Vorwürfe gegen prominenten Bergoglianer


Kardinal Cristobal López Romero, Erzbischof von Rabat und als Bergoglianer einer der eifrigsten Verteidiger von Dokumenten wie Amoris laetitia und Fiducia supplicans, sieht sich mit Vorwürfen des sexuellen Mißbrauchs konfrontiert. Der Vatikan leitete Voruntersuchungen ein.
Kardinal Cristobal López Romero, Erzbischof von Rabat und als Bergoglianer einer der eifrigsten Verteidiger von Dokumenten wie Amoris laetitia und Fiducia supplicans, sieht sich mit Vorwürfen des sexuellen Mißbrauchs konfrontiert. Der Vatikan leitete Voruntersuchungen ein.

Der spa­ni­sche Kar­di­nal Cri­stó­bal López Rome­ro, in der his­pa­ni­schen Welt einer der bekann­te­sten Ver­tre­ter des kir­chen­po­li­ti­schen Kur­ses von Papst Fran­zis­kus und ein ent­schie­de­ner Ver­tei­di­ger sowohl von Amo­ris lae­ti­tia als auch von Fidu­cia sup­pli­cans, sieht sich mit schwer­wie­gen­den Vor­wür­fen kon­fron­tiert. Gegen den Erz­bi­schof von Rabat läuft eine Vor­un­ter­su­chung des Hei­li­gen Stuhls, nach­dem min­de­stens fünf Frau­en ihn sexu­el­ler Über­grif­fe bezie­hungs­wei­se unan­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens beschul­digt haben.

Der Sale­sia­ner López Rome­ro war von Fran­zis­kus 2017 zum Erz­bi­schof von Rabat in Marok­ko ernannt wor­den. 2019 kre­ierte er ihn zum Kardinal. 

López Rome­ro gehör­te daher in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu den expo­nier­te­sten Berg­o­glia­nern im Kar­di­nals­kol­le­gi­um. Er ver­tei­dig­te die Öff­nung gegen­über wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen und ande­ren irre­gu­lä­ren Ver­bin­dun­gen im Sin­ne von Amo­ris lae­ti­tia eben­so wie die vati­ka­ni­sche Erklä­rung Fidu­cia sup­pli­cans, die Seg­nun­gen von Homo-Paa­ren ermög­licht. Wäh­rend des Kon­kla­ves 2025 wur­de sein Name in pro­gres­si­ven Krei­sen sogar unter den „papa­bi­li“ genannt.

Seit 2022 ist er Vor­sit­zen­der der Nord­afri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Unter sei­ner Ägi­de sprang die­se auf den ara­bisch-ber­be­risch-ägyp­ti­schen Nor­den Afri­kas begrenz­te Bischofs­kon­fe­renz als ein­zi­ger Teil Afri­kas Papst Fran­zis­kus zur Sei­te, als sich Schwarz­afri­ka geschlos­sen gegen Homo-Seg­nun­gen stellte.

Nun gerät die­ser pro­mi­nen­te Ver­tre­ter der Fran­zis­kus-Linie selbst in den Mit­tel­punkt einer Untersuchung.

Nach Recher­chen der Nach­rich­ten­agen­tur AFP haben min­de­stens fünf Frau­en dem 74jährigen Kar­di­nal sexu­el­les Fehl­ver­hal­ten vor­ge­wor­fen. Die Vor­wür­fe rei­chen von wie­der­hol­ten sexu­el­len Über­grif­fen bis hin zu auf­dring­li­chen kör­per­li­chen Annä­he­rungs­ver­su­chen. AFP stützt sich dabei auf Aus­sa­gen meh­re­rer Betrof­fe­ner sowie auf Infor­ma­tio­nen aus dem Umfeld der Erzdiözese.

Eine Frau, die über Jah­re aktiv in der Kir­che mit­ar­bei­te­te, berich­te­te der Agen­tur von wie­der­hol­ten sexu­el­len Über­grif­fen. Ihr voll­stän­di­ges Zeug­nis wur­de aus Grün­den des Per­sön­lich­keits­schut­zes bis­lang nicht ver­öf­fent­licht. Eine wei­te­re Frau leg­te der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur in Rabat eine schrift­li­che Aus­sa­ge vor. Dar­in schil­dert sie „kör­per­li­che Gesten“, die sie als unan­ge­mes­sen emp­fun­den habe, dar­un­ter beson­ders lang anhal­ten­de Umar­mun­gen sowie einen Ver­such, sie gegen ihren Wil­len zu küs­sen. Nach Anga­ben einer Quel­le inner­halb der Erz­diö­ze­se hät­ten dar­über hin­aus min­de­stens drei wei­te­re Frau­en über ähn­li­che Erfah­run­gen berich­tet, teil­wei­se im Rah­men von Beichtgesprächen.

Der Vati­kan lei­te­te inzwi­schen eine kir­chen­recht­li­che Vor­un­ter­su­chung ein. López Rome­ro erklär­te dar­auf­hin, er wer­de sich bis zum Abschluß der Ermitt­lun­gen aus der öffent­li­chen Aus­übung sei­nes Amtes zurück­zie­hen. Er wer­de kei­ne öffent­li­chen Got­tes­dien­ste mehr lei­ten und vor­erst kei­ne pasto­ra­len Auf­ga­ben wahr­neh­men, um die Unter­su­chung nicht zu beeinträchtigen.

Die Vor­wür­fe weist der Kar­di­nal ent­schie­den zurück. Gegen­über AFP und der spa­ni­schen Nach­rich­ten­agen­tur EFE erklär­te er, er habe „weder eine Aggres­si­on noch Gewalt oder sexu­el­le Belä­sti­gung“ began­gen. Er koope­rie­re voll­stän­dig mit den zustän­di­gen kirch­li­chen Stel­len in Rom.

Bis­lang exi­stiert nach Anga­ben marok­ka­ni­scher Justiz­be­hör­den kei­ne Straf­an­zei­ge gegen den Erz­bi­schof bei den staat­li­chen Behör­den des Lan­des. Die Ermitt­lun­gen beschrän­ken sich der­zeit auf das kir­chen­recht­li­che Ver­fah­ren des Hei­li­gen Stuhls.

López Rome­ro stammt aus Alme­ría, gehört den Sale­sia­nern Don Bos­cos an und ver­brach­te fast zwei Jahr­zehn­te als Mis­sio­nar in Para­gu­ay, des­sen Staats­an­ge­hö­rig­keit er spä­ter annahm. Nach wei­te­ren Jah­ren in Boli­vi­en ent­sand­te ihn Papst Fran­zis­kus als Erz­bi­schof nach Rabat.

Auch Leo XIV. för­der­te den Spa­ni­er. Am 24. Juni 2025 berief er ihn zum Mit­glied des Dik­aste­ri­ums für die Insti­tu­te geweih­ten Lebens und für die Gesell­schaf­ten apo­sto­li­schen Lebens und am 9. April 2026 zum Mit­glied des Dik­aste­ri­ums für die Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Der Fall reiht sich in die wei­ter­hin nicht abrei­ßen­de Serie von Miß­brauchs- und Miß­brauchs­ver­tu­schungs­skan­da­len ein, wel­che die katho­li­sche Kir­che seit der Nach­kon­zils­zeit erschüt­tern. Unter dem Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus wur­de zwar mehr­fach eine Poli­tik der „Null­to­le­ranz“ bekräf­tigt, die Bene­dikt XVI. aus­ge­ru­fen hat­te, doch kon­ter­ka­rier­te der argen­ti­ni­sche Papst wie­der­holt sei­ne eige­nen Maß­nah­men. Die gegen einen der bekann­te­sten Ver­fech­ter sei­nes Reform­kur­ses erho­be­nen Anschul­di­gun­gen ver­lei­hen dem Fall nun eine beson­de­re kir­chen­po­li­ti­sche Brisanz.

Bis zum Abschluß der vati­ka­ni­schen Unter­su­chung gilt die Unschuldsvermutung.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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