„Homo-Segnung ist eine Art Wiedereinführung der Tempelprostitution“

Athanasius Schneider: „Canon 844 des Codex des Kirchenrechtes enthält eine problematische und widersprüchliche Formulierung“.
Athanasius Schneider: „Canon 844 des Codex des Kirchenrechtes enthält eine problematische und widersprüchliche Formulierung“.

Eini­ge Vor­stö­ße deut­scher Bischö­fe, ange­führt vom Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Rein­hard Kar­di­nal Marx, Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing, und von sei­nem Stell­ver­tre­ter Franz-Josef Bode, Bischof von Osna­brück, sor­gen nicht nur im deut­schen Sprach­raum, son­dern in der Welt­kir­che für Auf­se­hen und Kon­flik­te. Dazu gehö­ren Vor­schlä­ge wie Homo-Paa­re seg­nen zu wol­len (Stich­wort: Homo-Seg­nung) und pro­te­stan­ti­schen Ehe­part­nern von Katho­li­ken die Kom­mu­ni­on gewäh­ren zu wol­len (Stich­wort: Inter­kom­mu­ni­on). Für beson­de­re Unru­he sorgt, daß Papst Fran­zis­kus, selbst wenn direkt ange­ru­fen, zu den offe­nen Fra­gen schweigt.
Dar­über und zur Lage der Kir­che führ­te die bekann­te deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Katho­li­kin Mai­ke Hick­son ein Inter­view mit Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der von Asta­na, einem der pro­fi­lier­te­sten Bischö­fe der Welt­kir­che, das aus­zugs­wei­se wie­der­ge­ge­ben wird. Das voll­stän­di­ge Inter­view wur­de von One­Pe­ter­Fi­ve ver­öf­fent­licht.

Mai­ke Hick­son: Anfang des Jah­res haben Ver­tre­ter der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz einen Segen für homo­se­xu­el­le Paa­re vor­ge­schla­gen. Was wäre eine Ant­wort gemäß der katho­li­schen Leh­re dar­auf?

Bischof Atha­na­si­us Schnei­der: Homo­se­xu­el­len Paa­ren einen Segen zu geben, bedeu­tet, nicht nur die Sün­de außer­ehe­li­cher, sexu­el­ler Hand­lun­gen zu seg­nen, son­dern schlim­mer noch sexu­el­le Hand­lun­gen zwi­schen Per­so­nen des glei­chen Geschlechts also die Sün­de der Sodo­mie zu seg­nen, die fast in der gan­zen Mensch­heits­ge­schich­te und der gesam­ten christ­li­chen Tra­di­ti­on als eine him­mel­schrei­en­de Sün­de betrach­tet wur­de (s. Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 1867). War­um schreit die­se Sün­de zum Him­mel? Weil sie die Natur und die Ord­nung der mensch­li­chen Sexua­li­tät in der gegen­sei­ti­gen Ergän­zung der bei­den Geschlech­ter, wie sie von der unend­li­chen Weis­heit Got­tes erschaf­fen wur­de, zunich­te macht, befleckt und ihr direkt wider­spricht. Die homo­se­xu­el­len Hand­lun­gen oder homo­se­xu­el­len Reak­tio­nen wider­spre­chen direkt der Ver­nunft und jeder Logik und dem aus­drück­li­chen Wil­len Got­tes.
Die homo­se­xu­el­len Hand­lun­gen sind in sich so unsin­nig, daß man sie zum Bei­spiel mit dem Unsinn ver­glei­chen kann, den Mecha­nis­mus eines Sicher­heits­gur­tes, der durch das Ein­fü­gen der Schloß­zun­ge (männ­li­che Ver­bin­dung) in das Gurt­schloß (weib­li­che Ver­bin­dung) funk­tio­niert, zu behin­dern. Jeder Mensch mit gesun­dem Haus­ver­stand wird die Absur­di­tät erken­nen, einen Sicher­heits­gurt mit zwei Schloß­zun­gen oder zwei Gurt­schlös­sern ver­wen­den zu wol­len. Es wird nicht funk­tio­nie­ren, und in vie­len Fäl­len wird es den Tod zur Fol­ge haben, weil man ohne Schutz ist. Genau­so ver­ur­sa­chen homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen den geist­li­chen Tod, und nicht weni­ge Male auch den phy­si­schen Tod durch das extre­me Risi­ko von Geschlechts­krank­hei­ten.
Wenn Kle­ri­ker die Seg­nung homo­se­xu­el­ler Bezie­hun­gen för­dern, för­dern sie eine Sün­de, die zum Him­mel schreit, und sie för­dern damit eine logi­sche Absur­di­tät. Sol­che Kle­ri­ker bege­hen damit eine schwe­re Sün­de, und ihre Sün­de ist noch schlim­mer als die der homo­se­xu­el­len Part­ner, die sich seg­nen las­sen, weil sie die­sen Men­schen Anrei­ze für ein Leben der fort­wäh­ren­den Sün­de geben, und sie folg­lich der rea­len Gefahr der ewi­gen Ver­damm­nis aus­set­zen. Sol­che Kle­ri­ker wer­den sicher von Gott im Moment ihres per­sön­li­chen Urteils die­se ern­sten Wor­te hören:

„Wenn ich zu einem, der sich schul­dig gemacht hat, sage: Du mußt ster­ben!, und wenn du ihn nicht warnst und nicht redest, um den Schul­di­gen von sei­nem schuld­haf­ten Weg abzu­brin­gen, damit er am Leben bleibt, dann wird der Schul­di­ge sei­ner Sün­de wegen ster­ben; von dir aber for­de­re ich Rechen­schaft für sein Blut“ (Ez 3,18).

Die Kle­ri­ker, die homo­se­xu­el­le Prak­ti­ken seg­nen, füh­ren wie­der eine Art von heid­ni­scher Tem­pel­pro­sti­tu­ti­on ein. Ein sol­ches kle­ri­ka­les Ver­hal­ten kommt dem Abfall vom Glau­ben gleich, und für sie gel­ten voll und ganz die­se Wor­te der Hei­li­gen Schrift:

„Denn es haben sich eini­ge Leu­te ein­ge­schli­chen, die schon seit lan­gem für das Gericht vor­ge­merkt sind: gott­lo­se Men­schen, die die Gna­de unse­res Got­tes dazu miß­brau­chen, ein zügel­lo­ses Leben zu füh­ren, und die Jesus Chri­stus, unse­ren ein­zi­gen Herr­scher und Herrn, ver­leug­nen“ (Brief des Judas, 4).

Mai­ke Hick­son: Die deut­schen Bischö­fe stimm­ten im Febru­ar einer Hand­rei­chung zu, die es pro­te­stan­ti­schen Ehe­part­nern von Katho­li­ken erlaubt, in Ein­zel­fäl­len und nach einer gewis­sen Zeit der Unter­schei­dung regel­mä­ßig, die hei­li­ge Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen. Ist ein sol­cher Schritt der deut­schen Bischö­fe gemäß der Sakra­men­ten­ord­nung der Kir­che und der Not­wen­dig­keit, daß Katho­li­ken regel­mä­ßig zum Buß­sa­kra­ment gehen, über­haupt erlaubt und mög­lich?

Bischof Atha­na­si­us Schnei­der: Seit den Zei­ten der Apo­stel (vgl. Abg 2,42) sind die Inte­gri­tät des Glau­bens (Doc­tri­na Apo­sto­lo­rum), die hier­ar­chi­sche Gemein­schaft (com­mu­ni­ca­tio) und die eucha­ri­sti­sche Gemein­schaft (frac­tio panis) untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den. Bei der Zulas­sung eines getauf­ten Men­schen zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on soll­te die Kir­che ihn nie vom Bekennt­nis des voll­stän­di­gen katho­li­schen und apo­sto­li­schen Glau­bens ent­bin­den. Es genügt nicht, von ihm nur den katho­li­schen Glau­ben an das Sakra­ment der Eucha­ri­stie (oder das Sakra­ment der Buße und der Kran­ken­sal­bung) zu ver­lan­gen.
Einen Getauf­ten zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on zuzu­las­sen und von ihm als unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung dafür nicht die Annah­me aller katho­li­schen Wahr­hei­ten zu for­dern (z.B. die Dog­men des hier­ar­chi­schen und sicht­ba­ren Cha­rak­ters der Kir­che, des juri­sti­schen Pri­mats des Pap­stes, der Unfehl­bar­keit des Pap­stes, der Öku­me­ni­schen Kon­zi­le, des uni­ver­sa­len und all­ge­mei­nen Lehr­am­tes, die Mari­en­dog­men usw.), bedeu­tet einen Wider­spruch zur not­wen­di­gen, sicht­ba­ren Ein­heit der Kir­che und zum Wesen des eucha­ri­sti­schen Sakra­ments selbst. Die eigent­li­che Wir­kung der Eucha­ri­sti­schen Kom­mu­ni­on ist näm­lich die Mani­fe­sta­ti­on der voll­kom­me­nen Ver­ei­ni­gung der Glie­der der Kir­che im sakra­men­ta­len Zei­chen der Eucha­ri­stie. Der wirk­li­che Emp­fang der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on in der Katho­li­schen Kir­che – sogar in Aus­nah­me­fäl­len – durch einen pro­te­stan­ti­schen oder durch einen ortho­do­xen Chri­sten ist letzt­lich eine Lüge. Es wider­spricht dem sakra­men­ta­len Cha­rak­ter und der inne­ren, sakra­men­ta­len Wirk­lich­keit inso­fern, als die Nicht­ka­tho­li­ken, die zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wer­den, bereit­wil­lig wei­ter­hin sicht­bar einem ande­ren Glau­ben ihrer pro­te­stan­ti­schen bzw. ortho­do­xen Gemein­schaf­ten anhän­gen.
Wir kön­nen in die­sem Zusam­men­hang auch das pro­ble­ma­ti­sche und wider­sprüch­li­che Prin­zip des Canons 844 des Codex des Kir­chen­rechts (über die Ver­wal­tung bestimm­ter Sakra­men­te wie der Hei­li­gen Eucha­ri­stie für nicht­ka­tho­li­sche Chri­sten in Not­si­tua­tio­nen oder Todes­ge­fahr) erken­nen. Die­ses Prin­zip wider­spricht der apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on und der bestän­di­gen Pra­xis der katho­li­schen Kir­che durch zwei­tau­send Jah­re hin­durch. Schon in der unmit­tel­ba­ren nach­apo­sto­li­schen Zeit des zwei­ten Jahr­hun­derts befolg­te die römi­sche Kir­che die­se Regel, wie der hei­li­ge Justi­nus bezeugt: „Die­ses Mahl wird unter uns die Eucha­ri­stie genannt, an der nie­mand teil­ha­ben darf, außer dem, der glaubt, daß die Din­ge, die wir leh­ren, wahr sind“ (Apol. I,66). Das Pro­blem, das die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz jüngst erzeugt hat, ist – um genau zu sein – nur die logi­sche Kon­se­quenz der pro­ble­ma­ti­schen Zuge­ständ­nis­se, die der Canon 844 des Kir­chen­rechts for­mu­liert.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: One­Pe­ter­Fi­ve