Was macht der Kardinalkämmerer der Kirche?

Kardinalkämmerer
Welche Aufgaben hat der Kardinalkämmerer der Heiligen Römischen Kirche?

(Rom) Am 5. Juli ver­starb Jean-Lou­is Kar­di­nal Tau­ran, der in sei­nen letz­ten vier Lebens­jah­ren Kar­di­nal­käm­me­rer der Kir­che war. Seit­her ist das Amt unbe­setzt.

Kardinal Jean-Louis Tauran
Kar­di­nal Jean-Lou­is Tau­ran (1943–2018)

Der Fran­zo­se Tau­ran hat­te bereits das Fran­zö­si­schen Kol­leg in Rom besucht und an der Gre­go­ria­na stu­diert. 1969 für das Erz­bis­tum Bor­deaux zum Prie­ster geweiht, wur­de er bereits 1973 wie­der nach Rom geschickt, um die Päpst­li­che Diplo­ma­ten­aka­de­mie zu absol­vie­ren. Seit­her stand er im Dienst des Hei­li­gen Stuhls. Ab 1990 stieg er in die Füh­rungs­ebe­ne der Römi­schen Kurie auf und wur­de 2003 zum Kar­di­nal kre­iert. Zuletzt war er seit 2007 Vor­sit­zen­der des Päpst­li­chen Rats für den Inter­re­li­giö­sen Dia­log und seit 2014 auch Kar­di­nal­käm­me­rer. Bei­de Funk­tio­nen sind seit sei­nem Tod vakant.

Wel­che Auf­ga­ben hat aber ein Kar­di­nal­käm­me­rer der Hei­li­gen Römi­schen Kir­che oder Came­ra­ri­us Came­rae Apo­sto­li­cae aus­zu­üben?

Im Ita­lie­ni­schen ist der Amts­in­ha­ber als Camer­len­go bekannt, eine Amts­be­zeich­nung, die noch deut­li­cher das ursprüng­li­che, ger­ma­ni­sche Wort Kamer­ling (Käm­me­rer) erken­nen läßt, das über das Alt­frän­ki­sche und wohl auch das Lan­go­bar­di­sche in die roma­ni­schen Spra­chen gelang­te. Wann genau das päpst­li­che Amt ent­stan­den ist, ist nicht mehr bekannt. Päpst­li­che Käm­me­rer sind nament­lich seit genau 900 Jah­ren über­lie­fert. Der älte­ste bekann­te Amts­in­ha­ber war der Bene­dik­ti­ner Gio­van­ni Caeta­ni, der 1118 zum hei­li­gen Papst Gelasi­us II. gewählt wur­de. Die Fami­lie Caeta­ni, eigent­lich Gaeta­ni von Gaeta in Süd­ita­li­en, die ihre goti­sche Abstam­mung von Waf­fen­ge­fähr­ten Theo­de­richs her­lei­te­ten, stell­te mit Boni­faz VIII. noch einen zwei­ten Papst.

Seit dem 15. Jahr­hun­dert wird das Amt des päpst­li­chen Käm­me­rers unun­ter­bro­chen von Kar­di­nä­len aus­ge­übt.

Gelasius II, (rechts) mit seinem Vorgänger Paschalis II.
Gelasi­us II, (rechts) mit sei­nem Vor­gän­ger Pascha­lis II.

Der Kar­di­nal­käm­me­rer hat vor allem zwei Auf­ga­ben zu erfül­len. Wenn der Papst aus Rom abwe­send ist, ver­wal­tet er die welt­li­chen Güter des Hei­li­gen Stuhls. Er stellt den Tod des Pap­stes fest mit der For­mel „Vere Papa mor­tuus est“ und nimmt ihm den Fischer­ring als Zei­chen sei­ner Amts­voll­mach­ten ab. Den Ring läßt er zer­bre­chen. Eine unge­wöhn­li­che Aus­nah­me bil­de­te der Ring von Johan­nes Paul II., der nur durch einen Krat­zer ungül­tig gemacht wur­de, wäh­rend jener von Bene­dikt XVI. noch intakt sein soll.

Der Käm­me­rer sorgt für die Ver­sie­ge­lung der päpst­li­chen Woh­nung und des Arbeits­zim­mers des Pap­stes. Er führt auch die Pro­zes­si­on zur Auf­bah­rung des toten Pap­stes im Peters­dom an.

Vor allem aber beruft er wäh­rend der Sedis­va­kanz das Kon­kla­ve ein und lei­tet des­sen Orga­ni­sa­ti­on zur Wahl eines neu­en Pap­stes.

Um sei­ne Posi­ti­on wäh­rend der Sedis­va­kanz anzu­zei­gen, wird sein per­sön­li­ches Kar­di­nal­s­wap­pen mit einem Bal­da­chin, dem soge­nann­ten Umbra­cu­lum, und den gekreuz­ten Petrus­schlüs­seln geziert. Kar­di­nal Tau­ran erleb­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit aber kei­ne Sedis­va­kanz. Zuletzt war dies 2013 der Fall, als Kar­di­nal Tar­ci­sio Ber­to­ne Kar­di­nal­käm­me­rer war. Nach dem Tod von Papst Johan­nes Paul II. 2005 hat­te Kar­di­nal Edu­ar­do Mar­ti­nez Soma­lo die­ses Amt inne. Beim Tod von Papst Pius XII. 1958 war es Kar­di­nal Bene­det­to Aloi­si Masel­la.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons