Martin Scorsese von Papst Franziskus empfangen — Filmpremiere von „Silence“ über die „verborgenen Christen“ Japans

Regisseur Martin Scorsese in Privataudienz bei Papst Franziskus. Am Dienstag fand im Vatikan die Premiere von Scorseses neuem Film "Silence" über die "verborgenen Christen" Japans des 17. Jahrhunderts statt.
Regisseur Martin Scorsese in Privataudienz bei Papst Franziskus. Am Dienstag fand im Vatikan die Premiere von Scorseses neuem Film "Silence" über die "verborgenen Christen" Japans des 17. Jahrhunderts statt.

(Rom) Mar­tin Scor­se­se, der Regis­seur des Skan­dal­films „Die letz­te Ver­su­chung Chri­sti“ aus dem Jahr 1988 wur­de am Diens­tag von Papst Fran­zis­kus in Audi­enz emp­fan­gen. Die Pre­mie­re von Scor­se­ses jüng­stem Film fand am sel­ben Tag im Vati­kan statt. Er zeigt die bru­ta­le Chri­sten­ver­fol­gung in Japan vom 16.–19. Jahr­hun­dert und das Schick­sal der Kaku­re Kiris­hitan, der „ver­bor­ge­nen Chri­sten“.

Blasphemische Provokation

Der US-Ame­ri­ka­ner Scor­se­se ver­film­te 1988 nicht das Neue Testa­ment, son­dern den Roman von Nikos Kazant­zakis „Die letz­te Ver­su­chung“. Da die Haupt­fi­gur von Roman und Film Jesus von Naza­reth ist, war jede Anspie­lung natür­lich gewollt. Sie zeig­te, dem Zeit­geist ent­spre­chend, Jesus nur in sei­ner mensch­li­chen Natur samt der Anspie­lung eines sexu­el­len Ver­hält­nis­ses mit Maria Mag­da­le­na.

Unter Pius XII. war Kazant­zakis 1951 erschie­ne­ner Roman auf den Bücher­index gesetzt wor­den. Nicht nur die katho­li­sche Kir­che stuf­te das Werk als blas­phe­misch ein, son­dern auch die ortho­do­xe Kir­che, der Kazant­zakis ange­hör­te. Der auf Kre­ta gebo­re­ne Schrift­stel­ler sym­pa­thi­sier­te in der Zwi­schen­kriegs­zeit mit der kom­mu­ni­sti­schen Sowjet­uni­on. Von Sta­lin war der beken­nen­de Lenin-Ver­eh­rer jedoch ent­täuscht. So schloß er sich nach dem Krieg einer nicht-kom­mu­ni­sti­schen Links­par­tei an, für die er kur­ze Zeit in der grie­chi­schen Regie­rung saß.

Mar­tin Scor­se­se setz­te mit sei­ner Ver­fil­mung von Kazant­zakis Hal­lu­zi­na­ti­ons-Roman auf Pro­vo­ka­ti­on. Obwohl die Pro­te­ste gläu­bi­ger Chri­sten ihm in der libe­ra­len Pres­se um so mehr Auf­merk­sam­keit bescher­ten, hat­te der Film nur mäßi­gen Erfolg. Es hieß, Scor­se­se, der Sohn ita­lie­ni­scher Ein­wan­de­rer, habe sich, der damals ein Hol­ly­woo­der Dro­gen-und-Sex-Leben führ­te, für sei­nen Aus­schluß von einer Jesui­ten­schu­le revan­chie­ren wol­len.

Scorseses neuer Film „Silence“ über die Christenverfolgung in Japan

Von Papst Fran­zis­kus wur­de Scor­se­se im Zusam­men­hang mit Pre­mie­re sei­nes jüng­sten Spiel­films „Silence“ emp­fan­gen, der am 23. Dezem­ber in den US-Kinos star­tet. Es han­delt sich um die Ver­fil­mung des gleich­na­mi­gen Romans des katho­li­schen, japa­ni­schen Schrift­stel­lers Shu­sa­ku Endo.

Er erzählt die Geschich­te der Kaku­re Kiris­hitan, der „ver­bor­ge­nen Chri­sten“ Japans, die wäh­rend der lagen Zeit der Chri­sten­ver­fol­gung im Unter­grund ihren Glau­ben bewah­ren konn­ten. Gemeint sind mit den „ver­bor­ge­nen Chri­sten“ nicht Chri­sten ins­ge­samt, son­dern Katho­li­ken. Die katho­li­sche Kir­che hat­te im 16. Jahr­hun­dert auf Japan erfolg­reich mis­sio­niert. Beson­de­re Ver­dien­ste erwarb sich dabei der Jesui­ten­or­den, des­sen erster Mis­si­on, der hei­li­ge Franz Xaver 1548 erst­mals japa­ni­schen Boden betrat.

Gegen Ende des Jahr­hun­derts ver­such­ten die cal­vi­ni­sti­schen Nie­der­lan­de aus wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Grün­den den Ein­fluß der katho­li­schen Por­tu­gie­sen und Spa­ni­er, damals von den Habs­bur­gern in Per­so­nal­uni­on regiert, in Japan zurück­zu­drän­gen. Die Cal­vi­ni­sten hetz­ten den Sho­gun gegen die Katho­li­ken auf und lösten eine radi­ka­le chri­sten­feind­li­che Reak­ti­on aus, die von 1587 bis 1856 dau­er­te. Da nur die katho­li­sche Kir­che in Japan mis­sio­nier­te, wur­den die Katho­li­ken zur Ziel­schei­be der Ver­fol­gung.

Unbekanntes Kapitel der japanischen Geschichte

Japan schot­te­te sich für fast 300 Jah­re ganz von der Außen­welt ab, wes­halb die cal­vi­ni­sti­schen Nie­der­län­der kei­nen Nut­zen zie­hen konn­ten. Das Sho­gu­nat ver­such­te in Japan jeden christ­li­chen Ein­fluß aus­zu­mer­zen. Der katho­li­sche Glau­ben konn­te den­noch, obwohl seit dem 17. Jahr­hun­dert prie­ster­los, im Unter­grund über­le­ben. Als am Beginn der Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts Euro­pä­er wie­der Japan betre­ten durf­ten, stie­ßen sie zu ihrem gro­ßen Erstau­nen auf christ­li­che Fami­lie.

Haupt­fi­gu­ren des neu­en Scor­se­se-Films sind Jesui­ten, die 1638 nach Japan gehen, um einen Mit­bru­der, Pater Cri­sto­vao Fer­rei­ra, zu suchen. Der por­tu­gie­si­sche Jesu­it Fer­rei­ra, eine histo­risch beleg­te Gestalt, sei — so die Nach­richt, die Euro­pa erreich­te — vom Glau­ben abge­fal­len. Den bei­den vom Orden aus­ge­sand­ten Jesui­ten bie­tet sich in Japan ein Bild, so die Film­hand­lung, mit dem sie nicht gerech­net hat­ten: eine bru­ta­le Ver­fol­gung der Chri­sten.

Die Vor­pre­mie­re des Films fand am 29. Novem­ber im Vati­kan statt. Scor­se­se lud meh­re­re hun­dert Jesui­ten zur Vor­füh­rung ein. Im Anschluß traf er sich zu einer Pri­vat­au­di­enz mit Papst Fran­zis­kus. Die deut­sche Fas­sung des Films wird am 2. Febru­ar 2017 gezeigt wer­den.

Text: Andre­as Becker
Bild: OR/Vatican.va (Sre­en­shots)




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