Zur Gültigkeit/​Ungültigkeit Heiliger Messen

Papstthron

Von einem Kind Mariens

a) Behauptung der Ungültigkeit Heiliger Messen durch Nennung eines falschen Papstes im Kanon

Bis­wei­len wird in Foren behaup­tet, dass die hei­li­ge Mes­se nicht gül­tig ist (d. h. kei­ne Trans­sub­stan­tia­ti­on von Brot und Wein in Leib und Blut Chri­sti erfolgt), wenn der Prie­ster beim Hochgebet/​Kanon Fran­zis­kus als Papst nennt, da die­ser ein fal­scher Papst sei. Wie ist das aus dog­ma­ti­scher und lehr­amt­li­cher Sicht zu bewerten?

Zur Beant­wor­tung der Fra­ge wer­den fol­gen­de Wer­ke herangezogen:

  • Den­zin­ger, H. /​ Hüner­mann, P., Enchi­ri­dion sym­bo­lo­rum defi­ni­ti­o­num et decla­ra­ti­o­num de rebus fidei et morum. Kom­pen­di­um der Glau­bens­be­kennt­nis­se und kirch­li­chen Leh­rent­schei­dun­gen, Freiburg/​Br. u.a. 432010. [Abkür­zung: DH]
  • Die­kamp, F. /​ Jüs­sen, K., Katho­li­sche Dog­ma­tik, Will 2013. [Abkür­zung: Diekamp]
  • Doron­zo, E., De Sacra­men­tis in gene­re, Mil­wau­kee 1946. [Abkür­zung: Doron­zo, Sacramentis]
  • Doron­zo, E., De Eucha­ri­stia, Bd. 1: De Sacra­men­to, Mil­wau­kee 1947. [Abkür­zung: Doron­zo, Eucharistia]
  • Ott, L., Grund­riss der Dog­ma­tik, Bonn 2005. [Abkür­zung: Ott]
  • Tho­mas von Aquin, Sum­ma theo­lo­giae. Ter­tia pars. [Abkür­zung: STh, III]

b) Gültigkeitserfordernisse für die Heilige Messe

Am Beginn unse­rer Erör­te­rung ist auf die grund­le­gen­de Defi­ni­ti­on des Uni­ons­kon­zils von Flo­renz (1439) im Dekret für die Arme­ni­er hin­zu­wei­sen, wonach es für ein gül­ti­ges Zustan­de­kom­men der Sakra­men­te drei­er Ele­men­te bedarf, näm­lich der sakra­men­ta­len Form und Mate­rie – also des ent­spre­chen­den sakra­men­ta­len Zei­chens –, und des Spen­ders, der die Inten­ti­on zur Sakra­men­ten­spen­dung hat: „Haec omnia sacra­men­ta tri­bus per­fi­ci­untur, vide­li­cet rebus tam­quam mate­ria, ver­bis tan­quam for­ma, et per­so­na mini­stri con­fe­ren­tis sacra­men­tum cum inten­tio­ne faci­en­di, quod facit Eccle­sia; quo­rum si ali­quod desit, non per­fi­ci­tur sacra­men­tum. /​ Alle die­se Sakra­men­te wer­den durch drei­er­lei voll­zo­gen, näm­lich durch die Din­ge als Mate­rie, die Wor­te als Form und die Per­son des Spen­ders, der das Sakra­ment erteilt in der Absicht, zu tun, was die Kir­che tut; wenn irgend­et­was von die­sen fehlt, kommt das Sakra­ment nicht zustan­de“ – DH 1312; vgl. auch: DH 1671f. Für die gül­ti­ge Fei­er der Hei­li­gen Mes­se sind also not­wen­dig: die rich­ti­ge Mate­rie, die rich­ti­ge Form, der rich­ti­ge Spender.

  1. Mate­rie: Bezüg­lich der zur Gül­tig­keit not­wen­di­gen mate­ria remo­ta für das Aller­hei­lig­ste Sakra­ment des Alta­res vgl. DH 1320, 1642, 1652 (Wei­zen­brot und Reben­wein). Die­ser Punkt ist in unse­rem Zusam­men­hang unstrittig.
  1. Form: Hin­sicht­lich der Form des Altarsa­kra­ments sind allein die Wand­lungs­wor­te bzw. Ein­set­zungs­wor­te unse­res Hei­lan­des ent­schei­dend, wel­che eine Gleich­set­zung zwi­schen der Kon­se­kra­ti­ons­ma­te­rie (Brot + Wein; aus­ge­drückt durch ein Demon­stra­tiv­pro­no­men: „hoc/​hic“ bzw. „das“) mit dem Leib bzw. dem Blut Chri­sti aussagen.

Vgl. dazu etwa fol­gen­de Zita­te: „Die Form der Eucha­ri­stie sind die bei der Kon­se­kra­ti­on gespro­che­nen Ein­set­zungs­wor­te Chri­sti. Sent. cer­ta.“ – Ott, 536. „Die Form der hl. Eucha­ri­stie besteht in den Wor­ten, durch die Chri­stus kon­se­kriert hat. Sen­ten­tia cer­ta.“ – Die­kamp, 908. Bereits die alt­christ­li­che Über­lie­fe­rung (z. B. Ter­tul­li­an, Justi­nus, Ire­nä­us, Ambro­si­us, Ps.-Eusebius von Eme­sa, Johan­nes Chryso­sto­mus) lehrt, dass Chri­stus mit den Ein­set­zungs­wor­ten kon­se­krier­te – vgl. Ott, 537; Die­kamp, 909.

Als lehr­amt­li­chen Beleg vgl. etwa das Dekret für die Arme­ni­er des Flo­ren­ti­nums, DH 1321: „Die Form die­ses Sakra­men­tes [näm­lich der Eucha­ri­stie] sind die Wor­te des Erlö­sers, mit denen er die­ses Sakra­ment voll­zog; der Prie­ster voll­zieht die­ses Sakra­ment näm­lich, indem er in der Per­son Chri­sti spricht. Denn kraft der Wor­te selbst wird die Sub­stanz des Bro­tes in den Leib Chri­sti und die Sub­stanz des Wei­nes in das Blut ver­wan­delt […].“ Im Dekret für die Jako­bi­ten ergänzt das Kon­zil von Flo­renz: „Weil aber in dem eben auf­ge­führ­ten Dekret für die Arme­ni­er nicht die Form der Wor­te aus­drück­lich genannt wur­de, die die hoch­hei­li­ge römi­sche Kir­che […] bei der Kon­se­kra­ti­on des Lei­bes und Blu­tes des Herrn immer zu gebrau­chen gewohnt war, mein­ten wir sie an die­ser Stel­le ein­fü­gen zu sol­len. Bei der Kon­se­kra­ti­on des Lei­bes des Herrn ver­wen­det sie fol­gen­de Form der Wor­te „Hoc est enim cor­pus meum“, bei der des Blu­tes aber: „Hic est enim calix san­gui­nis mei, novi et aeter­ni testa­men­ti, myste­ri­um fidei, qui pro vobis et pro mul­tis effun­de­tur in remis­sio­nem pec­ca­torum““ – DH 1352. Auch das Tri­en­ter Kon­zil lehrt, dass nach dem über­lie­fer­ten Glau­ben der Kir­che „per con­se­cra­tio­nem panis et vini“, also durch das Aus­spre­chen der Wand­lungs­wor­te, der wah­re Leib und das wah­re Blut Chri­sti gegen­wär­tig sind – vgl. DH 1642.

  • Es bleibt mit Diekamp/​Jüssen fest­zu­hal­ten: „Der Prie­ster kon­se­kriert nur durch die ange­führ­ten Wor­te Chri­sti, nicht durch ein vor­aus­ge­hen­des oder nach­fol­gen­des Gebet, ins­be­son­de­re nicht durch die Epik­le­se [= Bit­te um Her­ab­sen­dung des Hei­li­gen Gei­stes]. Sen­ten­tia cer­ta.“ – Die­kamp, 909; vgl. dazu a.a.O., 909–911. „Wesent­lich für die Gül­tig­keit der Form sind nur die Wor­te: Hoc est cor­pus meum und Hic est calix san­gui­nis mei oder Hic est san­gu­is meus. Sen­ten­tia com­mu­nis.“ – Die­kamp, 911; vgl. dazu a.a.O., 911f. und die dort ange­ge­be­ne Lite­ra­tur. Zur Ver­tie­fung vgl. die Aus­füh­run­gen von Emma­nu­el Doron­zo, einem Schü­ler von Regi­nald Gar­ri­gou-Lagran­ge, in sei­ner unüber­trof­fe­nen mehr­bän­di­gen Sakra­men­ten­theo­lo­gie: Doron­zo, Eucha­ri­stia, Art. 8–10, 121–161. Für die Fra­ge, ob allei­ne die Wor­te „Hoc est cor­pus meum“ und „Hic est san­gu­is meus“ zur Kon­se­kra­ti­on ent­schei­dend sind, vgl. a.a.O., 150–161.
  • Wel­cher Papst im Kanon/​Hochgebet der Hei­li­gen Mes­se genannt wird [ob im „Te igi­tur“ oder an ande­rer Stel­le], hat also nichts mit der sakra­men­ta­len Form des Altarsa­kra­ments zu tun, wie mit größ­tem Nach­druck betont wer­den muss.
  1. Spen­der: Die Gül­tig­keit eines Sakra­ments hängt „ab vom rich­ti­gen Voll­zug des äuße­ren Zei­chens, d. h. von der Anwen­dung der wesent­li­chen Mate­rie und Form und ihrer Ver­bin­dung zur Ein­heit des sakra­men­ta­len Zei­chens. Sen­ten­tia com­mu­nis“ – Die­kamp, 845. Gemäß DH 1312 bedarf es natür­lich auch der Per­son des Spen­ders mit der Inten­ti­on zum Sakra­men­ten­voll­zug („per­so­na mini­stri con­fe­ren­tis sacra­men­tum cum inten­tio­ne faci­en­di, quod facit Eccle­sia“). Bezüg­lich der hei­lig­sten Eucha­ri­stie ist es klar, dass nur ein gül­tig geweih­ter Prie­ster Inha­ber der Kon­se­kra­ti­ons­ge­walt ist – vgl. DH 804, 793f., 1771, 1752.

Im Zusam­men­hang mit unse­rer Fra­ge muss vor allem her­vor­ge­ho­ben wer­den: Die Gül­tig­keit der hei­li­gen Mes­se wird nicht davon beein­träch­tigt, ob der zele­brie­ren­de Prie­ster recht­gläu­big ist oder nicht. Man den­ke hier bereits an die Ortho­do­xen Kir­chen, deren Eucha­ri­stie­fei­ern von der katho­li­schen Kir­che immer als gül­tig ange­se­hen wur­den (obwohl die Ortho­do­xen Chri­sten man­che von der katho­li­schen Kir­che abwei­chen­de, also häre­ti­sche Leh­ren haben).

Die Kir­che hat sich seit ihrer frü­hen Geschich­te immer wie­der mit der Fra­ge der Gül­tig­keit der Sakra­men­ten­spen­dung durch häre­ti­sche, schis­ma­ti­sche oder ein­fach nur mora­lisch frag­wür­di­ge Spen­der aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Das Resul­tat lässt sich fol­gen­der­ma­ßen for­mu­lie­ren: „Die Gül­tig­keit und Wirk­sam­keit der Sakra­men­te ist unab­hän­gig von der Recht­gläu­big­keit und vom Gna­den­stand des Spen­ders. Was den Gna­den­stand betrifft, de fide; was die Recht­gläu­big­keit betrifft, de fide bezüg­lich der Tau­fe (DH 1617); sen­ten­tia fidei pro­xi­ma bezüg­lich der übri­gen Sakra­men­te.“ – Ott, 473. „Bei kei­nem Sakra­ment ist der Irr- oder Unglau­be des Spen­ders ein Hin­der­nis der gül­ti­gen Spen­dung. Sen­ten­tia nunc com­mu­nis.“ – Die­kamp, 843. Denn „[…] seit vie­len Jahr­hun­der­ten ist es die all­ge­mei­ne Leh­re der Theo­lo­gen, dass alle Sakra­men­te auch von Irr- oder Ungläu­bi­gen gül­tig gespen­det wer­den kön­nen.“ – Die­kamp, 844. „Valor sacra­men­ti non pen­det a fide vel pro­bi­ta­te mini­stri, aut qua­li­bet eius­dem mora­li dis­po­si­tio­ne. [=Die Gül­tig­keit des Sakra­ments hängt nicht vom Glau­ben oder der Recht­schaf­fen­heit oder irgend­ei­ner mora­li­schen Beschaf­fen­heit des Spen­ders ab]” – Doron­zo, Sacra­men­tis, 490; vgl. dazu ver­tie­fend a.a.O., Art. 39, 470–495.

Der hl. Tho­mas von Aquin unter­sucht die­se Fra­ge bei­spiels­wei­se in sei­ner Sum­ma con­tra gen­ti­les, Buch IV, Kapi­tel 77. Noch wich­ti­ger sind sei­ne Aus­füh­run­gen in: STh, III, q. 64, a. 5 [über die Gül­tig­keit der Sakra­men­ten­spen­dung durch schlech­te Prie­ster: „mini­stri Eccle­siae pos­sunt sacra­men­ta con­fer­re eti­am si sint mali“]. In STh, III, q. 64, a. 9, resp. erklärt der Aqui­na­te, dass im Spen­der des Sakra­ments für des­sen Gül­tig­keit nicht not­wen­di­ger­wei­se Glau­ben erfor­der­lich ist; auch ein Ungläu­bi­ger [oder: Häre­ti­ker] voll­zieht ein wah­res Sakra­ment, solan­ge nur die ande­ren Gül­tig­keits­be­din­gun­gen [Form + Mate­rie] erfüllt wer­den: „non requi­ri­tur fides eius [scil. mini­stri sacra­men­ti], sed infi­de­lis potest ver­um sacra­men­tum pra­ebe­re, dum­mo­do cete­ra adsint, quae sunt de neces­si­ta­te sacramenti“.

  • So ist deut­lich, dass auch Irr­gläu­bi­ge bzw. Häre­ti­ker gül­tig die Sakra­men­te spen­den kön­nen, sofern die ande­ren Gül­tig­keits­er­for­der­nis­se vor­lie­gen. Selbst für den Fall, dass man durch die Erwäh­nung von Fran­zis­kus als Papst im Kanon/​Hochgebet der Hei­li­gen Mes­se ein „Häre­ti­ker“ wür­de – was höchst frag­wür­dig ist und nicht der Defi­ni­ti­on von Häre­sie ent­spricht (vgl. c. 751 CIC/​1983) –, blie­be die Hei­li­ge Mes­se also gültig.
  • Tho­mas lehrt dies aus­drück­lich in Bezug auf das Altarsa­kra­ment [zu des­sen wesent­li­chen Ele­men­ten vgl: STh, III, q. 74 über die Mate­rie, q. 78 über die Form, q. 82 über den Spen­der]. Der Doc­tor com­mu­nis erklärt in STh, III, q. 82, a. 7, dass auch Häre­ti­ker, Schis­ma­ti­ker und Exkom­mu­ni­zier­te gül­tig die Eucha­ri­stie feiern.
  • Man­che behaup­ten, ein häre­ti­scher oder exkom­mu­ni­zier­ter Prie­ster, der außer­halb der Kir­che steht, kön­ne kei­ne gül­ti­ge Hei­li­ge Mes­se fei­ern, weil dort der Hei­li­ge Geist nicht wir­ke. Die­sen ent­geg­net der hl. Tho­mas höchst­per­sön­lich: „qui­dam dixer­unt quod hae­re­ti­ci, schis­ma­ti­ci et excom­mu­ni­ca­ti, quia sunt extra Eccle­si­am, non pos­sunt con­fi­ce­re hoc sacra­men­tum. Sed in hoc deci­pi­untur. [Man­che haben gesagt, dass Häre­ti­ker, Schis­ma­ti­ker und Exkom­mu­ni­zier­te, weil sie außer­halb der Kir­che sind, das Altarsa­kra­ment nicht gül­tig vollziehen/​zustande brin­gen kön­nen, doch sie täu­schen sich hier­in.]“ – STh, III, q. 82, a. 7, resp.
  1. Inten­ti­on: Frag­wür­dig im Hin­blick auf die Gül­tig­keit der Hei­li­gen Mes­se wäre allen­falls noch, ob beim Zele­bran­ten die erfor­der­li­che inten­tio faci­en­di quod facit Eccle­sia vor­liegt. Hier gibt es lei­der eben­falls nicht sel­ten Gläu­bi­ge, wel­che hete­ro­do­xen Prie­stern von vorn­her­ein abspre­chen, die not­wen­di­ge Inten­ti­on zur gül­ti­gen Mess­fei­er zu haben. Bezüg­lich solch vor­schnel­ler Urtei­le ist höch­ste Vor­sicht gebo­ten, gera­de weil man damit auch gro­ßen Scha­den anrich­ten kann. Zur erfor­der­li­chen Inten­ti­on bei der Sakra­men­ten­spen­dung möge man etwa erst ver­tie­fend stu­die­ren: Doron­zo, Sacra­men­tis, Art. 36–38, 438–470.

Tho­mas von Aquin, der bezüg­lich der Leh­re von der inten­tio quod facit Eccle­sia (so der Begriff aus: STh, III, q. 64, a. 8, ad 1) der maß­geb­li­che Bezugs­punkt des kirch­li­chen Lehr­amts (etwa auf dem Flo­ren­ti­num) ist, stellt bezüg­lich der genann­ten Inten­ti­on äußerst nied­ri­ge Anfor­de­run­gen. Er erklärt, dass die für die gül­ti­ge Sakra­men­ten­spen­dung not­wen­di­ge Inten­ti­on allein schon durch das Aus­spre­chen der sakra­men­ta­len Form gewähr­lei­stet wird, sofern der durch die Form bezeich­ne­ten sakra­men­ta­len Wir­kung äußer­lich nichts direkt ent­ge­gen­ge­setzt wird: „haec inten­tio expri­mitur per ver­ba quae in sacra­men­tis dicun­tur“ – STh, III, q. 64, a. 8, resp.; „in ver­bis autem quae pro­fer­un­tur, expri­mitur inten­tio Eccle­siae; quae suf­fi­cit ad per­fec­tio­n­em sacra­men­ti, nisi con­tra­ri­um exte­ri­us expri­matur ex par­te mini­stri et reci­pi­en­tis sacra­men­tum“ – STh, III, q. 64, a. 8, ad. 2.

Selbst wenn der Prie­ster bezwei­felt, dass die durch das Sakra­ment bezeich­ne­te sakra­men­ta­le Wir­kung her­vor­ge­bracht wird, ist das Sakra­ment gül­tig: „Si vero patia­tur fidei defec­tum cir­ca ipsum sacra­men­tum quod exhi­bet, licet credat per id quod agi­tur exte­ri­us nullum sequi inte­rio­rem effec­tum, non tamen igno­rat quod Eccle­sia Catho­li­ca inten­dit per hui­us­mo­di quae exte­ri­us agun­tur, sacra­men­tum pra­ebe­re. Unde, non obstan­te infi­de­li­ta­te, potest inten­de­re face­re id quod facit Eccle­sia, licet exi­sti­met id nihil esse. Et talis inten­tio suf­fi­cit ad sacra­men­tum, quia, sicut supra dic­tum est, mini­ster sacra­men­ti agit in per­so­na toti­us Eccle­siae, ex cui­us fide sup­ple­tur id quod deest fidei mini­stro.“ – STh, III, q. 64, a. 9, ad 1.

Allein bei einer bewuss­ten Simu­la­ti­on des Sakra­ments, also gül­ti­gen äuße­ren Set­zung des sakra­men­ta­len Zei­chens, aber inne­ren Ableh­nung der durch die Form bezeich­ne­ten sakra­men­ta­len Wir­kung kommt kein Sakra­ment zustan­de, weil hier die Inten­ti­on zum Voll­zug des Sakra­ments gänz­lich fehlt bzw. sogar das Gegen­teil (der Nicht­voll­zug) inten­diert wird: „inten­tio mini­stri potest per­ver­ti dupli­ci­ter. Uno modo, respec­tu ipsi­us sacra­men­ti, puta cum ali­quis non inten­dit sacra­men­tum con­fer­re, sed deluso­rie ali­quid age­re. Et talis per­ver­si­tas tol­lit veri­tatem sacra­men­ti, prae­ci­pue quan­do suam inten­tio­nem exte­ri­us mani­fe­stat.“ – STh, III, q. 64, a. 10, resp.

Nach Tho­mas ist übri­gens selbst der sakri­le­gisch inten­dier­te Voll­zug der Sakra­men­te gül­tig (vgl. dazu etwa auch: c. 1382 § 2 CIC/​1983 zur in sakri­le­gi­scher Absicht erfolg­ten Kon­se­kra­ti­on – so sehr lie­fert sich uns der gött­li­che Erlö­ser in sei­ner uner­mess­li­chen Lie­be aus!): „Alio modo potest per­ver­ti inten­tio mini­stri quan­tum ad id quod sequi­tur sacra­men­tum, puta si sacer­dos inten­dat ali­quam femi­nam bap­tiz­a­re ut abu­ta­tur ea; vel si inten­dat con­fi­ce­re cor­pus Chri­sti ut eo ad vene­fi­cia uta­tur. Et quia pri­us non depen­det a poste­rio­ri, inde est quod talis inten­tio­nis per­ver­si­tas veri­tatem sacra­men­ti non tol­lit, sed ipse mini­ster ex tali inten­tio­ne gra­vi­ter pec­cat.“ – STh, III, q. 64, a. 10, resp.

  • Hier bleibt fest­zu­hal­ten: Die Nen­nung eines fal­schen Pap­stes im Kanon/​Hochgebet der Hei­li­gen Mes­se beein­flusst auch in Bezug auf die erfor­der­li­che Inten­ti­on nicht die Gül­tig­keit der Hei­li­gen Messe.

c) Aufruf zu mehr Differenzierung und Gebet

Die obi­gen Aus­füh­run­gen sol­len fürs Erste rei­chen, um die Unhalt­bar­keit der Ansicht auf­zu­zei­gen, dass eine Hei­li­ge Mes­se ungül­tig wäre, nur weil ein fal­scher Papst im Kanon der Hei­li­gen Mes­se genannt wür­de. Wohl gäbe es noch Wei­te­res, das man dies­be­züg­lich anfüh­ren könn­te, z. B.: Auch der hl. Vin­zenz Fer­rer war wäh­rend des abend­län­di­schen Schis­mas län­ge­re Zeit Anhän­ger fal­scher Päp­ste und doch sprach ihm die Kir­che nicht den Hei­li­gen Geist ab; oder: Es gab für das alte Mis­sa­le Roma­num (das letz­te von 1962) in den Rubri­ken immer die Abtei­lung „De defec­ti­bus in cele­bra­tio­ne mis­sar­um occu­ren­ti­bus“. Dort geht es dar­um, wann das Sakra­ment nicht mehr gül­tig ist sowie um wei­te­re Fehler/​Defekte, die das Sakra­ment aber nicht ungül­tig machen. Die Erwäh­nung eines fal­schen Pap­stes im Kanon wird dort aller­dings nicht ein­mal in Erwä­gung gezo­gen als defec­tus bzw. für eine all­fäl­li­ge Ungültigkeit.

Anstel­le vor­schnel­ler Urtei­le gegen die Gül­tig­keit Hei­li­ger Mes­sen auf­grund der Nen­nung eines fal­schen Papst­na­mens, womit noch tie­fe­re Wun­den als die bis­he­ri­gen in den mysti­schen Leib Chri­sti geschla­gen wer­den, wären gefragt: eine tie­fe­re Kennt­nis der Leh­re und Über­lie­fe­rung der Kir­che und der Schrif­ten des Aqui­na­ten sowie – was immer und für alle gilt – mehr Gebet und mehr per­sön­li­che Hei­lig­keit. Übri­gens wären (neben den sakra­men­ten­theo­lo­gi­schen) auch ein­mal die ekkle­sio­lo­gi­schen und kir­chen­recht­li­chen Annah­men der Ver­fech­ter der Ungül­tig­keit Hei­li­ger Mes­sen auf­grund der Nen­nung eines fal­schen Papst­na­mens näher zu hin­ter­fra­gen; sie erschei­nen nicht in allem stich­hal­tig (z. B. hin­sicht­lich des „extra Eccle­si­am“ und der theo­lo­gi­schen sowie kano­ni­schen Fol­gen von Häre­sie und Exkom­mu­ni­ka­ti­on). Eben­so müss­te im Hin­blick auf unse­re Fra­ge die Leh­re von der Inde­fek­ti­bi­li­tät der Kir­che näher erör­tert werden.

  • Die Kir­che lei­det in unse­rer Zeit, gewiss, aber das recht­fer­tigt kein vor­schnel­les, unver­ant­wort­ba­res Abur­tei­len in einem Bereich, der das Herz der Kir­che selbst betrifft, das Aller­hei­lig­ste, was es gibt und ihr anver­traut ist.

Die Kri­se der Kir­che unter dem der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat ist sicher­lich nicht zu unter­schät­zen, und die Aus­sa­gen einer sel. Anna Katha­ri­na Emme­rich, die Bot­schaf­ten von La Salet­te und Fati­ma [womög­lich ein noch unver­öf­fent­lich­ter Text zum drit­ten Geheim­nis] sowie unser Herr selbst (vgl. z. B. Mt 24,37–51) mah­nen stets zur Wach­sam­keit (+Gebet!). Nur darf uns das nicht irre machen und gött­li­ches Heils­han­deln vor­ei­lig für ungül­tig erklä­ren las­sen. Man­che hal­ten die „Fran­zis­kus-Kir­che“ für den mysti­schen Leib des Anti­chri­sten, wes­halb dort kein Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes mög­lich sei [übri­gens gab es in der Ver­gan­gen­heit bereits ande­re Prie­ster, wel­che den Papst für außer­halb der Kir­che ste­hend und sogar zum Anti­chri­sten erklär­ten: z. B. Mar­tin Luther]. Abge­se­hen von der Unhalt­bar­keit und Unver­ant­wort­lich­keit der­ar­ti­ger pau­scha­li­sie­ren­der, nicht fun­dier­ter Aus­sa­gen soll­ten wir uns fra­gen, ob wir die aktu­el­le end­zeit­lich anmu­ten­de Kri­se der Kir­che nicht anders erklä­ren kön­nen: Unser Hei­land Jesus Chri­stus wur­de gegen Ende sei­nes Lebens ver­ra­ten – ist es nicht mög­lich, dass nach gött­li­chem Plan oder zumin­dest nach gött­li­cher Zulas­sung auch die Kir­che, der mysti­sche Leib Chri­sti, gegen Ende ihrer Sen­dung in der Zeit ihrem Haupt auf dem Weg des Ver­ra­ten­wer­dens nach­fol­gen und Chri­stus so noch voll­kom­me­ner gleich­ge­stal­tet wer­den muss? In die­sem Fall müss­ten wir uns selbst­ver­ständ­lich von allen Ver­rä­tern und allem Ver­rat distan­zie­ren, aber nicht vom Ver­ra­te­nen (dem mysti­schen Leib) selbst. Auch wenn sein Ant­litz und sei­ne Erschei­nung (wie damals Chri­stus – vgl. Jes 52,14; 53,2–3) ent­stellt sein mögen, dür­fen wir nicht vor­ei­lig sagen, ich ken­ne ihn nicht (vgl. Mt 26,72. 74; Mk 14,71; Lk 22,57). Viel­mehr gilt es bei die­ser end­zeit­li­chen Pas­si­on als gei­sti­ge Johan­nes­se mit der Got­tes­mut­ter beim Kreuz zu ste­hen: „Stab­ant autem jux­ta crucem Jesu mater ejus […] et […] disci­pu­lus“ (Joh 19,25f.). Cor Mariae Imma­cu­la­tum – ora pro nobis!

Postscriptum

Als Bei­spiel für obi­ge Aus­füh­run­gen stand dem Ver­fas­ser Don Ales­san­dro Minu­tel­la vor Augen, wel­cher mit der Annah­me einer Ungül­tig­keit der Hei­li­gen Mes­se auf­grund der Nen­nung von Fran­zis­kus im Hoch­ge­bet lieb­äu­gelt: vgl. https://​www​.glo​ria​.tv/​p​o​s​t​/​U​i​1​9​W​E​Z​N​P​C​R​V​1​z​T​f​o​s​p​3​a​c​fpy ; ab ca. 2.44 h bis ca. 2.54 h.

Soll­te Don Minu­tel­la der­zeit even­tu­ell nicht mehr behaup­ten, dass eine Hei­li­ge Mes­se, in der Fran­zis­kus als Papst genannt wird, ungül­tig sei, so bela­stet er inzwi­schen in meh­re­ren Län­dern gut­gläu­bi­ge Katho­li­ken in ihrem Gewis­sen doch dadurch, dass er mit abso­lu­ter Sicher­heit behaup­tet, dass es Sün­de sei, an einer Hei­li­gen Mes­se teil­zu­neh­men, die in Ein­heit mit Fran­zis­kus zele­briert wird. Man kann sich vor­stel­len, wel­cher mora­li­sche Druck dadurch auf gläu­bi­ge Katho­li­ken aus­ge­übt wird.

  • Don Ales­san­dro Minu­tel­la war Prie­ster des Erz­bis­tums Paler­mo und dort Pfar­rer. Er wur­de 2018 nach Kri­tik an Papst Fran­zis­kus und Erz­bi­schof Lore­fice wegen des „schwe­ren Delikts der Häre­sie und des Schis­mas“ exkom­mu­ni­ziert und im Novem­ber 2021 laisiert.

Bild: Giu­sep­pe Nardi

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