Papstbesuch in Lourdes: Kommt Bewegung in den Fall Rupnik?

Der unangenehme Begleiter

An der Rosenkranzbasilika von Lourdes befinden sich seit 2008 Mosaike des ehemaligen Jesuiten und Künstlerpriesters Marko Ivan Rupnik, die Gegenstand heftiger Kontroversen sind.
An der Rosenkranzbasilika von Lourdes befinden sich seit 2008 Mosaike des ehemaligen Jesuiten und Künstlerpriesters Marko Ivan Rupnik, die Gegenstand erheblicher Kontroversen sind.

Der Fall des ehe­ma­li­gen Jesui­ten und Künst­ler­prie­sters Mar­ko Ivan Rup­nik könn­te noch vor der Rei­se von Papst Leo XIV. nach Lour­des Ende Sep­tem­ber eine Wen­dung erfah­ren. Dar­auf deu­tet zumin­dest eine Aus­sa­ge hin, die der nie­der­län­di­sche Vati­ka­nist Hen­dro Mun­ster­man in einem Gast­kom­men­tar für die fran­zö­si­sche Tages­zeit La Croix ver­öf­fent­licht hat.

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Unter Beru­fung auf einen hoch­ran­gi­gen, anonym blei­ben­den Vati­kan­ver­tre­ter schreibt Mun­ster­man, es wäre „wün­schens­wert, daß die­se Ange­le­gen­heit vor der Rei­se des Pap­stes nach Lour­des Ende Sep­tem­ber gelöst wird“. Hin­ter­grund sei die beson­de­re Sym­bol­kraft des Mari­en­wall­fahrts­or­tes. Dort befin­den sich an der Rosen­kranz­ba­si­li­ka monu­men­ta­le Mosai­ke Rup­niks, die seit Bekannt­wer­den der Miß­brauchs­vor­wür­fe zu einem Brenn­punkt der Debat­te gewor­den sind. Nach Anga­ben Mun­ster­mans ist zudem geplant, daß Papst Leo XIV. in Lour­des mit Opfern sexu­el­len Miß­brauchs in der Kir­che zusam­men­trifft. In die­sem Zusam­men­hang könn­ten die Wer­ke Rup­niks die Kon­tro­ver­se erneut anfachen.

Ob die­se Ein­schät­zung tat­säch­lich auf einen bal­di­gen Abschluß des kir­chen­recht­li­chen Ver­fah­rens schlie­ßen läßt, bleibt offen. Der Vati­kan hat sich hier­zu bis­lang nicht geäu­ßert. Aller­dings wäre ein Besuch des Pap­stes in Lour­des kaum frei von sym­bo­li­scher Bri­sanz, solan­ge die Fra­ge nach dem Umgang mit den Kunst­wer­ken des ehe­ma­li­gen Jesui­ten unge­klärt ist.

Der Fall Rup­nik beschäf­tigt die Kir­che seit Jah­ren. Gegen den inter­na­tio­nal bekann­ten Mosa­ik­künst­ler wur­den schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe geist­li­chen, psy­chi­schen und sexu­el­len Miß­brauchs erho­ben. Lan­ge Zeit stand ins­be­son­de­re das intrans­pa­ren­te Ver­hal­ten der kirch­li­chen Behör­den in der Kri­tik. Im offi­zi­el­len Nar­ra­tiv heißt es dazu, daß erst durch Papst Fran­zis­kus, der die Ver­jäh­rung auf­hob, ein kir­chen­recht­li­ches Ver­fah­ren eröff­net wer­den habe kön­nen. Tat­säch­lich gab es aber bereits zuvor in einem Teil­be­reich ein Ver­fah­ren, in dem die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Rup­niks Exkom­mu­ni­ka­ti­on fest­ge­stellt hat­te, das dann aber nie noti­fi­ziert wur­de. Wer außer Past Fran­zis­kus hät­te dies ver­hin­dern kön­nen? Die­se Ambi­va­lenz durch­zog den gesam­ten Umgang des argen­ti­ni­schen Pap­stes mit der Mißbrauchfrage.

Bis heu­te liegt im Fall Rup­nik kein Urteil vor.

Die Mosai­ken in Lour­des ste­hen exem­pla­risch für ein wei­ter rei­chen­des Pro­blem. Zwar wur­den sie zeit­wei­se nicht mehr beleuch­tet, dann teil­wei­se ver­hüllt, doch geschieht dies kei­nes­wegs dau­er­haft oder kon­se­quent. Im Mai waren sie bei einer Wall­fahrt des Mal­te­ser­or­dens auf aktu­el­len Foto­gra­fien unver­deckt zu sehen. Eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung über ihren Ver­bleib gibt es bis heu­te nicht. 

Das­sel­be Bild zeigt sich welt­weit. Eine ein­heit­li­che kirch­li­che Linie im Umgang mit den Wer­ken Rup­niks exi­stiert nicht. Wäh­rend ein­zel­ne Diö­ze­sen und Hei­lig­tü­mer sei­ne Kunst­wer­ke ent­fer­nen oder abdecken, blei­ben sie andern­orts unver­än­dert bestehen. Teil­wei­se wer­den sogar wei­ter­hin neue Wer­ke des Slo­we­nen instal­liert. So wird etwa im bra­si­lia­ni­schen Natio­nal­hei­lig­tum von Apa­re­ci­da nach wie vor an Pro­jek­ten mit Rup­nik-Mosai­ken festgehalten.

Auch im Vati­kan selbst ist die Situa­ti­on wider­sprüch­lich. In den Vati­ka­ni­schen Gär­ten befin­det sich wei­ter­hin das von Rup­nik geschaf­fe­ne Mosa­ik zum Hei­li­gen Jahr der Barm­her­zig­keit, das sei­ner­zeit unmit­tel­bar unter Papst Fran­zis­kus in Auf­trag gege­ben wur­de. Sei­ne Prä­senz ver­deut­licht, daß bis­lang weder für den Vati­kan noch für die Welt­kir­che ver­bind­li­che Richt­li­ni­en zum Umgang mit dem künst­le­ri­schen Erbe Rup­niks bestehen. Auch in die­sem Fall war es Fran­zis­kus, der sich dafür maß­geb­lich ver­ant­wort­lich scheint, denn der Papst zeig­te sich wie­der­holt demon­stra­tiv vor Rup­nik-Wer­ken und hat­te selbst bis zuletzt eines in sei­nem Arbeits­zim­mer hängen.

Die nun aus dem Umfeld des Vati­kans kol­por­tier­te Ein­schät­zung, der Fall sol­le mög­lichst vor der Papst­rei­se nach Lour­des abge­schlos­sen wer­den, könn­te daher mehr sein als eine blo­ße Ter­min­über­le­gung. Sie ver­weist auf den wach­sen­den Druck, in einem Ver­fah­ren, das sich seit Jah­ren hin­zieht und erheb­li­che Zwei­fel am kirch­li­chen Umgang mit Miß­brauch auf­ge­wor­fen hat, end­lich zu einer Ent­schei­dung zu gelan­gen. Ob dies tat­säch­lich noch vor Ende Sep­tem­ber geschieht, bleibt abzu­war­ten. Die Rup­nik-Mosai­ke in Lour­des wer­den offen­bar so oder anders den Papst­be­such begleiten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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