Vorbild im Bekennermut — Notwendiger Nachruf auf Bischof Kurt Krenn

Bischof Kurt Krenn - Nachruf(Sankt Pöl­ten) Am 25. Janu­ar ver­starb der eme­ri­tier­te Bischof der öster­rei­chi­schen Diö­ze­se Sankt Pöl­ten, Msgr. Kurt Krenn. Wie kaum ein ande­rer Bischof pola­ri­sier­te er die Gemü­ter, weil er ein Mann kla­rer Wor­te und nicht der hal­ben Sachen war. Sprich­wört­lich wur­de ein Inter­view für die Nach­rich­ten­sen­dung des Öster­rei­chi­schen Fern­se­hens, in dem er bestimm­te Mit­brü­der im Bischofs­amt auf­for­der­te: „Sie sol­len doch ihr Maul hal­ten“. Für „Schwer­punkt­ver­schie­bun­gen“ in eine mehr­heits­fä­hi­ge­re Rich­tung und „pasto­ra­le“ Auf­wei­chun­gen der von Chri­stus der Kir­che anver­trau­ten Wahr­heit war er nicht zu haben. Damit war er für die Welt eine rei­bungs­la­sti­ge Her­aus­for­de­rung, für man­che Katho­li­ken und auch Bischö­fe aber ein Spie­gel, der ihnen vor­ge­hal­ten wur­de. Damit wur­de der Ober­öster­rei­cher von außer­ge­wöhn­li­cher Denk­schär­fe zu einer Art leben­der Pro­vo­ka­ti­on, derer man sich unrühm­lich ent­le­dig­te. Bischof Krenn bemüh­te sich die geist­li­che Not in sei­ner Hei­mat zu wen­den. Das macht einen Nach­ruf auch im übetra­ge­nen Sinn not­wen­dig. Der Dank gilt dem Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen Wolf­ram Schrems, der ihn als auf­merk­sa­mer und unbe­stech­li­cher Zeit­zeu­ge auf wohl­wol­lend akzen­tu­ier­te Wei­se ver­faßt hat.
Bischof Kurt Krenn wird am Sams­tag, den 8. Febru­ar 2014, ab 8.00 Uhr im Dom zu St. Pöl­ten auf­ge­bahrt. Das fei­er­li­che Requi­em beginnt um 11.00 Uhr. Anschlie­ßend erfolgt die Bei­set­zung in der Bischofs­gruft des St. Pölt­ner Doms.

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Nachruf auf Bischof Dr. Kurt Krenn

von Wolf­ram Schrems *

Da ich von Katholisches.info freund­li­cher­wei­se ange­fragt wor­den bin, einen Nach­ruf auf den am 25. Jän­ner ver­stor­be­nen Alt­bi­schof Dr. Kurt Krenn zu ver­fas­sen, kom­me ich dem – nach  kur­zer Bedenk­zeit – ger­ne nach. Es han­delt sich hier ver­ein­ba­rungs­ge­mäß um einen per­sön­li­chen, „sub­jek­ti­ven“ und daher natür­lich „ein­sei­ti­gen“ Nach­ruf, also nicht etwa um eine wis­sen­schaft­li­che Bio­gra­phie des Ver­stor­be­nen o. ä. Histo­ri­sche Umstän­de sol­len natür­lich berück­sich­tigt wer­den, wenn sie auch nur skiz­zen­haft dar­ge­stellt wer­den kön­nen.

 Vorbild im Bekennermut

Ich habe Bischof Krenn per­sön­lich nur ober­fläch­lich gekannt. Die weni­gen Begeg­nun­gen waren kurz. Zu aus­führ­li­chen Gesprä­chen kam es lei­der nie. In Anbe­tracht der Berich­te ehe­ma­li­ger Stu­den­ten bedaue­re ich es, nie sei­ne phi­lo­so­phi­schen Vor­le­sun­gen und Semi­na­re an der Uni­ver­si­tät Regens­burg erlebt zu haben.

Bischof Krenn war mir über Jah­re hin­weg nur aus den Medi­en bekannt. Als er von Papst Johan­nes Paul II. zum Weih­bi­schof in Wien bestellt wur­de, war ich in der Ober­stu­fe des Gym­na­si­ums. Zu die­sem Zeit­punkt war ich erst seit kur­zer Zeit zu einem tie­fe­ren Glau­bens­voll­zug gelangt, der – cha­rak­te­ri­stisch für die nach­kon­zi­lia­re Zeit – zum gering­sten Teil durch die gän­gi­gen kirch­li­chen Kanä­le ver­mit­telt wor­den war. Durch Bischof Krenn fühl­te ich mich bestärkt. Er wur­de zu einem Ori­en­tie­rungs­punkt und Vor­bild.

Was mich als Jugend­li­chen ver­blüff­te und bestürz­te, war die haß­er­füll­te, koor­di­nier­te Hetz­kam­pa­gne in den Mas­sen­me­di­en, die unver­züg­lich gegen den Neu­ernann­ten los­ge­bro­chen war. Bös­ar­ti­ge Kari­ka­tu­ren tauch­ten bald auf. In pri­va­ten und halb-pri­va­ten Gesprä­chen wur­de sein Name nur unter Aus­sto­ßung vul­gä­rer Schimpf­wör­ter erwähnt. Die Men­schen­wür­de des Bischofs wur­de gezielt ange­grif­fen – die Wür­de der Angrei­fer dadurch ihrer­seits in schwe­re Mit­lei­den­schaft gezo­gen.

Die Uni­for­mi­tät der Mei­nung und die Gehäs­sig­keit des Ton­falls waren all­ge­gen­wär­tig. Mit 16, 17 Jah­ren wun­der­te ich mich dar­über, daß ein katho­li­scher Pro­fes­sor und desi­gnier­ter Bischof dafür attackiert wur­de, daß er katho­li­sche Posi­tio­nen ver­trat. Mir fiel auf, daß die­je­ni­gen, die nor­ma­ler­wei­se man­tra­ar­tig „Mei­nungs­frei­heit“ und „Tole­ranz“ beschwo­ren hat­ten, plötz­lich unduld­sam und apo­dik­tisch wur­den. Es waren Medi­en­schaf­fen­de, „Pro­mi­nen­te“ und des­in­for­mier­te Medi­en­kon­su­men­ten (unter ihnen mei­ne eige­nen Schul­kol­le­gen), die sich in der Ver­wer­fung eines Bischofs in einer Ein­heits­front zusam­men­ge­fügt hat­ten. Beson­ders waren es aber Prie­ster, Theo­lo­gen und Bischö­fe – lei­der auch mein eige­ner Reli­gi­ons­leh­rer (ein Ex-Ordens­prie­ster) und ein Koope­ra­tor mei­ner Hei­mat­pfar­re, der eini­ge Jah­re spä­ter im Sui­zid ende­te.

Spe­zi­ell „das Kon­zil“ wur­de dem Bischof ent­ge­gen­ge­hal­ten. Man warf ihm vor, er sei „gegen das Kon­zil“. Das irri­tier­te mich damals, denn was Bischof Krenn in den Medi­en sag­te, war für mich sinn­voll, durch­dacht und katho­lisch. Was soll da das Kon­zil dage­gen haben, frag­te ich mich.

Er sprach von „Wahr­heit“, ein Wort, das im rela­ti­vi­stisch-frei­mau­re­ri­schen Kir­chen­mi­lieu der König-Ära ((Franz Kar­di­nal König (1905–2004), von 1956 bis 1985 Erz­bi­schof von Wien und von 1973 bis 1985 Vor­sit­zen­der der Öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz, 1958 von Johan­nes XXIII. zum Kar­di­nal erho­ben.)) unter Andro­hung gesell­schaft­li­cher Äch­tung ver­pönt war. Soviel wur­de mir auf­grund des viel­stim­mi­gen Auf­heu­lens bald klar. Bischof Krenn sag­te, er gebe die Wahr­heit wei­ter, die er von Gott emp­fan­gen habe. So sprach kein ande­rer kirch­li­cher Amts­trä­ger, den ich damals kann­te.

Bischof Krenn sprach auch oft von „Bekeh­rung“ und mahn­te sie ein. Auch das ein ver­pön­tes Wort. Es gab ja ohne­hin kei­ne Höl­le, vom Teu­fel hat­te man sich „ver­ab­schie­det“ (wie ein berühm­tes Buch lau­te­te), das Bewußt­sein von Ver­feh­lung („Sün­de“) ver­flüch­tig­te sich.

Schließ­lich erwähn­te Bischof Krenn in einem Inter­view mit der Arbei­ter­zei­tung (in der Oster­zeit des Jah­res 1989, wenn ich mich recht erin­ne­re) die Rea­li­tät des Bösen, des Wider­sa­chers. Auch das ein „Tabu­bruch“ (wie man heu­te sagt).

Sei­ne oft for­mu­lier­te, kla­re Ver­ur­tei­lung von Abtrei­bung und Fri­sten­lö­sung nahm ich als Gym­na­si­ast und Matu­rant, der in jenen Jah­ren zu einer ein­deu­ti­gen Pro-Life-Gesin­nung fand, dank­bar auf. Auch da offen­bar­te das Auf­heu­len der ande­ren Sei­te, wie illu­so­risch die „Ver­söh­nung“ der Kir­che mit dem Aus­tro-Mar­xis­mus geblie­ben war.

Alles das sei – nach den Wor­ten sei­ner Oppo­nen­ten – Aus­druck sei­ner anti-kon­zi­lia­ren Gesin­nung gewe­sen.

Also war der Bischof gegen das Kon­zil? Für einen Jugend­li­chen ist das eine nicht zu beant­wor­ten­de Fra­ge. Denn die Sach­la­ge ist ver­wor­ren. Daher dazu unten mehr.

Dank für verdienstvolle Initiativen

Bischof Kurt Krenn (1936-2014)Aus der eige­nen Erfah­rung möch­te ich an erster Stel­le dank­bar wür­di­gen, daß Bischof Krenn die Kir­che in Öster­reich zu einem katho­li­schen Selbst­ver­ständ­nis, somit zur expli­zi­ten Ver­kün­di­gung der geof­fen­bar­ten Wahr­heit in Leh­re und Moral, zurück­füh­ren woll­te. Damit wur­de ein Bann gebro­chen.

Sodann ist zu wür­di­gen, daß er als Weih­bi­schof von Wien die Katho­li­sche Hoch­schul­ge­mein­de zu einem Treff­punkt von katho­li­schen Stu­den­ten und Aka­de­mi­kern mach­te, die sich Glau­ben und Ver­nunft ver­pflich­tet wuß­ten und nicht deren Destruk­ti­on.

Es ist zu wür­di­gen, daß er als Diö­ze­san­bi­schof von St. Pöl­ten 1995 einen Zusam­men­schluß von Welt­prie­stern namens Gemein­schaft vom hl. Josef in Klein­hain kano­nisch errich­te­te (deren Haus­ver­lag vor kur­zem den Band Capax Dei mit Tex­ten von Bischof Krenn ver­öf­fent­lich­te) und 1996 der aus der Diö­ze­se Augs­burg hin­aus­kom­pli­men­tier­ten Gemein­schaft Ser­vi Jesu et Mariae in Blin­den­markt bei Amstet­ten Asyl gewähr­te.

Schließ­lich sei ihm auch Dank für die Unter­stüt­zung der seit 1988 jähr­lich statt­fin­den­den und weit über Öster­reich hin­aus­wir­ken­den Theo­lo­gi­schen Som­mer­aka­de­mie des Lin­zer Prie­ster­krei­ses im ober­öster­rei­chi­schen Aigen im Mühl­kreis gesagt.

Von allen die­sen Initia­ti­ven habe ich spi­ri­tu­ell und intel­lek­tu­ell auf die eine oder ande­re Wei­se pro­fi­tiert.

Ein grundsätzliches Problem

Wie schon oben ange­deu­tet, ver­blüff­ten mich in jun­gen Jah­ren die Vor­wür­fe gegen den Ver­stor­be­nen, er sei „gegen das Kon­zil“. Aber es gab doch Aus­sa­gen von Bischof Krenn, die ihn als Ver­tei­di­ger des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils zeig­ten! Er zitier­te das Kon­zil und sah dar­in offen­bar Ziel­vor­ga­ben. Er war in den Augen sei­ner Geg­ner, Ver­leum­der und Fein­de gegen das Kon­zil, gleich­zei­tig war er aber offen­sicht­lich für das Kon­zil.

Also was jetzt?

Das ist das grund­sätz­li­che Pro­blem seit fünf­zig Jah­ren: Fast alle in der Kir­che beru­fen sich mit ehr­fürch­ti­ger Mie­ne und im Bewußt­sein, im Besitz eines uni­ver­sel­len Argu­men­tes für alles und jedes zu sein, auf „DAS Kon­zil“. Die letz­ten Päp­ste beru­fen sich dar­auf, auch der „frei­wil­lig“ zurück­ge­tre­te­ne Papst Bene­dikt, die Bischö­fe aller, auch gegen­sätz­li­cher Aus­rich­tun­gen (mit Aus­nah­me eini­ger nament­lich bekann­ter Weih­bi­schö­fe), die Geist­lich­keit als gan­ze, gleich­zei­tig aber auch die Rebel­len der „Pfar­re­rinitia­ti­ve“, „kon­ser­va­ti­ve“ Lai­en und cha­ris­ma­ti­sche Schwarm­gei­ster, die „Lai­en­in­itia­ti­ve“, die schril­len movi­men­ti und das Oppor­tu­nis­mus Dei, Befrei­ungs­theo­lo­gen und betu­li­che bür­ger­li­che Katho­li­ken. Sozia­li­sten, Frei­mau­rer und Mos­lem­funk­tio­nä­re loben das Kon­zil, eben­so jüdi­sche Ver­bän­de.

Könn­te es allen­falls sein, daß es unter Umstän­den ein klei­nes Pro­blem mit dem Kon­zil selbst gibt?

Denn alle die­se Grup­pen beru­fen sich ja zu Recht dar­auf. Die Kon­zils­tex­te ste­hen in ihrer Weit­schwei­fig­keit, Sug­ge­stiv­kraft und Wider­sprüch­lich­keit jeg­li­cher Inter­pre­ta­ti­on offen: Ex fal­so quod­li­bet, aus wider­sprüch­li­chen Prä­mis­sen läßt sich eben alles mög­li­che dedu­zie­ren.

Und unter­des­sen bricht alles zusam­men.

Da Bischof Krenn sich also als gehor­sa­mer Bischof wie Papst Johan­nes Paul II. selbst zum II. Vati­ca­num bekann­te und sich zur über­lie­fer­ten Lit­ur­gie m. W. skep­tisch ver­hielt, sie zumin­dest nicht offen­siv för­der­te (zumal auch der Papst die Trag­wei­te der Lit­ur­gie­zer­stö­rung offen­sicht­lich noch nicht erkann­te), konn­te eine Bekämp­fung der Kir­chen­kri­se nicht tief genug wir­ken.

Um die Ver­wir­rung noch zu erhö­hen: Bischof Krenn arti­ku­lier­te sich selbst deut­lich und nach­voll­zieh­bar, also gera­de nicht wie die Kon­zils­tex­te!

Inso­fern bleibt es eine kaum zu ent­schei­den­de Fra­ge, ob und inwie­fern er ein Anhän­ger des Kon­zils war.

Vom Scheitern und vom Ausharren

Bischof Krenn harr­te auf sei­nem Posten aus, bis er vom Papst abbe­ru­fen wur­de. Er hat unter schwie­rig­sten Umstän­den bis zum Ende durch­ge­hal­ten.

Bischof Kurt Krenn (1936-2014)Etwas ande­res ist die Fra­ge, inwie­fern er in sei­ner Diö­ze­se die rich­ti­gen Mit­ar­bei­ter in Kle­rus und Appa­rat ein­setz­te. Ein stär­ke­rer dis­zi­pli­nä­rer Gestal­tungs­wil­le wäre ver­mut­lich rat­sam gewe­sen. Wie erfolg­ver­spre­chend er gewe­sen wäre, läßt sich natur­ge­mäß ex post nicht sagen. Ob er gute Rat­ge­ber hat­te bzw. ob er auf die­se hör­te, weiß ich nicht. Offen­bar hat er auch unge­eig­ne­ten Mit­ar­bei­tern ver­traut und – schließ­lich muß die Beein­träch­ti­gung durch die ein­set­zen­de Krank­heit berück­sich­tigt wer­den – die Situa­ti­on im St. Pöl­te­ner Prie­ster­se­mi­nar falsch ein­ge­schätzt und inad­äquat kom­men­tiert. Was sich dann als fatal erwies.

Das war für unn­o­ble Cha­rak­te­re der will­kom­me­ne Anlaß, einen Unbe­que­men end­lich demon­tie­ren zu kön­nen – Kon­zil hin, Kon­zil her.

Sinn­bild­lich für die­se Gesin­nung war die ORF-Dis­kus­si­on im Juni 2004, bei der u. a. Kar­di­nal Schön­born und Hoch­wür­den Pro­fes­sor Zuleh­ner in Abwe­sen­heit über Bischof Krenn förm­lich zu Gericht geses­sen sind. Die­se Mischung aus Illoya­li­tät, Gehäs­sig­keit und Heu­che­lei in aller Öffent­lich­keit und in einem pro­non­ciert anti­kirch­li­chen Medi­um ist mir noch in wider­lich­ster Erin­ne­rung.

Das Trom­mel­feu­er der Medi­en und der Ver­rat aus dem Inne­ren der Kir­che behielt also letzt­lich die Ober­hand. Der Papst selbst muß­te ihm den Rück­tritt auf­er­le­gen.

Unter die­ser Rück­sicht war Bischof Krenn kein Erfolg bzw. kein Tri­umph zu Leb­zei­ten beschie­den. In einem die­ser Tage erschie­ne­nen Nach­ruf las ich, daß er des­we­gen aber nicht „geschei­tert“ sei.

Mei­ner Lebens­er­fah­rung nach soll man mit die­sem Aus­druck immer sehr vor­sich­tig umge­hen. „Schei­tern“ ist näm­lich ein mehr­deu­ti­ges Wort: Man müß­te immer die Kri­te­ri­en ange­ben, nach denen man das „Schei­tern“ bemißt. Wel­cher „Erfolg“ liegt über­dies schon in unse­rer Hand, außer der Wil­le zum Guten und zur Wahr­heit? „Schei­tern“ im mora­li­schen Sinn tut nur jemand, der nicht das Gute will. Vie­le Umstän­de sind nicht beein­fluß­bar. Inso­fern sagt ein Miß­er­folg, z. B. der Abbruch einer Lauf­bahn oder der Ver­lust der öffent­li­chen Repu­ta­ti­on, noch nichts über des­sen Hin­ter­grün­de aus. Das letz­te und end­gül­ti­ge „Schei­tern“ eines Men­schen ist sei­ne selbst­ver­schul­de­te Ver­wer­fung. Bei jeg­li­chem ande­ren „Schei­tern“ ist per­sön­lich guter Wil­le nicht aus­ge­schlos­sen. (Vie­le Hei­li­ge sind welt­lich gese­hen „geschei­tert“. Erst nach ihrem Tod ging die gute Saat auf. Auch das Gegen­teil gibt es.)

„Geschei­tert“ in die­sem Sin­ne ist die Poli­tik von Papst Johan­nes Paul II. Er hat die neu­ernann­ten öster­rei­chi­schen Bischö­fe der 80er und 90er Jah­re gleich­sam ins Feu­er geschickt, aber nicht die tie­fe­re Ursa­che die­ses Feu­ers benannt und zu behe­ben ver­sucht. Durch sein Fest­hal­ten am irrea­len und unnüch­ter­nen Opti­mis­mus des Kon­zils, durch die fata­len inter­re­li­giö­sen Zere­mo­nien, durch eine unter­schwel­li­ge Ten­denz zur Aller­lö­sungs­leh­re, aber vor allem durch die inad­äqua­te Umset­zung der Bot­schaft von Fati­ma (ein­schließ­lich der völ­lig unglaub­wür­di­gen Ver­öf­fent­li­chung des „Drit­ten Geheim­nis­ses“ im Jahr 2000) wur­den die Apost­asie in der Kir­che, der Ver­fall der Dis­zi­plin und die Schä­di­gung des Petrusam­tes ver­fe­stigt. Die Fol­gen sehen wir u. a. in der sich auf­lö­sen­den Kir­che Öster­reichs und – hor­ri­bi­le visu – im der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat.

Bei aller Wert­schät­zung muß doch kon­sta­tiert wer­den, daß Johan­nes Paul II. irri­ger­wei­se mein­te, die Kir­che in Öster­reich durch die Bestel­lung „kon­ser­va­ti­ver“ Bischö­fe nach den Ver­wü­stun­gen der König-Ära (vgl. dazu den berühm­ten Bericht von Nun­ti­us Cagna von 1985) wie­der in die rich­ti­ge Form brin­gen zu kön­nen. Der Papst über­sah eben, daß das Pro­blem in der Unter­mi­nie­rung des katho­li­schen Dog­mas durch das Kon­zil selbst lag. Und dar­an war der dama­li­ge Weih­bi­schof Karol WojtyÅ‚a selbst betei­ligt. Nichts für ungut.

Bischof Krenn konn­te sei­ner­seits nicht „päpst­li­cher als der Papst“ sein. Er gehorch­te selbst­ver­ständ­lich den Vor­ga­ben. Die Tra­gik liegt in die­sem Fall dar­in, daß ein Amts­trä­ger bonae volun­ta­tis eine Selbst­kund­ga­be der Kir­che ret­ten woll­te und nicht bemerk­te oder nicht aus­sprach, daß die­se Selbst­kund­ga­be irrig und desa­strös war. Viel­leicht hat er es inner­lich so gese­hen, aber was hät­te er in der dama­li­gen Situa­ti­on tun kön­nen – prak­tisch zeit­gleich zur unge­rech­ten, min­de­stens aber unbil­li­gen Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Bischö­fe der Pius­bru­der­schaft? Die Situa­ti­on war schon zu ver­fah­ren, der Kampf – welt­lich gespro­chen – prak­tisch nicht zu gewin­nen. Bischof Krenn blieb aber auf sei­nem Posten.

Tra­gisch bei­na­he im Sin­ne der grie­chi­schen Tra­gö­die.

Die Aussaat

Wie gesagt: Es gibt selbst­ver­schul­de­tes „Schei­tern“ (näm­lich durch die Abkehr vom Guten) und es gibt ein Aus­har­ren in einer Mis­si­on, die – bei allem guten Wil­len – welt­lich gespro­chen zum Miß­er­folg führt, zumin­dest zum vor­der­grün­di­gen.

„In dem Unter­gang wer­den alle Din­ge voll­bracht“, sag­te der geist­li­che Schrift­stel­ler und Domi­ni­ka­ner Hein­rich Seu­se („  1366). Vie­le Chri­sten haben im Leben die Erfah­rung gemacht, daß aus­ge­sä­te Saat oft erst dann auf­geht, wenn man eine Arbeit, ein Werk oder einen Ort ver­las­sen muß.

Das gilt a for­tio­ri für das gesam­te Leben: Denn es wird nun ein­mal „in Nied­rig­keit gesät, auf­er­weckt wird in Herr­lich­keit. Gesät wird in Schwach­heit, auf­er­weckt wird in Kraft“ (vgl. 1 Kor 15, 43; Zür­cher Bibel).

Das sei auf den Ver­stor­be­nen ange­wandt: Das Gute, das Bischof Krenn unter wid­ri­gen Umstän­den, näm­lich gegen den Wider­stand unge­eig­ne­ter Bischofs­kol­le­gen und unter Spott und Hohn der welt­li­chen, „huma­nen“ und „tole­ran­ten“ Gesell­schaft, durch sei­ne Taten, beson­ders die Grün­dun­gen, durch sei­ne Ver­kün­di­gung und durch sein Lebens­zeug­nis, nicht zuletzt durch sein gedul­dig ertra­ge­nes Lei­den, aus­ge­sät hat, wird Frucht brin­gen zur rech­ten Zeit. Schwä­chen und Unzu­läng­lich­kei­ten mögen rasch pur­giert sein.

Für etli­che Jah­re hat Bischof Krenn die Got­tes­fin­ster­nis der Kir­che in Öster­reich erhellt und nicht weni­ge Men­schen im Glau­ben gestärkt, auch mich.

Dan­ke, Bischof Krenn!

Mei­ne auf­rich­ti­ge Anteil­nah­me gilt den Ange­hö­ri­gen und Ver­wand­ten des Ver­stor­be­nen, beson­ders den­je­ni­gen, mit denen bekannt und befreun­det zu sein ich die Ehre und die Freu­de habe.

R. I. P.

*MMag. Wolf­ram Schrems, katho­li­scher Theo­lo­ge und Phi­lo­soph, kirch­lich gesen­de­ter Kate­chist, ehe­ma­li­ger Bil­dungs­re­fe­rent an der Katho­li­schen Hoch­schul­ge­mein­de Wien, umfang­rei­che Publi­ka­ti­ons- und Vor­trags­tä­tig­keit.

9 Kommentare

  1. Weiß jemand, ob das Requi­em im Fern­se­hen über­tra­gen wird.

    Ich habe 2004/05 an der Hoch­schu­le St. Pöl­ten , damals als Semi­na­rist der Diö­ze­se Görl­tz zwei Gast­se­me­ster stu­diert und Bischof Krenn ist mir duch die Vor­se­mi­nar­zeit in Focken­feld (Diö­ze­se Regens­burg) dank­bar in Erin­ne­rung, durch sei­ne Bestär­kung im Glau­ben. Wir „Vor­se­mi­na­ri­sten“ durf­ten ihm bei der monat­li­chen Wall­fahrt zu unse­rer lie­ben Frau von Tir­schen­reuth ein oder zwei­mal per­sön­lich begeg­nen! Heu­te bin ich Fami­li­en­va­ter, woh­ne in Dres­den u habe 4 kl. Kin­der, des­halb ist der Weg nach St. Pöl­ten zu weit… ich wäre gern gekom­men, um Ihnen, Bischof Krenn die letz­te Ehre zu erwei­sen.
    Sei­ner Fami­lie, sei­nen Bekann­ten und Freun­den ein auf­rich­ti­ges Herz­li­ches Bei­leid!

    Aber den­ken wir in der Abschieds­stun­de auch an die Erlö­sung, die ihm von sei­ner Krank­heit u. Sor­gen gewährt wird und dass Gott, so glau­be ich fest, sei­nen treu­en Die­ner mit der Freu­de des Him­mels beloh­nen wird! Beten wir für ihn!

    Herr Bischof, ich sage Ihnen hier­mit auf Wie­der­se­hen im Him­mel und ein Ewi­ges Ver­gelts Gott für alles! Loh­ne es Ihnen der Gute Hir­te, dass sie uns, sei­ne Scha­fe, gehü­tet und mit der froh­ma­chen­den und hell leuch­ten­den Wahr­heit des Glau­bens genährt und in schwie­ri­gen Zei­ten gestärkt und auf­ge­rich­tet haben!

    Ihr im Gebet ver­bun­de­ner ehe­ma­li­ger Focken­fel­der

    Mario Kint­scher
    kath. Reli­gi­ons­leh­rer und Kate­chet in Dres­den

    • Ein­mal mehr dan­ke ich Ihnen, geschätz­ter mario­kin, für Ihren wert­vol­len Kom­men­tar und Ihre zu Her­zen gehen­den Wor­te. Ich schlie­ße mich Ihren Wor­ten voll­um­fäng­lich an!
      Got­tes Segen auch für Sie und Ihre Fami­lie!

  2. Vie­len Dank für die­sen Nach­ruf, den besten den ich lesen durf­te. Wirk­lich ver­waist sind wir Katho­li­ken. Bischof Krenn war ein siche­rer Anhalts­punkt. Es scheint, als will man nicht, dass wir Ober­hir­ten haben, die wirk­lich füh­ren und öffent­lich ihre Stim­me erhe­ben. Die offi­zi­el­len Stel­lung­nah­men zum Tod von Bischof Krenn sind gera­de­zu erbärm­lich für einen Kämp­fer von sol­cher Ener­gie. Krenn wur­de Bischof und stän­dig gejagt. Wag­ner ver­hin­der­te man bereits, bevor er Bischof wur­de. Einen neu­en Krenn woll­te man nicht mehr. Nicht in der Diö­ze­se Linz, nicht in der Bischofs­kon­fe­renz. Statt des­sen reden und han­deln täg­lich von der Kir­che besol­de­te „Berufs­ka­tho­li­ken“ gegen den Glau­ben und gegen die Kir­che. Wie lan­ge ist die­se Not noch zu ertra­gen? Was für ein Ärger­nis wie die­se Pseu­do­ka­tho­li­ken a lá Chri­sti­ne Hai­den von der „katho­li­schen“ Frau­en­be­we­gung, eine aka­tho­li­sche Zeit­geist­seg­le­rin (um nur einen Namen zu sagen), weil ich gestern ihre x‑te Pro­pa­gan­da für Les­ben und Leih­müt­ter lesen muss­te (und natür­lich alles in einer pseu­do­ka­tho­li­schen Sül­ze). Ein ein­zi­ger Brech­reiz. Dar­um, dan­ke, dan­ke, dan­ke für her­aus­ra­gen­de, leuch­ten­de Gestal­ten. Wir brau­chen sie. Und mögen sie, wie Bischof Krenn, vie­len Vor­bild und Anstoß sein.
    O Herr, schen­ke ihm die ewi­ge Ruhe. Und das ewi­ge Licht leuch­te ihm. Lass ihn ruhen in Frie­den. Amen

  3. Dan­ke Herr MMag. Schrems, dan­ke an die Redak­ti­on. Ein Bei­trag, der mir aus dem Inner­sten spricht und den ich noch ver­misst habe. Am 8. Febru­ar bin ich in St. Pöl­ten, um zu dan­ken, aber auch um Zeug­nis zu geben durch mei­ne Anwe­sen­heit, dass es noch eine „ande­re“ Kir­che in Öster­reich gibt, nicht nur die König-Schön­born-Kir­che. Wer kann, soll­te dies auch tun. Zum Dank und um für das See­len­heil des Ver­stor­be­nen zu beten und zu opfern, und als Bekennt­nis für unse­ren Herrn Jesus Chri­stus in einer so bene­belt trun­ke­nen Zeit.

  4. Der Redak­ti­on und dem Autor ist für die­sen „alter­na­ti­ven“ Nach­ruf auf Exzel­lenz Dr. Kenn zu dan­ken. Ich bin mir sicher, wenn es Bischof Krenn ver­gönnt gewe­sen wäre, das Pon­ti­fi­kat Bene­dikts aktiv zu beglei­ten, er wäre ein eif­ri­ger För­de­rer der triden­ti­ni­schen Mes­se und ein Unter­stüt­zer der Aus­söh­nung mit der FSSPX gewor­den. Übri­gens hat die Behei­ma­tung der Ser­vi Jesu et Mariae ja schon gezeigt, dass er der litu­gi­schen Reform aus dem Geist der Tra­di­ti­on offen gegen­über­stand. Sicher, die Kir­chen­po­li­tik Johan­nes Paul II. ist geschei­tert, geschei­tert ist vor­erst auch Bene­dikts Reform. Der tie­fe­re Grund des Schei­terns liegt womög­lich dar­in, dass man die Wah­rung der Ein­heit über das Zeug­nis für die Wahr­heit setz­te. Viel­leicht haben wirk­lich die­je­ni­gen recht, die da sagen, in einer Kir­che, in der die Ein­heit ohne Wahr­heit gelebt wird, wird immer die Lüge tri­um­phie­ren und den ver­meint­li­chen Sieg davon tra­gen, denn die Lüge ver­hält sich zur Wahr­heit wie der Wolf im Schaf­stall, sie reißt gna­den­los alles nie­der, was sich ihr in den Weg zu stel­len ver­sucht. Und so wur­de auch Exzel­lenz Krenn eines ihrer Opfer. Wenn in der Kir­che ein­mal die Ein­heit in der Wahr­heit wie­der­her­ge­stellt sein wird, dann wird Bischof Krenns Name leuch­ten wie ein Stern am Him­mel, er wird dann, so wie Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re und vie­le ande­re Opfer der Lüge, für das gel­ten, was sie alle in Wahr­heit waren und sind: treue, wahr­haf­ti­ge und stand­haf­te Zeu­gen für Jesus Chri­stus und sei­ne Kir­che.

  5. Auch ich möch­te mich für die­sen „not­wen­di­gen“ Nach­ruf bedankt. Wo kann man so etwas sonst schon lesen? Vie­len Dank. Ich habe S.Ex. Bischof Krenn zu mei­nem Bedau­ern nie per­sön­lich ken­nen­ler­nen dür­fen. Ich habe sei­ne Stel­lung­nah­men zur Ver­tei­di­gung des Glau­bens und er Kir­che mit Dank­bar­keit ver­folgt, zumin­dest soweit er in den Medi­en über­haupt zu Wort kam. Ich habe aber mit gro­ßem Gewinn sein oben auch dar­ge­stell­tes Buch „Wor­te auf dem Weg“ gele­sen.

  6. Auch ich möch­te mich bei der Rea­dak­ti­on und beson­ders beim Autor die­ses Arti­kels bedan­ken. Ja für sei­nen Ein­satz für Kir­che und der Wahr­heit wur­de der nun ver­stor­be­ne Bischof (Möge er Ruhen in Frie­den und möge ihm das Ewi­ge Licht leuch­ten) von sei­nen Bischofs Kamerad(tt)en bekämpft.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen

  7. Das ist end­lich ein Kom­men­tar, der an die Wahr­heit her­an­reicht. Sub­jek­tiv? Das ist eine per­sön­li­che Mei­nung immer irgend­wie.

    Papst Johan­nes Paul II war ver­mut­lich zum Schluss sei­nes Pon­ti­fi­kats auf­grund sei­nes Gesund­heits­zu­stands zu den Ent­schei­dun­gen bezüg­lich Bischof Krenn und der Pius­bru­der­schaft gelangt. Ob ein jün­ge­rer und gesün­de­rer JP II die­sel­ben Ent­schei­dun­gen getrof­fen hät­te? Ich per­sön­lich bezweif­le es.

    Das ewi­ge Beschwö­ren des zwei­ten vati­ka­ni­schen Kon­zils ist etwas höchst Unsach­li­ches, da die­je­ni­gen die sich dar­auf beru­fen, meist kei­ne ein­zi­ge Zei­le dar­aus zitie­ren kön­nen und daher nur vom „Medi­en-Kon­zil“ reden kön­nen.
    Man weiß nicht wor­über man redet, aber der Ein­druck aus den Medi­en ist, dass seit­her „alles anders“ wäre.

    Als Kon­se­quenz soll­ten alle pro­gres­siv Den­ken­den, die sich auf das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil beru­fen, jede ein­zel­ne Sei­te dar­aus lesen. Außer ver­schwom­me­ne, mehr­deu­ti­ge Tex­te und For­mu­lie­run­gen wird man wohl nichts Kon­kre­tes dabei fin­den.
    Kein Wort von Frau­en­prie­ster­tum, Hand­kom­mu­ni­on, Kom­mu­ni­on für Wie­der­ver­hei­ra­te­te, dem Regie­ren von Lai­en et cete­ra.

    Im Rück­blick auf Bischof Krenns Leben habe ich vol­ler Ver­wun­de­rung fest­ge­stellt, dass es Medi­en-Kam­pa­gnen gegen glau­bens­treue Die­ner Got­tes schon weit frü­her gege­ben hat, als ich dach­te. Damals wie heu­te waren es etwa die glei­chen „Täter“ die dar­an betei­ligt waren. Das öster­rei­chi­sche, lin­ke Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Pro­fil“, Bischof Schön­born, unge­hor­sa­me Lai­en und die Reli­gi­ons­be­richt­er­sta­tung im ORF waren wich­ti­ge Säu­len bei die­ser Ver­leum­dung.

    Beson­ders der Fernseh-„Experte“ Paul Zuleh­ner hat sich über all die Jah­re dar­aus her­vor­ge­tan.
    Lei­der reicht es schon, Theo­lo­ge zu sein, um beim ORF als „Exper­te“ befragt zu wer­den.

    • Ich stim­me Ihnen iW zu, mit einer klei­nen Ein­schrän­kung:
      Es reicht kei­nes­wegs schon, Theo­lo­ge zu sein, um beim ORF und ande­ren Mas­sen­me­di­en als „Exper­te“ befragt zu wer­den. Ent­schei­dend ist viel­mehr die ableh­nen­de Hal­tung gegen­über der kath. Kir­che und ihrer Leh­re.

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