Die Zerschlagung der Franziskaner der Immakulata

Der Diktator-Papst
Der Diktator-Papst

»Die Kirche ist eine Liebesgeschichte. Wenn wir das nicht verstanden haben, dann haben wir nichts von dem verstanden, was die Kirche ist.«
Papst Franziskus, Morgenmeditation in der Kapelle des Casa Santa Marta, 24. April 2013

Als Jorge Mario Bergoglio auf den Balkon des Petersdoms stieg und den Namen Franziskus annahm, schien er der per­fekte Reformpapst zu sein, den die Öffentlichkeit wollte. In­dem er diesen Namen wählte, ehrte er einen großartigen mit­telalterlichen Heiligen und Reformer, den hl. Franz von Assisi, der am ehesten mit der »heiligen Armut« identifiziert wird, dem zentralsten Thema des Pontifikats von Papst Franziskus. Selektive Heilgenmalerei hatte den hl. Franziskus auf einen Sandalen tragenden und pazifistischen Tierfreund reduziert, wobei der wahre Heilige ein unnachgiebiger Verteidiger des Glaubens war und den Gehorsam zu Gottes Kirche predigte. Ganz und gar nicht zimperlich mit Proselytismus — mit frei­mütiger Aufforderung an Nichtkatholiken zu konvertieren —reiste der hl. Franziskus nach Ägypten, um dem Sultan zu begegnen, predigte im Namen Christi und riskierte das Mar­tyrium. Gleichzeitig weisen seine Briefe auf seine Insistenz hin, Gott in der Liturgie mit kostbarem und schönem Altars-schmuck die Ehre zu erweisen.

Authentische »franziskanische Spiritualität« wurde in unserer Zeit mit der Gründung eines neuen religiösen Or­dens wiederentdeckt und verkörpert, den Franziskanern der Immakulata (FFI). Sie wurden 1970 in Frigento, Italien, von P. Stefano Maria Manelli und Gabriel Maria Pellettieri ge­gründet und stellten in ihrem Zusammenschluss von Franziskanerconventualen die Rückkehr zur radikalen Form des Ordenslebens dar. Manelli wurde als Pionier einer geistli­chen Reform betrachtet und war Autor der Traccia Mariana, seines marianischen Plans für das franziskanische Leben. Darin führte er das Charisma des Ordens, das Gebet und die Hingabe an die Jungfrau Maria aus. Es kann als Herz der ein­zigartigen Spiritualität des Instituts angesehen werden.

Die besondere Verehrung Mariens durch das neue Institut wurzelte in der Spiritualität des hl. Maximilian Kolbe, dem polnischen Franziskaner, der in Auschwitz starb. 1990 wurde das Institut durch den Erzbischof von Benevento zu einem »Institut bischöflichen Rechts« erhoben. Während ein Groß­teil der Kirche an Berufungsmangel litt, nahmen die FFI-Berufungen zu und bald wurde ein Frauenzweig des Institutes notwendig. 1993 errichtete der Bischof von Montecassino die franziskanischen Schwestern des dritten Ordens der Immakulata, ein Ordensinstitut von Frauen, die nach der regula huilatals‘ und der traccia lebten.

1998 machte Johannes Paul II. die Franziskanischen Brü­der der Immaculata zu einem »Institut des geweihten Lebens päpstlichen Rechtes« und weitete seine Anerkennung im sel­ben Jahr auf den Schwesternzweig aus. Das Institut wuchs immer weiter und breitete sich auf der ganzen Welt aus, in Argentinien, Österreich, Benin, Brasilien, Kamerun, Frank­reich, Italien, Portugal, Nigeria, auf den Philippinen und in den Vereinigten Staaten. Es diente besonders in armen Län­dern, wo es schwer war, für die missionarische Arbeit andere Orden zu finden. Mit dieser Erneuerung folgte P. Manelli den Idealen des Zweiten Vatikanischen Konzils im Dekret Perfectae caritatis, das eine Erneuerung des Ordenslebens herbei­führen wollte und eine »Rückkehr zu den Quellen« forderte, zu den ursprünglichen Charismen der Gründer.

Mit ihrer Geschichte und ihrem Geist schienen die Fran­ziskaner der Immakulata alles zu sein, wofür der hl. Franziskus damals stand und was Papst Franziskus von einem Or­densinstitut verlangen konnte: strengste Armut, ein intensi­ves Gebetsleben und eine missionarische Aufgabe. Besonders die Armut wurde von den Brüdern auf buchstäblichste Weise gelebt: Ihre Gemeinschaften lebten von Spenden im Ver­trauen auf die Vorsehung, Menschen zu finden, die sich um sie sorgten. Man könnte sie ein Paradebeispiel für die von Papst Franziskus geforderte Armut und Hilfe für die Armen nennen.

Doch nur einige Monate nach dem Erscheinen Papst Fran-iskus‘ auf dem Balkon von St. Peter würde sich die Ge­schichte der Franziskaner zum Schlechten wenden. Die Ge­schehnisse können von da an nur als päpstliche Verfolgung eines blühenden Ordens beschrieben werden, die vielleicht als eine der befremdlichsten Begebenheiten der Neuzeit in Erinnerung bleiben wird.

Ein fataler Fehler: Liebe zur liturgischen Tradition

In den letzten Jahren des Pontifikats von Benedikt XVI. hat­ten die Franziskaner begonnen, den traditionellen Messordo zu benutzen, wie es vor dem Zweiten Vatikanischen Konzils üblich gewesen war. Selbst nach Veröffentlichung des Motu Proprio Summorum Pontfficum 2007 wurde die alte Liturgieform von Bischöfen auf ganzer Breite abgelehnt, besonders in Italien. Trotzdem verzeichnete man ständig wachsendes Interesse an der alten Messe und es könnte durchaus dieses wachsende Interesse an der traditionellen Form der Liturgie gerade bei den jüngeren Mitgliedern der FFI gewesen sein, das den Zorn des Vatikans auf sich zog. Als der Orden be­schloss, bevorzugt den alten Ritus zu feiern, wurde er sofort zur zweitgrößten Gruppe innerhalb der Kirche, die diese Ent­scheidung getroffen hatte, denn er zählte zu dieser Zeit 200 Priester, 36o Brüder und 400 Schwestern. Das Signal dieser beliebten Gemeinschaft in die Weite der Kirche hinein, die ordentliche Form aufzugeben, konnte nicht von Männern ge­duldet werden, die sich dem neuen katholischen Paradigma verpflichtet hatten.

Die Mitglieder der FFI begannen nach der Veröffentli­chung von Summorum Pontificum regelmäßig den alten Ritus zu zelebrieren. Während des Generalkapitels 2008 ent­schieden sie, die außerordentliche Form der Messe im gan­zen Orden einzuführen, während sie die ordentliche Form in den Gemeinschaften und Pfarreien zelebrierten, die ihnen anvertraut waren. Dieser Versuch der »Biritualität« sollte ka­tastrophale Auswirkungen haben. Behutsam gegenüber der politischen Konsequenz, als »Traditionalist« etikettiert zu werden, gelang es P. Manelli, die ordentliche Form zu zeleb­rieren, wenn er zur Visitation bei anderen Pfarreien des Or­dens war. Er war darum bemüht, zu erklären, dass seine Brü­der trotz ihrer liturgischen Entscheidung nicht das Zweite Vatikanische Konzil ablehnten. Im Mai 2012 bestätigten auch das Generalkapitel der Franziskanischen Schwestern der Immakulata und der kontemplative Zweig des Ordens, dass sie den Gebrauch des alten Ritus in ihren Kirchen vorzögen.

Bis Herbst 2011 hatte diese Entscheidung in Rom für we­nig Aufsehen gesorgt. In einem Brief vom 21. November 2011 von P. Manelli und seinen Beratern erließ der Generalsekre­tär des Ordens einige indikative Normen für den Gebrauch der außerordentlichen Form in allen Häusern, wobei einige Gemeinschaften dem alten Ritus den Vorzug gaben und an­dere bei der ordentlichen Form blieben. Diese wurden von der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei in einem Schreiben vom 14. April 2012 genehmigt.

Das Dekret und der Beginn der offenen Verfolgung

All dies änderte sich, als der brasilianische Kardinal Joäo Braz de Aviz im Januar 2011 in die Kongregation für die Or­densleute berufen wurde: Im darauffolgenden Jahr ordnete er eine Untersuchung der Angelegenheiten des Ordens an. Am 11. Juli 2013 verfasste die Kongregation ein Dekret, in dem von jedem FFI-Priester verlangt wurde, die Zelebration der alten Form der Messe einzustellen. »Sollte es einen Anlass dafür geben, muss für die außerordentliche Form (den Vetus Ordo) eine explizite Erlaubnis von den kompetenten Au­toritäten eingeholt werden, für jedes einzelne Ordensmitglied und jede Gemeinschaft, die diese Anfrage stellt.« Die Ordenskongregation löste den Generalrat des Ordens auf und setzte einen Apostolischen Kommissar ein, den Kapuzinerpater Fidenzio Volpi. Er wurde zum ausführenden Oberen aller Gemeinschaften des Ordens und sollte finan­ziell durch diesen getragen werden. Es wurde auch weithin bekannt, dass es mysteriöse »Anschuldigungen« gegen den Orden und seinen Gründer, P. Manelli, gebe, aber beide Par­teien, Volpi und der Vatikan, weigerten sich, genau zu erklä­ren, um was für Anschuldigungen es sich handelte, während allerlei Gerüchte im Internet verbreitet wurden. Diese Ge­rüchte umfassten finstere Erzählungen über irgendein »ge­heimes Gelübde«, das Ordensmitgliedern aufgezwungen werde. Reißerische Geschichten sickerten an die Boulevard­presse durch, in denen anonyme »ehemalige Schwestern« zu Wort kamen, die angaben, sie seien gezwungen worden, ihre Gelübde mit dem eigenen Blut zu schreiben und sich selbst zu »geißeln«, für die Dauer von »fünf Vaterunser, fünf Ave Ma­ria und fünf Salve Regina.«

Langsam aber sicher kam die Wahrheit ans Licht, als In­formationen von glaubwürdigeren Quellen überprüft wur­den, die oft später auch durch offizielle Seite Bestätigung fanden. Es wurde bekannt, dass eine Gruppe von fünf oder sechs »Abgefallenen« des Ordens sich bei Kardinal Braz de Aviz beschwert hatte, besonders wegen der Zelebration des alten Ritus, aber auch wegen anderer dunkler Andeutungen, die angeblich bald an die Öffentlichkeit kommen sollten, aber schlussendlich niemals veröffentlicht wurden.

Unter diesen Dissidenten war P. Alfonso Maria Bruno, der vor allem für seine Medienarbeit bekannt war, die ihn in Italien populär machte. P. Bruno wurde unverzüglich zum Spre­cher des Ordens in Italien gewählt und erklärte gegenüber Catholic News Agency, dass der Gegenstand der Messe nur »die Spitze des Eisberges« sei, während er es ablehnte, dies weiter zu spezifizieren. Die FFI-Mitglieder standen nun un­ter dem Generalverdacht irgendeines unangemessenen Ver­haltens, eine »Kuss-des-Todes«-Andeutung angesichts der priesterlichen sexuellen Missbrauchsskandale. Ein anderer wichtiger Name in dieser Geschichte ist der des Amerikaners P. Angelo M. Geiger. Auch er pflegte eine ausufernde Präsenz in den sozialen Medien und wurde der Internet-Wächter des Ordens, der alle Informationen auf den YouTube-Kanälen, Facebook-Seiten und der Internetseite des Ordens filterte. P. Bruno ging so weit, den kontemplativen Schwesternzweig der Kongregation der »Häresie und des Ungehorsams« zu be­zichtigen. Da kein Journalist Zugang zu irgendeinem Mit­glied außer diesen beiden hatte, war es unmöglich, derartige Anschuldigungen zu prüfen.

Angesichts all dessen sahen sich die Brüder und Schwes­tern gezwungen am 3. August 2013 eine »offizielle« öffentli­che Erklärung abzugeben, dass die Anschuldigungen unwahr seien. P. Manelli »hat nicht nur niemals die Verwendung des Vetus Ordo aufgezwungen — noch weniger den alleini­gen Gebrauch — sondern er wollte nicht einmal, dass er zur ausschließlichen Anwendung kommt. Dafür gab er selbst ein persönliches Beispiel, indem er überall, sowohl nach dem ei­nen wie auch dem anderen Ordo, zelebrierte.« Diese Veröf­fentlichung hatte wenig Wirkung, da das Dekret des Vatikans bereits umgesetzt und im Lauf der kommenden drei Jahre noch ausgeweitet wurde.

Weiß der Papst davon?

Wichtiger als die Form der Messe — trotz der größeren po­litischen Implikationen — war die Affäre als ein Anzeichen für die neuen Methoden des Papstes. Papst Franziskus‘ Vor­gehensweise, mit dem Brief der »Abgefallenen« umzugehen, war von Anfang an ein Bruch mit dem Regierungsstil Benedikts XVI. Das Kirchengesetz sieht den Grundsatz der Beweisbarkeit und ein ordnungsgemäßes Verfahren vor, aber das Fehlen jeglicher üblichen Rechtfertigung für die ur­sprüngliche Visitation im Jahre 2012 oder die darauffolgende Ernennung eines Kommissars waren bezeichnend. Kein spe­zifischer Grund für Fehlverhalten wurde im Dekret oder zu einem späteren Zeitpunkt festgehalten. Die Gründe für die kanonischen Maßnahmen schienen unzureichend, sogar ba­nal zu sein.

Der zweite Unterzeichner des Dekrets, Erzbischof Josd Rodriguez Carballo, ist eine Gestalt von besonderer Bedeutung. Der Vatikanist Sandro Magister schrieb: »Rodriguez Carballo […] genießt das uneingeschränkte Vertrauen des Paps­tes. Sein Aufstieg zum zweiten Bevollmächtigten der Kongre­gation wurde von Franziskus selbst zu Beginn seines Ponti­fikats befürwortet.« Rodriguez Carballos Ernennung bei der Kongregation für die Ordensleute war sogar die erste wich­tige Ernennung von Papst Franziskus im April 2013, weni­ger als einen Monat nach dem Konklave. Aber Rodriguez Carballo war bereits zu diesem Zeitpunkt berüchtigt, da er vorher in seiner zehnjährigen Amtszeit als Generaldefinitor des Franziskanischen Ordens in einen riesigen Finanzskan­dal verwickelt gewesen war, bevor er in den Vatikan berufen wurde. Der Skandal hat die finanzielle Sicherheit der Franzis­kaner ins Wanken gebracht, wie Carballos Nachfolger, P. Mi­chael Perry, in einem Brief an seine Ordensbrüder offenlegte. Was die Medien einen »Riesenbetrug« nannten, hatte den Franziskanerorden hart getroffen: Betrug und Unterschla­gung von mehreren zehn Millionen Euro zwangen den Or­den in die Knie. Unter der Führung Rodriguez Carballos hatte der Orden Geld in Auslandsfirmen in der Schweiz in­vestiert, die wiederum in Waffenhandel, Drogenhandel und Geldwäsche verwickelt waren.

Das legt offen, dass er vorsätzlich Misswirtschaft mit Rücklagen in Italien durch Personen außerhalb des Ordens erlaubte, die sich selbst mit Hilfe von Ordensmitgliedern be­reicherten. P. Michael Perry sprach in seinem Brief davon, dass der Orden sich »in schwieriger, und ich hebe hervor, sehr schwieriger, finanzieller Lage befindet, mit einem gro­ßen Berg von Schulden,« und er fügte hinzu: »Das System der finanziellen Aufsicht und Kontrolle der Verwaltung über das Patrimonium des Ordens war entweder zu schwach oder wurde kompromittiert, was ihre Wirksamkeit, eine transpa­rente, verantwortungsvolle Verwaltung garantieren zu kön­nen, begrenzte.« Brüder waren in eine »Reihe von fragwürdi­gen finanziellen Aktivitäten« verwickelt und P. Perry musste Anwälte und die staatlichen Autoritäten einschalten, um den Skandal zu untersuchen.

Ohne im Fall der Franziskaner auf den vollständigen Be­richt der Schweizer Behörden zu warten, beförderte Papst Franziskus seinen Vertrauensmann in eine einflussreichere und hochrangige Position in der Kirchenhierarchie.

P. Videnzio Volpis »Schreckensherrschaft«

P. Manellis Reaktion auf das Dekret im Juli war beispielhaft. Obwohl er in der Schusslinie stand und später sogar wegen Misswirtschaft im Orden und schlimmerer Straftaten ange­klagt wurde, empfahl der Ordensgründer der ganzen Orga­nisation den Gehorsam dem Heiligen Vater gegenüber und drückte sein Vertrauen aus, dieser Gehorsam würde »grö­ßere Gnaden« hervorbringen. Seine Hoffnung war vielleicht, dass der neue Papst eine objektive Untersuchung zum Zu­stand des Institutes einleiten und Gerechtigkeit in eine Situ­ation bringen würde, in der eine Handvoll Brüder gegen eine Mehrheit ihres Institutes rebellierten.

Es wurde publik, dass P. Volpi — der behauptet hatte, seine »Arbeit« sei ihm »durch den Vikar Christi speziell befohlen worden« —, beauftragt worden war, die »Abtrünnigen« in den Reihen der Brüder ausfindig zu machen, Einheit zu schaffen und die Finanzen des Ordens zu untersuchen. Dies war de facto eine vollständige Übernahme des Institutes, der Pries­ter, Brüder, Schwestern und Tertiaren. P. Volpis Regime war gnadenlos: Die Generalregierung wurde aufgelöst und abge­setzt und P. Manelli wurde de facto unter Hausarrest gestellt, mit der Anordnung, im Süden Italiens in Abgeschiedenheit zu bleiben. Vier Laiengelehrte verfasste eine Petition gegen den Bann der außerordentlichen Form, was jedoch ignoriert wurde.

Bereits im Dezember 2013 hatten viele Katholiken genug von der Lage und forderten in einer Petition die Absetzung P. Volpis. »Im Zeitraum von fünf Monaten hat P. Volpi das Institut zerstört, Chaos und Leiden ausgelöst, Empörung bei den Gläubigen bewirkt, Kritik von der Presse geerntet, sowie Unruhe und Fassungslosigkeit in die kirchliche Welt ge­bracht.« Auch dieser Brief wurde ignoriert.

Am 8. Dezember 2013 antwortete P. Volpi darauf mit wei­teren Sanktionen, einschließlich der Schließung des Ordens­seminars. In diesem Brief kritisierte er den »Ungehorsam und die Hindernisse, die mir bei meiner Arbeit in den Weg gelegt wurden, sowie die Haltung des Verdachts und der Kri­tik gegen unsere Heilige Mutter Kirche — sogar bis zu der verleumderischen Anklage der >Zerstörung des Charismas< durch meine Person.«

Dieser Brief sollte die »erste« offizielle Anklage wegen Fehlverhaltens gegen P. Manelli sein, der beschuldigt wurde, »Kontrolle über die Rücklagen« des Institutes Laien übertragen zu haben, »Personen, die geistige Kinder und Verwandte des Gründers P. Stefano M. Manellis sind, sowie den Eltern etlicher Schwestern«, um sie dem Einfluss des Kommissars zu entziehen. P. Volpi denunzierte die Ordensmitglieder, die sich um die Errichtung eines neuen Institutes kümmerten, das den Alten Ritus pflegen sollte. Er ordnete auch an, die Lai­enorganisation der Tertiaren bis auf weiteres zu suspendieren.

Mit der Unterbrechung der Seminarstudien und der Aus­setzung des privaten Studienprogramms wurden die Theo­logiestudenten nach Rom versetzt, um dort ihr Studium fortsetzen zu können. Philosophiestudenten wurden an das Diözesankolleg von Benevento geschickt. Diakon- und Pries­terweihen wurden für ein Jahr ausgesetzt. Alle Kandidaten für die ewigen Gelübde wurden aufgefordert, formell in ei­nem »Eid« der Gesetzeskonformität ihre Akzeptanz der Or­dentlichen Form der Messe und der »Dokumente des Zwei­ten Vatikanischen Konzils« zu protokollieren. Kandidaten, die dieser Aufforderung nicht nachkamen, wurden sofort aus dem Institut entlassen. Jedes Ordensmitglied musste schriftlich seine Bereitschaft bekunden, als Franziskanischer Bruder der Immakulata in der erneuerten Form weiterzule­ben. Die Laienmission der Immakulata Mediatrix in Italien wurde formell suspendiert, genau wie der Drittorden der FFI und alle Publikationsaktivitäten — eine der Hauptaufgaben des Ordens — wurden gestoppt.

P. Volpi beförderte einen der ursprünglichen fünf Abtrün­nigen, P. Bruno, zum Generalsekretär (der diese Amt heute nicht mehr bekleidet). Unter P. Manelli war Bruno mit den Public-Relations des Ordens und den sozialen Netzwerken beauftragt gewesen. Seine Position in Beziehung zu den Me­dien war besonders nützlich, als die Kommission ihre Arbeit begann. Er war der erste, der die Entscheidung des Vatikans, einen Kommissar einzusetzen, öffentlich machte und den Journalisten eine einseitige Interpretation der Lage gab. Ei­nige nannten ihn den Kopf der Brüder, die anstrebten, das Institut in eine liberale Richtung zu lenken.

Während P. Volpis »Schreckensherrschaft« verließen zahl­lose Brüder die offiziellen Strukturen des Institutes. Obwohl detaillierte Informationen über den derzeitigen Status des Ordens schwierig zu bekommen sind, sagen Schätzungen, dass mehr als zwei Drittel des Instituts versuchten, eine an­dere Lösung zu finden; viele Stimmen riefen nach einer Neu­gründung. Eine kleine Gruppe von Brüdern bat darum, das Institut zu verlassen, um auf den Philippinen Zuflucht zu su­chen. Sechs Brüder traten an Erzbischof Ramon Cabrera Argüelles von Lipa heran, um die Möglichkeit einer Neugrün­dung des Instituts mit dem ursprünglichen Charisma innerhalb seiner Diözese in Angriff zu nehmen. Sie wurden von P. Volpi und P. Bruno verfolgt und mit Suspension a divinis bestraft. Normalerweise ist die Bitte, ein Institut, einen Or­den oder eine Kongregation zu verlassen, üblich und wird aus einer tausendfachen Zahl von Gründen gewährt. Im Fall der Brüder der Immakulata wurden alle Mitglieder am Austritt gehindert und gezwungen in einer Atmosphäre der Unter­drückung zu leben, eine Anordnung, die nicht dem kanonische Recht entspricht. Inmitten all dessen hat P. Volpi nie­mals geklärt, welche Verstöße sich der Orden hat zu Schul­den kommen lassen.

P. Volpis Anschuldigungen gegen P. Manelli, sich mit dem Eigentum des Ordens davon zu machen, wurden durch welt­liche Gerichte abgeschmettert. Volpi hatte Gerichtsverfahren wegen Verdachts auf Betrug, Veruntreuung und Dokumentenfälschung eingeleitet und P. Manelli antwortete dar­auf mit einer Verleumdungsklage wegen Diffamierung gegen P. Volpi. Die Gerichte verurteilten P. Volpi dazu, das Vermö­gen zurückzugeben, darüber hinaus zur Zahlung von 20.000 Euro Schadensersatz und einer öffentlichen Entschuldigung. Im Juli 2015 entschied das Gericht von Avellino, dass es kein Fehlverhalten von P. Manelli oder sonst wem, der mit der FFI assoziiert ist, gegeben habe und ordnete an, das Eigentum der Mission der Immakulata Mediatrix (MIM) und des Drittor­dens der Franziskanischen Brüder der Immakulata (TOFI) zurückzugeben, das anfänglich von P. Volpi beschlagnahmt worden waren. Der Wert dieses Vermögens wurde auf 3o Millionen Euro geschätzt.

Erzbischof Ramon Cabrera Argüelles von Lipa auf den Phi­lippinen hatte den sechs vor dem kommissarischen Regime fliehenden Brüdern Zuflucht und ein celebret — die Erlaub­nis, die Messe zu zelebrieren — in seiner Erzdiözese ange­boten. P. Volpis Reaktion folgte sofort: Er nahm im Herbst 2014 an der Bischofskonferenz teil und drängte die Bischöfe dazu, keine Priester aufzunehmen, die das misshandelte Ins­titut verlassen wollten. Dabei beschuldigte er die Brüder so­gar, den Papst »stürzen« zu wollen. In der Zwischenzeit hatte Erzbischof Cabrera Argüelles seinen Rücktritt angekündigt, drei Jahre vor seinem vorgesehenen Ruhestand, und dieses Gesuch wurde 2017 von Papst Franziskus angenommen. Ob­wohl der Rücktritt nicht unbedingt in Verbindung zu den Ereignissen hinsichtlich der Brüder stehen muss, kann dies auch nicht ausgeschlossen werden.

Am 4. April 2016 ordnete die Kongregation für die Ordens­leute dann in dem Reskript Ex audientia an, dass Bischöfe zuerst den Vatikan befragen müssen, bevor sie ein Institut diözesanen Rechts in ihrer Diözese zulassen. Dies war die ein­zig formelle Antwort des Papstes in Bezug auf diese Angele­genheit und bildet einen bürokratisierenden Schritt, weg vom »Graswurzel«-Ansatz, wenn es um Ordensgründungen geht. Viele Kommentatoren waren sich darüber einig, dass diese Aktion nur ein Ziel hatte: Die Diözese auf den Philippinen, die versucht hatte, eine Neugründung der Brüder der Imma-kulata zu ermöglichen.

Die Schwestern der Immakulata

Ein Jahr nach der Übernahme der Brüder wandte der Vati­kan seine Aufmerksamkeit den Schwestern zu. Kardinal Braz de Aviz ordnete eine Visitation der Schwestern an, die von Schwester Fernanda Barbiero vom Institut der Schwestern der hl. Dorothea geleitet werden sollte, die für ihre modera­ten feministischen Tendenzen bekannt ist in einem »up-to-date«-Orden. Sr. Barbiero wurde die gleiche Macht wie dem Kommissar der Brüder übertragen. Aber es gab einen ent­scheidenden Unterschied: während die Visitation der Brü­der durch eine kleine Gruppe von Abtrünnigen verursacht wurde, standen die Schwestern völlig geeint gegen die Visi­tation und keine einzige hatte Beschwerde beim Vatikan ein­gelegt.

Zwischen Mai und Juli 2014 rief Sr. Barbiero zwei andere apostolische Visitatorinnen für den kontemplativen Zweig des Institutes hinzu, die Priorinnen der Armen Klarissen Schwester Damiana Tiberio und Cristiana Mondonico, die, wie allgemein bekannt, dem Alten Ritus mit Abneigung ge­genüberstanden. Die Visitatorinnen erklärten den Nonnen, dass sie zu viel beteten und zu viel Buße täten! Und dass sie »zu klausuriert« lebten und ein neues Bildungsprogramm brauchten, das den Kriterien des Zweiten Vatikanischen Konzils entspräche.

Die Schwestern der Immakulata reichten gegen die Aus­breitung der Macht der Visitatorinnen Berufung beim Tri­bunal der Apostolischen Signatur ein, die damals noch von Raymond Kardinal Burke geleitet wurde, der versucht hatte, die Brüder zu schützen. Die Signatur bestätigte, dass die Visitatorinnen ihre ihnen durch das kanonische Recht zugewie­sene Kompetenz überschritten hatten. Vier Monate später wurde Kardinal Burke von Papst Franziskus seiner Position als Vorsitzender der Signatur enthoben.

Worum ging es bei der ganzen Sache?

Am 7. Juni 2015 kamen die extremen Maßnahmen zu einem überraschenden Ende: P. Videnzio Volpi erlitt einen Schlag­anfall. Er wurde sofort ins Krankenhaus eingewiesen, starb aber um 11.00 Uhr desselben Tages. Der neue Kommissar für das Institut wurde der Salesianer Sabino Ardito, einen Kir­chenrechtler, der die gleiche Aufgabe ausführte, aber auf viel moderatere Weise. Zum Zeitpunkt dieser Niederschrift ist der derzeitige Status und die Anzahl der Mitglieder, die ge­blieben sind, nicht bekannt. Jüngste Nachrichten berichteten von einer Schließung von mindestens fünfzehn der FFI-Niederlassungen, 6o Brüder haben offiziell darum gebeten, von ihren Gelübden befreit zu werden — es ist nicht bekannt, wie viele einfach fortgegangen sind — und zumindest einige der Häuser der Schwestern können wegen der Krise keine neuen Berufungen annehmen. Der neue Kommissar bereitet sich darauf vor, die Konstitution des Ordens neu zu schreiben und die besondere Weihe an Maria abzuschaffen, eine Er­laubnis, die von Papst Johannes Paul II. erteilt worden war. Auch wurde der Vorschlag gemacht, das Gelübde der abso­luten Armut abzuschaffen, sodass der Orden in Zukunft Im­mobilien besitzen darf. Der Sinn dieser Regelung scheint zu sein, es dem Vatikan zu ermöglichen, den Orden durch sei­nen Besitz zu kontrollieren.

P. Volpis Briefe und sein Agieren schafften zumindest in einem Punkt Klarheit: »Die Intervention gegen die Franzis­kaner der Immakulata wurde durch ihren wachsenden Hang zu traditionellen katholischen theologischen Positionen und nicht nur zur traditionellen lateinischen Messe ausgelöst.«

Während viele Katholiken ver­sucht haben, die Teilhabe und die Approbation der Affäre durch Papst Franziskus kleinzureden, kann die kontinuier­liche Auflösung des Ordens nach P. Volpis Tod, vor allem, nachdem es so viele Appelle der Gläubigen an Franziskus gab, nur wenige im Zweifel lassen.

Der Vatikanist Sandro Magister schrieb über das »Erstau­nen« der katholischen Welt hinsichtlich der Angriffe auf den Orden: »Die Franziskaner der Immakulata waren eine der blü­hendsten Ordensgemeinschaften, die innerhalb der katho­lischen Kirche in den letzten Jahrzehnten geboren wurde.« Bemerkenswert ist auch, dass die Ordensleute, die die Über­nahme überwachen sollten, selbst aus Orden stammen, die stark im Niedergang begriffen sind; einschließlich der Kapuzinerpater von Volpi und der Salesianer von P. Ardito. Während die Franziskaner der Immakulata in nur etwas mehr als 40 Jahren ein exponentielles Wachstum verbuchen konnten, er­litt der Franziskanerorden in einem ähnlichen Zeitraum einen drastischen Einbruch bei den Berufungen und schrumpfte von 27 009 Mitgliedern 1965 auf 15 794 im Jahre 2005 — ein Rück­gang von 41 Prozent. Die Frage ist berechtigt, ob nicht der Er­folg der FFI mit ihrem traditionelleren Charisma den Zorn der »Progressisten« auf sich gezogen hat, die sich mit dem Schei­tern ihres so Jahre alten Projektes konfrontiert sahen.

Diese Spekulation wurde im September 2016 durch den Vatikanisten Giuseppe Nardi wiederholt, der schrieb: »Der Kommissar und der Leiter der Ordenskongregation bestätig­ten, was Beobachter von Anfang an befürchtet hatten: Der Grund für die Untersuchung war das oben beschriebene Merkmal des Ordens. Ein Neu-Ritus-Orden, der sich auf den traditionellen Ritus zubewegte, zahllose Berufungen unter jungen Menschen verbuchte und die Aufmerksamkeit ande­rer Neu-Ritus-Orden auf sich zog, die Interesse an dieser >Er­folgsgeschichte< hatten, sollte offenbar nicht existieren.« Die Zerstörung der FFI war eine wohlverstandene Botschaft an die anderen Orden, ihre Köpfe einzuziehen.

Bei alledem war die Haltung von Papst Franziskus typischerweise undurchsichtig. Die zahllosen Petitionen und Anfragen von Gläubigen und Brüdern stießen auf taube Oh­ren. Er saß als Zuschauer auf dem Olymp, um sich das Mes­sen der Kräfte innerhalb des Vatikans (Josd Rodriguez Carballo und Kardinal Braz de Aviz) anzusehen, die in Machtpo­sitionen waren, aber eine fragwürdige Vergangenheit hinter sich hatten. Keine kanonische Anklage wurde jemals gegen P. Manelli vorgebracht, die informellen Anklagen blieben un­bewiesen und kein kirchliches oder weltliches Gericht ver­urteilte Manelli wegen unangemessenen Verhaltens. Aber selbst die Verurteilungen seines eigenen Kommissars durch die weltlichen Gerichte entlockten dem Papst keine Antwort.

Viele offene Fragen verbleiben, aber die vielleicht dring­lichste ist die erste: Was war das wahre Motiv für den Angriff auf die Franziskanischen Brüder und Schwestern der Immakulata? Wenn es nicht um die liturgische Frage ging, warum war das dann die erste Einschränkung, die sie zu erleiden hatten? Warum wurde nie ein anderer Grund genannt? Wa­rum wurde nie angesprochen, dass das Dekret von Kardinal Braz de Aviz gegen Summorum Pontfficum verstoßen hat, ein päpstliches Dekret?

Diese Fragen werden alle umso dringlicher, wenn man den Fall der Franziskaner der Immakulata mit dem Fall der Legionäre Christi vergleicht. Der erste Orden wurde vom frömm­lerischen P. Manelli gegründet, der alle Anschuldigungen ge­gen ihn vor weltlichen Gerichten ausgefochten hat; der zweite Orden wurde von einem sexuell freizügigen Drogenabhängi­gen, Marcial Maciel, gegründet, der seine Zeit seinen Mätres­sen widmete wie auch dem Anhäufen eines Vermögens aus Spenden von Reichen. Wenige Gruppen repräsentierten die Allianz von Kirche und Kapitalismus, gegen die Papst Franziskus regelmäßig wetterte, mehr als die Legionäre. Im Ge­gensatz dazu waren die Franziskaner der Immakulata reinste Kinder in der Welt kirchlicher Politik. Ihre Nachfolge des hl. Franziskus war vollkommen, in ihrem Leben der echten Ar­mut, der weltentsagenden Unschuld und ihrer Hingabe zu ih­rer geistlichen Berufung. Wo sonst wäre die »Kirche der Ar­men« gewesen, von der Papst Franziskus seit Anbeginn sei­ner Wahl gesprochen hat, wenn nicht hier?

Im Fall der Legionäre Christi wurden die Anschuldigun­gen gegen den Gründer und die Justizmaßnahmen von An­fang an offengelegt. Velasio Kardinal De Paolis verhielt sich ihnen gegenüber wie ein wohlwollender Vater, obwohl ihr Charisma ein ganz anderes war als das seine.

Als Joseph Kardinal Ratzinger 2005 zum Papst gewählt wurde, traf er persönlich die Entscheidung, im Fall Marcial Maciel, dem Gründer der Legionäre Christi, zu ermit­teln. Drastisch unmoralisches Verhalten wurde mit Bewei­sen vor weltlichen und kirchlichen Gerichten belegt und the­matisiert. Benedikt XVI. bestrafte nicht die Kongregation als Ganzes, versuchte aber behutsam auszusieben, welche Aus­wirkungen des schlechten Einflusses des Gründers gehabt hatte und was vom Charismas beibehalten werden konnte.

Das war die Richtung, der Kardinal De Paolis folgte. Die Un­tersuchungen waren langwierig und schwierig, aber sie wur­den im Jahre 2014 erfolgreich abgeschlossen.

Als Jorge Bergoglio 2013 zum Papst gewählt wurde, geneh­migte er die Untersuchung der Brüder der Immakulata. Es wurden keine offiziellen Anklagen gegen den Gründer P. Stefano Manelli erhoben und keine Beweise vorgelegt. In den Medien wurde eine Kampagne entfacht, um P. Manellis Ruf zu zerstören, der mit Hausarrest bestraft wurde, ohne Mög­lichkeit sich selbst zu verteidigen. Gleichzeitig wurde sein Orden dem tyrannischen Regime eines Kapuzinerpaters un­terstellt, der den ihn ruinierte und von Anfang an das Ziel verfolgte, ein wesentliches Element des Institutscharismas zu zerstören, den Alten Ritus der Messe.

Vergleicht man die Behandlung der beiden Institute mitei­nander, erkennt man nur einen Unterschied hinsichtlich ih­rer weltlichen Eigenschaft. Die Legionäre Christi zeichneten sich seit ihrer Gründung dadurch aus, dass sie eine enge Be­ziehung zu reichen Spendern und finanziellen Institutionen hatten, sowie durch ihre großzügigen Spenden an den Vati­kan. Diese scheinen die Gründe dafür gewesen zu sein, wa­rum die Anschuldigungen gegen ihren Gründer zurückge­halten und für lange Zeit unterdrückt wurden. Die Fakten sprechen für sich und wir sehen, welches dieser Kinder der Kirche Barmherzigkeit erfahren hat und welches eine Härte, die ihresgleichen sucht.

Das Buch ist jüngst im Renovamen Verlag erschienen und kann versandkostenfrei bei FalkMedien bestellt werden.

4 Kommentare

  1. Papst Benedikt war ein Mann des konstruktiven Dialogs. Wie viele Päpste vor ihm. Papst F. handelt aus eher dem Bauch und schlägt früher zu . Dies ist natürlich nur ein Bild im übertragenen Sinne.Will sagen Papst F. kann glaube ich Dinge nicht so verstehen ,die ihm fremd sind. Ein Papst muss aber integrieren können und das tun was der gesamten Kirche dient. Nicht der Papst ist wichtig, sondern stets das Wohl und die Zukunft der Kirche. Weisheit, Klarheit und Weitsicht zeichnen Papst Benedikt emeritus aus.Ob dies für den jetzigen Papst gilt mögen andere beurteilen.

  2. Der Umgang von kirchlichen Vorgesetzten mit den Brüdern und Schwestern der Franziskaner von der Immakulata spottet buchstäblich jeder Beschreibung.
    Es macht einen einfach traurig, erkennen zu müssen, welch selbstherrliche Gestalten inzwischen in der Kirche zu einem beachtlichen Teil das Sagen haben.
    Wenn man „Der Papstdiktator“ gelesen hat, müsste einem m.E. spätestens deutlich werden, weshalb der damalige SJ-Ordensobere Pater Kolvenbach (wie katholisches info berichtet hat) einst davor gewarnt haben soll, Herrn Bergoglio zum Weihbischof zu ernennen. Ich frage mich, weshalb man jenes Gutachten Pater Kolvenbachs damals ignorierte. Welche Leute waren es, die ein Interesse daran hatten, ausgerechnet diesen Mann auf der kirchlichen „Karriereleiter“ nach oben zu heben? Welche Motive…? …
    Das Buch „Der Papstdiktator“ ist übrigens gut geeignet als eine Hilfe, um in Zeiten der Verwirrung den klaren Durchblick zu behalten.
    Oder anders, mit einer alten Redewendung, ausgedrückt: Wenn man die Leute und den Weg kennt, dann scheut man nicht!

  3. Der Diktatorpapst fasst noch einmal zusammen, was katholisches.info immer schon zeitnah berichtet hat. Das Buch ist aber trotzdem nicht überflüssig und gut lesbar.

    Überrascht hat mich im Buch die Darstellung des bereits im Herbst 2012 geplanten Rücktritts Benedikts XVI und die Schilderung, Bergogliio habe über seine Mittelsmänner („Spione“) im Vatikan genau davon gewusst.

    Es wird dargelegt, wie fieberhaft Bergoglio seitdem telefonierte und plante, aber nach außen hin den völlig Unbeteiligten spielte.

    Skandalös erscheint mir im Rückblick die Tatsache, dass Benedikt den angeschlagenen und resignierenden Bergoglio damals nach dessen 75. Geburtstag zwar hätte emeritieren können, aber Bergoglio bat, noch einige Zeit auszuhalten.

    Es scheint mir auch unwahrscheinlich, dass Benedikt nichts von der sog. St. Gallen-Maffia wusste. Er kannte ja sehr genau die progessiven Kräfte seit dem II. Vatikanum.

    Man kommt nicht umhin anzunehmen, auch Benedikt habe am Ende resigniert. 2005 sah das noch nicht so aus. Zu diesem Zeitpunkt schien es umgekehrt. Damals war es Bergoglio, der wie gesagt resignierte, da das Projekt St. Gallen angesichts eines zu erwartenden 10 bis 15 Jahre dauernden Pontifikats Bendikts gescheitert schien.

    Alles in allem kann man schon sagen: es hat hier viel zu viele Merkwürdigkeiten, Zufälle und Nachlässigkeiten gegeben, so dass man nicht in Frage stellen kann, dass das Pontifikat Franziskus‘ dasjenige vieler Papstweissagungen ist (beispielsweise wie es Anna Katharina Emmerick sah).

    Man kann heute zum Zustand der Nachkonzilskirche sagen: Im europäischen Westen ist das Christentum nach und nach zum Humanismus geworden. Über lange Zeit hinweg und mit Beharrlichkeit hat man den Gottmenschen dort verengt und ihn schließlich zum Menschen reduziert – zum unfehlbaren Menschen … Zu sehr wird das Denken der katholischen Kirche heute geleitet vom christlich-humanistischen Minimalimus des Protestantismus, der von Christus nur das Mindeste will, oftmals auch gar nichts. An die Stelle des Gottmenschen als höchsten Wert und letztes Kriterium wurde der Mensch gestellt (Ziele des sog. Humanismus der Freimaurerei/christliche Freimaurerei). So vollzog man die schmerzliche „Berichtigung“ des Gottmenschen, Seines Werks und Seiner Lehre!
    Man hat in der nachkonziliaren Kirche den Gottmenschen in den Himmel zurückgeschickt.

    Wir haben es heute innerhalb der Kirche mit einer „menschlichen Methode“ zu tun. Das humanistische Christentum ist in Wirklichkeit der entscheidende Protest gegen den Gottmenschen und Seine Werte, Seine Kriterien …

    Indem der Humanismus das Christentum im Westen reduzierte, hat er es unbestreitbar vereinfacht. Damit hat er es aber auch auf den Kopf gestellt und zerstört …

    Die Stimmen einiger Menschen aus dem Protestantismus, die verlangen „Zurück zu Jesus!“ sind wie schwache Rufe des humanistischen Christentums des Westens, das die gottmenschlichen Werte und Maßstäbe aufgegeben hat und nun erstickt in den Gassen der Verzweiflung, während aus den Tiefen der Jahrhunderte die harten Worte des Propheten Jeremias herausklingen: „Verflucht der Mensch, der seine Hoffnung auf den Menschen setzt“ (Jer 17,5).

  4. Ergänzend zu Alfons möchte ich hinzufügen, dass der Rücktritt von Benedikt und die Tatsache, dass es heute zwei Personen im Vatikan gibt, welche die Insignien eines Papstes tragen, mehr als merkwürdig ist. In seinem letzten Schreiben unterzeichnet
    Papst Benedikt mit „Josef Ratzinger – Bendikt XVI“. Ich empfand dies mehr als merkwürdig. Dies ist doch ein sehr starker Hinweis darauf, dass er auch heute- fünf Jahre nach seiner Emeritierung- auf seiner päpstlichen Autorität besteht. Er unterscheidet sich damit vollends im Amtsverständnis von seinen zurückgetretenen päpstlichen Vorgängern wie Coelestin V. Der weitere Schlüssel zum Rücktritt liegt in der schwierigen Deutung seiner Rücktrittsrede und der dort verwandten Wortwahl.
    Auf da Ende des ersten Satzes möchte ich hinweisen:…sed etiam ut vobis decisionenm magni momenti pro ecclisiae vita communicem.
    Pro steht im Kirchenlatein immer als Hinweis auf den Empfänger eines Opfers. Die ist Konkret das Leben der Kirche. Mit anderen -Worten sagt Benedikt, dass er sich für das Leben der Kirche opfert und diesen Schritt tut. Zum Verständnis lautet die nächste Frage wie definiert der Theologe Kirche. Es ist der Corpus Christi mysticum mit seinen zwei Naturen, der menschlichen und der göttlichen. Nach diesem Verständnis hält Benedikt mit seinem Opfer den Tod der menschlichen Natur des corpus christi mystikum auf. Es erinnert an die Aufgabe des Katechon.
    Wenn dem so wäre ,dann hätte Benedikt auch heute eine heilsgeschichtlich bedeutungvolle Aufgabe, deren Bedeutung wir kaum überschauen könnten.

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