Saba und die Heiligen Drei Könige

Eine zoroastrische Überlieferung, berichtet von Marco Polo


Die Heiligen Drei Könige, die Magi, die Weisen aus dem Morgenland, dargestellt in Sant'Apollinare Nuovo in Ravenna um 600
Die Heiligen Drei Könige, die Magi, die Weisen aus dem Morgenland, dargestellt in Sant'Apollinare Nuovo in Ravenna um 600

1271 ver­ließ Mar­co Polo gemein­sam mit sei­nem Vater Nic­colò und sei­nem Onkel Maf­feo Vene­dig, um eine Han­dels- und Gesandt­schafts­rei­se nach Asi­en anzu­tre­ten, deren Ziel der Hof des Groß­khans Kub­lai Khan war. Kub­lai Khan, ein Mon­go­le und Enkel Dschin­gis Khans, war seit 1260 Groß­khan und seit 1271 Kai­ser von Chi­na; mit ihm begann die Yuan-Dynastie.

Mar­co Polos Weg führ­te über Klein­asi­en, Per­si­en und Zen­tral­asi­en nach Chi­na. In Per­si­en – dem heu­ti­gen Iran – hielt er sich 1272/​73 etwa ein Jahr lang auf, um Han­del zu trei­ben, poli­ti­sche Kon­tak­te zu knüp­fen und die Wei­ter­rei­se vor­zu­be­rei­ten. 1275 erreich­te er schließ­lich den Hof Kub­lai Khans, wo er sieb­zehn Jah­re blei­ben soll­te. Auch die Rück­rei­se führ­te ihn erneut durch Per­si­en sowie über Meso­po­ta­mi­en, Arme­ni­en und Kon­stan­ti­no­pel zurück nach Vene­dig, das er 1295 wie­der erreichte.

Im Fol­gen­den gilt die Auf­merk­sam­keit jedoch sei­nem ersten Auf­ent­halt in Per­si­en. Nach sei­ner Rück­kehr wur­den Mar­co Polos Beob­ach­tun­gen und Erzäh­lun­gen nie­der­ge­schrie­ben und im Werk Il Mili­o­ne zusam­men­ge­faßt. Noch vor der Erfin­dung des Buch­drucks ver­brei­te­te sich die­ses Werk in Euro­pa durch zahl­rei­che Abschriften.

Marco Polos Schilderung

Im 30. Kapi­tel berich­tet Mar­co Polo:

„Per­si­en ist zwar zwei­fel­los eine gro­ße und edle Pro­vinz, doch in der Gegen­wart wird es von den Tata­ren [Mon­go­len] ver­wü­stet. In Per­si­en liegt die Stadt, die Saba genannt wird, von der aus sich die drei Köni­ge auf­mach­ten, um Gott zu ver­eh­ren, als er gebo­ren wur­de. In jener Stadt sind die drei Magi in einem schö­nen Grab­mal bei­gesetzt, und sie sind noch alle voll­stän­dig mit Bart und Haa­ren vor­han­den: der eine trug den Namen Bal­tha­sar, der ande­re Gas­par, der drit­te Mel­chi­or. Herr Mar­co erkun­dig­te sich in jener Stadt wie­der­holt nach die­sen drei Köni­gen; nie­mand konn­te ihm dar­über etwas berich­ten, außer daß es sich um drei Köni­ge han­del­te, die dort in alter Zeit bei­gesetzt wor­den waren.
Nach drei Tages­rei­sen stie­ßen sie auf eine Burg namens Cala­sa­ta, was auf fran­zö­sisch „Burg der Feu­er­an­be­ter“ bedeu­tet; und es ist wahr, daß die Bewoh­ner die­ser Burg das Feu­er ver­eh­ren, und ich wer­de berich­ten, war­um. Die Män­ner jener Burg erzäh­len, daß einst drei Köni­ge jener Gegend auf­ge­bro­chen sei­en, um einen Pro­phe­ten zu ver­eh­ren, der gebo­ren wor­den war, und daß sie drei Gaben mit sich führ­ten: Gold, um zu prü­fen, ob er ein Herr­scher sei, Weih­rauch, um zu erken­nen, ob er gött­lich sei, und Myr­rhe, um fest­zu­stel­len, ob er ewig sei.
Als sie an den Ort gelang­ten, wo Gott gebo­ren wor­den war, ging zunächst der Jüng­ste hin, um ihn zu sehen, und er erschien ihm nach sei­ner Gestalt und in sei­ner Zeit; dar­auf folg­te der Mitt­le­re, dann der Älte­ste, und jeder von ihnen sah ihn gemäß sei­ner eige­nen Wahr­neh­mung und in sei­ner eige­nen Zeit. Als jeder berich­te­te, was er gese­hen hat­te, waren sie sehr erstaunt und beschlos­sen, gemein­sam vor­zu­ge­hen; und als sie gemein­sam gin­gen, erschien allen, was er war, näm­lich ein Kind von etwa drei­zehn Tagen.
Dann boten sie Gold, Weih­rauch und Myr­rhe dar, und das Kind nahm alles ent­ge­gen; und das Kind schenk­te den drei Köni­gen ein ver­schlos­se­nes Käst­chen. Danach mach­ten sich die Köni­ge auf den Weg zurück in ihre Heimat.“

Wo liegt Saba?

Mar­co Polo nennt als Ort des Grab­mals der drei Könige/​Magi eine per­si­sche Stadt namens Saba. Die heu­ti­ge For­schung iden­ti­fi­ziert die­sen Ort weit­ge­hend mit dem moder­nen Saveh in der Pro­vinz Mar­ka­zi, rund 130 Kilo­me­ter süd­west­lich von Tehe­ran. Saveh exi­stiert seit der Anti­ke und war auch zur Zeit Mar­co Polos bewohnt.

Saveh (Zen­tral­iran) gilt als das Saba Mar­co Polos

Nach Mar­co Polos Dar­stel­lung sind von dort die drei Hei­li­gen Köni­ge auf­ge­bro­chen, um das neu­ge­bo­re­ne Jesus­kind in Beth­le­hem zu ver­eh­ren. Zugleich befan­den sich in die­ser Stadt – so sei­ne Aus­kunft um 1272/​1273 – noch ihre Grab­stät­ten, wobei die Lei­ber voll­stän­dig erhal­ten gewe­sen sei­en, mit Haa­ren und Bär­ten. Mar­co Polo erkun­dig­te sich mehr­fach bei den Ein­woh­nern nach die­sen Grä­bern, erhielt jedoch kei­ne wei­ter­füh­ren­den Aus­künf­te, außer der vagen Anga­be, daß dort „seit alter Zeit“ drei Magi bestat­tet seien.

Für das Grab­mal der Drei Köni­ge exi­stie­ren heu­te kei­ne archäo­lo­gi­schen Bele­ge. Auch spä­te­re Rei­sen­de erwäh­nen es nicht mehr.

Legende und Beobachtung

Die Erwäh­nung von Saba/​Saveh im Zusam­men­hang mit den Drei Köni­gen zeigt exem­pla­risch, wie Mar­co Polo loka­le Erzäh­lun­gen und Legen­den in sei­ne geo­gra­phi­schen und eth­no­gra­phi­schen Beschrei­bun­gen inte­grier­te. Ande­re Anga­ben sei­nes Berichts – etwa zu den „Feu­er­an­be­tern“ der Regi­on – las­sen sich gut mit bekann­ten zoro­a­stri­schen Tra­di­tio­nen in Ein­klang brin­gen und wer­den von ihm nüch­tern wiedergegeben.

Gera­de hier­in liegt die Bedeu­tung sei­ner Schil­de­rung: Die Erzäh­lung von den Grab­stät­ten der Könige/​ Magi beruht nicht auf abend­län­di­schen Tra­di­tio­nen, son­dern auf loka­len per­si­schen Vor­stel­lun­gen, die Mar­co Polo doku­men­tiert, ohne sie zu kom­men­tie­ren oder zu bewer­ten. Er pro­ji­ziert nicht die katho­li­sche Über­lie­fe­rung von den Hei­li­gen Drei Köni­gen auf drei Grä­ber, die er vor sich hat, son­dern berich­tet von einer loka­len Tradition.

Mar­co Polo sagt auch nicht, daß er selbst die Grä­ber und die unver­sehr­ten Lei­ber der Könige/​Magi gese­hen habe. Aus dem Kon­text sei­ner Schil­de­rung geht her­vor, daß ihm die­se Über­lie­fe­rung in der Burg der Feu­er­an­be­ter erzählt wur­de, wäh­rend die Bewoh­ner der Stadt ihm kei­ne nähe­ren Aus­künf­te geben konn­ten. Als Burg, die Mar­co Polo nennt, käme mög­li­cher­wei­se Ryan oder Arda­shir in Frage.

Die Burg von Ryan. Mög­li­cher­wei­se hör­te dort Mar­co Polo von den Magi-Grä­bern von Saba

In der Gegend von Saba gab es Grä­ber bekann­ter Sufi-Mei­ster, monu­men­ta­le Moscheen, doch ergibt eine fal­sche Zuschrei­bung ange­sichts der Beru­fung auf ört­li­che Quel­len kei­nen Sinn. 

Projizierte Marco Polo eine christliche Tradition?

Mar­co Polo pro­ji­zier­te auch kei­ne abend­län­di­sche Vor­stel­lung unver­west geblie­be­ner Hei­li­gen­lei­ber auf sei­ne Beschrei­bung der Grä­ber der Drei Köni­ge. Mit­te des 13. Jahr­hun­derts waren in Euro­pa noch kei­ne Bei­spie­le voll­stän­dig unver­we­ster Hei­li­ger all­ge­mein bekannt. Die Reli­qui­en­ver­eh­rung beschränk­te sich vor­nehm­lich auf Kno­chen, Schä­del oder ein­zel­ne Kör­per­tei­le; die Vor­stel­lung gan­zer, unver­sehr­ter Lei­ber ent­wickel­te sich erst ab dem aus­ge­hen­den Hoch­mit­tel­al­ter (dem hei­li­gen Anto­ni­us von Padua, dem hei­li­gen Bona­ven­tura und der Wie­der­ent­deckung der römi­schen Kata­kom­ben). Aller­dings hat­te die erste Reco­gni­tio des Leich­nams des Anto­ni­us von Padua 1232 statt­ge­fun­den. Dabei war sein Leich­nam unver­west ange­trof­fen wor­den, was sei­ne Hei­lig­spre­chung beschleunigte.

Mar­co Polo berich­tet aber nüch­tern, daß ihm vor Ort über­lie­fert wur­de, die Könige/​Magi sei­en in Saba in einem schö­nen Grab­mal bei­gesetzt und ihre Kör­per noch voll­stän­dig erhal­ten. Die­se Anga­ben ent­stam­men ein­deu­tig loka­len münd­li­chen Tra­di­tio­nen und nicht einem euro­päi­schen christ­li­chen Deu­tungs­mu­ster, das damals besten­falls erst im Ent­ste­hen war. Mar­co Polo erfährt die Über­lie­fe­rung vor Ort, bestä­tigt durch sei­ne authen­ti­sche Schil­de­rung der Burg mit der zoro­a­stri­schen Feueranbetung.

Arda­shir käme eben­falls als jene Burg in Fra­ge, die Mar­co Polo als Zen­trum der Zoro­a­strier schildert

Konnten Grabmäler so lange überdauern?

Grund­sätz­lich ist es kei­nes­wegs aus­ge­schlos­sen, daß Grab­mä­ler hoch­ran­gi­ger Per­sön­lich­kei­ten in Per­si­en wie Für­sten und ver­ehr­te Prie­ster über mehr als zwölf Jahr­hun­der­te hin­weg Bestand hat­ten. Grab­stät­ten aus der Zeit um Chri­sti Geburt wur­den häu­fig aus Stein oder gebrann­ten Zie­geln errich­tet und konn­ten – bei ent­spre­chen­der Bau­wei­se – sehr lan­ge überdauern.

Ist es aber denk­bar, daß sich eine zoro­a­stri­sche Über­lie­fe­rung über zwölf Jahr­hun­der­te hielt, um Mar­co Polo berich­tet zu wer­den. Das erscheint weni­ger wahr­schein­lich, da es kei­ne direk­ten Über­lie­fe­run­gen die­ser Art der Feu­er­an­be­ter gibt. Die zoro­a­stri­sche Über­lie­fe­rung kennt weder Gold-Weih­rauch-Myr­rhe-Erzäh­lun­gen noch eine mes­sia­ni­sche Geburt in Beth­le­hem und auch kei­ne Anbe­tung eines jüdi­schen Kindes.

Histo­risch zen­tral ist jedoch, daß es im Mat­thä­us­evan­ge­li­um (2,1) heißt: μάγοι ἀπὸ ἀνατολῶν, wört­lich „Magi­er aus dem Osten“, im Deut­schen häu­fig mit „Wei­se aus dem Mor­gen­land“ wiedergegeben. 

„Magi­er“ ist kein christ­li­cher Titel, son­dern bezeich­net den per­si­schen Prie­ster­stand. In der grie­chisch-römi­schen Welt waren Magi daher typisch per­si­sche, kon­kret zoro­a­stri­sche Prie­ster, die zugleich auch Astro­no­men und Traum­deu­ter waren. Für anti­ke Leser war damit völ­lig klar, daß die drei Per­so­nen des Evan­ge­li­ums aus Per­si­en oder Medi­en kamen, und nicht etwa aus Ara­bi­en oder sonst­wo her.

Christliche Tradition der Heiligen Drei Könige

Bereit sim 4. Jahr­hun­dert ist in Klein­asi­en die Ver­eh­rung der drei Wei­sen aus dem Mor­gen­land bezeugt. Dabei gilt es fest­zu­hal­ten, daß Per­si­en nie zum Herr­schafts­be­reich des Römi­schen Rei­ches gehör­te. Ab dem 4. Jahr­hun­dert kam es zu Kon­flik­ten zwi­schen den Sas­sa­ni­den, den Herr­schern des Ostens, und den Chri­sten, weil die­se als Macht­fak­tor Roms gese­hen wur­den, womit damals Kon­stan­ti­no­pel gemeint war. Die­se Front­stel­lung för­der­te nach dem Kon­zil von Ephe­sus im Jahr 431 die Abspal­tung der „Kir­che des Ostens“, bes­ser bekannt als Nesto­ria­ni­sche Kir­che, von Rom.
Die Kir­che in Kon­stan­ti­no­pel und Rom über­lie­fer­te nur ihre Tra­di­ti­on, wes­halb wir nur nähe­re Kennt­nis von dem haben, was inner­halb des Römi­schen, dann Byzan­ti­ni­schen Reichs geschah.

Die Ver­eh­rung der Hei­li­gen Drei Köni­ge ging aus Klein­asi­en auf Kon­stan­ti­no­pel über. Von dort brach­te 1164 Erz­bi­schof Rai­nald von Das­sel die am Bos­po­rus ver­ehr­ten Gebei­ne der drei Wei­sen nach dem Drit­ten Kreuz­zug nach Köln, wo sie bis heu­te im Dom im Drei­kö­nig­schrein auf­be­wahrt wer­den und die Stadt am Rhein zu einem der bedeu­tend­sten Wall­fahrts­or­te des Mit­tel­al­ters machten.

Wie kam es aber zur persischen Überlieferung?

Wie läßt sich aber die per­si­sche Über­lie­fe­rung erklä­ren, auf die Mar­co Polo 1272/​73 stieß? 

Soviel ist bekannt: Bereits im 1. Jahr­hun­dert exi­stier­ten christ­li­che Gemein­den im Sas­sa­ni­den­reich. Spä­te­stens im frü­hen 2. Jahr­hun­dert sind Gemein­den auch im per­si­schen Kern­raum vor­han­den. Tra­di­tio­nell wer­den der Apo­stel Tho­mas sowie Addai (Thad­dä­us) und Marai als erste Mis­sio­na­re genannt.

Ab dem 4. Jahr­hun­dert ist das ost­sy­ri­sche Chri­sten­tum in Per­si­en orga­ni­siert und stark ver­brei­tet. Es wird davon aus­ge­gan­gen, daß 15 Pro­zent der Bevöl­ke­rung damals Chri­sten waren. Mehr­heit­lich christ­lich war Per­si­en aber nie. Das Land blieb über­wie­gend zoroastrisch.

Es ist sehr wahr­schein­lich, daß die Mis­sio­na­re mit Blick auf das Mat­thä­us­evan­ge­li­um die posi­ti­ve Ein­bin­dung Per­si­ens in die Heils­ge­schich­te beton­ten. Eine loka­le Ver­knüp­fung mit alten Königs­grä­bern kann dar­aus in Saba eigen­stän­dig ent­stan­den sein und die­se Tra­di­ti­on jahr­hun­der­te­lang wei­ter­ge­lebt haben, auch nach dem Nie­der­gang des Chri­sten­tums in der Region. 

Die Gegend von Saba (im heu­ti­gen Zen­tral­iran) war zwar nie ein christ­li­ches Zen­trum, sehr wohl aber ein Zen­trum der Magi. Es lag tief im per­si­schen Kern­land und war ein zoro­a­stri­sches Kern­ge­biet. Hier wur­den astro­no­mi­sche Beob­ach­tun­gen ange­stellt und mes­sia­ni­sche Erwar­tun­gen gepflegt, denn die­se waren unter den Feu­er­an­be­tern verbreitet.

Saba lag weit ent­fernt von wich­ti­gen Han­dels­zo­nen, die stär­ker christ­lich geprägt waren. Den­noch ist die Exi­stenz einer christ­li­chen Gemein­de in Saveh, wenn auch viel­leicht nur einer klei­nen, durch­aus wahr­schein­lich. In den christ­li­chen Bischofs­li­sten wur­de die Stadt jeden­falls nie genannt. Die­se christ­li­che Prä­senz scheint dann in isla­mi­scher Zeit ver­schwun­den zu sein.

Die loka­le per­si­sche Tra­di­ti­on scheint dem­nach in einem regio­na­len, ver­mut­lich noch zoro­a­stri­schen Umfeld ent­stan­den und auf die­se Wei­se volks­tüm­lich über­lie­fert wor­den zu sein.

Die Zerstörung des Grabmals?

Es ist gut vor­stell­bar, daß ein Grab­mal in Saba/​Saveh, von dem Mar­co Polo gehört hat­te, in den Jahr­zehn­ten nach sei­nem Besuch zer­stört oder stark beschä­digt wur­de. Dafür spricht, daß spä­te­re Rei­sen­de kei­ne ent­spre­chen­den Hin­wei­se mehr geben und archäo­lo­gi­sche Bele­ge fehlen.

Zur Zeit von Polos Auf­ent­halt stand Per­si­en bereits unter mon­go­li­scher Herr­schaft im Ilch­a­nat (1256–1335). Die mon­go­li­schen Erobe­run­gen gin­gen viel­fach mit erheb­li­chen Zer­stö­run­gen ein­her. Zwar waren die Mon­go­len reli­gi­ös meist tole­rant, doch Grab­stät­ten und Monu­men­te mit loka­ler poli­ti­scher oder reli­giö­ser Bedeu­tung gal­ten als Sym­bo­le regio­na­ler Macht und wur­den im Zuge mili­tä­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen nicht immer geschont.

Mar­co Polos Bericht legt nahe, daß Saba zu sei­ner Zeit noch weit­ge­hend unver­sehrt war. Auch die Exi­stenz einer nahe­ge­le­ge­nen Burg der Feu­er­an­be­ter steht dem nicht ent­ge­gen; der Islam wur­de im Ilch­a­nat erst um 1310 – in schii­ti­scher Aus­prä­gung – zur Staats­re­li­gi­on erhoben.

Daß spä­te­re Rei­sen­de die Grab­mä­ler nicht mehr erwäh­nen, spricht für deren Zer­stö­rung. Ob die­se auf mon­go­li­sche Kriegs­zü­ge, von Mar­co Polo pau­schal „Tata­ren“ genannt, oder auf Natur­er­eig­nis­se wie Erd­be­ben zurück­zu­füh­ren ist, läßt sich nicht ent­schei­den. Die Kom­bi­na­ti­on aus mili­tä­ri­schen Ver­wü­stun­gen und seis­mi­scher Akti­vi­tät macht es jedoch plau­si­bel, daß ein von Mar­co Polo beschrie­be­nes Grab­mal in den Jah­ren oder Jahr­zehn­ten nach sei­nem Auf­ent­halt ver­lo­ren ging.

Wir kön­nen nicht sagen, wel­che drei Könige/​Magi in dem Grab­mal von Saba begra­ben waren. Durch den Bericht von Mar­co Polo wis­sen wir aber, daß es um 1272/​73 in die­ser zen­tral­ira­ni­schen Gegend eine Über­lie­fe­rung gab, die Saba als Her­kunfts­ort der Hei­li­gen Drei Köni­ge des Evan­ge­li­ums, die aus­ge­zo­gen waren, um das Jesus­kind auf­zu­su­chen, und auch als deren Grab­le­ge benannte.

Die Isla­mi­sie­rung Per­si­ens setz­te ab der zwei­te Hälf­te des 7. Jahr­hun­derts ein, aber noch vie­le Jahr­hun­der­te blie­ben in der Bevöl­ke­rung zoro­a­stri­sche Ele­men­te erhal­ten. Es erscheint unwahr­schein­lich, daß Mus­li­me Trä­ger der Magi-Über­lie­fe­rung waren, wes­halb auch unter die­sem Aspekt eine zoro­a­stri­sche Über­lie­fe­rung sehr wahr­schein­lich ist – und die­se offen­bar damit einen gewis­sen Lokal­stolz trans­por­tier­te. Aller­dings hat­te sich die Erin­ne­rung, wie Mar­co Polo doku­men­tiert, in der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts bereits weit­ge­hend verflüchtigt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/​Nina no/​MiL

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