Der heilige Theodor Studites und die „Ehebrechersynode“

Heiliger Theodor Studites
Heiliger Theodor Studites

von Rober­to de Mattei*

Als „Ehe­bre­cher­syn­ode“ ging eine Bischofs­ver­samm­lung in die Kir­chen­ge­schich­te ein, die im 9. Jahr­hun­dert die Pra­xis der Zweit­ehe nach Ver­sto­ßung der recht­mä­ßi­gen Ehe­frau ein­füh­ren woll­te. Der hei­li­ge Theo­dor Stu­di­tes (759–826) wider­setz­te sich die­ser Absicht mit gro­ßem Eifer und wur­de dafür ver­folgt, ein­ge­sperrt und drei­mal verbannt.

Alles begann, als der byzan­ti­ni­sche Kai­ser (Basi­leus) Kon­stan­tin VI. (771–797) im Janu­ar 795 sei­ne Frau Maria von Arme­ni­en in ein Klo­ster sper­ren ließ und eine unrecht­mä­ßi­ge Ver­bin­dung mit Theo­do­ta, einer Hof­da­me sei­ner Mut­ter Ire­ne, einging.

Weni­ge Mona­te spä­ter ließ er Theo­do­ta zur „Augu­sta“ aus­ru­fen, konn­te aber Patri­arch Tara­si­os von Kon­stan­ti­no­pel (730–806) nicht davon über­zeu­gen, einer Zweit­ehe zuzu­stim­men. Schließ­lich fand er im Pres­by­ter Joseph, Hegu­men des Klo­sters Katha­ra auf der Insel Itha­ka , einen gefäl­li­gen Prie­ster, der die ehe­bre­che­ri­sche Ver­bin­dung offi­zi­ell segnete.

Der Kaiser als Ehebrecher und das Schweigen des Patriarchen

Der 759 in Kon­stan­ti­no­pel gebo­re­ne hei­li­ge Theo­dor war damals Mönch im Klo­ster Sak­ku­di­on in Bithy­ni­en, des­sen Abt sein Onkel Pla­ton war, der eben­falls als Hei­li­ger ver­ehrt wird. Theo­dor erin­nert in sei­nen Schrif­ten, daß die unge­rech­te Schei­dung im gan­zen christ­li­chen Volk eine gro­ße Erre­gung aus­lö­ste: con­cus­sus est mun­dus (Epist. II, n. 181, in PG 99, coll. 1559–1650CD). Zusam­men mit dem hei­li­gen Pla­ton erhob er im Namen der Unauf­lös­lich­keit der Ehe ener­gi­schen Pro­test. Er schrieb, daß der Kai­ser als Ehe­bre­cher zu betrach­ten ist und der Pres­by­ter Joseph des­halb schwe­re Schuld auf sich gela­den hat, weil er die Ehe­bre­cher geseg­net und zur Eucha­ri­stie zuge­las­sen hat­te. Indem er „den Ehe­bruch krön­te“, hat sich der Prie­ster Joseph der Leh­re Chri­sti wider­setzt und das gött­li­che Gesetz gebro­chen (Epist. I, 32, PG 99, coll. 1015/1061C). Für Theo­dor war auch Patri­arch Tara­si­os zu ver­ur­tei­len, der zwar die neue Ehe­schlie­ßung nicht gut­hieß, sich aber tole­rant zeig­te und eine Exkom­mu­ni­ka­ti­on des Kai­sers eben­so ver­mied, wie eine Bestra­fung des Hegu­men Joseph.

Konstantin VI. und seine Mutter Irene
Kon­stan­tin VI. und sei­ne Mut­ter Irene

Die Hal­tung war typisch für einen Teil der Ost­kir­che, der zwar die Unauf­lös­lich­keit der Ehe pro­kla­mier­te, in der Pra­xis aber gegen­über der kai­ser­li­chen Macht eine gewis­se Unter­wür­fig­keit zeig­te und damit Ver­wir­rung im Volk stif­te­te und den Pro­test ent­schie­de­ner Katho­li­ken her­aus­for­der­te. Unter Beru­fung auf die Auto­ri­tät des hei­li­gen Basi­li­us bean­spruch­te Theo­dor das Recht, die Irr­tü­mer der Vor­ge­setz­ten anzu­kla­gen (Epist. I, 5, PG 99, coll. 923–924, 925–926D), und so erklär­ten die Mön­che von Sak­ku­di­on die Gemein­schaft mit dem Patri­ar­chen, wegen sei­ner Kom­pli­zen­schaft bei der Schei­dung des Kai­sers, für been­det. Damit brach der soge­nann­te „moi­chia­ni­sche Streit“ (von moicheia = Ehe­bruch) aus, der Theo­dor nicht nur in Kon­flikt mit der kai­ser­li­chen Regie­rung brach­te, son­dern auch mit den Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel. Es han­delt sich um ein wenig bekann­tes Kapi­tel, des­sen Schlei­er vor eini­gen Jah­ren von Pro­fes­sor Dan­te Gem­mi­ti mit einer genau­en histo­ri­schen Rekon­struk­ti­on anhand der grie­chi­schen und latei­ni­schen Quel­len gelüf­tet wur­de (Teo­do­ro Stu­dita e la que­stio­ne moicheia­na, LER, Mariglia­no 1993). Sei­ne Stu­die bestä­tigt, daß die kirch­li­che Dis­zi­plin der Ost­kir­che im ersten Jahr­tau­send den Grund­satz der Unauf­lös­lich­keit der Ehe noch respektierte.

Verhaftung und Verbannung

Im Sep­tem­ber 796 wur­den Pla­ton und Theo­dor zusam­men mit ande­ren Mön­chen von Sak­ku­di­on ver­haf­tet, ein­ge­sperrt und dann nach Thes­sa­lo­ni­ki ver­bannt, wo sie am 25. März 797 ein­tra­fen. In Kon­stan­ti­no­pel betrach­te­te das Volk Kai­ser Kon­stan­tin VI. als Sün­der, der öffent­li­ches Ärger­nis erreg­te, wes­halb – dem Bei­spiel von Pla­ton und Theo­dor fol­gend – die Oppo­si­ti­on gegen ihn von Tag zu Tag grö­ßer wur­de. Das Exil dau­er­te nur kurz, weil der jun­ge Kon­stan­tin im Zuge eines Palast­kom­plotts auf Anord­nung der Mut­ter geblen­det wur­de, die als Basi­lis­sa die Allein­herr­schaft im Reich über­nahm. Ire­ne erlaub­te den Exi­lier­ten die Rück­kehr, die sich im Stu­di­o­n­klo­ster in Kon­stan­ti­no­pel nie­der­lie­ßen, wo auch ein Groß­teil der Mönchs­ge­mein­schaft von Sak­ku­di­on Zuflucht fand, als sie 798 von den Sara­ze­nen aus Bithy­ni­en ver­trie­ben wur­den. Theo­dor und Pla­ton ver­söhn­ten sich mit Patri­arch Tara­si­os, der, nach der Macht­über­nah­me durch Ire­ne, Kon­stan­tin und den Prie­ster Joseph wegen der Schei­dung des Kai­sers öffent­lich ver­ur­teilt hatte.

Kaiserin Irene von Byzanz
Kai­se­rin Ire­ne von Byzanz

Doch auch die Herr­schaft Ire­nes dau­er­te nur weni­ge Jah­re. Am 31. Okto­ber 802 rief sich ihr Finanz­mi­ni­ster Nike­pho­ros (um 760–811) nach einer Palast­re­vol­te selbst zum Kai­ser aus. Als kurz dar­auf Tara­si­os starb, ließ der neue Basi­leus einen hohen kai­ser­li­chen Beam­ten, sei­nen Pri­vat­se­kre­tär, zum neu­en Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel wäh­len, der eben­falls Nike­pho­ros hieß (758–828). Auf einer von ihm in der Mit­te des Jah­res 806 ein­be­ru­fe­nen und gelei­te­ten Syn­ode setz­te Nike­pho­ros den von Tara­si­os abge­setz­ten Hegu­men Joseph wie­der in sein Amt ein. Theo­dor, der Abt der Mönchs­ge­mein­schaft des Stu­di­o­n­klo­sters gewor­den war, nach­dem sich Pla­ton zurück­ge­zo­gen hat­te, um als Reklu­se zu leben, pro­te­stier­te leb­haft gegen die Reha­bi­li­tie­rung des Prie­sters Joseph, und als die­ser sein Prie­ster­tum wie­der aus­zu­üben begann, brach Theo­dor die Gemein­schaft auch mit dem neu­en Patri­ar­chen ab.

Die „Ehebrechersynode“

Die Reak­ti­on ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. Das Stu­di­o­n­klo­ster wur­de von Sol­da­ten besetzt und Theo­dor, Pla­ton und Theo­dors Bru­der Joseph, Erz­bi­schof von Thes­sa­lo­ni­ki, wur­den ver­haf­tet, ver­ur­teilt und ver­bannt. 808 berief der Kai­ser eine ande­re Syn­ode ein, die sich im Janu­ar 809 ver­sam­mel­te. Dabei han­del­te es sich um das, was Theo­dor in einem Brief an den Mönch Arseni­us als „moecho­syn­odus“, die „Ehe­bre­cher­syn­ode“, bezeich­ne­te (Epist. I, Nr. 38, PG 99, coll. 1041–1042c). Die Bischofs­syn­ode erkann­te die Recht­mä­ßig­keit der Zweit­ehe von Kai­ser Kon­stan­tin VI. an, bestä­tig­te die Reha­bi­li­tie­rung des Hegu­men Joseph und bann­te Theo­dor, Pla­ton und Theo­dors Bru­der Joseph, der als Erz­bi­schof von Thes­sa­lo­ni­ki abge­setzt wurde.

Um die Schei­dung des Kai­sers zu recht­fer­ti­gen, berief sich die Syn­ode auf die „Oiko­no­mia der Hei­li­gen“ (die Tole­ranz in der Pra­xis). Doch für Theo­dor konn­te nichts die Ver­let­zung des gött­li­chen Geset­zes recht­fer­ti­gen. Unter Beru­fung auf die Leh­ren des hei­li­gen Basi­li­us, des hei­li­gen Gre­gor von Nazi­anz und des hei­li­gen Johan­nes Chryso­s­to­mos erklär­te er die behaup­te­te „Oiko­no­mia der Hei­li­gen“, laut der unter gewis­sen Umstän­den ein klei­ne­res Übel gedul­det wer­den konn­te, wie im Fall der ehe­bre­che­ri­schen Ehe des Kai­sers, für völ­lig haltlos.

Widerstand gegen den Ikonoklasmus

Studionkloster in Konstantinopel
Stu­di­o­n­klo­ster in Konstantinopel

Eini­ge Jah­re spä­ter fiel Kai­ser Nike­pho­ros I. im Krieg gegen die Bul­ga­ren (25. Juli 811) und es folg­te ihm, als Micha­el I., ein hoher kai­ser­li­cher Beam­ter auf den Thron. Der neue Basi­leus rief Theo­dor aus dem Exil zurück und mach­te ihn zu sei­nem wich­tig­sten Rat­ge­ber. Micha­el I. war es, der 812 Karl dem Gro­ßen den Kai­ser­ti­tel zuer­kann­te. Doch der Frie­den währ­te nicht lan­ge. Im Som­mer 813 füg­ten die Bul­ga­ren Kai­ser Micha­el I. bei Adria­no­pel eine so ver­nich­ten­de Nie­der­la­ge zu, daß die Armee den Befehls­ha­ber der ana­to­li­schen Trup­pen, Leo V., genannt der Arme­ni­er (775–820), zum Kai­ser aus­rief. Als Leo Patri­arch Nike­pho­ros absetz­te und die Bil­der­ver­eh­rung ver­bot, trat Theo­dor an die Spit­ze des Wider­stan­des gegen den Iko­no­klas­mus. Theo­dor ging in die Kir­chen­ge­schich­te nicht nur wegen sei­nes Wider­stan­des gegen die „Ehe­bre­cher­syn­ode“ ein, son­dern auch als einer der gro­ßen Ver­tei­di­ger der hei­li­gen Dar­stel­lun­gen in der zwei­ten Pha­se der bil­der­feind­li­chen Stim­mung. Am Palm­sonn­tag des Jah­res 815 konn­te man in Kon­stan­ti­no­pel eine Pro­zes­si­on der tau­send Mön­che des Stu­di­o­n­klo­sters erle­ben, die auf dem Klo­ster­ge­län­de, aber von außen gut sicht­bar, unter Psal­men­ge­sang die hei­li­gen Iko­nen mit­führ­ten. Die Pro­zes­si­on der Stu­di­ten­mön­che führ­te zum Ein­schrei­ten der kai­ser­li­chen Trup­pen. Zwi­schen 815 und 821 wur­de Theo­dor aus­ge­peitscht, ein­ge­ker­kert und in Klein­asi­en von einem Ver­ban­nungs­ort zum ande­ren ver­legt. Schließ­lich durf­te er nach Jah­ren zwar nach Kon­stan­ti­no­pel zurück­keh­ren, nicht aber in sein Klo­ster. So ließ er sich mit sei­nen Mön­chen auf der ande­ren Sei­te des Bos­po­rus, auf Prin­ki­pos, der größ­ten der Prin­zen­in­seln im Mar­ma­ra­meer, nie­der, wo er am 11. Novem­ber 826 starb.

Sein „non licet“ (Mt 14,3–11), das der hei­li­ge Johan­nes der Täu­fer dem Tetrar­chen Hero­des Anti­pas wegen des­sen Ehe­bruch ent­ge­gen­ge­hal­ten hat­te, fand in der Kir­chen­ge­schich­te mehr­fa­chen Wider­hall. Der hei­li­ge Theo­dor Stu­di­tes, ein ein­fa­cher Ordens­mann, der es wag­te, die kai­ser­li­che Macht und die kirch­li­che Hier­ar­chie sei­ner Zeit her­aus­zu­for­dern, kann als einer der himm­li­schen Pro­tek­to­ren jener betrach­tet wer­den, die auch heu­te, ange­sichts der Gefahr einer Ände­rung der katho­li­schen Ehe­pra­xis, den Mut haben, das unbeug­sa­me non licet zu wiederholen.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Schrift­lei­ter der Monats­zeit­schrift Radi­ci Cri­stia­ne und der Online-Nach­rich­ten­agen­tur Cor­ris­pon­den­za Roma­na, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt erschie­nen: Vica­rio di Cri­sto. Il pri­mato di Pie­tro tra nor­ma­li­tà  ed ecce­zio­ne (Stell­ver­tre­ter Chri­sti. Der Pri­mat des Petrus zwi­schen Nor­ma­li­tät und Aus­nah­me), Vero­na 2013; in deut­scher Über­set­zung zuletzt: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, Rup­pich­teroth 2011. Die Zwi­schen­ti­tel stam­men von der Redaktion.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons

7 Kommentare

  1. Es lohnt sich die Erklä­run­gen einer „grie­chisch-ortho­do­xen“ Kir­chen­ge­mein­de in Deutsch­land zu Ehe­schei­dung und Wie­der­ver­hei­ra­tung zu lesen, um dies­be­züg­lich sehr deut­lich das in die Ost­kir­chen ein­ge­flos­se­ne Men­schen­ge­dach­te bzw. Men­schen­ge­mach­te her­aus­zu­le­sen und so wohl auch auf den Ursprung der aktu­ell inner­halb der römisch katho­li­schen Kir­che von „zeit­ge­mä­ssen“ Krei­sen so infla­tio­när gefor­der­ten „neu­en Barm­her­zig­keit“ zu stossen:
    -
    „Zwar stellt das Gebot Jesu zur dau­er­haf­ten Bin­dung zwi­schen Mann und Frau für alle Ehe­leu­te einen idea­len Zustand dar — nie­mand zwei­felt dar­an -, kann aber, genau­so wie jedes ande­re Gebot, u.a. auch auf­grund der Unvoll­kom­men­heit des Men­schen, die Über­tre­tung und die Sün­de, ja sogar die Tod­sün­de und schließ­lich auch das Schei­tern einer Ehe nicht aus­schlie­ßen. Wo die idea­le Situa­ti­on der Hin­ge­bung und der unei­gen­nüt­zi­gen Lie­be nicht mehr vor­han­den ist, wird die Gemein­schaft zwi­schen den Part­nern erschüt­tert. Das führt zur Situa­ti­on, dass die abso­lu­te hin­ge­ben­de und auf­op­fern­de Lie­be zur Gleich­gül­tig­keit gegen­über dem Part­ner, ja manch­mal auch zum Hass ver­wan­delt wird. So wird das vor­bild­haf­te, sakra­men­ta­le Ver­hält­nis zwi­schen Chri­stus und der Kir­che, zwi­schen dem Bräu­ti­gam und der Braut nicht mehr sei­ne Ver­ge­gen­wär­ti­gung in der Ehe haben. Daher gibt es nicht nur den natür­li­chen Tod, der die Ehe erschüt­tert, son­dern auch den mora­li­schen. D.h. die Ortho­do­xe Kir­che kennt auch eine Ehe­schei­dung aus meh­re­ren Grün­den, mit der Mög­lich­keit danach für eine Wie­der­ver­hei­ra­tung durch kirch­li­che Ehe­schlie­ßung mit sakra­men­ta­lem Cha­rak­ter bis zu drei Mal. Es ist bekannt, dass die­se Pra­xis auch in der Früh­kir­che zugun­sten der Men­schen fest­zu­stel­len ist. Das bedeu­tet also bis heu­te in der Ortho­do­xen Kir­che, dass ein nach dem ortho­do­xen Kir­chen­recht „legi­tim“ Geschie­de­ner wie­der sakra­men­tal-kirch­lich hei­rats­fä­hig ist:
    a) Wie­der­her­stel­lung der Ehe von geschie­de­nen Ehe­leu­ten und
    b) Zwei­te und drit­te Eheschließung.
    Aus gege­be­nem Anlass muss hier fest­ge­stellt wer­den, dass auch die­se zwei­te und drit­te kirch­li­che Ehe­schlie­ßung als Anteil­nah­me am Myste­ri­um Chri­sti und der Kir­che, genau­so wie die Erste Ehe Sakra­ment sind. Natür­lich stellt die erste bzw. ein­zi­ge Ehe­schlie­ßung einen „Ide­al­zu­stand“ dar. Aber wenn die Kir­che Nach­sicht übt (Oiko­no­mia) auch für die Schwä­che­ren bzw. die schuld­los Geschei­ter­ten, und das tut sie mit der Erlaub­nis der zwei­ten und drit­ten Ehe­schlie­ßung, dann gibt sie eben die­sen reu­mü­ti­gen Gläu­bi­gen die neue Mög­lich­keit, an der gött­li­chen Gna­de durch das Sakra­ment der Ehe teil­zu­ha­ben, wenn auch mit weni­ger Glanz im Ritus und spä­ter, nach einer gewis­sen Buß­zeit, auch am Sakra­ment der hl. Eucha­ri­stie durch den Emp­fang der hl. Kom­mu­ni­on teil­zu­neh­men. Die Sün­de wird von der Kir­che immer bekämpft und ver­ur­teilt, der Sün­der jedoch immer barm­her­zig und hilfs­be­reit behan­delt, weil Gott selbst allen Sün­dern gegen­über barm­her­zig und nach­sich­tig ist. Die Gebe­te der zwei­ten und drit­ten Ehe­schlie­ßung sind Zeug­nis­se von groß­ar­ti­ger Barm­her­zig­keit, jedoch inner­halb des sakra­men­ta­len Lebens im the­ra­peu­ti­schen Sinn.“
    -

    • Welch eine grau­en­haf­te Verdrehung!
      Ich habe mich oft gefragt, war­um Gott Byzanz an die Mus­li­me fal­len ließ.

      Viel­leicht des­halb, weil sie den neu­en Bund mit Ihm gebro­chen haben, indem sie eines der tief­sten und geheim­nis­voll­sten Bil­der dafür, näm­lich die sakra­men­ta­le Ehe, gebro­chen haben.

      Daher kann auch Russ­land für uns nie­mals in irgend­ei­ner Wei­se maß­geb­lich werden!

      Die Deu­tung der Ehe auf die Bezie­hung auf Chri­stus und Kir­che nennt der hl. Pau­lus als das oder viel­leicht auch nur einen Teil des Geheim­nis­ses der Ehe.
      Da der Mensch nach der Gene­sis, als Mann und Frau, Eben­bild Got­tes ist und dies in Chri­stus wie­der­her­ge­stellt ist, kann es aber auch sein, dass in der sakra­men­ta­len Ehe auch die Eben­bild­lich­keit selbst ver­bor­gen ist.

      Ein Ehe­bre­cher bricht daher nicht nur den den Neu­en Bund, son­dern er ver­lä­stert auf schau­er­lich­ste Wei­se den drei­fal­ti­gen Gott.

      Wenn man sich den Satz des hl. Pau­lus zur Ehe „Sacra­men­tum hoc magnum est!“ vor Augen hält und ein­be­zieht, dass es ein wirk­li­ches und „gro­ßes“ Geheim­nis ist, das weit hin­aus­geht über prag­ma­ti­sche All­tags­vor­stel­lun­gen, dann soll­ten wir zit­tern davor, die­ses Sacra­men­tum zu schleifen.

      Es wird uns nicht anders gehen als den Byzan­ti­nern, die heu­te nur noch ein Bild des Jam­mers abge­ben und kaum noch mit dem blan­ken Leben davonkommen.

      Es kann kaum anders sein: Wer die Ehe insti­tu­tio­nell zer­stört, stößt Gott ins Herz.

      Jesus hat die Fol­gen der Sün­de ins­ge­samt (noch) nicht auf­ge­ho­ben — der Acker ist immer noch dor­nig, die Gebur­ten sind immer noch größ­te Här­te, wir ver­die­nen immer noch im Schweiß des Ange­sich­tes unser Brot und müs­sen anch wie vor ster­ben. Aber eines hat er mit gera­de­zu uner­bitt­li­cher Stren­ge auf­ge­ho­ben: das Zer­würf­nis zwi­schen den Geschlech­tern und die Unter­jo­chung der Frau.

      Es lohnt sich, die­ses Fak­tum zu reflektieren:
      Es geht dabei mit Sicher­heit nicht bloß um den Men­schen, son­dern vor allem um Gott selbst. Es geht um die Ehre des Bräu­ti­gams und um die der Braut.

      Wehe uns, da wir dar­an je gerührt haben!
      Man muss zuge­ben, das auch in der katho­li­schen Kir­che die Ehe unter­lau­fen wur­de und die kom­ple­men­tä­re Eben­bild­lich­keit geleu­gen wer­den konn­te. Auch unse­re Kai­ser hur­ten und bra­chen vor aller Augen die Ehe. Auch eini­ge unse­re „Väter“ woll­ten der Frau nicht zuge­ste­hen, was sie von Gott her ist und sind ja der Urhe­ber der öst­li­chen Schei­dungs­pra­xis. Auch bei uns wur­de dem Schrift­text ent­ge­gen der Frau wei­ter­hin die Eben­bild­lich­keit abge­spro­chen, sogar in kano­ni­schen Tex­ten wie dem Decretum Gra­tia­ni. Auch bei uns ver­wech­sel­te man die Auf­for­de­rung zur hin­ge­bungs­vol­len Lie­be als For­de­rung an die Ehe-Frau mit skla­vi­scher Unter­ord­nung und ver­gaß, dem Mann abzu­ver­lan­gen, sich wie Chri­stus für sie zu opfern.

      Und es geht nicht um Moral, son­dern um die Ehre und Hei­lig­keit Got­tes und sei­ner bren­nen­den Lie­be zu uns, die eine adäqua­te Ant­wort will.

      Wie Leo Lämm­lein an ande­rer Stel­le anführ­te, ist es Dog­ma, dass Gott auch die Gna­de des Gelin­gens schenkt.

  2. Und Rein­hold hat wie­der — aus­schließ­lich eige­nen — über­flüs­si­gen Senf dazugegeben. 

    Er ver­wech­selt bei Zeit­schnur und ver­mut­lich auch bei ande­ren, vor­schnell Eige­nes mit Eigen­stän­di­gem und hält letz­te­res pau­schal für falsch. Weil sie aber so pau­schal erfolgt, ist die­se sei­ne Gleich­set­zung selbst falsch.

    Zeit­schnur ver­mag wie weni­ge hier und in Tra­di­k­rei­sen ins­ge­samt, ori­gi­när zu den­ken und auch ori­gi­nel­les begrün­det zu sagen, über das sich ein Nach­den­ken selbst dann lohnt, wenn man dar­über nicht zu Zustim­mung in allen Aspek­ten und Details gelangt.

  3. Triden­ti­nus @ Ihre Bewer­tung zu den Kom­men­ta­ren von Zeit­schnur kann ich beim bestem Willen
    nicht tei­len. Zeit­schnur schreibt zwar viel und lan­ge Abhand­lun­gen, aber auch viel Wuse­lei. Zeit-
    schnur lässt immer wie­der durch­blicken, welch Bil­dung da zu Grun­de liegt. Man­che mei­nen, nach
    ein paar Seme­ster Theo­lo­gie die Weis­heit gepach­tet zu haben. Das glei­che ist auch bei Ihnen
    fest­zu­stel­len. Sie wol­len urtei­len und schei­ben : ..wie weni­ge hier ( Kom­men­ta­to­ren ) und in “ Tra-
    dik­rei­sen “ wie sie es nen­nen, ori­gi­när und ori­gi­nel­les schrei­ben kön­nen. Das zeugt von großer
    Über­heb­lich­keit und Hoch­mut. Selbst­er­kennt­nis ist hier der Weg zur Besserung.

    • …nööö, gera­de das ist es nicht! Aber es nervt und macht die Anlie­gen, die vie­le in eher tra­di­tio­nel­len Krei­sen im gan­zen Ernst des Her­zens haben, in der Welt und der moder­ni­sti­schen Kir­che lächer­lich wie es nicht lächer­li­cher geht.

      Es geht sehr wohl um Bil­dung — tut mir leid!
      Sie mei­nen, jeder könn­te über alles mit­qua­ken resp. sei­nen nega­tiv gefüll­ten Kropf leeren?

      Dar­um kann es ange­sichts der Not nicht gehen.

      Wir müs­sen wirk­lich alles dran­set­zen, um nicht auf­grund des feh­len­den Lehr­am­tes völ­lig abzu­sin­ken ins boden­lo­se Niveau waden­bei­ßen­der, selbst­ge­rech­ter Kleingeister.

      Es war immer selbst­ver­ständ­lich, dass Men­schen, die einem Gedan­ken­gang gei­stig nicht fol­gen kön­nen oder auch wol­len, dann ein­fach still sind und zuge­ben, dass sie kei­ne Lust haben, das nun genau­er zu beden­ken oder es schlicht nicht ver­ste­hen kön­nen, weil zu anstrengend. 

      Der Dis­kurs ist nur dann erlaubt, wenn man wie­der­um Begrün­de­tes ent­ge­gen­set­zen kann.
      Hier sind aber vie­le Kan­di­da­ten, die nur wis­sen, wie man mög­lichst pri­mi­tiv her­um­pö­belt und sich ohne jede katho­li­sche Dis­zi­plin vom Fraß des Nei­des erfas­sen las­sen, wenn sie ent­decken, dass ande­re sich in ande­rer Wei­se in Din­ge ver­tieft haben, als sie das für sich selbst für nötig erachteten.

      Zup­fen Sie sich also an Ihrer eige­nen Nase — Ihr Neid-Pro­blem ist nicht dies, dass ich stu­diert habe, son­dern dass Sie es nicht haben und mei­nen, es gehe auch alles so — das ist arro­gant, den­ken Sie mal drü­ber nach. Von nichts kommt ein­fach nichts. Man kann auch nicht Kla­vier­spie­len, ohne viel geübt zu haben. Und wenn man dann einem tol­len Pia­ni­sten nicht fol­gen kann, ist das nicht des­sen Feh­ler. Es bleibt nur eine: das anzu­er­ken­nen oder anfan­gen Kla­vier zu üben!

      Aber fol­gen­des möch­te ich Ihnen und auch allen andern sagen: Ich glau­be, dass im Reich Got­tes jeder — egal wel­chen Bldungs­weg er ging — durch den rech­ten Glau­ben und die Schu­le des Kreu­zes maxi­ma­le Bil­dung erwirbt.

      Wenn Sie die Wer­ke man­cher Hei­li­ger, v.a. Frau­en lesen, und sich klar­ma­chen, dass sie oft nicht in die Schu­le gegan­gen sind oder auto­di­dak­tisch gelernt hat­ten, dann kön­nen Sie nur Hal­le­lu­ja rufen dar­über, wie der Hl. Geist die wahr­haft Glau­ben­den bil­det. Ein ech­ter Katho­lik wird immer „stu­die­ren“, und zwar an der Hoch­schu­le des Kreuzes.

      Was hin­dert Sie also?

      Die ein­zig berech­tig­te Fra­ge ist: Trifft das, was zeit­schnur an Gedan­ken ent­wickelt, zu — ja oder nein? Oder wie oder was? Und dann soll­te das Nach­den­ken begin­nen und nicht das Gepöbel!

      Wenn Sie mir gute Argu­men­te geben bin ich dem sehr zugeneigt.

      Allez-hopp, Tra­dis, sol­len wir uns wei­ter durch Dumm­drei­st­heit und Vul­ga­ri­tät lächer­lich machen oder der Welt zei­gen, was Gott aus den Sei­nen macht?!

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