“ und „syn­oda­len“ Kir­che fol­gen, die sich von der Wahr­heit der gött­li­chen Offen­ba­rung und der kirch­li­chen Über­lie­fe­rung gelöst hat und eige­ne „Wahr­hei­ten“ erfindet.

Die „Seg­nung“ gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re, die Fran­zis­kus eta­bliert hat, oder sei­ne Ver­fol­gung der über­lie­fer­ten Mes­se waren ein über­deut­li­ches Zei­chen: Kein Papst steht über Jesus Chri­stus! Kein Papst kann die Leh­re der Kir­che ins Gegen­teil ver­keh­ren oder über ihre Lit­ur­gie ver­fü­gen! Kein Papst ist „Herr“ der Kir­che und NIEMAND muss an Wider­sprü­che und Irr­tü­mer glau­ben, die ein Papst ver­kün­det. Kein Papst ist GOTT!

Das gilt für Fran­zis­kus wie Leo XIV., denn wir alle sind nur Jesus Chri­stus ver­pflich­tet und eben nicht dem einen oder dem ande­ren Papst. Im Gegen­teil: Leo ist wie Fran­zis­kus an die Offen­ba­rung und die über­lie­fer­te Leh­re der Kir­che gebun­den; wo er sich davon frei fühlt, müs­sen wir ihm nicht folgen.

Aus die­sem Grund möch­te ich mich hier vol­len Her­zens zur Seli­gen Jung­frau als Mit­erlö­se­rin und Mitt­le­rin aller Gna­den beken­nen und dies mei­nen ver­ehr­ten Lesern empfehlen.

Was Papst Leo XIV., Kar­di­nal Fernán­dez und ihr Mari­en­do­ku­ment betrifft, so habe ich dafür nur die fol­gen­de Wor­te, die mir für einen ame­ri­ka­ni­schen Papst – bei allem Respekt – umso pas­sen­der erschei­nen: „Shame on you, holy father!“

Manch­mal ist es eben sehr viel bes­ser für die See­len­hy­gie­ne, die Wahr­heit zu sagen, als Päp­ste über­mä­ßig und ein­fäl­tig zu verklären.

*Joa­chim Heim­erl von Heim­thal, Prie­ster der Erz­diö­ze­se Wien, stu­dier­te Ger­ma­ni­stik, Geschich­te, Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie. Er ist pro­mo­vier­ter Ger­ma­nist und war Lehr­be­auf­trag­ter an der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen. Neben lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten ist er Autor zahl­rei­cher Auf­sät­ze und Kom­men­ta­re zu kirch­li­chen The­men in in- und aus­län­di­schen Medien.

Bild: MiL

10 Kommentare

  1. Die Wider­sprüch­lich­keit fällt schon vie­len auf. Das Kir­chen­steu­er­sy­stem ist eine gro­tes­ke Fehl­kon­struk­ti­on. Man kann nur nichts dage­gen machen. In die­ser Sache ist Mit­wir­kung der Gläu­bi­gen nicht erwünscht. Die Anmah­nung der Ent­welt­li­chung der Kir­che in Deutsch­land durch Papst Bene­dikt XVI. 2011 wur­de dann auch ein­fach ignoriert.

    • Man kann sehr wohl etwas dage­gen machen. Ent­welt­li­chen Sie das System, soweit es Sie sel­ber betrifft, und „tre­ten“ Sie aus ihm „aus“. Ein sakrs­mentsl wirk­sa­mer „Aus­tritt“ aus der Kir­che ist ohne­hin nicht mög­lich – aber aus dem Steu­er­sy­stem, das nicht von Gott stammt, nicht sakra­men­tal ist, son­dern ein Werk­zeug des spi­ri­tu­el­len Miss­brauchs: Kir­che gegen Geld. Was für ein Irrsinn!

  2. Die Mut­ter­got­tes hat­te sich in ihren Amster­da­mer Bot­schaf­ten als Mit-Erlö­se­rin bezeich­net und sehr genau aus­ge­führt wie das zu ver­ste­hen sei. Sie sag­te auch, daß die­ses das letz­te Mari­en­dog­ma sein wer­de und daß es um die­sen Titel Mit-Erlö­se­run viel theo­lo­gi­schen Dis­put geben wer­de. Das kann noch Jah­re und Jahr­zehn­te dau­ern oder noch län­ger bis die­ses Dog­ma ver­kün­det wird. Die Zeit ist wohl dazu nicht reif und das kann man sagen in Anbe­tracht der Tasa­che, daß das Dog­ma von ihrer Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis auch heu­te noch von Kle­ri­kern wie Lai­en nicht immer ger­ne gese­hen wird. Daß Maria ohne Erb­sün­de im Schoß ihrer Mut­ter Anna emp­fan­gen wur­de, leuch­tet vie­len nicht ein. Es ist eine über­na­tür­li­che Wahr­heit und kann auch nicht nach welt­li­chen Maß­stä­ben „erklärt“ wer­den: es ist ein zu glau­ben­des Geheim­nis und das ist auch das Schö­ne und Gött­li­che dar­an, indem es sich der „bil­li­gen“ welt­lich-ratio­na­len Ver­nunft entzieht.

    Ich bin über­zeugt, daß Papst Bene­dikt XVI. im Hin­blick sei­ner Decla­ra­tio vom 11.2.2013 durch­aus damit gerech­net hat­te, wer dann gewählt wer­den könn­te (Plan B) und des­we­gen hat­te er sich vor­sorg­lich zum Papa eme­ri­tus erklärt und in sei­ner päpst­li­chen Voll­macht konn­te er das auch tun. Eini­ge Jah­re spä­ter sprach Erz­bi­schof Gäns­wein vor einem Forum hoher Amts­trä­ger von 2 amtie­ren­den Päp­sten, einem kon­tem­pla­ti­ven und einem akti­ven. Die­se emi­nent wich­ti­ge Ange­le­gen­heit ist bis­lang nicht geklärt wor­den. Des­halb könn­te Papst Leo auch der direk­te Nach­fol­ger von 2 Päp­sten sein und ist es mei­ner Mei­nung auch. Und des­we­gen schwankt er manch­mal so hin und her. Ich stel­le mal die­sen etwas asym­me­tri­schen Ver­gleich oder so an: ähn­lich wie der Patri­arch Isaak nicht nur sei­nen Sohn Jakob, son­dern schließ­lich auch des­sen Bru­der Esau geseg­net hat­te, so befin­det sich Papst Leo im Span­nungs­ver­hält­nis von Bene­dikt und Franziskus.

  3. Wenn die Fru­stra­ti­on mit einer Gemein­schaft, der man einst unbe­dingt in sakra­men­ta­ler Wei­se ange­hö­ren woll­te und die einen an ihrem Busen nährt, über­hand nimmt, soll­te man sie ver­las­sen, sonst wird man unglaubwürdig.

  4. Zur Bild­le­gen­de: Der Papst ist der Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden, nicht der­je­ni­ge des hei­li­gen Petrus, des­sen Nach­fol­ger er hin­wie­der­um natür­lich ist.

    • Der Stell­ver­tre­ter Chri­sti ist Chri­stus selbst, sein Bild. Wenn die byzan­ti­ni­schen Kai­ser ihre Städ­te und Regio­nen, aus wel­chen Grün­den auch immer, nicht selbst besu­chen konn­ten, dann lie­ßen sie ein Bild von sich die­sen Städ­ten zukom­men und den Men­schen zei­gen. Die Men­schen ehr­ten die­ses Bild­nis als wäre es der Kai­ser leib­haf­tig selbst. Von dort kommt das, aus Ost-Rom, daß man in Rom seit mit­tel­al­ter­li­chen Zei­ten, vor­her nicht, von einem Stell­ver­tre­ter spricht. Der „Stell­ver­tre­ter Chri­sti“ aber war sein eige­nes Bild, das man heu­te in Manop­pel­lo sehen kann, wel­ches wohl im Sac­co di Roma 1527 auf noch nicht völ­lig geklär­ten Wegen dort­hin gelang­te. Die Päp­ste such­ten die­ses Vol­to San­to ver­zei­felt unter Stra­fe der Ex-Kom­mu­ni­ka­ti­on sogar und fan­den es nicht. Erst dann bezeich­ne­te man die Päp­ste als „Stell­ver­tre­ter Christi“.

  5. Der Apo­stel Pau­lus zitier­te in sei­ner Areo­pag-Rede im Neu­en Testa­ment der Bibel auf dem Areo­pag in Athen die bei­den stoi­schen Dich­ter und Phi­lo­so­phen Ara­tos (zum höch­sten Gott) und Klean­thes (zum gött­li­chen LOGOS, bei ihm die „Welt­see­le“ und „Welt­ver­nunft“). Die­ser Logos der Stoi­ker war bei ihnen das natür­li­che ver­nünf­ti­ge gött­li­che Welt­ge­setz und die all­ge­mei­ne natür­li­che ver­nünf­ti­ge har­mo­ni­sche gött­li­che Schöp­fungs­ord­nung des Kosmos.

    https://​sta​tic​.uni​-graz​.at/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​k​a​t​h​-​i​n​s​t​i​t​u​t​e​/​N​e​u​e​s​-​T​e​s​t​a​m​e​n​t​/​A​p​g​1​7​_​2​8​.​pdf

    Die Apo­stel­ge­schich­te, Kapi­tel 17

    https://​www​.uibk​.ac​.at/​t​h​e​o​l​/​l​e​s​e​r​a​u​m​/​b​i​b​e​l​/​a​p​g​1​7​.​h​tml

    Apg 17,28 „Denn in ihm leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir, wie auch eini­ge von euren Dich­tern gesagt haben: Wir sind von sei­ner Art.“

    Justin der Mär­ty­rer knüpf­te mit sei­ner Logos-Theo­lo­gie an die­ses Zitat des Apo­stels Pau­lus (neben dem Logos-Begriff des Johan­nes-Evan­ge­li­ums im NT und der „Weis­heits­li­te­ra­tur“ des alten Testa­men­tes) an, der Hei­li­ge Ire­nae­us von Lyon über­nahm des­sen Logos-Theo­lo­gie von ihm und erwei­ter­te sie noch. Der Hei­li­ge Ire­nae­us von Lyon zähl­te auch noch den 1. Cle­mens­brief und den Hir­ten­brief des Her­mas zum Bibel-Kanon des Neu­en Testa­men­tes der Bibel hin­zu. Erwäh­nens­wert wäre auch noch der jüdi­sche Theo­lo­ge Philo(n) von Alex­an­dria. Cle­mens von Alex­an­dria nimmt in den Stromat­eis sehr aus­führ­lich auf ihn Bezug. Euse­bi­us erör­tert die Fra­ge nach den The­ra­peu­ten in Phi­lons Vita Con­tem­pla­ti­va und zitiert aus ver­lo­re­nen Schrif­ten Phi­lons in der Prae­pa­ra­tio Evan­ge­li­ca. Auch Orig­e­nes, Gre­gor von Nys­sa, Ambro­si­us von Mai­land, Hie­ro­ny­mus und Augu­sti­nus hat­ten ihm vie­les zu ver­dan­ken, beson­ders die alle­go­ri­sche Bibelauslegung.

  6. Der Kol­lek­tiv­na­me häre­ti­scher Systeme

    Gno­sti­zis­mus, ein Kol­lek­tiv­na­me häre­ti­scher Syste­me in den ersten Jahr­hun­der­ten der Kirche.Das (grie­chi­sche) Wort, wel­chem bei dem uralten Über­set­zer des hl. Ire­nä­us das latei­ni­sche agni­tio ent­spricht (z. B. 1, 1, 1; 4, 33, 8), bedeu­tet eigent­lich Erkennt­nis, das Wis­sen, im bibli­schen und christ­li­chen Sprach­ge­brauch gewöhn­lich mit beson­de­rer Bezie­hung auf reli­giö­se Gegen­stän­de. Der alte christ­li­che Sprach­ge­brauch rich­tet sich nach den bibli­schen. Die hei­li­ge Schrift kennt aber eine zwei­fa­che Gno­sis, ein ech­tes und ein fal­sches Wis­sen, deren eines sie rühmt und emp­fiehlt, wäh­rend sie das ande­re brand­markt und ver­wirft. Wie das Wis­sen noch heut­zu­ta­ge ent­we­der als Stei­ge­rung des Glau­bens oder als Gegen­satz des Glau­bens auf­tritt, so in der christ­li­chen Urzeit die Gnosis.
    Zwei­fa­che Gnosis
    Die ech­te Gnosis

    Die ech­te Gno­sis, die Gno­sis im guten Sinn des Wor­tes, ist ein immer tie­fe­res Ein­drin­gen in das inne­re Wesen des unwan­del­bar fest gehal­te­nen, von Gott geof­fen­bar­ten Glau­bens, ver­bun­den mit einer auf festen Beweis­grün­den ruhen­den Über­zeu­gung von des­sen Wahr­heit, ein immer all­sei­ti­ge­res Erfas­sen des­sel­ben mit allen Kräf­ten des mensch­li­chen Gei­stes, so daß der­sel­be vom Ver­stand aus das gan­ze Leben durch­dringt (vgl. Röm. 15, 14; 1. Kor. 1, 5; 8, 1. 7. 10. 11; 12, 8; 13, 2. 8;14, 6; 2. Kor. 6, 6; 11, 6; Kol. 2, 3; 2. Petr. 1, 5. 6; 3, 18). Das ist die Gno­sis, wel­che der Sohn Got­tes geof­fen­bart und der Mensch­heit über­ge­ben hat (Cle­mens Alex. Strom. 6, 7, ed. Pot­ter II, 771); das ist „die voll­kom­me­ne und ver­läß­li­che Gno­sis“, um derent­wil­len die Chri­sten zu Korinth in den ersten Zei­ten allent­hal­ben gerühmt waren (Cle­mens Rom. ep. I, c. 1); das ist jenes erha­be­ne Ide­al christ­li­cher Gei­stes­bil­dung und voll­kom­me­ner Hand­lungs­wei­se, (…) und wel­ches die edel­sten gebil­det­sten Män­ner der ersten Jahr­hun­der­te unab­läs­sig anstreb­ten. Daher wird auch das Ide­al des voll­kom­me­nen Chri­sten von Cle­mens von Alex­an­dri­en in sei­nen begei­ster­ten Schil­de­run­gen immer mit dem Namen Gno­sti­cus bezeich­net (s. das gan­ze 6. und 7. Buch der Stroma­ta, vgl. Strom. 2, 17). Eben die­ser alex­an­dri­ni­sche Cle­mens, wel­cher der vor­nehm­ste Stimm­füh­rer der wah­ren Gno­sis im Alter­tum ist, erklärt an ver­schie­de­nen Stel­len, was er unter der­sel­ben ver­ste­he, und wie die­sel­be nur auf dem Grund des Glau­bens gedei­he; so Paed. 1, 6, ed. Pot­ter I, 116; Strom. 2, 17 p. 468; 3, 5 p. 531; 6, 1 p. 736; 6, 8 p. 774 und beson­ders 7, 10 p. 864–866 (wo er sie den „voll­kom­me­nen und siche­ren Beweis des­sen“ nennt, „was man im Glau­ben bereits erfaßt hat, den Auf­bau auf der Grund­la­ge des Glau­bens, wodurch man zum unfehl­ba­ren Ver­ständ­nis gelangt“). –

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  7. Das Geheim­nis wun­der­tä­ti­gen Was­sers wird gelüftet.

    Eine For­scher­grup­pe aus Mai­land hat die Ener­gie des Was­sers aus Orten unter­sucht, an denen die Mut­ter­got­tes erschie­nen ist. Dabei hat sie erstaun­li­che Ent­deckun­gen gemacht. Kann sich die Wis­sen­schaft mit dem Glau­ben ver­bin­den? Kann die Wis­sen­schaft in die Spi­ri­tua­li­tät ein­mün­den und die Spi­ri­tua­li­tät der Wis­sen­schaft neue Impul­se geben? Die­se Ver­bin­dung könn­te uto­pisch erscheinen.

    https://​kath​-zdw​.ch/​m​a​r​i​a​/​w​a​l​l​f​a​h​r​t​s​o​r​t​e​.​w​u​n​d​e​r​t​a​e​t​i​g​e​s​.​w​a​s​s​e​r​.​h​tml

  8. Papst Fran­zis­kus war schon als Kar­di­nal Mit­glied im Rota­ry-Club von Bue­nos Aires. Daher neig­te er auch als Papst von Anfang an zur Frei­mau­re­rei. Noch im Dekret des Hei­li­gen Offi­zi­ums vom 20.12.1950 war einem katho­li­schen Geist­li­chen streng ver­bo­ten, Mit­glied bei den Rota­ri­ern oder Lions zu sein, wegen deren Nähe zur Frei­mau­re­rei. Erst im Jahr 1975 hat die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz ihren Geist­li­chen erlaubt, Mit­glied in die­sen frei­mau­re­ri­schen Clubs zu sein (Quel­le: ein Schrei­ben der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur in Bonn vom 17.01.1985). Papst Johan­nes Paul II (Woj­ty­la) war dann sogar Ehren­mit­glied von Rota­ry-Inter­na­tio­nal (Quel­le: „Der Spie­gel“ 21/​1983).

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