Jeanne d’Arc: Historische Wahrheit gegen „Fake News“

Aus Liebe bereit zu Leiden und Tod


Jeanne d'Arc, auch bekannt als Johanna von Orleans, führte Frankreichs Truppen, mit dem Banner Jesu Christi bewaffnet, zum Sieg
Jeanne d'Arc, auch bekannt als Johanna von Orleans, führte Frankreichs Truppen, mit dem Banner Jesu Christi bewaffnet, zum Sieg

Von Cri­sti­na Siccardi*

Die EU und zahl­rei­che Main­stream-Medi­en for­dern immer wie­der mit Nach­druck dazu auf, Nach­rich­ten sorg­fäl­tig zu über­prü­fen, um nicht in die Fal­le von „Fake News“ zu gera­ten – und lie­fern selbst nicht sel­ten ent­spre­chen­de Inhal­te in gro­ßer Zahl. Der jüng­ste Fall betrifft eine von der Nach­rich­ten­agen­tur AGI am 28. Mai ver­öf­fent­lich­te Dar­stel­lung mit dem Titel: „Johan­na von Orlé­ans, die erste Femi­ni­stin der Geschich­te“.

Eines muß unmiß­ver­ständ­lich fest­ge­hal­ten werden:Weder eine Hei­li­ge kann als Femi­ni­stin bezeich­net wer­den, noch kann irgend­ei­ne Frau, die sich als katho­lisch ver­steht, eine Femi­ni­stin im eigent­li­chen Wort­sinn sein. Das Vor­bild jeder Frau, die an die Hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit glaubt, ist die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria, die mit einer Ideo­lo­gie unver­ein­bar ist, die nicht nur gegen Got­tes Geset­ze, son­dern auch gegen das Natur­recht steht. Der Femi­nis­mus ist eine poli­ti­sche Patho­lo­gie, deren Ursprün­ge zwar im Frank­reich der Revo­lu­ti­on lie­gen, aller­dings drei Jahr­hun­der­te nach Johan­na von Orléans.

Ange­sichts die­ser paga­ni­sie­ren­den Lügen, die zu ideo­lo­gi­schen Zwecken Gestal­ten wie die­se Hei­li­ge instru­men­ta­li­sie­ren, bleibt nichts ande­res übrig, als mit Hil­fe histo­ri­scher Quel­len in Erin­ne­rung zu rufen, wer sie tat­säch­lich gewe­sen sind. Kei­ne Inter­pre­ta­ti­on, son­dern nur Tat­sa­chen und Daten.

Der lit­ur­gi­sche Gedenk­tag der Jung­frau von Orlé­ans fällt auf den 30. Mai, den Tag ihres dies nata­lis, ihrer Geburt für den Him­mel. Schon seit ihrem drei­zehn­ten Lebens­jahr wur­de sie von Gott aus­er­wählt und mit einer Mis­si­on von höch­ster reli­giö­ser und poli­ti­scher Ver­ant­wor­tung betraut: Frank­reich im Namen Got­tes von der eng­li­schen Über­macht zu befreien.

Die Kir­che befand sich in jener Zeit in der tie­fen Kri­se des Abend­län­di­schen Schis­mas, das fast vier­zig Jah­re dau­er­te. Als Katha­ri­na von Sie­na (1347–1380) starb, gab es einen Papst und einen Gegen­papst; als Johan­na gebo­ren wur­de, im Janu­ar 1412 (man sagt an Epi­pha­nie, doch die Chro­no­lo­gie ist unsi­cher), gab es einen Papst und zwei Gegen­päp­ste. Neben die­ser inner­kirch­li­chen Zer­ris­sen­heit gab es unauf­hör­li­che, bru­der­mör­de­ri­sche Krie­ge zwi­schen den euro­päi­schen Völ­kern, von denen der dra­ma­tisch­ste der Hun­dert­jäh­ri­ge Krieg zwi­schen Frank­reich und Eng­land war, der 1337 begann und – mit Unter­bre­chun­gen – erst 1453 endete.

Krie­ge, Hun­gers­nö­te, Seu­chen und Häre­si­en erschöpf­ten Euro­pa. Es war die Zeit der Alb­träu­me, in der im kol­lek­ti­ven Bewußt­sein ech­te mysti­sche Erschei­nun­gen mit Magie und Hexe­rei ver­schmol­zen, in der sich die rea­le Welt von Leid und gewalt­sa­mem Tod mit dämo­ni­schen Phan­ta­sien über­schnitt, bevöl­kert von Mon­stern und Toten­tän­zen. In die­sem Kli­ma von Unter­drückung, Ver­schwö­run­gen und Usur­pa­tio­nen, von Ver­wir­rung in Kir­che und Natio­nen, schrieb die Analpha­be­tin Jean­ne, gebo­ren in Dom­ré­my (heu­te Dom­ré­my-la-Pucel­le) in den Voge­sen in Loth­rin­gen, am 22. März 1429, dem Diens­tag der Kar­wo­che, einen feu­ri­gen und zugleich gna­den­haf­ten Brief:

„Jesus, Maria! König von Eng­land und ihr, Her­zog von Bedford, der ihr euch Regent des König­reichs Frank­reich nennt, ihr Wil­helm von La Pole, Graf von Suf­folk, Johann, Herr von Tal­bot, und ihr Tho­mas, Herr von Sca­les, die ihr euch Statt­hal­ter des Her­zogs von Bedford nennt, schafft Recht für den König des Him­mels. Gebt der Jung­frau, die hier von Gott, dem König des Him­mels, gesandt wor­den ist, die Schlüs­sel aller guten Städ­te zurück, die ihr in Frank­reich erobert und geschän­det habt. Sie ist im Namen Got­tes gekom­men, um das könig­li­che Blut zu for­dern. Sie ist bereit, Frie­den zu schlie­ßen, wenn ihr ihr Recht ver­schafft, sofern ihr ihr Frank­reich zurück­gebt und für des­sen Besitz bezahlt. Und ihr Bogen­schüt­zen, Kriegs­ka­me­ra­den, und ihr ande­ren, die ihr vor der Stadt Orlé­ans steht, geht in euer Land im Namen Got­tes; und wenn ihr es nicht tut, so erwar­tet die Kun­de von der Jung­frau, die euch bald in gro­ßes Unglück stür­zen wird. König von Eng­land, wenn ihr es nicht tut, so bin ich der Feld­herr, und an jedem Ort wer­de ich in Frank­reich eure Leu­te erwar­ten und sie, ob sie wol­len oder nicht, ver­trei­ben. Und wenn sie nicht gehor­chen wol­len, wer­de ich sie alle töten las­sen; ich bin hier gesandt von Gott, dem König des Him­mels, von Ange­sicht zu Ange­sicht, um euch aus ganz Frank­reich zu ver­trei­ben. Und wenn sie gehor­chen wol­len, wer­den sie in mei­ner Gna­de ste­hen. Und denkt nicht anders, denn ihr wer­det das König­reich Frank­reich nicht von Gott, dem König des Him­mels, dem Sohn der hei­li­gen Maria, erhal­ten; son­dern es wird König Karl haben, der wah­re Erbe, denn Gott, der König des Him­mels, will es […]“1

Jean­ne, deren Leben sich in 19 Jah­ren voll­ende­te und ein Geheim­nis unaus­sprech­li­cher Freu­de und uner­klär­li­chen Lei­dens war, war die jüng­ste von fünf Kin­dern des Jac­ques d’Arc und der Isa­bel­le Romée, wohl­ha­ben­der Bau­ern. Im Som­mer 1425, im Alter von 13 Jah­ren, hör­te sie im Gar­ten ihres Hau­ses eine Stim­me… es ist die des Erz­engels Micha­el, der ihr sagt, sie sol­le sich der Sache Frank­reichs anneh­men. Sie wird die­se Stim­me noch vie­le Male hören, und zu ihr gesel­len sich die Stim­men von Jung­frau­en und Mär­ty­re­rin­nen, der hei­li­gen Mar­ga­re­ta von Antio­chi­en (275–290) und der hei­li­gen Katha­ri­na von Alex­an­dria (287–305). Der ein­dring­li­che Ruf war ver­bun­den mit der Auf­for­de­rung, Karl von Valo­is (1403–1461) zum König von Frank­reich krö­nen zu las­sen. Doch wie war das mög­lich? Johan­na lei­ste­te Wider­stand: Sie war ein ein­fa­ches jun­ges Mäd­chen – wie soll­te sie die­ser Auf­ga­be gerecht wer­den? Doch der Herr macht das mensch­lich Unmög­li­che möglich.

Dom­ré­my lag an den Gren­zen zum fran­zö­si­schen König­reichs im Tal der Maas, das Frank­reich vom Hei­li­gen Römi­schen Reich Deut­scher Nati­on trenn­te.2 Die Anglo-Bur­gun­der nah­men 1428 alle festen Plät­ze an der Maas ein, die dem fran­zö­si­schen Dau­phin treu geblie­ben waren: Dom­ré­my wur­de ver­wü­stet; dies ver­an­laß­te den Haupt­mann von Vau­cou­leurs, Robert de Baud­ri­court (ca. 1400–1454), der Jean­ne d’Arc zunächst für ver­rückt gehal­ten hat­te, sie auf die von ihr erbe­te­ne Mis­si­on zu ent­sen­den: Orlé­ans zu ret­ten, den König krö­nen zu las­sen, die Eng­län­der aus Frank­reich zu ver­trei­ben und den Her­zog von Orlé­ans zu befreien.

Jean­ne, die aus Lie­be zu Jesus Chri­stus ein Gelüb­de der Jung­fräu­lich­keit abge­legt hat­te, trug dazu Män­ner­klei­der und ließ sich die Haa­re schnei­den, nicht um sich männ­lich zu geben oder mit Män­nern zu riva­li­sie­ren, son­dern um ihre weib­li­che Iden­ti­tät vor­sich­tig zu ver­ber­gen, damit sie nicht inmit­ten all jener Män­ner Ziel uner­wünsch­ter Auf­merk­sam­keit wer­de. Sie wur­de voll­stän­dig bewaff­net, und auf ihrem Ban­ner war Chri­stus als König dar­ge­stellt, umge­ben von zwei Engeln, mit der Auf­schrift „Jesus-Maria“. Johan­na trug kein Schwert in der Hand (wie es gewis­se femi­ni­sti­sche Deu­tun­gen behaup­ten), son­dern stets nur das Ban­ner des Glaubens.

Der Name Jesu erscheint immer im Kopf ihrer Brie­fe, auf ihrem Ring, und sie stirbt, indem sie ihn mehr­fach laut aus­spricht. Die Jung­frau schloß sich einem Hilfs­heer an, das einen Ver­sor­gungs­kon­voi schütz­te, und gelang­te, durch einen tak­ti­schen Schach­zug der Hei­li­gen, von der lin­ken Ufer­sei­te der Loire nach Orlé­ans. Am 8. Mai 1429 wur­den die bela­gern­den Eng­län­der besiegt. Von da an folg­te eine Schlacht der ande­ren, und in die­sen Umstän­den erin­nert der über­na­tür­li­che Mut der jun­gen Hei­li­gen an die Kraft der Füh­rer des Alten Testa­ments, die vom Domi­nus Deus Sabaoth (Herr, Gott der Heer­scha­ren) gestärkt wurden.

Am 17. Juli des­sel­ben Jah­res wur­de Karl VII. in Reims in ihrer Gegen­wart gekrönt. Der Erfolg mach­te sie für alle sicht­bar zur vom Him­mel gesand­ten Hel­din: die Men­schen woll­ten ihre Klei­der und ihr Pferd berüh­ren, sie tra­ten an sie her­an, um die Zukunft zu erfah­ren, um Gna­den und Hei­lun­gen zu erbitten…

Jean­ne d’Arc besieg­te die frem­de Herr­schaft nach dem Wil­len Got­tes und ver­moch­te es, dem könig­li­chen Heer Mut und Hoff­nung ein­zu­flö­ßen; doch objek­ti­ve Histo­ri­ker erken­nen ihr auch das Ver­dienst zu, mit dem Feind indi­rekt auch den Pro­te­stan­tis­mus fern­ge­hal­ten zu haben, der sich sonst in Frank­reich hät­te leich­ter aus­brei­ten kön­nen. Den­noch nah­men die eng­li­schen Trup­pen sie am 23. Mai 1430 in Com­piè­g­ne gefan­gen. Zwei Tage nach ihrer Gefan­gen­nah­me ersuch­te die Uni­ver­si­tät von Paris dar­um, sie durch die Inqui­si­ti­on als Hexe zu ver­ur­tei­len.3 Die­se Lösung gefiel dem Her­zog von Bedford4 sehr, da sie es ihm erlaub­te, Karl VII. zu dis­kre­di­tie­ren, der als jemand erschei­nen soll­te, der sei­nen Thron den Mäch­ten der Höl­le verdanke.

Am 9. Janu­ar 1431 eröff­ne­te Bischof Pierre Cauchon5 (1371–1442) den Pro­zeß in Rouen im Schloß Le Bou­vreuil, einer Festung von Richard Beauch­amp (1382–1439), Graf von War­wick und eng­li­scher Gou­ver­neur der Stadt seit 1427, der vom König Hein­rich VI. (1421–1471) kla­re Anwei­sun­gen erhal­ten hat­te. Unter den hin­zu­ge­zo­ge­nen Bei­sit­zern stamm­ten sechs von der Uni­ver­si­tät Paris; außer­dem waren etwa sech­zig Prä­la­ten und kirch­li­che Juri­sten anwe­send, dar­un­ter der Bischof der eng­li­schen Diö­ze­se Nor­wich sowie über dem Gerichts­kol­le­gi­um der Kar­di­nal von Win­che­ster, Hen­ry Beau­fort (ca. 1374–1447), Groß­on­kel und Kanz­ler Hein­richs VI.

Der unge­rech­te Pro­zeß dau­er­te vom 20. Febru­ar bis zum 24. März 1431. Die Ange­klag­te wur­de der Ido­la­trie, des Schis­mas und der Apo­sta­sie beschul­digt. Wäh­rend des Pro­zes­ses wur­de sie gefragt, ob sie sich in Got­tes Gna­de befin­de, und sie ant­wor­te­te: „Wenn ich es nicht bin, so wol­le Gott mich hin­ein­stel­len, und wenn ich es bin, so wol­le Gott mich dar­in erhal­ten.“ Ihre Ver­hö­re wur­den ein Mei­ster­werk an Ent­schlos­sen­heit und Beharr­lich­keit im allei­ni­gen katho­li­schen Glau­ben. Sie wur­de den­noch dem welt­li­chen Arm über­ge­ben. Am 30. Mai 1431 wur­de Johan­na auf dem Markt­platz des Vieux-Mar­ché in Rouen bei leben­di­gem Leib ver­brannt. Sie starb, wäh­rend sie ein gro­ßes Kreuz betrach­te­te, das der Domi­ni­ka­ner Bru­der Isem­bard de la Pierre für sie gebracht hatte.

Im Jah­re 1456 wur­de ihre Reha­bi­li­tie­rung fei­er­lich aus­ge­spro­chen6; sie wur­de 1910 von dem hei­li­gen Pius X. (1835–1914) selig­ge­spro­chen und 1920 von Bene­dikt XV. (1854–1922) hei­lig­ge­spro­chen. Eine ihrer Sta­tu­en wur­de in der Kathe­dra­le von Win­che­ster auf­ge­stellt, gegen­über dem Grab von Kar­di­nal Beau­fort, der eine ent­schei­den­de Rol­le im tra­gi­schen und ver­häng­nis­vol­len Pro­zeß spielte.

Die fran­zö­si­sche Mär­ty­re­rin bleibt eine ein­zig­ar­ti­ge und außer­ge­wöhn­li­che Per­sön­lich­keit und offen­bart greif­bar die mäch­ti­ge Gegen­wart Got­tes in der Geschich­te; eben­so zeigt ihr kla­res Zeug­nis die Feh­ler, die Men­schen, auch Kir­chen­män­ner, bege­hen kön­nen, und zugleich, wie die Wahr­heit der Braut Chri­sti den­noch immer wie­der hervortritt.

Jean­ne d’Arc streb­te zur Imi­ta­tio Chri­sti durch festen Glau­ben, gro­ße Lie­be, uner­schüt­ter­li­chen Wil­len, Demut, Rein­heit und Selbst­ver­ges­sen­heit und nahm aus Lie­be Lei­den und Tod als höch­stes Opfer an. Als Kind stieg sie zum Ora­to­ri­um von Not­re-Dame von Ber­mont hin­auf und brach­te im Mari­en­mo­nat der hei­lig­sten Jung­frau Maria Blu­men­krän­ze. Im Mai 1431 über­gab sie die Mär­ty­rer­pal­me an „Jesus-Maria“. Wie bei der Kla­ris­sin, der hei­li­gen Colet­te von Cor­bie (1381–1447), die sie ver­mut­lich 1430 in Moulins getrof­fen hat­te, sind auch für Jean­nette, wie sie damals lie­be­voll genannt wur­de, der Erlö­ser und die Mit­erlö­se­rin ewig untrennbar.

*Cri­sti­na Sic­car­di, Histo­ri­ke­rin und Publi­zi­stin, zu ihren jüng­sten Buch­pu­bli­ka­tio­nen gehö­ren „L’inverno del­la Chie­sa dopo il Con­ci­lio Vati­ca­no II“ (Der Win­ter der Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Ver­än­de­run­gen und Ursa­chen, 2013); „San Pio X“ („Der hei­li­ge Pius X. Das Leben des Pap­stes, der die Kir­che geord­net und erneu­ert hat“, 2014), „San Fran­ces­co“ („Hei­li­ger Fran­zis­kus. Eine der am mei­sten ver­zerr­ten Gestal­ten der Geschich­te“, 2019), „Quella mes­sa così mar­to­ria­ta e per­se­gui­ta­ta, eppur così viva!“ „Die­se so geschla­ge­ne und ver­folg­te und den­noch so leben­di­ge Mes­se“ zusam­men mit P. Davi­de Pagli­a­ra­ni, 2021), „San­ta Chia­ra sen­za fil­tri“ („Die hei­li­ge Kla­ra unge­fil­tert. Ihre Wor­te, ihre Hand­lun­gen, ihr Blick“, 2024), 

Übersetzung/​Fußnoten: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana


  1. Zitiert nach Vau­chez, André (Hg.): Une Égli­se en morceaux, 1275–1545 (Histoire des saints et de la sain­te­té chré­ti­en­ne, Bd. VII), Gro­lier Hachet­te Inter­na­tio­nal, Paris 1991 ↩︎
  2. Dom­ré­my lag im Hei­li­gen Römi­schen Reich (Her­zog­tum Loth­rin­gen), war aber sprach­lich und kul­tu­rell fran­zö­sisch geprägt (Welschloth­rin­gen) und stand im Span­nungs­feld des bur­gun­di­schen Grenz- und Kon­flikt­ge­biets. Die zeit­wei­se mit Eng­land ver­bün­de­ten Bur­gun­der nann­te man Anglo-Bur­gun­der. ↩︎
  3. Die Uni­ver­si­tät von Paris war damals die ange­se­hen­ste theo­lo­gi­sche Insti­tu­ti­on West­eu­ro­pas. Ihre Gut­ach­ten hat­ten gro­ßes Gewicht in kir­chen­recht­li­chen und poli­ti­schen Fra­gen. Ent­schei­den­der war: Paris befand sich damals unter anglo-bur­gun­di­scher Kon­trol­le. Vie­le füh­ren­de Gelehr­te der Uni­ver­si­tät stan­den auf der Sei­te der anglo-bur­gun­di­schen Par­tei. Sie waren teils sicher über­zeugt, daß Jean­ne gefähr­lich oder zumin­dest kir­chen­recht­lich pro­ble­ma­tisch sei: Jean­ne behaup­te­te, direk­te gött­li­che Offen­ba­run­gen zu emp­fan­gen; sie han­del­te häu­fig ohne Rück­spra­che mit den Auto­ri­tä­ten; sie trug Män­ner­klei­dung. und berief sich auf Stim­men von Hei­li­gen.
    Sol­che Din­ge erreg­ten Ver­dacht. Gleich­zei­tig war die Uni­ver­si­tät stark poli­ti­siert. Die Gren­zen zwi­schen theo­lo­gi­scher Über­zeu­gung und poli­ti­schem Inter­es­se waren flie­ßend. ↩︎
  4. Her­zog von Bedford in Eng­land war seit 1414 John of Lan­ca­ster, drit­ter Sohn König Hein­richs IV. und spä­te­rer Regent Frank­reichs. ↩︎
  5. Msgr. Pierre Cauchon war Bischof der nord­fran­zö­si­schen Diö­ze­se Beau­vais. ↩︎
  6. Die Lage hat­te sich gegen­über den 1430er Jah­ren völ­lig umge­dreht. In der Schlacht von Castil­lon im Jahr 1453 hat­te Eng­land eine Nie­der­la­ge erlit­ten und muß­te alle Fest­land­be­sit­zun­gen (außer Calais) auf­ge­ben. Der Hun­dert­jäh­ri­ge Krieg war been­det. Eng­land hat­te sei­ne Ansprü­che auf Frank­reich nicht durch­set­zen kön­nen. ↩︎

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*