Ist Coronavirus eine Strafe Gottes? Politische, historische und theologische Überlegungen

Neue Szenarien im Coronavirus-Zeitalter

Von Rober­to de Mattei*

Das The­ma mei­ner Aus­füh­run­gen lau­tet: „Die neu­en Sze­na­ri­en in Euro­pa mit und nach dem Coro­na­vi­rus“. Ich wer­de nicht aus medi­zi­ni­scher oder natur­wis­sen­schaft­li­cher Sicht über die­ses The­ma spre­chen: Dazu habe ich kei­ne Kom­pe­tenz. Statt­des­sen wer­de ich mich mit dem The­ma unter drei ande­ren Gesichts­punk­ten befas­sen: dem Stand­punkt des Poli­tik- und Sozi­al­wis­sen­schaft­lers, dem Stand­punkt des Histo­ri­kers und dem Stand­punkt des Geschichts­phi­lo­so­phen.

Der Sozialwissenschaftler

Poli­tik- und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten sind jene, die das Ver­hal­ten des Men­schen in sei­nem sozia­len, poli­ti­schen und geo­po­li­ti­schen Kon­text unter­su­chen. Unter die­sem Gesichts­punkt fra­ge ich mich nicht nach den Ursprün­gen des Coro­na­vi­rus und sei­ner Natur, son­dern nach den sozia­len Kon­se­quen­zen, die es hat und haben wird.

Eine Epi­de­mie ist die Aus­brei­tung einer Infek­ti­ons­krank­heit auf natio­na­ler oder glo­ba­ler Ebe­ne (die in die­sem Fall als Pan­de­mie bezeich­net wird), von der eine sehr gro­ße Anzahl von Per­so­nen einer bestimm­ten Bevöl­ke­rung in sehr kur­zer Zeit betrof­fen ist.

Das von der WHO als Covid-19 bezeich­ne­te Coro­na­vi­rus ist eine Infek­ti­ons­krank­heit, die sich von Chi­na aus welt­weit ver­brei­tet hat. Ita­li­en ist offen­bar das am stärk­sten betrof­fe­ne west­li­che Land und im Ver­hält­nis zur Gesamt­be­völ­ke­rung das am stärk­sten betrof­fe­ne Land über­haupt.

War­um befin­det sich Ita­li­en heu­te in Qua­ran­tä­ne?

Wie die Auf­merk­sam­sten unter den Beob­ach­tern vom ersten Moment an ver­stan­den haben, wird das Pro­blem des Coro­na­vi­rus nicht durch die Todes­ra­te der Krank­heit dar­ge­stellt, son­dern durch die Ansteckungs­schnel­lig­keit in der Bevöl­ke­rung. Alle sind sich einig, daß die Töd­lich­keit, die mit der Aus­brei­tung der Krank­heit ein­her­geht, selbst nicht sehr hoch ist. Ein akut betrof­fe­ner Pati­ent kann sich erho­len, wenn er von spe­zia­li­sier­tem Per­so­nal in gut aus­ge­stat­te­ten Gesund­heits­ein­rich­tun­gen unter­stützt wird. Wenn jedoch auf­grund der Aus­brei­tungs­schnel­lig­keit, von der gleich­zei­tig Mil­lio­nen von Men­schen betrof­fen sein kön­nen, die Zahl der Pati­en­ten schnell, stark ansteigt, feh­len die Ein­rich­tun­gen und das Per­so­nal für ihre gleich­zei­ti­ge Ver­sor­gung: Die Pati­en­ten ster­ben, weil ihnen die not­wen­di­ge Pfle­ge vor­ent­hal­ten wird. Zur Behand­lung beson­ders schwe­rer Fäl­le ist eine inten­si­ve Pfle­ge erfor­der­lich, um die Lun­ge zu beatmen. Wenn die­se Unter­stüt­zung fehlt, ster­ben die Pati­en­ten. Wenn die Zahl der Infi­zier­ten zunimmt, kön­nen Kran­ken­häu­ser nicht mehr allen Men­schen eine Inten­siv­pfle­ge anbie­ten, und immer mehr Pati­en­ten erlie­gen.

Epi­de­mio­lo­gi­sche Pro­jek­tio­nen sind uner­bitt­lich und recht­fer­ti­gen die getrof­fe­nen Vor­sichts­maß­nah­men.

„Unkon­trol­liert könn­te das Coro­na­vi­rus die gesam­te ita­lie­ni­sche Bevöl­ke­rung tref­fen, doch neh­men wir an, daß am Ende nur 30 % infi­ziert wer­den, etwa 20 Mil­lio­nen. Wenn von die­sen 10 % in Kri­se gera­ten, bedeu­tet das, daß sie ohne Inten­siv­pfle­ge zum Erlie­gen kom­men. Das wären 2 Mil­lio­nen direk­te Todes­fäl­le plus alle indi­rek­ten Todes­fäl­le infol­ge eines Zusam­men­bruchs des Gesund­heits­sy­stems und der sozia­len und wirt­schaft­li­chen Ord­nung, die dar­aus folgt.“

Der Zusam­men­bruch des Gesund­heits­sy­stems hat auch ande­re Fol­gen. Die erste ist der Zusam­men­bruch des Pro­duk­ti­ons­sy­stems eines Lan­des.

Wirt­schafts­kri­sen ent­ste­hen nor­ma­ler­wei­se durch einen Man­gel an Nach­fra­ge oder Ange­bot. Wenn aber jene, die kon­su­mie­ren möch­ten, zu Hau­se blei­ben müs­sen und die Geschäf­te geschlos­sen sind, und jene, die anbie­ten kön­nen, ihre Pro­duk­te nicht zu den Kun­den brin­gen kön­nen, weil sich die Logi­stik, der Waren­trans­port und die Ver­kaufs­stel­len in einer Kri­se befin­den, kol­la­bie­ren die Lie­fer­ket­ten. Die Zen­tral­ban­ken kön­nen die Situa­ti­on nicht ret­ten: „Für die Post-Coro­na­vi­rus-Kri­se gibt es kei­ne mone­tä­re Lösung“, schrieb Mau­ri­zio Ric­ci am 28. Febru­ar in La Repub­bli­ca. Ste­fa­no Fel­tri wie­der­um bemerkt:

„Typi­sche keyne­sia­ni­sche Rezep­te – Schaf­fung von Arbeits­plät­zen und künst­li­cher Nach­fra­ge mit öffent­li­chen Gel­dern – sind nicht prak­ti­ka­bel, wenn Arbei­ter das Haus nicht ver­las­sen kön­nen, Last­wa­gen nicht im Umlauf sind, Sta­di­en geschlos­sen blei­ben und Men­schen kei­ne Feri­en buchen oder Geschäfts­rei­sen machen, weil sie krank zu Hau­se sind oder weil sie eine Infek­ti­on befürch­ten. Abge­se­hen von der Ver­mei­dung einer Liqui­di­täts­kri­se der Unter­neh­men durch Aus­set­zung von Steu­er- und Zins­zah­lun­gen an Ban­ken ist die Poli­tik macht­los. Ein Regie­rungs­de­kret reicht nicht aus, um die Lie­fer­ket­te neu zu orga­ni­sie­ren.“

Der Aus­druck „per­fek­ter Sturm“ wur­de vor eini­gen Jah­ren vom Öko­no­men Nou­riel Rou­bi­ni geprägt, um auf eine Mischung von Finanz­be­din­gun­gen hin­zu­wei­sen, die zu einem Markt­crash füh­ren könn­ten. „Auf­grund des Coro­na­vi­rus wird es eine glo­ba­le Rezes­si­on geben“, sagt der­sel­be Nou­riel Rou­bi­ni heu­te und fügt hin­zu: „Die Kri­se wird explo­die­ren und zu einer Kata­stro­phe füh­ren“. Rou­bi­nis Pro­gno­sen wer­den durch den Rück­gang der Ölprei­se bestä­tigt nach der bei der OPEC nicht zustan­de­ge­kom­me­nen Eini­gung, da Sau­di-Ara­bi­en die Erhö­hung der För­der­lei­stung ver­füg­te, um Ruß­land her­aus­zu­for­dern.

Der Schwach­punkt der Glo­ba­li­sie­rung ist die „Ver­net­zung“, ein Zau­ber­wort unse­rer Zeit von der Wirt­schaft bis zur Reli­gi­on. Que­ri­da Ama­zo­nia von Papst Fran­zis­kus ist eine Hym­ne auf die Ver­net­zung. Das glo­ba­le System ist aller­dings gera­de des­halb fra­gil, weil alles zu sehr ver­netzt ist. Das Ver­triebs­sy­stem für die Pro­duk­te ist eine der Ket­ten die­ser wirt­schaft­li­chen Ver­net­zung.

Es geht nicht um ein Pro­blem der Märk­te, son­dern der Real­wirt­schaft. Nicht nur die Finanz­welt, son­dern auch Indu­strie, Han­del und Land­wirt­schaft, d. h. die Säu­len der Wirt­schaft eines Lan­des, kön­nen zusam­men­bre­chen, wenn das Pro­duk­ti­ons- und Ver­triebs­sy­stem in eine Kri­se gerät.

Aber es gibt noch einen ande­ren Punkt, der sich abzu­zeich­nen beginnt: Es gibt nicht nur den Zusam­men­bruch des Gesund­heits­sy­stems, es gibt nicht nur die Mög­lich­keit eines Wirt­schafts-Crashs, son­dern es kann auch zum Zusam­men­bruch des Staa­tes und der öffent­li­chen Hand kom­men, mit einem Wort, zur sozia­len Anar­chie. Die Gefäng­nis­auf­stän­de in Ita­li­en wei­sen in die­se Rich­tung.

Epi­de­mien haben zudem wegen der Panik, die sie aus­lö­sen kön­nen, auch psy­cho­lo­gi­sche und sozia­le Kon­se­quen­zen. Die Sozi­al­psy­cho­lo­gie wur­de zwi­schen dem spä­ten 19. und dem frü­hen 20. Jahr­hun­dert gebo­ren. Einer sei­ner ersten Ver­tre­ter ist Gust­ave Le Bon (1841–1931), Autor eines berühm­ten Buches mit dem Titel Psy­cho­lo­gie des foules (Paris 1895, deut­sche Aus­ga­be „Psy­cho­lo­gie der Mas­sen“, Leip­zig 1911).

Le Bon ana­ly­siert das kol­lek­ti­ve Ver­hal­ten und erklärt, wie sich das Indi­vi­du­um in der Men­ge einer psy­cho­lo­gi­schen Ver­än­de­rung unter­zieht, in der die Gefüh­le und Lei­den­schaf­ten „durch Ansteckung“ von einem Indi­vi­du­um auf ein ande­res über­tra­gen wer­den, wie dies bei Infek­ti­ons­krank­hei­ten der Fall ist. Die moder­ne Theo­rie der sozia­len Ansteckung, die von Le Bon inspi­riert ist, erklärt, wie selbst das fried­lich­ste Indi­vi­du­um, geschützt von der Anony­mi­tät der Mas­se, aggres­siv wer­den kann, indem es durch Nach­ah­mung oder Sug­ge­sti­on han­delt. Panik ist eines die­ser Gefüh­le, die durch sozia­le Ansteckung über­tra­gen wer­den, wie es wäh­rend der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on in der Zeit der „gro­ßen Angst“ geschah.

Wenn zur Gesund­heits­kri­se die Wirt­schafts­kri­se hin­zu­kommt, kann eine unkon­trol­lier­te Panik­wel­le gewalt­tä­ti­ge Impul­se der Mas­sen aus­lö­sen. Der Staat wird durch Stäm­me, Clans und Ban­den ersetzt, ins­be­son­de­re in den Vor­or­ten gro­ßer städ­ti­scher Zen­tren. Die Anar­chie hat ihre Agen­ten und der sozia­le Krieg, der vom São Pau­lo Forum (SPF), einer Dach­or­ga­ni­sa­ti­on ultra­lin­ker latein­ame­ri­ka­ni­scher Orga­ni­sa­tio­nen, theo­re­ti­siert wur­de, wird bereits von Boli­vi­en bis Chi­le, von Vene­zue­la bis Ecua­dor prak­ti­ziert und mög­li­cher­wei­se durch die­sel­ben Kräf­te auch auf Euro­pa über­grei­fen.

Die­ser revo­lu­tio­nä­re Pro­zeß ent­spricht mit Sicher­heit dem Pro­jekt der glo­ba­li­sti­schen Lob­bys, den „Her­ren des Cha­os“, wie Pro­fes­sor Rena­to Cri­stin sie nennt. Aber so wahr das ist, so wahr ist auch, daß aus die­ser Kri­se die Uto­pie der Glo­ba­li­sie­rung, die als „gol­de­ner Weg“ prä­sen­tiert wird, die die Mensch­heit zur Ein­heit füh­ren soll, als Ver­lie­rer her­vor­ge­hen wird. Die Glo­ba­li­sie­rung zer­stört tat­säch­lich den Raum und pul­ve­ri­siert Ent­fer­nun­gen: Heu­te ist die sozia­le Distanz, die Iso­la­ti­on des Indi­vi­du­ums die Regel, um der Epi­de­mie zu ent­ge­hen. Die Qua­ran­tä­ne wider­spricht dia­me­tral der von Geor­ge Soros ver­tre­te­nen „offe­nen Gesell­schaft“. Das Ver­ständ­nis des Men­schen als Bezie­hung, die so typisch für einen bestimm­ten phi­lo­so­phi­schen Per­so­na­lis­mus ist, befin­det sich im rapi­den Nie­der­gang.

Nach dem Schei­tern von Que­ri­da Ama­zo­nia setz­te Papst Fran­zis­kus stark auf die Kon­fe­renz am 14. Mai im Vati­kan, die „Glo­bal Com­pact“ gewid­met sein soll­te. Die Kon­fe­renz wur­de jedoch wegen der Pan­de­mie ver­scho­ben. Sie rückt nicht nur in die Fer­ne, auch ihre ideo­lo­gi­schen Prä­mis­sen lösen sich auf. Das Coro­na­vi­rus bringt uns auf den Boden der Rea­li­tät zurück. Es ist nicht das Ende der Gren­zen, das nach dem Fall der Ber­li­ner Mau­er ange­kün­digt wur­de. Es ist viel­mehr das Ende der Welt ohne Gren­zen. Es ist nicht der Tri­umph der neu­en Welt­ord­nung, son­dern der Tri­umph der neu­en Welt­un­ord­nung. Das poli­ti­sche und sozia­le Sze­na­rio ist das einer sich auf­lö­sen­den und zer­fal­len­den Gesell­schaft.

Ist alles gesteu­ert?

Das ist mög­lich. Die Geschich­te ist jedoch kei­ne deter­mi­ni­sti­sche Abfol­ge von Ereig­nis­sen. Der Herr der Geschich­te ist Gott, nicht die Her­ren des Cha­os. Es ist das Ende des „Glo­bal Vil­la­ge“, des „glo­ba­len Dor­fes“. Und der Kil­ler der Glo­ba­li­sie­rung ist ein glo­ba­les Virus namens Coro­na­vi­rus.

Der Historiker

An die­ser Stel­le löst der Histo­ri­ker den poli­ti­schen Beob­ach­ter ab und ver­sucht, die Din­ge aus einer Fern­per­spek­ti­ve zu betrach­ten. Epi­de­mien haben die Geschich­te der Mensch­heit beglei­tet, von Anfang an bis ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein. Sie waren dabei immer mit zwei ande­ren Gei­ßeln ver­floch­ten: Krie­gen und Wirt­schafts­kri­sen. Die jüng­ste gro­ße Epi­de­mie, die Spa­ni­sche Grip­pe der 20er Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts, war eng mit dem Ersten Welt­krieg und der Welt­wirt­schafts­kri­se von 1929 ver­bun­den, auch bekannt als „Gre­at Crash“, einer Wirt­schafts- und Finanz­kri­se, die die Welt­wirt­schaft Ende der 20er Jah­re mit schwer­wie­gen­den Aus­wir­kun­gen auch im fol­gen­den Jahr­zehnt erschüt­ter­te. Auf die­se Ereig­nis­se folg­te der Zwei­te Welt­krieg.

Lau­ra Spin­ney ist eine eng­li­sche Wis­sen­schafts­jour­na­li­stin, die ein Buch mit dem Titel „Pale Rider: The Spa­nish Flu of 1918 and How It Chan­ged the World“ (deut­sche Aus­ga­be: 1918 – Die Welt im Fie­ber, Mün­chen 2018) ver­öf­fent­licht hat. Ihr Buch infor­miert uns, daß das spa­ni­sche Virus zwi­schen 1918 und 1920 unge­fähr 500 Mil­lio­nen Men­schen infi­zier­te, dar­un­ter selbst Bewoh­ner ent­le­ge­ner Inseln des Pazi­fi­schen Oze­ans und des Eis­mee­res. Dabei star­ben 50 bis 100 Mil­lio­nen Men­schen, zehn­mal mehr als im Ersten Welt­krieg. Der Erste Welt­krieg half dabei, das Virus auf der gan­zen Welt zu ver­brei­ten. Lau­ra Spin­ney schreibt:

„Es ist kaum vor­stell­bar, daß ein wirk­sa­me­rer Ansteckungs­me­cha­nis­mus vor­liegt als die Mobi­li­sie­rung gro­ßer Trup­pen­men­gen auf dem Höhe­punkt der Herbst­wel­le [der Rück­kehr der Entente-Trup­pen aus dem Krieg 1918], die dann die vier Ecken des Pla­ne­ten erreich­te, wo sie von Men­schen­men­gen fest­lich begrüßt wur­den. Grund­sätz­lich hat uns die Spa­ni­sche Grip­pe gelehrt, daß eine wei­te­re Grip­pe­pan­de­mie unver­meid­lich ist, aber ob sie zehn oder hun­dert Mil­lio­nen Opfer ver­ur­sa­chen wird, hängt nur davon ab, wie die Welt aus­se­hen wird, in der sie zum Aus­bruch kommt.“

In der ver­netz­ten Welt der Glo­ba­li­sie­rung ist die Leich­tig­keit der Ansteckung sicher­lich noch grö­ßer als vor hun­dert Jah­ren. Wer könn­te das leug­nen?

Aber der Blick des Histo­ri­kers geht wei­ter zurück in die Ver­gan­gen­heit.

Das 20. Jahr­hun­dert war das schreck­lich­ste Jahr­hun­dert in der Geschich­te, aber es gab noch ein ande­res schreck­li­ches Jahr­hun­dert, das die Histo­ri­ke­rin Bar­ba­ra Tuch­man in ihrem Buch „A Distant Mir­ror: The Cala­mi­tous Four­te­enth Cen­tu­ry“ (deut­sche Aus­ga­be: Der fer­ne Spie­gel, Mün­chen 2011) das „kata­stro­pha­le vier­zehn­te Jahr­hun­dert“ nennt.

Ich möch­te mich auf die­se histo­ri­sche Peri­ode kon­zen­trie­ren, die das Ende des Mit­tel­al­ters und den Beginn der Neu­zeit mar­kiert. Ich mache es basie­rend auf den Wer­ken nicht­ka­tho­li­scher Histo­ri­ker, die ihre Stu­di­en mit Ernst und objek­tiv voll­zo­gen haben.

Die Roga­tio­nen sind die Pro­zes­sio­nen, die von der Kir­che abge­hal­ten wer­den, um die Hil­fe des Him­mels gegen Kata­stro­phen zu erbit­ten. In Roga­tio­nen beten wir:  

„A fame, peste et bel­lo libe­ra nos, Domi­ne.“

„Von Hun­ger, Pest und Krieg befreie uns, o Herr“

Hun­ger, Pest und Krieg wur­den vom christ­li­chen Volk immer als Züch­ti­gun­gen Got­tes gese­hen. Die lit­ur­gi­sche Anru­fung in der Roga­ti­ons­ze­re­mo­nie, schreibt der Histo­ri­ker Rober­to Lopez, „nahm im 14. Jahr­hun­dert wie­der sei­ne gan­ze dra­ma­ti­sche Rele­vanz an“.

„Zwi­schen dem zehn­ten und zwölf­ten Jahr­hun­dert scheint kei­ne der gro­ßen Gei­ßeln, die die Mensch­heit heim­su­chen, in gro­ßem Maße gewü­tet zu haben, weder die Pest, von der wir in die­ser Zeit nichts hören, noch Hun­gers­not oder der Krieg, der nur eine sehr klei­ne Anzahl von Opfern ver­ur­sach­te. Dar­über hin­aus wur­de die Land­wirt­schaft aus­ge­wei­tet, weil das Kli­ma sehr gün­stig war. Wir haben Bewei­se dafür im Rück­zug der Glet­scher auf den Ber­gen und der Eis­ber­ge in der Nord­see, in der Aus­wei­tung des Wein­baus in Regio­nen wie Eng­land, wo dies heu­te nicht mehr prak­ti­ka­bel ist, in der Fül­le an Was­ser in den Saha­ra-Gebie­ten, die spä­ter von der Wüste zurück­er­obert wer­den.“

Ganz anders war das Bild im 14. Jahr­hun­dert, in dem Natur­ka­ta­stro­phen ein­tra­ten und schwer­wie­gen­de reli­giö­se und poli­ti­sche Umwäl­zun­gen statt­fan­den.

Das 14. Jahr­hun­dert war ein Jahr­hun­dert tie­fer reli­giö­ser Kri­se: Es begann mit dem Atten­tat von Ana­gni (1303), einer der größ­ten Demü­ti­gun­gen des Papst­tums in der Geschich­te. Dann wur­den die Päp­ste für sieb­zig Jah­re (1308–1378) ins Exil von Avi­gnon in Frank­reich ver­setzt. Schließ­lich folg­te zwi­schen 1378 und 1417 das 40 Jah­re dau­ern­de Abend­län­di­sche Schis­ma, in dem sich das katho­li­sche Euro­pa zwi­schen zwei und dann sogar drei geg­ne­ri­schen Päp­sten auf­spal­te­te. Ein Jahr­hun­dert spä­ter, 1517, riß die pro­te­stan­ti­sche Revo­lu­ti­on die Glau­bens­ein­heit des latei­ni­schen Chri­sten­tums aus­ein­an­der.

Wenn das drei­zehn­te Jahr­hun­dert eine Zeit des Frie­dens in Euro­pa gewe­sen war, war das vier­zehn­te Jahr­hun­dert eine Ära des per­ma­nen­ten Krie­ges. Den­ken Sie nur an den Hun­dert­jäh­ri­gen Krieg zwi­schen Frank­reich und Eng­land (1339–1452), und die Inva­si­on der Tür­ken in das Byzan­ti­ni­sche Reich mit der Erobe­rung von Adria­no­pel im Jah­re 1362.

In die­sem Jahr­hun­dert erleb­te Euro­pa eine Wirt­schafts­kri­se auf­grund des Kli­ma­wan­dels, der nicht vom Men­schen, son­dern von Ver­ei­sun­gen ver­ur­sacht wur­de. Das Kli­ma des Hoch­mit­tel­al­ters war mild und ange­nehm gewe­sen wie auch die Sit­ten der Men­schen. Das 14. Jahr­hun­dert hin­ge­gen erleb­te eine plötz­li­che Ver­schlech­te­rung der kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen.

Die star­ken Regen­fäl­le und Über­schwem­mun­gen im Früh­jahr 1315 führ­ten zu einer all­ge­mei­nen Hun­gers­not, die ganz Euro­pa, ins­be­son­de­re die nörd­li­chen Regio­nen erfaß­te und den Tod von Mil­lio­nen Men­schen ver­ur­sach­te. Der Hun­ger brei­te­te sich über­all aus. Die alten Men­schen ver­wei­ger­ten frei­wil­lig das Essen in der Hoff­nung, jun­gen Men­schen das Über­le­ben zu ermög­li­chen, und Chro­ni­sten der dama­li­gen Zeit schrie­ben über vie­le Fäl­le von Kan­ni­ba­lis­mus.

Eine der Haupt­fol­gen der Hun­gers­nö­te war der Rück­gang der Land­wirt­schaft. Wäh­rend die­ser Zeit gab es gro­ße Bewe­gun­gen von Land­flucht. Die im Hoch­mit­tel­al­ter in höhe­ren, nörd­li­che­ren und unwirt­li­che­ren Gegen­den ange­leg­ten Höfe muß­ten wie­der auf­ge­ge­ben wer­den. Auch sonst wur­den gan­ze Dör­fer auf­ge­las­sen. Der Wald erober­te sich Fel­der und Wein­ber­ge zurück. Wegen die­ser Auf­ga­be des länd­li­chen Raums kam es zu einem star­ken Rück­gang der Boden­pro­duk­ti­vi­tät und zu einer Aus­dün­nung des Vieh­be­stands.

Wenn schlech­tes Wet­ter eine Hun­gers­not ver­ur­sacht, schwächt das nicht nur den Volks­kör­per, son­dern öff­net auch die Tore für Erkran­kun­gen. Die Histo­ri­ker Rug­ge­ro Roma­no und Alber­to Tenen­ti zei­gen, wie sich der wie­der­keh­ren­de Zyklus zwi­schen Hun­gers­nö­ten und Epi­de­mien im 14. Jahr­hun­dert inten­si­vier­te. Die letz­te gro­ße Pest war zwi­schen 747 und 750 aus­ge­bro­chen. Fast sechs­hun­dert Jah­re spä­ter tauch­te sie wie­der auf und wie­der­hol­te sich in einem Jahr­zehnt vier­mal.

Die Pest kam aus dem Osten und erreich­te im Herbst 1347 Kon­stan­ti­no­pel. In den näch­sten drei Jah­ren infi­zier­te sie ganz Euro­pa bis nach Skan­di­na­vi­en und Polen. Es ist die Schwar­ze Pest, von der Boc­cac­cio im Deca­me­ron spricht. Ita­li­en ver­lor durch sie etwa die Hälf­te sei­ner Ein­woh­ner. Agno­lo di Tura, Chro­nist von Sie­na, beklag­te, daß er nie­man­den mehr gefun­den habe, der die Toten begra­ben kön­ne, und daß er sei­ne fünf Kin­der mit eige­nen Hän­den begra­ben müs­se. Gio­van­ni Vil­lani, ein Flo­ren­ti­ner Chro­nist, wur­de so plötz­lich von der Pest heim­ge­sucht, daß sei­ne Chro­nik mit­ten in einem Satz ste­hen­blieb.

Die euro­päi­sche Bevöl­ke­rung, die zu Beginn des Jah­res 1300 über 70 Mil­lio­nen Ein­woh­ner erreicht hat­te, zähl­te nach einem Jahr­hun­dert von Krie­gen, Epi­de­mien und Hun­gers­nö­ten nur noch 40 Mil­lio­nen. Sie war um weit mehr als ein Drit­tel zurück­ge­gan­gen.

Die Hun­gers­nö­te, die Pest und die Krie­ge des 14. Jahr­hun­derts wur­den vom christ­li­chen Volk als Zei­chen der Stra­fe Got­tes inter­pre­tiert.

Tria sunt fla­gel­la qui­bus domi­nus casti­gat.

„Drei sind die Gei­ßeln, mit denen Gott die Völ­ker züch­tigt: Krieg, Pest und Hun­ger“, ermahn­te Bern­har­din von Sie­na (1380–1444). Der hei­li­ge Bern­har­din gehört zur Schar von Hei­li­gen wie Katha­ri­na von Sie­na, Bir­git­ta von Schwe­den, Vin­zenz Fer­rer, Lud­wig Maria Gri­g­ni­on von Mon­fort, die erklär­ten, wie in der Geschich­te Natur­ka­ta­stro­phen immer die Untreue und den Glau­bens­ab­fall von Natio­nen beglei­tet haben. So geschah es am Ende des christ­li­chen Mit­tel­al­ters, so scheint es mit den Kata­stro­phen von heu­te zu gesche­hen. Hei­li­ge wie Bern­har­din von Sie­na führ­ten die­se Ereig­nis­se nicht auf die Arbeit böser Fein­de zurück, son­dern auf die Sün­den der Men­schen, um so schwer­wie­gen­der, wenn es sich um kol­lek­ti­ve Sün­den han­delt, und noch schwer­wie­gen­der, wenn sie von den Regie­ren­den der Völ­ker und von Ver­ant­wort­li­chen der Kir­che began­gen, gedul­det oder geför­dert wer­den.

Der Geschichtsphilosoph

Die­se Über­le­gun­gen füh­ren uns zum drit­ten Punkt, an dem ich die Ereig­nis­se nicht als Sozio­lo­ge oder Histo­ri­ker, son­dern als Geschichts­phi­lo­soph betrach­ten will.

Die Geschichts­theo­lo­gie und Geschichts­phi­lo­so­phie sind Fel­der der intel­lek­tu­el­len Spe­ku­la­ti­on, auf denen die Prin­zi­pi­en der Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie auf histo­ri­sche Ereig­nis­se zur Anwen­dung gelan­gen. Der Geschichts­theo­lo­ge ist wie ein Adler, der mensch­li­che Ereig­nis­se aus der Höhe betrach­tet und beur­teilt. Gro­ße Geschichts­theo­lo­gen waren der hei­li­ge Augu­sti­nus (305–430), Jac­ques Bénig­ne Bossu­et (1627–1704), der Adler von Meaux genannt wur­de nach dem Namen der Diö­ze­se, deren Bischof er war, Graf Joseph de Maist­re (1753–1821), der Mar­qués Juan Dono­so Cor­tés (1809–1853), der Abt von Soles­mes Dom Gué­ran­ger (1805–1875), Pro­fes­sor Pli­nio Cor­rea de Oli­vei­ra (1908–1995) und vie­le ande­re.

Es gibt eine bibli­sche Aus­sa­ge, die besagt:

Judi­cia Dei abys­sus mul­ta (Psalm 35, 7).

„Die Urtei­le Got­tes sind ein gro­ßer Abgrund.“ Der Geschichts­theo­lo­ge unter­wirft sich die­sen Urtei­len und ver­sucht, den Grund zu ver­ste­hen.

Der hei­li­ge Gre­gor der Gro­ße, der uns ein­lädt, die Grün­de für das gött­li­che Werk zu unter­su­chen, erklärt:

„Wer in den Wer­ken Got­tes den Grund nicht ent­deckt, war­um Gott sie tut, wird in sei­ner Gemein­heit und Nied­rig­keit einen aus­rei­chen­den Grund fin­den, um zu erklä­ren, war­um sei­ne Unter­su­chun­gen ver­geb­lich sind.“

Die Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie der Moder­ne unter dem Ein­fluß vor allem von Hegel hat die Urtei­le Got­tes durch die der Geschich­te ersetzt. Das Prin­zip, daß die Kir­che die Geschich­te beur­teilt, wur­de ins Gegen­teil ver­kehrt. Nach der Nou­vel­le Théo­lo­gie ist es nicht die Kir­che, die die Geschich­te beur­teilt, son­dern die Geschich­te, die die Kir­che beur­teilt. weil die Kir­che die Geschich­te nicht tran­szen­diert, also über sie hin­aus­ragt, son­dern ihr imma­nent ist.

Als Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni in sei­nem letz­ten Inter­view behaup­te­te, daß „die Kir­che 200 Jah­re“ der Geschich­te hin­ter­her­hin­ke, nahm er die Geschich­te als Kri­te­ri­um für sein Urteil über die Kir­che. Wenn Papst Fran­zis­kus in sei­nen Weih­nachts­grü­ßen vom 21. Dezem­ber 2019 die Wor­te von Kar­di­nal Mar­ti­ni zu sei­nen eige­nen macht, beur­teilt er die Kir­che im Namen der Geschich­te und kehrt das Kri­te­ri­um des katho­li­schen Urteils in sein Gegen­teil um.

Die Geschich­te ist in Wirk­lich­keit eine Krea­tur Got­tes wie die Natur, wie alles, was exi­stiert, weil nichts von dem, was exi­stiert, Gott ent­zo­gen ist. Alles, was in der Geschich­te geschieht, ist von Gott von Ewig­keit an vor­her­ge­se­hen, regu­liert und geord­net. .

Daher kann für den Geschichts­phi­lo­so­phen jeder Dis­kurs nur mit Gott begin­nen und mit Gott enden. Gott exi­stiert nicht nur, son­dern befaßt sich mit den Geschöp­fen und belohnt oder züch­tigt die Ver­nunft­be­gab­ten je nach den Ver­dien­sten und Feh­lern des Ein­zel­nen. Der Kate­chis­mus des Hei­li­gen Pius X. lehrt:

„Gott belohnt das Gute und züch­tigt das Schlech­te, weil Er unend­li­che Gerech­tig­keit ist.“

Gerech­tig­keit, erklä­ren Theo­lo­gen, ist eine der unend­li­chen Voll­kom­men­hei­ten Got­tes. Die unend­li­che Barm­her­zig­keit Got­tes setzt sei­ne unend­li­che Gerech­tig­keit vor­aus.

Unter Katho­li­ken wird heu­te die Idee der Gerech­tig­keit eben­so wie die des gött­li­chen Gerichts oft aus­ge­blen­det. Die Leh­re der Kir­che lehrt jedoch die Exi­stenz eines beson­de­ren oder per­sön­li­chen Gerichts, das auf den Tod eines jeden ein­zel­nen folgt, mit der sofor­ti­gen Ver­gel­tung der See­len, und am Ende der Zei­ten einem Welt­ge­richt, auch Jüng­stes Gericht genannt, in dem Engel und Men­schen nach Gedan­ken, Wor­ten, Wer­ken und Unter­las­sun­gen beur­teilt wer­den.

Die Geschichts­theo­lo­gie bestä­tigt, daß Gott nicht nur Men­schen als Indi­vi­du­en, son­dern auch Gemein­schaf­ten und sozia­le Grup­pen belohnt und bestraft: Fami­li­en, Kul­tu­ren, Völ­ker. Aber wäh­rend Men­schen ihren Lohn oder ihre Bestra­fung haben, manch­mal auf Erden, aber immer in der Ewig­keit, wer­den Natio­nen und Völ­ker, da ohne ewi­ges Leben, nur auf Erden bestraft oder belohnt.

Gott ist gerecht und belohnt und gibt jedem das Sei­ne: Er bestraft nicht nur ein­zel­ne Men­schen, son­dern züch­tigt auch Fami­li­en, Städ­te und Natio­nen für die Sün­den, die dort began­gen wer­den. Erd­be­ben, Hun­gers­nö­te, Epi­de­mien, Krie­ge und Revo­lu­tio­nen wur­den immer als gött­li­che Bestra­fung ange­se­hen. Wie Pater Pedro de Ribad­anei­ra (1527–1611) schreibt, „sind Krie­ge und Seu­chen, Dür­ren und Hun­gers­nö­te, Hun­ger, Feu­er und alle ande­ren schreck­li­chen Kata­stro­phen Stra­fen für die Sün­den des Vol­kes“.

Am 5. März sag­te der Bischof einer wich­ti­gen ita­lie­ni­schen Diö­ze­se, des­sen Namen ich ver­schwei­ge: „Eines ist sicher: Die­ses Virus wur­de nicht von Gott gesandt, um die sün­di­ge Mensch­heit zu bestra­fen. Es ist eine Aus­wir­kung der Natur in ihren stief­müt­ter­li­chen Zügen. Aber Gott stellt sich die­sem Phä­no­men mit uns und wird uns wahr­schein­lich end­lich klar­ma­chen, daß die Mensch­heit ein ein­zi­ges Dorf ist.“

Die­ser Bischof ver­zich­tet weder auf den Mythos des „glo­ba­len Dor­fes“ („Glo­bal Vil­la­ge“) noch auf die Natur­re­li­gi­on von Pach­a­ma­ma und Gre­ta Thun­berg, auch wenn für ihn die „Gro­ße Mut­ter“ auch zur „Stief­mut­ter“ wer­den kann. Vor allem aber lehnt der Bischof nach­drück­lich die Idee ab, daß die Coro­na­vi­rus-Epi­de­mie oder jede ande­re kol­lek­ti­ve Kata­stro­phe eine Stra­fe für die Mensch­heit sein kann. Das Virus, so glaubt der Bischof, ist nur eine Aus­wir­kung der Natur. Aber wer hat die Natur geschaf­fen, regu­liert und geord­net? Gott ist der Schöp­fer der Natur mit ihren Kräf­ten und Geset­zen. Er hat die Macht, den Mecha­nis­mus der Kräf­te und Natur­ge­set­ze zu ord­nen, um ein Phä­no­men zu erzeu­gen, das den Bedürf­nis­sen Sei­ner Gerech­tig­keit oder Sei­ner Barm­her­zig­keit ent­spricht. Gott, erste Ursa­che von allem, was exi­stiert, benutzt immer sekun­dä­re Ursa­chen, um sei­ne Plä­ne aus­zu­füh­ren. Wer über­na­tür­li­chen Geist hat, hört nicht an der Ober­flä­che der Din­ge auf, son­dern ver­sucht, den Plan Got­tes zu ver­ste­hen, der hin­ter der schein­bar blin­den Kraft der Natur ver­bor­gen ist.

Die gro­ße gegen­wär­ti­ge Sün­de ist der Glau­bens­ver­lust der Kir­chen­män­ner: nicht die­ses oder jenes Man­nes der Kir­che, son­dern der Kir­chen­män­ner als Gan­zes, mit eini­gen Aus­nah­men, dank derer die Kir­che ihre Sicht­bar­keit nicht ver­liert. Die­se Untreue erzeugt Blind­heit des Gei­stes und Ver­här­tung des Her­zens, Gleich­gül­tig­keit gegen­über der Ver­let­zung der Gött­li­chen Ord­nung des Uni­ver­sums.

Es ist eine Gleich­gül­tig­keit, die den Haß gegen Gott ver­birgt.

Wie mani­fe­stiert er sich? Nicht direkt. Die­se Kir­chen­män­ner sind zu fei­ge, um Gott direkt her­aus­zu­for­dern: Sie zie­hen es vor, ihren Haß gegen­über denen aus­zu­drücken, die es wagen, von Gott zu spre­chen. Die­je­ni­gen, die es wagen, von Got­tes Stra­fe zu spre­chen, wer­den gestei­nigt: Ein Fluß des Has­ses ergießt sich gegen sie.

Die­se Kir­chen­män­ner beken­nen sich den Wor­ten nach zum Glau­ben an Gott, leben aber tat­säch­lich im prak­ti­schen Athe­is­mus. Sie neh­men Gott alle sei­ne Eigen­schaf­ten und redu­zie­ren Ihn auf das blo­ße „Sein“, das heißt auf nichts. Alles, was pas­siert, ist für sie die Frucht der Natur, die von ihrem Urhe­ber eman­zi­piert wur­de, und nur die Wis­sen­schaft, nicht die Kir­che, kann ihre Geset­ze ent­schlüs­seln.

Doch nicht nur die gesun­de Theo­lo­gie, son­dern auch der Sen­sus Fidei selbst lehrt, daß alle phy­si­schen und mate­ri­el­len Übel, die nicht vom Wil­len des Men­schen aus­ge­hen, vom Wil­len Got­tes abhän­gen. Der hei­li­ge Alp­hons von Ligu­o­ri schreibt:

„Alles, was hier gegen unse­ren Wil­len geschieht, wis­se, daß es durch den Wil­len Got­tes kommt, wie der hei­li­ge Augu­sti­nus sagt.“

Am 19. Juli erin­nert die Lit­ur­gie der Kir­che an Bischof Lupus von Troyes (383–478). Er war der Bru­der des hei­li­gen Vin­cent von Lerins und Schwa­ger des hei­li­gen Hil­ari­us von Arles und ent­stamm­te einer Fami­lie des alten sena­to­ri­schen Adels von Rom, war aber vor allem von gro­ßer Hei­lig­keit.

Wäh­rend sei­nes lan­gen Epi­sko­pats von 52 Jah­ren wur­de Gal­li­en von den Hun­nen besetzt. Atti­la über­quer­te an der Spit­ze einer gro­ßen Armee den Rhein und ver­wü­ste­te alles, was er auf sei­nem Weg fand. Als er vor die Stadt Troyes kam, zog Bischof Lupus in pon­ti­fi­ka­ler Klei­dung und gefolgt von sei­nem Kle­rus in Pro­zes­si­on Atti­la ent­ge­gen und frag­te ihn: „Wer bist du, der die­se Stadt bedroht?“ Die Ant­wort war: „Weißt du nicht, wer ich bin? Ich bin Atti­la, der König der Hun­nen, der die Gei­ßel Got­tes genannt wird.“ Dar­auf Bischof Lupus: „Dann sei die will­kom­me­ne Gei­ßel Got­tes, denn wir ver­die­nen die gött­li­chen Gei­ßeln wegen unse­rer Sün­den. Aber wenn es mög­lich ist, len­ke dei­ne Schlä­ge nur auf mei­ne Per­son und nicht auf die gan­ze Stadt.“

Die Hun­nen betra­ten die Stadt Troyes, aber durch gött­li­chen Wil­len wur­den sie geblen­det und durch­quer­ten sie, ohne es zu mer­ken und ohne jeman­den zu ver­let­zen.

Heu­te spre­chen die Bischö­fe nicht mehr von gött­li­chen Gei­ßeln. Sie laden auch die Gläu­bi­gen nicht mehr ein, zu Gott zu beten, um sie von der Epi­de­mie zu befrei­en. Dar­in liegt eine Fol­ge­rich­tig­keit: In der Tat bit­ten jene, die beten, Gott, in ihr eige­nes Leben und damit in die Din­ge der Welt ein­zu­grei­fen, vor dem Bösen geschützt zu wer­den und gei­sti­ge und mate­ri­el­le Güter zu erhal­ten. Aber war­um soll­te Gott auf unse­re Gebe­te hören, wenn er sich nicht für das von ihm geschaf­fe­ne Uni­ver­sum inter­es­siert?

Wenn Gott im Gegen­teil mit Wun­dern die Natur­ge­set­ze ändern und das Lei­den und Ster­ben eines Men­schen oder das Mas­sa­ker einer Stadt ver­mei­den kann, kann er auch über die Bestra­fung einer Stadt oder eines Vol­kes ent­schei­den, weil kol­lek­ti­ve Sün­den eine kol­lek­ti­ve Bestra­fung ver­lan­gen. Der hei­li­ge Karl Bor­ro­mä­us sagt:

„Wegen der Sün­den ließ Gott es zu, daß das Feu­er der Pest allen Tei­len Mai­lands anhaf­tet.“

Und der hei­li­ge Tho­mas von Aquin erklärt:

„Wenn alle Men­schen sün­di­gen, muß Rache an allen Men­schen genom­men wer­den, wie die Ägyp­ter, die die Kin­der Isra­els ver­folg­ten, im Roten Meer ver­sun­ken sind und wie die Ein­woh­ner von Sodom in ihrer Mas­se getrof­fen wur­den; oder eine bedeu­ten­de Anzahl von Men­schen, wie es bei der Bestra­fung für die Anbe­tung des gol­de­nen Kal­bes gesche­hen ist.“

Am Vor­abend der zwei­ten Sit­zung des Ersten Vati­ka­ni­schen Kon­zils am 6. Janu­ar 1870 hat­te der hei­li­ge Johan­nes Bos­co eine Visi­on, in der ihm offen­bart wur­de, daß „Krieg, Pest, Hun­ger die Gei­ßeln sind, mit denen der Stolz und die Bos­heit der Men­schen geschla­gen wer­den“.

So sag­te der Herr:

„Ihr, oh Prie­ster, war­um rennt ihr nicht zwi­schen Vor­raum und Altar, um zu wei­nen und das Ende der Gei­ßeln zu erfle­hen? War­um nehmt ihr nicht den Schild des Glau­bens und geht auf die Dächer, in die Häu­ser, auf die Stra­ßen, auf die Plät­ze, an jeden auch unzu­gäng­li­chen Ort, um den Samen mei­nes Wor­tes hin­zu­tra­gen? Igno­riert Ihr, daß dies das schreck­li­che, zwei­schnei­di­ge Schwert ist, das Mei­ne Fein­de nie­der­streckt und den Zorn Got­tes und der Men­schen bricht?“

Heu­te schwei­gen Prie­ster, die Bischö­fe schwei­gen.

Wir nähern uns der Kar­wo­che und Ostern. Zum ersten Mal seit vie­len Jahr­hun­der­ten sind an vie­len Orten die Kir­chen geschlos­sen, die Mes­sen sind aus­ge­setzt, sogar der Peters­dom ist für die Gläu­bi­gen uner­reich­bar. Die Oster­got­tes­dien­ste urbi et orbi wer­den kei­ne Pil­ger aus aller Welt ver­sam­meln. Gott bestraft auch durch „sub­trac­tio“, durch Ent­zug, sagt der hei­li­ge Bern­har­din von Sie­na. Heu­te scheint es fast, als habe Gott die Kir­chen, die Mut­ter aller Kir­chen, dem ober­sten Hir­ten ent­zo­gen, wäh­rend das katho­li­sche Volk ver­wirrt im Dun­keln tappt ohne das Licht der Wahr­heit, das vom Peters­dom die Welt erleuch­ten soll­te. Wie könn­te man nicht erken­nen, daß das Coro­na­vi­rus eine sym­bo­li­sche Fol­ge der Selbst­zer­stö­rung der Kir­che her­vor­ruft?

Judi­cia Dei abys­sus mul­ta.

Wir müs­sen uns aber bewußt sein, daß das, was geschieht, nicht den Erfolg der Kin­der der Fin­ster­nis vor­weg­nimmt, son­dern ihre Nie­der­la­ge, denn, wie Pater Car­lo Ambro­gio Cat­ta­neo von der Gesell­schaft Jesu (1645–1705) erklärt, die Anzahl der Sün­den eines Men­schen oder eines Vol­kes wird gezählt. Venit dies ini­qui­ta­te prae­fi­ni­ta, sagt der Pro­phet Hese­kiel (21, 2): Gott ist barm­her­zig, aber es gibt eine letz­te Sün­de, die Gott nicht dul­det und die Sei­ne Stra­fe nach sich zieht.

Nach einem Prin­zip der christ­li­chen Geschichts­theo­lo­gie ste­hen nicht die Fein­de der Kir­che im Zen­trum der Geschich­te, son­dern die Hei­li­gen. Omnia sus­ti­neo prop­ter elec­tos (2 Tim 2, 10), sagt der hei­li­ge Pau­lus. Die Geschich­te dreht sich um die Aus­er­wähl­ten. Und die Geschich­te hängt von den undurch­dring­li­chen Ent­wür­fen der Gött­li­chen Vor­se­hung ab.

In der Geschich­te gibt es Men­schen, Grup­pen, orga­ni­sier­te, öffent­li­che oder gehei­me Gesell­schaf­ten, die sich dem Gesetz Got­tes wider­set­zen und sich bemü­hen, alles zu zer­stö­ren, was von Gott geord­net wur­de. Sie kön­nen schein­ba­ren Erfolg erzie­len, wer­den aber immer besiegt wer­den.

Das Sze­na­rio, das wir vor uns haben, ist apo­ka­lyp­tisch, aber Pius XII. erin­nert uns dar­an, daß der hei­li­ge Johan­nes in der Gehei­men Offen­ba­rung (6, 2) „nicht nur auf die Rui­nen abziel­te, die durch Sün­de, Krieg, Hun­ger und Tod ver­ur­sacht wur­den“:

„Er sah auch in erster Linie den Sieg Chri­sti. In der Tat ist der Weg der Kir­che durch die Jahr­hun­der­te nur ein Kreuz­weg, aber es ist zu jeder Zeit auch ein Sie­ges­zug. Die Kir­che Chri­sti, die Män­ner des Glau­bens und der christ­li­chen Lie­be, sind immer die­je­ni­gen, die einer Mensch­heit ohne Hoff­nung Licht, Erlö­sung und Frie­den brin­gen. Iesus Chri­stus heri et hodie, ipse et in sae­cu­la (Hebr 13, 8). Chri­stus ist euer Füh­rer, von Sieg zu Sieg. Folgt ihm.“

Unse­re Lie­be Frau hat uns in Fati­ma das Sze­na­rio unse­rer Zeit offen­bart und uns ihres Tri­umphs ver­si­chert. Mit der Demut des­sen, der sich bewußt ist, nichts aus eige­ner Kraft zu kön­nen, aber auch mit dem Ver­trau­en derer, die wis­sen, daß mit Got­tes Hil­fe alles mög­lich ist, zie­hen wir uns in der tra­gi­schen Stun­de der Ereig­nis­se, die durch die Bot­schaft von Fati­ma ange­kün­digt wer­den, nicht zurück, son­dern ver­trau­en uns Maria an.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017 und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

5 Kommentare

  1. Die Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Wei­ter­ver­brei­tung sind auf jeden Fall not­wen­dig, wenn nicht alles zusam­men­bre­chen soll. Ich ver­mis­se aber sei­tens der Bischö­fe eine deut­li­che Stel­lung­nah­me, daß das geist­li­che und see­li­sche Wohl genau­so wich­tig ist. Zwi­schen­mensch­li­cher Umgang und die Hl. Mes­se soll­ten im klei­nen Kreis immer gewähr­lei­stet sein. Je mehr Ver­ständ­nis die Ver­ant­wort­li­chen für Grund­be­dürf­nis­se des Men­schen haben, desto weni­ger wird es zu Ver­su­chen kom­men, dies zu hin­ter­trei­ben. Für Allein­ste­hen­de soll­ten Gast­stät­ten und Cafés auch in der Lom­bar­dei geöff­net sein. Um sicher­zu­stel­len, daß Vor­sichts­maß­nah­men genau ein­ge­hal­ten wer­den, könn­te man Sol­da­ten und Poli­zi­sten mit als Bedie­nung ein­set­zen und ihnen ein­schär­fen, Men­schen ohne bösen Absich­ten zu beru­hi­gen und auf­zu­mun­tern. Der Besuch der Hl. Mes­se soll­te an Sonn- und Fei­er­ta­gen als trif­ti­ger Grund des Aus­gangs aner­kannt wer­den. Es könn­ten meh­re­re Mes­sen gefei­ert wer­den, damit sich die Zahl der Gläu­bi­gen üner den Tag ver­teilt.

  2. Stra­fe Got­tes? Ein­deu­tig ja, aller­dings stu­fe ich es als Vor­bo­te einer viel grö­ße­ren Stra­fe ein in Anbe­tracht der sich andro­hen­den Ereig­nis­se die auch im Arti­kel Erwäh­nung fin­den und wel­che eine Fol­ge der bis­he­ri­gen Ver­ge­hen sind. Man bekämpft zwar jetzt die Aus­wir­kun­gen des Coro­na Pro­blems aber wenn es sich um eine Stra­fe Got­tes han­delt bekämpft man nicht die Ursa­che son­dern ledig­lich nur die Wir­kung, das heißt Gott wird wie­der maß­re­geln müs­sen. Ohne Gott ist der Mensch dem eige­nen Ver­der­ben aus­ge­setzt.
    Zum Arti­kel. Eine sehr gute tief­grei­fen­de Ana­ly­se mit Weit­blick, die viel­leicht sogar vor­bild­lich auf­zeigt das man wie der Autor sei­ne eige­ne Geschich­te ken­nen soll­te, denn wenn man weiß woher man kommt weiß man wohin man gelan­gen kann. Die­se her­vor­ste­chen­de Merk­mal des Arti­kels zeigt genau auf an wel­chem Defi­zit die­ses baby­lo­nisch gesinn­tes Euro­pa zer­schel­len wird. Es wirft die Fra­ge auf ob die ver­dor­be­ne Frucht der Öku­me­ne nicht in Wahr­heit gif­tig war, da sie das „Fun­da­ment die­ses Luft­schlos­ses“ war das sich gera­de kon­ti­nu­ier­lich in Luft auf­löst. Para­cel­sus wür­de viel­leicht sagen, sie ist erst gif­tig gewor­den indem man ver­such­te theo­lo­gi­sche Dif­fe­ren­zen auf dem Niveau der poli­ti­schen Diplo­ma­tie zu lösen; auf Kosten der Wahr­heit natür­lich und auf Kosten der ein­zig wah­ren Reli­gi­on und sei­nem Stif­ter. Sogar Numa Pom­pil­li­us müss­te vor Neid erblas­sen wenn er es nicht selbst erfun­den hät­te (Iro­nie zur Erhei­te­rung mei­nes Gemü­tes, denn ich bin ger­ne glück­lich auch in den etwas trü­be­ren Zei­ten).

  3. Die­ser Bei­trag ist anspruchs­voll, aber sehr lesens­wert. Denn er leuch­tet rele­van­te Dimen­sio­nen der Pan­de­mie sorg­fäl­tig aus und trägt damit dazu bei, die gegen­wär­ti­gen Umstän­de und ihre Bedeu­tung bes­ser zu begrei­fen. Unter ande­rem eine sozia­le Anar­chie scheint mir bei der zu erwar­ten­den Lage eben­falls als eine nicht abwe­gi­ge zusätz­li­che Gefähr­dung. Das bedenkt momen­tan kaum jemand mit. Wir ste­hen vor schwe­ren Zei­ten. Man kann sicher in gewis­ser Wei­se von Stra­fe oder Züch­ti­gung spre­chen, doch den­ke ich in die­sem Zusam­men­hang lie­ber an das gute, alte Wort „Heim­su­chung“. Gott möch­te uns zu sich zurück­ru­fen und in die­ser Per­spek­ti­ve kön­nen die gegen­wär­ti­gen Umstän­de auch heil­sam sein. Bis­wei­len spürt man auch schon eine Art Erleich­te­rung, denn der kol­lek­ti­ve Druck der Fehl­ent­wick­lun­gen hat vor allem vie­le gut­wil­li­ge Men­schen und Fami­li­en unter­schwel­lig bela­stet und ver­un­si­chert.

  4. ehr­lich gesagt hal­te ich die The­se für euphe­mi­stisch gesagt weit­her­ge­holt. Was hat die noch got­tes­fürch­ti­ge Bevöl­ke­rung Euro­pas alles ca von 1910–1950 zu erdul­den gehabt? Und nun — nach Jahr­zehn­ten des Abfalls so ein klei­ner Coro­na-Virus mit ca 1% Toten?
    Ich will die Gefahr nicht hin­un­ter­spie­len, aber selbst die bis­he­ri­gen ita­lie­ni­schen Toten ent­spre­chen nicht ein­mal der weit­hin uner­ör­tert geblie­be­nen Bom­ben­nacht von Pforz­heim nebst unzäh­li­gen ande­ren ähn­li­chen „Detail­ereig­nis­sen“.
    Christ­li­cher Glau­be bedeu­tet auch, nicht zu über­trie­be­ner Weh­lei­dig­keit zu nei­gen. Damit ist jetzt nicht das Leid der ein­zel­nen gemeint, der dies durch­aus als per­sön­li­ches Straf­ge­richt anse­hen darf oder auch nicht — das ist sei­ne Ent­schei­dung. Aber kol­lek­tiv sind wir von einem sol­chen doch ziem­lich weit ent­fernt!
    Man soll die Kir­che im Dorf las­sen. Sicher geschieht nichts gegen Got­tes Wil­len, und in die­sem Sin­ne dür­fen wir Coro­na allen­falls als äußerst sanf­te Züch­ti­gung bzw Anlei­tung ver­ste­hen, wie­der auf den rech­ten Weg zurück­zu­keh­ren. Von einem Straf­ge­richt soll­ten wir bes­ser nicht spre­chen, dies könn­te näm­lich sehr schnell ganz anders aus­se­hen. Da haben die Ben­gels noch eher recht, wenn sie von einer Rache der Natur oä spre­chen. Bes­ser wäre es, die Aus­brei­tung des Virus der Glo­ba­li­sie­rung zuzu­schrei­ben. Flug­ver­kehr, Arbeits­skla­ven­tum (nord­i­tal. Tex­til­in­du­strie!) las­sen sich direkt damit in Ver­bin­dung brin­gen. Natür­lich dür­fen wir dies als Zei­chen von oben sehen, nicht so wei­ter zu tun, wie uns alles und jedes dazu die­nen darf, Buße,Reue und vor allem Umkehr zu üben.

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