„Wir werden zu dritt entscheiden: Bergoglio, der Papst und ich“ — Pasquinaten Teil 3: Epigramme über Franziskus

Der "Pasquino", eine antike Statue, nach der die römischen Pasquinaten benannt sind. In ihnen wird der Unmut des Volkes zum Ausdruck gebracht.
Der "Pasquino" ist eine antike Statue, nach der die römischen "Pasquinaten" benannt sind. Das sind Spottverse, in denen sich der Unmut des Volkes äußert. Nach Protestplakaten und einer falschen Ausgabe des "Osservatore Romano" ist nun ein Buch mit beißenden Epigrammen über Papst Franziskus erschienen.

“Zu den schlimm­sten Kon­se­quen­zen die­ses Pon­ti­fi­kats gehört der zuneh­men­de Man­gel an Respekt vor dem Stuhl Petri, für den jeder Katho­lik nur größ­te Ver­eh­rung emp­fin­den soll­te. Aller­dings ist die­ser Stuhl nicht mit dem zu ver­wech­seln, der dar­auf sitzt, der Mann nicht mit der Insti­tu­ti­on“,

so Emma­nue­le Bar­bie­ri über die römi­schen Pas­qui­na­ten, die nicht mehr enden wol­len. Anfang Febru­ar wur­den an den Stra­ßen rund um den Vati­kan anony­me Pro­test­pla­ka­te ange­bracht. Mit­te Febru­ar wur­de eine Sati­re-Aus­ga­be des Osser­va­to­re Roma­no in ita­lie­ni­scher und eng­li­scher Fas­sung ver­brei­tet. Bei­de Aktio­nen rich­te­ten sich gegen die Amts­füh­rung von Papst Fran­zis­kus. Anfang März folg­te nun der drit­te „Streich“ der Pas­qui­na­ten.

Bar­bie­ri spricht von „immer häu­fi­ger“ auf­tre­ten­den „Zurecht­wei­sun­gen“ des Pap­stes durch das gläu­bi­ge Volk. Denn genau das sei­en die römi­schen Pas­qui­na­ten. Die dabei gewähl­ten For­men sei­en viel­leicht nicht immer ganz ange­mes­sen, aber offen­bar eine unver­meid­li­che Kon­se­quenz des päpst­li­chen Regie­rungs­stils und der Aus­rich­tung, die er der katho­li­schen Kir­che gibt. Gegen­über Life­Si­teNews erklär­te jüngst der US-ame­ri­ka­ni­sche Abtrei­bungs­ideo­lo­ge Paul Ehr­lich, daß er „elek­tri­siert“ sei, von der „Rich­tung, die Papst Fran­zis­kus der katho­li­schen Kir­che“ gebe. Der Bio­lo­ge Ehr­lich ist der Chef­theo­re­ti­ker der Bevöl­ke­rungs­po­li­tik des Club of Rome. Noch bis gestern kri­ti­sier­te er die katho­li­sche Kir­che wegen ihres Ein­sat­zes für eine „Kul­tur des Lebens“ als „gro­ßes Übel“. Sol­ches Lob von Kir­chen­fein­den läßt selbst ver­schla­fe­ne Katho­li­ken auf­hor­chen. Man­chen wird es zu bunt. Sie grei­fen auf ihre Wei­se zur Selbst­hil­fe.

200 Epigramme über Papst Franziskus

"Francescheide" von Lorenzo Stecchetti jr.
„Fran­ce­schei­de“ von Loren­zo Stec­chet­ti jr.

Zu den anony­men Pla­ka­ten und dem fal­schen Osser­va­to­re Roma­no haben sich nun bei­ßen­de Epi­gram­me gesellt. Sie sind in einem soeben in Rom ver­öf­fent­lich­ten Buch erschie­nen, das den bezeich­nen­den Titel Fran­ce­schei­de trägt und mit dem Pseud­onym Loren­zo Stec­chet­ti jr. gezeich­net ist. Der im Deut­schen schwie­rig zu lesen­de Titel ist, auf Fran­zis­kus bezo­gen, so zu ver­ste­hen wie Ver­gils Epos Äna­ei­de (Aen­eis) zu Aene­as. Das Buch ist eine Samm­lung von mehr als 200 zwei- bis zwölf­sil­bi­gen Kurz­ge­dan­ken.

Der Unter­ti­tel wird deut­li­cher: „Pas­qui­na­ten für Papst Fran­zis­kus“.

Pas­qui­na­ten wer­den in Rom seit alters anony­me Spott­ver­se genannt, die näch­stens am Tor­so einer anti­ken Sta­tue ange­bracht wer­den, die im Volks­mund „Pas­qui­no“ genannt wird. Die Spott­ver­se übten frü­her Kri­tik am Fehl­ver­hal­ten bestimm­ter römi­scher Prä­la­ten oder sogar der Päp­ste, spä­ter rich­te­ten sie sich vor allem gegen Poli­ti­ker. Sie haben in der Regel die Obrig­kei­ten und deren Fehl­ent­schei­dun­gen und Fehl­ver­hal­ten zum Ziel.

Eini­ge Epi­gram­me der Fran­ce­schei­de wir­ken über­zo­gen und lösen, wegen ihrer Respekt­lo­sig­keit, beim Leser ein Unbe­ha­gen aus. Ande­re sind zwar spitz, aber ver­öf­fent­lich­bar. Man­che sind aus der Posi­ti­on des Beob­ach­ters, ande­re in der Ich-Form for­mu­liert und wer­den Fran­zis­kus direkt in den Mund gelegt. Der Inhalt wech­selt flie­ßend von Iro­nie zu Sar­kas­mus.

Der Autor ant­wor­tet im Vor­wort mög­li­chen Kri­ti­kern, die ihn der Respekt­lo­sig­keit gegen­über dem Papst bezich­ti­gen könn­ten:

„Was ist schlim­mer: Den Papst an den Pran­ger zu stel­len, oder daß der Papst den Glau­ben an den Pran­ger stellt?“

Und wei­ter:

„Die­se Epi­gram­me sind im Grun­de fast ein Akt der Wie­der­gut­ma­chung für weit schwer­wie­gen­de­re Belei­di­gun­gen.“

Und nun eine Aus­wahl, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann. Reim und Vers­maß konn­ten in der Über­set­zung nicht bei­be­hal­ten wer­den. Fuß­no­ten die­nen dem bes­se­ren Ver­ständ­nis.

  • Die Vor­ge­schich­te ist die Ursa­che der Wir­kung: vor den Wöl­fen flüch­te­te Bene­dikt. (( „Betet für mich, daß ich nicht furcht­sam vor den Wöl­fen flie­he“, Pre­digt von Bene­dikt XVI. zur Amts­ein­füh­rung als Papst am 24. April 2005.))
  • Bene­dikt flüch­te­te vor den Wöl­fen, damit aber klar ist: gezwun­gen wur­de er nicht.
  • Rauch drang ein durch eine Rit­ze, und das Kon­kla­ve mach­te einen Feh­ler. ((Am 29. Juni 1972 sag­te Papst Paul VI. zum 9. Jah­res­tag sei­ner Krö­nung: „Ich habe das Gefühl, daß durch eine Rit­ze der Rauch des Satans in den Tem­pel Got­tes ein­ge­drun­gen ist.“))
  • Der Rauch ging in der Six­ti­na umher, und aus Schwarz wur­de Weiß ein­her. ((Six­ti­na = Six­ti­ni­sche Kapel­le, in der die Kon­kla­ven zur Wahl des Pap­stes statt­fin­den.))
  • Um das Volk, das ein Rudel, zu berau­schen, fließt nach dem roten Mar­ti­ni auch der wei­ße. ((Mar­ti­ni = Cock­tail aus Gin und Wer­mut; roter Mar­ti­ni = Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni (rot wegen des Kar­di­nal­spur­pur), 2012 ver­stor­be­ner Erz­bi­schof von Mai­land, Grün­der des inner­kirch­li­chen Geheim­zir­kels „Sankt Gal­len“ und Jesu­it wie Fran­zis­kus; wei­ßer Mar­ti­ni = Fran­zis­kus in Anspie­lung auf das wei­ße Gewand des Pap­stes.))
  • Er zeigt sich mit sei­nem ehr­li­chen Gesicht: hic opti­me e buo­na sera er spricht. ((Hic mane­bi­mus opti­me, Titus Livi­us zuge­schrie­be­ner Aus­spruch = „Hier geht es uns doch bestens“; buo­na sera = ital. Guten Abend))
  • Ich bin ein Nichts, ein from­mer Mann bin ich. Ich bin ein Pfeil, der zielt statt a Dio ad io, auf mich. ((a Dio = zu Gott, ad io = auf das Ich bezo­gen))
  • Daß dem Papst Mar­co gefällt, ist schlimm, daß er Pan­nella gefällt, noch schlim­mer. ((Mar­co Pan­nella, lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der der anti­kle­ri­ka­len Radi­ka­len Par­tei Ita­li­ens, Initia­tor von Kam­pa­gnen zur Lega­li­sie­rung von Schei­dung, Abtrei­bung, Dro­gen­frei­ga­be und Eutha­na­sie, gestor­ben im Mai 2016, wur­de von Papst Fran­zis­kus als „ganz Gro­ßer“ bezeich­net.))
  • Wie der Bischof von Hip­po nie sag­te: Lie­ben und dann sün­di­gen, ist eine gute Sache. ((Bischof von Hip­po = der hei­li­ge Augu­sti­nus, einer der vier gro­ßen Kir­chen­vä­ter.))
  • Die Ver­dien­ste Castros sind uner­meß­lich: Er füll­te den Him­mel mit Chri­sten, das bleibt unver­geß­lich. ((Anspie­lung auf die Chri­sten­ver­fol­gung auf Kuba durch den „tro­pi­schen Sozia­lis­mus“ von Fidel Castro.))
  • Alles ist eine Fra­ge der Kohä­renz: wor­auf ein Papst ver­zich­ten kann.
  • Wir wer­den zu dritt ent­schei­den: Ber­go­glio, der Papst und ich. ((Anspie­lung auf einen auto­kra­ti­schen Regie­rungs­stil, der Papst Fran­zis­kus von Kri­ti­kern vor­ge­wor­fen wird.))
  • Die ech­ten Fran­zis­ka­ner mag ich nicht, die waren grau­blau, ich habe sie grün und blau geschla­gen. ((Anspie­lung auf den tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta und ihr grau­blau­es Orden­s­kleid; der Orden steht seit dem Som­mer 2013, ohne Nen­nung von Grün­den, unter kom­mis­sa­ri­scher Ver­wal­tung des Vati­kans.))
  • Ich bin Fran­zis­kus, Papst und Argen­ti­ni­er: nicht vor der Hostie, aber vor der Welt knie ich nie­der. ((Anspie­lung auf den Umstand, daß Papst Fran­zis­kus in der Lit­ur­gie kei­ne Knie­beu­gen macht, auch nicht anbe­tend vor dem Aller­hei­lig­sten bei der Wand­lung. Ver­mu­tet wer­den Knie- oder Hüft­pro­ble­me. Vom Hei­li­gen Stuhl wur­de die Auf­fäl­lig­keit aller­dings bis­her nicht begrün­det.))
  • Das ist ein Jahr­hun­dert­ju­bi­lä­um, das sich sehen las­sen kann: Ich neh­me Luther und ver­ges­se die Madon­na. ((Anspie­lung auf die inten­si­ven und umstrit­te­nen Akti­vi­tä­ten des Pap­stes zum Geden­ken an „500 Jah­re Refor­ma­ti­on“ durch Mar­tin Luther, bei gleich­zei­tig gerin­ge­ren Akti­vi­tä­ten zum Hun­dert­jahr­ju­bi­lä­um der Mari­en­er­schei­nun­gen von Fati­ma.))
  • Gebt den Geschie­de­nen kei­ne Sakra­men­te, außer sie sind wie­der­ver­hei­ra­tet. ((Anspie­lung auf das umstrit­te­ne nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia von Papst Fran­zis­kus.))
  • Dank des päpst­li­chen Indul­ti­no, wur­de Schritt für Schritt der mün­di­ge Katho­lik zum Adul­te­ri­no. ((Indul­ti­no = dimi­nu­tiv von Indult, klei­ner Gna­den­er­weis; Adul­te­ri­no = dimi­nu­tiv von adul­ter = (klei­ner) Ehe­bre­cher))
  • Kei­ne Ehe wird auf­ge­löst, aber die Frau kann man wech­seln.
  • Ich wer­de die­sen vier Kar­di­nä­len ant­wor­ten, indem ich ihnen ihre Zwei­fel belas­se. ((Anspie­lung auf die Dubia (Zwei­fel), die dem Papst im Sep­tem­ber 2016 von den Kar­di­nä­len Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner zu Amo­ris lae­ti­tia über­ge­ben wur­den. Seit Mona­ten wei­gert sich Fran­zis­kus dar­auf zu ant­wor­ten.))

Bei dem anony­men Autor die­ser bei­ßen­den Kri­tik an Papst Fran­zis­kus, soviel ist bekannt, han­delt es sich um einen pro­mo­vier­ten Theo­lo­gen.

Das Buch kann als Digi­tal­buch im Buch­han­del erwor­ben wer­den.

Text/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Pas­qui­na­te (Screen­shot)

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1 Kommentar

  1. Was ist schlim­mer: Den Papst an den Pran­ger zu stel­len, oder daß der Papst den Glau­ben an den Pran­ger stellt?“
    Die­se Fra­ge ist ähn­lich mei­ner, die ich vor eini­ger Zeit bei katholisches.info stell­te:
    Was ist schlim­mer: Eine Kon­zils­kir­che, die Gott ver­lässt oder Gläu­bi­ge, die eine fal­sche Kir­che ver­las­sen?
    Wer Gott wahr­haft liebt und ihm treu sein möch­te, muß die Kon­zils­kir­che ver­las­sen. Erz­bi­schof Lefevb­re muß­te mit eini­gen weni­gen Getreu­en die Kon­zils­kir­che zugun­sten des unge­teil­ten, wah­ren und über­lie­fer­ten Glau­bens an Gott ver­las­sen. Ohne ihn gäbe es kei­ne tra­di­tio­nel­le katho­li­sche Kir­che mehr.
    Die Geschich­te von EB Lefevb­re und die Geschich­te der von ihm gegrün­de­ten Pius­bru­der­schaft gleicht auch heu­te immer noch dem Kampf des klei­nen Davids gegen den über­mäch­ti­gen und gro­ßen Goli­ath.
    Wir wis­sen, dass die Geschich­te ein Hap­py-End haben wird — ganz wie in der Bibel beschrie­ben: David wird sie­gen.

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