Papst Leo XIV. empfing am Montag, dem 19. Januar 2026, den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), Pater John Berg, zu einer Privataudienz im Vatikan. Dies geht aus dem gestern veröffentlichten Tagesbulletin des Vatikans hervor, das die täglichen Audienzen des Papstes auflistet. Zu den weiteren Empfängen an diesem Tag zählten unter anderem Kardinal Mario Grech sowie Vertreter einer ökumenischen Delegation aus Finnland.
Über die Inhalte des Gesprächs liegen bislang keine offiziellen Angaben vor. Weder der Heilige Stuhl noch die Priesterbruderschaft selbst haben Details zum Verlauf oder zu Ergebnisvereinbarungen veröffentlicht. Das Bulletin beschränkt sich auf die Bestätigung des Treffens.
Der Termin steht in der Folge mehrerer Kontakte zwischen Päpsten und der Petrusbruderschaft in jüngerer Vergangenheit. So begegnete bereits Papst Franziskus dem damaligen Generaloberen Pater Andrzej Komorowski am 29. Februar 2024 im Vatikan. Anlass war eine Bitte der FSSP, und der Papst bestätigte in diesem Gespräch, dass die Beschränkungen des Motu proprio Traditionis custodes nicht für die Bruderschaft gelten. Ziel des Treffens war laut FSSP-Kommuniqué, dem Papst „tiefe Dankbarkeit“ zu zeigen und über die „liturgische Spezifik“ der Gemeinschaft zu sprechen.
Bereits Anfang 2022 hatte Franziskus Vertretern der Petrusbruderschaft zugesichert, daß sie nicht durch die Einschränkungen von Traditionis custodes direkt betroffen sei. Indirekt ist es allerdings sehr wohl.
Die Priesterbruderschaft St. Petrus ist eine Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts, deren Charisma in der Zelebration der überlieferten Liturgie gemäß den liturgischen Büchern von 1962 besteht. Sie wurde 1988 gegründet und steht in voller Einheit mit dem Heiligen Stuhl.
Im Sommer 2024 wählte die FSSP auf ihrem Generalkapitel im internationalen Priesterseminar in Denton (USA) Pater John Berg erneut für eine sechsjährige Amtszeit zum Generaloberen. Berg war bereits von 2006 bis 2018 in diesem Amt tätig.
Angesichts der strukturellen und pastoralen Bedeutung der Petrusbruderschaft sowie der anhaltenden Diskussionen um die überlieferte Liturgie innerhalb der Kirche wird dem Treffen mit dem Papst besonderes Interesse beigemessen. Jedoch bleibt der tatsächliche Gesprächsinhalt vorerst nicht öffentlich, bis etwaige offizielle Erklärungen seitens des Vatikans oder der FSSP folgen.
Die Audienz ist im Rahmen der Gespräche zu sehen, die Papst Leo XIV. seit dem Sommer 2025 mit Vertretern der Tradition führt, wie er es selbst in seinem ersten großen Interview gesagt hatte. Konkrete Erleichterungen für die Welt der Tradition folgten daraus bisher nicht. Es darf davon ausgegangen werden, daß eine Bekräftigung der Zusage von Franziskus erfolgte, daß die ehemaligen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften von Traditionis custodes ausgeklammert seien, was Einschränkungen durch Ortsbischöfe im Namen von Traditionis custodes in keiner Weise ausschließe.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanMedia (Screenshot)
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