Die Kirche in unseren Breitengraden ist krank

Die vom Vatikan angeordnete synodale Beschäftigungstherapie bringt keine Heilung!


Von Msgr. Dr. Mari­an Eleganti*

Was von Rom kommt, ich mei­ne die Werk­statt des uni­ver­sal­kirch­lich aus­ge­ru­fe­nen syn­oda­len Pro­zes­ses, ist Men­schen­weis­heit. Offen­sicht­lich haben die Prot­ago­ni­sten nichts Bes­se­res zu tun, als immer wie­der Auf­trä­ge an die Orts­kir­chen zu ertei­len, wie der syn­oda­le Pro­zess, eine Tot­ge­burt von Anfang an, ver­wal­tet und am Lau­fen gehal­ten wer­den soll. Sie glau­ben, sie könn­ten den Hl. Geist kana­li­sie­ren und er wür­de den Weg zu den Gläu­bi­gen durch die von ihnen geleg­ten Pipe­lines ein­schla­gen. Das Ergeb­nis ist die Büro­kra­ti­sie­rung einer ange­streb­ten Erneue­rung und Mission.

Das brei­te und ein­fa­che Volk Got­tes steht abseits. Die haupt­amt­li­chen Akteu­re die­ser dys­funk­tio­na­len Gre­mi­en­kir­che sind es, die für teu­res Geld mit den in Auf­trag gege­be­nen Steue­rungs­ele­men­ten und syn­oda­len Papie­ren beschäf­tigt sind. Es schaut dabei nichts ande­res her­aus als immer wie­der neu zu lesen­de Doku­men­te, hete­ro­do­xe Stu­di­en­ergeb­nis­se und neu aus­ge­klü­gel­te Gre­mi­en (zu den vie­len, bereits bestehenden).

Dabei wür­de genü­gen, wenn jeder Katho­lik wirk­lich einer wäre: Salz der Erde. Der Hl. Geist wür­de durch ihn wir­ken. Aber am Werk sind Berufs­ka­tho­li­ken, die in ihrer Frei­zeit wie­der Pau­se machen. Vie­le von ihnen besu­chen nicht ein­mal regel­mä­ssig die Sonn­tags­mes­se. Aber natür­lich wis­sen sie, wie man die Kir­che erneu­ern muss. Das kann man dann nach­le­sen, klug Ausgedachtes.

Das gilt auch für die Erfin­der die­ses syn­oda­len Pro­zes­ses in Rom. Es ist inzwi­schen sowie­so deut­lich gewor­den, was der Pro­zess will: einen Umbau der bis­he­ri­gen und unver­rück­ba­ren Lehr­po­si­tio­nen in Bezug auf Schei­dung und Wie­der­ver­hei­ra­tung, Homo­se­xua­li­tät (die gan­ze Que­er-Agen­da), die syn­oda­le Demo­kra­ti­sie­rung der Kir­chen­lei­tung, neue Ämter für die Frau, öku­me­ni­sche und inter­re­li­giö­se Fort­schrit­te auf Kosten der eige­nen Katho­li­zi­tät. Die­se muss man ja in der Tat suchen. Die pro­pa­gier­te Inklu­si­on betrifft haupt­säch­lich die Nor­ma­li­sie­rung der Homo­se­xua­li­tät in der Kir­che und ist nichts ande­res als eine Revi­si­on ihrer Leh­re bei den seit 60 Jah­ren immer glei­chen The­men. Viel Brim­bo­ri­um um eine leicht zu durch­schau­en­de Agen­da. Anschei­nend haben wir genü­gend Homo­se­xu­el­le im Kle­rus und in der kirch­li­chen Hier­ar­chie, die genau­so pene­trant und uner­müd­lich wie in der übri­gen Gesell­schaft uns die Regen­bo­gen­far­ben bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit aufs Auge drücken und sich ihrem Ziel näher glau­ben denn je.

Aber dass die Kon­zils­do­ku­men­te nicht mehr gel­ten, ver­wun­dert schon. Das Kon­zil sprach ja noch von einem Wesens­un­ter­schied des geweih­ten Prie­ster­tums gegen­über dem nicht­ge­weih­ten all­ge­mei­nen; es sprach von der Ein­heit von Wei­he und Jurisdiktion/​Leitung, von einem hier­ar­chisch geord­ne­ten Volk Got­tes. Alles Schnee von gestern! Heu­te zer­stö­ren die­se vom Kon­zil gewünsch­te Ein­heit von Wei­he und Lei­tung (Juris­dik­ti­on) nicht nur die Pius­brü­der (ihre Weih­bi­schö­fe ohne Juris­dik­ti­on), son­dern auch jene, die in Rom und bei uns Lai­en zu Vor­ste­hern bzw. Prä­fek­tin­nen von Dik­aste­ri­en machen mit Bischö­fen als ihren sub­or­di­nier­ten Assi­sten­ten oder Co-Chefs, bei uns zu Gemein­de­lei­tern und Vor­ste­hern von Seel­sor­ge­ein­hei­ten und Pfar­rei­en mit sog. mit­ar­bei­ten­den Prie­stern als ihren Untergebenen.

Aber sie machen die Rech­nung ohne den viel zitier­ten Hl. Geist. Er schlägt ganz ande­re Wege ein. Schaut Euch die vie­len jun­gen Tauf­be­wer­ber an, ein sich aus­brei­ten­des Phä­no­men, aber kei­ne Frucht des syn­oda­len Prozesses.

Die Kir­che wür­de sich bes­ser der lit­ur­gi­schen Fra­ge zuwen­den, wenn sie nicht zuse­hen will, wie ihr die Fel­le wei­ter­hin davon­schwim­men, bach­ab. Das ist genau, was ich die­sem syn­oda­len Pro­zess wün­sche, von dem ich nichts erwar­te. Bis­her hat er ja auch in der Tat nichts gebracht ausser haupt­amt­li­che Geschäf­tig­keit, ein Over­kill an Wor­ten und Direk­ti­ven, aber kein über­na­tür­li­ches Leben in den Her­zen der Gläu­bi­gen. Die­ses käme von einer wirk­li­chen Bekeh­rung, von der Hin­ga­be des eige­nen Blu­tes. Die Pro­zes­se sind im Gegen­satz dazu Kopf­ge­bur­ten; sie gehen nicht ins Blut, wenig­stens nicht in mei­nes. Wahr­schein­lich bin ich nicht der Einzige.

Man wird sehen, dass die­ser Ver­such, die Kir­che zu erneu­ern und im Sin­ne der eige­nen Inter­es­sen neu zu for­ma­tie­ren – denkt an den pro­pa­gier­ten Para­dig­men­wech­sel von der apo­sto­li­schen zur syn­oda­len Kir­che –, schei­tern wird. Schlim­mer noch, er ist schon heu­te ein Beschleu­ni­ger zen­tri­fu­ga­ler Kräf­te und neu dro­hen­der Schis­men, inne­rer und äusserer!

Viel­leicht soll­ten wir wie­der den Altar zur Mit­te der Kir­che machen. Viel­leicht soll­ten alle in der Kir­che beden­ken, dass es ohne den Prie­ster kei­ne Hl. Mes­se gibt und ohne die Hl. Mes­se kei­ne Kir­che. Eine prie­ster­lo­se Kir­che wird ver­schwin­den, von der eini­ge bei uns träu­men, die den Prie­ster mar­gi­na­li­sie­ren oder ver­drän­gen und mei­nen, es hät­te die Stun­de der Lai­en geschlagen.

Vie­le jun­ge Men­schen füh­len sich des­halb von der alten Lit­ur­gie so ange­zo­gen. Sie aber ist still (vor allem beim Höhe­punkt). In der Kon­zils­kir­che wird stän­dig gere­det, lit­ur­gisch und syn­odal. Es besteht gera­de­zu ein Zwang dazu, weil das Geheim­nis weg­fällt, vor dem man nie­der­kniet, um alles von CHRISTUS zu emp­fan­gen, was wirk­li­ches Leben bringt. Wir müss­ten uns wie­der umdre­hen, uns hin­wen­den, zu IHM auf­schau­en. Die Prie­ster aber schau­en ins Volk, die­ses the­ma­ti­siert sich selbst nach sekun­dä­ren Kate­go­rien und fei­ert dann Lit­ur­gie als Sub­jekt der­sel­ben. Der Prie­ster ist nur Vor­ste­her der Ver­samm­lung. CHRISTUS, die Haupt­at­trak­ti­on (buch­stäb­lich und wört­lich!) jedes Got­tes­dien­stes gerät aus ihrem Blick. Sogar der Papst ver­drängt IHN in den Papst­mes­sen, die vor allem zu einer Begeg­nung mit ihm, dem Papst (-Super­star?) wer­den, nicht mit CHRISTUS. Über all das soll­te man nach­den­ken, nicht unbe­dingt reden, son­dern es ändern, jeder für sich!

*Msgr. Mari­an Ele­gan­ti OSB, pro­mo­vier­ter Theo­lo­ge, war von 1999 bis 2009 Abt der Bene­dik­ti­ner­ab­tei St. Otmars­berg im Kan­ton Sankt Gal­len, dann von 2009 bis 2021 Weih­bi­schof der Diö­ze­se Chur. Bischof Ele­gan­ti betreibt einen eige­nen Blog.

Bild: Mari­an Eleganti

4 Kommentare

  1. ..und genau des­halb braucht es die Pius­bru­der­schaft und die Bischofs­wei­hen und nicht nur das Lamen­tie­ren, Exzellenz!

  2. Sehr geehr­ter Msgr. Dr. Mari­an Eleganti
    es ist sehr gut auf den ver­hee­ren­den Kom­mu­nion­emp­fang, der Hand­kom­mu­ni­on, die die außer­or­dent­li­che Form des Kom­mu­nion­emp­fangs dar­stellt, auf­merk­sam zu machen. Die Mund­kom­mu­ni­on, die ordent­li­che Form, ist seit vie­len Jah­ren stig­ma­ti­siert und von Prie­stern und
    Bischö­fen sank­tio­niert (muss­te ich wie­der­holt selbst erfah­ren). Alle Kon­zil­s­päp­ste, außer Bene­dikt XVI., prak­ti­zier­ten demon­stra­tiv die Hand­kom­mu­ni­on. Auch Papst Leo XIV.
    Die Kir­che ist nicht nur in unse­ren Brei­ten­gra­den, son­dern ange­fan­gen von Papst Leo XIV. mit der gan­zen Kurie krank.
    Die Ost­kir­chen, der Kon­ti­nent Afri­ka und ande­re wen­den sich mas­siv gegen Fidu­cia sup­pli­cans. Papst Leo XIV. hat das Doku­ment erst neu­lich bestä­tigt. Papst Leo XIV. sen­det eine Glück­wunsch­bot­schaft an Sarah Mull­al­ly anläss­lich ihrer Ernen­nung zur „Erz­bi­schö­fin“ von Can­ter­bu­ry, die anson­sten Abtrei­bung, Gen­der­ideo­lo­gie und alle damit ver­bun­de­nen Per­ver­sio­nen unter­stützt und emp­fängt, lobt die Schis­ma­ti­ke­rin mit außer­ge­wöhn­li­chen Ehren publikumswirksam.
    Muss die Pius­bru­der­schaft erst zu Schis­ma­ti­kern erklärt wer­den, damit man beim Stell­ver­tre­ter Chri­sti, dem guten Hir­ten und „Brücken­bau­er“ auch mit außer­ge­wöhn­li­chen Ehren emp­fan­gen wird.
    Ver­kehr­te Maßstäbe.
    Komm Hei­li­ger Geist durch die Für­spra­che Dei­ner hei­li­gen Braut, und erfül­le die Her­zen Dei­ner Gläubigen.
    In Chri­sto per Mariam

  3. Es wird höch­ste Zeit, kon­se­quent zurück­zu­keh­ren zur Kir­che Jesu Chri­sti, die die Kir­che unse­rer Väter und der Tra­di­ti­on war, ist und immer sein wird, und zur hei­li­gen katho­li­schen Opfer­mes­se im alten, unver­kürz­ten römi­schen Ritus mit der ehr­wür­di­gen knie­en­den Mund­kom­mu­ni­on. Und wenn ein Teil der Hir­ten und Ober­hir­ten, die „Macht­aus­üben­den“, das ver­wei­gern, dann kann und muss man die Ent­schei­dung für sich selbst tref­fen. Wir sind dazu beru­fen und auch in Zei­ten der Kri­se dazu ver­pflich­tet, den katho­li­schen Glau­ben unver­fälscht zu bewah­ren: Chri­stus hat uns schließ­lich zur Frei­heit befreit. Dan­ke den Prie­stern der Bru­der­schaft St. Pius X. u. a. recht­gläu­bi­gen Prie­stern, dass sie dem wah­ren Hir­ten nach­fol­gen wol­len, trotz Äch­tung, Bedro­hung und Verleugnung.

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