Hinter der Bestrafung Polens steht eine sowjetische EU

Der Rachefeldzug des EU-Establishments, das einen sozialistischen Zentralismus schaffen will

Der ideologische Rachefeldzug des EU-Establishments gegen das christliche Polen – im Stil der Sowjetunion.
Der ideologische Rachefeldzug des EU-Establishments gegen das christliche Polen – im Stil der Sowjetunion.

Von Luca Volontè*

War­um hat der EU-Gerichts­hof gegen Polen eine Geld­stra­fe von einer Mil­li­on Euro ver­hängt, obwohl es bereits dabei ist, sein Justiz­sy­stem zu ändern? Das EU-Estab­lish­ment kann die christ­li­chen Wer­te des Lan­des nicht ertra­gen, des­sen Par­la­ment kürz­lich einen Vor­schlag für eine Volks­in­itia­ti­ve gegen LGBT-Dog­men auf die Tages­ord­nung gesetzt hat. Und selbst Soli­dar­ność wirft der EU wegen einer wei­te­ren Geld­stra­fe vor, heu­te das zu tun, „was Mos­kau in der Ver­gan­gen­heit getan hat“.

Am 28. Okto­ber beschul­dig­te die pol­ni­sche Regie­rung Brüs­sel der „Erpres­sung“, nach­dem der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on auf Antrag der von Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin von der Ley­en geführ­ten EU-Kom­mis­si­on am Vor­tag eine Geld­stra­fe von einer Mil­li­on Euro pro Tag gegen War­schau ver­hängt hat­te (das den Betrag an die­sel­be Kom­mis­si­on zah­len muß), weil es die Dis­zi­pli­nar­kam­mer für Rich­ter noch nicht end­gül­tig abge­schafft hat­te, obwohl deren Tätig­keit bereits seit dem 6. August durch eine Ent­schei­dung des pol­ni­schen Ver­fas­sungs­ge­richts aus­ge­setzt wor­den war.

Die pol­ni­sche Regie­rung ist bereits dabei, bis Mit­te Novem­ber neue Vor­schrif­ten vor­zu­schla­gen, die den Ein­wän­den des Ver­fas­sungs­ge­richts und dem ersten Urteil des EU-Gerichts­hofs vom 14. Juli ent­spre­chen. Die Ent­schlos­sen­heit der Regie­rung, die pol­ni­sche Dis­zi­pli­nar­kam­mer auf­zu­lö­sen, wur­de auch in dem Inter­view von Mini­ster­prä­si­dent Mateusz Mora­wi­ecki mit der Finan­cial Times vom 24. Okto­ber bekräf­tigt, in dem er auch an die euro­päi­sche Arro­ganz erin­ner­te, mit der auf die pol­ni­schen Argu­men­te reagiert wur­de. Daher sind die pol­ni­schen Reak­tio­nen auf die unge­rech­te Ent­schei­dung des Gerichts­hofs mehr als ver­ständ­lich. Pio­tr Mül­ler, Spre­cher der pol­ni­schen Regie­rung, reagier­te auf die Ent­schei­dung des Gerichts­hofs mit der Bemerkung:

„(…), daß die Euro­päi­sche Uni­on eine Gemein­schaft sou­ve­rä­ner Staa­ten ist, die kla­ren Regeln unter­liegt (…). Die Rege­lung der Orga­ni­sa­ti­on des Justiz­we­sens fällt in die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit der Mitgliedstaaten.“

Noch deut­li­cher äußer­te sich der stell­ver­tre­ten­de pol­ni­sche Justiz­mi­ni­ster Seba­sti­an Kaleta:

„(…) der EU-Gerichts­hof igno­riert die pol­ni­sche Ver­fas­sung und die Urtei­le des pol­ni­schen Ver­fas­sungs­ge­richts völlig.“

Woher rüh­ren die­se Sank­tio­nen gegen ein Land, das gera­de dabei ist, eine bean­stan­de­te Norm zu ändern? Es geht dabei nicht nur um den Kampf, in allen Fra­gen den Vor­rang des EU-Rechts vor dem natio­na­len Recht durch­zu­set­zen, mit dem der EU-Gerichts­hof und das EU-Estab­lish­ment das pol­ni­sche Ver­fas­sungs­ge­richt stran­gu­lie­ren und die EU in eine Insti­tu­ti­on mit einem aus­ge­präg­ten sozia­li­sti­schen Zen­tra­lis­mus ver­wan­deln wol­len. Viel­mehr noch ist es eine wei­te­re Bestä­ti­gung dafür, daß die euro­päi­schen Beschwö­run­gen der „Rechts­staat­lich­keit“ und der „Justiz­re­for­men“ in Wirk­lich­keit Schein­ar­gu­men­te sind, die dazu die­nen, um auf fei­ge Wei­se Polen, sei­ne christ­li­che und kon­ser­va­ti­ve Regie­rung sowie sei­ne Volks­kul­tur und Reli­gio­si­tät anzu­grei­fen. Wir spre­chen hier von einem andau­ern­den Rache­feld­zug gegen Polen, von dem bestimm­te euro­päi­sche Akteu­re nicht abrücken wol­len, denn wir befin­den uns bereits in der Nach-Mer­kel-Ära. Den­noch schie­nen sowohl auf der Tagung des Euro­päi­schen Rates in der ver­gan­ge­nen Woche, trotz hef­ti­ger Anschul­di­gun­gen und Spal­tun­gen, als auch in den Tagen danach die Chan­cen für eine Wie­der­auf­nah­me des kon­struk­ti­ven Dia­logs zwi­schen War­schau und Brüs­sel zu stei­gen.

Was ist also in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen wirk­lich gesche­hen, daß die EU-Insti­tu­tio­nen und der EU-Gerichts­hof auf so unge­rech­te Wei­se gegen Polen inter­ve­niert und die­sen dün­nen Faden des Dia­logs zer­ris­sen haben?

Die Fak­ten sind ein­deu­tig und zei­gen Vor­ur­tei­le und Into­le­ranz gegen­über einem Volk und einer Regie­rung, weil sie Chri­sten sind. Für das EU-Estab­lish­ment ist es uner­träg­lich, daß das pol­ni­sche Par­la­ment in den ver­gan­ge­nen Tagen den von der Stif­tung für das Leben und die Fami­lie (Fund­ac­ja Życie i Rod­zi­na) vor­ge­leg­ten Gesetz­ent­wurf „Stop LGBT“ (über 140.000 gesam­mel­te Unter­schrif­ten) für den 28. Okto­ber auf sei­ne Tages­ord­nung gesetzt hat, der ein Ver­bot der Pro­pa­gan­da für LGBT-Dog­men auf öffent­li­chen Plät­zen vor­sieht, von der Gay Pri­de bis hin zu ande­ren For­men der Ver­brei­tung der Gen­der-Ideo­lo­gie. Dar­über hin­aus ist es für Brüs­sel unver­ständ­lich, daß jun­ge Polen glück­lich sind, in ihren eige­nen Fami­li­en zu leben, die von einem Mann und einer Frau gegrün­det wur­den, die eine Ehe ein­ge­gan­gen sind. Ein ganz aktu­el­ler Bericht des unab­hän­gi­gen Kin­der­be­auf­trag­ten Mikołaj Paw­lak, der am 25. Okto­ber vor­ge­stellt wur­de, zeigt, wie Radio Polen zusam­men­faßt, daß:

„(…) mehr als 90 % der jun­gen Polen, sowohl in städ­ti­schen als auch in länd­li­chen Gebie­ten, sich in ihren Fami­li­en glück­lich füh­len. Außer­dem füh­len sich zwi­schen 80 und 90 % der Grund­schü­ler zu Hau­se geliebt, ver­stan­den und unterstützt.“

Für die heu­ti­ge EU ist das abso­lut uner­klär­lich und ver­stärkt die Wut gegen Polen.

Schließ­lich kann man sich die neu­ro­ti­schen euro­päi­schen Reak­tio­nen vor­stel­len, als sich am 22. Okto­ber vor dem Luxem­bur­ger Sitz des EU-Gerichts­hofs laut­stark die Gesän­ge und feu­ri­gen Erklä­run­gen der Berg­ar­bei­ter der Soli­dar­ność erho­ben, die gegen die Ent­schei­dung vom 20. Sep­tem­ber pro­te­stier­ten, Polen mit einer Geld­stra­fe von 500.000 Euro pro Tag für den Abbau von Koh­le in einem Berg­werk an der Gren­ze zur Tsche­chi­schen Repu­blik zu bestra­fen. Die von den Arbei­tern hoch­ge­hal­te­nen Pla­ka­te: „Ihr tut, was frü­her Mos­kau getan hat“, „Ihr wollt unse­re Fami­li­en in Käl­te und Ener­gie­ar­mut stür­zen“, und die Wor­te ihres Ver­tre­ters Wojciech Ilnicki: „Wir sind nicht in Nord­ko­rea“, müs­sen den EU-Büro­kra­ten Schau­er über den Rücken gejagt haben. Und wer weiß, wie beschä­mend für sie die Ent­schei­dung des pol­ni­schen Senats war, obwohl die EU-Finan­zie­rung ver­wei­gert wur­de, den Bau einer Grenz­mau­er zu Weiß­rus­s­land zu geneh­mi­gen, um die Ein­schleu­sung von Migran­ten zu ver­hin­dern. Heu­te wie gestern ste­hen wir an der Sei­te der pol­ni­schen Arbeit­neh­mer und Fami­li­en, wäh­rend die sozia­li­sti­sche EU von Ursu­la von der Ley­en sich ent­schei­den muß, ob sie den Miß­brauch von Wojciech Jaru­zel­ski1 nach­ah­men und sich selbst zu ihrer eige­nen Nie­der­la­ge ver­ur­tei­len will.

Die LGBT-Agen­da stellt einen Angriff auf die Mei­nungs­frei­heit dar, dage­gen wehrt man sich in Polen.

*Luca Volon­tè ist ein ita­lie­ni­scher Poli­tik­wis­sen­schaft­ler. Im Alter von 28 Jah­ren wur­de er erst­mals zum Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten gewählt und gehör­te von 1996 bis 2013für die Ver­ei­nig­ten Christ­de­mo­kra­ten (CDU) von Roc­co But­tiglio­ne, die 2002 in der christ­de­mo­kra­ti­schen Zen­trums­uni­on (UDC) auf­gin­gen, dem Ita­lie­ni­schen Par­la­ment an. Von 2010 bis 2013 war er zudem Vor­sit­zen­der der EVP-Frak­ti­on im Euro­pa­rat in Straß­burg. Volon­tè ist akti­ver Lebens­schüt­zer. Im deut­schen Sprach­raum wur­de er durch eine Schmutz­kü­bel­kam­pa­gne bekannt, die von lin­ken Medi­en gegen ihn geführt wur­de. Auf Wiki­pe­dia kann man die denun­zia­to­ri­sche Akti­on detail­liert nach­le­sen. Stich­wort­ge­ber waren SPD-Poli­ti­ker. Ein Christ­de­mo­krat, der sich nicht wie ein falsch eti­ket­tier­ter Links­li­be­ra­ler ver­hält, ist für bestimm­te Krei­se ein Reiz­bild. Medi­en wie Der Spie­gel, Süd­deut­sche Zei­tung, Der Tages­spie­gel, Der Stan­dard, Deutsch­land­funk, ARD-Tages­schau, Arte und die Wochen­zei­tung Das Par­la­ment der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung fie­len über Volon­tè her. Daß er 2018 von den Vor­wür­fen frei­ge­spro­chen wur­de, haben die­sel­ben Medi­en nicht mehr berich­tet. Wegen der Ermitt­lun­gen wur­de Volon­té 2013 nicht mehr als Kan­di­dat für das EU-Par­la­ment auf­ge­stellt. Die Ruf­mord­kam­pa­gne hat­te damit unab­hän­gig vom Gerichts­ver­fah­ren ihr Ziel erreicht.

Übersetzung/Fußnote: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Fund­ac­ja Życie i Rod­zi­na/Pro­testuj (Screen­shots)


1 Wojciech Jaru­zel­ski (1923–2014) wur­de 1941 nach dem Ein­marsch der Roten Armee in Litau­en ver­haf­tet, wohin er mit sei­ner Fami­lie geflo­hen war, und nach Sibi­ri­en depor­tiert. Dort muß­ten er und sein Vater Zwangs­ar­beit lei­sten. Den­noch trat er 1947 in die kom­mu­ni­sti­sche Pol­ni­sche Ver­ei­nig­te Arbei­ter­par­tei (PZPR) ein, die Polen mit sowje­ti­scher Hil­fe in eine Ein-Par­tei­en­dik­ta­tur umwan­del­te. Er schlug die mili­tä­ri­sche Lauf­bahn ein und wur­de Infor­mant des kom­mu­ni­sti­schen Geheim­dien­stes. Als jüng­ster Gene­ral Polens wur­de Jaru­zel­ski 1964 ZK-Mit­glied und 1968 Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster. Unter sei­nem Befehl nah­men pol­ni­sche Trup­pen an der Nie­der­schla­gung des Pra­ger Früh­lings teil. 1981 wur­de er PZPR-Vor­sit­zen­der und Mini­ster­prä­si­dent, um mit har­ter Faust gegen die Gewerk­schaft Soli­dar­ność von Lech Wale­sa vor­zu­ge­hen. Er ver­häng­te das Kriegs­recht und führ­te mas­si­ve Repres­sio­nen ein. 1985 wur­de er Staats­rats­vor­sit­zen­der (Staats­prä­si­dent). Vor­sit­zen­der der kom­mu­ni­sti­schen Par­tei blieb er bis 1989. Durch den Zusam­men­bruch der sozia­li­sti­schen Dik­ta­tur in jenem Jahr wur­de Jaru­zel­ski gestürzt.

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