In der neuen Ausgabe (Nr. 176) von Sedes Sapientiae behandelt Pater Louis-Marie de Blignières die Frage der von der Priesterbruderschaft St. Pius X. angekündigten Bischofsweihen. Darin verteidigt er die Einheit mit der kirchlichen Hierarchie, nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Biographie, als unverzichtbar.
Pater de Blignières ist ein französischer Priester, Philosoph und Theologe. Nach einem Studium der Astrophysik fand der zuvor agnostisch eingestellte Student zum katholischen Glauben und nahm anschließend das Studium der Philosophie und Theologie auf, das er weitgehend in Ecône absolvierte. 1977 wurde er dort von Erzbischof Marcel Lefebvre zum Priester geweiht.
Da de Blignières zunehmend sedisvakantistische, genauer: sedisprivationistische Positionen vertrat, kam es zum Bruch mit Erzbischof Lefebvre und der Priesterbruderschaft St. Pius X. 1979 gründete er die Fraternité Saint-Vincent-Ferrier, eine altrituelle Gemeinschaft mit dominikanischer Spiritualität. Ihre Angehörigen werden daher auch als Alt-Dominikaner bezeichnet.
Ab Mitte der 1980er Jahre vollzogen de Blignières und seine Gemeinschaft eine schrittweise Loslösung von ihren sedisprivationistischen Positionen und suchten die Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft mit Rom. Das von Papst Johannes Paul II. als Reaktion auf die unerlaubten Bischofsweihen durch Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 erlassene Motu proprio Ecclesia Dei schuf schließlich den kirchenrechtlichen Rahmen für die kanonische Regularisierung der Gemeinschaft und die Rückkehr zur vollen Einheit mit Rom.
Seither zählt Pater Louis-Marie de Blignières zu den profilierten Vertretern des traditionsverbundenen Katholizismus. Dabei betrachtet er die Einheit mit dem Papst und der kirchlichen Hierarchie als unverzichtbar. In diesem Sinne ergriff er nun das Wort in der seit 1981 von seiner Gemeinschaft herausgegebenen theologischen Zeitschrift Sedes Sapientiae. Seine Ausführungen werden in der von Michael Janva für Le Salon Beige getroffenen Auswahl dokumentiert:
Wie Kardinal Ratzinger sagte: In einem Schisma trifft leider beide Seiten eine Mitschuld
Von Pater Louis-Marie de Blignières
[…] Zur Rechtfertigung der angekündigten Bischofsweihen führen die FSSPX und ihre Sympathisanten auch an, dass „nur die FSSPX die Irrtümer anprangere“. Das ist falsch. Zu nennen sind insbesondere die Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke, Carlo Caffarra, Gerhard Ludwig Müller, Robert Sarah und Joseph Zen; die Bischöfe Athanasius Schneider, Rob Mutsaerts und Willem Eijk sowie – im Zusammenhang mit Fiducia supplicans – der gesamte afrikanische Episkopat haben bestimmte Erklärungen von Papst Franziskus entschieden kritisiert.
Die Priester und Gläubigen der ehemaligen Ecclesia-Dei-Institute (sowie andere Priester) weisen ebenfalls auf Irrtümer hin. Sie tun dies eher in fundierten Fachartikeln als durch pauschale Behauptungen von der Kanzel herab. Dabei bemühen sie sich, den Ton zu wahren, der Theologen oder gebildeten Laien angemessen ist, wenn sie sich an die Autoritäten der Kirche wenden – wie Söhne an ihren Vater –, mit jener „gebührenden Ehrfurcht gegenüber den Hirten“, die selbst das Kirchenrecht empfiehlt.
Diesen Kampf gegen die Irrtümer führen sie umfassender als die FSSPX. Denn in einem wesentlichen Punkt verstümmelt die ehemalige Ecclesia-Dei-Bewegung die Tradition nicht, wie es die FSSPX und die ihr folgenden Gemeinschaften tun. Ein grundlegender Bestandteil der katholischen Tradition wird nämlich in deren Haltung und Handeln nicht mehr ausreichend geachtet: die Einheit mit der katholischen Hierarchie.
Der Kampf der ehemaligen Ecclesia-Dei-Bewegung hält zwei untrennbare Elemente zusammen: einerseits die zeitliche Kontinuität dessen, was in Lehre und Sakramenten von den Aposteln stammt, und andererseits die Einheit mit deren Nachfolgern.
In diesem Punkt weise ich den Vorwurf des „Schweigens“, der uns bisweilen gemacht wird, zurück. Allein in der Zeitschrift Sedes Sapientiae finden sich kritische Beiträge zur Liturgiereform, zum Ordensleben im Codex des Kirchenrechts, zur angeblichen Pflicht zur Konzelebration, zur Bußpraxis, zu Assisi, zu Amoris laetitia, zu Cor orans, zu Traditionis custodes, zur Homosexualität, zum modernen Rechtsverständnis sowie zum Dokument des Dikasteriums für die Glaubenslehre über die Miterlösung.
Auch Publizisten oder katholische Laienpersönlichkeiten, die die Weihen von 1988 nicht akzeptierten – insbesondere Jean Madiran und Bernard Antony –, blieben im Bereich der theologischen Kontroverse sehr aktiv. Man muss nur lesen, was Madiran bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in Itinéraires und später in Présent schrieb, sowie die Beiträge Antonys in Zeitschriften und auf Internetseiten seit 1988 bis heute.
Das Argument „Man muss Bischöfe weihen, um die Irrtümer anzuprangern, denn nur die FSSPX tut dies“ ist daher falsch. Leider kommt es vor, dass Verantwortliche der FSSPX in diesem Bereich Unwahrheiten verbreiten. Auf öffentlichen Tagungen oder von der Kanzel behaupten sie beispielsweise, die Oberen der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften hätten alle im neuen Ritus konzelebriert oder sie hätten auf das jüngste Dokument des Glaubensdikasteriums zur Miterlösung nicht reagiert. Doch selbst nachdem sie auf ihren Irrtum hingewiesen wurden, veröffentlichen sie keine Berichtigung.
Wie glaubwürdig sind die Anklagen der Priesterbruderschaft St. Pius X.?
Gewiss prangert die FSSPX Irrtümer an. Aber ist sie dabei immer glaubwürdig, nachdem sie sich von der kirchlichen Autorität getrennt und jeder Kontrolle entzogen hat?
Die gelegentlich offenkundige Übertreibung ihrer Aussagen spricht nicht gerade für ihre Objektivität. Auch die Argumentation überzeugt nicht immer, weil sich die FSSPX in einer stetigen Verschärfung ihrer Kritik an der Hierarchie befindet und den Eindruck erweckt, die Missstände besonders drastisch darzustellen, um ihre Trennung zu rechtfertigen.
Auffällig ist der bisweilen vereinfachende und eindimensionale Charakter der Argumentation mancher Priester und Sympathisanten der FSSPX. Häufig geht theologisches Denken in bloße Rhetorik über: Die Kirche wird als sinkendes Schiff oder brennendes Haus dargestellt, die „guten“ nachkonziliaren Lehren seien in Wirklichkeit vergiftete Kuchen. Hinzu kommt gelegentlich ein Ton der Überheblichkeit. Für Menschen, die sich als Katholiken verstehen und zur Hierarchie der Kirche sprechen, ist dies bedauerlich.
Ein aktuelles Beispiel findet sich in einem Text von Abbé Jean-Michel Gleize, einem einflussreichen und quasi offiziellen Theologen der FSSPX:
„In Wirklichkeit gibt es: 1. eine schwerwiegend versagende Autorität in Rom, die die Seelen ernsthaft skandalisiert; […] Die ganze Frage besteht darin, ob man diesen ersten Punkt akzeptiert. Wenn man ihn nicht akzeptiert, wenn die Neue Messe kein Busch voller giftiger Reptilien ist, wenn das Zweite Vatikanische Konzil den Glauben nicht gefährdet, wenn die Religionsfreiheit nicht den Lehren Pius‘ IX. widerspricht, wenn der Ökumenismus das Dogma von der Einzigartigkeit der heilbringenden Bedeutung der katholischen Kirche nicht infrage stellt, wenn die Kollegialität das Dogma von der Einzigartigkeit des Trägers des Primats nicht infrage stellt, dann „ist alles in Ordnung“, und der Generalobere ist ein Halluzinierender – ebenso wie die ganze Bruderschaft.“
Dieser Text offenbart eine binäre Sichtweise. Für Abbé Gleize gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist das Lehramt häretisch (das Zweite Vatikanische Konzil enthält Glaubensirrtümer, die reformierte Liturgie ist voller „giftiger Reptilien“), oder es gibt überhaupt keine Krise in der Kirche. Einen Mittelweg gibt es nicht.
Doch die Wirklichkeit ist differenzierter.
Wenn man die Grundzüge der schweren Krise, die die Kirche seit etwa sechzig Jahren durchlebt, ohne Beschönigung, aber auch ohne Übertreibung skizzieren wollte, könnte man drei Punkte hervorheben:
- Es gibt eine gewisse Schwäche in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils, wie Abbé Berto in seinem weiter oben zitierten Brief an Abbé de Nantes erklärt. Darüber hinaus enthalten einige Passagen Mehrdeutigkeiten, die von der progressistischen Bewegung genutzt wurden, um Irrtümer in der Kirche zu verbreiten.
- Über viele Jahre hinweg war die kirchliche Hierarchie zu schwach, um diese subversive Bewegung aufzuhalten. Sie hat diejenigen, die sich bemühten, sie einzudämmen, kaum unterstützt und sie in manchen Fällen sogar entschieden bekämpft.
- Die Liturgiereform hat aufgrund ihrer Mängel – auch wenn die Sakramente gültig und daher an sich heiligend sind – zur Destabilisierung des christlichen Lebens vieler Gläubiger beigetragen.
Den Baum an seinen Früchten erkennen?
Schließlich wird das von einigen Verantwortlichen oder Sympathisanten der FSSPX vorgebrachte Kriterium, einen „Baum an seinen Früchten zu erkennen“, bisweilen auf recht grobe Weise angewandt.
„Bei uns gibt es viele Kinder und Familien in den Gottesdiensten, wir haben zahlreiche Berufungen, und wir eröffnen regelmäßig neue Gottesdienstorte.“
Ja, aber dieses Argument spricht nicht ausschließlich für die FSSPX. Dasselbe gilt auch für die ehemaligen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften sowie für mehrere nicht-traditionalistische Institute, die ebenfalls einen Aufschwung an Berufungen erleben. Ebenso lässt sich eine bemerkenswerte Dynamik bei den Orthodoxen und unter evangelikalen Christen beobachten. Allein daraus kann man nicht schließen, dass diese „Bäume“ in jeder Hinsicht gut sind.
Außerdem wird dieses Kriterium selektiv angewandt, denn man müsste alle Früchte berücksichtigen – die guten wie die schlechten.
Die Spaltung der traditionsverbundenen Bewegung ist beispielsweise ebenfalls eine Frucht der Bischofsweihen von 1988. Hätte Erzbischof Marcel Lefebvre statt der unerlaubten Weihen an der unterzeichneten Vereinbarung festgehalten, gäbe es heute traditionsverbundene Bischöfe in regulärer kirchenrechtlicher Stellung.
Wahrscheinlich wäre die Verbreitung traditioneller Glaubenspädagogik innerhalb der sichtbaren Strukturen der Kirche gestärkt worden. Sie hätte Legitimität und Unterstützung erhalten, anstatt teilweise an den Rand gedrängt und außerhalb der kirchlichen Strukturen angesiedelt zu werden. Wäre die Krise auf diese Weise nicht wirksamer bekämpft worden?
Auch Bischof Richard Williamson und die etwa zwölf Bischöfe, die er später weihte, sind eine Frucht der Weihen von 1988.
Indem die FSSPX am 1. Juli 2026 neue Bischöfe weiht, geht sie das Risiko ein, dass sich weitere bischöfliche Linien bilden, die immer unabhängiger und „unkontrollierter“ werden. Historisch betrachtet ist dies in allen Fällen geschehen, in denen Bischofsweihen außerhalb und gegen die katholische Hierarchie vorgenommen wurden.
Die Verantwortung der Hierarchie
Von den Weihen von 1988 bis zu denen von 2026 hat der Heilige Stuhl unter verschiedenen Päpsten mehrfach versucht, der sich verfestigenden Dissidenz zu begegnen.
Gespräche mit den Verantwortlichen der FSSPX wurden angeboten, insbesondere 2001, dann 2010–2012 gegenüber Bischof Bernard Fellay und zuletzt – wenn auch sehr spät – gegenüber Abbé Davide Pagliarani.
Für das Scheitern dieser Vorschläge gibt es mehrere Gründe. Einige davon habe ich bereits genannt, und sie betreffen die Verantwortung der FSSPX.
Es ist jedoch gerecht, auch einen weiteren wichtigen Grund zu nennen, bei dem die Schuld meines Erachtens eher auf Seiten der Hierarchie liegt: den Verlust des Vertrauens.
Zunächst konnte der Heilige Stuhl trotz der lobenswerten Bemühungen mehrerer Kardinäle, die der Kommission Ecclesia Dei vorstanden, die Bischöfe nicht dazu bringen, die Bestimmungen des Motu proprio Ecclesia Dei vom 2. Juli 1988 tatsächlich umzusetzen, wenn diese dem Anliegen ablehnend gegenüberstanden – was insbesondere in Frankreich häufig der Fall war.
So erklärte Bischof Fellay im Jahr 2001:
„Die Gläubigen, die die alte Messe besuchen möchten, müssen dies ohne Schikanen tun können. Die Lösung, die der Petrusbruderschaft gewährt wurde, ist nicht lebensfähig: Man überlässt alles den Ortsbischöfen, von denen die meisten der Tradition radikal ablehnend gegenüberstehen.“
Ebenso setzte der Heilige Stuhl nicht vollständig um, was rechtmäßig gefordert worden war, damit das Motu proprio wirksam angewandt werden konnte.
So wurde die Weihe von Bischöfen aus den Reihen dieser Bewegung – eine Forderung sowohl der Institute als auch der Gläubigen – nicht verwirklicht. Gerade dies hätte gegenüber der FSSPX ein starkes Glaubwürdigkeitsargument dargestellt.
Darüber hinaus erhielt die Priesterbruderschaft St. Petrus während einer schweren internen Krise (1998–2006), die ihre Identität bedrohte, vom Heiligen Stuhl nicht den Schutz, den sie berechtigterweise erwarten durfte. Stattdessen wurden die störenden Elemente eher ermutigt.
Dies führte bei den Verantwortlichen der FSSPX zu einem nachvollziehbaren Misstrauen gegenüber den ihnen gemachten Zusagen.
„Es ist normal, misstrauisch zu sein, wenn man sieht, was geschieht […], wenn man sieht, was gerade in der Petrusbruderschaft passiert ist. Man kann sich berechtigterweise fragen, ob es sich nicht um eine Falle handelt, um uns zu zerschlagen, etwa indem man eine Spaltung zwischen denen erzeugt, die ein römisches Angebot annehmen wollen, und denen, die es ablehnen. Daher ist es offensichtlich, dass Misstrauen besteht; es kann gar nicht anders sein.“
Hinzu kam 2021 das Motu proprio Traditionis custodes, das rechtlich auf das allmähliche Verschwinden des überlieferten Ritus in der Kirche abzielt. Dieses Dokument nährte innerhalb der FSSPX das Misstrauen erheblich und verstärkte die Ablehnung jeder Annäherung an den Heiligen Stuhl.
Außerdem stellte es bei den Verhandlungen mit Bischof Fellay und später mit Abbé Pagliarani einen schweren Fehler dar, sich nicht an die Bedingungen des Protokolls vom 5. Mai 1988 zu halten.
Zwar hatte die FSSPX ihre Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil im Laufe der Jahre verschärft, was die Vorbehalte des Heiligen Stuhls teilweise erklärt. Doch das Protokoll von 1988 war die einzige Garantie, die für die FSSPX akzeptabel erschien.
Im Jahr 2012 entstand bei der FSSPX der Eindruck, dieses Dokument werde als überholt betrachtet und Rom verlange nun von ihr eine vollständige Zustimmung gerade zu jenen neueren Entwicklungen, die ihr die größten Schwierigkeiten bereiteten.
2026 waren die Vorschläge des Dikasteriums für die Glaubenslehre zwar weiter gefasst, doch wurden sie nach mehreren Jahren des Schweigens erst im Zusammenhang mit der Ankündigung neuer Bischofsweihen vorgelegt. Zu diesem Zeitpunkt war das Vertrauen bereits weitgehend verschwunden.
Wie Kardinal Joseph Ratzinger mir 1988 sagte: In einem Schisma tragen leider beide Seiten Schuld.
Die Tradition retten?
Wenn die Fehler der Hierarchie auch sehr real sind – rechtfertigt dies die Behauptung, dass die „Tradition“ nur außerhalb der katholischen Hierarchie konkret bewahrt und gelebt werden könne?
Nein. Eine solche Position wäre ihrem Wesen nach untraditionell und letztlich unkatholisch. Man rettet die Tradition nicht durch Mittel, die der Tradition selbst widersprechen – eine Beobachtung, die bereits Jean Madiran seinerzeit gemacht hatte.
„Ich habe keine persönliche Lehre“, sagte Erzbischof Lefebvre. „Mein ganzes Leben lang habe ich mich an das gehalten, was man mich auf den Bänken des Französischen Seminars in Rom gelehrt hat. Ich habe nichts Neues erfunden. Wir können uns nicht irren, wenn wir an dem festhalten, was die Kirche zweitausend Jahre lang gelehrt hat. Ich tue das, was die Bischöfe über Jahrhunderte hinweg getan haben; ich habe nichts anderes getan.“
Doch genau hierin liegt das Problem: Am 30. Juni 1988 tat Erzbischof Marcel Lefebvre eben doch etwas anderes. Er tat etwas Neues: Er weihte Bischöfe gegen den ausdrücklich bekundeten Willen des Papstes.
Man kann nicht behaupten, die Bischöfe hätten dies „über Jahrhunderte und Jahrhunderte hinweg“ getan. Die Kirche hat weder während zweitausend Jahren noch im Französischen Seminar in Rom gelehrt, dass man ein ausdrückliches Verbot des Papstes hinsichtlich der Weihe neuer Bischöfe ignorieren dürfe.
Gerade bei diesem Akt entfällt daher die Sicherheit, sich an das zu halten, was die Kirche immer getan hat.
Für diesen konkreten Schritt gilt die Garantie nicht mehr, die Lefebvre selbst formuliert hatte, als er sagte:
„Wir können uns nicht irren.“
Denn hier hat er den Bereich verlassen, in dem diese Gewissheit bestand.
Schlussbetrachtung
Zum Abschluss sollten wir die eindringlichen Worte eines Kirchenvaters an einen Schismaverursacher bedenken.
Dionysius von Alexandrien betont in einem Brief an Novatian, man müsse „alles eher ertragen, als die Kirche Gottes zu spalten“, und dass das Vermeiden eines Schismas ein ebenso großes oder größeres Zeugnis sei als das Martyrium gegen den Götzendienst.
So schwerwiegend die Krise in der Kirche auch sein mag und so real die Fehler kirchlicher Autoritäten sein können, die Einheit mit der kirchlichen Hierarchie bleibt ein wesentlicher Bestandteil der katholischen Tradition. Wer die Tradition bewahren will, darf dies nicht durch Mittel tun, die selbst einen Bruch mit dieser Tradition darstellen.
Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons
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