Kardinal O’Malley: „Priester sollen Kandidaten weder unterstützen noch verurteilen“

Wahlen in den USA

Kardinal Sean O'Malley OFM Cap fordert von seinem Klerus ein klares Bekenntnis zur kirchlichen Lehre, aber keine öffentliche Unterstützung oder Verurteilung von Kandidaten im Wahlkampf.
Kardinal Sean O'Malley OFM Cap fordert von seinem Klerus ein klares Bekenntnis zur kirchlichen Lehre, aber keine öffentliche Unterstützung oder Verurteilung von Kandidaten im Wahlkampf.

(Washing­ton) Kar­di­nal Sean O’Mal­ley, Erz­bi­schof von Bos­ton, Mit­glied des Kar­di­nal­s­rats, der Papst Fran­zis­kus in der Kuri­en­re­form und der Lei­tung der Welt­kir­che berät, und Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Kin­der­schutz­kom­mis­si­on, ist ein kirch­li­ches Schwer­ge­wicht. Im US-Wahl­kampf ver­langt er von sei­nem Kle­rus Zurück­hal­tung.

Der Kar­di­nal beton­te gestern gegen­über CNA, daß das Lebens­recht „fun­da­men­tal“ sei. Zugleich rief er den Kle­rus und alle Ver­tre­ter sei­nes Erz­bis­tums auf, kei­nen Kan­di­da­ten zu unter­stüt­zen oder zu ver­ur­tei­len.

Der Kapu­zi­ner sag­te, daß die Katho­li­ken „das Recht haben, zu erwar­ten, daß die Prie­ster der Erz­diö­ze­se und die­je­ni­gen, die für die Wei­ter­ga­be des Glau­bens ver­ant­wort­lich sind, in der Leh­re der Kir­che über die Ach­tung und den Schutz des Lebens vom ersten Augen­blick der Emp­fäng­nis bis zum natür­li­chen Tod klar und unmiß­ver­ständ­lich sind“. Die­se Leh­re habe für die Kir­che „höch­ste Prio­ri­tät“.

Der Kar­di­nal beton­te zugleich, daß Prie­ster sowie „Ordens­leu­te und Lai­en, die als Ver­tre­ter der Kir­che in der Erz­diö­ze­se Bos­ton die­nen“, Kan­di­da­ten der poli­ti­schen Par­tei­en weder unter­stüt­zen noch ver­ur­tei­len sol­len.

„Unse­re Ver­mitt­lung zielt auf den Schutz des Men­schen­le­bens in all sei­nen Pha­sen und unter allen Umstän­den. Sie umfaßt auch Fra­gen der sozia­len und öko­no­mi­schen Gleich­heit, des vor­herr­schen­den Ein­flus­ses des syste­mi­schen Ras­sis­mus und die Auf­nah­me von Ein­wan­de­rern und Flücht­lin­gen.“

Die Katho­li­ken, so O’Mal­ley, soll­ten eine „akti­ve Rol­le“ im öffent­li­chen Leben spie­len und „die grund­le­gen­de Ver­pflich­tung einer Demo­kra­tie erfül­len, wäh­len‘ zu gehen“. Katho­li­ken sei­en beru­fen, „das Licht des Glau­bens und der Ver­nunft zu unse­rer bür­ger­li­chen Ver­ant­wor­tung zu erhe­ben“, da sie „danach stre­ben, eine Zivi­li­sa­ti­on der Lie­be auf­zu­bau­en“.

Die Erklä­rung des Kar­di­nals erfolg­te einen Tag, nach­dem ein Prie­ster des Erz­bis­tums Bos­ton den Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten der Demo­kra­ti­schen Par­tei, Joe Biden, öffent­lich gelobt und die Abtrei­bung unter­stützt hat­te, die ein in den Geset­zen der USA fest­ge­schrie­be­nes „Recht“ sei.

Papst Fran­zis­kus sprach im Vor­wahl­kampf 2016 dem dann sieg­rei­chen Donald Trump sein Christ­sein ab, weil er sich gegen die ille­ga­le Ein­wan­de­rung aus Latein­ame­ri­ka aus­ge­spro­chen hat­te. Der Papst wie­der­hol­te den Vor­wurf so direkt nicht mehr, demon­strier­te jedoch sei­ne Distanz zu Trump.

Im Fokus der Kri­tik des aktu­el­len Wahl­kampfs steht Joe Biden, der Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der Demo­kra­ti­schen Par­tei und Her­aus­for­de­rer Trumps. Dem irisch­stäm­mi­gen Katho­li­ken wird vor­ge­wor­fen, wegen sei­ner Abtrei­bungs­un­ter­stüt­zung exkom­mu­ni­ziert zu sein. Biden wider­spricht unter Ver­weis auf Papst Fran­zis­kus: Der habe ihm die Kom­mu­ni­on gege­ben.

Da mit den unter­schied­li­chen Pro­gram­men grund­le­gen­de Wei­chen­stel­lun­gen ver­bun­den sind, wird der Wahl­kampf auch auf reli­giö­ser Ebe­ne geführt.

Zusam­men mit der Wahl des näch­sten US-Prä­si­den­ten wird das gesam­te Reprä­sen­tan­ten­haus und ein Drit­tel des Senats erneu­ert. Dazu fin­den noch in eini­gen Staa­ten Gou­ver­neurs- und Par­la­ments­wah­len statt. Zahl­rei­che Neu­wah­len gibt es zudem auf ver­schie­de­nen unte­ren Ebe­nen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: IC (Screen­shot)

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