Einziger traditionalistischer Territorialbischof besucht Papst Franziskus

Überlieferter Ritus Rifan Campos
Überlieferter Ritus: Msgr. Rifan mit seinen Seminaristen und Franziskus

(Rom) Am vergangenen Mittwoch, 7. Februar, besuchte der einzige traditionalistische Territorialbischof mit einigen seiner Seminaristen die Generalaudienz von Papst Franziskus in Rom. Der überlieferte Ritus hat in seinem Bistum zu einer weltweit einzigartigen Situation geführt.

Msgr. Fernando Areas Rifan ist seit 2002 Apostolischer Administrator der Apostolischen Personaladministration St. Johannes Maria Vianney. Die Personaladministration der überlieferten Form des Römischen Ritus entspricht dem Territorium des neurituellen Bistums Campos dos Goytacaze in Brasilien.

In den Grenzen der Diözese Campos existieren zwei Territorialjurisdiktionen der katholischen Kirche, eine für die Gläubigen des neuen Ritus und eine für die Gläubigen des überlieferten Ritus.

Die weltweit einzigartige Regelung geht auf Msgr. Antonio de Castro Mayer zurück, der nach seinem Studium an der Gregoriana in Rom 1948 von Papst Pius XII. zum Bischofkoadjutor von Campos ernannt wurde. Als wenige Monate später der Diözesanbischof verstarb, rückte Msgr. de Castro Mayer als Diözesanbischof nach.

Als solcher nahm er am Zweiten Vatikanischen Konzil teil und schloß sich dem Coetus Internationalis Patrum an, in dem sich als Reaktion auf die längst organisierten, progressiven Konzilsväter – wenn auch erst spät – eine Gegenbewegung formierte. In Brasilien stellte er sich entschlossen gegen die marxistisch ausgerichtete Befreiungstheologie.

1981 wurde er mit dem Erreichen der Altersgrenze als Bischof von Campos emeritiert.

Parallelbistum

In der Priestervereinigung vom hl. Johannes Maria Vianney (União Sacerdotal São João Maria Vianney, SSJV) sammelte er die Priester seines Bistums, die mit ihm an der überlieferten Form des Römischen Ritus festgehalten hatten.

Seminaristen und Priester der Tradition, die sie begleiteten,
Seminaristen und Priester der Tradition, die sie begleiteten, bei der Papstaudienz

1988 war er an der Seite von Erzbischof Marcel Lefebvre Ko-Konsekrator der vier Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) zu Bischöfen. Das brachte ihm die Exkommunikation durch Rom ein. Die SSJV erkannte die Exkommunikation ihres Gründers aber nicht an, weshalb es zum Bruch der SSJV mit Rom kam.

Als Msgr. de Castro Mayer 1991 starb wurde von den Bischöfen der Piusbruderschaft, deren Weihe zur Exkommunikation geführt hatte, der SSJV-Priester Licinio Rangel, dessen Nachfolger zum Bischof geweiht.

Unter Msgr. Rangel kam es ab 2000 zu einer Wiederannäherung an Rom, die Anfang 2002 zur kirchenrechtlichen Anerkennung der SSJV führte. Für die von ihr betreuten Gläubigen wurde die Apostolische Personaladministration errichtet und die Angehörigen der SSJV als deren inkardinierte Priester anerkannt.

Der Personaladministration Campos gehörten 2016 37 Priester und 33 Ordensfrauen an. Im Vergleich dazu zählte die neurituelle Diözese Campos 73 Diözesan- und 16 Ordenspriester sowie 22 Ordensmänner und 67 Ordensfrauen.

Besuch in Rom

Der seit 2002 amtierende Msgr. Fernando Rifan ist als Nachfolger von Msgr. Rangel der zweite Apostolische Administrator.

Am Ende der vergangenen Mittwochsaudienz konnte sich Bischof Rifan wie alle Bischöfe dem Papst zu einem kurzen Gruß nähern. Zusammen mit den ihn begleitenden Seminaristen wurde ein Erinnerungsphoto mit dem Papst aufgenommen.

Papst Franziskus grüßte den Bischof und die Seminaristen, als er die Gläubigen portugiesischer Sprache begrüßte. Ein Sprecher verlaß folgende Worte:

„Ich grüße die Pilger portugiesischer Sprache, besonders die Seminaristen der Apostolischen Administration St. Johannes Maria Vianney, die von ihrem Bischof begleitet werden. Liebe Freunde, macht in eurer Vorbereitung auf das Weiheamt  gerne die Bibel zur täglichen Nahrung eures Dialogs mit dem Herrn, damit den Leuten, wenn ihr ausgesandt werdet, das Wort Gottes zu verkünden, in eurem Leben ein sprechendes Zeugnis seiner Wirksamkeit begegnet. Danke für euren Besuch und betet für mich.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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6 Kommentare

  1. Die primäre Aufgabe des Priesters besteht nicht darin, den Inhalt der Bibel zu verkündigen wie ein protestantischer Prediger, sondern das hl. Meßopfer darzubringen und die hl. Sakramente zu spenden. Im übrigen halte ich es für unverantwortlich, wenn Bischof Rangel mit Soutane tragenden Seminaristen zu Bergoglio reist, denn damit riskiert er die baldige Unterstellung unter einen bergoglianischen Kommissar!

    • @catholicus. Die Gefahr der Vereinnahmung durch Papst Bergoglio ist in der Tat sehr groß. Zu hoffen, dass Bischof Rangel sich dessen im Klaren ist. Das schöne „Gruppenbild mit Papst“ ist einfach zu schön …

      • Erratum. Pardon wegen der Namensverwechslung. Bischof Msgr. Fernando Areas Rifan ist natürlilch von mir gemeint und nicht sein Vorgänger Rangel. Insgesamt ist Nardis Bericht (vermutlich nicht nur für mich) sehr interessant und zudem etwas ganz Neues. Auf jeden Fall ein schönes Bild! Merci.

    • Lieber catholicus, da sind Sie etwas über das Ziel hinaus geschossen. Wenn man von den 24 Stunden des Tages die Zeit für schlafen, essen usw. abzieht und auch noch fürs Breviergebet und die Messzelebration, bleiben jedem Priester noch viele Stunden übrig, von denen ich hoffe, ein jeder Priester nutzt diese für ein Apostolat. Sei es im kontemplativen Kloster durch mehr Gebet, sei es durch direktes missionarisches Wirken bei den Menschen, bei Gläubigen wie Ungläubigen, solchen von den Rändern wie solchen von der Mitte auch und gerade durch Verkündigung des hl. Evangeliums (immerhin O-Ton Christi) und des hl. kath. Glaubens. Und wenn er die Menschen zu Christus führt, dann wird er sie auch taufen, dann ihre Beichte hören usw., aber Deutschland ist Missionsland und braucht solche Verkündiger.

    • Ich denke dasselbe. Grob fahrlässig von diesem Bischof. Seine Ablösung ist ebenso wie die Unterdrückung des überlieferten Messritus ab jetzt nur noch eine Frage der Zeit.

  2. Msgr. Rifan droht vom Papst gewiß kein Ungemach. Campos ist aus Sicht der Liberalen ein Kuriosum, welches aus diversen Gründen geduldet werden kann. Kennt man die Geschichte von Campos weiß man, daß Campos unter Rifan kaum mehr etwas mit der Zeit de Castro Mayers zu tun hat. Rifan hat weder die Autorität und das Charisma de Castro Mayers noch dessen großartige Begabung die kirchliche Situation umfassend zu analysieren und daraus konsequente Schlüsse zu ziehen.

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