Spricht Papst Franziskus Oscar Romero 2018 heilig? Das „Dementi“ eines Kardinals

Heiligsprechung von Oscar Romero 2018 in El Salvador durch Papst Franziskus? Diese Nachricht wurde zunächst auf der Facebook-Seite von Kardinal Rosa Chavez verbreitet, dann gelöscht. Der Kardinal bestreitet, die "Quelle" der Information gewesen zu sein.
Heiligsprechung von Oscar Romero 2018 in El Salvador durch Papst Franziskus? Diese Nachricht wurde zunächst auf der Facebook-Seite von Kardinal Rosa Chavez verbreitet, dann gelöscht. Der Kardinal bestreitet, die "Quelle" der Information gewesen zu sein.

(Rom/San Sal­va­dor) Am Wochen­en­de ver­öf­fent­lich­te Kar­di­nal Gre­go­rio Rosa Cha­vez von El Sal­va­dor auf sei­ner Face­book-Sei­te die Nach­richt, daß Papst Fran­zis­kus 2018 das zen­tral­ame­ri­ka­ni­sche Land besu­chen wird, um Erz­bi­schof Oscar Rome­ro hei­lig­zu­spre­chen. Eben­so schnell erfolg­te aller­dings ein Rück­zie­her durch den Kar­di­nal.

Die Ermordung von Erzbischof Oscar Romero

à“scar Arnul­fo Rome­ro y Gal­dá­mez (1917 – 1980) war Erz­bi­schof von San Sal­va­dor. Ende der 70er Jah­re war El Sal­va­dor in sei­nem Inne­ren poli­tisch zer­ris­sen. Das gilt auch für das Mili­tär, in dem unter­schied­li­che Offi­ziers­grup­pen durch Putsch und Gegen­putsch die Macht an sich rei­ßen. Im Kli­ma der 70er Jah­re, mit ihrem Vor­drin­gen mar­xi­sti­scher Kräf­te und der Befrei­ungs­theo­lo­gie, poli­ti­sier­te sich auch Rome­ro.

Erzbischof Oscar Romero (1917-1980)
Erz­bi­schof Oscar Rome­ro (1917–1980)

Der Erz­bi­schof bemüh­te sich nach dem Mili­tär­putsch die Gewäh­rung von Mili­tär­hil­fe durch die USA, zur Stüt­zung der Mili­tär­jun­ta, abzu­wen­den. Am 24. März 1980 wur­de der Erz­bi­schof wäh­rend der Hei­li­gen Mes­se erschos­sen. Laut der 1992 täti­gen, staat­li­chen Comi­sión de la Ver­dad para El Sal­va­dor (Wahr­heits­kom­mis­si­on für El Sal­va­dor) waren gehei­me Todes­schwa­dro­nen der Streit­kräf­te dafür ver­ant­wort­lich, die der Mili­tär­jun­ta nahe­stan­den. Straf­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wur­de ein ein­zel­ner Offi­zier. Nach Unru­hen lin­ker Orga­ni­sa­tio­nen, dem Mili­tär­putsch und der Ermor­dung des Erz­bi­schofs kam es zu blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Macht­kämp­fen zwi­schen der rech­ten Mili­tär­jun­ta und der mar­xi­sti­schen Unter­grund­be­we­gung FMLN, die 75.000 Men­schen­le­ben for­der­ten.

Erz­bi­schof Rome­ro hat­te vor sei­nem Tod ange­deu­tet, daß er ermor­det wer­de, er wis­se nur noch nicht, „ob von den Rech­ten oder den Lin­ken“.

Auf­grund der poli­ti­schen Zusam­men­hän­ge bemäch­ti­gen sich lin­ke und  links­ka­tho­li­sche Kräf­te der Figur Rom­e­ros, beson­ders in Latein­ame­ri­ka und im Westen, und mach­ten ihn zum poli­ti­schen „Hei­li­gen“. Des­halb und zur För­de­rung der Wie­der­ver­söh­nung in El Sal­va­dor hielt sich der Vati­kan im seit 1994 ange­streng­ten Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren zurück. Für ein sol­ches trat als inner­kirch­li­cher Lob­by­ist vor allem die Gemein­schaft von Sant’Egidio auf. Deren frü­he­rer geist­li­cher Assi­stent, der heu­ti­ge Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia, seit ver­gan­ge­nem Jahr umstrit­te­ner Prä­si­dent der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben und Groß­kanz­ler des Päpst­li­chen Insti­tuts Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie, ist Postu­la­tor des Ver­fah­rens.

Benedikt XVI. ließ Verfahren einfrieren — „Heiligsprechung“ durch andere Konfessionen

Oscar Romero über dem Portal der anglikanischen Westminister Abbey
Oscar Rome­ro über dem „Por­tal der Mär­ty­rer“ der angli­ka­ni­schen West­mi­ni­ster Abbey

Papst Bene­dikt XVI. hat­te 2008 das Kano­ni­sie­rungs­ver­fah­ren ein­frie­ren las­sen. Der Grund waren Zwei­fel an den Moti­ven von Rom­e­ros Ermor­dung. Für die Aner­ken­nung sei­nes Todes als Mar­ty­ri­um ist die Ermor­dung aus Haß gegen den Glau­ben und nicht aus poli­ti­schen Grün­den Vor­aus­set­zung. Beden­ken gab es auch wegen eini­ger Posi­tio­nen, die der Erz­bi­schof ein­ge­nom­men hat­te. Zudem fehl­te es – bis heu­te – an einem von der Kir­che aner­kann­ten Wun­der, das auf die Für­spra­che des Erz­bi­schofs zurück­ge­führt wird.

Irri­tiert haben auch „Hei­lig­spre­chun­gen“ Rom­e­ros durch ande­re Kon­fes­sio­nen. Die deut­schen Alt-Katho­li­ken mach­ten ihn bereits in den 90er Jah­ren zum „Hei­li­gen“, die Epi­skopa­lia­ner der USA 2006 „pro­be­wei­se“ und die US-Luthe­ra­ner 2013 offi­zi­ell. Die angli­ka­ni­sche Church of Eng­land nahm Rome­ro 1998 in das Pan­the­on der zehn „Mär­ty­rer des 20. Jahr­hun­derts“ auf, die seit­her das Haupt­por­tal (West­por­tal) von West­mi­ni­ster Abbey zie­ren.

Einen Monat nach Wahl von Franziskus Wiederaufnahme des Verfahrens

Mit der Wahl von Papst Fran­zis­kus änder­te sich die Situa­ti­on schlag­ar­tig. Nur einen Monat nach dem Kon­kla­ve wur­de das von Bene­dikt XVI. zurück­ge­stell­te Selig­spre­chungs­ver­fah­ren wie­der­auf­ge­nom­men, wie Postu­la­tor Paglia am 22. April 2013 nach einem Tref­fen mit Fran­zis­kus bekannt­ge­ben konn­te. Zugleich warn­te Gene­ral­vi­kar Jesus Del­ga­do von San Sal­va­dor vor einer poli­ti­schen Instru­men­ta­li­sie­rung des Selig­spre­chungs­ver­fah­rens: „Ich hof­fe, daß die Cau­sa nicht poli­ti­siert wird“.

Anfang 2015 erkann­te Papst Fran­zis­kus die Ermor­dung Rom­e­ros als Mar­ty­ri­um an und unter­zeich­ne­te das Selig­spre­chungs­de­kret. Am 23. Mai 2015 erfolg­te die Selig­spre­chung in San Sal­va­dor, die von Kar­di­nal Ange­lo Amato, dem Prä­fek­ten der Kon­gre­ga­ti­on für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­pro­zes­se durch­ge­führt wur­de. Bereits damals hat­te man in Zen­tral­ame­ri­ka gehofft, Papst Fran­zis­kus könn­te per­sön­lich nach El Sal­va­dor kom­men.

Kardinal dementiert nicht Nachricht, sondern die „Quelle“ der Nachricht zu sein

Das könn­te 2018 der Fall sein, wenn die Nach­richt von der Hei­lig­spre­chung stimmt. Am 14. August wur­de der Face­book-Ein­trag von Kar­di­nal Rosa Cha­vez aller­dings gelöscht. Der Kar­di­nal erklär­te in einer 25-Sekun­den dau­ern­den Audio­bot­schaft, die am Mon­tag auf Twit­ter und Face­book ver­brei­tet wur­de, „nichts“ mit der Nach­richt zu tun zu haben, daß Erz­bi­schof Rome­ro hei­lig­ge­spro­chen wer­de. Als „Quel­le“ für die Nach­richt sei sein Name genannt wor­den, doch habe er damit nichts zu tun.

Der Kar­di­nal nahm in sei­ner Audio­bot­schaft aber nicht zur Sache selbst Stel­lung. Er demen­tier­te nicht die Nach­richt, daß Papst Fran­zis­kus Erz­bi­schof Rome­ro hei­lig­spre­chen wol­le. Er demen­tier­te ledig­lich, daß er die Infor­ma­ti­on öffent­lich bekannt gemacht habe.

Für die Hei­lig­spre­chung eines seli­gen Mär­ty­rers ist ein Wun­der not­wen­dig, das auf sei­ne Für­spra­che zurück­ge­führt wird. Bis­her wur­de im Zusam­men­hang mit Erz­bi­schof Rome­ro kein Wun­der aner­kannt. Aller­dings erklär­te der Postu­la­tor, Erz­bi­schof Paglia, Anfang März 2017 dem Avve­ni­re, der Tages­zei­tung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, daß sich die Kon­gre­ga­ti­on für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­pro­zes­se „in Kür­ze“ ein mut­maß­li­ches Wun­der unter­su­chen wer­de. Dabei han­delt es sich um eine uner­klär­li­che Hei­lung einer schwer­kran­ken, schwan­ge­ren Frau, deren Leben und auch das ihres unge­bo­re­nen Kin­des bedroht waren.

Papst Fran­zis­kus hat­te am 27. April 2014 Johan­nes XXIII. sogar wun­der­los hei­lig­ge­spro­chen. Der Kon­zils­papst gehört neben Rome­ro zu den „Säu­len­hei­li­gen“ pro­gres­si­ver Kir­chen­krei­se. Sei­ne Hei­lig­spre­chung wur­de mit kir­chen­po­li­ti­schen Inter­es­sen in Ver­bin­dung gebracht, um die Hei­lig­spre­chung von Johan­nes Paul II., die Papst Fran­zis­kus von sei­nem Vor­gän­ger Bene­dikt XVI. geerbt hat­te, zu „neu­tra­li­sie­ren“ oder zumin­dest kir­chen­po­li­tisch „aus­zu­glei­chen“.

Rosa Chavez von Franziskus zum Kardinal erhoben

Kardinal Rosa Chavez vor einem Foto mit Papst Franziskus und drei Darstellungen von Oscar Romero
Kar­di­nal Rosa Cha­vez vor einem Foto mit Papst Fran­zis­kus und drei Dar­stel­lun­gen von Oscar Rome­ro

Msgr. Gre­go­rio Rosa Cha­vez, Weih­bi­schof und neben Msgr. Jesus Del­ga­do einer der bei­den Gene­ral­vi­ka­re im Erz­bis­tum San Sal­va­dor, wur­de von Papst Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen 28. Juni über­ra­schend in das Kar­di­nals­kol­le­gi­um auf­ge­nom­men. Über­ra­schend des­halb, weil es bis­her völ­lig unüb­lich war, daß ein Weih­bi­schof mit der Kar­di­nal­s­wür­de aus­ge­zeich­net wird, beson­ders aber, wenn sein Diö­ze­san­bi­schof nicht selbst Kar­di­nal ist.

Rosa Cha­vez, der Vor­sit­zen­de der Cari­tas von El Sal­va­dor und der Cari­tas von Latein­ame­ri­ka, bezeich­net Erz­bi­schof Rome­ro als sei­nen „gei­sti­gen Vater“. Er gilt als ein Haupt­pro­mo­tor des Selig- und Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­rens.

In den 80er Jah­ren hat­te er an den Ver­mitt­lungs­ge­sprä­chen zwi­schen der Mili­tär­re­gie­rung und der mar­xi­sti­schen Gue­ril­la­be­we­gung  Fren­te Fara­bun­do Martà­ para la Libe­r­ación Nacio­nal (FMLN, Natio­na­le Befrei­ungs­front Fara­bun­do Martà­) teil­ge­nom­men. Der FMLN war Ende 1979 aus einem Zusam­men­schluß meh­re­rer revo­lu­tio­nä­rer, mar­xi­sti­scher Orga­ni­sa­tio­nen ent­stan­den, was mit ein Fak­tor für die dama­li­ge poli­ti­sche Eska­la­ti­on war. 1992 wur­de aus dem FMLN eine poli­ti­sche Par­tei, die seit 2009 den Staats­prä­si­den­ten stellt, im Par­la­ment aber als ein­zi­ge Links­par­tei mit 31 von 85 Sit­zen in der Min­der­heit ist.

Die Audio-Bot­schaft, mit der Kar­di­nal Rosa Cha­vez demen­tiert, die „Quel­le“ für die Nach­richt zu sein, daß Papst Fran­zis­kus 2018 El Sal­va­dor besu­chen und Erz­bi­schof Oscar Rome­ro hei­lig­spre­chen wird:

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Facebook/Wikicommons/El Sal­va­dor (Screen­shots)