Das blaue Häkchen auf dem Twitter-Konto des Papstes ist verschwunden

Elon Musk wirbelt Twitter auf


Auch das Twitter-Konto von Papst Franziskus verlor gestern das Twitter Blue.
Auch das Twitter-Konto von Papst Franziskus verlor gestern das Twitter Blue.

(Rom) Elon Musk, seit Okto­ber 2022 Besit­zer von Twit­ter, setzt sei­ne Unter­neh­mens­re­form wei­ter um. Gestern gin­gen alle Twit­ter Blue (blaue Häk­chen) für Pro­mi­nen­te ver­lo­ren – auch für Papst Franziskus.

Die blau­en Häk­chen waren ein Veri­fi­zie­rungs­ab­zei­chen, anhand derer Besu­cher erken­nen konn­ten, daß „Accounts von öffent­li­chem Inter­es­se echt“ sind, wie Twit­ter kom­mu­ni­ziert.

Elon Musk ent­zog die­se kosten­lo­se Veri­fi­zie­rung und bie­tet sie nun gegen Bezah­lung an. Dem­entspre­chend wur­de auch das blaue Häk­chen von Papst Fran­zis­kus in ein grau­es Häk­chen umgewandelt.

Musk been­de­te damit eine Bevor­zu­gung pro­mi­nen­ter und regie­rungs­na­her Twit­ter-Kon­ten. Alle Kon­ten wur­den gleich­ge­stellt. Wer eine Bevor­zu­gung will, muß künf­tig zahlen.

Musk begrün­de­te die­se Ent­schei­dung am Mon­tag­abend (Orts­zeit) in der Sen­dung des bekann­ten Fox­News-Mode­ra­tors Tucker Carlson:

„Das Ziel des neu­en Twit­ter ist es, so fair und gleich­be­rech­tigt wie mög­lich zu sein, also kei­ne poli­ti­sche Ideo­lo­gie bevor­zu­gen, son­dern allen gegen­über fair sein.“

Ähn­li­ches sei von Mark Zucker­berg bei Face­book (Meta) dage­gen wohl nicht zu erwarten.

Zucker­berg inve­stier­te, wie Musk erklär­te, in die US-Prä­si­dent­schafts- und Par­la­ments­wah­len 2020 400 Mil­lio­nen Dol­lar. Offi­zi­ell für eine Kam­pa­gne zur För­de­rung der Wahl­be­tei­li­gung, in Wirk­lich­keit jedoch zur Unter­stüt­zung von Joe Biden und der Demokraten.

Musk wir­belt auch sonst Twit­ter auf und been­de­te eine Rei­he von Zen­sur­maß­nah­men, die Twit­ter wie ande­re sozia­le Netz­wer­ke nach dem Wahl­sieg von US-Prä­si­dent Donald Trump ab 2017 schritt­wei­se ein­ge­führt hat­te und ihren Höhe­punkt 2020 erreich­ten, als mit­ten im Wahl­kampf Trumps Twit­ter-Kon­to gesperrt wur­de, was eine offe­ne und direk­te Benach­tei­li­gung Trumps war.

Am Mon­tag gab Musk auch bekannt, 80 Pro­zent der von ihm über­nom­me­nen Twit­ter-Mit­ar­bei­ter abge­baut zu haben. Auf die erstaun­te Fra­ge von Carl­son, wie man ein Unter­neh­men füh­ren kön­ne, wenn so vie­le Mit­ar­bei­ter abge­baut wer­den, sag­te Musk:

„Wenn die mei­sten Mit­ar­bei­ter sich nur mit Zen­sur beschäf­ti­gen, dann geht das…“

Ende 2012, kurz vor dem Rück­tritt von Papst Bene­dikt XVI., was jedoch nie­mand wuß­te, wur­de das offi­zi­el­le Twit­ter-Kon­to @Pontifex ein­ge­rich­tet, und das gleich in zahl­rei­chen Spra­chen. Für die dama­li­ge Zeit war das ein abso­lu­tes Novum. Sogar ein latei­ni­sches Kon­to gibt es. Seit­dem waren die dem Papst zuge­ord­ne­ten Twit­ter-Kon­ten, die erst von Papst Fran­zis­kus wirk­lich genützt wur­den, mit einem blau­en Häk­chen ver­se­hen. Ihre Echt­heit war damit sicher.

Musk hat­te die Neue­rung für den gest­ri­gen Don­ners­tag ange­kün­digt, und tat­säch­lich sind die Papst-Kon­ten seit gestern ohne das Veri­fi­zie­rungs­zei­chen. Man wird sehen, ob Bera­ter des Pap­stes Fran­zis­kus über­zeu­gen, das Twit­ter Blue für die Papst-Kon­ten zu kaufen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Twit­ter (Screen­shot)