Sie schrien „Allahu akbar“: Zwei Angriffe

Islam
Gewalttaten in Frankreich mit muslimischem Hintergrund: Wo endet der Einzelfall, wo beginnt das Attentat?

(Paris) Der Schrecken des Atten­tats im Super­markt Leclerc in Sey­ne-sur-Mer sitzt noch in den Kno­chen, da ereig­ne­te sich in Frank­reich bereits der näch­ste Angriff. Bei bei­den ver­weist das Motiv auf den Islam, doch die Behör­den schei­nen das zu igno­rie­ren.

Eine 24jährige Mus­li­min, die bei der Poli­zei bereits wegen ande­rer Gewalt­de­lik­te akten­kun­dig war, betrat am Sonn­tag mit schwar­zem Umhang beklei­det und ver­hüllt den Super­markt und schrie „Alla­hu akbar: Ihr seid alles Ungläu­bi­ge!“. Dann ramm­te sie das mit­ge­führ­te Mes­ser einer Kun­din in die Brust und stach damit einer Ver­käu­fe­rin ins Auge.

Ob wegen des Wahns namens poli­ti­sche Kor­rekt­heit oder ob aus völ­li­ger Ver­ken­nung der isla­mi­schen Rea­li­tät, jeden­falls ord­ne­te die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft das Atten­tat sofort in die Rubrik Ein­zel­fall durch gei­stig Gestör­ten ein. Die Vor­ge­hens­wei­se kommt bekannt vor. Die amt­li­che Vor­ga­be scheint zu lau­ten: Dees­ka­la­ti­on um jeden Preis und kein Zusam­men­hang mit dem Islam her­stel­len.

Dage­gen spricht jedoch die Dyna­mik der Tat und das gebrauch­te Voka­bu­lar der Atten­tä­te­rin. Nichts scheint dem Zufall über­las­sen wor­den zu sein. Die Ermitt­lun­gen gehen unter­des­sen wei­ter, weil vie­le Punk­te des Vor­falls laut Ermitt­ler noch „unklar“ sei­en.

Inzwi­schen muß­ten die Pres­se­agen­tu­ren bereits die näch­ste Gewalt­tat mit isla­mi­schem Hin­ter­grund mel­den. Die schnel­le Abfol­ge der Atten­ta­te zeigt, daß die Ein­zel­fall­the­se ein behörd­li­ches und media­les Kon­strukt ist, um der poli­ti­schen Wirk­lich­keit nicht ins Auge sehen zu müs­sen und mehr noch, um die Bevöl­ke­rung davon abzu­hal­ten, die nöti­gen Schlüs­se dar­aus zu zie­hen.

Weni­ge Stun­den nach dem Angriff auf den Super­markt trat ein 29jähriger Mus­lim in den Nacht­stun­den auf gestern mit der­sel­ben Dyna­mik auf. Um 1.50 Uhr früh ver­such­te er zwei Beam­te der Poli­zei von Niz­za anzu­grei­fen. Auch er war mit einem Mes­ser bewaff­net, und auch er schrie den Opfern ent­ge­gen: „Ihr seid Ungläu­bi­ge, ich wer­de euch töten“.

Der Täter war von den bei­den Poli­zi­sten über­rascht wor­den, wie er das Rat­haus und eini­ge Stra­ßen und Gas­sen film­te. Als er ange­hal­ten wur­de, woll­te er sofort zum Angriff über­ge­hen. Die Beam­ten konn­ten ihn aber ent­waff­nen und fest­neh­men. Auch er war bereits poli­zei­be­kannt, aller­dings für die Anti­ter­ror­ein­hei­ten nach ersten Anga­ben ein unbe­schrie­be­nes Blatt.

Bei­de Vor­fäl­le wei­sen zahl­rei­che Ähn­lich­kei­ten auf. Es wirkt daher unver­ständ­lich, war­um die Behör­den sie als bana­le Ein­zel­ta­ten ein­stu­fen. Tat­sa­che ist, daß sich die Fran­zo­sen in ihren eige­nen Wohn­or­ten immer weni­ger sicher füh­len, vor allem auf den Stra­ßen nach Ein­bruch der Dun­kel­heit. Dort macht sich zuneh­mend eine Mischung aus mus­li­mi­schen Gewalt­tä­tern und gemei­nen Kri­mi­nel­len breit. Inwie­fern bei­de Grup­pen deckungs­gleich sind, kann man­gels ent­spre­chen­der Poli­zei­sta­ti­sti­ken besten­falls erahnt wer­den.

Solan­ge das Sicher­heits­ge­fühl der Bür­ger ange­schla­gen ist, weil sie sich auf den Stra­ßen im eige­nen Land nicht mehr sicher füh­len, erfül­len Poli­tik, Justiz und Poli­zei ihre Auf­ga­ben nicht aus­rei­chend. Patrouil­lie­ren­des Mili­tär in den fran­zö­si­schen Städ­ten ver­bes­sert nicht die Sicher­heit, son­dern zeigt nur fal­schen Aktio­nis­mus, der den gefühl­ten Sicher­heits­ver­lust ekla­tant bestä­tigt. Fran­zö­si­sches Mili­tär auf Frank­reichs Stra­ßen offen­bart vor allem die Hilf­lo­sig­keit der poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger, die ein­ge­schlos­sen in einen „alter­na­tiv­los“ erklär­ten Mul­ti-Kul­ti-Turm sich vor den eigent­li­chen Fra­gen drücken.

Text: Andre­as Becker
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

1 Kommentar

  1. Wäh­rend des Ver­bre­chens „Alla­hu akbar“ zu rufen, ist offen­bar noch kein Hin­weis auf ein isla­mi­sches Atten­tat.

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