Auch Feindschaften währen lange

Benedikt XVI. beauftragte keinen verurteilten Mißbrauchstäter mit einem Seelsorgeamt.

Joseph Ratzinger, seit wenigen Monaten Erzbischof von München und Freising, bei seiner Kardinalskreierung durch Paul VI. im Petersdom 1977.
Joseph Ratzinger, seit wenigen Monaten Erzbischof von München und Freising, bei seiner Kardinalskreierung durch Paul VI. im Petersdom 1977.

(Rom) Auch Feind­schaf­ten wäh­ren lan­ge. Das bekommt der­zeit Bene­dikt XVI. zu spü­ren. Eine orche­strier­te Medi­en­kam­pa­gne ver­sucht wie­der ein­mal sein Anse­hen zu demon­tie­ren. Und wie­der ein­mal lie­gen die Din­ge nicht so, wie behauptet.

Bene­dikt XVI. wird, so Gott will, in weni­gen Wochen sein 94. Wie­gen­fest bege­hen. Seit dem 2. Sep­tem­ber 2020 ist er der älte­ste Papst der Geschich­te. Die­sen Pri­mat hat­te bis­her Leo XIII. inne, der aller­dings mit 93 Jah­ren im Amt ver­stor­ben ist. Bene­dikt XVI. ver­zich­te­te dar­auf, nicht zum Nut­zen der Kir­che. Seit bald neun Jah­ren ist er der erste „eme­ri­tier­te Papst“ der Kir­chen­ge­schich­te. Und obwohl er seit­her nicht mehr an der Lei­tung der Kir­che teil­nimmt und zurück­ge­zo­gen in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten im Klo­ster Mater Eccle­siae lebt, ist die Feind­schaft bestimm­ter Krei­se gegen ihn ungebrochen.

In den ver­gan­ge­nen Tagen wur­de er in einer orche­strier­ten Medi­en­kam­pa­gne beschul­digt, als Erz­bi­schof von Mün­chen und Frei­sing, ein Amt, das Joseph Ratz­in­ger von 1977 bis 1982 aus­üb­te, zwei ver­ur­teil­te Päd­era­sten mit Auf­ga­ben in der Seel­sor­ge betraut zu haben. Aus­ge­löst wur­de der Medi­en­auf­schrei durch das Gut­ach­ten einer Rechts­an­walts­kanz­lei zu sexu­el­lem Miß­brauch im Erz­bis­tum Mün­chen und Frei­sing, das den ehe­ma­li­gen Erz­bi­schof laut Medi­en „schwer bela­stet“. In Wirk­lich­keit zeich­net sich das Gut­ach­ten vor allem durch Mora­lin und nicht durch Bewei­se aus. Die Tages­post schrieb am 20. Janu­ar: „Die Kanz­lei West­phal ver­sucht sich an der media­len Hin­rich­tung des eme­ri­tier­ten Pap­stes“. Die Unter­stüt­zung eines bestimm­ten Main­streams ist ihr dabei sicher.

Das Gut­ach­ten wur­de Bene­dikt XVI. am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag über­mit­telt. Sein Sekre­tär, Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein, ver­öf­fent­lich­te gestern eine Pres­se­er­klä­rung, in der Bene­dikt XVI. sich kor­ri­giert. Nicht unbe­dingt ein geschick­ter Schach­zug, jedoch einer, der ihn ehrt. 

Im Gegen­satz zu sei­ner sei­ner­zei­ti­gen Stel­lung­nah­me gegen­über der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on bestä­tig­te er nun die Anwe­sen­heit bei einer Sit­zung im Jahr 1980. Die­se Rich­tig­stel­lung sorg­te, wie zu erwar­ten war, für eine zwei­te Wel­le skan­dal­träch­ti­ger Schlag­zei­len, die­ses Mal noch etwas mehr geheu­chelt als zuletzt: „Bene­dikt XVI. hat fal­sches Zeug­nis abge­legt“, titel­te Die Welt. Ein eben­so star­kes wie unver­hält­nis­mä­ßi­ges Wort. Die Stoß­rich­tung ist damit aber ange­zeigt. Es geht um Dis­kre­di­tie­rung, Dis­kre­di­tie­rung des Anse­hens von Bene­dikt XVI. und natür­lich auch der Kir­che. Letz­te­res wird von bestimm­ten kirch­li­chen Krei­sen offen­bar bil­li­gend in Kauf genom­men, um ihre Agen­da vor­an­zu­brin­gen. Die Kor­rek­tur, die Bene­dikt XVI. vor­nahm, die ein­fach nur die Rich­tig­stel­lung einer Fuß­no­te ist, wird vom Medi­en­kar­tell so dar­ge­stellt, als sei damit der (feh­len­de) Beweis erbracht dafür, daß die Vor­wür­fe des Miß­brauchs­gut­ach­ten rich­tig sind. Doch in Wirk­lich­keit han­delt es sich um eine klas­si­sche media­le Falschdarstellung.

Bene­dikt XVI. hat­te in sei­ner sei­ner­zei­ti­gen Erklä­rung gesagt, an einer bestimm­ten Sit­zung im Jahr 1980 nicht anwe­send gewe­sen zu sein. Die Ereig­nis­se lie­gen Jahr­zehn­te zurück. Der sprin­gen­de Punkt ist jedoch, daß es bei der genann­ten Sit­zung gar nicht dar­um ging, was insi­nu­iert wird. Die Tages­post titel­te daher: „Kei­ne Lüge, ein Fehler“.

Erz­bi­schof Gäns­wein schreibt in der Erklä­rung für Bene­dikt XVI.:

„Auch wenn er um eine zügi­ge Lek­tü­re bemüht ist, bit­tet er sehr um Ver­ständ­nis, daß die voll­stän­di­ge Durch­sicht ange­sichts sei­nes Alters und sei­ner Gesund­heit, aber auch des gro­ßen Umfangs wegen noch Zeit benö­tigt. Zum Gut­ach­ten wird es eine Stel­lung­nah­me geben.“

Und wei­ter:

„Er möch­te aber jetzt schon klar­stel­len, daß er, ent­ge­gen der Dar­stel­lung im Rah­men der Anhö­rung, an der Ordi­na­ri­ats­sit­zung am 15. Janu­ar 1980 teil­ge­nom­men hat.“

Dazu wird ausgeführt:

„Die gegen­tei­li­ge Anga­be war also objek­tiv falsch. Er möch­te beto­nen, daß dies nicht aus böser Absicht her­aus gesche­hen ist, son­dern Fol­ge eines Ver­se­hens bei der redak­tio­nel­len Bear­bei­tung sei­ner Stel­lung­nah­me war. Wie es dazu kam, wird er in der noch aus­ste­hen­den Stel­lung­nah­me erklä­ren. Die­ser Feh­ler tut ihm sehr leid und er bit­tet, die­sen Feh­ler zu ent­schul­di­gen.
Objek­tiv rich­tig bleibt aber, doku­men­tiert durch die Akten­la­ge, die Aus­sa­ge, daß in die­ser Sit­zung über einen seel­sor­ger­li­chen Ein­satz des betref­fen­den Prie­sters nicht ent­schie­den wur­de. Viel­mehr wur­de ledig­lich der Bit­te ent­spro­chen, die­sem wäh­rend sei­ner the­ra­peu­ti­schen Behand­lung in Mün­chen Unter­kunft zu ermöglichen.“

Es könn­te auch von einer Hyper­kor­rekt­heit gespro­chen wer­den, da die Kor­rek­tur eines Rand­ereig­nis­ses, das nicht mit der eigent­li­chen Fra­ge zu tun hat, in der auf­ge­heiz­ten Stim­mung einem media­len „Selbst­mord“ gleich­kommt. Die promp­te Uner­bitt­lich­keit des Medi­en­kar­tells lie­fert den Beleg, daß jede Klei­nig­keit zur Dis­kre­di­tie­rung genützt wird.

Abschlie­ßend schreibt Msgr. Gäns­wein in der Erklärung:

„Bene­dikt XVI. ist gera­de in die­sen Tagen sei­ner frü­he­ren Erz- und Hei­mat­diö­ze­se nahe und ist ihr im Bemü­hen um Auf­klä­rung sehr ver­bun­den. Beson­ders denkt er an die Opfer, die sexu­el­len Miß­brauch und Gleich­gül­tig­keit erfah­ren mußten.“

Da „paßt“ es zeit­lich zusam­men, daß gestern 125 kirch­li­che Ange­stell­te, Theo­lo­gie­pro­fes­so­ren, eini­ge Prie­ster und ande­re Mit­ar­bei­ter, „die ‚dis­kri­mi­nie­ren­de‘ Poli­tik der Kir­che anpran­ger­ten“ und bekann­ten, homo­se­xu­ell zu sein, wozu sie auch eine eige­ne Web­sei­te namens OutInChurch prä­sen­tier­ten. Auch AFP, eine der drei welt­weit ein­fluß­reich­sten Pres­se­agen­tu­ren, wid­me­te dem „Outing“ einen eige­nen Bericht.

Das Anpran­gern des sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dals durch Kle­ri­ker, der vor allem ein homo­se­xu­el­ler Miß­brauchs­skan­dal ist, dient nicht pri­mär den Opfern oder der Rei­ni­gung der Kir­che, son­dern ihrer Demon­ta­ge. Das erste Ziel ist die For­de­rung nach Ände­rung ihrer Sexu­al­mo­ral, beson­ders durch die Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät. Ein Wider­spruch? Mit­nich­ten. Die 68er-Sze­ne hat­te dafür eine Paro­le: „Mach kaputt, was dich kaputt macht“. Ein abstru­ses Mot­to, das im anar­chi­sti­schen, neo­mar­xi­sti­schen Milieu ent­wickelt wur­de, aber seit­her wei­te Ver­brei­tung fand. Die Homo-Bewe­gung erhielt ihren ent­schei­den­den Impuls aus den 68er-Unru­hen: die „Befrei­ung der Sexua­li­tät in einer befrei­ten Gesellschaft“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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1 Kommentar

  1. Das gan­ze Medi­en­ge­schrei wird abseh­bar aber den­noch zum Rohr­kre­pie­rer. Man macht Bene­dikt XVI. mit allem mög­li­chen Hass zum Sün­den­bock für eine Sache, die die­se sel­ben Medi­en aber gar nicht uncool fin­den- im Gegen­teil. Dem Publi­kum wer­den glat­te Lügen prä­sen­tiert, mit einer Ver­ve die an schlimm­ste Zei­ten erin­nert. Der Teu­fel wütet, aber er wird den­noch, wie immer, letzt­lich ver­lie­ren, denn Gott schreibt bekannt­lich auch auf krum­men Zei­len gera­de. Wenn man ver­leum­det wird, macht das nur stärker.
    Ein Papst, der längst abge­schrie­ben wur­de, wird ohne sein Wol­len plötz­lich wie­der inter­es­sant und zum Mit­tel­punkt. Nach der Kreu­zi­gung kommt die Auf­er­ste­hung- das wer­den die Fein­de nie begreifen.

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