Bischof von Hong Kong verstorben

Heikler Moment für die Kirche in China

Bischof Michael Yeung von Hong Kong (2017-2019).
Bischof Michael Yeung von Hong Kong (2017-2019).

(Hong Kong) Heu­te mor­gen ver­starb der Bischof von Hong Kong, Msgr. Micha­el Yeung Ming-Che­ung im Alter von 73 Jah­ren. Am 27. Dezem­ber muß­te er wegen Leber­zir­rho­se ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wer­den. Gestern wur­de er auf die Inten­siv­sta­ti­on ver­legt.

Bischof Yeung war erst im August 2017 von Papst Fran­zis­kus ernannt wor­den, als Kar­di­nal John Tong Hon, 79 Jah­re, wegen Errei­chens der Alters­gren­ze sei­nen Rück­tritt anbie­ten muß­te. Auch Tong-Vor­gän­ger, Kar­di­nal Joseph Zen Ze-kiun, der bis 2009 Bischof von Hong Kong, lebt noch. Der Pur­pur­trä­ger, der in weni­gen Tagen sein 87. Lebens­jahr voll­endet, gilt als graue Emi­nenz der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che, die der­zeit eine neue Pha­se der Not erlei­det.

Da die Ver­fol­gung für den Kar­di­nal mit still­schwei­gen­der Bil­li­gung des Vati­kans geschieht, gab er jüngst bekannt, künf­tig zu Schwei­gen, weil er sich „nicht gegen den Papst“ stel­len kön­ne.

Bei­de Kar­di­nä­le besuch­ten gestern Bischof Yeung, der seit Jah­ren gegen einen Tumor kämpf­te, ein letz­tes Mal. 2014 hat­te ihn Papst Fran­zis­kus zum Weih­bi­schof von Hong Kong ernannt und damit eine Nach­fol­ge­re­ge­lung getrof­fen.

Gebo­ren wur­de Bischof Yeung am 1. Dezem­ber 1945 als Sohn einer katho­li­schen Fami­lie in Shang­hai. Im Alter von vier Jah­ren kam er wegen der kom­mu­ni­sti­schen Macht­er­grei­fung in Chi­na in das damals noch bri­ti­sche Hong Kong. Bevor er im Alter von 26 Jah­ren in das dor­ti­ge Prie­ster­se­mi­nar ein­trat, war er in einer Import-Export-Fir­ma beschäf­tigt. Nach sei­ner Prie­ster­wei­he im Jahr 1978 stu­dier­te er in den USA. Ab 2003 war er Direk­tor der Cari­tas von Hong Kong und ab 2009 Gene­ral­vi­kar des Bis­tums.

Was die Bezie­hun­gen zur Volks­re­pu­blik Chi­na betrifft, beson­ders auch die Bezie­hun­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und Peking, war Bischof Yeung – im Gegen­satz zu Kar­di­nal Zen – „ziem­lich phleg­ma­tisch“, so Asia­News. Dabei ist Hong Kong der ein­zi­ge kon­ti­nen­ta­le Teil Chi­nas, in dem die Kir­che sich frei ent­fal­ten kann. Die ein­sti­ge bri­ti­sche Kron­ko­lo­nie spielt daher für die gan­ze Kir­che in Chi­na eine zen­tra­le Rol­le. „Er hör­te aber nie auf, für Hong Kong die Respek­tie­rung des Grund­sat­zes ‚Eine Nati­on, zwei Syste­me‘ ein­zu­for­dern, die dem Gebiet eine umfang­rei­che Auto­no­mie garan­tiert.“

Im ver­gan­ge­nen Juni hat­te er bei sei­nem Ad-limi­na-Besuch Papst Fran­zis­kus gebe­ten, so bald als mög­lich zurück­tre­ten zu dür­fen, um sich wie­der ganz der Cari­tas zu wid­men.

Das Bis­tum Hong Kong ver­fügt über einen Weih­bi­schof. 2014 ernann­te Papst Fran­zis­kus den Fran­zis­ka­ner, P. Joseph Ha Chi-shing, in die­ses Amt. In den kom­men­den Wochen wird sich zei­gen, ob Fran­zis­kus ihn auch zum Nach­fol­ger von Bischof Yeung als Ober­hir­te des Bis­tums ernennt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­News