Nach der überraschenden Löschung des Blogs Messainlatino (Lateinische Messe) über die überlieferte Liturgie durch Google führte Javier Navascués (InfoCatolica) ein Interview mit Luigi Casalini, dem Chefredakteur von Messainlatino.
Javier Navascués: Wie haben Sie auf die Nachricht über die Schließung Ihres Blogs reagiert?
Luigi Casalini: Mit großer Überraschung, Traurigkeit und Besorgnis. Morgen könnte es jedem passieren. Zum Glück hat uns die Solidarität vieler Menschen Trost und Gelassenheit gebracht.
Javier Navascués: Hatten Sie das erwartet?
Luigi Casalini: Überhaupt nicht. Alles kam ohne Vorwarnung, von einem Moment auf den andern, mit einer kurzen E‑Mail und der sofortigen Löschung des Blogs. Vor kurzem wurde unser Blog für einige Tage gesperrt und dann wieder reaktiviert, damals wegen drei Veröffentlichungen, von denen eine von einem amerikanischen Bischof stammte… über das Frauendiakonat!
Javier Navascués: In welchem Ausmaß stellt das einen Angriff auf die grundlegendsten Freiheiten dar?
Luigi Casalini: Jeder kann betroffen sein, und all dies betrifft die Pressefreiheit und die Gedankenfreiheit. Es ist der „Große Bruder“ von George Orwell. Darüber hinaus hat Blogger [die Blog-Plattform von Google] keine Erklärung abgegeben. Wir haben keine konkreten Anschuldigungen erhalten, nur eine allgemeine Beschuldigung, wir würden „Haß verbreiten“. Es wurden keine konkreten Beispiele für diese Beschuldigung genannt. Wir konnten auch nichts im Rahmen der von Blogger erlaubten Berufung beantragen, sondern nur auf einen Link klicken.
Javier Navascués: Welche rechtlichen Schritte beabsichtigen Sie einzuleiten?
Luigi Casalini: Wir haben bereits über unseren Anwalt eine offizielle formelle Anfrage an Google geschickt. Dann werden wir heute, am 15. Juli, oder morgen, am 16. Juli, einen Eilantrag bei dem zuständigen Gericht in Italien einreichen.
Javier Navascués: Haben Sie Unterstützung von anderen Medien in Italien und im Ausland erhalten?
Luigi Casalini: Wir haben große Unterstützung erhalten, sowohl privat als auch öffentlich. Es wurden bereits rund 60 Artikel in Zeitungen veröffentlicht, mindestens in drei landesweiten Zeitungen, wichtige Blogs und verschiedene Webseiten, sogar auf Seiten, die sich eher von der traditionellen Welt entfernt sehen, haben berichtet. Darüber sind wir sehr froh. Wir dürfen dieses gravierende Thema des Machtmißbrauchs und der Ungerechtigkeit nicht unbeachtet lassen. Allerdings sind wir traurig über die leider geringe Solidarität, nicht einmal im privaten Bereich, einiger Ecclesia-Dei-Kreise. Das hat uns sehr überrascht, zumal es morgen auch ihnen passieren könnte.
Javier Navascués: Warum denken Sie, daß der Inhalt der Website so störend für jemand ist, daß sie diese sogar schließen mußten?
Luigi Casalini: Es ist nichts, was stört. Der Blog Messainlatino ist einfach eine sehr gut besuchte Seite – im vergangenen Monat mit einer Million Aufrufen – und ein umfangreiches Archiv liturgischen und doktrinellen Materials sowie über das Leben der Kirche mit etwa 22.000 archivierten Beiträgen, das praktisch kein Äquivalent in Italien oder der restlichen Welt hat.
Javier Navascués: Es geht also nicht nur um die traditionelle Liturgie, sondern letztlich um die Prinzipien des Christentums…
Luigi Casalini: Genau, es geht nur um die Liturgie, die Glaubenslehre und das Leben der Kirche: treu zur Kirche und zum römischen Papst, aber frei, „zu denken“ und frei zu schreiben. Bitte, helft uns weiterhin!
Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: InfoCatolica
