Seminaristen von Paris lernen überlieferten Ritus kennen

Überlieferter Ritus
Sie Seminaristen des Priesterseminars von Paris entschieden in ihrer großen Mehrheit, die überlieferte Form des Römischen Ritus kennenlernen zu wollen.

(Paris) Die 80 Semi­na­ri­sten des Erz­bis­tums Paris haben am ver­gan­ge­nen 2. Febru­ar, an Mariä Licht­meß, der Hei­li­gen Mes­se in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus bei­gewohnt.

Zum Fest Prae­sen­ta­tio Jesu in Tem­plo und Puri­fi­ca­tio Mariae kam es in Paris zu einem bis­her bei­spiel­lo­sen Ereig­nis. Das erz­bi­schöf­li­che Prie­ster­se­mi­nar von Paris ist das größ­te diö­ze­sa­ne Prie­ster­se­mi­nar Frank­reichs. Am 1. Febru­ar nah­men die Semi­na­ri­sten an einem Bil­dungs­tag teil, an dem sie in der Pari­ser Kir­che Saint Eugè­ne-Sain­te Ceci­le von den dort täti­gen Prie­stern, dem Kir­chen­recht­ler Abbé Marc Guel­fuc­ci und Abbé Éric Ibor­ra, in die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus ein­ge­führt wur­den. Saint Eugè­ne-Sain­te Ceci­le ist eine biri­tu­el­le Pfar­rei des Erz­bis­tums Paris. Bei­de Prie­ster leh­ren zugleich auch als Pro­fes­so­ren am erz­bi­schöf­li­chen Prie­ster­se­mi­nar.

Heilige Messe an Mariä Lichtmeß
Hei­li­ge Mes­se an Mariä Licht­meß

An Mariä Licht­meß zele­brier­te dann der Abt des alt­ri­tu­el­len Bene­dik­ti­ner­klo­sters Le Bar­roux, Dom Lou­is-Marie de Gey­er d’Orth, mit den Semi­na­ri­sten in der Kir­che Saint-Louis-en‑l’Île, die dem fran­zö­si­schen König Lud­wig dem Hei­li­gen geweiht ist, die Hei­li­ge Mes­se in der soge­nann­ten außer­or­dent­li­chen Form, wie sie Papst Bene­dikt XVI. im Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum nann­te.

Nach Jahr­zehn­ten einer har­ten Ableh­nung und Aus­gren­zung des über­lie­fer­ten Ritus, gera­de in Frank­reich, wo der inner­kirch­li­che Kon­flikt durch eine star­ke tra­di­tio­na­li­sti­sche Bewe­gung beson­ders mar­kant war, zei­gen sich Anzei­chen einer Annä­he­rung. Das zeigt sich auch dar­an, daß es die Semi­na­ri­sten waren, die in ihrer abso­lu­ten Mehr­heit im Stu­di­en­jahr 2017/2018 das Stu­di­um der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus und das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum woll­ten, obwohl es laut Cor­ris­pon­den­za Roma­na nicht an Ver­su­chen der diö­ze­sa­nen Ver­ant­wort­li­chen für die Prie­ster­aus­bil­dung geman­gelt habe, sie davon abzu­brin­gen.

„Die Wirk­lich­keit ist anders, und berich­tet von einer Erneue­rung der Kir­che, in Frank­reich und anders­wo, dank der tra­di­tio­nel­len Orden und Gemein­schaf­ten, die Beru­fun­gen anzie­hen und inzwi­schen auch die Auf­merk­sam­keit des künf­ti­gen, diö­ze­sa­nen Kle­rus fin­den.“

Die Bene­dik­ti­ner­ab­tei Le Bar­roux, aus der der Zele­brant geru­fen wur­de, geht auf eine Grün­dung von Dom Ger­ard Cal­vet (1927–2008) zurück. Der Bene­dik­ti­ner lehn­te die Lit­ur­gie­re­form von 1969/1970 als schwer­wie­gen­den Bruch mit der Tra­di­ti­on ab und sich als Ein­sied­ler in die fran­zö­si­schen Alpen zurück. Nach­dem sich ihm Gefähr­ten anschlos­sen, begann er 1978 in Le Bar­roux mit dem Bau des Klo­sters.

Er unter­hielt enge Bezie­hun­gen zu der von Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re gegrün­de­ten Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., folg­te die­sem 1988 aber nicht auf dem Weg der von Rom nicht erlaub­ten Bischofs­wei­hen. Er löste die Ver­bin­dung zur Pius­bru­der­schaft und nahm das Ange­bot des Hei­li­gen Stuhls zur Ver­söh­nung an. Sei­ne alt­ri­tu­el­le Gemein­schaft wur­de von Rom kano­nisch aner­kannt, 1989 folg­te Cal­vets Abt­wei­he. Dom Lou­is-Marie de Gey­er d’Orth ist seit 2003 der zwei­te Abt von Le Bar­roux.

Das Semi­nar des Erz­bis­tums Paris ist zwar das größ­te diö­ze­sa­ne Prie­ster­se­mi­nar Frank­reichs, das größ­te Prie­ster­se­mi­nar des Lan­des ist mit mehr als 100 Semi­na­ri­sten jedoch jenes der Prie­ster­ge­mein­schaft Sankt Mar­tin (Com­mu­n­au­té Saint-Mar­tin), wo die Semi­na­ri­sten, im Gegen­satz zu den diö­ze­sa­nen Semi­na­ren, aber gleich wie in den Semi­na­ren der Tra­di­ti­on, die Sou­ta­ne (vestis tala­ris) tra­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ripo­ste Catholique/Corrispondenza Roma­na