[Update] Andreas Englisch: Papst Franziskus und Benedikt haben sich völlig zerstritten

Franziskus und Benedikt XVI
Franziskus und Benedikt XVI.: Wie ist es jenseits von öffentlichen Höflichkeiten wirklich um ihr Verhältnis bestellt?

(Rom) Papst Fran­zis­kus und sein Amts­vor­gän­ger Bene­dikt XVI. hät­ten sich völ­lig zer­strit­ten: „Sie reden kein Wort mit­ein­an­der.“ Das ist eine der auf­se­hen­er­re­gen­den Bot­schaf­ten, die der Vati­ka­nist Andre­as Eng­lisch am 16. März bei einem Vor­tag in Lim­burg vor­trug. Eng­lisch war lang­jäh­ri­ger Ita­li­en- und Vati­kankor­re­spon­dent der Axel-Sprin­ger-Medi­en in Rom. Mit sei­nen 30 Jah­ren Rom-Erfah­rung gilt er als aus­ge­wie­se­ner Vati­k­anex­per­te. In der Josef-Kohl­mai­er-Hal­le sprach Eng­lisch zum The­ma „Fran­zis­kus — Kämp­fer im Vati­kan“ so rich­tig „aus dem Näh­käst­chen“, wie die Nas­saui­sche Neue Post  in ihrem Bericht vom 18. März mein­te. Der Ein­blick, den Eng­lisch sei­nem Publi­kum hin­ter die Kulis­sen des Vati­kans bot, war noch weit auf­re­gen­der als Nas­saui­sche Neue Post in ihrem Arti­kel wie­der­gab.

„Franziskus und Benedikt XVI. reden kein Wort miteinander“

Aus sei­ner Sym­pa­thie für Papst Fran­zis­kus brauch­te der Jour­na­list kein Hehl zu machen, sie ist ohne­hin bekannt. Eng­lisch weiß sei­ne Zuhö­rer­schaft zu fes­seln. Ja, Bischof Tebartz-van Elst habe eine neue Auf­ga­be im Vati­kan erhal­ten: in der „Post­stel­le“. Unter Papst Fran­zis­kus sei näm­lich für Leu­te nicht mehr drin­nen, die „sich selbst über die Leh­re Jesus Chri­stus stel­len und nicht auf Augen­hö­he mit den nor­ma­len Gläu­bi­gen umge­hen“. Gewag­te Aus­sa­gen – von Eng­lisch über den Papst und vom Papst über einen Mit­bru­der. Was Eng­lisch nicht sag­te: Wer bei Fran­zis­kus nur für die „Post­stel­le“ taugt, hängt weni­ger von tat­säch­li­chen oder nicht vor­han­de­nen „gol­de­nen Bade­wan­nen“ ab, son­dern vom Kir­chen­ver­ständ­nis. Die Sozi­al­kom­po­nen­te mit ihrer Mär vom „Ein­satz für die Armen“ macht sich vor einem öffent­li­chen Publi­kum immer gut, ist aber in der wirk­li­chen Sache wenig aus­sa­ge­kräf­tig, son­dern ver­schlei­ert mehr.

Andreas Englisch in Limburg
Andre­as Eng­lisch in Lim­burg

Weit bri­san­ter als der Fall Lim­burg, da in der Dimen­si­on von viel grö­ße­rer Bedeu­tung, ist, was Eng­lisch über das Ver­hält­nis zwi­schen Fran­zis­kus und Bene­dikt XVI. von sich gab. Der amtie­ren­de und der vor­ma­li­ge Papst hät­ten sich völ­lig zer­strit­ten. Die bei­den wür­den kein Wort mehr mit­ein­an­der reden. Und das nicht erst seit gestern.

Was heißt das? Laut eige­ner Aus­sa­ge  wird Bene­dikt XVI. nur auf aus­drück­li­chen Wunsch von Papst Fran­zis­kus in der Öffent­lich­keit sicht­bar. Was bei die­sen weni­gen Gele­gen­hei­ten gezeigt wird, sei also – folgt man Andre­as Eng­lisch – nur freund­li­che Mie­ne zum bösen Spiel mit Aus­tausch von Höf­lich­kei­ten. Eng­lisch nennt als Grund des Zer­würf­nis­ses den Fall Lim­burg, wo sich Bene­dikt für den Ver­bleib von Bischof Tebartz-van Elst ein­ge­setzt habe. Das kann besten­falls ein Aspekt sein. Der Haupt­grund für eine so grund­le­gen­de Zäsur in den Bezie­hun­gen zwei­er Päp­ste ist Lim­burg gewiß nicht.

Franziskus „weiß was er will“ und tut „was er will“

Der Rom-Kor­re­spon­dent schil­der­te Fran­zis­kus als star­ke Per­sön­lich­keit. Er „weiß, was er will“ und sage das auch. Bene­dikt hin­ge­gen sei ein „fun­dier­ter Theo­lo­ge“, aber eine „schwa­che Füh­rungs­kraft“ gewe­sen.

Das klang aus den bun­des­deut­schen Medi­en jahr­zehn­te­lang aller­dings ganz anders, als vom „har­ten Pan­zer­kar­di­nal“ die Rede war. In der Begün­sti­gung einer bestimm­ten Rich­tung schei­nen zu allen Zei­ten mehr oder weni­ger alle Mit­tel recht zu sein, damals wie heu­te.

Jeden­falls habe Bene­dikt, so Eng­lisch, vie­le ande­re ent­schei­den las­sen, wäh­rend Papst Fran­zis­kus mache, „was er will“.

Spielt man die Eng­lisch-Aus­sa­ge wei­ter, hie­ße das, daß Bene­dikt XVI. in der Öffent­lich­keit vom amtie­ren­den Papst zum Sta­ti­sten degra­diert wur­de, mit dem Fran­zis­kus kaum etwas ver­bin­de, den er aber der Optik wegen gele­gent­lich brau­che und bei Bedarf auch ein­set­ze. Vor die­sem Hin­ter­grund bekommt auch die Abwe­sen­heit Bene­dikts bei der jüng­sten Kar­di­nal­s­er­he­bung am 19. Novem­ber eine neue Dimen­si­on. Die Kar­di­nal­s­er­he­bun­gen von Fran­zis­kus gehö­ren zu jenen weni­gen Ereig­nis­sen, zu denen der amtie­ren­de Papst sei­nen Vor­gän­ger an die Öffent­lich­keit rief. Zu den Kar­di­nal­s­kre­ierun­gen 2014 und 2015 erschien Bene­dikt XVI. im Peters­dom. Bei der drit­ten Erhe­bung fehl­te er aber, wor­auf Fran­zis­kus die Neo­kar­di­nä­le nahm und kur­zer­hand zu Bene­dikt in das Klo­ster Mater Eccle­siae fuhr. Offen­bar auch, um prä­ven­tiv mög­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen — wie sie nun Eng­lisch ent­hüll­te — vor­zu­beu­gen. Offen­bar ver­mu­te­tet Papst Fran­zis­kus einen demon­stra­ti­ven Akt hin­ter dem Fern­blei­ben.

Druck auf Benedikt XVI. zurückzutreten

Carlo Maria Martini SJ und Benedikt XVI.: "Du mußt zurücktreten"
Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ und Bene­dikt XVI.: „Du mußt zurück­tre­ten“

Der Zeit­punkt spricht jeden­falls nicht für einen rei­nen Höf­lich­keits­be­such, als den ihn der Vati­kan aus­gab, son­dern war hoch­bri­sant. Fünf Tage vor dem Kon­si­sto­ri­um hat­ten die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner ihre Dubia (Zwei­fel) zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia öffent­lich gemacht, weil ihnen Papst Fran­zis­kus nach zwei Mona­ten noch kei­ne Ant­wort gege­ben hat­te. Mit den Dubia stell­ten sie sich Fran­zis­kus fron­tal in den Weg, der seit­her die Fra­ge aus­zu­sit­zen ver­sucht, was sei­ne eng­sten Mit­ar­bei­ter und Par­tei­gän­ger zu schweiß­trei­ben­der Ver­bal­akro­ba­tik zwingt. Fran­zis­kus kann sein Schwei­gen durch­zie­hen, geht aber den­noch geschwächt aus dem Kon­flikt her­vor als ein Papst, der sich wei­gert auf Fra­gen zu ant­wor­ten, die zen­tra­le The­men des Glau­bens und der Moral betref­fen. Ein Image­scha­den, der wie ein dunk­ler Schat­ten über sei­nem Pon­ti­fi­kat liegt.

Was die Nas­saui­sche Neue Post nicht berich­te­te: Laut Eng­lisch wur­de von ver­schie­de­nen kirch­li­chen Kräf­ten Druck auf Bene­dikt XVI. aus­ge­übt, damit er zurück­tre­te.

Die Aus­sa­ge hat Explo­si­ons­kraft. Die Umstän­de, unter denen der in der Kir­chen­ge­schich­te ein­zig­ar­ti­ge Rück­tritt eines Pap­stes in die­ser Form zustan­de­kam, näh­ren seit­her star­ke Zwei­fel. Wo liegt die genaue Gren­ze zwi­schen statt­haf­ter Ein­fluß­nah­me und Nöti­gung? Bene­dikt selbst ver­si­cher­te, aus frei­en Stücken zurück­ge­tre­ten zu sein. Bis zum Beweis des Gegen­teils haben die­se Wor­te Gül­tig­keit. Den­noch liegt, jen­seits des recht­li­chen Aspekts ein selt­sa­mes Unent­schie­den in der Luft. Umso mehr, wenn man die mas­si­ve Rück­tritts­for­de­rung von Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ gegen­über Bene­dikt XVI. im Juni 2012 bedenkt und die Rol­le, die die von Mar­ti­ni gegrün­de­te Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len bei der Wahl von Jor­ge Mario Ber­go­glio spiel­te.

Tat­sa­che ist, daß Bene­dikt das Feld geräumt hat. Ein Feld, das dann gene­ral­stabs­mä­ßig vom Team Ber­go­glio der Geheim­grup­pe Sankt Gal­len besetzt wur­de, und das sie nicht mehr zu räu­men gedenkt.

[Update 21. März: Ursprüng­lisch schrie­ben wir Die Tages­post, statt Nas­saui­sche Neue Post. Dies wur­de kor­ri­giert.]

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: vatican.va/NNP/MiL (Screen­shots)

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23 Kommentare

  1. Wie lan­ge wird Bene­dikt XVI. noch schwei­gen?
    Bis er wie einst Schwe­ster Lucia nichts mehr zu sagen ver­mag?

      • Vor dem Hohen­prie­ster Kai­phas und dem Syn­e­d­ri­um hat Jesus aber nicht geschwie­gen, als er unver­hoh­len erklär­te, dass er Chri­stus, der Sohn Got­tes, ist (Mt 26,63 f.)!

      • Bene­dikt ist aber unser Papst. Zu rech­ter Zeit wird er spre­chen. Ich bin mir sicher, er wird unun­ter­bro­chen bewacht und kon­trol­liert.

        • „Bene­dikt ist aber unser Papst“?

          Wie vie­le Päp­ste gibt es denn dann (jen­seits von allen Ver­schwö­rungs­theo­rien)? Oder ver­ste­he ich das falsch: Wir kön­nen uns belie­big einen Papst aus­su­chen? Einen, der mir per­sön­lich gera­de passt?
          Dem Wall­fahrts­di­rek­tor Dr. Wil­helm Imkamp wur­de Anfang die­ses Jah­res 2017 die Fra­ge gestellt, wer sein Lieb­lings­papst sei. Viel­leicht augen­zwin­kernd, aber im Kern doch kei­ner wei­te­rer Fra­gen bedür­fend, ant­wor­te­te er: „Der jeweils Regie­ren­de!“

    • Vor 400 Jah­ren sag­te die Mut­ter­got­tes (Unse­re lie­be Frau vom guten Erfolg, kirch­lich aner­kann­te Erschei­nun­gen in Qui­to, Equa­tor) sehr exakt die Ver­wir­run­gen unse­rer Zeit vor­aus. Unter ande­ren sag­te Sie:
      „Und in der größ­ten Not­la­ge der Kir­che, wird der schwei­gen, der zur rech­ten Zeit spre­chen müss­te.“
      (y en esta supre­ma nece­sidad de la Igle­sia, call­ará qui­en a tiem­po debió hab­lar).
      Ist damit das Schwei­gen zu den „Dubia“ gemeint, oder das Schwei­gen von Papst em. Bene­dikt VI.? Beten wir für bei­de.

      • Ein klei­nes Gebet für Jeden, der es beten möch­te:
        „Jesus, Maria und Josef,
        erleuch­tet uns,
        hel­fet uns,
        ret­tet uns. Amen.“

  2. Wenn das stimmt, dann denkt man so lang­sam doch an eine Art Schis­ma, auch wenn man es nicht her­bei­re­den möch­te — 500 Jah­re nach Luther…

  3. Ich bezweif­le, dass man Herrn Eng­lish noch beson­ders ernst neh­men kann. Sein Bestre­ben, sei­ne Bücher mög­lichst gewinn­brin­gend unter die Leu­te zu brin­gen, ist doch offen­kun­dig.

    • @ Aven­tin
      Ihr zwei­ter Satz ist höchst­wahr­schein­lich rich­tig. Den­noch wür­de ich den Bericht von Eng­lisch nicht abtun. Es kann durch­aus ein, daß sich ein Jour­na­list ein­mal ver­plap­pert — und ggf. einem vor­ge­ge­be­nen Dreh­buch nicht folgt.

      Inso­fern klingt die Sache mit TvE zwar dick auf­ge­tra­gen, die Sache mit dem Zer­würf­nis aber nicht völ­lig unglaub­wür­dig.

      Natür­lich muß es Papst em. gedäm­mert sein, was für ein Mann sein Nach­fol­ger gewor­den ist. Das kann ihn ein­fach nicht in Ruhe las­sen — außer er wür­de bewußt kolludie­ren.

  4. Ein Klatsch­re­por­ter namens Eng­lisch
    In Lim­burg hat­te er sicher­lich sein Publi­kum. Es stellt sich mir die Fra­ge, ob es dem Team Fran­zis­kus gefällt was Herr Eng­lisch aus­plau­dert. Es gibt zumin­dest Nah­rung für wei­te­re Spe­ku­la­tio­nen. Man darf gespannt sein was ame­ri­ka­ni­sche Katho­li­ken über den Rück­tritt von Papst Bene­dikt aus­fin­dig machen. War der Blitz­ein­schlag in die Kup­pel des Peters­doms bei sei­nem Rück­tritt ein Zei­chen Got­tes?

    • Klatsch­re­por­ter haben manch­mal wenig­stens teil­wei­se Recht. Papst Bene­dikt war ein zu guti­ger Mensch um sich ver­tei­di­gen zu koen­nen. Er ist Pro­fes­sor und kein Kriegs­herr wie zum Bei­spiel Papst Juli­us II.

  5. Wer Andre­as Eng­lisch kennt weiß was von sei­nem Gere­de zu Hal­ten ist. Und TvE ist auch nicht in der Post­stel­le son­dern, Tebartz-van Elst seit Dezem­ber 2014 zum Dele­ga­ten im Päpst­li­chen Rat für die Neue­van­ge­li­sie­rung mit Zustän­dig­keit für die Kate­che­se.
    Zu Bene­dikt XVI. Papst und eme­ri­tier­ter Papst seg­nen neue Kar­di­nä­le http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/papst-will-mit-neuen-kardinalen-benedikt-xvi-besuchen
    Ich weiß ja nicht wo Eng­lisch die­se Infor­ma­tio­nen her hat sicher nicht aus erster Hand. Damit rich­tet er mehr Scha­den an als alles ande­re.
    Ich bin die­se Ver­schwö­rungs­theo­rien sowas von leid egal von wen.

  6. Wenn Bene­dikt nicht sel­ber ent­schei­den kann, wann er sich der Öffent­lich­keit zeigt, dann ist er ‑defi­ni­ti­ons­ge­mäß — ein Gefan­ge­ner.

  7. Papst Bene­dikt XVI. soll das Feld geräumt haben, weil auf ihn ver­schie­de­ne kirch­li­che Kräf­te Druck aus­üb­ten. Kann er (und sei­ne Bera­ter) so ein­fäl­tig gewe­sen sein, daß er nicht wuß­te, was die­se Kräf­te bezweck­ten, und wel­che Fol­gen sein Rück­zug zei­ti­gen wer­de? Wur­de er über­rascht vom berühmt gewor­de­nen Kom­men­tar des ent­setz­ten (gera­de weil alles ande­re als nai­ven oder schlecht infor­mier­ten) Kar­di­nals Dzi­wisz (‚Vom Kreuz steigt man nicht her­un­ter‘)? Oder wenn er all das wuß­te, war­um tat er es trotz­dem? Da Leicht­sinn wohl kaum in Fra­ge kommt, muß man nicht doch an Nötigung/Erpressung den­ken?

  8. Unab­hän­gig davon, ob stimmt, was Andre­as Eng­lisch da zum besten gibt, bleibt doch die Fra­ge, wie es um das per­sön­li­che Ver­hält­nis Bene­dikt — Fran­zis­kus bestellt ist.
    Ist Bene­dikt dar­über infor­miert, was abläuft und wie stuft er die­se Ent­wick­lung ein? Sie kann ihn doch nicht ruhig schla­fen las­sen.
    Oder wird er, was Infor­ma­ti­on betrifft, mehr oder weni­ger gütig abge­schirmt, um ihn zu scho­nen, so dass ihm gar nicht klar ist, was geschieht?
    Viel­leicht wird es spä­ter ein­mal publik wer­den.

  9. Herr Eng­lisch mit sei­ner hyste­ri­schen Begei­ste­rung für jeden, der gera­de Papst ist, spielt den Vati­k­anex­per­ten, ist aber nur ziem­lich ober­fläch­lich.

  10. Daß Herr Eng­lisch sei­ne Bücher mög­lichst gewinn­brin­gend unter die Leu­te brin­gen will, wird wahr­schein­lich so sein; daher auch bei sei­nen Vor­trä­gen noch man­ches aus­plau­dernd, was nicht drin steht. Ein gutes Beha­gen erwächst einem nicht, wenn er Vor­trä­ge hält und das auch sicher gut dotiert.

    Ande­rer­seits kann es gut sein, daß es auf einer siche­ren Grund­la­ge beruht, wenn er aus­plau­dert, daß sich die bei­den Päp­ste zer­strit­ten haben. BXVI ist ja doch ein fein­füh­li­ger Mensch, wäh­rend FI eher „fürs Gro­be“ steht. Daß der jet­zi­ge Amts­in­ha­ber „weiß, was er will“, dürf­te eben­so rea­li­stisch sein.

    Vie­le Din­ge, die zum Rück­tritt des Papa eme­ri­tus geführt haben ken­nen wir (noch) nicht, auch nicht die Grün­de, war­um er — BXVI — schweigt. Natür­lich wäre es hilf­reich, wenn der deut­sche Theo­lo­gen-Papst sein Schwei­gen bricht; aber noch­mals: Vie­les, was der­zeit (noch) im Ver­bor­ge­nen liegt, wird erst noch offen­bar wer­den müs­sen, damit wir die Zusam­men­hän­ge bes­ser und rich­tig ver­ste­hen kön­nen. Und ja: Beten wir für bei­de „Men in White“!

  11. @Aventin stim­me ich voll zu, denn wie er schreibt:
    # Bene­dikt ist über­haupt kein Typ, der sich mit einem ande­ren Men­schen „zer­strei­tet“. #

    Mei­ne Über­zeu­gung ist, dass all das, was Bene­dikt per­sön­lich !! — über sich und sei­nen Rück­tritt — aus­ge­sagt hat, wahr ist. Es ist damit nicht gesagt, dass er uns alles mit­ge­teilt hat, was die­sen Schritt „Rück­tritt“ betrifft. Wir haben kein Anrecht, alles zu erfah­ren. Gott weiß alles, das genügt.
    Fein säu­ber­lich davon zu tren­nen ist, was „ande­re“ ihm in den Mund gelegt haben, spe­ku­lie­ren, bewusst her­beilü­gen und fabu­lie­ren.….

    Es ist mE offen­sicht­lich, dass sein Leben erhal­ten wird.
    Es steht geschrie­ben, dass sich jedes Wort Got­tes erfül­len wird. Dem­nach ist es der Weg der Kir­che, die Pas­si­on Chri­sti zu durch­le­ben, zu erlei­den.… In die­ser Zeit ste­hen wir, in einem fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um.

  12. „Die Umstän­de, unter denen der in der Kir­chen­ge­schich­te ein­zig­ar­ti­ge Rück­tritt eines Pap­stes in die­ser Form zustan­de­kam, näh­ren seit­her star­ke Zwei­fel. Wo liegt die genaue Gren­ze zwi­schen statt­haf­ter Ein­fluß­nah­me und Nöti­gung?“

    Das ist die genau pas­sen­de Fra­ge. Wir alle wis­sen, daß man sich bezüg­lich der Frei­wil­lig­keit lan­ge etwas vor­ma­chen kann. Es exi­stiert ja auch ein Grau­be­reich zwi­schen völ­lig frei­wil­li­ger und völ­lig gezwun­ge­ner Zustim­mung.

    Die Schluß­fol­ge­rung lau­tet also auch hier: Papst eme­ri­tus Bene­dikt XVI. muß selbst die Ant­wort geben und mit der vol­len Wahr­heit her­aus­rücken. Möge es dar­ob ein Erd­be­ben geben, schlim­mer als die jet­zi­ge Situa­ti­on kann es nicht sein

  13. Ich ken­ne in sol­chen Din­gen kei­ne weni­ger seriö­se Quel­le als den Dampf­plau­de­rer Eng­lisch. Ich rate zu äusser­ster Vor­sicht! Ausser­dem gibt es für mich kein nach­voll­zieh­ba­res Indiz dafür. Alle, die mit Bene­dikt XVI. per­sön­lich Kon­takt haben, wis­sen davon nichts zu berich­ten, und sein letz­ter Inter­view­band mit See­wald liest sich auch kom­plett anders.
    Wer hin­ge­gen sämt­li­che Papst­bü­cher Eng­lischs gele­sen hat, weiss, was davon zu hal­ten ist. Gro­schen­ro­ma­ne auf Dan-Brown-Niveau, in sich voll­kom­men wider­sprüch­lich, Ver­schwö­run­gen und Gerüch­te rau­nend und damit die Inter­es­sen des Bou­le­vards bedie­nend.

    Die kon­ser­va­ti­ven Kräf­te haben sich in Bene­dikts Per­son ein­fach kom­plett getäuscht, und jener hat durch sei­ne Fah­nen­flucht (mit wech­seln­den, aber gleich­blei­bend haar­sträu­ben­den Begrün­dun­gen) das zar­te Pflänz­chen des Auf­bruchs im post­kon­zi­lia­ren Win­ter selbst zer­stört.
    Fran­zis­kus kann jetzt voll­enden, was Paul VI. nicht konn­te, oder wobei selbst dem Kon­zils­papst Skru­pel befie­len. Es ist ver­ständ­lich, dass vie­le sich jetzt eine Ver­schwö­rung als Erklä­rung wün­schen, aber die Tat­sa­chen sind (Gott sei’s geklagt) wohl wesent­lich simp­ler.

    • Die Dis­senz zwi­schen den Päp­sten hat ihre Vor­ge­schich­te und beruht auf der berühm­ten Regens­bur­ger Rede von Papst
      Bene­dikt XVI. Damals erklär­te der dama­li­ge Erz­bi­schof von Buen­eis Aires „Papst Benedikt’s Aus­sa­ge wider­spie­gelt nicht mei­ne eige­nen Mei­nun­gen“ und wei­ter sag­te Ber­go­glio: „Die­se State­ments wer­den dazu die­nen, innert 20 Sekun­den die sorg­fäl­ti­ge Auf­bau­ar­beit einer Bezie­hung mit dem Islam, die Papst Johan­nes Paul II. über die letz­ten zwan­zig Jah­re bewerk­stel­ligt hat, zu ver­nich­ten“. Sein Pres­se­spre­cher mach­te in Argen­ti­ni­en Dtim­mung gegen den amtie­ren­den Papst.
      Der Vati­kan reagier­te sofort, indem er einen (sei­ner) Unter­ge­be­nen, Joaquín Piña, den Erz­bi­schof von Puer­to Igua­zú von sei­nem Posten innert vier Tagen nach­dem er ähn­li­che Aus­sa­gen gegen­über der Argen­ti­ni­sche natio­na­len Medi­en gemacht hat­te, ent­fern­te, womit Kar­di­nal Ber­go­glio ein kla­res Signal gege­ben wur­de, dass er der näch­ste sein wür­de, soll­te er es wäh­len, auf sei­ner Mei­nung zu behar­ren.
      Als Reak­ti­on auf die Bedro­hung von Rom annul­lier­te Kar­di­nal Ber­go­glio sei­ne Plä­ne, nach Rom zu flie­gen, und ent­schied sich, die zwei­te Syn­ode zu boy­kot­tie­ren, die Papst Bene­dikt wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Pon­ti­fex ein­be­ru­fen hat­te.
      Die­ser her­vor­ge­hol­te Bericht zeigt:
      1. Der Streit zwi­schen Ber­go­glio und Bene­dikt ist alt und die von dem Blatt Papie, dass nicht zwi­schen Bene­dikt und Ber­go­glio pas­sen wür­de, war immer unver­ständ­lich.
      2. Soll­te Ber­go­glio wirk­lich aus die­sem Grun­de nicht an der Bischofs­syn­ode teil­ge­nom­men haben, zeigt dies, dass Ber­go­lio per­sön­li­che Eitel­keit über die Pflicht (der Syn­oden­teil­nah­me) stellt.

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