Die Bruderschaft St. Josaphat und das Gebet für die Ukraine

Aufruf der Piusbruderschaft

Priesterweihen der Priesterbruderschaft St. Josaphat in der Ukraine (2019). Die Bruderschaft bittet um das Gebet für die Ukraine.
Priesterweihen der Priesterbruderschaft St. Josaphat in der Ukraine (2019). Die Bruderschaft bittet um das Gebet für die Ukraine.

(Menzingen/​Kiew) Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) ruft Prie­ster und Gläu­bi­ge auf, für die Ukrai­ne zu beten. Mit dem Auf­ruf kommt der Gene­ral­obe­re der Pius­bru­der­schaft Pater Davi­de Pagli­ara­ni einer Bit­te des Obe­ren der mit ihr befreun­de­ten ukrai­ni­schen Prie­ster­bru­der­schaft St. Josa­phat nach.

„Bit­ten wir Gott auf die Für­spra­che der Jung­frau Maria, die in der Ukrai­ne beson­ders wegen ihrer glor­rei­chen Auf­nah­me in den Him­mel ver­ehrt wird, um geist­li­chen Bei­stand für die ukrai­ni­schen Gläu­bi­gen und um den Schutz der Got­tes­häu­ser, Kir­chen und Kapel­len, vor allem im Osten des Lan­des“, so Pater Pagli­ara­ni. „Pater Basil und die Prie­ster der Bru­der­schaft St. Josa­phat dan­ken Ihnen im Vor­aus für die Näch­sten­lie­be, die Sie zei­gen wer­den, und beten für die­je­ni­gen, die sich in der Angst vor dem Krieg und einer unge­wis­sen Zukunft befinden.“

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Josa­phat, deren eigent­li­cher Name Hei­li­ge Bru­der­schaft des Erz­mär­ty­rers St. Josa­phat Kun­ze­witsch lau­tet, ist eine Gemein­schaft ukrai­ni­scher katho­li­scher Prie­ster des byzan­ti­ni­schen Ritus, die seit ihrer Grün­dung im Jahr 2000 mit der Pius­bru­der­schaft ver­bun­den ist.

Über­lie­fer­te Lit­ur­gie der Unier­ten in der Ukraine

Patron der Bru­der­schaft ist der hei­li­ge Josa­phat Kun­ze­witsch (1580–1623), der mit Rom unier­ter grie­chisch-katho­li­scher Erz­bi­schof von Polozk, Witebsk und Mszis­lau war. Alle drei Städ­te gehör­ten damals zur pol­nisch-litaui­schen Kon­fö­de­ra­ti­on und lie­gen heu­te in Weiß­ruß­land. Der hei­li­ge Josa­phat, Sohn einer rus­sisch-ortho­do­xen Fami­lie in Wolo­dym­yr, heu­te West­ukrai­ne, schloß sich der Kir­chen­uni­on mit Rom an und wur­de deren eiser­ner Ver­fech­ter. Am 12. Novem­ber 1623 wur­de er in Witebsk von auf­ge­brach­ten Ortho­do­xen erschla­gen. 1643 wur­de er vom Hei­li­gen Stuhl selig- und 1867 hei­lig­ge­spro­chen. Sterb­li­che Über­re­ste des Mär­ty­rers der Kir­chen­uni­on wur­den 1963 im Peters­dom bestattet.

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Josa­phat wur­de 2000 von Pater Basil Kov­pak gegrün­det, der auch ihr Obe­rer ist. Das Ziel der Bru­der­schaft ent­spricht dem der Pius­bru­der­schaft, aller­dings bezo­gen auf den grie­chisch-katho­li­schen Raum: die Aus­bil­dung von Prie­stern und das Apo­sto­lat in der Gemein­de. Die Gemein­schaft ver­fügt über ein eige­nes Prie­ster­se­mi­nar, das Semi­nar des Unbe­fleck­ten Her­zens Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma in Lem­berg, an dem etwa 30 Semi­na­ri­sten stu­die­ren, und einen weib­li­chen Ordens­zweig der Basi­lia­ne­rin­nen. Die Bru­der­schaft wehrt sich gegen die Auf­ga­be des Kir­chensla­wi­schen in der Lit­ur­gie zugun­sten der moder­nen ukrai­ni­schen Volks­spra­che. Eben­so lehnt sie die „Ent­la­ti­ni­sie­rung“ ab, die seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil dazu führt, daß bestimm­te latei­ni­sche Fröm­mig­keits­for­men, die von den Unier­ten im Lau­fe der Geschich­te über­nom­men wur­den wie Kreuz­weg, Rosen­kranz und eucha­ri­sti­sche Anbe­tung, wie­der abge­schafft oder zurück­ge­drängt werden. 

Pater Kov­pak wur­de 2003 wegen der Annä­he­rung der Bru­der­schaft an die Pius­bru­der­schaft von der ukrai­ni­schen grie­chisch-katho­li­schen Kir­che exkom­mu­ni­ziert. Die Exkom­mu­ni­ka­ti­on wur­de von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on kas­siert, aller­dings von Kar­di­nal Husar 2007 erneut aus­ge­spro­chen, als jener an der von die­sem nicht erlaub­ten Prie­ster­wei­he von zwei Dia­ko­nen im über­lie­fer­ten Ritus durch einen Bischof der Pius­bru­der­schaft teil­nahm.

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Josa­phat ist die offi­zi­el­le Ver­tre­tung der Pius­bru­der­schaft in der Ukrai­ne. Sie betreut in Lem­berg und Umge­bung etwa 20 Meß­or­te mit 20.000 Gläubigen. 

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Bru­der­schaft St. Josa­phat (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. Der im Arti­kel genann­te Kar­di­nal Husar war gemäß Wiki­pe­dia https://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​S​a​i​n​t​_​G​a​l​l​e​n​_​G​r​oup Mit­glied der St. Gallen-Gruppe.
    Als ich 2009 in Lem­berg war, erhielt ich ein Buch über Groß­erz­bi­schof Husar zum Geschenk. Ich las es auch, fühl­te mich aber bei der Lek­tü­re etwas ver­wirrt. Mir war nicht ganz klar, wor­auf sei­ne Vor­schlä­ge hin­aus­lau­fen soll­ten. Mei­ner Erin­ne­rung nach trat er für eine völ­lig unab­hän­gi­ge ukrai­ni­sche Kir­che des byzan­ti­ni­schen Ritus ein, die aus (ehe­ma­li­gen?) Katho­li­ken und Ortho­do­xen bestehen sollte.
    Kla­rer­wei­se ist das Gift des Rela­ti­vis­mus auch in die Grie­chisch-katho­li­sche Kir­che der Ukrai­ne ein­ge­drun­gen. Abge­se­hen von der nai­ven Westorientierung.
    Von daher ist die Exi­stenz der Prie­ster­bru­der­schaft St. Josa­phat zu begrü­ßen. Es bleibt nur zu hof­fen, daß die­se sich nicht wie die offi­zi­el­le UGKK in heil­lo­sen und blin­den Natio­na­lis­mus verrennt.

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