Die Freude der Liebe: Freuden, Betrübnisse und Hoffnungen

Ist Papst Franziskus auf einem Auge blnd? Diese Frage stellt sich angesichts seiner eigenen Reaktionen und die seiner Vertrauten und Gefolgsleute auf Kritik am umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia. Unterdessen geht die Säuberung der Kirche gegen Kritiker weiter, wie die Entlassung von Prof. Josef Seifert zeigt.
Ist Papst Franziskus auf einem Auge blnd? Diese Frage stellt sich angesichts seiner eigenen Reaktionen und die seiner Vertrauten und Gefolgsleute auf Kritik am umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia. Unterdessen geht die Säuberung der Kirche gegen Kritiker weiter, wie die Entlassung von Prof. Josef Seifert zeigt.

Der bekann­te öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph Josef Sei­fert wur­de von Msgr. Javier Mar­ti­nez Fer­nan­dez, Erz­bi­schof von Gra­na­da, aus der Inter­na­tio­na­len Aka­de­mie für Phi­lo­so­phie (Aca­de­mia Inter­nacio­nal de Filosofà­a — Insti­tu­to de Filosofà­a Edith Stein) aus­ge­schlos­sen, deren maß­geb­li­cher Mit­grün­der Sei­fert war, die aber seit 2011 vom Erz­bi­schof von Gra­na­da abhängt. Grund für die „dra­sti­sche Maß­nah­me“ (Rober­to de Mattei) ist Kri­tik, die Prof. Sei­fert am umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia geübt hat­te. Im Som­mer 2016 hat­te er eine aus­führ­li­che und fun­dier­te Ana­ly­se des päpst­li­chen Schrei­bens vor­ge­legt und Papst Fran­zis­kus dar­in ersucht, eine Aus­sa­ge, die Sei­fert für „falsch“ und mit der über­lie­fer­ten Leh­re der Kir­che unver­ein­bar hält, zurück­zu­neh­men.
Die Ana­ly­se war zunächst aus unge­klär­ten Grün­den in einer unfer­ti­gen Fas­sung ins Inter­net gera­ten und wegen der gro­ßen Auto­ri­tät Sei­ferts umge­hend in ver­schie­de­ne Spra­chen über­setzt wor­den. Eine Tat­sa­che, die den Phi­lo­so­phen wegen der Bedeu­tungs sei­ner inhalt­li­chen Kri­tik, aber auch der damit ver­bun­de­nen, heik­len Situa­ti­on, da der Papst im Zen­trum der Kri­tik steht, sehr betrüb­te. Katholisches.info ver­öf­fent­lich­te im Ein­ver­ständ­nis mit Prof. Sei­fert und AEMAET — Wis­sen­schaft­li­che Zeit­schrift für Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie die End­fas­sung sei­ner Ana­ly­se, so wie er sie gedacht hat­te und wie sie allein Gül­tig­keit hat (sie­he dazu Rober­to de Mattei: Wer trennt sich von der Kir­che?).
Im August ließ Prof. Sei­fert eine kür­ze­re Fas­sung sei­ner Kri­tik fol­gen. Hat­te ihm der erste Text die Sus­pen­die­rung sei­nes Lehr­auf­tra­ges ein­ge­bracht, wur­de er nach dem zwei­ten Text nun vom zustän­di­gen Erz­bi­schof von Gra­na­da ent­las­sen.
Aus aktu­el­lem Anlaß, wegen ihrer Bedeu­tung und wegen des unvoll­stän­di­gen, im Inter­net zir­ku­lie­ren­den Ent­wur­fes, ver­öf­fent­li­chen wir Prof. Sei­ferts erste, aus­führ­li­che Ana­ly­se erneut, damit sich die Leser mit sei­ner Kri­tik aus­ein­an­der­set­zen und selbst ein Bild machen kön­nen, wofür in der „barm­her­zi­gen“ Kir­che von Papst Fran­zis­kus hoch­ver­dien­te und dem kirch­li­chen Lehr­amt treue Katho­li­ken bestraft wer­den.

Die Freude der Liebe: Freuden, Betrübnisse und Hoffnungen

von Josef Sei­fert*

Vorbemerkung

Seit der von mir nicht auto­ri­sier­ten Ver­öf­fent­li­chung mei­nes Arti­kels über Amo­ris Lae­ti­tia („Lágri­mas … Trä­nen… “) in meh­re­ren Spra­chen habe ich beschlos­sen, sei­ne kor­rek­te und von mir appro­bier­te Fas­sung zu ver­öf­fent­li­chen. Vor der Ver­öf­fent­li­chung die­ses Arti­kels habe ich an sei­ne Hei­lig­keit Papst Fran­zis­kus einen per­sön­li­chen Brief geschrie­ben. Der Brief ist eben­so­we­nig wie die­ser Arti­kel „gegen den Papst“ gerich­tet. Als Katho­lik glau­be ich viel­mehr, daß Papst Fran­zis­kus der Stell­ver­tre­ter Jesu Chri­sti auf Erden ist, der Nach­fol­ger des Hei­li­gen Petrus, der Fels, auf dem Jesus sei­ne Kir­che errich­tet hat, der „Hei­li­ge Vater“. Dar­über hin­aus habe ich Papst Fran­zis­kus mei­ne vol­le Erge­ben­heit vor sei­ner Auf­ga­be des Lehr­am­tes zum Aus­druck gebracht, vor ihm als dem ober­sten irdi­schen Ver­tre­ter unse­res ein­zi­gen Leh­rers Jesus Chri­stus in der hei­li­gen, katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che, der „Säu­le der Wahr­heit.“ Ich sage dies hier, um jedem Ein­druck zu weh­ren, als wol­le ich den Papst angrei­fen, ihm scha­den oder sei­ne Recht­mä­ßig­keit bestrei­ten. Viel­mehr hat mei­ne Kri­tik das Ziel, ihn zu unter­stüt­zen und ihm in sei­ner grund­le­gen­den Auf­ga­be der Leh­re der Wahr­heit bei­zu­ste­hen.

1 Einführung

1.1 Die Freude über Amoris Laetitia

Auf der gan­zen Welt haben vie­le Stim­men mit Freu­de und Lob auf das letz­te Doku­ment von Papst Fran­zis­kus, das nach­syn­oda­le Apo­sto­li­sche Schrei­ben Amo­ris Lae­ti­tia (AL) reagiert. (((Vgl. Fran­zis­kus 2016).)) Und die­ser Text ent­hält zwei­fel­los vie­le schö­ne Gedan­ken und tie­fe Wahr­hei­ten, die uns die Schön­heit und das Glück der wah­ren Lie­be vor Augen füh­ren, Gott ver­herr­li­chen und den Leser beglücken. Vor allem strahlt der Text die barm­her­zi­ge Lie­be Got­tes und des Pap­stes für alle Men­schen in jeder Situa­ti­on der wirt­schaft­li­chen oder mora­li­schen Armut und des mate­ri­el­len und geist­li­chen Reich­tums, der Sün­de und der Tugend, aus. Der Text ent­hält Schät­ze der Weis­heit. Vor allem stellt Amo­ris Lae­ti­tia – wie Jesus, der uns in sei­nen Wor­ten, den Wor­ten des Gott­men­schen selbst, in sei­nem Gespräch mit Niko­de­mus die Zusam­men­fas­sung des Evan­ge­li­ums schenk­te – die Lie­be und unend­li­che Barm­her­zig­keit, mit der Gott uns alle durch die Mensch­wer­dung, das Lei­den, den Tod und die Auf­er­ste­hung sei­nes ein­zig gelieb­ten Soh­nes Jesus Chri­stus geliebt und erlöst hat, in den Mit­tel­punkt der Bot­schaft Chri­sti. Mit der gan­zen katho­li­schen Welt tei­le ich die Freu­de über all die­se Aspek­te und über ande­re kost­ba­re Tei­le der Leh­re von AL über die Ehe, das Geschenk des Lebens und das unge­heu­re Übel der Abtrei­bung.

1.2 Trauer über Amoris Laetitia und Bitte um Klarstellungen und Korrekturen

Aber trotz aller Freu­de über die schö­ne Bot­schaft der Freu­de der Lie­be und all des Lobes sei­tens vie­ler Bischö­fe, Kar­di­nä­le und Lai­en, den­ke ich, daß eini­ge Pas­sa­gen von AL, und zwar gera­de die­je­ni­gen, die die größ­te Wir­kung haben dürf­ten, Anlaß zu gro­ßer Sor­ge und auch tie­fer Trau­rig­keit sind, weil nicht nur eini­ge von ihnen leicht zu Miß­ver­ständ­nis­sen und in deren Fol­ge zu Miß­brauch füh­ren kön­nen, son­dern auch weil ande­re – zumin­dest schein­bar – in Kon­flikt mit dem Wort Got­tes und der Leh­re der hei­li­gen katho­li­schen Kir­che über die mora­li­sche Ord­nung, über in sich schlech­te und unge­ord­ne­te Hand­lun­gen, über die Gebo­te Got­tes und unse­re Fähig­keit, sie mit Hil­fe der Gna­de zu erfül­len, über die Gefahr der ewi­gen Ver­damm­nis (der Höl­le), über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe und die Hei­lig­keit der Sakra­men­te der Eucha­ri­stie und Ehe, sowie über die sakra­men­ta­le Dis­zi­plin und Pasto­ral der Kir­che, die sich aus dem Wort Got­tes und der 2000jährigen Tra­di­ti­on der Kir­che ergibt, ste­hen.

Daher sehe ich mich gezwun­gen, als Phi­lo­soph, der für die Inter­na­tio­na­le Aka­de­mie für Phi­lo­so­phie und sein Leben das Mot­to dili­ge­re veri­tatem omnem et in omni­bus, alle Wahr­heit lie­ben und sie in allem lie­ben gewählt hat, und als Katho­lik, nicht nur dem Papst per­sön­lich, son­dern auch allen Katho­li­ken und allen Lesern die­ses Auf­sat­zes die Grün­de die­ser Trau­rig­keit mit­zu­tei­len. Dabei hege ich die Hoff­nung, daß auch vie­le von ihnen den Papst mit dem Feu­er der Lie­be zu Gott und den unsterb­li­chen See­len anfle­hen wer­den, eini­ge Pas­sa­gen von AL zu klä­ren und ande­re zu kor­ri­gie­ren.

Nicht nur auf Grund der Pflicht, die nicht auto­ri­sier­te Ver­öf­fent­li­chung mei­nes ersten Ent­wurfs zu die­sem Arti­kel zu kor­ri­gie­ren, son­dern auch auf Grund der Tat­sa­che, daß Amo­ris Lae­ti­tia ein öffent­li­ches Doku­ment ist, und nicht eine pri­va­te Ver­laut­ba­rung, möch­te ich die vor­lie­gen­de letz­te Ver­si­on mei­nes Arti­kels nicht nur dem Hei­li­gen Vater in einem per­sön­li­chen Schrei­ben unter­brei­ten, son­dern auch ver­öf­fent­li­chen. Denn mei­ner tie­fen Über­zeu­gung nach erfor­dern auch und gera­de unkla­re Aus­sa­gen, die sich ent­ge­gen­ge­setz­ten Inter­pre­ta­tio­nen aus­set­zen, drin­gend Klar­stel­lun­gen. Und päpst­li­che Aus­sa­gen, die, jeden­falls in ihrer For­mu­lie­rung, falsch sind oder auch nur falsch zu sein und der Leh­re der Kir­che zu wider­spre­chen schei­nen, erfor­dern eben­so drin­gend Kor­rek­tu­ren.

Durch die Ver­öf­fent­li­chung die­ser kri­ti­schen Gedan­ken fol­ge ich dem Bei­spiel des hl. Pau­lus, der den ersten, von Jesus selbst ein­ge­setz­ten Papst Petrus öffent­lich kri­ti­siert hat, ein Bei­spiel, das der hl. Tho­mas uns allen als ein Modell unse­res Han­delns unter bestimm­ten Umstän­den und als eine sehr ern­ste Ver­pflich­tung auch dann vor Augen stellt, wenn sol­che offe­ne Kri­tik bei eini­gen Men­schen oder Bischö­fen ein Ärger­nis aus­löst. ((Tho­mas von Aquin schreibt in sei­nem Kom­men­tar zum Gala­ter­brief: Caput II, Lec­tio III.:
„Der Anlaß der Zurecht­wei­sung aber war nicht gering­fü­gig, son­dern gerecht und nütz­lich, denn es bestand Gefahr für die Ver­kün­di­gung der Wahr­heit des Evan­ge­li­ums. So war Petrus tadelns­wert, doch ich allein [wider­stand ihm], als ich sah, daß jene, die sich so der Wahr­heit des Evan­ge­li­ums gegen­über ver­hiel­ten, nicht gerecht wan­del­ten, weil dadurch die Wahr­heit zugrun­de­gin­ge, wenn die Hei­den gezwun­gen wür­den, das Gesetz zu erfül­len, wie sich unten zei­gen wird. Daß sie aber nicht recht wan­del­ten (han­del­ten), d. h. weil die Wahr­heit vor allem dort, wo eine Gefahr droht, öffent­lich ver­kün­det wer­den muß, und man auch nicht wegen des öffent­li­chen Ärger­nis­ses, das (des Ansto­ßes, den) eini­ge dar­an neh­men, das Gegen­teil tun darf, [erkann­te ich klar]. Die Art des Tadels [an Petrus] aber war ange­mes­sen, denn sie war öffent­lich und mani­fest. Daher sagt er [Pau­lus], er habe dem Kephas, d. h. Petrus, vor allen wider­spro­chen, weil jene Falsch­heit (simu­la­tio illa) [daß Petrus von den Hei­den aus fal­scher Rück­sicht gegen­über den Juden­chri­sten die Beschnei­dung und stren­ge Geset­zes­er­fül­lung ver­lan­gen woll­te und dabei sel­ber nur vor­täusch­te, alle Tei­le des mosai­schen posi­ti­ven Geset­zes zu erfül­len] allen zur Gefahr gereich­te. Tim. V, 20: ‚Wei­se den Sün­der vor allen zurecht!‘ Dies muß man in Bezug auf öffent­li­che Sün­den ver­ste­hen, nicht von gehei­men, in Bezug auf die man das Gesetz der brü­der­li­chen Zurecht­wei­sung wah­ren muß.“ (Tho­mas 1953, Caput II, Lec­tio III.), Über­set­zung aus dem Latei­ni­schen von Josef Sei­fert.)) Denn die Wahr­heit hat hier den Pri­mat.

Die Pas­sa­gen, die mei­ner Mei­nung nach drin­gend Klar­stel­lun­gen oder Kor­rek­tu­ren erfor­dern, sind manch­mal in weni­gen Zei­len und in Fuß­no­ten im ach­ten Kapi­tel ver­steckt.

Eini­ge For­mu­lie­run­gen in AL, die gefähr­lich zwei­deu­tig schei­nen, schrei­en nach Klä­rung, ande­re – und damit gehe ich einen Schritt wei­ter als Bischof Atha­na­si­us Schnei­der in sei­nem erha­be­nen offe­nen Brief an den Papst (((Vgl. Schnei­der 20016).)) – hal­te ich für falsch und glau­be, sie soll­ten vom Hei­li­gen Vater selbst wider­ru­fen wer­den. Ich begin­ne mit der Bit­te um Klar­stel­lun­gen und schla­ge eini­ge fun­da­men­ta­le Klä­run­gen vor.

Ist die Zulas­sung von Paa­ren in soge­nann­ten ‘irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen’ zu den Sakra­men­ten mit der Leh­re der Kir­che ver­ein­bar? Phi­lo­so­phi­sche und theo­lo­gi­sche Klä­run­gen und Unter­schei­dun­gen

Der Papst gewährt „Paa­ren in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ die teil­wei­se bereits von Kar­di­nal Ratz­in­ger erwo­ge­ne Zulas­sung zu den Sakra­men­ten. (Aller­dings bewo­gen meh­re­re sehr schwer­wie­gen­de Grün­de, die er selbst und der hei­li­ge Papst Johan­nes Paul II. äußer­ten, Sei­ne Emi­nenz Kar­di­nal Ratz­in­ger als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on und dann als Papst Bene­dikt XVI., die­sen Vor­schlag, den er als Erz­bi­schof von Mün­chen gemacht hat­te, zurück­zu­zie­hen (((Vgl. Ratz­in­ger 1972 S. 54).)) ). ((In der Ver­si­on von 2014, die im Rah­men der Publi­ka­ti­on des Gesamt­werks von Ratzinger/Papst Bene­dikt XVI. erschie­nen ist, wur­de der zwei­te Absatz der Schluss­fol­ge­run­gen radi­kal geän­dert. (Vgl. Ratz­in­ger / Bene­dikt XVI. 2014b), (Vgl. Ratz­in­ger / Bene­dikt XVI. 2014c),(Vgl. Ratz­in­ger / Bene­dikt XVI. 2014a), (Vgl. auch Cor­bett O.P. u. a. 2014).))

2.1 Wer sind die ‘Paare in irregulären Situationen’, die von der Kirche zum Zugang zu den Sakramenten eingeladen werden? Eine Klarstellung

Daher müs­sen wir wei­ter fra­gen, wer sind denn die­se „Paa­re in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“, die zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den dür­fen und sol­len? Fuß­no­te 351 von AL ((In AL Fuß­no­te 351 heißt es:
„In gewis­sen Fäl­len könn­te es auch die Hil­fe der Sakra­men­te sein. Des­halb ‘erin­ne­re ich [die Prie­ster] dar­an, dass der Beicht­stuhl kei­ne Fol­ter­kam­mer sein darf, son­dern ein Ort der Barm­her­zig­keit des Herrn’ (Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um [14. Novem­ber 2013], 44: AAS 105 [2013], S. 1038). Glei­cher­ma­ßen beto­ne ich, dass die Eucha­ri­stie ‘nicht eine Beloh­nung für die Voll­kom­me­nen, son­dern ein groß­zü­gi­ges Heil­mit­tel und eine Nah­rung für die Schwa­chen’ ist (ebd., 47: AAS 105 [2013], S. 1039).“ (Fran­zis­kus 2016, Fn. 351).)) bie­tet die­se Klar­stel­lung jeden­falls nicht, mit der Fol­ge, daß eini­ge Bischofs­kon­fe­ren­zen wie etwa die phil­ip­pi­ni­sche und die deut­sche, eine sol­che Aus­le­gung der Beant­wor­tung die­ser Fra­ge durch AL geben, daß Kar­di­nal Mül­ler unlängst sehr zu recht an die deut­schen Bischö­fe eine War­nung vor der gro­ßen Gefahr einer Kir­chen­spal­tung gerich­tet hat, die nicht weni­ger schwer­wie­gend wäre als jene im 16. Jahr­hun­dert. Daher habe ich Sei­ne Hei­lig­keit in mei­nem Brief lei­den­schaft­lich gebe­ten, uns, um die Ver­wir­rung zu ver­mei­den, die in vie­len Tei­len der Kir­che durch „wil­de“ Inter­pre­ta­tio­nen von Amo­ris Lae­ti­tia ent­stan­den ist, eine Klä­rung meh­re­rer zen­tra­ler Fra­gen zu schen­ken.

Ich möch­te im fol­gen­den durch eine Ana­ly­se von vier sehr unter­schied­li­chen und teil­wei­se radi­kal gegen­sätz­li­chen, die aktu­el­le Dis­kus­si­on bestim­men­den Ant­wor­ten auf unse­re Fra­ge, von denen mei­ner Über­zeu­gung nach nur eine rich­tig ist, aus­ge­hend, einen beschei­de­nen Ver­such einer sol­chen Klä­rung machen.

2.1.1 Keine ‘Paare in irregulären Situationen’ (Ehebrecher, in Promiskuität lebende oder homosexuelle Paare)?

Die­se Ant­wort ist jene, die Mon­si­gno­re Livio Meli­na, Erz­bi­schof Cha­put von Phil­adel­phia, Kar­di­nal Bur­ke und ande­re geben oder gege­ben haben, die sagen, AL habe an der katho­li­schen sakra­men­ta­len Dis­zi­plin nichts ver­än­dert. Ande­rer­seits hat offen­sicht­lich AL ver­sucht, etwas an der sakra­men­ta­len Ord­nung zu ändern, was schon rein logisch dar­aus folgt, daß Fuß­no­te 351 eini­ge Paa­re zu dem Sakra­ments­emp­fang zuläßt, die bis dato von der Kir­che vom Sakra­ments­emp­fang abso­lut aus­ge­schlos­sen waren.
Daher mei­ne ich, daß die­se erste Ant­wort auf unse­re Fra­ge kei­ne Aus­le­gung des Tex­tes von AL sein kann, son­dern viel­mehr ein Urteil über des­sen Cha­rak­ter und Stil sowie über Wert, Rang und Wir­kung von AL ist. So hat etwa Kar­di­nal Bur­ke in nicht undeut­li­chen Wor­ten gesagt, daß AL sei­ner Mei­nung nach nicht unter die Doku­men­te der päpst­li­chen Lehr­schrei­ben zu zäh­len, son­dern bloß der schrift­li­che Aus­druck der post­syn­oda­len per­sön­li­chen Refle­xio­nen des Pap­stes sei.

Kar­di­nal Bur­ke, Livio Meli­na, Kar­di­nal Mül­ler und eini­ge ande­re Inter­pre­ten haben hin­zu­ge­fügt, daß ein blo­ßer Feder­strich in einer ein­zi­gen Fuß­no­te (351) durch ihren Man­gel an ange­mes­se­ner Form unfä­hig ist, eine sakra­men­ta­le Dis­zi­plin und eine Tra­di­ti­on von 2000 Jah­ren der katho­li­schen Kir­che, sowie den Kate­chis­mus der katho­li­schen Kir­che und Codex Iuris Cano­ni­ci zu ändern. In die­sen Tex­ten ist die kirch­li­che sakra­men­ta­le Dis­zi­plin, die jedem objek­tiv in schwer sünd­haf­ter Wei­se (in „irre­gu­lä­rer Situa­ti­on“) leben­den Paar oder Men­schen ohne vor­her­ge­hen­de Bekeh­rung, Beich­te und Ent­schluß, ihr Leben zu ändern, ver­bie­tet, die hl. Kom­mu­ni­on oder die sakra­men­ta­le Abso­lu­ti­on zu emp­fan­gen, klar und unmiß­ver­ständ­lich for­mu­liert.

Dar­über hin­aus füh­ren vie­le der elf und der fünf Kar­di­nä­le in zwei kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Büchern sowie Kar­di­nal Mül­ler in sei­nem neu­en Buch ((Vgl. Mül­ler 2016), (Vgl. auch Aymans 2015).)) – einen viel stär­ke­ren Grund dafür an, war­um AL die sakra­men­ta­le Dis­zi­plin der Kir­che nicht ver­än­dert hat: Kar­di­nal Mül­ler und eine Rei­he ande­rer Kar­di­nä­le haben mit star­ken Grün­den dar­ge­legt und unter Beru­fung auf Fami­lia­ris Con­sor­tio (FC ) 84 die The­se ver­tei­digt, daß die Zulas­sung zu den Sakra­men­ten Geschie­de­ner Wie­der­ver­hei­ra­te­ter nicht Sache einer ver­än­der­ba­ren Ent­schei­dung der Kir­chen­dis­zi­plin, son­dern Teil und logi­sche Fol­ge der bestän­di­gen und unver­än­der­li­chen Leh­re der Kir­che ist. (((Vgl. Dodaro 2014a).)) Haben sie dar­in recht, so hät­te in der Tat AL die Sakra­men­ten­leh­re und sakra­men­ta­le Pra­xis der Kir­che in kei­ner Wei­se geän­dert. „Irre­gu­lä­re Paa­re“, die kei­ne Reue füh­len und kei­ne Beich­te abge­legt haben, mit dem festen Ent­schluß, ein Leben der Ent­halt­sam­keit von Pro­mis­kui­tät, homo­se­xu­el­len oder ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hun­gen zu füh­ren und nicht mehr zu sün­di­gen, dürf­ten weder die Hl. Eucha­ri­stie noch die sakra­men­ta­le Los­spre­chung von ihren Sün­den emp­fan­gen.

Erz­bi­schof Charles J. Cha­put äußer­te sich in dem­sel­ben Sin­ne und wur­de aus die­sem Grund durch den Bür­ger­mei­ster von Phil­adel­phia in unqua­li­fi­zier­ter Form und mit sagen­haf­ter Grob­heit öffent­lich beschimpft. Auch in dem Buch In der Wahr­heit Chri­sti blei­ben schreibt Kar­di­nal Mül­ler z. B.:

„Die Zulas­sung zur Eucha­ri­stie kann ihnen [den geschie­de­nen wie­der­ver­hei­ra­te­ten Paa­ren ohne eine Nich­tig­keits­er­klä­rung über ihre Ehe] aller­dings nicht gewährt wer­den. Dafür wird ein dop­pel­ter Grund genannt: a) ‘ihr Lebens­stand und ihre Lebens­ver­hält­nis­se ste­hen in objek­ti­vem Wider­spruch zu jenem Bund der Lie­be zwi­schen Chri­stus und der Kir­che, den die Eucha­ri­stie sicht­bar und gegen­wär­tig macht’. b) ‘lie­ße man sol­che Men­schen zur Eucha­ri­stie zu, bewirk­te dies bei den Gläu­bi­gen hin­sicht­lich der Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe Irr­tum und Ver­wir­rung’. Eine Ver­söh­nung im Buß­sa­kra­ment, die den Weg zum Eucha­ri­stie­emp­fang öff­net, kann es nur geben bei Reue über das Gesche­he­ne und ‘Bereit­schaft zu einem Leben, das nicht mehr im Wider­spruch zur Unauf­lös­lich­keit der Ehe steht’. Das heißt kon­kret: Wenn die neue Ver­bin­dung aus ernst­haf­ten Grün­den, etwa wegen der Erzie­hung der Kin­der, nicht gelöst wer­den kann, müs­sen sich die bei­den Part­ner ‘ver­pflich­ten, völ­lig ent­halt­sam zu leben’. [… ] In dem nach­syn­oda­len Apo­sto­li­schen Schrei­ben Sacra­men­tum cari­ta­tis vom 22. Febru­ar 2007 fasst Bene­dikt XVI. die Arbeit der vor­aus­ge­gan­ge­nen Bischofs­syn­ode zum The­ma der Eucha­ri­stie zusam­men und führt sie wei­ter fort. In Nr. 29 kommt er auf die Situa­ti­on der wie­der­ver­hei­ra­te­ten geschie­de­nen Gläu­bi­gen zu spre­chen. Auch für Bene­dikt XVI. han­delt es sich hier­bei um ein ‘dor­nen­rei­ches und kom­pli­zier­tes pasto­ra­les Pro­blem’. Er bekräf­tigt ‘die auf die Hei­li­ge Schrift (vgl. Mk 10,2–12) gegrün­de­te Pra­xis der Kir­che, zivil wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zu den Sakra­men­ten zuzu­las­sen’, beschwört aber die Seel­sor­ger gera­de­zu, den Betrof­fe­nen ‘spe­zi­el­le Auf­merk­sam­keit’ zu wid­men: ‘[… ] in dem Wunsch, dass sie so weit als mög­lich einen christ­li­chen Lebens­stil pfle­gen durch die Teil­nah­me an der hei­li­gen Mes­se, wenn auch ohne Kom­mu­nion­emp­fang, das Hören des Wor­tes Got­tes, die eucha­ri­sti­sche Anbe­tung, das Gebet, die Teil­nah­me am Gemein­de­le­ben, das ver­trau­ens­vol­le Gespräch mit einem Prie­ster oder einem geist­li­chen Füh­rer, hin­ge­bungs­voll geüb­te Näch­sten­lie­be, Wer­ke der Buße und den Ein­satz in der Erzie­hung der Kin­der’.“ (((Mül­ler 2014, S. 121–123), (Vgl. Dodaro 2014b, Kap. 6).))

Sub­stan­ti­ell das­sel­be sagen auch die Kar­di­nä­le Wil­lem Jaco­bus Eijk, Car­lo Caf­farra, und ande­re, mit vie­len Argu­men­ten und tief­schür­fen­den Erklä­run­gen. Die­se Kar­di­nä­le sind zwei­fels­oh­ne dar­in im Recht, daß die 2000 Jah­re lang gül­ti­ge und biblisch begrün­de­te sakra­men­ta­le Dis­zi­plin und Leh­re der Kir­che inklu­si­ve des Ver­bots, das Hei­li­ge Sakra­ment der Eucha­ri­stie und die sakra­men­ta­le Abso­lu­ti­on ohne Umkehr der Lebens­wei­se zu emp­fan­gen, nicht durch ein paar bei­läu­fi­ge Sät­ze in AL wirk­sam geän­dert wor­den sind.

In der Tat hat sich also aus einer Rei­he von Grün­den durch AL nichts an der sakra­men­ta­len kirch­li­chen Dis­zi­plin geän­dert. Dies gilt selbst­ver­ständ­lich vor allem und in unbe­ding­ter Wei­se dann, wenn die Sakra­men­ten­leh­re und sakra­men­ta­le Dis­zi­pli­nar­ord­nung der Kir­che aus dem Wort Got­tes und der unver­än­der­li­chen Leh­re und Aus­le­gung des­sel­ben durch die Kir­che stammt. Als ein Urteil über die tat­säch­li­che Wir­kung von AL (bzw. deren Feh­len) haben die Kar­di­nä­le Bur­ke, Cha­put, und Caf­farra zwei­fels­oh­ne recht. Die sakra­men­ta­le Kir­chen­dis­zi­plin hat sich nicht ver­än­dert, weil sie vom Lehr­amt wie­der­holt als Teil und Fol­ge der unver­än­der­ba­ren Wahr­heit der Offen­ba­rung dar­ge­stellt wur­de und weil sie über­dies, selbst wenn sie ver­än­der­bar wäre, eben­so­we­nig wie der Kate­chis­mus und CIC, mit einem Feder­strich oder einer Fuß­no­te ver­än­dert wer­den könn­te.

Fragt man hin­ge­gen nach der Absicht des Pap­stes und nach der Ankün­di­gung von Ände­run­gen, so ist es sicher­lich nicht wahr, daß AL kei­ne Ände­run­gen der sakra­men­ta­len Dis­zi­plin vor­schlägt. Mit Roc­co But­tiglio­ne scheint es mir unmög­lich zu behaup­ten, daß AL nicht ver­sucht habe, etwas an der sakra­men­ta­len Ord­nung zu ändern.

Um fest­zu­stel­len, ob die­se Ände­run­gen oder zumin­dest eini­ge von ihnen mit dem Wort Got­tes und der bestän­di­gen Leh­re der Kir­che ver­ein­bar sind, wer­fen wir einen Blick auf die rest­li­chen drei und sehr ver­schie­de­nen Ant­wor­ten auf die Fra­ge: Wel­che Paa­re „in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ nach AL berech­tigt sind, die Sakra­men­te zu emp­fan­gen:

2.1.2 Alle ‘irregulären’ Paare: Geschiedene, Ehebrecher, lesbische und homosexuelle Paare?

Vie­le inter­pre­tie­ren die Paa­re, die der Mate­rie nach in schwe­rer Sün­de leben, aber nun von AL am Tisch des Herrn will­kom­men gehei­ßen wer­den sol­len, in einer der ersten Ant­wort kon­trär ent­ge­gen­ge­setz­ten Form: „Alle geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten, Ehe­bre­cher und Ehe­bre­che­rin­nen, les­bi­sche und homo­se­xu­el­le, bise­xu­el­le und ande­re Paa­re, sol­len ohne alle Schran­ken zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den.“ Pater Anto­nio Spa­daro SJ, die phil­ip­pi­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz, durch ihren Prä­si­den­ten, ((In einer Stel­lung­nah­me vom 9. April, unter­zeich­net vom Prä­si­den­ten des CBCP und Erz­bi­schof von Lin­gay­en-Dagu­pan, Mon­si­gnor Socra­tes Ville­gas, for­dert der Erz­bi­schof sei­ne Bischö­fe und Prie­ster auf, sich voll­stän­dig zu öff­nen:
„After collec­ti­ve dis­cern­ment, your bishops will come up with more con­cre­te gui­de­li­nes on the imple­men­ta­ti­on of the Apo­sto­lic Exhor­ta­ti­on. But mer­cy can­not wait. Mer­cy should not wait. Even now, bishops and prie­sts must open wel­co­m­ing arms to tho­se who have kept them­sel­ves out of the Church becau­se of a sen­se of guilt and of shame. The lai­ty must do no less. When our bro­thers and sisters who, becau­se of bro­ken rela­ti­ons, bro­ken fami­lies and bro­ken lives, stand timid­ly at the doors of our church­es – and of our lives – unsu­re whe­ther they are wel­co­me or not, let us go out to meet them, as the Pope urges us to, and assu­re them that at the table of sin­ners at which the All-Holy Lord offers hims­elf as food for the wret­ched, the­re is always room. O res mira­bi­lis man­ducat Domi­num pau­per, ser­vus et humi­lis… O won­der­ful rea­li­ty that the poor, the slave and the low­ly should par­ta­ke of the Lord. This is a dis­po­si­ti­on of mer­cy, an openness of heart and of spi­rit that needs no law, awaits no gui­de­li­ne, nor bides on promp­t­ing. It can and should hap­pen immedia­te­ly“ (Ville­gas 2016).)) und vie­le deut­sche Bischö­fe, aber auch US Bischö­fe wie der Erz­bi­schof von Chi­ca­go Bla­se Cup­ich, haben AL in der­sel­ben Rich­tung inter­pre­tiert. Ähn­li­ches gilt von Kar­di­nal Schön­born, der in einem Inter­view so weit geht zu behaup­ten, Papst Fran­zis­kus habe, jeden­falls was den Sakra­ments­emp­fang angeht, jeden Unter­schied zwi­schen regu­lä­ren und irre­gu­lä­ren Paa­ren eli­mi­niert. (((Vgl. Schön­born 2016 – 6 lug­lio, 2016).))

Die­se Inter­pre­ta­ti­on der Paa­re, die zum Emp­fang der Sakra­men­te zuge­las­sen wer­den und aus ihnen Hil­fe und Gna­de schöp­fen sol­len, wider­spricht nicht nur Fami­lia­ris Con­sor­tio, 84, ((In Fami­lia­ris Con­sor­tio Nr. 84 heißt es:
„Die Kir­che bekräf­tigt jedoch ihre auf die Hei­li­ge Schrift gestütz­te Pra­xis, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zum eucha­ri­sti­schen Mahl zuzu­las­sen. Sie kön­nen nicht zuge­las­sen wer­den; denn ihr Lebens­stand und ihre Lebens­ver­hält­nis­se ste­hen in objek­ti­vem Wider­spruch zu jenem Bund der Lie­be zwi­schen Chri­stus und der Kir­che, den die Eucha­ri­stie sicht­bar und gegen­wär­tig macht. Dar­über hin­aus gibt es noch einen beson­de­ren Grund pasto­ra­ler Natur: Lie­ße man sol­che Men­schen zur Eucha­ri­stie zu, bewirk­te dies bei den Gläu­bi­gen hin­sicht­lich der Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe Irr­tum und Ver­wir­rung.
Die Wie­der­ver­söh­nung im Sakra­ment der Buße, das den Weg zum Sakra­ment der Eucha­ri­stie öff­net, kann nur denen gewährt wer­den, wel­che die Ver­let­zung des Zei­chens des Bun­des mit Chri­stus und der Treue zu ihm bereut und die auf­rich­ti­ge Bereit­schaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Wider­spruch zur Unauf­lös­lich­keit der Ehe steht. Das heißt kon­kret, daß, wenn die bei­den Part­ner aus ernst­haf­ten Grün­den – zum Bei­spiel wegen der Erzie­hung der Kin­der – der Ver­pflich­tung zur Tren­nung nicht nach­kom­men kön­nen, ‘sie sich ver­pflich­ten, völ­lig ent­halt­sam zu leben, das heißt, sich der Akte zu ent­hal­ten, wel­che Ehe­leu­ten vor­be­hal­ten sind’ (Johan­nes Paul II., Homi­lie zum Abschluß der VI. Bischofs­syn­ode (25.10.1980), 7: AAS 72 (1980) 1082).
Die erfor­der­li­che Ach­tung vor dem Sakra­ment der Ehe, vor den Ehe­leu­ten selbst und deren Ange­hö­ri­gen wie auch gegen­über der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen ver­bie­tet es jedem Geist­li­chen, aus wel­chem Grund oder Vor­wand auch immer, sei er auch pasto­ra­ler Natur, für Geschie­de­ne, die sich wie­der­ver­hei­ra­ten, irgend­wel­che lit­ur­gi­schen Hand­lun­gen vor­zu­neh­men. Sie wür­den ja den Ein­druck einer neu­en sakra­men­tal gül­ti­gen Ehe­schlie­ßung erwecken und daher zu Irr­tü­mern hin­sicht­lich der Unauf­lös­lich­keit der gül­tig geschlos­se­nen Ehe füh­ren.“ (Johan­nes Paul II. 1981, Nr. 84).)) ist nicht nur die Nega­ti­on des­sen, was FC und zahl­rei­che ande­re Doku­men­te leh­ren. Nein, sie ist das radi­ka­le, kon­trä­re und abso­lu­te Gegen­teil der tra­di­tio­nel­len Leh­re.

Wenn statt kei­ne, nun alle ehe­bre­che­ri­schen, homo­se­xu­el­len, les­bi­schen und in Pro­mis­kui­tät leben­den Paa­re zu den Sakra­men­ten gela­den wer­den, gibt es wirk­lich kei­ne Gren­zen mehr, wie Pater Spa­daro uns ver­si­chert. War­um nicht die Sakra­men­te Paa­ren, Kran­ken­schwe­stern und Ärz­ten spen­den, die durch Abtrei­bung oder Bei­hil­fe zu die­ser auto­ma­tisch exkom­mu­ni­ziert wor­den sind?

Woll­te man die Erklä­rung und Pra­xis der Sakra­men­te nach die­ser zwei­ten Inter­pre­ta­ti­on und deren pasto­ra­len Kon­se­quen­zen aus­rich­ten, wür­de man den hei­li­gen Tem­pel Got­tes ent­wei­hen, ja ihn in einen sata­ni­schen Tem­pel und eine schau­ri­ge Stät­te jed­we­der eucha­ri­sti­scher Sakri­le­gi­en und Blas­phe­mi­en ver­wan­deln. Ange­sichts einer sol­chen Aus­le­gung von Amo­ris Lae­ti­tia, die in schar­fem Wider­spruch zu der wie­der­hol­ten päpst­li­chen Auf­for­de­rung zur eucha­ri­sti­schen Anbe­tung steht, ist es, den­ke ich, über-aus drin­gend klar­zu­stel­len, daß dies nicht ist oder sein kann, was der Papst meint, son­dern eine über­aus fal­sche Inter­pre­ta­ti­on und eine tota­le Ver­ken­nung des Sin­nes von AL. Es geht aus dem Text von AL offen­sicht­lich her­vor, daß dies eine fal­sche Inter­pre­ta­ti­on von AL ist.

Ange­sichts der Tat­sa­che jedoch, daß die­se Inter­pre­ta­ti­on von Bischofs­kon­fe­ren­zen, Pater Spa­daro, Kar­di­nä­len und Erz­bi­schö­fen inklu­si­ve Erz­bi­schof Cup­ichs, der vor kur­zem zum Mit­glied der Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe erho­ben wur­de, ver­tre­ten wird, ist eine sehr kla­re und rasche päpst­li­che Erklä­rung, daß es sich bei die­ser Inter­pre­ta­ti­on der Wor­te der AL um ein radi­ka­les Miß­ver­ständ­nis han­delt, drin­gend not­wen­dig und höchst eilig, will man das tota­le Cha­os ver­hin­dern.

Dies gilt in erhöh­tem Maß, weil die­ses Ange­bot der hei­lig­sten Sakra­men­te an alle (sogar im Fall, daß die­ses Ver­ständ­nis von AL, wie ich glau­be, inkor­rekt ist) durch die fol­gen­den Wor­te von AL unter­stützt zu wer­den scheint:

„297. Es geht dar­um, alle ein­zu­glie­dern; man muss jedem Ein­zel­nen hel­fen, sei­nen eige­nen Weg zu fin­den, an der kirch­li­chen Gemein­schaft teil­zu­ha­ben, damit er sich als Emp­fän­ger einer ‘unver­dien­ten, bedin­gungs­lo­sen und gegen­lei­stungs­frei­en’ Barm­her­zig­keit emp­fin­det. Nie­mand darf auf ewig ver­ur­teilt wer­den, denn das ist nicht die Logik des Evan­ge­li­ums! Ich bezie­he mich nicht nur auf die Geschie­de­nen in einer neu­en Ver­bin­dung, son­dern auf alle, in wel­cher Situa­ti­on auch immer sie sich befin­den“. (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 297).))

Wenn man dar­über hin­aus das Schwei­gen des Hei­li­gen Vaters in Reak­ti­on auf die­se Inter­pre­ta­ti­on durch die phil­ip­pi­ni­schen Bischö­fen in Betracht zieht und die Tat­sa­che bedenkt, daß Pater Anto­nio Spa­daro SJ enger Mit­ar­bei­ter an der Erar­bei­tung des Tex­tes von AL war, kann man schwer umhin zu bezwei­feln, was er über AL sagt (es sei denn, der Hei­li­ge Vater schlie­ße die­se Inter­pre­ta­ti­on aus­drück­lich aus, wor­um ihn alle Bischö­fe und Gläu­bi­ge demü­tig bit­ten soll­ten):

„Die Exhor­ta­ti­on nimmt vom syn­oda­len Schluß­do­ku­ment aus den Weg der Prü­fung der Ein­zel­fäl­le, ohne irgend­wel­che Gren­zen der Inte­gra­ti­on zu set­zen, wie dies in der Ver­gan­gen­heit der Fall war.“ (((Spa­daro S.I. 2016 – 23 aprile, S. 119), (Übers. J.S.). San­dro Magi­ster gibt die Posi­ti­on des Pater Spa­daro so wie­der (mei­ne Über­set­zung J.S.):
„Fran­zis­kus – schreibt er selbst­si­cher – hat alle ‘Schran­ken’ der Ver­gan­gen­heit, auch in dem was die ‘sakra­men­ta­le Dis­zi­plin’ angeht, für die soge­nann­ten ‘irre­gu­lä­ren Paa­re’ auf­ge­ho­ben: Die­ser Ter­mi­nus ‘soge­nann­ten’ stammt nicht vom Pater Spa­daro, son­dern vom Papst und ist nach dem Urteil des Kir­chen­hi­sto­ri­kers Alber­to Mel­lo­ni ‘die gan­ze Exhor­ta­tio wert’, weil ‘er allein die genann­ten los­spricht und sie in Emp­fän­ger der hei­li­gen Eucha­ri­stie ver­wan­delt’ [… Magi­ster fügt hin­zu:] „‘Und die Norm ver­langt, daß die Prä­sen­ta­ti­on, die Spa­daro von ihr [AL] in ‘La Civil­tà Cat­to­li­ca’ gemacht hat, Fran­zis­kus vor ihrer Publi­ka­ti­on gezeigt wur­de. Ein wei­te­rer Grund für die Annah­me, daß die­se Exege­se des Doku­ments vom Papst auto­ri­siert wor­den ist, was daher sei­ne rea­len Inten­tio­nen offen­bart.’ [… Alber­to Mel­lo­ni sagt:] ‘Fran­cis­co sagt jenen Prie­stern, die die Kom­mu­ni­on an Geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te aus­ge­teilt haben, daß, was sie taten, zwar gegen die Regel ver­stieß, sie aber nach dem Evan­ge­li­um gehan­delt haben’“ (Magi­ster 2016 – 12 abril).))

Die­ses Schwei­gen des Pap­stes Fran­zis­kus stärkt die fal­sche und skan­da­lö­se zwei­te Inter­pre­ta­ti­on, wer nach AL jene Paa­re sei­en, wel­che zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den sol­len, vor allem wenn man bedenkt, daß es kei­nes­wegs eine all­ge­mei­ne Ten­denz des Pap­stes Fran­zis­kus ist, alles ein­fach lau­fen zu las­sen, ohne öffent­li­che Kor­rek­tu­ren vor­zu­neh­men. So hat der Papst vor kur­zem sofort und öffent­lich den Ein­druck kor­ri­giert, der in vie­len ent­stan­den war, daß die schlich­te und von erha­be­nen lit­ur­gi­schen Über­le­gun­gen moti­vier­te Ein­la­dung von Kar­di­nal Sarah, daß Prie­ster im Sin­ne einer Medi­ta­ti­on über das tief­ste Ziel der Lit­ur­gie (die Ver­herr­li­chung Got­tes) die hl. Mes­se öfters in Rich­tung Osten (ver­sus Deum) fei­ern mögen, eine Ände­rung der lit­ur­gi­schen Nor­men von Paul VI. ankün­di­ge, nach denen die hl. Mes­se nor­ma­ler­wei­se ver­sus Popu­lum gefei­ert wer­den soll. (In Wirk­lich­keit war die­se Norm nie abso­lut, und wur­de außer­dem teil­wei­se durch das Motu Pro­prio von Papst Bene­dikt XVI. über das Recht aller Prie­ster, die hl. Mes­se im außer­or­dent­li­chen Ritus zu fei­ern, modi­fi­ziert). Die­se sofor­ti­ge kri­ti­sche Reak­ti­on in aller Öffent­lich­keit (die ich bedau­re), durch die der Papst auf einen blo­ßen, sehr schö­nen, Vor­schlag von Kar­di­nal Sarah, der kom­plett in des­sen Zustän­dig­keits­be­reich fiel und über­dies nur etwas riet, was den Prie­stern ohne­hin unter den gel­ten­den Nor­men für die lit­ur­gi­sche Fei­er erlaubt ist, las­sen die Welt erst recht glau­ben, daß das Schwei­gen des Pap­stes zur skan­da­lö­sen zwei­ten Deu­tung der „Paa­re in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ (die objek­tiv im Zustand einer schwe­ren Sün­de leben) und die nun alle ohne Unter­schied zu den Sakra­men­ten gela­den wer­den sol­len, den päpst­li­chen Kon­sens fin­det.

Das glei­che gilt für das Schwei­gen des Pap­stes zum jüng­sten Inter­view Kar­di­nal Schön­borns im Cor­rie­re del­la Sera, in dem der Kar­di­nal, den der Papst zum kom­pe­ten­te­sten Inter­pre­ten von Al erklärt hat, die unglaub­li­che Behaup­tung gemacht hat, Amo­ris Lae­ti­tia habe die Unter­schei­dung zwi­schen „regu­lä­ren“ und „irre­gu­lä­ren Paa­ren“ voll­stän­dig eli­mi­niert. (Dies ent­spricht genau der Inter­pre­ta­ti­on, es gäbe nach AL kei­ne Begren­zung für die Paa­re, die zum Sakra­ments­emp­fang zuge­las­sen sei­en, und schreibt AL über­dies zu, die Ehe auf glei­che Ebe­ne mit Kon­ku­bi­na­ten, ehe­bre­che­ri­schen und homo­se­xu­el­len Paa­ren gestellt zu haben).

Vie­le müs­sen den­ken, daß das päpst­li­che Schwei­gen zu die­ser Aus­le­gung päpst­li­chen Kon­sens signa­li­siert. Ohne schleu­nig­ste Reak­ti­on des Pap­stes auf die­se Deu­tun­gen muß die gan­ze Welt glau­ben, daß Fran­zis­kus die­se zwei­te Inter­pre­ta­ti­on der „Paa­re in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ (in einem Zustand der schwe­ren Sün­de) unter­stützt.

Papst Fran­zis­kus scheint fer­ner die­ser zwei­ten Inter­pre­ta­ti­on der Paa­re, die zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den, durch sei­ne jüng­ste Ernen­nung von Erz­bi­schof Cup­ich als Mit­glied der Päpst­li­chen Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe noch mehr Vor­schub zu lei­sten. Denn Erz­bi­schof Cup­ich ver­tei­digt die­se zwei­te Inter­pre­ta­ti­on bezüg­lich der Zulas­sung zu den Sakra­men­ten radi­ka­ler als jeder ande­re ame­ri­ka­ni­sche Bischof, ja er teilt das Sakra­ment der Eucha­ri­stie öffent­lich an Poli­ti­ker aus, die für ihre Unter­stüt­zung der Abtrei­bung auto­ma­tisch exkom­mu­ni­ziert sind und ver­tei­digt oben­drein die­se Aus­le­gung von AL, indem er die­ses Doku­ment einen radi­ka­len „Regel-Wechs­ler“ („rule-chan­ger“) nennt und es eine gute Sache heißt, die Kom­mu­ni­on an öffent­li­che Befür­wor­ter der Abtrei­bung, einem durch Exkom­mu­ni­ka­ti­on bestraf­ten Ver­bre­chen, aus­zu­tei­len (und ver­bie­tet es zudem den Prie­stern sei­ner Diö­ze­se, an einem Marsch für das Leben und öffent­li­chen Gebe­ten für die Abschaf­fung der Abtrei­bungs­ge­set­ze teil­zu­neh­men).

Ich for­de­re daher alle Katho­li­ken auf, den Hei­li­gen Vater im Namen Got­tes und der durch sol­che fal­schen und skan­da­lö­sen Inter­pre­ta­tio­nen der AL getäusch­ten See­len drin­gend anzu­fle­hen, daß er sehr bald eine sol­che kla­re Aus­sa­ge machen möge, um eine geist­li­che Kata­stro­phe und Sakri­le­ge ohne Gren­zen im Hei­lig­tum Got­tes zu ver­hin­dern und eine tota­le Ver­wir­rung unter den Prie­stern und Gläu­bi­gen womög­lich rück­gän­gig zu machen.

Es kann nicht sein, daß ein Papst dies lehrt. Aller­dings glau­be ich, daß es zur Ver­min­de­rung des tota­len Cha­os, das durch die­se Inter­pre­ta­ti­on und deren rang­ho­he Befür­wor­ter in der Kir­che ent­stan­den ist, vor­aus­ge­setzt wäre, daß der Papst selbst die­se zwei­te Ant­wort mit den stärk­sten Aus­drücken aus­schließt und öffent­lich in einem Kom­men­tar zu AL erklärt: „Es ist falsch zu behaup­ten, es sei eine kor­rek­te Aus­le­gung von AL, daß alle im Kon­ku­bi­nat leben­den, ehe­bre­che­ri­schen, homo­se­xu­el­len, les­bi­schen, und sonst alle „irre­gu­lä­ren“ Paa­re zum Tisch des Herrn ein­ge­la­den sind, ohne daß sie sich vor­her bekeh­ren!“

Ich den­ke, daß die­se Inter­pre­ta­ti­on des Tex­tes von AL unhalt­bar ist und zwar nicht nur, weil es ein­fach nicht sein kann, daß ein Papst sol­che Unge­heu­er­lich­kei­ten lehrt, son­dern auch weil Papst Fran­zis­kus in eini­gen Pas­sa­gen in AL von einer Prü­fung und Unter­schei­dung redet, am besten mit einem Prie­ster, die dem Sakra­ments­emp­fang sol­cher Paa­re vor­her­ge­hen soll.

Dies bringt uns zum drit­ten Ver­ständ­nis der­je­ni­gen „Paa­re in irre­gu­lä­ren und objek­tiv schwer sünd­haf­ten Situa­tio­nen“, die nun zum Tisch des Herrn zuge­las­sen wer­den sol­len:

2.1.3 Einige wenige (oder viele) ‘irreguläre Paare’, die in objektiv sündigen Situationen leben – erst nach einer Prüfung in ihrem persönlichen Gewissen (mit Hilfe eines Priesters oder allein)?

Nach die­ser drit­ten von Roc­co But­tiglio­ne und ande­ren ver­tre­te­nen Aus­le­gung von AL wären Paa­re, die objek­tiv im Ehe­bruch oder ande­ren schwe­ren Sün­den leben, aber auf­grund ihrer begrenz­ten ethi­schen Erkennt­nis oder Schwä­che des Wil­lens „gute Ehe­bre­cher“ oder all­ge­mei­ner gesagt „nur objek­ti­ve, aber nicht sub­jek­ti­ve Sün­der“ sind, ja auf­grund ihres sub­jek­ti­ven Zustands „Sün­der im Stand der Gna­de“ sind, die von AL Gemein­ten und für den Sakra­ments­emp­fang vor­ge­se­he­nen. Für sie könn­ten die Sakra­men­te Bei­hil­fe auf ihrem Weg im Gei­ste des Evan­ge­li­ums sein. In die­sem Fall wäre die Ein­la­dung zum Sakra­ments­emp­fang auf eini­ge, viel­leicht auf weni­ge, Paa­re in „irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ beschränkt. ((Über sol­che geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te und ihre mög­li­che Zulas­sung zu den Sakra­men­ten hat Joseph Ratz­in­ger 1972 einen Arti­kel ver­öf­fent­licht, der der­ar­ti­ge Vor­schlä­ge ent­hält, aber von Ratz­in­ger (Bene­dikt XVI.) zurück­ge­zo­gen wur­de, indem Ratzinger/Papst Bene­dikt XVI. bezüg­lich die­ser Ange­le­gen­heit wie­der die offizielle Leh­re der Kir­che bekräf­tigt hat. Vgl. Anm. 4 und 5 zu die­sem Arti­kel. Die offizielle Leh­re der katho­li­schen Kir­che zu Geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten, wie sie vor kur­zem von den Päp­sten Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. ein­ge­hend dar­ge­legt wur­de, wird sehr gut in ihrer gan­zen Kom­ple­xi­tät, aber zur glei­chen Zeit mit bemer­kens­wer­ter Klar­heit von H. E. Tar­ci­sio Kar­di­nal Ber­to­ne dar­ge­stellt (Ber­to­ne 2016), (Vgl. auch Ratz­in­ger / Bene­dikt XVI. 2014b). Ber­to­ne faßt die kirch­li­che eucha­ri­sti­sche Leh­re und Dis­zi­plin in acht The­sen zusam­men:
„1. Geschie­de­ne und wie­der­ver­hei­ra­te­te Gläu­bi­ge befin­den sich in einer Situa­ti­on, die objek­tiv im Wider­spruch zur Wahr­heit des Evan­ge­li­ums über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe steht.
2. Gläu­bi­ge wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne soll­ten, als Glie­der der Kir­che, in der kirch­li­chen Gemein­schaft das Gefühl der Lie­be Chri­sti und die müt­ter­li­che Nähe der Kir­che erfah­ren.
3. Getauf­te und gläu­bi­ge wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne sind auf­ge­ru­fen, am Leben der Kir­che teil­neh­men, soweit dies objek­tiv mit ihrer Situa­ti­on kom­pa­ti­bel ist.
4. Auf­grund ihrer objek­ti­ven Situa­ti­on kann die Kir­che Gläu­bi­ge wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht ermäch­ti­gen, die eucha­ri­sti­sche Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen.
5. Auf­grund ihrer objek­ti­ven Situa­ti­on kön­nen Gläu­bi­ge wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne bestimm­te Dienst­lei­stun­gen in der christ­li­chen Gemein­schaft nicht aus­üben.
6. Wenn die Gläu­bi­gen wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen getrennt oder in voll­stän­di­ger Kon­ti­nenz leben, kön­nen sie wie­der zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den.
7. Wenn Gläu­bi­ge wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne sub­jek­tiv von der Nich­tig­keit ihrer frü­he­ren Ehe über­zeugt sind, müs­sen sie die­se Situa­ti­on durch das exter­ne Forum (Kir­chen­ge­richt) lösen.
8. Gläu­bi­ge wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne dür­fen nie die Hoff­nung auf das ewi­ge Heil ver­lie­ren: ‘die Kir­che ist fest über­zeugt davon, daß auch, wer sich vom Gebot des Herrn ent­fernt hat und in einer sol­chen Situa­ti­on lebt, durch die Gna­de Bekeh­rung und Heil erlan­gen kann, wenn er im Gebet, in Buße und in Näch­sten­lie­be ver­harrt’ (FC) (n. 84).
[Zu die­sem Punkt führt Ber­to­ne wei­ter aus:] ‘Die Kir­che bekräf­tigt jedoch ihre auf die Hei­li­ge Schrift gestütz­te Pra­xis, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zum eucha­ri­sti­schen Mahl zuzu­las­sen.’ (FC, n. 84). Die­se Norm hat in kei­ner Wei­se stra­fen­den oder dis­kri­mi­nie­ren­den Cha­rak­ter noch ist sie ein blo­ßes Dis­zi­pli­nar­recht der Kir­che, das geän­dert wer­den könn­te. Viel­mehr ist sie Aus­druck einer objek­ti­ven Sach­la­ge, die den Emp­fang der eucha­ri­sti­schen Kom­mu­ni­on von sich selbst her unmög­lich macht. Fami­lia­ris Con­sor­tio prä­sen­tiert die­sen dog­ma­ti­schen Grund der kirch­li­chen Pra­xis in sehr prä­zi­sen Begrif­fen: ‘Sie kön­nen nicht zuge­las­sen wer­den; denn ihr Lebens­stand und ihre Lebens­ver­hält­nis­se ste­hen in objek­ti­vem Wider­spruch zu jenem Bund der Lie­be zwi­schen Chri­stus und der Kir­che, den die Eucha­ri­stie sicht­bar und gegen­wär­tig macht.’ (FC, n. 84). Ein zwei­ter pasto­ra­ler Grund wird die­sem Haupt­grund hin­zu­ge­fügt: ‘Lie­ße man sol­che Men­schen zur Eucha­ri­stie zu, bewirk­te dies bei den Gläu­bi­gen hin­sicht­lich der Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe Irr­tum und Ver­wir­rung.’ (FC, n. 84).“ (Ber­to­ne 2016).))

2.1.3.1 Ein logischer Fehlschluss, den es zu vermeiden gilt

Man könn­te in Amo­ris Lae­ti­tia und bei ihren Ver­tei­di­gern, wie Roc­co But­tiglio­ne und Rodri­go Guer­ra López (((Vgl. But­tiglio­ne 2016 – 19 lug­lio; Guer­ra López 2016 – 22 lug­lio).)) einen gewis­sen Fehl­schluß fest­stel­len, wenn es um die Annah­me geht, vie­le „Paa­re in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“, die objek­tiv in schwe­rer Sün­de leben, sei­en aus sub­jek­ti­ven Grün­den unschul­dig. Man könn­te den Fehl­schluß so for­mu­lie­ren:

  1. Eine schwe­re Sün­de zu bege­hen setzt die Erkennt­nis vor­aus, daß es sich beim eige­nen Ver­hal­ten um eine schwe­re Sün­de han­delt.
  2. Vie­le Geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te erken­nen nicht, daß sie eine schwe­re Sün­de bege­hen, wenn sie (ohne Annul­lie­rung der ersten Ehe) wie­der hei­ra­ten.
  3. Also bege­hen vie­le Geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te kei­ne schwe­re Sün­de, indem sie wie­der hei­ra­ten.
  4. (Also leben sie, wenn sie kei­ne ande­re schwe­re Sün­de began­gen haben, im Stand der Gna­de und man soll sie zu den Sakra­men­ten zulas­sen.)

Der Fehl­schluß grün­det in einer Äqui­vo­ka­ti­on des Aus­drucks „Erkennt­nis“ in der ersten und des Aus­drucks „erken­nen nicht“ in der zwei­ten Prä­mis­se sowie um den Fehl­schluß einer still­schwei­gen­den (fal­schen) Vor­aus­set­zung.

Die still­schwei­gen­de fal­sche Vor­aus­set­zung ist, daß man für sei­ne man­geln­de Erkennt­nis oder Igno­ranz und für die eige­ne sitt­li­che Wert­blind­heit nicht schul­dig, ja sogar schwer schul­dig sein kön­ne und daß des­halb jeder, der die eige­ne Sün­de nicht als sol­che erken­ne, kei­ne schwe­re Sün­de bege­he. Sicher ist es wahr, was auch der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che sagt:

„1859 Eine Tod­sün­de erfor­dert vol­le Erkennt­nis und vol­le Zustim­mung. Sie setzt das Wis­sen um die Sünd­haf­tig­keit einer Hand­lung, ihren Gegen­satz zum Gesetz Got­tes, vor­aus. Die Tod­sün­de schließt auch eine genü­gend über­leg­te Zustim­mung ein, um per­sön­li­che Wil­lens­ent­schei­dung zu sein.“ (((Catho­li­ca 1997, Nr. 1859).))

Aber die­sel­be Num­mer 1859 des Kate­chis­mus fährt fort:

„Selbst­ver­schul­de­te Unwis­sen­heit und Ver­här­tung des Her­zens [Vgl. Mk 3,5–6; Lk 16,19–31] min­dern die Frei­wil­lig­keit der Sün­de nicht, son­dern stei­gern sie.
1860 Unver­schul­de­te Unkennt­nis kann die Ver­ant­wor­tung für ein schwe­res Ver­ge­hen ver­min­dern, wenn nicht sogar auf­he­ben. Aber von nie­man­dem wird ange­nom­men, daß er die sitt­li­chen Grund­sät­ze nicht kennt, die in das Gewis­sen jedes Men­schen ein­ge­schrie­ben sind.“ (((Catho­li­ca 1997, Nr. 1859–1860).))

Hier­zu zäh­len Ehe­bruch und Mord etc. Daher kann man eine unver­schul­de­te Unwis­sen­heit über das Übel des Mor­des oder Ehe­bruchs nicht anneh­men, weil es ein unschul­di­ges Unwis­sen über das natür­li­che Sit­ten­ge­setz, das Gott dem Men­schen „ins Herz geschrie­ben“ hat, gar nicht gibt, wie der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (Nr. 1860) sagt.

Folg­lich ist die 2. Prä­mis­se des Syl­lo­gis­mus falsch, da der Mensch unter nor­ma­len Bedin­gun­gen (wenn er nicht psy­chisch schwer krank ist, u.ä.) in einem ursprüng­li­chen intui­ti­ven Wis­sen immer vom mora­li­schen Übel des Ehe­bruchs weiß, da das natür­li­che Sit­ten­ge­setz ins Herz / Gewis­sen des Men­schen „ein­ge­schrie­ben“ ist (zu sei­ner natür­li­chen sitt­li­chen Ratio gehört). Es gibt so etwas wie ein tie­fer lie­gen­des, nicht immer refle­xiv bewuß­tes und oft ver­dräng­tes Wis­sen, das genügt, um einen Men­schen schwer schul­dig zu machen, auch wenn er die­ses Wis­sen nicht aus­drück­lich bewußt aner­kennt.

In Bezug auf die Sün­de des Göt­zen­dien­stes, die Pau­lus „unent­schuld­bar“ nennt, heißt es in Röm 1,21–23:

„21 Denn obwohl sie von Gott wuss­ten, haben sie ihn nicht als Gott geprie­sen noch ihm gedankt, son­dern sind dem Nich­ti­gen ver­fal­len in ihren Gedan­ken, und ihr unver­stän­di­ges Herz ist ver­fin­stert. 22 Da sie sich für Wei­se hiel­ten, sind sie zu Nar­ren gewor­den 23 und haben die Herr­lich­keit des unver­gäng­li­chen Got­tes ver­tauscht mit einem Bild gleich dem eines ver­gäng­li­chen Men­schen und der Vögel und der vier­fü­ßi­gen und der krie­chen­den Tie­re.“ (Röm 1,21–23) (((Vgl. auch Wald­stein 2010, S. 31), (Vgl. auch Ver­dross 1966, S. 23–32).))

Jetzt kön­nen wir auch die erwähn­ten Äqui­vo­ka­tio­nen als Ursa­che für den Irr­tum erken­nen. Wenn man (unschul­dig) nicht weiß, daß man eine Sün­de begeht, kann man sie nicht bege­hen. Aber wenn man, zum Bei­spiel weil man sein Gewis­sen durch vie­le unbe­reu­te Mor­de abge­stumpft hat, ethisch wert­blind ist und das Böse sei­ner Hand­lun­gen nicht mehr erkennt, so ist dies kei­ne unschul­di­ge Igno­ranz, die den Men­schen von schwe­ren Sün­den frei­spricht.

Diet­rich von Hil­de­brand hat dies in pro­fun­den phi­lo­so­phi­schen Unter­su­chun­gen nach­ge­wie­sen, indem er vier Arten der sitt­li­chen Wert­bind­heit unter­schei­det, die alle, aus ver­schie­de­nen Grün­den, schuld­haft, mit­un­ter schwer schuld­haft sind, indem sie z. B. aus wie­der­hol­ten unbe­reu­ten bösen Taten fol­gen, durch die der Sün­der sein Gewis­sen abstumpft (Abstump­fungs­blind­heit). Ethi­sche Wert­blind­heit kann auch ein­tre­ten, weil jemand eine star­ke Anhäng­lich­keit an das sub­jek­tiv Befrie­di­gen­de hat, doch zugleich nicht bewußt sün­di­gen will, aber einen begrenz­ten Wil­len, sitt­lich gut zu han­deln, besitzt, wodurch er leicht der Sub­sump­ti­ons­blind­heit ver­fällt, in der er sein eige­nes Ver­hal­ten dem als sol­chem als schlecht erkann­ten Ehe­bruch oder Mord nicht sub­su­miert.

Oder er ver­fällt einer par­ti­el­len aktu­el­len Wert­blind­heit, indem er sitt­li­che For­de­run­gen, die sei­nen beson­de­ren Lastern Ein­halt gebie­ten, nicht mehr als sol­che erkennt, usf. ((Vgl. Diet­rich von Hil­de­brands mei­ster­haf­ten Ana­ly­sen in: (Hil­de­brand 1982, 2006).))

Pao­la Pre­mo­li De Mar­chi hat in einem her­vor­ra­gen­den Buch die­se Unter­su­chungs­er­geb­nis­se und die Rol­le der Frei­heit für die Erkennt­nis in ori­gi­nel­ler Wei­se auch auf eine „Ethik der Zustim­mung“ ange­wandt und wesent­lich und ori­gi­nell wei­ter ent­fal­tet. (((Pre­mo­li De Mar­chi 2002).))

Aus all den genann­ten Grün­den kann in kei­ner Wei­se gül­tig geschlos­sen wer­den, daß die vie­len Geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten, die für die eige­ne Sün­de blind sind, unschul­dig sind oder „im Stand der Gna­de“ leben.

2.1.3.2 Ist diese ‘Diskriminierung’ zwischen ‘schlechten Ehebrechern oder Homosexuellen’ und ‘unschuldigen / guten Ehebrechern oder Homosexuellen’ haltbar und anwendbar?

Ist eine sol­che Unter­schei­dung eine prak­ti­ka­ble Lösung? Der Ver­such, sie in die Pra­xis umzu­set­zen, fällt, glau­be ich, in unüber­wind­li­che Unmög­lich­kei­ten und Schwie­rig­kei­ten. Wenn es sich um ein­deu­ti­ge Fäl­le von Ehe­bruch und Biga­mie han­delt, wer soll dann gute und unschul­di­ge Ehe­bre­cher oder Homo­se­xu­el­le und schlech­te Ehe­bre­cher oder Homo­se­xu­el­le – sol­che, die im Stand der Gna­de ste­hen und ande­re, die in schwe­rer Sün­de leben – von Fall zu Fall unter­schei­den? Auf wel­cher Basis?

AL sagt (wenn auch nicht ein­deu­tig), die Unter­schei­dung zwi­schen „sub­jek­tiv guten Ehe­bre­chern“ (im Stand der Gna­de) und „schlech­ten Ehe­bre­chern“ (die in der Tod­sün­de leben und daher, nach dem Codex Iuris Cano­ni­ci, nicht zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den dür­fen, wenn sie in ihrem unehe­li­chen Zusam­men­le­ben ver­har­ren) soll­te im Ein­ver­ständ­nis mit einem Prie­ster oder Beicht­va­ter statt­fin­den.

Fra­ge: Wie kann das funk­tio­nie­ren? Sol­len die Prie­ster man­che Paa­re, die in Ehe­bruch leben, unschul­dig nen­nen und ihnen sagen, der Sakra­ments­emp­fang for­de­re in ihrem Fall kei­ne Bekeh­rung und kei­ne Auf­ga­be ihrer ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hun­gen und sie könn­ten die sakra­men­ta­le Abso­lu­ti­on von ihren Sün­den und leben­di­ge Gemein­schaft mit der Kir­che ohne Reue und ohne Absicht, Ihr Leben zu ändern, sowie ohne wie Bru­der und Schwe­ster zu leben, emp­fan­gen? Ande­re Paa­re hin­ge­gen, die ech­te Ehe­bre­cher wären, dürf­ten die Sakra­men­te kei­nes­falls ohne die feste Absicht, von sün­di­gen ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hun­gen Abstand zu neh­men und ganz ent­halt­sam zu leben, emp­fan­gen? Sind die Dis­so­nanz und der pri­va­te und öffent­li­che Skan­dal, die auf­tre­ten wer­den, wenn ver­schie­de­ne ehe­bre­che­ri­sche, im Kon­ku­bi­nat leben­de, les­bi­sche oder homo­se­xu­el­le Paa­re sol­che kon­trä­ren Ant­wor­ten des glei­chen Prie­sters erhal­ten, nicht offen­sicht­lich? Ist es nicht dar­über hin­aus klar, daß nur ein Prie­ster, der eine direk­te See­len­schau hät­te, die­se Unter­schei­dung tref­fen könn­te? Ist es nicht fer­ner evi­dent, daß vie­le Paa­re in „irre­gu­lä­ren Ver­hält­nis­sen“ einen „barm­her­zi­gen“ Prie­ster suchen wür­den, der ihnen die Sakra­men­te spen­den wür­de, und wenn er ihnen die Erlaub­nis nicht gäbe, wür­den sie einen sol­chen Beicht­va­ter anzei­gen oder wenig­stens Kla­gen gegen ihn und ande­re „grau­sa­me“ Prie­ster, „die sich auf den Rich­ter­stuhl des Mose set­zen“, erhe­ben? Sind nicht die kata­stro­pha­len seel­sorg­li­chen Aus­wir­kun­gen einer sol­chen Dis­kri­mi­nie­rung und Unei­nig­keit unter den Prie­stern, die sich aus einer sol­chen „neu­en Ord­nung“, die Spa­e­mann tref­fend „das Cha­os als Prin­zip“ genannt hat, (((Vgl. Spa­e­mann 2015a).)) ohne wei­te­res ersicht­lich? Da also offen­sicht­lich die Prie­ster sol­che Unter­schei­dun­gen nicht machen kön­nen, schiebt man dann ein sol­ches Urteil auf das Gewis­sen jedes ein­zel­nen Paa­res ab? Aber ist nicht die­ses Urteil dem ein­zel­nen Paar und dem Indi­vi­du­um zu über­las­sen, die nun Rich­ter über sich selbst und ihren Gna­den­stand sein sol­len, obwohl sie wis­sent­lich in schwe­rer Sün­de leben, eine pasto­ra­le Kata­stro­phe?

2.1.3.3 Besteht kein Risiko des Sakrilegs, wenn Paare in ehebrecherischen, bigamen oder homosexuellen Beziehungen die heilige Kommunion oder sakramentale Lossprechung für ihre Sünden ohne Absicht, ihr Leben zu ändern, empfangen?

Wenn der Hei­li­ge Vater Papst Fran­zis­kus gestat­ten möch­te, daß zivil­recht­lich wie­der­ver­hei­ra­te­te Paa­re die Sakra­men­te emp­fan­gen dür­fen, war­um gibt es dann in AL nie auch nur ein ein­zi­ges Wort der War­nung vor der rea­len Gefahr, Sakri­le­gi­en zu bege­hen, wenn ehe­bre­che­ri­sche, biga­me oder homo­se­xu­el­le Paa­re die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen? War­um wird auf 260 Sei­ten kein ein­zi­ges Mal das Wort der Schrift erwähnt, daß „kein Ehe­bre­cher in das Him­mel­reich ein­tre­ten wird“? War­um fällt auch in die­sem Zusam­men­hang kein Wort der Bestä­ti­gung des­sen, was Pau­lus sagt, daß, wer „den Leib und das Blut Chri­sti unwür­dig ißt und trinkt, sich sein eige­nes Gericht ißt und trinkt?“ ((Die ein­zi­ge Anwen­dung der Wor­te der War­nung des Apo­stels Pau­lus, daß wir den hei­lig­sten Leib und das Blut Chri­sti nicht ohne uns zu prü­fen essen und trin­ken dür­fen, wenn wir uns nicht „das Gericht essen und trin­ken wol­len“, in AL 186 bezieht sich auf sozia­le Gerech­tig­keit:
„Wer sich dem Leib und dem Blut Chri­sti nähert, kann nicht zugleich die­sen sel­ben Leib belei­di­gen, indem er unter sei­nen Glie­dern empö­ren­de Tren­nun­gen und Dis­kri­mi­nie­run­gen voll­zieht. Es geht tat­säch­lich dar­um, den Leib des Herrn zu ‘unter­schei­den’, ihn glau­bend und lie­bend sowohl in den sakra­men­ta­len Zei­chen als auch in der Gemein­de zu erken­nen; andern­falls zieht man sich das Gericht zu, indem man isst und trinkt (vgl. V. 29). Die­ser bibli­sche Text ist eine ern­ste War­nung für die Fami­li­en, die sich in die eige­ne Bequem­lich­keit zurück­zie­hen und sich abschot­ten, ganz beson­ders aber für die Fami­li­en, die ange­sichts des Lei­dens der armen und am mei­sten bedürf­ti­gen Fami­li­en gleich­gül­tig blei­ben. So wird die Eucha­ri­stie­fei­er für jeden zu einem stän­di­gen Auf­ruf, ‘sich selbst [zu] prü­fen’ (V. 28) im Hin­blick dar­auf, die Wän­de der eige­nen Fami­lie durch­läs­sig wer­den zu las­sen für eine grö­ße­re Gemein­schaft mit den Aus­ge­schlos­se­nen der Gesell­schaft und dann wirk­lich das Sakra­ment der eucha­ri­sti­schen Lie­be zu emp­fan­gen, das uns zu einem Leib macht. Man darf nicht ver­ges­sen, dass ‘die ‘Mystik’ des Sakra­ments [… ] sozia­len Cha­rak­ter [hat]’“ (Fran­zis­kus 2016, Nr. 186).)) Wäre es nicht barm­her­zig, den „irre­gu­lä­ren Paa­ren“ die­se Wahr­heit in Erin­ne­rung zu rufen, anstatt ihnen zu sagen, daß sie „leben­di­ge Glie­der der Kir­che“ sind? Wenn eine Ände­rung in der sakra­men­ta­len Dis­zi­plin der Kir­che erlaubt, daß Paa­re, die objek­tiv in so schwe­rer Sün­de leben, daß sie bis vor kur­zem der Exkom­mu­ni­ka­ti­on anheim­fie­len, die Sakra­men­te emp­fan­gen dür­fen, dann ist das tota­le Schwei­gen in Bezug auf die rea­le Gefahr, „sich durch den unwür­di­gen Emp­fang der Eucha­ri­stie das eige­ne Gericht zu essen und zu trin­ken“ nicht nach­voll­zieh­bar. Die­se sehr ern­ste, ja schreck­li­che, Gefahr ist sicher­lich vor­han­den, wenn Paa­re, die im Ehe­bruch oder ande­ren schwe­ren Sün­den, wie dem Kon­ku­bi­nat oder homo­se­xu­el­len Bezie­hun­gen, leben, die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen. Und wenn die Wor­te der Hei­li­gen Schrift sagen, daß es solch eine Gefahr für See­len gibt, dies mit kei­ner Sil­be zu erwäh­nen oder gera­de­her­aus zu leug­nen, lädt Paa­re, die in objek­ti­vem Wider­spruch zur Kir­che leben, gera­de­zu ein, in die­sem Wider­spruch zu ver­har­ren. Und wenn ihnen über­dies ver­si­chert wird, daß „kei­ner für immer ver­ur­teilt wer­den wird“ so ist dies, den­ke ich, kein Akt der Barm­her­zig­keit. Was könn­te es ande­res sein als ein Akt der Grau­sam­keit? Viel grau­sa­mer, als einen Pas­sa­gier, der ein Schiff besteigt, im Unwis­sen dar­über zu las­sen, daß er sehr wahr­schein­lich bald ster­ben wird, da sein Schiff ein gro­ßes Loch hat und leicht sin­ken könn­te?

Ich hal­te es daher für not­wen­dig, um der Hei­lig­keit der Ehe und der Eucha­ri­stie, und um des ewi­gen Lebens der Gläu­bi­gen wil­len, daß der Hei­li­ge Vater selbst uns alle dar­an erin­nert, daß wir uns vor die­ser Gefahr hüten sol­len. Was die Beob­ach­tung des Pap­stes Fran­zis­kus angeht, nicht jeder Geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te lebe sub­jek­tiv in schwe­rer Sün­de, son­dern kön­ne viel­mehr wegen sei­nes Nicht­wis­sens mit rei­nem Gewis­sen gehan­delt haben und daher im Stand der Gna­de leben, so leug­ne ich dies nicht. Noch weni­ger leug­ne ich, daß für eine sol­che Per­son der Emp­fang der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on geist­lich frucht­bar sein könn­te.

Doch dür­fen wir zwei Din­ge nicht aus den Augen ver­lie­ren: (a) Wir kön­nen nicht davon aus­ge­hen, daß dies der nor­ma­le Fall eines geschie­de­nen und wie­der­ver­hei­ra­te­ten Paa­res ist (b) und es muß klar sein, daß weder ein nor­ma­ler Prie­ster noch eine betrof­fe­ne Ein­zel­per­son dies wis­sen oder mit dem gering­sten Ver­trau­en auf Wahr­heit gel­tend machen kann. Daher soll jeder, der in objek­tiv schwe­rer Sün­de lebt, so leben und so han­deln, als wür­de er auch sub­jek­tiv in Sün­de leben.

2.1.3.4 Appell an die Bekehrung der Sünder oder Bestätigung, daß sie lebendige Glieder der Kirche sind?

Sicher­lich, es ist wahr und kann ein gro­ßer Trost sein, wenn die­se Paa­re wis­sen, daß die Barm­her­zig­keit Got­tes immer prä­sent und bereit ist, ihnen zu ver­ge­ben und ihnen zu sagen, „Auch ich ver­ur­tei­le Dich nicht.“ Aber man soll­te nie die dar­auf fol­gen­den Wor­te Jesu ver­ges­sen: „Geh hin, und sün­di­ge fort­an nicht mehr“. Im übri­gen, wenn die Bekeh­rung der Sün­der fehlt, so ist ein (schlech­ter) zivil­recht­lich Ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner nicht mehr „leben­di­ges Glied der Kir­che“ und wan­delt nicht „auf dem Weg des Lebens und des Evan­ge­li­ums“. Wenn er sich nicht bekehrt, gilt das Wort des Vaters über den ver­lo­re­nen Sohn für ihn: „Dein Bru­der war tot“, obwohl ihm immer der Weg zur Beich­te und Buße offen­steht. Und für den, der ihn wählt, gilt das Wort „Dein Bru­der lebt“.

2.1.3.5 Warum den Frevel und ein öffentliches Ärgernis riskieren anstatt geschiedene wiederverheiratete Gläubige, die subjektiv ohne Todsünde und im Stand der Gnade leben, das Geschenk der geistlichen Kommunion zu lehren?

Wei­ter, um die gro­ßen Übel eines Sakri­legs und eines öffent­li­chen Ärger­nis­ses zu ver­mei­den, ohne die Geschie­de­nen (und ohne Nul­li­täts­be­stä­ti­gung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten die sakra­men­ta­le Gna­de ver­lie­ren zu las­sen, könn­te man Paa­re, die viel­leicht auf Grund der Rein­heit ihres Gewis­sens im Stand der Gna­de sind, die Mög­lich­keit der „geist­li­chen Kom­mu­ni­on“ leh­ren. Sie könn­ten inner­lich Gott bit­ten, ihnen die „geist­li­che Kom­mu­ni­on“ zu schen­ken. Aus einem Vor­schlag Kar­di­nal Kas­pers bzgl. der geist­li­chen Kom­mu­ni­on von Wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen ist eine Kon­tro­ver­se ent­stan­den. In die­ser wird durch das Argu­ment, daß jeder, der die geist­li­che Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kann, auch die sakra­men­ta­le emp­fan­gen kann, die Gleich­set­zung zwi­schen sakra­men­ta­ler und geist­li­cher Kom­mu­ni­on vor­ge­schla­gen. Die Kon­tro­ver­se, und ins­be­son­de­re die­ser Vor­schlag, ver­lan­gen nach Klä­rung auf die z. B. Johan­nes Stöhr ein­geht. (((Vgl. Stöhr 2015, S. 185).))

Ohne hier eine dif­fe­ren­zier­te theo­lo­gi­sche Erklä­rung bie­ten zu kön­nen, für die mir die Kom­pe­tenz fehlt und die den Rah­men und das Ziel die­ses Auf­sat­zes über­schrei­ten wür­de, möch­te ich nur fol­gen­de Kom­men­ta­re machen. Mit Stöhr kön­nen wir unter­schei­den:

  1. Eine Bedeu­tung, die Stöhr die Haupt­be­deu­tung der geist­li­chen Kom­mu­ni­on nennt, besteht in der blei­ben­den inner­li­chen Gemein­schaft mit Chri­stus nach dem wür­di­gen Emp­fang der sakra­men­ta­len Kom­mu­ni­on – also zusam­men mit dau­ern­den Wir­kun­gen in der See­le, als Ver­voll­komm­nung der sakra­men­ta­len Kom­mu­ni­on. Das bedeu­tet dann auch oft wie­der­hol­te Akte der Hin­ga­be. Die­se Bedeu­tung mei­ne ich hier nicht, da sie nur auf Paa­re anwend­bar ist, die zum Sakra­men­ten­emp­fang zuge­las­sen sind.
  2. Ver­schie­den davon ist der Wunsch eines Chri­sten nach der sakra­men­ta­len Kom­mu­ni­on, wenn die­se aus zwin­gen­den äuße­ren Grün­den nicht mög­lich ist – z. B. wegen Krank­heit, beruf­li­cher Inan­spruch­nah­me, ver­spä­te­ter Erin­ne­rung an das Nüch­tern­heits­ge­bot, usw. Er bedeu­tet aber nicht nur nicht die­sel­be leib­haf­ti­ge Nähe zu Chri­stus wie der Sakra­men­ten­emp­fang, son­dern ist als blo­ßer Wunsch nicht ein­mal dem Sakra­ment ähn­lich, wie unse­re vier­te Art der „geist­li­chen Kom­mu­ni­on“.
  3. Gemeint ist manch­mal auch der Wunsch zu kom­mu­ni­zie­ren, obwohl ein objek­ti­ves Hin­der­nis vor­liegt. Damit kann die unchrist­li­che Vor­stel­lung ver­bun­den sein, die geist­li­che Kom­mu­ni­on kön­ne in die­sem Fall eine Art Ersatz für die sakra­men­ta­le Kom­mu­ni­on sein, sie sei eigent­lich jedem mög­lich. Stöhr kri­ti­siert die­se Vor­stel­lung mit vol­lem Recht. (((Stöhr 2015, S. 196–198).)) Ich wür­de den Unter­schei­dun­gen Stöhrs wei­te­re Bedeu­tun­gen von „geist­li­cher Kom­mu­ni­on“ hin­zu­fü­gen, die mir für unse­ren Zusam­men­hang die wich­tig­ste zu sein scheint:
  4. Man könn­te die geist­li­che Kom­mu­ni­on nicht als den blo­ßen Wunsch nach der sakra­men­ta­len Kom­mu­ni­on auf­fas­sen, wenn die­se aus äuße­ren Grün­den unmög­lich ist, son­dern als eine Art gei­stig-mysti­scher Kom­mu­ni­on ver­ste­hen, die zwar nicht die real-leib­li­che Prä­senz Chri­sti der sakra­men­ta­len Kom­mu­ni­on bedeu­tet, wie Stöhr mit recht bemerkt, aber doch viel mehr ist als ein Wunsch. Man kann gewiß nicht aus­schlie­ßen, daß Gott auch dort, wo die Form und Mate­rie des Sakra­ments nicht vor­han­den sind, eine geist­li­che und qua­si-sakra­men­ta­le Ver­ei­ni­gung mit Ihm bewirkt und schenkt, die nicht weni­ger der Gna­den zu schen­ken braucht als sie jemand, der mit lau­em Her­zen oder gewohn­heits­mä­ßig kom­mu­ni­ziert, emp­fängt. Ja je nach dem Maß der Lie­be des Kom­mu­ni­zie­ren­den, dem opus ope­ran­tis, kann einem sol­chen „Mann der Sehn­sucht wie Dani­el“ mehr Gna­de und eine tie­fe­re Ver­ei­ni­gung mit Gott geschenkt wer­den als einem mit gerin­ge­rer Sehn­sucht und Lie­be sakra­men­tal Kom­mu­ni­zie­ren­den. Und kein Mensch kann das Maß oder die Gren­zen der Ver­ei­ni­gung bestim­men, die Gott einem sol­cher­art geist­lich Kom­mu­ni­zie­ren­den zu schen­ken ver­mag.
    Nach der Inter­pre­ta­ti­on von AL durch Roc­co But­tiglio­ne sind die von Papst Fran­zis­kus in erster Linie gemein­ten Men­schen sol­che, die zwar objek­tiv im Stand schwe­rer Sün­de leben, aber auf Grund der Unvoll­kom­men­heit ihres Erken­nens und Wol­lens den­noch im Stand der Gna­de leben. Und daß es sol­che Men­schen gibt, die also nur äußer­lich in die drit­te Kate­go­rie Stöhrs fal­len, inner­lich jedoch eher der zwei­ten von ihm genann­ten Per­so­nen­grup­pe zuge­hö­ren, die mit ande­ren Wor­ten trotz ihrer objek­tiv sün­di­gen Hand­lun­gen inner­lich nicht in schwe­rer Sün­de leben, kann man mit AL (und Tho­mas von Aquin) nicht bestrei­ten. Und die­se Men­schen, und auch die der von mir unter­schie­de­nen vier­ten Grup­pe derer, die auf Grund einer „Gewis­sens­ehe“ in „irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen leben“, mei­ne ich, wenn ich von dem Geschenk der geist­li­chen Kom­mu­ni­on spre­che, zu dem die­se Men­schen Zugang haben kön­nen. Vor­aus­set­zung dafür ist frei­lich, daß sie nicht bewußt und frei­wil­lig eine Tod­sün­de bege­hen, son­dern eben aus sub­jek­ti­ven Grün­den trotz ihrer objek­ti­ven Sün­de nicht sub­jek­ti­ve schwe­re Sün­der sind. Und sol­che Men­schen, die man m. E. nach wie vor von der sakra­men­ta­len leib­haf­ten Kom­mu­ni­on aus­schlie­ßen soll­te, kön­nen – ganz ohne Gefahr des Sakri­legs, das gera­de die phy­sisch-rea­le Prä­senz des Herrn vor­aus­setzt – wenn sie wirk­lich im Stand der Gna­de leben, die Gna­den einer geist­lich-mysti­schen Kom­mu­ni­on (im vier­ten Sinn) emp­fan­gen.

Sonst, wenn Geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te sowohl objek­tiv als auch sub­jek­tiv in einem Zustand der Sün­de leben, darf man nicht sagen, sie sei­en „leben­de Glie­der der Kir­che“, ohne daß sie ihren Sün­den des Ehe­bruchs oder homo­se­xu­el­len Hand­lun­gen ent­sa­gen. Durch ihre sakra­men­ta­le Kom­mu­ni­on wür­de ein öffent­li­ches Ärger­nis ver­ur­sacht und in ihnen sowie in ande­ren die Ehr­furcht gegen­über dem Aller­hei­lig­sten stark gemin­dert. Aus die­sen und den im näch­sten Abschnitt beschrie­be­nen Grün­den soll­ten wir den Hei­li­gen Vater bit­ten, die Zulas­sung zu den Sakra­men­ten von Paa­ren, die objek­tiv in schwe­rer Sün­de leben, zu wider­ru­fen.

2.1.4 Gibt es geschiedene wiederverheiratete Gläubige, die äußerlich betrachtet keine sakramentale Ehe führen und keine Bescheinigung vom Kirchengericht über die Nullität ihrer Ehe erhalten haben, und daher ihre Hochzeit nicht kirchlich feiern können, aber eine Gewissensehe geschlossen haben, die der Kirche als Ehesakrament gelten und ihre Zulassung zu den Sakramenten berechtigen könnte?

Eine vier­te Ant­wort auf die Fra­ge, wel­che „irre­gu­lä­ren“ Paa­re zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den dürf­ten, könn­te als kom­pa­ti­bel mit der bestän­di­gen Leh­re der Kir­che, und sogar mit der Wahr­heit der ersten Ant­wort ange­se­hen wer­den. Es han­delt sich um Paa­re, die sich zumin­dest „äußer­lich betrach­tet in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ befin­den. Auf sie bezieht sich AL 298 (und auch FC 84):

„den Fall derer, die ‘eine neue Ver­bin­dung ein­ge­gan­gen [sind] im Hin­blick auf die Erzie­hung der Kin­der und [… ] manch­mal die sub­jek­ti­ve Gewis­sens­über­zeu­gung [haben], daß die frü­he­re, unheil­bar zer­stör­te Ehe nie­mals gül­tig war’ [FC, 84].“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 298).))

Die­se vier­te Grup­pe von Fäl­len, in denen der Zugang der betrof­fe­nen „Paa­re in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ zu den Sakra­men­ten ein gutes, obgleich gefähr­li­ches Ding schei­nen könn­te, kann zumin­dest durch drei kon­kre­te Bei­spie­le, die auch in Amo­ris Lae­ti­tia zitiert wer­den, illu­striert wer­den.

  1. Das erste wären sol­che Paa­re, die ehr­lich (und wahr­heits­ge­mäß) davon über­zeugt sind, daß ihre erste Ehe ungül­tig war, die aber auf­grund äuße­rer Umstän­de ihre zwei­te Hoch­zeit nicht kirch­lich fei­ern kön­nen, weil sie kei­nen Zugang zu einem Kir­chen­ge­richt (oder sogar zu einer Kir­che) haben. Die­se Unfä­hig­keit, ihren Fall einem Kir­chen­ge­richt vor­zu­le­gen, beruht mög­li­cher­wei­se auf der Tat­sa­che, daß sie in einem Land leben, in dem die Kir­che nicht exi­stiert oder hef­tig ver­folgt wird, oder auf einer Insel, auf der es kei­ne Kir­che oder Prie­ster gibt, etc. ((Wenn es sich um eine erste Ehe han­delt, kann die Kir­che unter sol­chen Umstän­den die Sakra­men­ta­li­tät einer gehei­men sakra­men­ta­len Ehe aner­ken­nen, aber eine öffent­li­che kirch­li­che Hei­rat bei der ersten Gele­gen­heit for­dern.))
    Die Unmög­lich­keit, sich an ein Kir­chen­ge­richt zu wen­den, kann es auch unter extrem Armen geben, die die Kosten für eine lan­ge Rei­se zur Anhö­rung vor einem Kir­chen­ge­richt, oder die Kosten eines kirch­li­chen Nich­tig­keits­pro­zes­ses nicht tra­gen kön­nen, die jedoch ehr­lich und mit star­ken Grün­den von der Ungül­tig­keit ihrer ersten Ehe über­zeugt sind, nach einer auf­rich­ti­gen Gewis­sens­er­for­schung und, wenn mög­lich, einem Gespräch mit ihrem Beicht­va­ter. (Die­sen Fall der Armen hat Papst Fran­zis­kus bereits weit­ge­hend besei­tigt, indem er ein kosten­lo­ses Ange­bot von kir­chen­ge­richt­li­chen Unter­su­chun­gen einer Nul­li­täts­kla­ge vor­ge­schla­gen hat). Die­ses barm­her­zi­ge Gesetz besei­tigt die Unge­rech­tig­keit, daß nur die­je­ni­gen, die beträcht­li­che Sum­men zah­len konn­ten, unter Umstän­den eine Bestä­ti­gung der Nich­tig­keit ihrer Ehe erhal­ten konn­ten. Trotz die­ser groß­zü­gi­gen Unter­stüt­zung sol­cher Paa­re durch den Papst kann es Fäl­le geben, in denen eine Per­son nicht in der Lage ist, die Kir­chen­rich­ter zu über­zeu­gen und des­halb auf die teu­ren Dien­ste eines Rechts­an­walts ange­wie­sen ist, da die Kir­che nicht über­all kosten­lo­se Anwalts­dien­ste anbie­tet, wie in eini­gen Diö­ze­sen. In sol­chen Fäl­len, wenn ein hohes Maß an objek­ti­ven Bewei­sen und sub­jek­ti­ver Gewiß­heit über die Ungül­tig­keit der ersten Ehe vor­han­den ist, könn­te es gerecht­fer­tigt erschei­nen, die erwähn­te Aus­nah­me von der sakra­men­ta­len Dis­zi­plin zu bean­spru­chen und ohne Nul­li­täts­be­stä­ti­gung eine „Gewis­sens­ehe“ ein­zu­ge­hen. Sol­che Paa­re „in irre­gu­lä­rer Situa­ti­on“, könn­te man den­ken, soll­ten zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den.
    In der Tat könn­te man argu­men­tie­ren, daß in einem sol­chen Fall die Kir­che nicht nur deren Zugang zu den Sakra­men­ten erlau­ben, son­dern davon aus­ge­hen könn­te, daß trotz der nur zivil­recht­li­chen oder ganz außer­halb einer bür­ger­li­chen Ord­nung auf einer Insel statt­ge­fun­de­nen Hei­rat eine gül­ti­ge und sakra­men­ta­le Ehe­schlie­ßung zwi­schen einem getauf­ten Mann und einer getauf­ten Frau statt­ge­fun­den habe, wie Papst Fran­zis­kus sagt. ((AL 75:„Denn die natür­li­che Ord­nung ist von der Erlö­sung Jesu Chri­sti durch­drun­gen, so dass es ‘zwi­schen Getauf­ten kei­nen gül­ti­gen Ehe­ver­trag geben [kann], ohne dass er zugleich Sakra­ment ist’. Die Kir­che kann die Öffent­lich­keit des Aktes oder die Anwe­sen­heit von Zeu­gen for­dern und ande­re Bedin­gun­gen stel­len, die sich im Lau­fe der Geschich­te geän­dert haben, doch das nimmt den bei­den, die hei­ra­ten, nicht ihre Eigen­schaft als Spen­der des Sakra­men­tes, noch schwächt es die Zen­tra­li­tät des Kon­sen­ses zwi­schen Mann und Frau: Er ist das, was von selbst die sakra­men­ta­le Bin­dung begrün­det. Auf jeden Fall müs­sen wir mehr über das gött­li­che Han­deln im Ritus der Trau­ung nach­den­ken [… ]“ (Fran­zis­kus 2016, Nr. 75).)) Frei­lich könn­te man argu­men­tie­ren: Damit eine sol­che „irre­gu­lä­re Hei­rat“ nicht ein Akt des Unge­hor­sams gegen­über der Kir­che sei, son­dern eine gül­ti­ge Ehe nach den Cano­nes des CIC, könn­te man das kano­ni­schen Recht ändern und die­sen Fäl­len anpas­sen. Befür­wor­ter die­ser vier­ten Art, jene Paa­re in „irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ zu inter­pre­tie­ren, die nach AL zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den soll­ten, könn­ten viel­leicht argu­men­tie­ren, daß in einem gewis­sen Sinn, eine sol­che Ände­rung des kano­ni­schen Rechts ein­zu­füh­ren, und so eine „irre­gu­lä­re Ehe“ kano­nisch-recht­lich zu „kano­ni­sie­ren“, die ursprüng­li­che Dis­zi­plin des Ehe­sa­kra­ments ins kano­ni­sche Recht zurück­bräch­te, als die Kir­che eine sakra­men­ta­le Ehe aner­kann­te, die ein­fach durch den Aus­tausch des ehe­li­chen Kon­sen­ses zwi­schen einem Mann und einer Frau zustan­de­kam. Die vie­len kano­ni­schen Regeln für eine (a) erlaub­te und (b) gül­ti­ge katho­li­sche Ehe sowie © die Regeln der kirch­li­chen Nich­tig­keits­pro­zes­se sei­en im Lau­fe der Geschich­te dazu geschaf­fen wor­den, um Miß­bräu­che zu ver­hin­dern, aber sie sei­en nicht unver­än­der­lich. Dann, nach die­ser Auf­fas­sung, wenn der Hei­li­ge Vater, für bestimm­te sehr genau beschrie­be­nen Bedin­gun­gen, das Kir­chen­recht revi­die­ren und eine gül­ti­ge Ehe nur nach deren unver­än­der­li­chem Wesen ver­stün­de und von ihrem histo­ri­schen Bal­last befrei­te, so wür­de dies einen wirk­lich guten Bei­trag des Lehr­am­tes von Papst Fran­zis­kus dar­stel­len, immer unter der Annah­me von Klar­heit und Prä­zi­si­on der Leh­re und des kano­ni­schen Rechts. Den glei­chen Wert hät­ten Anpas­sun­gen des kano­ni­schen Rech­tes nach die­ser Auf­fas­sung auch für die bei­den fol­gen­den Fäl­le von Paa­ren in „irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“, denen die Kir­che Zugang zu den Sakra­men­ten gewäh­ren könn­te.
  2. Der zwei­te Fall wäre der einer Per­son, die auf der Basis objek­ti­ver Grün­de von der Ungül­tig­keit ihrer Ehe über­zeugt wäre, aber kei­ne objek­ti­ven Bewei­se der Wahr­heit ihrer Aus­sa­ge über den Grund der Ungül­tig­keit der Ehe hät­te (etwa für das abso­lu­te „Nein!“ ihres Part­ners zu Kin­dern von dem Augen­blick des Ehe­schlus­ses an), und dem das Kir­chen­ge­richt nicht glaubt. Die­ses Miß­trau­en der Kir­chen­rich­ter hat sei­ne Ursa­che mög­li­cher­wei­se in der man­geln­den Glaub­wür­dig­keit des Klä­gers in den Augen der Rich­ter oder in des­sen man­geln­der Elo­quenz, oder in der Tat­sa­che, daß sei­ne Part­ne­rin lügt und eine glän­zen­de und emo­tio­na­le Red­ne­rin ist, die das Gericht von ihrer Lüge über­zeugt, oder in einer von Tau­sen­den ande­rer Grün­de. In die­sem Fall könn­te es gut schei­nen, eine „Gewis­sens­ehe“ zu erlau­ben und zu mei­nen, daß der Zugang sol­cher Paa­re zu den Sakra­men­ten kei­ner­lei Sün­de bedeu­te, obwohl sie kei­ne öffent­li­che kirch­li­che Hoch­zeit fei­ern dürf­ten. Man könn­te noch wei­ter gehen und sagen, daß eine sol­che Uni­on eine gül­ti­ge und sakra­men­ta­le Ehe außer­halb der nor­ma­len Ord­nung der sicht­ba­ren Kir­che wäre.
  3. Der drit­te Fall wäre der­je­ni­ge, wo ein Part­ner, eben­so auf­rich­tig von der Ungül­tig­keit sei­ner Ehe über­zeugt, schon seit lan­ger Zeit auf eine Ent­schei­dung des Kir­chen­ge­richts war­tet, das trotz der Regel, daß das Urteil erster Instanz in einem Annul­lie­rungs­pro­zeß inner­halb eines Jah­res gefällt wer­den soll­te, in der ersten Instanz nicht in 2, 5, oder 10 Jah­ren kommt, oder gar erst in 18 Jah­ren (wie dies einem berühm­ten öster­rei­chi­schen Komö­di­en­dich­ter im 19. Jahr­hun­dert pas­sier­te). Man könn­te argu­men­tie­ren, daß es in die­sem Fall legi­tim wäre, daß ein Paar, auf der Grund­la­ge eines Urteils sei­nes Gewis­sens, sich zivil­recht­lich schei­den lie­ße und in eine neue Ehe ein­trä­te, ja daß die Kir­che die­se Ehe als ein Sakra­ment betrach­ten und das betref­fen­de Paar zum Sakra­ments­emp­fang zulas­sen könn­te, selbst wenn sei­ne Ehe­schlie­ßung nur stan­des­amt­lich, oder in einer Situa­ti­on außer­halb jeder bür­ger­li­chen Ord­nung (z. B. auf einer ein­sa­men Insel) erfolgt sei, aber auf dem Boden des bewuß­ten und gegen­sei­ti­gen ehe­li­chen Kon­sen­ses. Jedoch könn­te man war­nen, daß die Kir­che erst dann sol­che Paa­re als sakra­men­tal ver­hei­ra­tet anse­hen und ihnen Zulas­sung zu den Sakra­men­ten erlau­ben soll­te, nach­dem sie das Kano­ni­sche Recht geän­dert und kla­re Bestim­mun­gen beschlos­sen hät­te (etwa daß eine sol­che Gewis­sens­hei­rat erst nach einer bestimm­ten Anzahl von Jah­ren ohne Ent­schei­dung des kirch­li­chen Gerichts erfol­gen dür­fe), auf dem Boden des Gewis­sens der Per­son, die die Nich­tig­keits­er­klä­rung sucht. Mit einer sol­chen Ände­rung des kano­ni­schen Rechts wür­de der Papst sozu­sa­gen die Auto­ri­tät der Rich­ter über die Nich­tig­keit der ersten Ehe, die nor­ma­ler­wei­se nur dem Kir­chen­ge­richt ent­spricht, dem Gewis­sen­s­ur­teil des Lai­en über­tra­gen. In die­sem Fall wür­de die Kir­che eine sol­che Ehe als mög­li­cher­wei­se gül­ti­ge und sakra­men­ta­le Ehe aner­ken­nen und sie von dem Moment an, in dem die Kir­che sie als sol­che aner­ken­nen wür­de, als sol­che erklä­ren. Der kirch­li­che Annul­lie­rungs­pro­zeß müß­te dann ab dem Zeit­punkt, in dem eine sol­che „irre­gu­lä­re“ Ehe aner­kannt wür­de, abge­bro­chen wer­den. (Denn wenn in einem sol­chen Fall der kirch­li­che Pro­zeß par­al­lel wei­ter­lie­fe, wür­de ein mög­li­cher Wider­spruch zwi­schen dem Urteil des Kir­chen­tri­bu­nals und dem Gewis­sen­s­ur­teil zu wei­te­ren schwe­ren Kon­flik­ten und Apo­rien füh­ren). Könn­ten wir also sagen, daß in die­sen und ähn­li­chen Fäl­len Paa­re „in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ zum Sakra­ments­emp­fang zurück­keh­ren und mit gutem Gewis­sen eine „Gewis­sens­ehe“ schlie­ßen kön­nen? Und daß sie nicht nur auf Grund ihres sub­jek­ti­ven Gewis­sens im Stand der Gna­de ste­hen, son­dern daß ihre Ehe objek­tiv eine sakra­men­ta­le Ehe sei? Auf die­se Wei­se könn­ten Geschie­de­ne und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­te zu den Sakra­men­ten zurück­keh­ren. Erweist, so mag man fra­gen, AL durch die­se gute und barm­her­zi­ge Neue­rung vie­len Paa­ren ein ech­tes Geschenk der Barm­her­zig­keit und ist uns Anlaß zur Freu­de?

Die­se vier­te Ant­wort dar­auf, wer die­je­ni­gen Paa­re „in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ wären, die zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den könn­ten, wider­spricht auf den ersten Blick nicht der ersten. Man könn­te den­ken (wie ich es getan habe): Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten die­ser vier­ten Art den Zugang zu den Sakra­men­te gewäh­ren wür­de ein­fach dem mora­li­schen Gewis­sen des Ein­zel­nen in ganz klar umris­se­nen Fäl­len ein ähn­li­ches Recht ein­räu­men wie das­je­ni­ge es ist, das nor­ma­ler­wei­se nur das Kir­chen­ge­richt hat: eine Ehe für nich­tig zu erklä­ren. Damit wären die­se Paa­re nur „schein­bar irre­gu­lär“, in Wirk­lich­keit aber „regu­lär im außer­or­dent­li­chen Modus“, um es so nen­nen. Gibt es also sol­che „irre­gu­lär regu­lä­ren Paa­re“?

2.1.4.1 Zulassung zu den Sakramenten der vierten Art von ‘Paaren in irregulären Situationen’ widerspricht der klaren Lehre und dem Dogma der Kirche sowie deren einleuchtenden Gründen

Man könn­te den­ken (ich selbst habe dies noch bis vor kur­zem gedacht), daß kei­ner die­ser drei Fäl­le der vier­ten Klas­se unter die star­ken Grün­de fällt, aus denen die zitier­ten Kar­di­nä­le, mit FC, den­ken, beim Ver­bot des Zugangs der Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten zu den Sakra­men­ten hand­le es sich nicht um ein ver­än­der­li­ches posi­ti­ves Recht, oder eine rein pasto­ra­le Ent­schei­dung, son­dern um eine kirch­li­che Pra­xis, die auf dem Evan­ge­li­um selbst gegrün­det ist. So erschien mir die Zulas­sung der beschrie­be­nen Paa­re und die kirch­li­che Aner­ken­nung ihrer Ehe als Sakra­ment ein barm­her­zi­ger Schritt und eine legi­ti­me Ver­ein­fa­chung der Annul­lie­rungs­pro­zes­se der Kir­che bzw. eine annehm­ba­re Lösung im Fal­le eines abschlä­gi­gen Urteils des Kir­chen­ge­richts zu sein. ((Eine wei­te­re Ana­ly­se der ‘Ver­ein­fa­chun­gen der Pro­zes­se’ der Ungül­tig­keits­er­klä­rung der Ehe soll­te eini­ge kri­ti­schen Stim­men zum Motu Pro­prio Mit­is Iudex prü­fen. Die­se Stim­men war­nen vor den Fol­gen von (a) der Teil­ent­fer­nung des ‘dop­pel­ten Kir­chen­ge­richts­ur­teils’, und (b) der Rol­le des ‘Band­an­walts’, © vor der neu­en Form des ‘Kurz­pro­zes­ses’ vor dem Bischof, sowie vor (d) der Ein­füh­rung in die ‘Ver­fah­rens­re­geln’ neu­er Fäl­le, die den ‘Kurz­pro­zeß’ zuläs­sig machen sol­len (Titel V): Arti­kel 14 §1. Und vor allem vor der Ein­füh­rung eines ‘etc.’ in die­se Liste, das die­se für jeg­li­che wei­te­re Inhal­te ‘öff­net’. Eini­ge Stim­men sagen, daß die Sum­me die­ser Ele­men­te nicht nur die Erklä­rung der Nich­tig­keit in eine ‘katho­li­sche Schei­dung’, son­dern in eine ‘katho­li­sche Kurz­schei­dung’ ver­wan­deln wür­de. (Vgl. Boni 2016a,b,c). Die­se Arti­kel zei­gen, daß Mit­is Iudex ange­se­he­ne Kano­ni­sten, rat­los gemacht und ihnen den Ein­druck gege­ben hat, daß die Kir­che sich in Rich­tung Unter­stüt­zung der Schei­dun­gen bewegt.))

Aber trotz die­ser schein­bar schö­nen und befrei­en­den Aspek­te von AL, die sol­chen oder ande­ren ähn­li­chen Paa­ren den Zugang zu den Sakra­men­ten eröff­nen, gibt es ernst­haf­te Ein­wän­de, die den Schluß recht­fer­ti­gen, die Zulas­sung die­ser Paa­re zu den Sakra­men­ten sei nicht kom­pa­ti­bel mit der Leh­re und unver­än­der­li­chen Pra­xis der Kir­che. War­um?

  1. Das Kon­zil von Tri­ent ver­ur­teilt die Mei­nung, das Gewis­sen des Ein­zel­nen (das inter­ne Forum) kön­ne ein Rich­ter über die Ungül­tig­keit der ersten Ehe sein, wenn es in der Sit­zung XXIV sagt: „Wer sagt, Ehe­an­ge­le­gen­hei­ten gehör­ten nicht vor kirch­li­che Rich­ter: der sei mit dem Anathe­ma belegt.“
  2. Die­se Leh­re wur­de fei­er­lich von vie­len ande­ren Päp­sten bis hin zu Bene­dikt XVI. bekräf­tigt. ((Papst Pius VI. erklär­te, daß die Fra­gen der Gül­tig­keit einer Ehe aus­schließ­lich vor die kirch­li­chen Rich­ter gehö­ren, denn es gehe um die Gül­tig­keit der Sakra­men­te. [Pius VI., Dees­se­mus Nobis (1788), DH 2598.] Auch das jüng­ste Lehr­amt hat jede Lösung von Fra­gen der Gül­tig­keit der Ehe ‘vor dem Forum Inter­num’ aus­drück­lich abge­lehnt. So hat die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, mit aus­drück­li­cher Zustim­mung von Papst Johan­nes Paul II. ein Schrei­ben in die­sem Sin­ne an die Bischö­fe der Katho­li­schen Kir­che über den Kom­mu­nion­emp­fang von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen [Annus Inter­na­tio­na­lis Fami­liae (14. Sep­tem­ber 1994): AAS 86 (1994), 974–979.] gerich­tet. In die­sem Schrei­ben heißt es:„6. Gläu­bi­ge, die wie in der Ehe mit einer Per­son zusam­men­le­ben, die nicht ihre recht­mä­ßi­ge Ehe­gat­tin oder ihr recht­mä­ßi­ger Ehe­gat­te ist, dür­fen nicht zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on hin­zu­tre­ten. Im Fal­le, dass sie dies für mög­lich hiel­ten, haben die Hir­ten und Beicht­vä­ter wegen der Schwe­re der Mate­rie und der For­de­run­gen des geist­li­chen Wohls der betref­fen­den Per­so­nen und des All­ge­mein­wohls der Kir­che die ern­ste Pflicht, sie zu ermah­nen, dass ein sol­ches Gewis­sen­s­ur­teil in offe­nem Gegen­satz zur Leh­re der Kir­che steht. Sie müs­sen die­se Leh­re zudem allen ihnen anver­trau­ten Gläu­bi­gen in Erin­ne­rung rufen. [… ] 7. Die irri­ge Über­zeu­gung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen, zum eucha­ri­sti­schen Tisch hin­zu­tre­ten zu dür­fen, setzt nor­ma­ler­wei­se vor­aus, dass dem per­sön­li­chen Gewis­sen die Macht zuge­schrie­ben wird, in letz­ter Instanz auf der Grund­la­ge der eige­nen Über­zeu­gung über das Bestehen oder Nicht­be­stehen der vor­aus­ge­hen­den Ehe und über den Wert der neu­en Ver­bin­dung zu ent­schei­den. Eine sol­che Auf­fas­sung ist jedoch unzu­läs­sig. Die Ehe stellt näm­lich wesent­lich eine öffent­li­che Wirk­lich­keit dar, weil sie das Abbild der bräut­li­chen Ver­ei­ni­gung zwi­schen Chri­stus und sei­ner Kir­che ist und die Urzel­le und einen wich­ti­gen Fak­tor im Leben der staat­li­chen Gesell­schaft bil­det. 8. [… ] Es ist aber eben­so wahr, dass der Kon­sens, der die Ehe kon­sti­tu­iert, nicht eine blo­ße Pri­va­tent­schei­dung ist, weil er für jeden Part­ner und das Ehe­paar eine spe­zi­fisch kirch­li­che und sozia­le Situa­ti­on kon­sti­tu­iert. Das Gewis­sen­s­ur­teil über die eige­ne ehe­li­che Situa­ti­on betrifft daher nicht nur die unmit­tel­ba­re Bezie­hung zwi­schen Mensch und Gott, als ob man ohne die kirch­li­che Ver­mitt­lung, die auch die im Gewis­sen ver­bind­li­chen kano­ni­schen Nor­men ein­schließt, aus­kom­men könn­te. Die­sen wich­ti­gen Aspekt nicht zu beach­ten, wür­de bedeu­ten, die Ehe fak­tisch als Wirk­lich­keit der Kir­che, das heißt als Sakra­ment, zu leug­nen.“ (Ratz­in­ger 2014, S. 37–39).))
  3. Die Ehe ist auch auf der natür­li­chen Ebe­ne eine öffent­li­che Rea­li­tät mit einer Wir­kung auf das Leben, der Fami­lie; sie ist fer­ner das Fun­da­ment der Gesell­schaft. Daher gibt es kei­ne „rein pri­va­ten“ oder „rein inne­re“ Lösun­gen für die Fra­ge des Fort­be­stehens einer Ehe. Dies gilt um so mehr für das Sakra­ment der Ehe.
  4. Die Ehe zwi­schen zwei Getauf­ten ist ein Sakra­ment. Der Emp­fang jedes Sakra­ments ist ein reli­giö­ser und nie ein rein pri­va­ter Akt. Es ist daher Auf­ga­be der Kir­che, die Gül­tig­keit der Sakra­men­te nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en zu beur­tei­len.
  5. Dar­über hin­aus kann ein Über­las­sen die­ser Fra­ge dem Gewis­sen des Ein­zel­nen leicht zu Unge­rech­tig­kei­ten füh­ren. Den­ken wir an einen Mann, der ver­sucht ist, Ehe­bruch zu bege­hen. Er könn­te leicht in einer per­sön­li­chen Erfor­schung, die viel­leicht auf einem irri­gen Gewis­sen basiert, ent­schei­den, daß sei­ne Ehe nicht gül­tig war, und er frei sei, sich schei­den zu las­sen und eine zwei­te Frau zu hei­ra­ten.
  6. Auch kön­nen ein­zel­ne Prie­ster die Wahr­heit über eine Ehe nicht ans Licht brin­gen ohne die Durch­füh­rung einer gewis­sen­haf­ten Unter­su­chung, für die ein bestimm­tes Ver­fah­ren not­wen­dig ist. Dies ist genau die Auf­ga­be eines Kir­chen­ge­richts, des­sen Funk­ti­on daher nicht ersetz­bar ist.
  7. Dar­über hin­aus haben die Frau und die Fami­lie ihre Rech­te. Daher schä­di­gen die Fol­gen unbe­rech­tig­ter Urtei­le über das Nicht­vor­lie­gen einer gül­ti­gen Ehe die Inte­gri­tät des Sakra­men­tes und füh­ren leicht zu Unrecht an der Ehe­frau, den Kin­dern und der gesam­ten Gemein­schaft.
  8. Schließ­lich wür­de durch ein Über­las­sen der Ent­schei­dung über die Ungül­tig­keit der Ehe dem Gewis­sen des ein­zel­nen Ehe­teils oder auch einem ein­zel­nen Prie­ster ein gro­ßes Cha­os ent­ste­hen. Wenn ein Ehe­part­ner oder ein Prie­ster die Ungül­tig­keit der Ehe ablehnt, der ande­re Ehe­part­ner oder ein wei­te­rer Prie­ster hin­ge­gen ihr zustimmt, oder wenn ein Paar, das nicht ver­hei­ra­tet ist, so tut, als ob es ver­hei­ra­tet wäre, wür­de das Leben der Kir­che durch viel­fäl­ti­ge Ver­wir­rung und Ärger­nis geschä­digt wer­den. ((All die­se Leh­ren der letz­ten Päp­ste wer­den von Kar­di­nal Schön­born in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on von AL direkt abge­lehnt: (Vgl. Schön­born 2016 – 6 lug­lio, 2016).))

Daher scheint die Ansicht, daß auch die Zulas­sung von Paa­ren der vier­ten Kate­go­rie zu den Sakra­men­ten und das ihrem Gewis­sen­s­ur­teil Über­las­sen zu bestim­men, ob eine erste Ehe gül­tig war oder nicht, unaus­weich­lich aus­drück­li­chen und dog­ma­ti­schen­Leh­ren der Kir­che zu wider­spre­chen. Daher soll­te und kann auch kein Papst von die­ser Leh­re und Pra­xis der Kir­che abwei­chen.

3 Korrekturen (Widerruf) von einigen Thesen in Amoris Laetitia

Bei aller kind­li­chen Erge­ben­heit, die ich als Katho­lik der Per­son und dem Lehr­amt des Pap­stes schul­de, bin ich den­noch über­zeugt, daß eini­ge der Aus­sa­gen in AL falsch und sogar (in eini­gen Fäl­len) objek­tiv häre­tisch sind und durch den Hei­li­gen Vater selbst, der vor uns allen für das Wohl der Kir­che und die Rei­ner­hal­tung des uner­meß­li­chen Schat­zes der unwi­der­ruf­li­chen und unfehl­ba­ren Leh­re der Kir­che Sor­ge trägt, wider­ru­fen wer­den soll­ten. Da aller­dings in fast allen die­sen Urtei­len eine gewis­se Mehr­deu­tig­keit liegt und dar­über hin­aus kei­ne die­ser Leh­ren kon­se­quent und kon­ti­nu­ier­lich von Papst Fran­zis­kus ver­tei­digt wird, den­ke ich, daß das Urteil eini­ger, die Fran­zis­kus einen „häre­ti­schen Papst“ nen­nen oder sich sogar wei­gern, ihn als unse­ren wah­ren und recht­mä­ßi­gen Papst anzu­er­ken­nen, nicht gerecht­fer­tigt ist. Ich bin daher voll Ver­trau­en, daß, wenn Papst Fran­zis­kus, als wah­rer Papst und Nach­fol­ger des Hei­li­gen Petrus, einen Wider­spruch zwi­schen sei­nen Aus­sa­gen und den Leh­ren der Kir­che fän­de, er sei­ne The­sen sofort wider­ru­fen wür­de. Und ich hof­fe, er wird dies in den fol­gen­den Fäl­len tun.

3.1 Eine Leugnung des Ehebruchs als ‘in sich schlecht’, nie erlaubt und noch viel weniger in bestimmten Situationen gut und obligatorisch? Ist der in sich schlechte Ehebruch ein geringeres Übel als eine Untreue in einer ehebrecherischen Beziehung (einer zweiten ‘standesamtlichen Ehe’)?

Es ist schwer zu leug­nen, daß AL Leh­ren ent­hält oder zumin­dest For­mu­lie­run­gen benutzt, die in ihrem wört­li­chen, offen­kun­di­gen Sinn in direk­tem Wider­spruch zum Evan­ge­li­um, zu Veri­ta­tis Sple­ndor und zur unver­än­der­li­chen Tra­di­ti­on der Kir­che ste­hen und daher nicht nur geklärt, son­dern wider­ru­fen wer­den soll­ten.

Eini­ge Pas­sa­gen, obwohl im Ton sehr ähn­lich man­chen Wor­ten des Evan­ge­li­ums, geben eini­gen der schön­sten und barm­her­zig­sten Wor­ten Jesu einen ganz ande­ren Sinn, indem sie sie von den stren­gen Ermah­nun­gen Jesu los­lö­sen. Ande­re schei­nen, zumin­dest auf den ersten Blick, eini­ge ewi­ge und unver­än­der­li­che Tei­le der Glau­bens­leh­re und der sakra­men­ta­len Dis­zi­plin der Kir­che abzu­leh­nen. Daher besteht mei­ner Mei­nung nach eine gro­ße Gefahr, daß aus die­sen Sät­zen eine Lawi­ne von sehr schäd­li­chen Fol­gen für die Kir­che und die See­len los­bre­chen könn­te.

AL scheint von der Leh­re der Kir­che über die Ehe, Veri­ta­tis Sple­ndor, und den sich logisch aus der unaus­ge­setz­ten Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe erge­ben­den Kon­se­quen­zen abzu­wei­chen, wenn AL sagt, es kön­ne schlecht sein, wenn eine Geschie­de­ne und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­te nicht zuläßt, daß ihr neu­er Part­ner mit ihr ehe­bre­che­ri­sche sexu­el­le Bezie­hun­gen hat, wenn die­se Ableh­nung der ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hun­gen mit dem ande­ren Part­ner die­sen zur Untreue ihr gegen­über ver­an­laßt.

Noch wei­ter ent­fernt sich Amo­ris Lae­ti­tia von Fami­lia­ris Con­sor­tio, wenn es sagt, daß ein Leben in Ehe­bruch eines sol­chen Paa­res von Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten mög­li­cher­wei­se nicht nur die Fol­ge eines irren­den Gewis­sens ist, das mit dem Stand der Gna­de des sub­jek­tiv nicht schwer sün­di­gen­den Sün­ders zusam­men bestehen kann (was mög­lich ist), son­dern ein sol­cher Ehe­bruch auch das Ergeb­nis der Erkennt­nis von Got­tes Wil­len für bestimm­te Paa­re sein kann, so als könn­te es je Got­tes Wil­le sein, daß Geschie­de­ne und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­te wei­ter sün­di­gen und ehe­bre­che­ri­sche Bezie­hun­gen pfle­gen. In Num­mer 303 steht in AL:

„Doch die­ses Gewis­sen kann nicht nur erken­nen, dass eine Situa­ti­on objek­tiv nicht den gene­rel­len Anfor­de­run­gen des Evan­ge­li­ums ent­spricht. Es kann auch auf­rich­tig und ehr­lich das erken­nen, was vor­erst die groß­her­zi­ge Ant­wort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewis­sen mora­li­schen Sicher­heit ent­decken, dass dies die Hin­ga­be ist, die Gott selbst inmit­ten der kon­kre­ten Viel­schich­tig­keit der Begren­zun­gen for­dert, auch wenn sie noch nicht völ­lig dem objek­ti­ven Ide­al ent­spricht. Auf jeden Fall sol­len wir uns dar­an erin­nern, dass die­se Unter­schei­dung dyna­misch ist und immer offen blei­ben muss für neue Pha­sen des Wachs­tums und für neue Ent­schei­dun­gen, die erlau­ben, das Ide­al auf voll­kom­me­ne­re Wei­se zu ver­wirk­li­chen.“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 303).))

Wenn die Bedeu­tung die­ses Tex­tes ist, daß wir erken­nen kön­nen, daß Got­tes Wil­le für uns ein Ehe­bruch sein kann (d. h. als geschie­de­nes wie­der­ver­hei­ra­te­tes Paar nicht wie Bru­der und Schwe­ster zu leben, wie die Kir­che in sol­chen Situa­tio­nen gebie­tet), so steht dies ein­deu­tig im Wider­spruch zu eini­gen Cano­nes des Kon­zils von Tri­ent. ((Kon­zil von Tri­ent, Lek­ti­on 6, Kan. 21:
„Wer sagt, Chri­stus Jesus sei von Gott den Men­schen geschenkt wor­den als Erlö­ser, dem sie ver­trau­en sol­len, nicht auch als Gesetz­ge­ber, dem sie gehor­chen sol­len: der sei mit dem Anathe­ma belegt.“ (Den­zin­ger 1997, Dz. 1571)
Kon­zil von Tri­ent, Sit­zung 24, Kan. 2:
„Wer sagt, den Chri­sten sei es erlaubt, meh­re­re Frau­en zugleich zu haben, und dies sei durch kein gött­li­ches Gesetz ver­bo­ten [vgl. Mt 19,9]: der sei mit dem Anathe­ma belegt“. (Den­zin­ger 1997, Dz. 1802)
Kon­zil von Tri­ent, Sit­zung 24, Kan. 5:
„Wer sagt, das Band der Ehe kön­ne wegen Häre­sie, Schwie­rig­kei­ten im Zusam­men­le­ben oder vor­sätz­li­cher Abwe­sen­heit vom Gat­ten auf­ge­löst wer­den: der sei mit dem Anathe­ma belegt.“ (Den­zin­ger 1997, Dz. 1805)
Kon­zil von Tri­ent, Sit­zung 24, Kan. 7:
„Wer sagt, die Kir­che irre, wenn sie lehr­te und lehrt, gemäß der Leh­re des Evan­ge­li­ums und des Apo­stels [vgl. Mt 5,32; 19,9; Mk 10,11f; Lk 16,18; 1 Kor 7,11] kön­ne das Band der Ehe wegen Ehe­bruchs eines der bei­den Gat­ten nicht auf­ge­löst wer­den, und kei­ner von bei­den, nicht ein­mal der Unschul­di­ge, der kei­nen Anlaß zum Ehe­bruch gege­ben hat, kön­ne, solan­ge der ande­re Gat­te lebt, eine ande­re Ehe schlie­ßen, und der­je­ni­ge, der eine Ehe­bre­che­rin ent­läßt und eine ande­re hei­ra­tet, und die­je­ni­ge, die einen Ehe­bre­cher ent­läßt und einen ande­ren hei­ra­tet, begin­gen Ehe­bruch: der sei mit dem Anathe­ma belegt.“ (Den­zin­ger 1997, Dz. 1807)
Sie­he auch: PS 5,5; PS 18,8–9; Sirach 15,21; Hebrä­er 10,26–29; Jes 1,13; 1 Joh 3,7; Leo XIII., Enzy­kli­ka Liber­tas Prae­stan­tis­si­mum, ASS 20 (1887–88): 598 (Dz. 3248); Pius XII, Dekret des Hei­li­gen Offiziums zur Situa­ti­ons­ethik, Dz. 3918; 2. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, pasto­ra­le Kon­sti­tu­ti­on Gau­di­um et Spes, 16; Johan­nes Paul II., Veri­ta­tis Sple­ndor, 54: AAS 85 (1993): 1177; Kate­chis­mus der katho­li­schen Kir­che, 1786–87.))

Ich möch­te nicht leug­nen, daß es auch inner­halb einer unrech­ten Bezie­hung zwi­schen Mann und Frau und einem ehe­bre­che­ri­schen und biga­men Paar mensch­li­che und natür­li­che sitt­li­che Wer­te geben kann, etwa der Treue inner­halb einer ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hung und Biga­mie anstatt einer halt­lo­sen Pro­mis­kui­tät und Betrug. Auch behaup­te ich nicht, daß „Treue in dem Leben eines ehe­bre­che­ri­schen Paa­res kei­nen Sinn mache“. Aller­dings wür­de ich sagen, daß eine sexu­el­le Hand­lung der Untreue in einer außer­ehe­li­chen oder ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hung zwi­schen einem Biga­mi­sten und sei­ner Gelieb­ten nie ein mora­lisch grö­ße­res Übel sein kann „als der ‘treue’ Voll­zug geschlecht­li­cher Bezie­hun­gen eines ehe­bre­che­ri­schen Paa­res.“ In der Tat, solch ein „Betrug“, tritt er in einer zivil geschlos­se­nen „Ehe von Ehe­bre­chern“ auf, ist min­de­stens aus mora­li­scher Sicht ein viel gerin­ge­rer mora­li­scher „Unwert“ als ein sexu­el­ler Akt zwi­schen treu­en Part­ner in einer ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hung von Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten. Denn der Aspekt der „Biga­mie“ und der „Vor­täu­schung einer neu­en Ehe“ ist viel schlim­mer als ein „ein­fa­cher Ehe­bruch“ und erst recht kei­nes­wegs weni­ger schlimm als eine Untreue zwi­schen einem ehe­bre­che­ri­schen Paar.

All dies ist ohne Zwei­fel nicht die Leh­re der Kir­che, die in der Ver­gan­gen­heit eine neue bür­ger­li­che Ehe gegen das bestehen­de Band der sakra­men­ta­len Ehe mit Exkom­mu­ni­ka­ti­on beleg­te, und auch heu­te noch nach dem bestehen­den Kir­chen­recht vor dem Ein­ge­hen einer neu­en bür­ger­li­chen Ehe, vor dem Leben in einer ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hung und der schwe­ren mora­li­schen Schuld, die man sich dadurch auf­lädt, ener­gisch warnt.

Vor allem: ein sakra­men­ta­les Band der Ehe zu bre­chen ist natür­lich eine ungleich grö­ße­re Sün­de, als ein Sei­ten­sprung in einer zivi­len (und von Anfang an kirch­lich gespro­chen ungül­ti­gen) und „ehe­bre­che­ri­schen Ehe“. In einem „Ehe­bruch“ gegen einen zivil gehei­ra­te­ten (und sel­ber ehe­bre­che­ri­schen) Part­ner ver­letzt man kein sakra­men­ta­les Band der Ehe, das zwi­schen Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten nicht exi­stiert.

In einer sol­chen Untreue ver­letzt man nur eine mensch­li­che Bin­dung (die, im Fall des Ehe­bruchs, reli­gi­ös und mora­lisch gespro­chen, wenn sie Geschlechts­ver­kehr ein­schließt, eine von Natur aus schlech­te und ungül­ti­ge Ver­bin­dung dar­stellt). Des­halb, im all­ge­mei­nen, „posi­ti­ve Wer­te“ in homo­se­xu­el­len und ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hun­gen zu fin­den, oder zu sagen, daß die Kir­che sol­che Paa­re will­kom­men heißt, etc. ist eine Spra­che, die zwar ein Körn­chen Wahr­heit ent­hält, aber gro­ße Gefahr läuft, eine Ver­dun­ke­lung der höch­sten und rea­len Wer­te und Unwer­te zu bewir­ken.

Wenn eine Bezie­hung, gemäß den Wor­ten unse­res Herrn, ein Ehe­bruch ist, ist sie objek­tiv in allen Situa­tio­nen und all­ge­mein in sich schlecht, es sei denn das Paar lebe „wie Bru­der und Schwe­ster“ (in wel­chem Fall sei­ne Lie­be von einem hohen Wert sein kann).

3.2 Ist es jemals erlaubt, einen in sich schlechten Ehebruch als Mittel einzusetzen, um andere Übel zu verhindern?

In der Tat haben die Syn­ode und Papst Fran­zis­kus recht, daß wir ange­sichts der unend­li­chen Barm­her­zig­keit Got­tes, vor „ver­schlos­se­nen Her­zen“ flie­hen sol­len,

„die sich sogar hin­ter der Leh­re der Kir­che zu ver­stecken pfle­gen, ‘um sich auf den Stuhl des Mose zu set­zen und – manch­mal von oben her­ab und mit Ober­fläch­lich­keit – über die schwie­ri­gen Fäl­le und die ver­letz­ten Fami­li­en zu rich­ten’“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 305).)) (AL, 305),

aber selbst­ver­ständ­lich kann die­se War­nung nicht für die 2000jährige Leh­re der Kir­che und die Leh­re der Hei­li­gen Schrift über den in sich schlech­ten Cha­rak­ter des Ehe­bruchs gel­ten, wie er gran­di­os in Veri­ta­tis Sple­ndor ver­tei­digt wird, einer Enzy­kli­ka Papst Johan­nes Paul II., die in AL nie zitiert wird, noch wird dort ihre zen­tra­le Bot­schaft zusam­men­ge­faßt, obwohl sie sich auf das­sel­be The­ma bezieht. Denn die­se bestän­di­ge Leh­re der Kir­che und des Evan­ge­li­ums hat nichts, abso­lut nichts mit der pha­ri­säi­schen, lieb­lo­sen Rich­ter­hal­tung zu tun, die AL gei­ßelt, ja die Auf­he­bung die­ser Leh­re zugun­sten einer fal­schen Barm­her­zig­keit wür­de der christ­li­chen Barm­her­zig­keit radi­kal wider­spre­chen.

In der Tat sagt Jesus zur Ehe­bre­che­rin, die gemäß dem Gesetz des Mose den Tod ver­dient hat, nach­dem kei­ner ihrer Anklä­ger sie stei­nigt, die­ses schön­ste Wort: „auch ich will Dich nicht ver­ur­tei­len“. Aber Jesus fügt hin­zu: „Geh hin, und sün­di­ge fort­an nicht mehr!“. Papst Fran­zis­kus, sein Stell­ver­tre­ter auf Erden, sagt hin­ge­gen, unter Beru­fung auf die Syn­ode, zu der Ehe­bre­che­rin, sie dür­fe in gewis­sen Situa­tio­nen wei­ter sün­di­gen, sie sol­le sich dabei aber nicht nur nicht exkom­mu­ni­ziert, son­dern als „leben­di­ges Glied der Kir­che“ füh­len, ja sie kön­ne es viel­leicht sogar als Wil­len Got­tes für sie erken­nen, daß sie sün­di­ge:

„Sie sol­len sich nicht nur als nicht exkom­mu­ni­ziert füh­len, son­dern kön­nen als leben­di­ge Glie­der der Kir­che leben und rei­fen, indem sie die­se wie eine Mut­ter emp­fin­den, die sie immer auf­nimmt, sich lie­be­voll um sie küm­mert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evan­ge­li­ums ermu­tigt.“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 299).)) (AL, 299)

Es ist zwei­fel­los wahr, was der Papst hier sagt (seit der Ver­än­de­rung des kano­ni­schen Rechts 1983). Geschie­de­ne und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­te sind nicht exkom­mu­ni­ziert, wie sie vor­her waren. In der Tat sind sie es nicht.

Die Exkom­mu­ni­ka­ti­on ist die schwer­ste kirch­li­che Stra­fe, mit der nur eini­ge sehr schwer­wie­gen­de Sün­den, und heu­te weni­ger als frü­her, von der Kir­che bestraft wer­den. Exkom­mu­ni­ka­ti­on kann auto­ma­tisch erfol­gen (z. B. wird, wer eine Abtrei­bung durch­führt oder an ihr mit­hilft auto­ma­tisch exkom­mu­ni­ziert). Oder sie kann durch einen Akt des Bischofs oder des Pap­stes aus­drück­lich auf­er­legt wer­den. Ehe­bruch wur­de mei­nes Wis­sens nie mit Exkom­mu­ni­ka­ti­on bestraft. Wohl aber wur­de nach dem Codex Iuris Cano­ni­ci von 1917 der Ehe­bruch der Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on geahn­det. ((Der Weih­bi­schof von Mon­ter­rey Miran­da Guar­dio­la schreibt:
„Der Kodex des kano­ni­schen Rechts von 1917 sprach von den Geschie­de­nen und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­ten als öffent­li­che unwür­di­ge, infa­me Sün­der, Biga­mi­sten, die, je nach Schwe­re­grad exkom­mu­ni­ziert [… ] wer­den müß­ten (c. 855, Par 1 und 2356)“. (Guar­dio­la 2015).)) Canon 2356 des CIC von 1917 betrach­te­te die zivi­le Wie­der­ver­hei­ra­tung eines Geschie­de­nen als Biga­mie (und objek­tiv ist es so, solan­ge das Band der ersten Ehe noch besteht). Auch im neu­en Codex Iuris Cano­ni­ci von 1983 heißt es: Bigam sind die­je­ni­gen, die zivil­recht­lich wie­der hei­ra­ten, wäh­rend die Ehe mit einer ande­ren Per­son noch gül­tig ist und wei­ter­be­steht. Der ehe­ma­li­ge CIC ord­ne­te an, daß Geschie­de­ne und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­te zu war­nen sind, daß ihre Tat die Stra­fe der Exkom­mu­ni­ka­ti­on über sie brin­gen wird, wenn sie nach Erhalt die­ser Infor­ma­ti­on wei­ter wie Mann und Frau zusam­men­le­ben.

Wenn die zitier­ten Wor­te von AL bedeu­ten, wie vie­le Inter­pre­ten anneh­men, daß geschie­de­ne wie­der­ver­hei­ra­te­te Paa­re wis­sen kön­nen, daß ihre Hand­lung Ehe­bruch und eine schwe­re Sün­de ist, und trotz die­ses bewuß­ten Ehe­bruchs im Stand der Gna­de leben kön­nen, wider­sprä­che dies der Hei­li­gen Schrift und der dog­ma­ti­schen Leh­re der Kir­che. ((Mk 10,11–12; Ex 20,14; Mt 5,32, 19,9; Luk 16,18; 1 Kor 7,10–11; Hebrä­er 10,26–29; Kon­zil von Tri­ent, VI. Sit­zung, Can. 19–21, 27; XXIV. Sit­zung, Canon 5 und 7; die von Inno­zenz XI. ver­ur­teil­ten Sät­ze der „Laxi­sten“ 62–63 (Dz 2162 / 63); Alex­an­der VIII., Dekret des Hei­li­gen Offiziums über die „phi­lo­so­phi­sche Sün­de“ (Dz. 2291); Johan­nes Paul II., Veri­ta­tis Sple­ndor, 65–70: AAS 85 (1993): 1185–89 (Dz. 4964–67).))

Auf alle Fäl­le stellt eine Wie­der­ver­hei­ra­tung wäh­rend das erste Ehe­band besteht, objek­tiv eine schwe­re Sün­de dar, die den­je­ni­gen, die sie bege­hen, den gna­den­brin­gen­den Emp­fang der hei­lig­sten Eucha­ri­stie und einer gül­ti­gen sakra­men­ta­len Abso­lu­ti­on (ohne Reue und Ent­schluß, die­se Sün­de nicht mehr zu bege­hen), unmög­lich macht. Folg­lich wenn es aus ernst­haf­ten Grün­den (wie dem Wohl ihrer Kin­der) nicht erfor­der­lich ist, daß Geschie­de­ne und (ohne kirch­li­che Nul­li­täts­er­klä­rung) Wie­der­ver­hei­ra­te­te zu ihrem recht­mä­ßi­gen Ehe­part­ner zurück­keh­ren, ist ihr Zusam­men­le­ben nur dann erlaubt, wenn sie „wie Bru­der und Schwe­ster“ zusam­men­le­ben, wie die Kir­che seit 2000 Jah­ren und erneut in Fami­lia­ris Con­sor­tio lehrt.

3.3 Gibt es Gebote für alle, oder müssen wir eine ‘Situationsethik’ und einen ethischen Proportionalismus annehmen?

Hat die Kir­che durch die Enzy­kli­ken von Papst Johan­nes Paul II. Veri­ta­tis Sple­ndor und Evan­ge­li­um Vitae eine uni­ver­sal gül­ti­ge Ethik gelehrt, die uns bestimm­te Hand­lun­gen immer und in jeder Situa­ti­on ver­bie­ten, oder müs­sen wir eine „Situa­ti­ons­ethik“ und einen ethi­schen Pro­por­tio­na­lis­mus akzep­tie­ren und gibt es, statt stren­gen Gebo­ten, bloß noch „ethi­sche Idea­le“, denen wir nur all­mäh­lich zu ent­spre­chen brau­chen?

Gilt die im Kon­zil von Tri­ent dog­ma­tisch for­mu­lier­te Wahr­heit, daß jeder Christ, mit Hil­fe der Gna­de und der Sakra­men­te, die Kraft emp­fängt, die Gebo­te Got­tes zu erfül­len, die sich mit ihrer For­de­rung an alle rich­ten?, ((Kon­zil von Tri­ent: VI. Sit­zung, Kanon 21 (Dz. 1571); XXIV. Sit­zung, Kanon 2 (Dz. 1801); XXIV. Sit­zung, 5 (Dz. 1805), 7. Sie­he auch: Psalm 5,5; 18,8–9; Sirach 15,21; Hebrä­er 10,26–29; Sant. 1,13; 1. Johan­nes 3,7; Inno­zenz XI. ver­ur­teilt Sät­ze der „Laxi­sten“, 62–63 (Dz 2162 / 63); Cle­mens XI., Con­sti­tu­ti­on Uni­ge­ni­tus, gegen die Irr­tü­mer von Pas­quier Ques­nel, 71 (Dz. 2471); Leo XIII. Liber­tas Prae­stan­tis­si­mum, ASS 20 (1887–88): 598 (Dz. 3248); Pius XII., Dekret des Hei­li­gen Offiziums über die Situa­ti­ons­ethik, (Dz. 3918); 2. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, pasto­ra­le Kon­sti­tu­ti­on Gau­di­um et Spes, 16; Johan­nes Paul II., Veri­ta­tis Sple­ndor, 54: AAS 85 (1993): 1177; Kate­chis­mus der katho­li­schen Kir­che, 1786–87.)) oder sind die gött­li­chen Gebo­te gegen Ehe­bruch nur Idea­le bzw. Ziel­ge­bo­te, die nicht jeder erfül­len kann? AL 301 scheint genau die­se zwei­te Alter­na­ti­ve zu behaup­ten:

„Daher ist es nicht mehr mög­lich zu behaup­ten, dass alle, die in irgend­ei­ner soge­nann­ten ‘irre­gu­lä­ren’ Situa­ti­on leben, sich in einem Zustand der Tod­sün­de befin­den und die hei­lig­ma­chen­de Gna­de ver­lo­ren haben. Die Ein­schrän­kun­gen haben nicht nur mit einer even­tu­el­len Unkennt­nis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, gro­ße Schwie­rig­kei­ten haben ‘im Ver­ste­hen der Wer­te, um die es in der sitt­li­chen Norm geht’, [Joh­nan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio (22. Novem­ber 1981), 33: AAS 74 (1982), S. 121.] oder er kann sich in einer kon­kre­ten Lage befin­den, die ihm nicht erlaubt, anders zu han­deln und ande­re Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 301), (Her­vor­he­bung J.S.). AL 301. Dies scheint direkt dem zu wider­spre­chen, was das Kon­zil von Tri­ent lehrt:
VI. Sit­zung 18 (Dz. 1568). Auch: Gen 4,7; Deut. 30,11–19; Sirach 15,11–22; MK 8,38; Luk. 9,26; Hebrä­er 10,26–29; 1. Johan­nes 5,17; Zosi­mus, 15 (oder 16) Syn­ode von Kar­tha­go, Canon 3 über die Gna­den, Dz. 225; Felix III oder Syn­ode von Oran­ge, Dz. 397; Kon­zil von Tri­ent, V. Sit­zung Canon 5; VI. Sit­zung, Cano­nes 18–20, 22, 27 und 29; Pius V., Bul­le Ex Omni­bus Afflictionibus, über die Irr­tü­mer von Micha­el du Bay, 54, (Dz. 1954); Inno­zenz X., Con­sti­tu­ti­on Cum Occa­sio­ne, über die Irr­tü­mer von Cor­ne­li­us Jan­sen, 1 (Dz. 2001); Cle­mens XI., Con­sti­tu­ti­on Uni­ge­ni­tus, über die Irr­tü­mer von Pas­quier Ques­nel, 71 (Dz. 2471); Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Recon­ci­lia­tio et Poe­ni­ten­tia 17: AAS 77 (1985): 222; Veri­ta­tis Sple­ndor 65–70: AAS 85 (1993): 1185–89 (Dz. 4964–67).))

Gott befiehlt allen durch die zehn Gebo­te und Jesus befiehlt der Ehe­bre­che­rin, und jedem von uns, ohne alle Bedin­gun­gen:

Du sollst nicht ehe­bre­chen!

Papst Fran­zis­kus scheint zu leh­ren, daß die­se Gebo­te Aus­druck eines Ide­als (Ziel­ge­bo­te) sind, denen nur weni­ge gehor­chen kön­nen, so als wären die gött­li­chen Gebo­te blo­ße „evan­ge­li­sche Räte“ (wie es die Ehe­lo­sig­keit oder Armut sind) für eini­ge, die eine höhe­re Voll­kom­men­heit suchen, und nicht stren­ge, all­ge­mein­ver­pflich­ten­de Gebo­te für alle. Übri­gens kann der Papst doch unmög­lich durch das Kon­zil von Tri­ent ver­ur­teil­te Häre­si­en leh­ren. ((Sie­he den bril­lan­ten und unpo­le­mi­schen Arti­kel des Paters Gio­van­ni Sca­le­se, der die­se und vie­le ande­re Ele­men­te in Amo­ris Lae­ti­tia kri­ti­siert, indem er ein­fach Fra­gen stellt (Vgl. Sca­le­se 2016).)) Es ist jedoch fast unmög­lich, sei­ne Wor­te anders zu inter­pre­tie­ren, wes­halb ich den­ke, daß es unbe­dingt not­wen­dig ist, die­se Sät­ze in AL zu wider­ru­fen.

Gott sagt bedin­gungs­los: Du sollst nicht ehe­bre­chen!

AL sagt oder legt es zumin­dest nahe, daß wenn die Ehe­bre­che­rin sich von dem Ehe­bre­cher nicht tren­nen kann oder soll (wenn z. B. die Tren­nung des zivil­recht­lich getrau­ten Ehe­paa­res Kin­dern Scha­den zufü­gen könn­te), und mit ihm ent­halt­sam „wie sei­ne Schwe­ster lebt“ (was die katho­li­sche Kir­che in sol­chen Situa­tio­nen immer gefor­dert hat), die­ser Lebens­stil aber zu ihrer eige­nen „Untreue“ oder zu jener ihres Part­ners füh­ren kann, sei es ange­sichts einer sol­chen Gefahr der Untreue zwi­schen zwei Ehe­bre­chern bes­ser, die ehe­bre­che­ri­sche Frau lebe nicht mit ihrem zwei­ten Mann „wie sei­ne Schwe­ster“, son­dern habe inti­me Bezie­hun­gen mit ihm. In einem sol­chen Fall wäre es dann bes­ser, wei­ter­hin ehe­zu­bre­chen, anstatt wie „Bru­der und Schwe­ster“ (ent­halt­sam) zusam­men­zu­le­ben. Zum Beweis die­ser neu­en Leh­re zitiert AL Kon­zils­tex­te, die sich auf Ehen, nicht auf „irre­gu­lä­re Ver­hält­nis­se“ (und vor allem auf eine tem­po­rä­re Ent­hal­tung im Gehor­sam gegen­über der spä­ter in Huma­nae Vitae for­mu­lier­ten Leh­re der Kir­che über Gebur­ten­re­ge­lung) bezie­hen. Abge­se­hen von die­ser Dis­pro­por­ti­on zwi­schen den Aus­sa­gen von AL und den Kon­zils­tex­ten akzep­tie­ren die­se Tex­te von Gau­di­um et Spes gera­de nicht, daß es in einer Ehe, um die­se durch tem­po­rä­re Ent­halt­sam­keit ent­ste­hen­de Gefahr der Untreue zu ver­mei­den, von der bereits der Apo­stel Pau­lus spricht, legi­tim sei, eine Sün­de (wie Ver­hü­tung) zu bege­hen. Amo­ris Lae­ti­tia sagt hin­ge­gen (Gau­di­um et Spes zitie­rend) in 298:

„Es gibt den Fall einer zwei­ten, im Lau­fe der Zeit gefe­stig­ten Ver­bin­dung, mit neu­en Kin­dern, mit erwie­se­ner Treue, groß­her­zi­ger Hin­ga­be, christ­li­chem Enga­ge­ment, mit dem Bewußt­sein der Irre­gu­la­ri­tät der eige­nen Situa­ti­on und gro­ßer Schwie­rig­keit, die­se zurück­zu­dre­hen, ohne im Gewis­sen zu spü­ren, daß man in neue Schuld fällt. Die Kir­che weiß um Situa­tio­nen, in denen ‘die bei­den Part­ner aus ernst­haf­ten Grün­den – zum Bei­spiel wegen der Erzie­hung der Kin­der – der Ver­pflich­tung zur Tren­nung nicht nach­kom­men kön­nen’.“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 298).))

Amo­ris Lae­ti­tia erklärt in der Fuß­no­te 329:

„Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Fami­lia­ris Con­sor­tio (22. Novem­ber 1981), 84: AAS 74 (1982), S. 186. Vie­le, wel­che die von der Kir­che ange­bo­te­ne Mög­lich­keit, ‘wie Geschwi­ster’ zusam­men­zu­le­ben, ken­nen und akzep­tie­ren, beto­nen, daß in die­sen Situa­tio­nen, wenn eini­ge Aus­drucks­for­men der Inti­mi­tät feh­len, ‘nicht sel­ten die Treue in Gefahr gera­ten und das Kind in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wer­den [kann].’ (Zwei­tes Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Past. Konst. Gau­di­um et spes über die Kir­che in der Welt von heu­te, 51).“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 298, Fn. 329).))

Aber das Kon­zil (Gau­di­um et Spes) fährt fort, daß es nie erlaubt ist, um ehe­li­che Untreue zu ver­mei­den, die intrin­sisch unmo­ra­li­sche Hand­lung der Emp­fäng­nis­ver­hü­tung zu bege­hen.
AL, abge­se­hen davon, daß sie von ehe­bre­che­ri­schen Bezie­hun­gen und nicht dem hei­li­gen Sakra­ment der Ehe spricht, scheint, im kla­ren Gegen­satz dazu, unter Beru­fung auf Gau­di­um et Spes zu impli­zie­ren, daß es in die­sen Situa­tio­nen gerecht­fer­tigt sei, Ehe­bruch zu bege­hen. Ich zitie­re noch ein­mal die bereits in ande­rem Kon­text zitier­te Stel­le aus Amo­ris Lae­ti­tia 301:

„Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, gro­ße Schwie­rig­kei­ten haben ‘im Ver­ste­hen der Wer­te, um die es in der sitt­li­chen Norm geht’, oder er kann sich in einer kon­kre­ten Lage befin­den, die ihm nicht erlaubt, anders zu han­deln und ande­re Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 301). (Her­vor­he­bung J.S.) Die­ser Ver­weis auf die Gefahr der Untreue in Gau­di­um et Spes bezieht sich nur auf die Ehe und nicht, wie in AL, auf außer­ehe­li­che Affä­ren oder wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne. Ich kei­ne ande­ren kirch­li­chen Text (abge­se­hen von AL), der von der Treue zwi­schen Ehe­bre­chern als Tugend oder von der Untreue gegen ein­an­der als Laster, oder sogar als von einem noch grö­ße­ren und ern­ste­ren Übel als es der Ehe­bruch ist, spricht.))

Ich den­ke, daß die gesam­te Kir­che den gelieb­ten Papst Fran­zis­kus im Namen Jesu Chri­sti auf­ru­fen soll­te, die fal­schen Inter­pre­ta­tio­nen von AL und die­se For­mu­lie­run­gen, die gegen die hei­li­gen Wor­te Chri­sti, die nie unter­ge­hen wer­den, und die hei­li­gen Leh­ren und Dog­men der Kir­che ver­sto­ßen, zu wider­ru­fen!

3.4 Stimmt es, dass ‘niemand für immer verurteilt wird’? Warum sollen Ehebrecher und andere Paare in ‘irregulären’ Situationen zum Sakramentsempfang mit der Verheißung eingeladen werden, dass ‘niemand für immer verurteilt wird’?

Bei all Sei­ner Barm­her­zig­keit warnt Jesus uns 24 Mal expli­zit und per­sön­lich, und mehr als dop­pelt so oft durch den Rest der Hl. Schrift des Alten und Neu­en Testa­ments, vor der Gefahr der ewi­gen Ver­damm­nis, wenn wir in schwe­rer Sün­de ver­har­ren. Sein Stell­ver­tre­ter auf Erden Fran­zis­kus sagt uns in AL 297:

„Nie­mand darf auf ewig ver­ur­teilt wer­den, denn das ist nicht die Logik des Evan­ge­li­ums! Ich bezie­he mich nicht nur auf die Geschie­de­nen in einer neu­en Ver­bin­dung, son­dern auf alle, in wel­cher Situa­ti­on auch immer sie sich befin­den.“ (((Fran­zis­kus 2016, Nr. 297).))

Obwohl im Zusam­men­hang nicht ganz klar ist, was der Papst mit „auf ewig“ meint, so ist es doch fast unver­meid­lich, den Text in dem Sin­ne zu ver­ste­hen, daß es nach ihm kei­ne Höl­le oder Gefahr der ewi­gen Ver­damm­nis gibt, obwohl die­se Aus­sa­ge sich auf AL 296 zurück­be­zie­hen könn­te, wo AL sagt:

„‘Der Weg der Kir­che ist vom Jeru­sa­le­mer Kon­zil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barm­her­zig­keit und der Ein­glie­de­rung [… ] Der Weg der Kir­che ist der, nie­man­den auf ewig zu ver­ur­tei­len, die Barm­her­zig­keit Got­tes über alle Men­schen aus­zu­gie­ßen, die sie mit ehr­li­chem Her­zen erbit­ten [… ] Denn die wirk­li­che Lie­be ist immer unver­dient, bedin­gungs­los und gegen­lei­stungs­frei.’“ ((Fran­zis­kus 2016, Nr. 296). Anm. 326 in AL gibt die Pre­digt an, aus der zitiert wird: Homi­lie in der Eucha­ri­stie­fei­er mit den neu­en Kar­di­nä­len (15.Februar 2015): L’Osservatore Roma­no (dt.) Jg. 45, Nr. 8 (20. Febru­ar 2015), S. 8.))

Jedoch im Lich­te all der schö­nen Wor­te über die gött­li­che Barm­her­zig­keit als ein Modell für die Kir­che ist es offen­sicht­lich, daß Papst Fran­zis­kus nicht die gering­ste Mög­lich­keit einer „Ver­ur­tei­lung durch die Kir­che auf ewig“ annimmt.

Daher, wenn es Papst Fran­zis­kus nicht als Miß­ver­ständ­nis der Inter­pre­ta­ti­on von AL erklärt, kann man kaum umhin, in obi­ger For­mu­lie­rung eine Leug­nung der im Evan­ge­li­um und der dog­ma­ti­schen Leh­re der Kir­che ver­kün­de­ten Rea­li­tät und Gefahr der Höl­le zu sehen. ((Mt 25:46. Auch Mt 7,22–23; LK 16,26; Joh 17,12; APOC 20,10; 16. Syn­ode von Tole­do (Dz. 574); 4. Later­an­kon­zil, (Dz. 801); Bene­dikt XII., Con­sti­tu­ti­on Bene­dic­tus Deus, (Dz. 1002); Kon­zil von Flo­renz, Dekret Lae­ten­tur Cae­li (Dz. 1306); Johan­nes Paul II., Brief an die Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Recen­tio­res Epi­scopo­rum, AAS 71 (1979): 941; Kate­chis­mus der katho­li­schen Kir­che, 1033–37.)) Ich sehe jeden­falls, mit vie­len ande­ren Inter­pre­ten von AL, kei­ne ande­re ange­mes­se­ne Deu­tung der zitier­ten Wor­te außer der, daß die­se Pas­sa­ge eine ewi­ge Ver­damm­nis aus­schließt, was in direk­tem Wider­spruch zum Evan­ge­li­um stün­de und durch ver­schie­de­ne Dog­men und Cano­nes der Kir­che als Häre­sie ver­wor­fen wur­de und was zudem den häu­fi­gen Erwäh­nun­gen des Teu­fels und einer Rede von Papst Fran­zis­kus an die Mafia wider­spricht. ((Aus infor­mel­len Berich­ten über eine spon­tan bei einer Begeg­nung mit Opfern der Mafia gehal­te­nen Rede des Pap­stes geht her­vor, daß Papst Fran­zis­kus die Rea­li­tät der Höl­le annimmt und nicht leug­net.
Ich habe kei­ne Stel­le dar­über in den offiziellen Tex­ten des Magi­steri­ums von Papst Fran­zis­kus gefun­den, doch berich­tet das Bou­le­vard­blatt Bild vom 23.03.2014:
„Papst Fran­zis­kus (77) hat für die Opfer des orga­ni­sier­ten Ver­bre­chens gebe­tet und Mafio­si zur Umkehr auf­ge­for­dert. ‘Ändert euer Leben, bit­te, bekehrt euch, hört auf, Böses zu tun’, sag­te Fran­zis­kus an die Adres­se der Mafio­si gerich­tet, ganz so, wie es 1993 schon Johan­nes Paul II. getan hat­te.
Fran­zis­kus kam zudem mit Mafia-Geschä­dig­ten und Ange­hö­ri­gen von Men­schen zusam­men, die von Mafio­si ermor­det wur­den.
‘Ich bit­te euch auf den Knien, es ist zu eurem Besten. Das Leben, das ihr führt, bringt kei­ne Zufrie­den­heit, kei­ne Freu­de, kein Glück’, sag­te der Papst im Got­tes­dienst. Denn Macht und Geld, ‘das ihr aus euren schmut­zi­gen Geschäf­ten und mafiö­sen Ver­bre­chen auf­ge­häuft habt, ist blu­ti­ges Geld und blu­ti­ge Macht, die ihr nicht in das ande­re Leben hin­über­neh­men könnt’.
Mafio­si soll­ten sich bekeh­ren, ‘denn noch gibt es Zeit, nicht in der Höl­le zu enden; und die erwar­tet euch, wenn ihr die­sen Weg fort­setzt’.“ (Bild 2014 – 22.03.).
Doch soll­te die­se Wahr­heit nicht in einem öffent­li­chen Lehr­schrei­ben geleug­net oder in Fra­ge gestellt wer­den, so als gäl­te sie nur für die Mafia (Vgl. Laun 2013 – 13.11.).))

3.4.1 Wie kann die Gefahr, auf ewig verurteilt zu werden, der Logik des Evangeliums widersprechen?

Da die Hei­li­ge Schrift uns mehr als 50 Mal warnt und von der ewi­gen Ver­damm­nis spricht, ist nicht klar, wie es gegen die Logik des Evan­ge­li­ums ver­sto­ßen könn­te, daß es die schreck­li­che Mög­lich­keit der ewi­gen Ver­damm­nis gibt. Es kann des­halb nur gegen die „Logik des Evan­ge­li­ums“ ver­sto­ßen, die­se grau­en­vol­le Gefahr zu leug­nen. Papst Fran­zis­kus sagt in AL 297 den Ehe­bre­chern:

„Nie­mand darf auf ewig ver­ur­teilt wer­den, denn das ist nicht die Logik des Evan­ge­li­ums!“

Jesus sagt durch sei­nen Apo­stel den Ehe­bre­chern, daß (wenn sie sich nicht bekeh­ren) kei­ner geret­tet, also alle auf ewig ver­ur­teilt wer­den:

„Wis­set ihr nicht, daß die Unge­rech­ten das Reich Got­tes nicht erer­ben wer­den? Las­set euch nicht ver­füh­ren! Weder die Hurer noch die Abgöt­ti­schen noch die Ehe­bre­cher noch die Weich­lin­ge noch die Kna­ben­schän­der, 10 noch die Die­be noch die Gei­zi­gen noch die Trun­ken­bol­de noch die Läste­rer noch die Räu­ber wer­den das Reich Got­tes erer­ben.“ (Luther-Über­set­zung 1912, 1. Kor 6,9–10)

Jesus sagt durch sei­nen Apo­stel jedem von uns und jedem Mann und jeder Frau, die die Ehe bre­chen:

„Wer also unwür­dig von dem Brot ißt und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schul­dig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Jeder soll sich selbst prü­fen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trin­ken. 29 Denn wer davon ißt und trinkt, ohne zu beden­ken, daß es der Leib des Herrn ist, der ißt und trinkt sich das Gericht.“ (Ein­heits­über­set­zung 1980, 1. Kor 11,27–29)

Das heißt, wenn Ehe­bre­cher oder ande­re Men­schen, die in schwe­rer Sün­de leben, die hl. Kom­mu­ni­on emp­fan­gen, so ist dies ein Sakri­leg und die so han­deln gefähr­den ihre See­len.

Papst Fran­zis­kus, der nicht ein ein­zi­ges Mal in AL den mög­li­chen Fre­vel oder die Gefahr des Sakri­legs erwähnt für die See­len derer, die im Ehe­bruch leben und die hl. Kom­mu­ni­on unwür­dig emp­fan­gen, sagt, daß unter bestimm­ten Umstän­den, die von Fall zu Fall zu ent­schei­den sind, Men­schen, auch wenn sie wis­sent­lich im Ehe­bruch oder ande­ren „irre­gu­lä­ren“ Ver­hält­nis­sen leben, ohne Ände­rung ihre Lebens und ohne ihrem Leben des Ehe­bruchs abzu­sa­gen, und ohne jede Gefahr, für immer ver­dammt zu wer­den, zu den Sakra­men­ten hin­zu­tre­ten dür­fen (AL 306).

Dies ist ohne Zwei­fel das radi­ka­le Gegen­teil des Evan­ge­li­ums und der Stel­lung­nah­me der hl. Schwe­ster Maria Fausty­na Kow­alska, der Apo­stelin ((Seit­dem Papst Fran­zis­kus, in einer wun­der­ba­ren Ent­schei­dung, die hl. Mag­da­le­na zur Ehre der Ersten unter den Apo­steln erho­ben und ihrem Fest den Rang eines Apo­stel­fe­stes ver­lie­hen hat, wird sich der Aus­druck ‘Apo­stelin’ wohl bald ein­bür­gern.)) der Barm­her­zig­keit Got­tes. Am 20.10.1936 schreibt Schwe­ster Fausty­na Kow­alska in ihr Tage­buch:

„Heu­te wur­de ich durch einen Engel in die Abgrün­de der Höl­le geführt. Das ist ein Ort gro­ßer Qual; sei­ne Flä­che ist fürch­ter­lich groß. Die Arten der Qual, die ich sah, sind fol­gen­de: die erste Qual, die die Höl­le aus­macht, ist der Ver­lust Got­tes; die zwei­te – der unab­läs­si­ge Gewis­sens­vor­wurf; die drit­te – daß sich die­ses Los nie­mals mehr ver­än­dert; (160) die vier­te Qual – das Feu­er, das die See­le durch­drin­gen wird, ohne sie zu zer­stö­ren; das ist eine schreck­li­che Qual; es ist ein rein gei­sti­ges Feu­er von Got­tes Zorn ent­zün­det; die fünf­te Qual – stän­di­ges Dun­kel und ein furcht­bar sticki­ger Geruch; obgleich es dun­kel ist, sehen sich die Teu­fel und die ver­damm­ten See­len gegen­sei­tig; sie sehen alles Böse ande­rer und auch ihr eige­nes; die sech­ste Qual – ist die unab­läs­si­ge Gesell­schaft des Satans; die sieb­te Qual ist die furcht­ba­re Ver­zweif­lung, der Haß gegen Gott, Läste­run­gen, Ver­flu­chun­gen, Schmä­hun­gen. Das sind Qua­len, die alle Ver­damm­ten gemein­sam lei­den, doch das ist noch nicht das Ende. Es gibt noch beson­de­re Qua­len für die See­len, näm­lich Qua­len der Sin­ne. Womit die ein­zel­ne See­le gesün­digt hat, damit wird sie auf furcht­ba­re, nicht zu beschrei­ben­de Wei­se gepei­nigt. Es gibt fürch­ter­li­che Höh­len und Abgrün­de der Pei­ni­gung, wo sich eine Qual von der ande­ren unter­schei­det. Ange­sichts die­ser schreck­li­chen Pein wäre ich gestor­ben, hät­te mich nicht die All­macht Got­tes erhal­ten. Der Sün­der soll wis­sen, daß er mit dem Sin­nes­or­gan die gan­ze Ewig­keit lang (161) gepei­nigt wer­den wird, mit dem er sün­digt. Ich schrei­be dar­über auf Got­tes Befehl, damit kei­ne See­le sich aus­re­den kann, daß es die Höl­le nicht gibt, oder auch, daß dort nie­mand war und nicht weiß, wie es dort ist.“ (((Kow­alska 1996, 250f.).))

Wir leben in einer Welt und Peri­ode in der Geschich­te der Hei­li­gen Kir­che, in der die­se Wahr­heit über die Gefahr, das ewi­ge Leben zu ver­lie­ren und „auf ewig ver­ur­teilt zu wer­den“ mit fast völ­li­gem Still­schwei­gen über­gan­gen wird. Wenn aber Gott die Welt so sehr geliebt hat, daß Er Sei­nen ein­zi­gen gelieb­ten Sohn gesandt hat und ihn bit­ter lei­den und ster­ben, um uns vor der Höl­le zu ret­ten, und ihn uns häu­fig vor der Gefahr der ewi­gen Ver­damm­nis war­nen ließ, wäre es dann nicht barm­her­zig, wenn der Papst, der so oft vom Teu­fel und zur Mafia auch von der Höl­le sprach, auch in sei­nen Lehr­schrei­ben die­se Wahr­heit des Evan­ge­li­ums nicht leug­nen, son­dern klar und deut­lich ver­mit­teln wür­de?

Ich kann es in die­sem Zusam­men­hang nicht uner­wähnt las­sen, daß Jesus Chri­stus, und zwar genau nach den Wor­ten sei­ner Zusam­men­fas­sung des Kerns des Evan­ge­li­ums, des Geheim­nis­ses sei­ner unend­li­chen Barm­her­zig­keit, sagt, daß eini­ge „auf ewig ver­ur­teilt sein wer­den“. Johan­nes 3,16–17 faßt das erha­ben­ste Geheim­nis Got­tes zu zusam­men:

„So hat Gott näm­lich die Welt geliebt, daß er sei­nen ein­zi­gen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht ver­lo­ren geht, son­dern ewi­ges Leben hat. Denn Gott hat sei­nen Sohn nicht in die Welt gesandt, um die Welt zu rich­ten, son­dern damit die Welt durch ihn geret­tet wer­de“ (Joh 3,16–17).

Aber sofort danach drückt Jesus die­se Gefahr der „Ver­ur­tei­lung auf ewig“ stärk­stens und „Ärger­nis erre­gend aus“ – näm­lich als Stra­fe nicht nur für die Sün­den gegen die Näch­sten­lie­be, son­dern auch für Sün­den gegen den Glau­ben:

„Wer an ihn glaubt, wird nicht ver­ur­teilt, wer aber nicht glaubt, ist bereits ver­ur­teilt, da er nicht an den Namen des ein­zi­gen Soh­nes Got­tes geglaubt hat.“ (Joh 3,18)

Die Erklä­rung von AL: „Nie­mand darf auf ewig ver­ur­teilt wer­den“ weckt in vie­len Lesern den wei­te­ren Ver­dacht, den nur der Papst selbst durch deut­li­che Erklä­run­gen besei­ti­gen kann, daß der Papst die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums von der Not­wen­dig­keit des Glau­bens an Gott und an Jesus Chri­stus für das ewi­ge Heil leug­net, weil er sie nicht nur nicht erwähnt, son­dern auch wegen sei­ner Ant­wort auf den Athe­isten Dr. Euge­nio Scal­fa­ri, der fragt, „ob der Gott der Chri­sten dem ver­gibt, der nicht glaubt oder nicht ein­mal nach dem Glau­ben sucht“. In sei­ner Ant­wort spricht der Papst sehr schön von der unend­li­chen Barm­her­zig­keit Got­tes und Lumen Gen­ti­um, dem Kon­zils­do­ku­ment des II. Vati­ka­nums, in dem die Mög­lich­keit erwähnt wird, daß der Athe­ist, der der Stim­me sei­nes Gewis­sens folgt, (objek­tiv nur durch Jesus Chri­stus, auch wenn er es nicht weiß) geret­tet wer­den kann. Aber es wird kei­ne Erwäh­nung der Wor­te Jesu im Johan­nes-Evan­ge­li­um 3,18 gemacht, noch wer­den ande­re kla­re Aus­sa­gen der Hei­li­gen Schrift oder die Dog­men der Kir­che über die Not­wen­dig­keit des Glau­bens und der Tau­fe zum ewi­gen Heil erwähnt, wäh­rend Jesus im sel­ben Gespräch mit Niko­de­mus sagt:

„Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neu­em gebo­ren wird, kann er das Reich Got­tes nicht sehen“ (Joh 3,3)
„Jesus ant­wor­te­te: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Was­ser und Geist gebo­ren wird, kann er nicht in das Reich Got­tes ein­ge­hen.“ (Joh 3,5)
„Und wie Mose in der Wüste die Schlan­ge erhöht hat, so muß der Sohn des Men­schen erhöht wer­den, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht ver­lo­ren geht, son­dern ewi­ges Leben hat.“ (Joh 3,14–15)

Im Licht die­ser Wahr­hei­ten des Glau­bens plä­die­ren vie­le, der Papst möge aus Lie­be zu den unsterb­li­chen See­len die­se Leh­re nicht nur nicht direkt leug­nen, son­dern klar leh­ren, daß die­se Not­wen­dig­keit des Glau­bens und der Tau­fe für unser ewi­ges Heil sowie die Gefahr der Ver­ur­tei­lung auf ewig (der ewi­gen Ver­damm­nis) für jeden von uns besteht. Die Gläu­bi­gen erwar­ten, daß Papst Fran­zis­kus nicht ein ande­res Evan­ge­li­um als jenes Jesu Chri­sti pre­di­ge, und uns in den kla­ren Wor­ten von Jesus Chri­stus oder den eige­nen, sage, es bestehe die Gefahr einer ewi­gen Ver­damm­nis, und daß es nicht wahr ist, daß „kei­ner auf ewig ver­ur­teilt wird“!

Auch wenn die Aus­le­gung der Wor­te „Nie­mand darf auf ewig ver­ur­teilt wer­den“ als Leug­nung der Höl­le (wie vie­le sie inter­pre­tie­ren) eine Fehl­deu­tung von AL ist (wor­auf die zitier­ten Wor­te des Pap­stes an die Mafio­si hin­wei­sen), ist es drin­gend erfor­der­lich, eine Klä­rung und Kor­rek­tur vor­zu­neh­men, die jede der­ar­ti­ge und objek­tiv nahe­lie­gen­de Deu­tung von AL aus­schlie­ßen.

3.5 Korrekturen oder nur Klarstellungen?

Mei­ner Mei­nung nach ist es nicht mög­lich, wie eini­ge aus­ge­zeich­ne­te Kar­di­nä­le und Bischö­fe (etwa die Kar­di­nä­le Bur­ke (((Vgl. Bur­ke 2016).)) und Mül­ler), und Lai­en (wie Rodri­go Guer­ra und Roc­co But­tiglio­ne) vor­schla­gen, die­se weni­gen, aber sehr deut­li­chen Wor­te in Amo­ris Lae­ti­tia in Har­mo­nie mit den Wor­ten Chri­sti oder den Leh­ren der Kir­che zu ver­ste­hen. Aber wenn Papst Fran­zis­kus die­sen Wor­ten einen ganz ande­ren Sinn gibt als den sie zu haben schei­nen und wenn der Papst selbst sein Lehr­amt im Ein­klang mit der Tra­di­ti­on und Leh­re der Kir­che ver­steht, wie die erwähn­ten Kar­di­nä­le und Lai­en den­ken, so möge der Papst dies doch bit­te klar und unmiß­ver­ständ­lich sagen, und die fal­schen For­mu­lie­run­gen und die vie­len fal­schen Inter­pre­ta­tio­nen von AL ableh­nen und ohne Zwei­deu­tig­keit erklä­ren, daß es sich dabei um Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen han­delt!

Wenn im Gegen­teil das, was nach dem offen­sicht­li­chen Sinn sei­ner Wor­te Spa­e­mann als Gegen­satz zum Evan­ge­li­um und zu Veri­ta­tis Sple­ndor bezeich­net (((Vgl. Spa­e­mann 2016 – 28.04; Spa­e­mann 2015b).)) und einen Bruch mit Fami­lia­ris Con­sor­tio und Veri­ta­tis Sple­ndor genannt hat, wirk­lich das ist, was er sagen woll­te, dann könn­ten wir ihn nur instän­dig bit­ten, dem glor­rei­chen Bei­spiel sei­nes Vor­gän­gers Johan­nes XXII. zu fol­gen, der einen Tag vor sei­nem Tod mit der Bul­le Ne super his sei­ne eige­nen fal­schen Leh­ren, daß die vom Leib getrenn­ten See­len (die ani­mae sepa­ra­tae) im Jen­seits vor dem Tag des Jüng­sten Gerichts weder die himm­li­sche Glück­se­lig­keit noch die Qua­len der Höl­le erfah­ren, abge­lehnt und ver­ur­teilt hat, eine Leh­re, die von sei­nem Nach­fol­ger Bene­dikt XII. in der Bul­le Bene­dic­tus Deus als Häre­sie ver­ur­teilt wur­de und die in kras­sem Wider­spruch zur katho­li­schen und ortho­do­xen Lit­ur­gie mit ihren vie­len Hei­li­gen­an­ru­fun­gen wäh­rend der Lit­ur­gie und zahl­rei­chen ande­ren Riten und Gebe­ten der Kir­che steht. Möge es Papst Fran­zis­kus nicht einem Nach­fol­ger oder einem Kon­zil über­las­sen, die­se Aus­sa­gen zu ver­ur­tei­len, son­dern sie selbst zurück­zie­hen.

4 Ist es kein Skandal, daß ein Laie einen Papst kritisiert?

Papst Fran­zis­kus, als Stell­ver­tre­ter Jesu Chri­sti auf Erden, könn­te sich fra­gen: Wie kann ein blo­ßer „elen­der Laie“ den Papst kri­ti­sie­ren? Mei­ne Ant­wort: Der Papst ist nicht unfehl­bar, wenn er nicht ex cathe­dra spricht. Meh­re­re Päp­ste (etwa Johan­nes XXII., Hono­ri­us I.) haben Irr­leh­ren ver­tre­ten oder schäd­li­che pasto­ra­le Ent­schei­dun­gen getrof­fen. Und es ist, wie der hl. Tho­mas sagt, unse­re hei­li­ge Pflicht – aus Lie­be zu Gott und dem Näch­sten und aus dem Ruf der Barm­her­zig­keit mit so vie­len See­len – unse­re Bischö­fe und sogar unse­ren Papst zu kri­ti­sie­ren, wenn wir sie von der Wahr­heit abwei­chen oder der Kir­che und den See­len Scha­den zufü­gen sehen. Die­se Ver­pflich­tung wur­de in der Kir­che seit ihren ersten Anfän­gen erkannt.

Pau­lus wider­stand dem ersten Papst Petrus mit har­ten und kraft­vol­len Wor­ten ange­sichts der Abwei­chung sei­ner prak­ti­schen Ent­schei­dung von der Wahr­heit und dem Wil­len Got­tes. Der Kai­ser Kon­stan­tin I., kirch­lich gese­hen ein Laie, der 325 das erste öku­me­ni­sche Kon­zil der Kir­chen­ge­schich­te in Nicäa ein­be­rief, trat auf dem Kon­zil von Nicäa, das unter sei­ner Lei­tung statt­fand und als wich­tig­stes Kon­zil der gan­zen Kir­chen­ge­schich­te bezeich­net wer­den könn­te, sehr aktiv auf, bezeich­ne­te sich als „Bischof der Bischö­fe“ und beweg­te die der aria­ni­schen Häre­sie anhän­gen­de Mehr­heit der Bischö­fe, der recht­gläu­bi­gen Leh­re der wah­ren Gott­heit des Gott­men­schen und der For­mel zuzu­stim­men, daß „der Sohn eines Wesens mit dem Vater“ ist und beein­fluß­te so ent­schei­dend das für das gan­ze Chri­sten­tum ent­schei­den­de Nizäi­sche Glau­bens­be­kennt­nis.

Der nach dem Tod sei­nes Vaters, des Kai­sers Kon­stan­tin I., regie­ren­de Kai­ser Con­stan­ti­us II. stand der aria­ni­schen Häre­sie freund­li­cher gegen­über und woll­te eine Art Kom­pro­miß zwi­schen Aria­nern und nizäi­schen Chri­sten her­stel­len. Der hl. Atha­na­si­us, der zur Zeit des ersten Kon­zils von Nicäa erst Dia­kon war, aber spä­ter füh­ren­der Geg­ner der aria­ni­schen Häre­sie wur­de, wider­stand dem Kai­ser Con­stan­ti­us II., der eine Eini­gung der Ost­kir­chen und West­kir­chen auf einer „mitt­le­ren Linie“ erzwin­gen woll­te. Da Atha­na­si­us gegen jeden Kom­pro­miß auf­trat, berief Kai­ser Con­stan­ti­us II. ein (spä­ter nicht von der Kir­che aner­kann­tes) Kon­zil bzw. eine Syn­ode ein, übte auf die anwe­sen­den Bischö­fe Zwang aus und ließ Atha­na­si­us auf die­ser ad hoc ein­be­ru­fe­nen Syn­ode in Arles exkom­mu­ni­zie­ren, woge­gen Papst Libe­ri­us hef­tig Ein­spruch erhob. Nach­dem aber dar­auf­hin Papst Libe­ri­us vom Kai­ser Con­stan­ti­us II. abge­setzt und ver­bannt wor­den war, änder­te er sei­ne Hal­tung zum Aria­nis­mus, viel­leicht aus Furcht vor dem ihm dro­hen­den Tod oder um wie­der als Papst nach Rom zurück­keh­ren zu kön­nen.

Papst Libe­ri­us unter­schrieb (nach meh­re­ren Zeu­gen­aus­sa­gen und Brief­do­ku­men­ten) eine Erklä­rung (1. sir­mi­sche For­mel), die der aria­ni­schen oder halb­aria­ni­schen Häre­sie Zuge­ständ­nis­se mach­te und die wah­re Gott­heit Jesu Chri­sti leug­ne­te oder zumin­dest nicht die auf dem Kon­zil von Nicäa fest­ge­leg­te For­mel des Homoou­si­os ent­hielt. Als Papst Libe­ri­us die Kri­tik des Atha­na­si­us an sei­ner Häre­sie oder sei­nem häre­sie­na­hen Kom­pro­miß sah, exkom­mu­ni­zier­te er die­sen unge­rech­ter­wei­se, wie Den­zin­ger durch die Bul­le (den Brief) der Exkom­mu­ni­ka­ti­on von Atha­na­si­us durch Papst Libe­ri­us belegt. ((Das Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­schrei­ben von Papst Lie­be­ri­us gegen Atha­na­si­us Stu­dens Paci wur­de im Früh­jahr des Jah­res 357 an die öst­li­chen Bischö­fe gerich­tet:
„Im Bemü­hen um Frie­den und Ein­tracht unter den Kir­chen habe ich, nach­dem ich den von Eurer Lie­be an die Per­son des Bischofs Juli­us seli­gen Ange­den­kens über die Per­son des Atha­na­si­us und der ande­ren ver­faß­ten Brief erhal­ten hat­te, der Tra­di­ti­on der Vor­fah­ren fol­gend, die römi­schen Pres­by­ter Luci­us, Pau­lus und Helia­nus von mei­ner Sei­te nach Alex­an­dri­en zu dem oben genann­ten Atha­na­si­us gesandt, er sol­le nach Rom kom­men, damit in sei­ner Gegen­wart das, was der Ord­nung der Kir­che ent­spricht, gegen ihn fest­ge­setzt wür­de. Auch habe ich dem­sel­ben durch die oben genann­ten Pres­by­ter einen Brief über­ge­ben las­sen, der zum Inhalt hat­te, daß er, wenn er nicht kom­me, sich im kla­ren dar­über sein müs­se, daß er von der Gemein­schaft mit der Römi­schen Kir­che aus­ge­schlos­sen sei. Die Pres­by­ter nun berich­te­ten bei ihrer Rück­kehr, er habe es abge­lehnt zu kom­men. Schließ­lich bin ich dem Brief Eurer Lie­be gefolgt, den Ihr bezüg­lich der Per­son des oben genann­ten Atha­na­si­us an uns gerich­tet habt, und Ihr sollt durch die­sen Brief, den ich im Bemü­hen um Ein­mü­tig­keit mit Euch ver­faßt habe, wis­sen, daß ich mit Euch allen und mit allen Bischö­fen der katho­li­schen Kir­che Frie­den habe, der oben genann­te Atha­na­si­us aber aus­ge­schlos­sen ist von der Gemein­schaft mit mir bzw. der Römi­schen Kir­che und vom kirch­li­chen Schrift­ver­kehr.“ (Fran­zis­kus 2016, Dz. 138).
)) Gegen die aria­ni­sche Häre­sie und die Exkom­mu­ni­ka­ti­on des hl. Atha­na­si­us erho­ben Lai­en ihre Stim­men und bei­de Feh­ler wur­den kor­ri­giert. (((Vgl. Gra­ber 1973).))

Heu­te fei­ert nicht nur die katho­li­sche Kir­che, die teil­wei­se die Erhal­tung ihres Glau­bens dem Kai­ser Kon­stan­tin, noch mehr aber Atha­na­si­us ver­dankt, son­dern fei­ern auch die ortho­do­xe Kir­che und die Pro­te­stan­ten, das Fest des dop­pelt exkom­mu­ni­zier­ten und dop­pelt reha­bi­li­tier­ten hl. Kir­chen­leh­rers Atha­na­si­us des Gro­ßen und das Fest des Kon­zils von Nicäa.

Lai­en wider­stan­den auch Papst Hono­ri­us, der spä­ter wegen Ket­ze­rei ver­ur­teilt wur­de, weil er die mono­the­leti­sche Häre­sie ver­tre­ten hat.
Die hl. Katha­ri­na von Sie­na, Kir­chen­leh­re­rin und (Mit-)Patronin Euro­pas, kri­ti­siert Papst Gre­gor XI. und Papst Urban VI. scharf, aber mit einem süßen Ton vol­ler Lie­be und Demut. ((Auch Papst Urban VI., der sie nach Rom rief, schrieb sie Brie­fe, in denen sie ihn wun­der­bar beriet. Hät­te er, der zuneh­mend dem Starr­sinn und der Grau­sam­keit ver­fiel, mehr auf sie gehört, wäre viel­leicht das Gro­ße Schis­ma und die Ernen­nung eines Gegen­pap­stes, den der hl. Vin­cent Fer­rer unter­stütz­te, der Kir­che erspart geblie­ben.)) Lai­en pro­te­stier­ten gegen die Häre­sie des Pap­stes Johan­nes XXII. So gibt es vie­le erha­be­ne Bei­spie­le für die Lie­be zur Wahr­heit und der Kir­che. Das glei­che gilt für Päp­ste, Bischö­fe, Prie­ster und Lai­en: Schwei­gen wir nicht, wenn wir sehen, daß wir, ein Bischof oder sogar Petrus in einen Irr­tum oder Feh­ler gefal­len sind. Papst Fran­zis­kus sel­ber hat uns ja gleich zu Anfang sei­nes Pon­ti­fi­kats gemahnt, genau dies zu tun und ihn lie­ber zu kri­ti­sie­ren, anstatt ihn und die katho­li­sche Welt zu belü­gen oder ihm zu schmei­cheln. Wir neh­men sei­ne Wor­te zu Her­zen, aber nur aus Lie­be zu Jesus und Sei­ner hei­li­gen Kir­che und demü­tig, um alle zusam­men Gott zu ver­herr­li­chen in veri­ta­te.

Zusam­men­fas­send: Wenn es nicht mög­lich ist, wie es nicht mög­lich scheint, die genann­ten und ande­re Erklä­run­gen in AL in Kon­ti­nui­tät mit dem bestän­di­gen Lehr­amt der Kir­che zu inter­pre­tie­ren, bit­ten wir demü­tig, aber stark und ent­schie­den den Papst Fran­zis­kus, den Stell­ver­tre­ter Jesu Chri­sti auf Erden, Sät­ze, die fast jeder Leser von AL in irri­gem Sinn, der der Hei­li­gen Schrift und der Leh­re der Kir­che wider­spricht, ver­ste­hen muß, rich­tig­zu­stel­len und ver­hee­ren­de Inter­pre­ta­tio­nen der Aus­sa­gen von AL ent­schie­den zurück­zu­wei­sen. Geschieht dies nicht, wer­den immer mehr Bischofs­kon­fe­ren­zen (wie die phil­ip­pi­ni­sche) zwangs­läu­fig recht bald AL schlecht oder falsch inter­pre­tie­ren oder irri­ge Sät­ze ihrer Pasto­ral und ihrem Lehr­amt zugrun­de­le­gen. Da der Papst selbst, und nicht bös­ar­ti­ge Jour­na­li­sten oder Inter­pre­ten die­se und ande­re Din­ge gesagt oder geschrie­ben haben, hal­te ich es für die Pflicht aller Katho­li­ken, den Papst demü­tig, aber drin­gendst zu bit­ten, ja anzu­fle­hen, Irr­tü­mer durch die Wahr­heit, fal­sche Inter­pre­ta­tio­nen durch rich­ti­ge, ver­wor­re­ne durch kla­re Aus­sa­gen zu erset­zen. So daß das Wort der Hei­li­gen Schrift und der Dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­ti­on Lumen Gen­ti­um, daß die Kir­che die „feste Säu­le der Wahr­heit“ ist und der Papst, wenn er in Ein­klang mit dem Evan­ge­li­um und der Kir­che lehrt, unser höch­ster Leh­rer der Wahr­heit ist, in ihrem Glanz neu auf­leuch­ten.

Ich will nicht den Feu­er­ofen der Lie­be und unend­li­chen Barm­her­zig­keit Got­tes, den Jesus Chri­stus im Her­zen des Pap­stes Fran­zis­kus ent­zün­det hat, löschen, son­dern nur bit­ten, daß in der Kir­che Got­tes eine Freu­de, Lie­be und Barm­her­zig­keit in veri­ta­te ver­kün­det wer­de.

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*Prof. Dr. Josef Sei­fert ist ordent­li­ches Mit­glied der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben und Grün­dungs­rek­tor der Inter­na­tio­na­len Aka­de­mie für Phi­lo­so­phie im Für­sten­tum Liech­ten­stein.
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Erst­ver­öf­fent­li­chung: AEMAET — Wis­sen­schaft­li­che Zeit­schrift für Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie, Bd. 5, Nr. 2 (2016), S. 2–84
Ein­lei­tung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)