Vorsitzender der US-Bischofskonferenz erneut bei Papst Franziskus

Fall McCarrick

Papst Franziskus empfing gestern erneut Kardinal DiNardo, den Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, in Audienz. Im Bild die Krisenaudienz vom 13. September 2018. McCarrick Di Nardo September 2018
Papst Franziskus empfing gestern erneut Kardinal DiNardo, den Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, in Audienz. Im Bild die Krisenaudienz vom 13. September 2018. McCarrick Di Nardo September 2018

(Washing­ton) Der Vor­sit­zen­de der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz (USA) reagier­te auf die vati­ka­ni­sche Pres­se­er­klä­rung zum Fall von Ex-Kar­di­nal McCarrick.

Kar­di­nal Dani­el DiNar­do, Erz­bi­schof von Gal­ve­ston-Hou­ston und Vor­sit­zen­der der US-Bischofs­kon­fe­renz „begrüß­te die Ankün­di­gung des Hei­li­gen Stuhls über die Schritt, die unter­nom­men wer­den, um sicher­zu­stel­len, daß die Gläu­bi­gen vor dem Übel des sexu­el­len Miß­brauchs geschützt sind“.

In einer Erklä­rung des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes vom 6. Okto­ber reagier­te der Vati­kan erst­mals direkt auf den Fall McCarrick, seit dem US-Prä­la­ten Ende Juli die Kar­di­nal­s­wür­de aberkannt wur­de und am 26. August vom ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us Car­lo Maria Viganò im Zusam­men­hang mit McCarrick schwe­re Anschul­di­gen gegen Papst Fran­zis­kus erho­ben wur­den.

Kar­di­nal DiNar­do beton­te in der Erklä­rung vom Sonn­tag, daß es not­wen­dig sei, sicher­zu­stel­len, daß die „schreck­li­chen Süden der Ver­gan­gen­heit sich nicht wie­der­ho­len“. Vor allem beton­te er die Gemein­schaft der US-Bischö­fe mit Papst Fran­zis­kus. Dazu waren nicht erst in den ver­gan­ge­nen Wochen wegen des Viganò-Dos­siers eini­ge Zwei­fel auf­ge­taucht.

In dem, was das päpst­li­che Umfeld die „reli­giö­se Rech­te“ in den USA nennt, sieht das Kir­chen­ober­haupt ein Haupt­hin­der­nis für die Ent­wick­lung der Kir­che und der Welt. Die­se „reli­giö­se Rech­te“, ob katho­lisch oder pro­te­stan­tisch, der Beob­ach­ter die Mehr­heit der US-Bischö­fe zurech­nen, wird von Papst Fran­zis­kus auf ver­schie­de­nen Ebe­nen bekämpft. Weni­ger klar ist, ob es dabei mehr um reli­giö­se oder mehr um poli­ti­sche Fra­gen geht.

Die Treue­be­kun­dung DiNar­dos gehört zu den kirch­li­chen Gepflo­gen­hei­ten, ist aber auch unter die­sem kon­kre­ten Aspekt zu sehen.

Gestern wur­de der Kar­di­nal zusam­men mit sei­nem Vize, Erz­bi­schof José Hor­a­cio Gomez von Los Ange­les, und Gene­ral­se­kre­tär Msgr. Bri­an Brans­field und des­sen Stell­ver­tre­ter Msgr. Jef­frey Bur­rill in Audi­enz emp­fan­gen.

Der Ter­min, so Crux, sei bereits „seit lan­gem“ geplant gewe­sen, schon vor dem Kri­sen­tref­fen, das Papst Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen 13. Sep­tem­ber gewähr­te. Nach der Ver­öf­fent­li­chung des Penn­syl­va­nia-Report und des Viganò-Dos­siers hat­te Kar­di­nal DiNar­do im Namen der US-Bischofs­kon­fe­renz um eine drin­gen­de Aus­spra­che mit Papst Fran­zis­kus gebe­ten, der ihn jedoch war­ten ließ.

Statt­des­sen emp­fing Fran­zis­kus die US-Kar­di­nä­le Wuerl und Cup­ich in Audi­enz, die bei­de dem Umfeld von Ex-Kar­di­nal McCarrick zuge­rech­net wer­den. Kar­di­nal Wuerl steht als Nach­fol­ger McCarricks als Erz­bi­schof von Washing­ton direkt in der Kri­tik und wird ent­spre­chend im Viganò-Dos­sier erwähnt. Kar­di­nal Cup­ich wur­de unter ande­rem durch homo­phi­le Aus­sa­gen bekannt. Er über­reich­te McCarrick noch 2017 einen Preis und bezeich­ne­te ihn als vor­bild­li­chen Bischof.

Die Pres­se­er­klä­rung von Kar­di­nal DiNar­do ver­mied Details. Über sie wird gestern hin­ter ver­schlos­se­nen Türen gespro­chen wor­den sein. Die US-Bischofs­kon­fe­renz ersuch­te Papst Fran­zis­kus mit Nach­druck, eine Apo­sto­li­sche Visi­ta­ti­on durch­zu­füh­ren. In der Vati­ka­ner­klä­rung vom Sams­tag war nur von einer inter­nen Unter­su­chung im Fall McCarrick die Rede.

Eine sol­che bestä­tig­te am Sonn­tag auch Kar­di­nal Marc Ouel­let in sei­nem offe­nen Brief an Erz­bi­schof Viganò. Der Brief ist eine Ver­tei­di­gung von Papst Fran­zis­kus, aller­dings eine so unge­wöhn­li­che, daß sie über Strecken wie eine Ankla­ge wirkt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)