Die Zerschlagung der Franziskaner der Immakulata

Der Diktator-Papst
Der Diktator-Papst

»Die Kir­che ist eine Lie­bes­ge­schich­te. Wenn wir das nicht ver­stan­den haben, dann haben wir nichts von dem ver­stan­den, was die Kir­che ist.«
Papst Fran­zis­kus, Mor­gen­me­di­ta­ti­on in der Kapel­le des Casa San­ta Mar­ta, 24. April 2013

Als Jor­ge Mario Ber­go­glio auf den Bal­kon des Peters­doms stieg und den Namen Fran­zis­kus annahm, schien er der per­fekte Reform­papst zu sein, den die Öffent­lich­keit woll­te. In­dem er die­sen Namen wähl­te, ehr­te er einen groß­ar­ti­gen mit­telalterlichen Hei­li­gen und Refor­mer, den hl. Franz von Assi­si, der am ehe­sten mit der »hei­li­gen Armut« iden­ti­fi­ziert wird, dem zen­tral­sten The­ma des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus. Selek­ti­ve Heil­gen­ma­le­rei hat­te den hl. Fran­zis­kus auf einen San­da­len tra­gen­den und pazi­fi­sti­schen Tier­freund redu­ziert, wobei der wah­re Hei­li­ge ein unnach­gie­bi­ger Ver­tei­di­ger des Glau­bens war und den Gehor­sam zu Got­tes Kir­che pre­dig­te. Ganz und gar nicht zim­per­lich mit Pro­se­ly­tis­mus — mit frei­mütiger Auf­for­de­rung an Nicht­ka­tho­li­ken zu kon­ver­tie­ren —rei­ste der hl. Fran­zis­kus nach Ägyp­ten, um dem Sul­tan zu begeg­nen, pre­dig­te im Namen Chri­sti und ris­kier­te das Mar­tyrium. Gleich­zei­tig wei­sen sei­ne Brie­fe auf sei­ne Insi­stenz hin, Gott in der Lit­ur­gie mit kost­ba­rem und schö­nem Altars-schmuck die Ehre zu erwei­sen.

Authen­ti­sche »fran­zis­ka­ni­sche Spi­ri­tua­li­tät« wur­de in unse­rer Zeit mit der Grün­dung eines neu­en reli­giö­sen Or­dens wie­der­ent­deckt und ver­kör­pert, den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta (FFI). Sie wur­den 1970 in Fri­gen­to, Ita­li­en, von P. Ste­fa­no Maria Manel­li und Gabri­el Maria Pel­let­tie­ri ge­gründet und stell­ten in ihrem Zusam­men­schluss von Fran­zis­ka­ner­con­ven­tua­len die Rück­kehr zur radi­ka­len Form des Ordens­le­bens dar. Manel­li wur­de als Pio­nier einer geistli­chen Reform betrach­tet und war Autor der Trac­cia Maria­na, sei­nes maria­ni­schen Plans für das fran­zis­ka­ni­sche Leben. Dar­in führ­te er das Cha­ris­ma des Ordens, das Gebet und die Hin­ga­be an die Jung­frau Maria aus. Es kann als Herz der ein­zigartigen Spi­ri­tua­li­tät des Insti­tuts ange­se­hen wer­den.

Die beson­de­re Ver­eh­rung Mari­ens durch das neue Insti­tut wur­zel­te in der Spi­ri­tua­li­tät des hl. Maxi­mi­li­an Kol­be, dem pol­ni­schen Fran­zis­ka­ner, der in Ausch­witz starb. 1990 wur­de das Insti­tut durch den Erz­bi­schof von Beneven­to zu einem »Insti­tut bischöf­li­chen Rechts« erho­ben. Wäh­rend ein Groß­teil der Kir­che an Beru­fungs­man­gel litt, nah­men die FFI-Beru­fun­gen zu und bald wur­de ein Frau­en­zweig des Insti­tu­tes not­wen­dig. 1993 errich­te­te der Bischof von Mon­te­cas­si­no die fran­zis­ka­ni­schen Schwe­stern des drit­ten Ordens der Imma­ku­la­ta, ein Ordens­in­sti­tut von Frau­en, die nach der regu­la hui­la­tals‘ und der trac­cia leb­ten.

1998 mach­te Johan­nes Paul II. die Fran­zis­ka­ni­schen Brü­der der Imma­cu­la­ta zu einem »Insti­tut des geweih­ten Lebens päpst­li­chen Rech­tes« und wei­te­te sei­ne Aner­ken­nung im sel­ben Jahr auf den Schwe­stern­zweig aus. Das Insti­tut wuchs immer wei­ter und brei­te­te sich auf der gan­zen Welt aus, in Argen­ti­ni­en, Öster­reich, Benin, Bra­si­li­en, Kame­run, Frank­reich, Ita­li­en, Por­tu­gal, Nige­ria, auf den Phil­ip­pi­nen und in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Es dien­te beson­ders in armen Län­dern, wo es schwer war, für die mis­sio­na­ri­sche Arbeit ande­re Orden zu fin­den. Mit die­ser Erneue­rung folg­te P. Manel­li den Idea­len des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils im Dekret Per­fec­tae cari­ta­tis, das eine Erneue­rung des Ordens­le­bens herbei­führen woll­te und eine »Rück­kehr zu den Quel­len« for­der­te, zu den ursprüng­li­chen Cha­ris­men der Grün­der.

Mit ihrer Geschich­te und ihrem Geist schie­nen die Fran­ziskaner der Imma­ku­la­ta alles zu sein, wofür der hl. Fran­zis­kus damals stand und was Papst Fran­zis­kus von einem Or­densinstitut ver­lan­gen konn­te: streng­ste Armut, ein intensi­ves Gebets­le­ben und eine mis­sio­na­ri­sche Auf­ga­be. Beson­ders die Armut wur­de von den Brü­dern auf buch­stäb­lich­ste Wei­se gelebt: Ihre Gemein­schaf­ten leb­ten von Spen­den im Ver­trauen auf die Vor­se­hung, Men­schen zu fin­den, die sich um sie sorg­ten. Man könn­te sie ein Para­de­bei­spiel für die von Papst Fran­zis­kus gefor­der­te Armut und Hil­fe für die Armen nen­nen.

Doch nur eini­ge Mona­te nach dem Erschei­nen Papst Fran-iskus‘ auf dem Bal­kon von St. Peter wür­de sich die Ge­schichte der Fran­zis­ka­ner zum Schlech­ten wen­den. Die Ge­schehnisse kön­nen von da an nur als päpst­li­che Ver­fol­gung eines blü­hen­den Ordens beschrie­ben wer­den, die viel­leicht als eine der befremd­lich­sten Bege­ben­hei­ten der Neu­zeit in Erin­ne­rung blei­ben wird.

Ein fataler Fehler: Liebe zur liturgischen Tradition

In den letz­ten Jah­ren des Pon­ti­fi­kats von Bene­dikt XVI. hat­ten die Fran­zis­ka­ner begon­nen, den tra­di­tio­nel­len Mess­ordo zu benut­zen, wie es vor dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils üblich gewe­sen war. Selbst nach Ver­öf­fent­li­chung des Motu Pro­prio Summorum Pontffi­cum 2007 wur­de die alte Lit­ur­gie­form von Bischö­fen auf gan­zer Brei­te abge­lehnt, beson­ders in Ita­li­en. Trotz­dem ver­zeich­ne­te man stän­dig wach­sen­des Inter­es­se an der alten Mes­se und es könn­te durch­aus die­ses wach­sen­de Inter­es­se an der tra­di­tio­nel­len Form der Lit­ur­gie gera­de bei den jün­ge­ren Mit­glie­dern der FFI gewe­sen sein, das den Zorn des Vati­kans auf sich zog. Als der Orden be­schloss, bevor­zugt den alten Ritus zu fei­ern, wur­de er sofort zur zweit­größ­ten Grup­pe inner­halb der Kir­che, die die­se Ent­scheidung getrof­fen hat­te, denn er zähl­te zu die­ser Zeit 200 Prie­ster, 36o Brü­der und 400 Schwe­stern. Das Signal die­ser belieb­ten Gemein­schaft in die Wei­te der Kir­che hin­ein, die ordent­li­che Form auf­zu­ge­ben, konn­te nicht von Män­nern ge­duldet wer­den, die sich dem neu­en katho­li­schen Para­dig­ma ver­pflich­tet hat­ten.

Die Mit­glie­der der FFI began­nen nach der Veröffentli­chung von Summorum Pon­ti­fi­cum regel­mä­ßig den alten Ritus zu zele­brie­ren. Wäh­rend des Gene­ral­ka­pi­tels 2008 ent­schieden sie, die außer­or­dent­li­che Form der Mes­se im gan­zen Orden ein­zu­füh­ren, wäh­rend sie die ordent­li­che Form in den Gemein­schaf­ten und Pfar­rei­en zele­brier­ten, die ihnen anver­traut waren. Die­ser Ver­such der »Biri­tua­li­tät« soll­te ka­tastrophale Aus­wir­kun­gen haben. Behut­sam gegen­über der poli­ti­schen Kon­se­quenz, als »Tra­di­tio­na­list« eti­ket­tiert zu wer­den, gelang es P. Manel­li, die ordent­li­che Form zu zeleb­rieren, wenn er zur Visi­ta­ti­on bei ande­ren Pfar­rei­en des Or­dens war. Er war dar­um bemüht, zu erklä­ren, dass sei­ne Brü­der trotz ihrer lit­ur­gi­schen Ent­schei­dung nicht das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ablehn­ten. Im Mai 2012 bestä­tig­ten auch das Gene­ral­ka­pi­tel der Fran­zis­ka­ni­schen Schwe­stern der Imma­ku­la­ta und der kon­tem­pla­ti­ve Zweig des Ordens, dass sie den Gebrauch des alten Ritus in ihren Kir­chen vor­zö­gen.

Bis Herbst 2011 hat­te die­se Ent­schei­dung in Rom für we­nig Auf­se­hen gesorgt. In einem Brief vom 21. Novem­ber 2011 von P. Manel­li und sei­nen Bera­tern erließ der Generalsekre­tär des Ordens eini­ge indi­ka­ti­ve Nor­men für den Gebrauch der außer­or­dent­li­chen Form in allen Häu­sern, wobei eini­ge Gemein­schaf­ten dem alten Ritus den Vor­zug gaben und an­dere bei der ordent­li­chen Form blie­ben. Die­se wur­den von der päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei in einem Schrei­ben vom 14. April 2012 geneh­migt.

Das Dekret und der Beginn der offenen Verfolgung

All dies änder­te sich, als der bra­si­lia­ni­sche Kar­di­nal Joäo Braz de Aviz im Janu­ar 2011 in die Kon­gre­ga­ti­on für die Or­densleute beru­fen wur­de: Im dar­auf­fol­gen­den Jahr ord­ne­te er eine Unter­su­chung der Ange­le­gen­hei­ten des Ordens an. Am 11. Juli 2013 ver­fass­te die Kon­gre­ga­ti­on ein Dekret, in dem von jedem FFI-Prie­ster ver­langt wur­de, die Zele­bra­ti­on der alten Form der Mes­se ein­zu­stel­len. »Soll­te es einen Anlass dafür geben, muss für die außer­or­dent­li­che Form (den Vetus Ordo) eine expli­zi­te Erlaub­nis von den kom­pe­ten­ten Au­toritäten ein­ge­holt wer­den, für jedes ein­zel­ne Ordens­mit­glied und jede Gemein­schaft, die die­se Anfra­ge stellt.« Die Ordens­kon­gre­ga­ti­on löste den Gene­ral­rat des Ordens auf und setz­te einen Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar ein, den Kapu­zi­ner­pa­ter Fidenzio Volpi. Er wur­de zum aus­füh­ren­den Obe­ren aller Gemein­schaf­ten des Ordens und soll­te finan­ziell durch die­sen getra­gen wer­den. Es wur­de auch weit­hin bekannt, dass es myste­riö­se »Anschul­di­gun­gen« gegen den Orden und sei­nen Grün­der, P. Manel­li, gebe, aber bei­de Par­teien, Volpi und der Vati­kan, wei­ger­ten sich, genau zu erklä­ren, um was für Anschul­di­gun­gen es sich han­del­te, wäh­rend aller­lei Gerüch­te im Inter­net ver­brei­tet wur­den. Die­se Ge­rüchte umfass­ten fin­ste­re Erzäh­lun­gen über irgend­ein »ge­heimes Gelüb­de«, das Ordens­mit­glie­dern auf­ge­zwun­gen wer­de. Rei­ße­ri­sche Geschich­ten sicker­ten an die Boulevard­presse durch, in denen anony­me »ehe­ma­li­ge Schwe­stern« zu Wort kamen, die anga­ben, sie sei­en gezwun­gen wor­den, ihre Gelüb­de mit dem eige­nen Blut zu schrei­ben und sich selbst zu »gei­ßeln«, für die Dau­er von »fünf Vater­un­ser, fünf Ave Ma­ria und fünf Sal­ve Regi­na.«

Lang­sam aber sicher kam die Wahr­heit ans Licht, als In­formationen von glaub­wür­di­ge­ren Quel­len über­prüft wur­den, die oft spä­ter auch durch offi­zi­el­le Sei­te Bestä­ti­gung fan­den. Es wur­de bekannt, dass eine Grup­pe von fünf oder sechs »Abge­fal­le­nen« des Ordens sich bei Kar­di­nal Braz de Aviz beschwert hat­te, beson­ders wegen der Zele­bra­ti­on des alten Ritus, aber auch wegen ande­rer dunk­ler Andeu­tun­gen, die angeb­lich bald an die Öffent­lich­keit kom­men soll­ten, aber schluss­end­lich nie­mals ver­öf­fent­licht wur­den.

Unter die­sen Dis­si­den­ten war P. Alfon­so Maria Bru­no, der vor allem für sei­ne Medi­en­ar­beit bekannt war, die ihn in Ita­li­en popu­lär mach­te. P. Bru­no wur­de unver­züg­lich zum Spre­cher des Ordens in Ita­li­en gewählt und erklär­te gegen­über Catho­lic News Agen­cy, dass der Gegen­stand der Mes­se nur »die Spit­ze des Eis­ber­ges« sei, wäh­rend er es ablehn­te, dies wei­ter zu spe­zi­fi­zie­ren. Die FFI-Mit­glie­der stan­den nun un­ter dem Gene­ral­ver­dacht irgend­ei­nes unan­ge­mes­se­nen Ver­haltens, eine »Kuss-des-Todes«-Andeutung ange­sichts der prie­ster­li­chen sexu­el­len Miss­brauchs­skan­da­le. Ein ande­rer wich­ti­ger Name in die­ser Geschich­te ist der des Ame­ri­ka­ners P. Ange­lo M. Gei­ger. Auch er pfleg­te eine aus­ufern­de Prä­senz in den sozia­len Medi­en und wur­de der Inter­net-Wäch­ter des Ordens, der alle Infor­ma­tio­nen auf den You­Tube-Kanä­len, Face­book-Sei­ten und der Inter­net­sei­te des Ordens fil­ter­te. P. Bru­no ging so weit, den kon­tem­pla­ti­ven Schwe­stern­zweig der Kon­gre­ga­ti­on der »Häre­sie und des Unge­hor­sams« zu be­zichtigen. Da kein Jour­na­list Zugang zu irgend­ei­nem Mit­glied außer die­sen bei­den hat­te, war es unmög­lich, der­ar­ti­ge Anschul­di­gun­gen zu prü­fen.

Ange­sichts all des­sen sahen sich die Brü­der und Schwes­tern gezwun­gen am 3. August 2013 eine »offi­zi­el­le« öffentli­che Erklä­rung abzu­ge­ben, dass die Anschul­di­gun­gen unwahr sei­en. P. Manel­li »hat nicht nur nie­mals die Ver­wen­dung des Vetus Ordo auf­ge­zwun­gen — noch weni­ger den alleini­gen Gebrauch — son­dern er woll­te nicht ein­mal, dass er zur aus­schließ­li­chen Anwen­dung kommt. Dafür gab er selbst ein per­sön­li­ches Bei­spiel, indem er über­all, sowohl nach dem ei­nen wie auch dem ande­ren Ordo, zele­brier­te.« Die­se Veröf­fentlichung hat­te wenig Wir­kung, da das Dekret des Vati­kans bereits umge­setzt und im Lauf der kom­men­den drei Jah­re noch aus­ge­wei­tet wur­de.

Weiß der Papst davon?

Wich­ti­ger als die Form der Mes­se — trotz der grö­ße­ren po­litischen Impli­ka­tio­nen — war die Affä­re als ein Anzei­chen für die neu­en Metho­den des Pap­stes. Papst Fran­zis­kus‘ Vor­gehensweise, mit dem Brief der »Abge­fal­le­nen« umzu­ge­hen, war von Anfang an ein Bruch mit dem Regie­rungs­stil Bene­dikts XVI. Das Kir­chen­ge­setz sieht den Grund­satz der Beweis­bar­keit und ein ord­nungs­ge­mä­ßes Ver­fah­ren vor, aber das Feh­len jeg­li­cher übli­chen Recht­fer­ti­gung für die ur­sprüngliche Visi­ta­ti­on im Jah­re 2012 oder die dar­auf­fol­gen­de Ernen­nung eines Kom­mis­sars waren bezeich­nend. Kein spe­zifischer Grund für Fehl­ver­hal­ten wur­de im Dekret oder zu einem spä­te­ren Zeit­punkt fest­ge­hal­ten. Die Grün­de für die kano­ni­schen Maß­nah­men schie­nen unzu­rei­chend, sogar ba­nal zu sein.

Der zwei­te Unter­zeich­ner des Dekrets, Erz­bi­schof Josd Rodri­guez Car­bal­lo, ist eine Gestalt von beson­de­rer Bedeu­tung. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster schrieb: »Rodri­guez Car­bal­lo […] genießt das unein­ge­schränk­te Ver­trau­en des Paps­tes. Sein Auf­stieg zum zwei­ten Bevoll­mäch­tig­ten der Kongre­gation wur­de von Fran­zis­kus selbst zu Beginn sei­nes Ponti­fikats befür­wor­tet.« Rodri­guez Car­ballos Ernen­nung bei der Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leu­te war sogar die erste wich­tige Ernen­nung von Papst Fran­zis­kus im April 2013, weni­ger als einen Monat nach dem Kon­kla­ve. Aber Rodri­guez Car­bal­lo war bereits zu die­sem Zeit­punkt berüch­tigt, da er vor­her in sei­ner zehn­jäh­ri­gen Amts­zeit als Gene­ral­de­fi­ni­tor des Fran­zis­ka­ni­schen Ordens in einen rie­si­gen Finanzskan­dal ver­wickelt gewe­sen war, bevor er in den Vati­kan beru­fen wur­de. Der Skan­dal hat die finan­zi­el­le Sicher­heit der Franzis­kaner ins Wan­ken gebracht, wie Car­ballos Nach­fol­ger, P. Mi­chael Per­ry, in einem Brief an sei­ne Ordens­brü­der offen­leg­te. Was die Medi­en einen »Rie­sen­be­trug« nann­ten, hat­te den Fran­zis­ka­ner­or­den hart getrof­fen: Betrug und Unterschla­gung von meh­re­ren zehn Mil­lio­nen Euro zwan­gen den Or­den in die Knie. Unter der Füh­rung Rodri­guez Car­ballos hat­te der Orden Geld in Aus­lands­fir­men in der Schweiz in­vestiert, die wie­der­um in Waf­fen­han­del, Dro­gen­han­del und Geld­wä­sche ver­wickelt waren.

Das legt offen, dass er vor­sätz­lich Miss­wirt­schaft mit Rück­la­gen in Ita­li­en durch Per­so­nen außer­halb des Ordens erlaub­te, die sich selbst mit Hil­fe von Ordens­mit­glie­dern be­reicherten. P. Micha­el Per­ry sprach in sei­nem Brief davon, dass der Orden sich »in schwie­ri­ger, und ich hebe her­vor, sehr schwie­ri­ger, finan­zi­el­ler Lage befin­det, mit einem gro­ßen Berg von Schul­den,« und er füg­te hin­zu: »Das System der finan­zi­el­len Auf­sicht und Kon­trol­le der Ver­wal­tung über das Patri­mo­ni­um des Ordens war ent­we­der zu schwach oder wur­de kom­pro­mit­tiert, was ihre Wirk­sam­keit, eine transpa­rente, ver­ant­wor­tungs­vol­le Ver­wal­tung garan­tie­ren zu kön­nen, begrenz­te.« Brü­der waren in eine »Rei­he von fragwürdi­gen finan­zi­el­len Akti­vi­tä­ten« ver­wickelt und P. Per­ry muss­te Anwäl­te und die staat­li­chen Auto­ri­tä­ten ein­schal­ten, um den Skan­dal zu unter­su­chen.

Ohne im Fall der Fran­zis­ka­ner auf den voll­stän­di­gen Be­richt der Schwei­zer Behör­den zu war­ten, beför­der­te Papst Fran­zis­kus sei­nen Ver­trau­ens­mann in eine ein­fluss­rei­che­re und hoch­ran­gi­ge Posi­ti­on in der Kir­chen­hier­ar­chie.

P. Videnzio Volpis »Schreckensherrschaft«

P. Manel­lis Reak­ti­on auf das Dekret im Juli war bei­spiel­haft. Obwohl er in der Schuss­li­nie stand und spä­ter sogar wegen Miss­wirt­schaft im Orden und schlim­me­rer Straf­ta­ten ange­klagt wur­de, emp­fahl der Ordens­grün­der der gan­zen Orga­nisation den Gehor­sam dem Hei­li­gen Vater gegen­über und drück­te sein Ver­trau­en aus, die­ser Gehor­sam wür­de »grö­ßere Gna­den« her­vor­brin­gen. Sei­ne Hoff­nung war viel­leicht, dass der neue Papst eine objek­ti­ve Unter­su­chung zum Zu­stand des Insti­tu­tes ein­lei­ten und Gerech­tig­keit in eine Situ­ation brin­gen wür­de, in der eine Hand­voll Brü­der gegen eine Mehr­heit ihres Insti­tu­tes rebel­lier­ten.

Es wur­de publik, dass P. Volpi — der behaup­tet hat­te, sei­ne »Arbeit« sei ihm »durch den Vikar Chri­sti spe­zi­ell befoh­len wor­den« —, beauf­tragt wor­den war, die »Abtrün­ni­gen« in den Rei­hen der Brü­der aus­fin­dig zu machen, Ein­heit zu schaf­fen und die Finan­zen des Ordens zu unter­su­chen. Dies war de fac­to eine voll­stän­di­ge Über­nah­me des Insti­tu­tes, der Pries­ter, Brü­der, Schwe­stern und Ter­tia­ren. P. Volpis Regime war gna­den­los: Die Gene­ral­re­gie­rung wur­de auf­ge­löst und abge­setzt und P. Manel­li wur­de de fac­to unter Haus­ar­rest gestellt, mit der Anord­nung, im Süden Ita­li­ens in Abge­schie­den­heit zu blei­ben. Vier Lai­en­ge­lehr­te ver­fass­te eine Peti­ti­on gegen den Bann der außer­or­dent­li­chen Form, was jedoch igno­riert wur­de.

Bereits im Dezem­ber 2013 hat­ten vie­le Katho­li­ken genug von der Lage und for­der­ten in einer Peti­ti­on die Abset­zung P. Volpis. »Im Zeit­raum von fünf Mona­ten hat P. Volpi das Insti­tut zer­stört, Cha­os und Lei­den aus­ge­löst, Empö­rung bei den Gläu­bi­gen bewirkt, Kri­tik von der Pres­se geern­tet, sowie Unru­he und Fas­sungs­lo­sig­keit in die kirch­li­che Welt ge­bracht.« Auch die­ser Brief wur­de igno­riert.

Am 8. Dezem­ber 2013 ant­wor­te­te P. Volpi dar­auf mit wei­teren Sank­tio­nen, ein­schließ­lich der Schlie­ßung des Ordens­seminars. In die­sem Brief kri­ti­sier­te er den »Unge­hor­sam und die Hin­der­nis­se, die mir bei mei­ner Arbeit in den Weg gelegt wur­den, sowie die Hal­tung des Ver­dachts und der Kri­tik gegen unse­re Hei­li­ge Mut­ter Kir­che — sogar bis zu der ver­leum­de­ri­schen Ankla­ge der >Zer­stö­rung des Cha­ris­mas< durch mei­ne Per­son.«

Die­ser Brief soll­te die »erste« offi­zi­el­le Ankla­ge wegen Fehl­ver­hal­tens gegen P. Manel­li sein, der beschul­digt wur­de, »Kon­trol­le über die Rück­la­gen« des Insti­tu­tes Lai­en über­tra­gen zu haben, »Per­so­nen, die gei­sti­ge Kin­der und Ver­wand­te des Grün­ders P. Ste­fa­no M. Manel­lis sind, sowie den Eltern etli­cher Schwe­stern«, um sie dem Ein­fluss des Kom­mis­sars zu ent­zie­hen. P. Volpi denun­zier­te die Ordens­mit­glie­der, die sich um die Errich­tung eines neu­en Insti­tu­tes küm­mer­ten, das den Alten Ritus pfle­gen soll­te. Er ord­ne­te auch an, die Lai­enorganisation der Ter­tia­ren bis auf wei­te­res zu sus­pen­die­ren.

Mit der Unter­bre­chung der Semi­nar­stu­di­en und der Aus­setzung des pri­va­ten Stu­di­en­pro­gramms wur­den die Theo­logiestudenten nach Rom ver­setzt, um dort ihr Stu­di­um fort­set­zen zu kön­nen. Phi­lo­so­phie­stu­den­ten wur­den an das Diö­ze­san­kol­leg von Beneven­to geschickt. Dia­kon- und Pries­terweihen wur­den für ein Jahr aus­ge­setzt. Alle Kan­di­da­ten für die ewi­gen Gelüb­de wur­den auf­ge­for­dert, for­mell in ei­nem »Eid« der Geset­zes­kon­for­mi­tät ihre Akzep­tanz der Or­dentlichen Form der Mes­se und der »Doku­men­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils« zu pro­to­kol­lie­ren. Kan­di­da­ten, die die­ser Auf­for­de­rung nicht nach­ka­men, wur­den sofort aus dem Insti­tut ent­las­sen. Jedes Ordens­mit­glied muss­te schrift­lich sei­ne Bereit­schaft bekun­den, als Fran­zis­ka­ni­scher Bru­der der Imma­ku­la­ta in der erneu­er­ten Form weiterzule­ben. Die Lai­en­mis­si­on der Imma­ku­la­ta Media­trix in Ita­li­en wur­de for­mell sus­pen­diert, genau wie der Dritt­or­den der FFI und alle Publi­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten — eine der Haupt­auf­ga­ben des Ordens — wur­den gestoppt.

P. Volpi beför­der­te einen der ursprüng­li­chen fünf Abtrün­nigen, P. Bru­no, zum Gene­ral­se­kre­tär (der die­se Amt heu­te nicht mehr beklei­det). Unter P. Manel­li war Bru­no mit den Public-Rela­ti­ons des Ordens und den sozia­len Netz­wer­ken beauf­tragt gewe­sen. Sei­ne Posi­ti­on in Bezie­hung zu den Me­dien war beson­ders nütz­lich, als die Kom­mis­si­on ihre Arbeit begann. Er war der erste, der die Ent­schei­dung des Vati­kans, einen Kom­mis­sar ein­zu­set­zen, öffent­lich mach­te und den Jour­na­li­sten eine ein­sei­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on der Lage gab. Ei­nige nann­ten ihn den Kopf der Brü­der, die anstreb­ten, das Insti­tut in eine libe­ra­le Rich­tung zu len­ken.

Wäh­rend P. Volpis »Schreckens­herr­schaft« ver­lie­ßen zahl­lose Brü­der die offi­zi­el­len Struk­tu­ren des Insti­tu­tes. Obwohl detail­lier­te Infor­ma­tio­nen über den der­zei­ti­gen Sta­tus des Ordens schwie­rig zu bekom­men sind, sagen Schät­zun­gen, dass mehr als zwei Drit­tel des Insti­tuts ver­such­ten, eine an­dere Lösung zu fin­den; vie­le Stim­men rie­fen nach einer Neu­gründung. Eine klei­ne Grup­pe von Brü­dern bat dar­um, das Insti­tut zu ver­las­sen, um auf den Phil­ip­pi­nen Zuflucht zu su­chen. Sechs Brü­der tra­ten an Erz­bi­schof Ramon Cabre­ra Argüel­les von Lipa her­an, um die Mög­lich­keit einer Neugrün­dung des Insti­tuts mit dem ursprüng­li­chen Cha­ris­ma inner­halb sei­ner Diö­ze­se in Angriff zu neh­men. Sie wur­den von P. Volpi und P. Bru­no ver­folgt und mit Sus­pen­si­on a divi­nis bestraft. Nor­ma­ler­wei­se ist die Bit­te, ein Insti­tut, einen Or­den oder eine Kon­gre­ga­ti­on zu ver­las­sen, üblich und wird aus einer tau­send­fa­chen Zahl von Grün­den gewährt. Im Fall der Brü­der der Imma­ku­la­ta wur­den alle Mit­glie­der am Aus­tritt gehin­dert und gezwun­gen in einer Atmo­sphä­re der Unter­drückung zu leben, eine Anord­nung, die nicht dem kano­ni­sche Recht ent­spricht. Inmit­ten all des­sen hat P. Volpi nie­mals geklärt, wel­che Ver­stö­ße sich der Orden hat zu Schul­den kom­men las­sen.

P. Volpis Anschul­di­gun­gen gegen P. Manel­li, sich mit dem Eigen­tum des Ordens davon zu machen, wur­den durch welt­liche Gerich­te abge­schmet­tert. Volpi hat­te Gerichts­ver­fah­ren wegen Ver­dachts auf Betrug, Ver­un­treu­ung und Doku­men­ten­fäl­schung ein­ge­lei­tet und P. Manel­li ant­wor­te­te dar­auf mit einer Ver­leum­dungs­kla­ge wegen Dif­fa­mie­rung gegen P. Volpi. Die Gerich­te ver­ur­teil­ten P. Volpi dazu, das Vermö­gen zurück­zu­ge­ben, dar­über hin­aus zur Zah­lung von 20.000 Euro Scha­dens­er­satz und einer öffent­li­chen Ent­schul­di­gung. Im Juli 2015 ent­schied das Gericht von Avel­li­no, dass es kein Fehl­ver­hal­ten von P. Manel­li oder sonst wem, der mit der FFI asso­zi­iert ist, gege­ben habe und ord­ne­te an, das Eigen­tum der Mis­si­on der Imma­ku­la­ta Media­trix (MIM) und des Drittor­dens der Fran­zis­ka­ni­schen Brü­der der Imma­ku­la­ta (TOFI) zurück­zu­ge­ben, das anfäng­lich von P. Volpi beschlag­nahmt wor­den waren. Der Wert die­ses Ver­mö­gens wur­de auf 3o Mil­lio­nen Euro geschätzt.

Erz­bi­schof Ramon Cabre­ra Argüel­les von Lipa auf den Phi­lippinen hat­te den sechs vor dem kom­mis­sa­ri­schen Regime flie­hen­den Brü­dern Zuflucht und ein celeb­ret — die Erlaub­nis, die Mes­se zu zele­brie­ren — in sei­ner Erz­diö­ze­se ange­boten. P. Volpis Reak­ti­on folg­te sofort: Er nahm im Herbst 2014 an der Bischofs­kon­fe­renz teil und dräng­te die Bischö­fe dazu, kei­ne Prie­ster auf­zu­neh­men, die das miss­han­del­te Ins­titut ver­las­sen woll­ten. Dabei beschul­dig­te er die Brü­der so­gar, den Papst »stür­zen« zu wol­len. In der Zwi­schen­zeit hat­te Erz­bi­schof Cabre­ra Argüel­les sei­nen Rück­tritt ange­kün­digt, drei Jah­re vor sei­nem vor­ge­se­he­nen Ruhe­stand, und die­ses Gesuch wur­de 2017 von Papst Fran­zis­kus ange­nom­men. Ob­wohl der Rück­tritt nicht unbe­dingt in Ver­bin­dung zu den Ereig­nis­sen hin­sicht­lich der Brü­der ste­hen muss, kann dies auch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Am 4. April 2016 ord­ne­te die Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leute dann in dem Reskript Ex audi­en­tia an, dass Bischö­fe zuerst den Vati­kan befra­gen müs­sen, bevor sie ein Insti­tut diö­ze­sa­nen Rechts in ihrer Diö­ze­se zulas­sen. Dies war die ein­zig for­mel­le Ant­wort des Pap­stes in Bezug auf die­se Angele­genheit und bil­det einen büro­kra­ti­sie­ren­den Schritt, weg vom »Graswurzel«-Ansatz, wenn es um Ordens­grün­dun­gen geht. Vie­le Kom­men­ta­to­ren waren sich dar­über einig, dass die­se Akti­on nur ein Ziel hat­te: Die Diö­ze­se auf den Phil­ip­pi­nen, die ver­sucht hat­te, eine Neu­grün­dung der Brü­der der Imma-kula­ta zu ermög­li­chen.

Die Schwestern der Immakulata

Ein Jahr nach der Über­nah­me der Brü­der wand­te der Vati­kan sei­ne Auf­merk­sam­keit den Schwe­stern zu. Kar­di­nal Braz de Aviz ord­ne­te eine Visi­ta­ti­on der Schwe­stern an, die von Schwe­ster Fer­nan­da Bar­bie­ro vom Insti­tut der Schwe­stern der hl. Doro­thea gelei­tet wer­den soll­te, die für ihre modera­ten femi­ni­sti­schen Ten­den­zen bekannt ist in einem »up-to-date«-Orden. Sr. Bar­bie­ro wur­de die glei­che Macht wie dem Kom­mis­sar der Brü­der über­tra­gen. Aber es gab einen ent­scheidenden Unter­schied: wäh­rend die Visi­ta­ti­on der Brü­der durch eine klei­ne Grup­pe von Abtrün­ni­gen ver­ur­sacht wur­de, stan­den die Schwe­stern völ­lig geeint gegen die Visi­tation und kei­ne ein­zi­ge hat­te Beschwer­de beim Vati­kan ein­gelegt.

Zwi­schen Mai und Juli 2014 rief Sr. Bar­bie­ro zwei ande­re apo­sto­li­sche Visi­ta­to­rin­nen für den kon­tem­pla­ti­ven Zweig des Insti­tu­tes hin­zu, die Prio­rin­nen der Armen Kla­ris­sen Schwe­ster Damia­na Tiberio und Cri­stia­na Mondo­ni­co, die, wie all­ge­mein bekannt, dem Alten Ritus mit Abnei­gung ge­genüberstanden. Die Visi­ta­to­rin­nen erklär­ten den Non­nen, dass sie zu viel bete­ten und zu viel Buße täten! Und dass sie »zu klau­su­riert« leb­ten und ein neu­es Bil­dungs­pro­gramm brauch­ten, das den Kri­te­ri­en des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils ent­sprä­che.

Die Schwe­stern der Imma­ku­la­ta reich­ten gegen die Aus­breitung der Macht der Visi­ta­to­rin­nen Beru­fung beim Tri­bunal der Apo­sto­li­schen Signa­tur ein, die damals noch von Ray­mond Kar­di­nal Bur­ke gelei­tet wur­de, der ver­sucht hat­te, die Brü­der zu schüt­zen. Die Signa­tur bestä­tig­te, dass die Visi­ta­to­rin­nen ihre ihnen durch das kano­ni­sche Recht zugewie­sene Kom­pe­tenz über­schrit­ten hat­ten. Vier Mona­te spä­ter wur­de Kar­di­nal Bur­ke von Papst Fran­zis­kus sei­ner Posi­ti­on als Vor­sit­zen­der der Signa­tur ent­ho­ben.

Worum ging es bei der ganzen Sache?

Am 7. Juni 2015 kamen die extre­men Maß­nah­men zu einem über­ra­schen­den Ende: P. Viden­zio Volpi erlitt einen Schlag­anfall. Er wur­de sofort ins Kran­ken­haus ein­ge­wie­sen, starb aber um 11.00 Uhr des­sel­ben Tages. Der neue Kom­mis­sar für das Insti­tut wur­de der Sale­sia­ner Sabi­no Ardi­to, einen Kir­chenrechtler, der die glei­che Auf­ga­be aus­führ­te, aber auf viel mode­ra­te­re Wei­se. Zum Zeit­punkt die­ser Nie­der­schrift ist der der­zei­ti­ge Sta­tus und die Anzahl der Mit­glie­der, die ge­blieben sind, nicht bekannt. Jüng­ste Nach­rich­ten berich­te­ten von einer Schlie­ßung von min­de­stens fünf­zehn der FFI-Nie­der­las­sun­gen, 6o Brü­der haben offi­zi­ell dar­um gebe­ten, von ihren Gelüb­den befreit zu wer­den — es ist nicht bekannt, wie vie­le ein­fach fort­ge­gan­gen sind — und zumin­dest eini­ge der Häu­ser der Schwe­stern kön­nen wegen der Kri­se kei­ne neu­en Beru­fun­gen anneh­men. Der neue Kom­mis­sar berei­tet sich dar­auf vor, die Kon­sti­tu­ti­on des Ordens neu zu schrei­ben und die beson­de­re Wei­he an Maria abzu­schaf­fen, eine Er­laubnis, die von Papst Johan­nes Paul II. erteilt wor­den war. Auch wur­de der Vor­schlag gemacht, das Gelüb­de der abso­luten Armut abzu­schaf­fen, sodass der Orden in Zukunft Im­mobilien besit­zen darf. Der Sinn die­ser Rege­lung scheint zu sein, es dem Vati­kan zu ermög­li­chen, den Orden durch sei­nen Besitz zu kon­trol­lie­ren.

P. Volpis Brie­fe und sein Agie­ren schaff­ten zumin­dest in einem Punkt Klar­heit: »Die Inter­ven­ti­on gegen die Franzis­kaner der Imma­ku­la­ta wur­de durch ihren wach­sen­den Hang zu tra­di­tio­nel­len katho­li­schen theo­lo­gi­schen Posi­tio­nen und nicht nur zur tra­di­tio­nel­len latei­ni­schen Mes­se aus­ge­löst.«

Wäh­rend vie­le Katho­li­ken ver­sucht haben, die Teil­ha­be und die Appro­ba­ti­on der Affä­re durch Papst Fran­zis­kus klein­zu­re­den, kann die kontinuier­liche Auf­lö­sung des Ordens nach P. Volpis Tod, vor allem, nach­dem es so vie­le Appel­le der Gläu­bi­gen an Fran­zis­kus gab, nur weni­ge im Zwei­fel las­sen.

Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster schrieb über das »Erstau­nen« der katho­li­schen Welt hin­sicht­lich der Angrif­fe auf den Orden: »Die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta waren eine der blü­hendsten Ordens­ge­mein­schaf­ten, die inner­halb der katho­lischen Kir­che in den letz­ten Jahr­zehn­ten gebo­ren wur­de.« Bemer­kens­wert ist auch, dass die Ordens­leu­te, die die Über­nahme über­wa­chen soll­ten, selbst aus Orden stam­men, die stark im Nie­der­gang begrif­fen sind; ein­schließ­lich der Kapu­zi­ner­pa­ter von Volpi und der Sale­sia­ner von P. Ardi­to. Wäh­rend die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta in nur etwas mehr als 40 Jah­ren ein expo­nen­ti­el­les Wachs­tum ver­bu­chen konn­ten, er­litt der Fran­zis­ka­ner­or­den in einem ähn­li­chen Zeit­raum einen dra­sti­schen Ein­bruch bei den Beru­fun­gen und schrumpf­te von 27 009 Mit­glie­dern 1965 auf 15 794 im Jah­re 2005 — ein Rück­gang von 41 Pro­zent. Die Fra­ge ist berech­tigt, ob nicht der Er­folg der FFI mit ihrem tra­di­tio­nel­le­ren Cha­ris­ma den Zorn der »Pro­gres­si­sten« auf sich gezo­gen hat, die sich mit dem Schei­tern ihres so Jah­re alten Pro­jek­tes kon­fron­tiert sahen.

Die­se Spe­ku­la­ti­on wur­de im Sep­tem­ber 2016 durch den Vati­ka­ni­sten Giu­sep­pe Nar­di wie­der­holt, der schrieb: »Der Kom­mis­sar und der Lei­ter der Ordens­kon­gre­ga­ti­on bestätig­ten, was Beob­ach­ter von Anfang an befürch­tet hat­ten: Der Grund für die Unter­su­chung war das oben beschrie­be­ne Merk­mal des Ordens. Ein Neu-Ritus-Orden, der sich auf den tra­di­tio­nel­len Ritus zube­weg­te, zahl­lo­se Beru­fun­gen unter jun­gen Men­schen ver­buch­te und die Auf­merk­sam­keit ande­rer Neu-Ritus-Orden auf sich zog, die Inter­es­se an die­ser >Er­folgsgeschichte< hat­ten, soll­te offen­bar nicht exi­stie­ren.« Die Zer­stö­rung der FFI war eine wohl­ver­stan­de­ne Bot­schaft an die ande­ren Orden, ihre Köp­fe ein­zu­zie­hen.

Bei alle­dem war die Hal­tung von Papst Fran­zis­kus typi­scher­wei­se undurch­sich­tig. Die zahl­lo­sen Peti­tio­nen und Anfra­gen von Gläu­bi­gen und Brü­dern stie­ßen auf tau­be Oh­ren. Er saß als Zuschau­er auf dem Olymp, um sich das Mes­sen der Kräf­te inner­halb des Vati­kans (Josd Rodri­guez Car­bal­lo und Kar­di­nal Braz de Aviz) anzu­se­hen, die in Machtpo­sitionen waren, aber eine frag­wür­di­ge Ver­gan­gen­heit hin­ter sich hat­ten. Kei­ne kano­ni­sche Ankla­ge wur­de jemals gegen P. Manel­li vor­ge­bracht, die infor­mel­len Ankla­gen blie­ben un­bewiesen und kein kirch­li­ches oder welt­li­ches Gericht ver­urteilte Manel­li wegen unan­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens. Aber selbst die Ver­ur­tei­lun­gen sei­nes eige­nen Kom­mis­sars durch die welt­li­chen Gerich­te ent­lock­ten dem Papst kei­ne Ant­wort.

Vie­le offe­ne Fra­gen ver­blei­ben, aber die viel­leicht dring­lichste ist die erste: Was war das wah­re Motiv für den Angriff auf die Fran­zis­ka­ni­schen Brü­der und Schwe­stern der Imma­ku­la­ta? Wenn es nicht um die lit­ur­gi­sche Fra­ge ging, war­um war das dann die erste Ein­schrän­kung, die sie zu erlei­den hat­ten? War­um wur­de nie ein ande­rer Grund genannt? Wa­rum wur­de nie ange­spro­chen, dass das Dekret von Kar­di­nal Braz de Aviz gegen Summorum Pontffi­cum ver­sto­ßen hat, ein päpst­li­ches Dekret?

Die­se Fra­gen wer­den alle umso dring­li­cher, wenn man den Fall der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta mit dem Fall der Legio­nä­re Chri­sti ver­gleicht. Der erste Orden wur­de vom frömm­lerischen P. Manel­li gegrün­det, der alle Anschul­di­gun­gen ge­gen ihn vor welt­li­chen Gerich­ten aus­ge­foch­ten hat; der zwei­te Orden wur­de von einem sexu­ell frei­zü­gi­gen Drogenabhängi­gen, Mar­cial Maciel, gegrün­det, der sei­ne Zeit sei­nen Mätres­sen wid­me­te wie auch dem Anhäu­fen eines Ver­mö­gens aus Spen­den von Rei­chen. Weni­ge Grup­pen reprä­sen­tier­ten die Alli­anz von Kir­che und Kapi­ta­lis­mus, gegen die Papst Fran­zis­kus regel­mä­ßig wet­ter­te, mehr als die Legio­nä­re. Im Ge­gensatz dazu waren die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta rein­ste Kin­der in der Welt kirch­li­cher Poli­tik. Ihre Nach­fol­ge des hl. Fran­zis­kus war voll­kom­men, in ihrem Leben der ech­ten Ar­mut, der welt­ent­sa­gen­den Unschuld und ihrer Hin­ga­be zu ih­rer geist­li­chen Beru­fung. Wo sonst wäre die »Kir­che der Ar­men« gewe­sen, von der Papst Fran­zis­kus seit Anbe­ginn sei­ner Wahl gespro­chen hat, wenn nicht hier?

Im Fall der Legio­nä­re Chri­sti wur­den die Anschuldigun­gen gegen den Grün­der und die Justiz­maß­nah­men von An­fang an offen­ge­legt. Vel­asio Kar­di­nal De Pao­lis ver­hielt sich ihnen gegen­über wie ein wohl­wol­len­der Vater, obwohl ihr Cha­ris­ma ein ganz ande­res war als das sei­ne.

Als Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger 2005 zum Papst gewählt wur­de, traf er per­sön­lich die Ent­schei­dung, im Fall Mar­cial Maciel, dem Grün­der der Legio­nä­re Chri­sti, zu ermit­teln. Dra­stisch unmo­ra­li­sches Ver­hal­ten wur­de mit Bewei­sen vor welt­li­chen und kirch­li­chen Gerich­ten belegt und the­matisiert. Bene­dikt XVI. bestraf­te nicht die Kon­gre­ga­ti­on als Gan­zes, ver­such­te aber behut­sam aus­zu­sie­ben, wel­che Aus­wirkungen des schlech­ten Ein­flus­ses des Grün­ders gehabt hat­te und was vom Cha­ris­mas bei­be­hal­ten wer­den konn­te.

Das war die Rich­tung, der Kar­di­nal De Pao­lis folg­te. Die Un­tersuchungen waren lang­wie­rig und schwie­rig, aber sie wur­den im Jah­re 2014 erfolg­reich abge­schlos­sen.

Als Jor­ge Ber­go­glio 2013 zum Papst gewählt wur­de, geneh­migte er die Unter­su­chung der Brü­der der Imma­ku­la­ta. Es wur­den kei­ne offi­zi­el­len Ankla­gen gegen den Grün­der P. Ste­fa­no Manel­li erho­ben und kei­ne Bewei­se vor­ge­legt. In den Medi­en wur­de eine Kam­pa­gne ent­facht, um P. Manel­lis Ruf zu zer­stö­ren, der mit Haus­ar­rest bestraft wur­de, ohne Mög­lichkeit sich selbst zu ver­tei­di­gen. Gleich­zei­tig wur­de sein Orden dem tyran­ni­schen Regime eines Kapu­zi­ner­pa­ters un­terstellt, der den ihn rui­nier­te und von Anfang an das Ziel ver­folg­te, ein wesent­li­ches Ele­ment des Insti­tutscha­ris­mas zu zer­stö­ren, den Alten Ritus der Mes­se.

Ver­gleicht man die Behand­lung der bei­den Insti­tu­te mitei­nander, erkennt man nur einen Unter­schied hin­sicht­lich ih­rer welt­li­chen Eigen­schaft. Die Legio­nä­re Chri­sti zeich­ne­ten sich seit ihrer Grün­dung dadurch aus, dass sie eine enge Be­ziehung zu rei­chen Spen­dern und finan­zi­el­len Insti­tu­tio­nen hat­ten, sowie durch ihre groß­zü­gi­gen Spen­den an den Vati­kan. Die­se schei­nen die Grün­de dafür gewe­sen zu sein, wa­rum die Anschul­di­gun­gen gegen ihren Grün­der zurückge­halten und für lan­ge Zeit unter­drückt wur­den. Die Fak­ten spre­chen für sich und wir sehen, wel­ches die­ser Kin­der der Kir­che Barm­her­zig­keit erfah­ren hat und wel­ches eine Här­te, die ihres­glei­chen sucht.

Das Buch ist jüngst im Reno­va­men Ver­lag erschie­nen und kann ver­sand­ko­sten­frei bei Falk­Me­di­en bestellt wer­den.

4 Kommentare

  1. Papst Bene­dikt war ein Mann des kon­struk­ti­ven Dia­logs. Wie vie­le Päp­ste vor ihm. Papst F. han­delt aus eher dem Bauch und schlägt frü­her zu . Dies ist natür­lich nur ein Bild im über­tra­ge­nen Sinne.Will sagen Papst F. kann glau­be ich Din­ge nicht so ver­ste­hen ‚die ihm fremd sind. Ein Papst muss aber inte­grie­ren kön­nen und das tun was der gesam­ten Kir­che dient. Nicht der Papst ist wich­tig, son­dern stets das Wohl und die Zukunft der Kir­che. Weis­heit, Klar­heit und Weit­sicht zeich­nen Papst Bene­dikt eme­ri­tus aus.Ob dies für den jet­zi­gen Papst gilt mögen ande­re beur­tei­len.

  2. Der Umgang von kirch­li­chen Vor­ge­setz­ten mit den Brü­dern und Schwe­stern der Fran­zis­ka­ner von der Imma­ku­la­ta spot­tet buch­stäb­lich jeder Beschrei­bung.
    Es macht einen ein­fach trau­rig, erken­nen zu müs­sen, welch selbst­herr­li­che Gestal­ten inzwi­schen in der Kir­che zu einem beacht­li­chen Teil das Sagen haben.
    Wenn man „Der Papst­dik­ta­tor“ gele­sen hat, müss­te einem m.E. spä­te­stens deut­lich wer­den, wes­halb der dama­li­ge SJ-Ordens­obe­re Pater Kol­ven­bach (wie katho­li­sches info berich­tet hat) einst davor gewarnt haben soll, Herrn Ber­go­glio zum Weih­bi­schof zu ernen­nen. Ich fra­ge mich, wes­halb man jenes Gut­ach­ten Pater Kol­ven­bachs damals igno­rier­te. Wel­che Leu­te waren es, die ein Inter­es­se dar­an hat­ten, aus­ge­rech­net die­sen Mann auf der kirch­li­chen „Kar­rie­re­lei­ter“ nach oben zu heben? Wel­che Moti­ve…? …
    Das Buch „Der Papst­dik­ta­tor“ ist übri­gens gut geeig­net als eine Hil­fe, um in Zei­ten der Ver­wir­rung den kla­ren Durch­blick zu behal­ten.
    Oder anders, mit einer alten Rede­wen­dung, aus­ge­drückt: Wenn man die Leu­te und den Weg kennt, dann scheut man nicht!

  3. Der Dik­ta­tor­papst fasst noch ein­mal zusam­men, was katholisches.info immer schon zeit­nah berich­tet hat. Das Buch ist aber trotz­dem nicht über­flüs­sig und gut les­bar.

    Über­rascht hat mich im Buch die Dar­stel­lung des bereits im Herbst 2012 geplan­ten Rück­tritts Bene­dikts XVI und die Schil­de­rung, Ber­go­g­liio habe über sei­ne Mit­tels­män­ner („Spio­ne“) im Vati­kan genau davon gewusst.

    Es wird dar­ge­legt, wie fie­ber­haft Ber­go­glio seit­dem tele­fo­nier­te und plan­te, aber nach außen hin den völ­lig Unbe­tei­lig­ten spiel­te.

    Skan­da­lös erscheint mir im Rück­blick die Tat­sa­che, dass Bene­dikt den ange­schla­ge­nen und resi­gnie­ren­den Ber­go­glio damals nach des­sen 75. Geburts­tag zwar hät­te eme­ri­tie­ren kön­nen, aber Ber­go­glio bat, noch eini­ge Zeit aus­zu­hal­ten.

    Es scheint mir auch unwahr­schein­lich, dass Bene­dikt nichts von der sog. St. Gal­len-Maf­fia wuss­te. Er kann­te ja sehr genau die pro­ges­si­ven Kräf­te seit dem II. Vati­ka­num.

    Man kommt nicht umhin anzu­neh­men, auch Bene­dikt habe am Ende resi­gniert. 2005 sah das noch nicht so aus. Zu die­sem Zeit­punkt schien es umge­kehrt. Damals war es Ber­go­glio, der wie gesagt resi­gnier­te, da das Pro­jekt St. Gal­len ange­sichts eines zu erwar­ten­den 10 bis 15 Jah­re dau­ern­den Pon­ti­fi­kats Ben­dikts geschei­tert schien.

    Alles in allem kann man schon sagen: es hat hier viel zu vie­le Merk­wür­dig­kei­ten, Zufäl­le und Nach­läs­sig­kei­ten gege­ben, so dass man nicht in Fra­ge stel­len kann, dass das Pon­ti­fi­kat Fran­zis­kus‘ das­je­ni­ge vie­ler Papst­weis­sa­gun­gen ist (bei­spiels­wei­se wie es Anna Katha­ri­na Emme­rick sah).

    Man kann heu­te zum Zustand der Nach­kon­zils­kir­che sagen: Im euro­päi­schen Westen ist das Chri­sten­tum nach und nach zum Huma­nis­mus gewor­den. Über lan­ge Zeit hin­weg und mit Beharr­lich­keit hat man den Gott­men­schen dort ver­engt und ihn schließ­lich zum Men­schen redu­ziert — zum unfehl­ba­ren Men­schen … Zu sehr wird das Den­ken der katho­li­schen Kir­che heu­te gelei­tet vom christ­lich-huma­ni­sti­schen Mini­ma­li­mus des Pro­te­stan­tis­mus, der von Chri­stus nur das Min­de­ste will, oft­mals auch gar nichts. An die Stel­le des Gott­men­schen als höch­sten Wert und letz­tes Kri­te­ri­um wur­de der Mensch gestellt (Zie­le des sog. Huma­nis­mus der Freimaurerei/christliche Frei­mau­re­rei). So voll­zog man die schmerz­li­che „Berich­ti­gung“ des Gott­men­schen, Sei­nes Werks und Sei­ner Leh­re!
    Man hat in der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che den Gott­men­schen in den Him­mel zurück­ge­schickt.

    Wir haben es heu­te inner­halb der Kir­che mit einer „mensch­li­chen Metho­de“ zu tun. Das huma­ni­sti­sche Chri­sten­tum ist in Wirk­lich­keit der ent­schei­den­de Pro­test gegen den Gott­men­schen und Sei­ne Wer­te, Sei­ne Kri­te­ri­en …

    Indem der Huma­nis­mus das Chri­sten­tum im Westen redu­zier­te, hat er es unbe­streit­bar ver­ein­facht. Damit hat er es aber auch auf den Kopf gestellt und zer­stört …

    Die Stim­men eini­ger Men­schen aus dem Pro­te­stan­tis­mus, die ver­lan­gen „Zurück zu Jesus!“ sind wie schwa­che Rufe des huma­ni­sti­schen Chri­sten­tums des Westens, das die gott­mensch­li­chen Wer­te und Maß­stä­be auf­ge­ge­ben hat und nun erstickt in den Gas­sen der Ver­zweif­lung, wäh­rend aus den Tie­fen der Jahr­hun­der­te die har­ten Wor­te des Pro­phe­ten Jere­mi­as her­aus­klin­gen: „Ver­flucht der Mensch, der sei­ne Hoff­nung auf den Men­schen setzt“ (Jer 17,5).

  4. Ergän­zend zu Alfons möch­te ich hin­zu­fü­gen, dass der Rück­tritt von Bene­dikt und die Tat­sa­che, dass es heu­te zwei Per­so­nen im Vati­kan gibt, wel­che die Insi­gni­en eines Pap­stes tra­gen, mehr als merk­wür­dig ist. In sei­nem letz­ten Schrei­ben unter­zeich­net
    Papst Bene­dikt mit „Josef Ratz­in­ger — Ben­dikt XVI“. Ich emp­fand dies mehr als merk­wür­dig. Dies ist doch ein sehr star­ker Hin­weis dar­auf, dass er auch heu­te- fünf Jah­re nach sei­ner Eme­ri­tie­rung- auf sei­ner päpst­li­chen Auto­ri­tät besteht. Er unter­schei­det sich damit voll­ends im Amts­ver­ständ­nis von sei­nen zurück­ge­tre­te­nen päpst­li­chen Vor­gän­gern wie Coele­stin V. Der wei­te­re Schlüs­sel zum Rück­tritt liegt in der schwie­ri­gen Deu­tung sei­ner Rück­tritts­re­de und der dort ver­wand­ten Wort­wahl.
    Auf da Ende des ersten Sat­zes möch­te ich hinweisen:…sed eti­am ut vobis deci­sio­nenm magni momen­ti pro eccli­siae vita com­mu­ni­cem.
    Pro steht im Kir­chen­la­tein immer als Hin­weis auf den Emp­fän­ger eines Opfers. Die ist Kon­kret das Leben der Kir­che. Mit ande­ren ‑Wor­ten sagt Bene­dikt, dass er sich für das Leben der Kir­che opfert und die­sen Schritt tut. Zum Ver­ständ­nis lau­tet die näch­ste Fra­ge wie defi­niert der Theo­lo­ge Kir­che. Es ist der Cor­pus Chri­sti mysti­cum mit sei­nen zwei Natu­ren, der mensch­li­chen und der gött­li­chen. Nach die­sem Ver­ständ­nis hält Bene­dikt mit sei­nem Opfer den Tod der mensch­li­chen Natur des cor­pus chri­sti mysti­kum auf. Es erin­nert an die Auf­ga­be des Katechon.
    Wenn dem so wäre ‚dann hät­te Bene­dikt auch heu­te eine heils­ge­schicht­lich bedeu­tung­vol­le Auf­ga­be, deren Bedeu­tung wir kaum über­schau­en könn­ten.

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