Schockerfahrung für Katholiken: Der Papst ein Häretiker?

Ein Vorfall aus der Frühphase des Pontifikats

Katholische Intellektuelle klagen Papst Franziskus an, ein Häretiker zu sein. Vor fünf Jahren übersetzte Google Bergoglio mit „Antichrist“.
Katholische Intellektuelle klagen Papst Franziskus an, ein Häretiker zu sein. Vor fünf Jahren übersetzte Google Bergoglio mit „Antichrist“.

(Rom) Eine Grup­pe nam­haf­ter, katho­li­scher Intel­lek­tu­el­ler klagt Papst Fran­zis­kus der Häre­sie an und doku­men­tiert die Anschul­di­gung detail­liert. Umstrit­ten ist, was aber mit einem häre­ti­schen Papst gesche­hen soll. Das Kir­chen­recht zeigt dafür kei­nen kla­ren Rechts­weg auf. Die Fra­ge, was mit einem häre­ti­schen Papst zu gesche­hen habe, wur­de zwar im Lau­fe der Geschich­te mehr­fach erör­tert, wirft aber eine Rei­he von Vor­fra­gen auf, deren ver­bind­li­che Klä­rung alles ande­re als leicht scheint.

Die­se Unsi­cher­heit erklärt bis zu einem bestimm­ten Grad die Ver­un­si­che­rung, die Papst Fran­zis­kus in der Kir­che aus­löst, auch im hohen Kle­rus. Damit sind nicht sei­ne Par­tei­gän­ger gemeint, son­dern die brei­te Mas­se der Bischö­fe, die irgend­wo zwi­schen den drei jüng­sten Päp­sten Johan­nes Paul II., Bene­dikt XVI. und Fran­zis­kus ange­sie­delt sind. Kla­rer fällt die Posi­tio­nie­rung jenen gar nicht so klei­nen Tei­len der Kir­che, die sich nach wie vor – oder viel­leicht erst recht oder wie­der – an Bene­dikt XVI. ausrichten. 

Der deut­sche Papst, der vor mehr als sechs Jah­ren sei­nen Amts­ver­zicht bekannt­gab und voll­zog, ist der gro­ße Zeu­ge des ihm nach­fol­gen­den Pon­ti­fi­kats, mit dem die Kri­se die höch­ste kirch­li­che Auto­ri­tät erfaßt hat. Auf den Phi­lo­so­phen und den Theo­lo­gen folg­te der Poli­ti­ker auf dem Papstthron.

Die Fra­ge steht seit heu­te im Raum: Ist Papst Fran­zis­kus ein Häretiker? 

Eine der Vor­fra­gen zu die­ser erschüt­tern­den Kern­fra­ge lau­tet: Wer kann und soll in der Kir­che klä­ren und fest­stel­len, daß Fran­zis­kus ein Häre­ti­ker ist? In der Kir­che gibt es kei­ne Insti­tu­ti­on, die kano­nisch für einen sol­chen Fall zustän­dig ist. Damit ist auch schon das Dilem­ma umschrie­ben, das zur Tra­gö­die wer­den kann, wenn der inkri­mi­nier­te Papst sich unein­sich­tig zei­gen sollte.

Vor­erst, so die Inten­ti­on der 20 katho­li­schen Intel­lek­tu­el­len, die mit ihrem Namen den Häre­sie­vor­wurf erhe­ben, geht es dar­um, im Kar­di­nals­kol­le­gi­um, im Epi­sko­pat, im Kle­rus und unter den katho­li­schen Gläu­bi­gen das Bewußt­sein für das bis­her Undenk­ba­re zu schaf­fen, daß ein Papst zum Häre­ti­ker wer­den kann. Eine aus­rei­chen­de Sen­si­bi­li­sie­rung könn­te dann auch die nöti­gen Wege aufzeigen.

Daher läßt sich die Fra­ge vor­erst leich­ter und unver­fäng­li­cher einer ande­ren „Insti­tu­ti­on“ stellen.

Fragt man Goog­le, bei­spiels­wei­se auf ita­lie­nisch, der infor­mel­len Spra­che der Kir­che, ob Papst Fran­zis­kus ein Häre­ti­ker ist, lie­fert die Such­ma­schi­ne in nur 0,48 Sekun­den sagen­haf­te 2.040.000 Ergeb­nis­se. Die­se Such­ab­fra­ge ist zwar nicht wirk­lich von Belang, aber doch erschreckend und beispiellos.

Sucht man, immer bei Goog­le, nach „Papst Fran­zis­kus + Häre­si­en“, dies­mal auf eng­lisch, lie­fert die Such­ma­schi­ne von Lar­ry Page und Ser­gey Brin gan­ze 2.180.000 in ledig­lich 0,45 Sekunden. 

Das ruft eine eben­so selt­sa­me wie schockie­ren­de Epi­so­de in Erin­ne­rung, die sich am Beginn des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus zutrug. Keh­ren wir kurz zurück zum Jah­res­wech­sel 2013/2014.

Der Papst aus Argen­ti­ni­en hat­te bereits seit einem Drei­vier­tel­jahr sei­ne Resi­denz im Gäste­haus San­ta Mar­ta bezo­gen, da er den Apo­sto­li­schen Palast ver­schmäh­te. Wer, um bei Goog­le zu blei­ben, mit dem Goog­le Trans­la­tor Ber­go­glio, den Fami­li­en­na­men von Fran­zis­kus ins Däni­sche über­setz­te, bekam das Wort hævn zu lesen – das heißt „Rache“. Woll­te man Ber­go­glio mit dem Trans­la­tor aus dem Bas­ki­schen in irgend­ei­ne ande­re Spra­che über­set­zen, lau­te­te das Ergeb­nis immer „Anti­christ“. Im Deut­schen sogar „Der Antichrist“. 

Hier eine klei­ne Aus­wahl, der damals von Katholisches.info über­prüf­ten und gespei­cher­ten Ergebnisse:

  • Alba­nisch: Antikrishti
  • Bul­ga­risch: антихрист
  • Dänisch: Anti­krist
  • Deutsch: Der Antichrist
  • Eng­lisch: The Antichrist
  • Espe­ran­to: le antikristo
  • Est­nisch: Antichrist
  • Fin­nisch: Antichrist
  • Fran­zö­sisch: l’Antéchrist
  • Gali­zisch: O Anticristo
  • Grie­chisch: αντίχριστος
  • Hai­tia­nisch: anti­kris­t­ya­nism a
  • Hau­sa: maƙiyin Kristi
  • Hebrä­isch: אנטיכריסט
  • Indo­ne­sisch: Antikristus
  • Irisch: an Antichrist
  • Islän­disch: Andkristur
  • Ita­lie­nisch: l’Anticristo
  • Kata­la­nisch: l’Anticirst
  • Kroa­tisch: Antikrist
  • Latei­nisch: Antichristus
  • Let­tisch: Antikrists
  • Litau­isch: Antikristas
  • Nie­der­län­disch: de Antichrist
  • Nor­we­gisch: Antikrist
  • Pol­nisch: Antychryst
  • Por­tu­gie­sisch: o Anticristo
  • Rumä­nisch: Antihristul
  • Rus­sisch: антихрист
  • Schwe­disch: Antikrist
  • Slo­wa­kisch: Antikrist
  • Slo­we­nisch: Antichrist
  • Spa­nisch: El Antichristo
  • Sua­hi­li: Mpinga Kristo
  • Taga­log: Ang Antikristo
  • Tsche­chisch: Antikrist
  • Tür­kisch: dec­cal, şey­tan, Hıri­sti­yan­lığın Düş­manı (Anti­christ, Satan, Feind des Christentums)
  • Unga­risch: Az Antikrisztus
  • Wali­sisch: anghrist
  • Yoru­ba: ti Daj­jal (Anti­christ)
  • Zulu: Umphik’ukristu

Da sol­che Über­set­zungs­er­geb­nis­se nicht „vom Him­mel fal­len“, muß sie jemand pro­gram­miert haben. Die Pro­gram­mie­rer der tür­ki­schen Über­set­zung mach­ten sich beson­de­re Mühe und boten für „Ber­go­glio“ gleich drei Über­set­zungs­mög­lich­kei­ten an: „Anti­christ“, „Satan“ und „Feind des Christentums“.

Im Früh­jahr 2014 nahm Goog­le still­schwei­gend eine Kor­rek­tur vor. Bis heu­te sind die Hin­ter­grün­de die­ses unge­wöhn­li­chen Vor­falls nicht geklärt. Der Kon­zern selbst äußer­te sich nicht dazu. Ob es sich um einen geschmack­lo­sen „Scherz“ oder gar eine Bös­wil­lig­keit von Goog­le-Pro­gram­mie­rern han­del­te, oder um einen (eher unwahr­schein­li­chen) Hacker­an­griff auf Goog­le, muß daher offen bleiben.

Davon ganz unab­hän­gig bleibt das ver­blüf­fen­de Zusam­men­tref­fen die­ses Vor­falls mit der unglaub­li­chen Tat­sa­che, daß der regie­ren­de Papst eini­ge Zeit spä­ter tat­säch­lich der Häre­sie ange­klagt wird. Wer hät­te der­glei­chen gegen­über einem frü­he­ren Papst für mög­lich oder not­wen­dig gehal­ten, geschwei­ge denn ernst­haft und begrün­det gewagt?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Goog­le Trans­la­tor (Screen­shot)

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