Papst Franziskus als neuer Luther — Der Humor der Deutschen Sektion von Radio Vatikan

Papst Franziskus als Martin Luther. Der schräge Humpr der Deutschen Sektion von Radio Vatikan.
Papst Franziskus als Martin Luther. Der schräge Humor der Deutschen Sektion von Radio Vatikan.

Von Giu­sep­pe Nardi

(Rom) Die Foto­mon­ta­ge ist schon seit eini­ger Zeit in Umlauf, den­noch haben wir dar­auf ver­zich­tet, sie zu ver­öf­fent­li­chen, weil sie als bil­li­ge und respekt­lo­se Pro­pa­gan­da abge­tan wer­den hät­te kön­nen. Inzwi­schen wur­de sie jedoch von völ­lig unver­däch­ti­ger Sei­te, näm­lich von Radio Vati­kan ver­öf­fent­licht, wo sie offen­bar für wit­zig und gut gehal­ten wird.

Radio Vati­kan gehört zu den offi­zi­el­len Medi­en des Pap­stes. Hörer und Leser in Ita­li­en stau­nen gera­de dar­über, was sich vor einem Monat auf der deut­schen Sei­te von Radio Vati­kan zutrug, aber erst jetzt bekannt wurde.

Am 6. Novem­ber wur­de um 17.49 Uhr auf der Face­book-Sei­te der Deut­schen Sek­ti­on von Radio Vati­kan eine Foto­mon­ta­ge von Papst Fran­zis­kus im Gewand von Mar­tin Luther ver­öf­fent­licht. Dazu der Text:

„Auch mal eine net­te Vari­an­te. Wir wün­schen noch einen fröh­li­chen Rest-Sonntag.“

Über wen lacht der Papst? Über die „Refor­ma­ti­on“ oder über die katho­li­sche Kirche?

Ein schlechter Scherz? Eine böswillige Fotomontage?

Ein Scherz? Ein schlech­ter Scherz? Eine bös­wil­li­ge Foto­mon­ta­ge, um Papst Fran­zis­kus zu dis­kre­di­tie­ren? Keineswegs.

Papst Luther oder Protestant Bergoglio? Was will Radio Vatikan uns damit sagen?
Papst Luther oder Pro­te­stant Ber­go­glio? Was will Radio Vati­kan uns damit sagen?

Die Wochen­zei­tung Die Zeit hat­te die Mon­ta­ge am 4. Novem­ber mit der Bild­be­schrif­tung ver­öf­fent­licht: „Dass Papst Fran­zis­kus Luther gut fin­det, ist bekannt. Aber gleich so?“ Sie war Teil der Bericht­erstat­tung über das Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken am 31. Okto­ber im schwe­di­schen Lund, an dem Papst Fran­zis­kus teil­ge­nom­men hatte.

Wir von Katholisches.info hat­ten die Foto­mon­ta­ge auf ande­ren Sei­ten gese­hen, sie aber aus Respekt vor dem Papst nicht über­nom­men, weil sie uns als Kri­tik an Fran­zis­kus über­zo­gen schien und als bil­li­ge Pole­mik abge­tan wer­den hät­te kön­nen. So dach­ten jeden­falls wir. Die Redak­ti­on der Deut­schen Sek­ti­on von Radio Vati­kan denkt da ganz anders und fin­det es auch noch gut. Wahr­schein­lich hält man dort die Vor­stel­lung, Fran­zis­kus sei der Luther des 21. Jahr­hun­derts, sogar für witzig.

Nun weiß man jeden­falls, wie eini­ge sei­ner deut­schen Par­tei­gän­ger den amtie­ren­den Papst sehen.

„Bezeichnend“

Eini­ge Kom­men­ta­to­ren auf der Face­book­sei­te zeig­ten sich begei­stert: „Eine genia­le Mon­ta­ge. Bezeich­nend und mut­ma­chend für den wei­te­ren luthe­risch-katho­li­schen Dialog.“

Ande­re brach­ten ihren Unmut zum Aus­druck, dar­un­ter sol­che, die das Bild eben­falls für „bezeich­nend“ hal­ten, aller­dings für den pre­kä­ren Zustand, in dem sich die Kir­che im deut­schen Sprach­raum befin­de. Die Deut­sche Sek­ti­on von Radio Vati­kan scheint damit in der Spaß­ge­sell­schaft ange­kom­men zu sein. Der Begriff aus den 90er Jah­ren ist schon etwas in die Jah­re gekom­men, doch angeb­lich herrscht in Rom ja eine gewis­se „Retar­die­rung“.

Das Original: Martin Luther, der erfolgreichste Ketzer des deutschen Mittelalters
Das Ori­gi­nal: Mar­tin Luther, der erfolg­reich­ste Ket­zer des Mittelalters

Wet­ten, in der deut­schen Redak­ti­on von Radio Vati­kan freut man sich auch, daß in Öster­reich der ehe­ma­li­ge Par­tei­vor­sit­zen­de der Grü­nen und ehe­ma­li­ge KPÖ-Wäh­ler, der 1975 Frei­mau­rer gewor­de­ne Athe­ist, Abtreibungs‑, Homo-Ehe- und Ein­wan­de­rungs­be­für­wor­ter, Alex­an­der Van der Bel­len, zum Bun­des­prä­si­den­ten gewählt wur­de! ((Die Deut­sche Sek­ti­on von Radio Vati­kan hat­te im Wahl­kampf kla­re Prä­fe­ren­zen. Dem grü­nen Van der Bel­len wur­den Blu­men gestreut, sein frei­heit­li­cher Gegen­kan­di­dat kri­ti­siert.)) War das nun zu pole­misch? Nicht doch.  Ange­sichts des „Humors“ der Deut­schen Sek­ti­on von Radio Vati­kan gewiß nicht.

Bild: Radio Vatikan/Facebook (Screen­shot)

 

 

7 Kommentare

  1. Die Wahl der Pro­te­stan­ten tief­schwar­ze Klei­dung zu tra­gen geht auf die Oppo­si­ti­on zum Papst zurück, der wei­ße Klei­dung trägt. Dar­auf hat die deutsch­stäm­mi­ge Luthe­ra­ne­rin Jacke­len in Lund hin­ge­wie­sen, anläss­lich des dor­ti­gen Besuchs von Papst Fran­zis­kus I. zum Auf­takt des Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums hingewiesen.
    Gera­de­zu eine tri­ste Sym­bo­lik für das Papst­amt in unse­rer Zeit.

  2. Papst Luther oder Pro­te­stant Ber­go­glio? Was will Radio Vati­kan uns damit sagen?
    Papst Luther oder Pro­te­stant Ber­go­glio? Was will Radio Vati­kan uns damit sagen?
    Es ist nur beschä­mend. Radio Vati­kan hat jedes Scham­ge­fühl ver­lo­ren. Das ist die Botschaft.

    • Viel­leicht haben Sie recht. Aber könn­ten wir die Foto­mon­ta­ge nicht auch anders deu­ten? Radio Vati­kan warnt vor einer wei­te­ren Kir­chen­spal­tung, an deren Anfang der Papst steht. Und wenn der Papst so wei­ter­macht wie bis­her, dann besteht tat­säch­lich Grund zur Sorge.

  3. „Wahr­schein­lich hält man dort die Vor­stel­lung, Fran­zis­kus sei der Luther des 21. Jahr­hun­derts, sogar für witzig.“
    Ich habe eh das Gefühl das seit über drei Jah­ren der Kar­ne­val das Kom­man­do in Rom über­nom­men hat. Der Kon­zils­geist scheint mir sowie­so eine grö­ße­re Nähe zu Katha­ri­na von Bora als zur Mut­ter Got­tes zu haben. Er hat­te eben noch nie einen guten Geschmack. Jeden­falls soll­ten wir uns auf das Jahr 2017 sorg­sam vor­be­rei­ten denn da tanzt der öku­me­ni­sche Bär und das barm­her­zi­ge gol­de­ne Kalb jeden Tag bis in den Morgengrauen.
    Per Mari­am ad Christum.

  4. Das Bild passt gut in die Rea­li­tät. Zu gut!
    Zu van der Bel­len ist viel­leicht hin­zu­zu­fü­gen, dass mit ihm jetzt einer Ober­be­fehls­ha­ber des öster­rei­chi­schen Bun­des­hee­res ist, der nie sei­nen Prä­senz­dienst abge­lei­stet hat. Aber das ist ja in Öster­reich nicht unge­wöhn­lich, son­dern typisch.

  5. Ist es nicht typisch und syn­onym für unse­re Zeit, daß die vor­ste­hen­den Reprä­sen­tan­ten und Eli­ten zum Auf­bau und Wohl­erge­hen selbst so gut wie Nichts bei­getra­gen haben, jedoch das „ererb­te Ver­mö­gen “ mit vol­len Hän­den ver­schleu­dern, und damit mei­ne ich nicht nur das mate­ri­el­le Ver­mö­gen? Auf­ge­baut hat von denen noch kei­ner etwas, sie sind nur Mei­ster im Ver­pras­sen des­sen, was ande­re in Genera­tio­nen auf­ge­baut haben.…

Kommentare sind deaktiviert.