Die Kirche der Nihilisten

"Mit Luther zum Papst". 2016 vereinten sich Papst Franziskus und Bischof Gerhard Feige (Magdeburg) mit der "Landesbischöfin" der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und dem "Kirchenpräsidenten" der Evangelischen Landeskirche Anhalts durch ein symbolisches Band
"Mit Luther zum Papst". 2016 vereinten sich Papst Franziskus und Bischof Gerhard Feige (Magdeburg) mit der "Landesbischöfin" der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und dem "Kirchenpräsidenten" der Evangelischen Landeskirche Anhalts durch ein symbolisches Band

Von Vigi­li­us*

Der Mag­de­bur­ger Bischof Ger­hard Fei­ge gehört neben sei­nen Kol­le­gen Bät­zing und Marx zu jenen Gestal­ten, in denen der Geist der deut­schen Kir­che beson­ders rein her­vor­tritt. Genau­er gesagt: Der Geist jenes kirch­li­chen Estab­lish­ments, das seit Jahr­zehn­ten an den Schalt­he­beln der Macht sitzt und sämt­li­che kirch­li­che oder kir­chen­re­le­van­te Insti­tu­tio­nen wie Ordi­na­ria­te, Prie­ster­se­mi­na­ri­en, Fakul­tä­ten, Bil­dungs­wer­ke und Publi­ka­ti­ons­or­ga­ne fest in sei­ner Hand hat. Es ist bemer­kens­wert, wie sehr sich mit dem ideo­lo­gi­schen Hori­zont auch die psy­cho­lo­gi­sche Cha­rak­te­ri­stik sowie das Akti­vi­täts- und Sprach­lich­keits­pro­fil der ein­schlä­gi­gen Funk­tio­nä­re, egal ob Haupt- oder Ehrenämt­ler, ähneln. Um einen Ein­druck von des­sen Grund­über­zeu­gun­gen bekom­men, reicht es, in irgend­ei­nes der diver­sen reli­giö­sen Maga­zi­ne wie bei­spiels­wei­se „Christ in der Gegen­wart“, „Her­der-Kor­re­spon­denz“, „Stim­men der Zeit“, „Publik-Forum“ oder „katho​lisch​.de“ einen Blick zu wer­fen; kennt man nur eine Aus­ga­be eines die­ser Maga­zi­ne, kennt man den gesam­ten gei­sti­gen Kos­mos die­ses wohl­sa­tu­rier­ten, her­me­tisch in sich zir­ku­lie­ren­den Milieus.

Das, was die­ses Men­schen­tum wesen­haft aus­macht, ist jener Nihi­lis­mus, den Nietz­sche als „die Ent­wer­tung der bis­he­ri­gen ober­sten Wer­te“ bestimmt, wel­che „ober­sten Wer­te“ von Nietz­sche sel­ber fak­tisch mit der christ­li­chen Reli­gi­on asso­zi­iert wer­den. Nach Nietz­sche besteht das „größ­te neue­re Ereig­nis“ dar­in, dass wir Gott „getö­tet“ haben, was nach Nietz­sche besagt, dass „der Glau­be an den christ­li­chen Gott unglaub­wür­dig gewor­den ist“. Man könn­te dies so ver­ste­hen, als ob Nietz­sche mit sei­ner Gott-ist-tot-Rede kei­ne objek­ti­ve Aus­sa­ge über das Sein oder Nicht-Sein Got­tes, son­dern nur über unse­re Glau­bens­ver­hält­nis­se tref­fen will. Tat­säch­lich ist der Zusam­men­hang aber kom­ple­xer. Ihn muß man ver­ste­hen, um zu begrei­fen, was das Wesen des Nihi­lis­mus ist, der die euro­päi­sche, ja die gesam­te west­li­che Zivi­li­sa­ti­on und mit ihr auch die römi­sche Kir­che ergrif­fen hat.

Nietz­sche wirft sel­ber zu Beginn des Tex­tes über den „Tol­len Men­schen“ die Fra­ge auf, wie wir zu Got­tes Mör­dern wer­den und „die Erde von ihrer Son­ne los­ket­ten“ konn­ten: „Wie haben wir dies gemacht? Wie ver­moch­ten wir das Meer aus­zu­trin­ken?“ Um zur Ant­wort auf die­se Fra­ge zu gelan­gen, ist es bedeut­sam, die Nihi­lis­mus­for­mel Nietz­sches sorg­fäl­tig zu betrach­ten. Der frag­li­che Zusam­men­hang ist vor­züg­lich von Mar­tin Heid­eg­ger her­aus­ge­ar­bei­tet wor­den. Denn wie selbst­ver­ständ­lich bezeich­net Nietz­sche die „über­sinn­li­che Welt“ als die Sphä­re der „ober­sten Wer­te“. Damit reiht sich Nietz­sche sel­ber in den Kon­text der von ihm anson­sten gründ­lich ver­ach­te­ten Moder­ne ein. Die Beschrei­bung sämt­li­cher Din­ge und Ver­hält­nis­se in der Kate­go­rie des Wer­tes kann näm­lich als eines der ent­schei­den­den Wesens­merk­ma­le des moder­nen Bewußt­seins gel­ten. Seit dem 19. Jahr­hun­dert hat die­ser Dis­kurs auch gesamt­kul­tu­rell immer mehr um sich gegrif­fen und ist heu­te allgegenwärtig.

Der Anti­ke und auch dem Hoch­mit­tel­al­ter wäre es nie­mals in den Sinn gekom­men, das Sein des Sei­en­den im Koor­di­na­ten­sy­stem des Wert-Den­kens zu for­mu­lie­ren. Denn „Wert“ ist eine funk­tio­na­le Taxie­rungs­ka­te­go­rie, die eine Sache nach Zwecken bemißt, die der Sache sel­ber nicht inhä­rent sind, son­dern vom wer­ten­den Sub­jekt gesetzt und an das Objekt her­an­ge­tra­gen wer­den. Schon Fran­cis Bacon inter­pre­tier­te das Erken­nen einer Sache als die Erkennt­nis, „was ich mit einem Ding anfan­gen kann, wenn ich es habe“. Die­ses Den­ken in Wer­ten ist radi­kal. Der Theo­lo­ge Eber­hard Jün­gel nennt es „onto­lo­gisch aggres­siv“. Es beschreibt nicht ein­fach nur den selbst­ver­ständ­li­chen Sach­ver­halt, dass eine Sache auch mehr oder weni­ger wert­voll sein kann für ande­re Zweck­set­zun­gen, son­dern sagt, dass der Wert das Sein des Din­ges sel­ber sei, so dass es durch die vom Sub­jekt aus­ge­hen­de und auf das Sub­jekt sel­ber hin­ge­ord­ne­te Auf- und Abwer­tung sein Sein erhält – oder ver­liert. Das Ent-wer­te­te ist dann nicht mehr, es gilt nicht mehr als seiend.

Sofern die Sei­end­heit des Sei­en­den in der Iden­ti­tät von Sein und Wert bestimmt ist, wird ver­ständ­lich, war­um für Nietz­sche der „Tod Got­tes“ und das Unglaub­wür­dig­ge­wor­den­sein des christ­li­chen Glau­bens ineins fal­len. Wenn Gott ohne­hin nur ein – immer schon von der mensch­li­chen Sub­jek­ti­vi­tät gesetz­ter – Wert ist, dann bedeu­tet die Ent­wer­tung die­ses bis­her ober­sten Wer­tes in der Sache sel­ber des­sen Anni­hi­lie­rung. Wie wir, die gro­ßen Inge­nieu­re aller Din­ge, bereits Got­tes Erfin­der waren, so sind wir nach Nietz­sche nun auch zu sei­nen Dekon­struk­teu­ren, zu sei­nen Mör­dern geworden.

Frei­lich gilt die Nihi­lis­mus­dia­gno­se dann prin­zi­pi­ell schon für die Pha­se der Kon­struk­ti­on. Und genau so sieht Nietz­sche das auch. Das Feh­len eines die Welt umgrei­fen­den letz­ten Wor­um­wil­len, von dem her die Welt einen objek­ti­ven Sinn ihrer Exi­stenz und ihrer Geschich­te fin­det, pro­du­ziert gera­de die Not­wen­dig­keit, zum Selbst­er­halt und zur Selbst­stei­ge­rung Sinn­ge­fü­ge und Mora­len zu erfin­den. Wert­set­zun­gen sind stets Set­zun­gen des „Wil­lens zur Macht“, und die Wer­tig­keit der Wer­te bemißt sich an ihrer Taug­lich­keit für die Zweck­set­zun­gen des Wil­lens zur Macht, wel­che Zweck­set­zun­gen immer­fort die Selbst­rea­li­sie­rung der Macht als sol­cher inten­die­ren. Es gibt für Nietz­sche nichts mehr außer­halb der Macht, es gibt nur ein ein­zi­ges stra­te­gi­sches Ziel, und das ist das „Mach­ten der Macht“ (Heid­eg­ger) sel­ber. Inso­fern die Macht kei­nen Zweck mehr außer­halb ihrer selbst besitzt, ist die Welt im gan­zen sinn­los, die Macht dient zu nichts. Des­we­gen wäre im Übri­gen ein Gott, der auf die Macht­di­men­si­on redu­ziert wür­de, iden­tisch mit der blo­ßen Fak­ti­zi­tät; er wäre ein bedeu­tungs­lo­ses Wort. Erst ein all­mäch­ti­ger Gott, der zugleich Lie­be ist, besitzt ein unend­lich bedeu­tungs­vol­les Sein.

Aber nach Nietz­sche ist die­ses Sein nur das erfun­de­ne Pro­dukt einer nihi­li­sti­schen Ope­ra­ti­on des mensch­li­chen Bewußt­seins, näm­lich eine selbst­be­züg­li­che Set­zung des Wil­lens zur Macht, und zwar eine ziem­lich raf­fi­nier­te. Aber schließ­lich hat sich die­se Macht­tak­tik in Anse­hung des stra­te­gi­schen Zie­les als kon­tra­pro­duk­tiv erwie­sen, sie hat zwar viel Gro­ßes – sub­ti­le gei­sti­ge Ent­wür­fe und genia­le Kunst­wer­ke – her­vor­ge­bracht, aber zugleich die Kräf­te des Lebens bedroht. Die­se Lebens­feind­lich­keit ist kom­ple­xer­wei­se eine wei­te­re Bedeu­tung, die das Wort „Nihi­lis­mus“ bei Nietz­sche besitzt. Und so ent­wer­tet der Wil­le zur Macht um sei­ner selbst wil­len die „über­sinn­li­che Welt“ und die ihr zuge­ord­ne­ten Mora­len wie­der, um an ihre Stel­le die rein säku­la­re Mystik des Über­men­schen zu set­zen, der die „ewi­ge Wie­der­kehr des Glei­chen“, die nichts ande­res ist als die abso­lu­te Per­si­stenz des Wil­lens zur Macht, von innen zu beja­hen. Der Über­mensch ist für Nietz­sche der Nihi­list in sei­ner edel­sten Gestalt als die bewuß­te und unver­stell­te Affir­ma­ti­on der Sinn­lo­sig­keit der Welt, das heißt: die bewuß­te und unver­stell­te Selb­staf­fir­ma­ti­on des Wil­lens zur Macht. Dar­um beschreibt sich Nietz­sche als „Anti­christ“. Denn durch die Tötung Got­tes und die Über­win­dung der lebens­feind­li­chen christ­li­chen Moral soll eine „Moral für höch­ste Ansprü­che“ ent­ste­hen kön­nen, die ohne Deka­denz und fei­ge Fluch­ten, also ohne Jen­seits­hoff­nun­gen und Erlö­sungs­vor­stel­lun­gen, gewis­ser­ma­ßen demü­tig das Leben als Wil­le zur Macht fei­ert und in sei­ner gan­zen grau­sa­men Ästhe­tik affir­miert. „Amor fati“ nennt sich die­ses nihi­li­stisch-anti­ni­hi­li­sti­sche Programm.

Ich kom­me zu Herrn Fei­ge aus Mag­de­burg und mit ihm zum gan­zen Elend der Kir­che unse­rer Tage zurück. Pri­ma facie sieht es so aus, als ob der Genann­te und das von ihm reprä­sen­tier­te kirch­li­che Sozi­al­mi­lieu kei­nes­wegs die „Ent­wer­tung der bis­he­ri­gen ober­sten Wer­te“ betrei­ben wür­den. Noch immer wird hier von Gott und von Chri­stus gere­det. So han­delt Fei­ge in einem Gespräch mit der „Her­der-Kor­re­spon­denz“ davon, dass „der ein­zi­ge und wirk­li­che Hir­te Chri­stus selbst“ und „der Glau­be ein leben­di­ges Ver­hält­nis zu Gott“ sei.1 Gleich­wohl macht die­ses Gespräch emble­ma­tisch eine nihi­lis­mus­in­du­zier­te tek­to­ni­sche Ver­schie­bung des gesam­ten gei­sti­gen Gefü­ges sicht­bar. Sie arti­ku­liert sich in Sät­zen wie die­sen: „Natür­lich wäre es schön, mehr Mit­glie­der zu haben, aber das ist nicht unser erstes Anlie­gen. Die Auf­ga­be der Kir­che ist es, selbst­los für die Gesell­schaft da zu sein.“

Das ist eine grund­stür­zen­de Behaup­tung. Begin­nen wir mit dem ersten Satz. Denn „mehr Mit­glie­der zu haben“ heißt ja nichts ande­res als Men­schen, die bis­lang nicht an Jesus als den Chri­stus und die sakra­men­ta­le Gemein­schaft mit ihm im mysti­schen Lei­be Chri­sti, der die Kir­che ist, glau­ben, zu eben die­sem Glau­ben und damit zur Auf­nah­me in die über­na­tür­li­che Ver­bin­dung mit Chri­stus zu bekeh­ren. Hier im Sin­ne der Nach­ran­gig­keit bloß von „schön“ zu spre­chen, ist der Sache völ­lig wesens­wid­rig. Denn für das Evan­ge­li­um han­delt es sich gera­de bei die­ser Fra­ge um einen Vor­gang prio­ri­tä­rer Rele­vanz. Das Evan­ge­li­um for­mu­liert einen den Jün­gern Chri­sti nicht mehr zur Dis­po­si­ti­on ste­hen­den Bekeh­rungs- und Mis­si­ons­im­pe­ra­tiv, weil an die­ser Stel­le das Gelin­gen oder Schei­tern der mensch­li­chen Exi­stenz im gan­zen auf dem Spiel steht. Es ist die vor­züg­li­che hei­li­ge Pflicht der Kir­che, alle Men­schen zu Jün­gern Chri­sti machen zu wollen.

Der Mis­si­ons­be­fehl kann sich in sei­ner Unbe­dingt­heit nur wahr­heits­theo­re­tisch begrün­den. Und nur ein Glau­be, der uni­ver­sa­le Wahr­heits­an­sprü­che erhebt, setzt über­haupt Heils­ef­fek­te frei. Tat­säch­lich wird die Mis­si­on im Neu­en Testa­ment auch so begründet: 

„Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben. Nie­mand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14, 6).

Von daher muß man schluß­fol­gern: Die Miß­ach­tung des Mis­si­ons­be­fehls ist eine inne­re Kon­se­quenz der Miß­ach­tung des die­sem Impe­ra­tiv zugrun­de­lie­gen­den Wahr­heits­an­spru­ches, des­sen Miß­ach­tung durch die Miß­ach­tung des Mis­si­ons­be­feh­les zugleich untrüg­lich indi­ziert wird. Aus­drück­lich bekun­det Fei­ge, es gehe „nicht dar­um, Men­schen das Evan­ge­li­um über­zu­stül­pen“. Das ist eine ähn­li­che Rhe­to­rik wie Jor­ge Berg­o­gli­os kon­stan­te Pro­se­ly­tis­mus­schel­te. Leicht erkenn­bar ist das durch die alber­ne Kon­struk­ti­on eines Schein­geg­ners, die kaschie­ren soll, dass man den Mis­si­ons­ge­dan­ken und den ihn begrün­den­den Wahr­heits­an­spruch über­haupt auf­ge­ge­ben hat. Wie woll­ten Chri­sten denn im radi­kal säku­la­ri­sier­ten Deutsch­land irgend­wel­chen ungläu­bi­gen Men­schen das Evan­ge­li­um „über­stül­pen“? Indem sie ihnen mit dem Ein­marsch der Schwei­zer Gar­de drohen?

Es ist die mensch­li­che Natur sel­ber, die gegen den sich so huma­ni­tär insze­nie­ren­den Fei­ge Kla­ge führt. Denn der Mensch ver­mag sich nicht in sich selbst zu voll­enden. Er ist abhän­gi­ger als jedes son­sti­ge Lebe­we­sen, und gera­de die­se Abhän­gig­keit macht zugleich sei­ne spe­zi­fi­sche Grö­ße aus. Der Mensch ist näm­lich zur Selbst­voll­endung wesen­haft auf ein Ziel außer­halb sei­ner selbst hin­ge­ord­net. Die­ses Ziel nen­nen wir Gott. Bereits Augu­sti­nus spricht von der „Unru­he des Her­zens“, die sich nur in Gott beru­hi­gen kann. In scho­la­sti­scher Ter­mi­no­lo­gie heißt die­se Unru­he „desi­de­ri­um natu­ra­le in visio­nem bea­ti­fi­cam“. Zur spe­zi­fi­schen Abhän­gig­keit des Men­schen gehört es nun eben­falls, dass der Mensch die­ses ihn erst zu sich selbst brin­gen­de Ziel außer­halb sei­ner selbst nur dann erreicht, wenn es sich sel­ber gibt, und zwar frei und unge­schul­det gibt. Das nen­nen wir „Gna­de“. Da der Mensch nicht der Schöp­fer sei­ner selbst ist und sich nicht sel­ber gehört, besitzt er kein Anrecht auf die Gna­de und damit die rea­le Errei­chung sei­ner Wesenserfüllung.

Der Mensch benö­tigt also um sei­ner selbst wil­len Gott, und er benö­tigt Chri­stus, der die freie Selbst­ga­be Got­tes ist. Aber, und hier liegt im Kon­text der Erwä­gun­gen die­ses Essays die Poin­te, der Mensch benö­tigt Gott als den, der sei­ner­seits nicht durch sei­ne – unbe­zwei­fel­ba­re – Funk­ti­on, durch sei­nen Wert für den Men­schen defi­niert ist. Gott ist inso­fern „wert­los“, er genügt sich selbst, ist um sei­ner selbst will da. Des­we­gen besteht der eigent­li­che theo­lo­gi­sche Zweck der Erlö­sung der Welt in der Selbst­ver­herr­li­chung Got­tes, an wel­cher Selbst­ver­herr­li­chung der Mensch im Glau­ben und in der Gemein­schaft mit Chri­stus teil­nimmt, um gera­de so, sich über Got­tes Anbe­tung selig ver­ges­send, sei­ne Wesens­voll­endung zu fin­den. Selbst­lo­sig­keit und Selbst­sein sind, wie in Gott sel­ber, iden­tisch. Die Mis­si­on der Kir­che bezweckt also die Ver­mitt­lung Chri­sti, damit dadurch Gott, dem Vater, von der Krea­tur zu deren Heil um Got­tes selbst wil­len die Ehre gege­ben wird. Umge­kehrt heißt dies, dass die Ver­nach­läs­si­gung der Mis­si­on nichts ande­res als die bit­te­re Tat­sa­che bedeu­tet, den Men­schen die köst­lich­ste aller Gaben zu ver­wei­gern. Denn nur die Wahr­heit, die Chri­stus sel­ber als Per­son ist, schenkt uns die Frei­heit der Kin­der Got­tes und befreit uns damit von der Herr­schaft der Welt, mit­hin von der „Tyran­nei der Wer­te“ (Nico­lai Hartmann).

Es ist genau die­ser Zusam­men­hang, von dem bei Fei­ge nichts mehr vor­han­den ist. Das wird voll­ends dadurch deut­lich, dass Fei­ge im Fol­ge­satz „unser erstes Anlie­gen“ dadurch bestimmt, „selbst­los für die Gesell­schaft da zu sein“. Damit wird die Kir­che ihres über­na­tür­li­chen Heils- und Heils­ver­mitt­lungs­cha­rak­ters, der in der selbst­zweck­li­chen Ver­herr­li­chung Got­tes besteht, ent­klei­det und in eine welt­im­ma­nen­te sozio­lo­gi­sche Funk­ti­on trans­for­miert. Die Ent­wer­tung des vor­ma­li­gen Glau­bens und damit die Neu­be­stim­mung des Wesens der Kir­che geschieht um die­ser sozi­al­funk­tio­na­len Wert­set­zung wil­len. Es ist nicht über­trie­ben, die­se neue Wert­set­zung als die ideo­lo­gi­sche Grund­ach­se des ein­gangs genann­ten kirch­li­chen Estab­lish­ments zu bezeich­nen, das sich sel­ber als auf­ge­klärt und modern ver­steht und mitt­ler­wei­le Figu­ren wie Fei­ge, Bät­zing, Marx oder Koch als Bischö­fe her­vor­bringt, die die Gläu­bi­gen wie­der an die „ver­ge­hen­de Gestalt die­ser Welt“ (1 Kor 7, 31) versklaven.

Was es bedeu­tet, selbst­los für die Gesell­schaft da zu sein, macht Fei­ge sel­ber anschau­lich. Zum einen heißt das für ihn, „dia­ko­nisch Kir­che zu sein“. Nicht zuletzt erhal­ten damit die insti­tu­tio­nel­len Betrie­be der Cari­tas und der Dia­ko­nie das ekkle­sio­lo­gi­sche Gewicht eines „ersten Anlie­gens“. Fei­ge denkt aber in gro­ßen Bögen. Denn zum dia­ko­nisch-cari­ta­ti­ven Bereich gehört nach ihm auch die „kul­tu­rel­le Dia­ko­nie“: Die Kir­che „ist dann gefragt, wenn Men­schen For­men brau­chen – bei gro­ßen Kata­stro­phen genau wie im all­täg­li­chen Leben und über­all dort, wo sie auf der Suche sind. Das Ange­bot zur Lebens­wen­de neh­men im Bis­tum Mag­de­burg in man­chen Jah­ren an die 1000 Jugend­li­che an.“

Zum ande­ren bedeu­tet in Fei­ges Vor­stel­lung selbst­lo­ses Dasein für die Gesell­schaft poli­ti­sches Enga­ge­ment, und zwar gegen Rechts. Dem Kampf gegen die AfD hat sich Fei­ge mit Inbrunst ver­schrie­ben, und die­se Inbrunst tei­len etli­che sei­ner Kol­le­gen. Wie sehr der poli­ti­sche Anti-AfD-Kampf zum reli­giö­sen Selbst­ver­ständ­nis die­ser Leu­te gewor­den ist, erkennt man etwa dar­an, dass der Ber­li­ner Bischof Koch, der wei­land schon Gre­ta Thun­berg unmit­tel­bar mit Jesus Chri­stus selbst asso­zi­ier­te, bekann­te, den Ver­lust von kirch­lich akti­ven AfD-Katho­li­ken, die sich wegen des AfD-Bas­hings von der offi­zi­el­len Kir­che ver­ab­schie­den, in Kauf neh­men zu wol­len.2 Hier sieht man klar, dass sich die frag­li­chen Bischö­fe prio­ri­tär in die­sem poli­ti­schen Akti­vis­mus als Bischö­fe zu rea­li­sie­ren mei­nen. Die Mas­sen­de­mo­kra­tie als ledig­lich eines der mög­li­chen gesell­schaft­li­chen Selbst­or­ga­ni­sa­ti­ons­mo­del­le und damit der Ret­tungs­ak­ti­vis­mus die­ses spe­zi­fi­schen Modells ist für das libe­ra­le Kir­chen­estab­lish­ment zum arti­cu­lus stan­tis et caden­tis eccle­siae geworden.

War­um aller­dings Leu­te, die von die­sem Modell der­art reli­gi­ös begei­stert sind, zwar vie­le Wor­te über das angeb­li­che Demo­kra­tie­be­dro­hungs­po­ten­ti­al der AfD, aber kein ein­zi­ges Wort über die immer unver­fro­re­ne­ren Feld­zü­ge der alten Par­tei­en gegen die Grund­la­gen der libe­ra­len Demo­kra­tie und des Rechts­staa­tes wie Mei­nungs­frei­heit und Gewal­ten­tei­lung ver­lie­ren, ist ein eige­nes The­ma. Jetzt gilt es nur zu kon­sta­tie­ren, dass das Fei­ge-Milieu die Agen­da der Kir­che als Betrieb zur Befrie­di­gung von Bedürf­nis­sen wie denen nach ritu­el­len For­men oder huma­ni­tä­ren Enga­ge­ments begreift, die von außen, sei es durch die Poli­tik, die säku­la­re Kul­tur oder von Indi­vi­du­en, an sie her­an­ge­tra­gen wer­den. Die funk­tio­na­le Außen­per­spek­ti­ve wird hier naht­los zur Binnenperspektive.

Wenn man an den Gott Jesu Chri­sti glaubt, ist es logisch unmög­lich, sich zugleich im lei­ten­den Selbst­be­griff sozi­al­funk­tio­nal zu defi­nie­ren. Was heißt es dann, wenn das Estab­lish­ment noch immer von „Gott“ und „Chri­stus“ redet? Die­se Rede bedeu­tet nicht, dass ledig­lich neben einer anson­sten intak­ten Theo­lo­gie schi­zo­phre­ner­wei­se die sozi­al­funk­tio­na­li­sti­sche Per­spek­ti­ve auch noch eröff­net wür­de. Viel­mehr mani­fe­stiert sich der umfas­send zur Herr­schaft gelang­te Nihi­lis­mus dar­in, dass grund­le­gend die Got­tes­re­de sel­ber bereits in anthro­po­zen­tri­sche Wert­be­grif­fe trans­for­miert wor­den ist – ohne dass die­se Ope­ra­ti­on als Unglau­be iden­ti­fi­ziert wor­den wäre. Im Gegen­teil: Die­se Ope­ra­ti­on ist immer damit aus­ge­wie­sen wor­den, den Men­schen den Glau­ben näher­zu­brin­gen. Aber wenn Gott, wie das in allen libe­ra­len theo­lo­gi­schen Vor­stel­lun­gen auf irgend­ei­ne Wei­se der Fall ist, in sei­ner Gott­heit durch die Bedürf­nis­se des Men­schen defi­niert und als der­je­ni­ge bestimmt wird, des­sen Wesen dar­in besteht, für den Men­schen da zu sein, dann ist er sei­nes Eigen­seins und sei­ner Selbst­zweck­lich­keit beraubt. Gott ist hier in der Kate­go­rie eines „Wer­tes“ begrif­fen, und genau dar­in besteht der Kern des Nihi­lis­mus. Und von die­ser Grund­la­ge aus erscheint die radi­kal sozi­al­funk­tio­na­le Selbst­de­fi­ni­ti­on der Kir­che nur als ein kon­se­quen­ter Schritt. In die­se Defi­ni­ti­on läßt sich der längst brauch­bar gemach­te Gott her­vor­ra­gend ein­pas­sen, und zwar dadurch, dass sich mit ihm alle ohne­hin beab­sich­tig­ten Wert­set­zun­gen – wie bei­spiels­wei­se die lei­den­schaft­li­che Unter­stüt­zung der Merkel’schen Migra­ti­ons­po­li­tik – spi­ri­tu­ell über­hö­hen und schein­bar genu­in reli­gi­ös legi­ti­mie­ren las­sen. Es zählt zu den absto­ßend­sten Merk­ma­len der Fei­ge-Kir­che, dass sie den Namen Got­tes für die Beför­de­rung der „Tyran­nei der Wer­te“ benutzt, die zum Signum unse­res irra­tio­na­len Zeit­al­ters gewor­den ist.

Indes: Ist es dahin gekom­men, „sind die Göt­ter und der Gott ent­flo­hen“ (so Mar­tin Heid­eg­ger mit Bezug auf Fried­rich Höl­der­lin). Denn sie wei­gern sich, sich durch das Nadel­öhr der Wert­set­zun­gen der mensch­li­chen Sub­jek­ti­vi­tät fädeln zu las­sen. Sie bestehen auf ihrer onto­lo­gi­schen Auto­no­mie. Zugleich wen­det sich der Mensch sel­ber, sofern er sei­ner Natur nach auf die selbst­zweck­li­che Anbe­tung der Gott­heit ange­legt ist, ange­ödet von der Fei­ge-Kir­che ab. Bei­des wird vor­züg­lich im lit­ur­gi­schen Dis­kurs sicht­bar. Seit Jahr­zehn­ten wer­den sowohl die Bugnini’sche Lit­ur­gie­kon­struk­ti­on als auch die noch­ma­li­gen lit­ur­gi­schen Ad-hoc-Ände­run­gen mit öku­me­nisch-inter­re­li­giö­sen und „pasto­ra­len Erwä­gun­gen“ aus­ge­wie­sen. Die­ser Funk­tio­na­lis­mus hat aus der Mes­se eine bestän­dig wech­seln­de Insze­nie­rung gemacht, die stets ande­ren Wert­ge­sichts­punk­ten gehor­chen muß als der Ver­herr­li­chung Got­tes durch die kirch­li­che Ver­ge­gen­wär­ti­gung des Selbst­op­fers Chri­sti, das der gött­li­che Sohn dem Vater zu des­sen Ehre dar­ge­bracht hat. Es ist kaum über­trie­ben zu behaup­ten, dass die alles ent­schei­den­de Über­zeu­gung vom latreu­ti­schen Wesen des Opfers Chri­sti aus dem nach­kon­zi­lia­ren kirch­li­chen Bewußt­sein nahe­zu kom­plett ver­schwun­den ist. Mit die­sem Ver­schwin­den hängt nun die Tri­via­li­sie­rung des lit­ur­gi­schen Bewußt­seins unmit­tel­bar zusam­men, in dem sich alles um den neu­zeit­li­chen Men­schen dreht, der sich sel­ber zum Maß aller Din­ge ermäch­tigt hat und so auch die Lit­ur­gie nach sei­nen Zweck­set­zun­gen auf sich selbst hin kon­zi­piert. Die Lit­ur­gie hat den Cha­rak­ter der Epi­pha­nie des Hei­li­gen ver­lo­ren. Aber sofern in die­sen das Gött­li­che instru­men­ta­li­sie­ren­den Insze­nie­run­gen die Gott­heit nicht mehr von sich selbst her als sie selbst erschei­nen kann, wird sie dem Men­schen unwei­ger­lich langweilig.

Der ekkle­sia­le Selbst­be­griff in sozi­al­funk­tio­na­len Wert­ka­te­go­rien bedeu­tet, sich prin­zi­pi­ell als durch Äqui­va­len­te – etwa durch alter­na­ti­ve Riten­an­bie­ter oder huma­ni­tä­re Insti­tu­tio­nen – ersetz­bar zu ver­ste­hen. Des­we­gen ist die Sozio­lo­gie in der Fei­ge-Kir­che zur Leit­wis­sen­schaft gewor­den. Denn die­se Kir­che muß fort­wäh­rend unter der Anlei­tung sozio­lo­gi­scher Exper­ti­sen je neu auf­kei­men­de Bedürf­nis­la­gen auf­spü­ren, um dar­auf­hin von Pasto­ral­kon­zept zu Pasto­ral­kon­zept zu het­zen und neue, span­nen­de „Ange­bo­te“ zu kre­ieren. Im sozi­al­funk­tio­na­len Koor­di­na­ten­sy­stem kann sie ledig­lich kurz­fri­sti­ge Erleb­nis­an­ge­bo­te kon­stru­ie­ren, da die­se Ange­bo­te für die wan­kel­mü­ti­gen Kon­su­men­ten schnell wie­der ihre Wert­haf­tig­keit ver­lie­ren. Ohne­hin hal­ten die Kon­su­men­ten bereits bei klei­nen Irri­ta­tio­nen sofort nach taug­li­che­ren Alter­na­ti­ven Aus­schau. Vor die­sem Hin­ter­grund wird ver­steh­bar, dass die Fei­ge-Kir­che extrem ner­vös und – im ekla­tan­ten Wider­spruch zu ihrer Selbst­lo­sig­keits­rhe­to­rik – kei­nes­wegs eine die­nen­de Kir­che gewor­den ist. Im Unter­schied zur authen­ti­schen Kir­che Chri­sti, die in sich selbst ruht, kommt sie näm­lich auf­grund der Ver­schmel­zung von Außen- und Bin­nen­per­spek­ti­ve gar nicht umhin, sich bestän­dig mit sich selbst, mit der Ver­mitt­lung ihres in ihrem Selbst­be­griff pre­kär gewor­de­nen Daseins­rech­tes zu befas­sen. Sie hängt in ihrem Sein davon ab, wert­ge­schätzt zu wer­den, und so muß sie sich unent­wegt wert­voll machen.

Nietz­sche nennt den Nihi­lis­mus den „unheim­lich­sten aller Gäste“. Das ist er des­we­gen, weil er wie der Nebel laut­los und unbe­merkt durch win­zi­ge Öff­nun­gen lang­sam ein­dringt, um schließ­lich den gesam­ten Raum aus­zu­fül­len. Und auch die längst ein­ge­tre­te­ne ubi­qui­tä­re Herr­schaft des Nihi­lis­mus kann, so bekennt Nietz­sche eben­falls im Blick auf sich selbst, lan­ge unbe­merkt blei­ben. „Dass ich von Grund aus bis­her Nihi­list gewe­sen bin, das habe ich mir erst seit kur­zem ein­ge­stan­den …“ Nietz­sche Grö­ße besteht genau in die­sem Ein­ge­ständ­nis und der Bereit­schaft, in den Abgrund des Nihi­lis­mus zu blicken. Der „Tol­le Mensch“, also Nietz­sche, fragt sich ange­sichts des toten Got­tes: „Wohin bewe­gen wir uns? Stür­zen wir nicht fort­wäh­rend? Irren wir nicht wie durch ein unend­li­ches Nichts? Haucht uns nicht der lee­re Raum an? Ist es nicht käl­ter gewor­den? Kommt nicht immer­fort die Nacht und mehr Nacht?“ Und er ver­zwei­felt an jenen, die die Nach­richt vom Tode Got­tes und der Tat­sa­che, dass sie ihn sel­ber getö­tet haben, gleich­gül­tig läßt, weil sie nicht ermes­sen, was die­ses „größ­te neue­re Ereig­nis“ in Wahr­heit bedeu­tet und wel­che fürch­ter­li­chen Fol­gen es ent­fes­seln wird. Der „letz­te Mensch“, von dem Zara­thu­stra han­delt, ist viel­leicht die schlimm­ste Kon­se­quenz des Got­tes­to­des, und sie läßt sich mitt­ler­wei­le auch in der katho­li­schen Kir­che über­all besich­ti­gen. Des­halb ist es wahr, was einer der neu­ge­weih­ten Bischö­fe der FSSPX sag­te: Alles, was die moder­ni­sti­sche Kir­che anfasst, wird zur Wüste. Oder, um wie­der mit Nietz­sche zu spre­chen: Die Kir­che der Nihi­li­sten ist nichts ande­res als eine Grab­stät­te des ver­we­sen­den Gottes.

Ich den­ke, es gehört zur Wahr­haf­tig­keit hin­zu, anzu­mer­ken, dass das soge­nann­te „kon­ser­va­ti­ve“ oder „tra­di­tio­na­li­sti­sche“ Milieu vom „unheim­lich­sten aller Gäste“ eben­falls Besuch bekom­men hat. Ich fin­de es jeden­falls befremd­lich, dass bei­spiels­wei­se die von der Petrus­bru­der­schaft und den „Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten“ orga­ni­sier­te jähr­li­che Pfingst­wall­fahrt nach Char­tres mit immer grö­ße­rer Genug­tu­ung die wach­sen­de Teil­nah­me jun­ger Leu­te – Zehn­tau­sen­de! – der Öffent­lich­keit zur Kennt­nis gibt. Man fragt sich unwei­ger­lich, ob es den Ver­an­stal­tern bei der Wall­fahrt um eine poli­ti­sche Agen­da geht, die in Kate­go­rien des Erfol­ges ope­riert und die Wall­fahrt aus funk­tio­na­li­sti­schem Kal­kül um deren Attrak­ti­vi­tät wil­len als erleb­nis­haf­tes Super­e­vent kon­stru­iert, oder um einen selbst­lo­sen Akt der Ver­herr­li­chung Got­tes, für wel­chen Akt die Anzahl und das Alter der Teil­neh­mer kei­ner­lei Rol­le spie­len. Der hei­li­ge Phil­ipp Neri hat für sei­ne Pro­jek­te trotz des noto­ri­schen Geld­be­darfs stets sol­che Spen­den zurück­ge­wie­sen, die nicht „um Chri­sti wil­len“ gege­ben wur­den. Der Nihi­lis­mus des Wert­den­kens kann sich ganz unbe­merkt ein­schlei­chen und jedes schein­bar gott­wohl­ge­fäl­li­ge Pro­jekt hin­ter­rücks des­avou­ie­ren. Es ist hilf­reich, sich des berühm­ten Sat­zes Mar­tin Bubers zu erin­nern: „Der Erfolg ist kei­ner der Namen Gottes.“

Respekt könn­ten die vie­len Fei­ges, die es im gegen­wär­ti­gen Kle­rus gibt, erst dann wie­der erwar­ten, wenn sie eben­falls ihren eige­nen Nihi­lis­mus und ihre pseu­do­re­li­giö­sen Kon­struk­tio­nen als ver­schlei­er­ten Unglau­ben iden­ti­fi­zie­ren wür­den, um sich dar­auf­hin zu bekeh­ren oder den Prie­ster­rock an den Nagel zu hän­gen. Auch Letzt­ge­nann­tes ist respek­ta­bel, wenn es die Bereit­schaft bedeu­tet, die Käl­te jenes „lee­ren Raums“ aus­zu­hal­ten, aus dem der Chri­stus ent­flo­hen ist. Dann lie­ßen die Nihi­li­sten auch die Kir­che wie­der die Kir­che Chri­sti sein. Das ist frei­lich nicht zu erwar­ten. Den­noch besteht Grund zur Hoff­nung. Der ver­we­sen­de Gott ist näm­lich der anthro­po­zen­tri­sche Gott der moder­ni­sti­schen Kir­che. Er war von Anfang an eine Tot­ge­burt. Mit ihm, das sehen wir bereits, zer­fällt auch sei­ne Grab­stät­te. Das mag bereits ein Vor­schein der Gna­de sein. Denn erst dann, wenn die­se Grab­stät­te zer­fal­len ist, wird sich das Hei­li­ge wie­der gewäh­ren kön­nen. Mög­li­cher­wei­se wird es über der Rui­ne der Fei­ge-Kir­che den Raum sei­ner Epi­pha­nie wie­der aufspannen.

*Vigi­li­us ist ein deut­scher Phi­lo­soph und Blog­ger auf www​.ein​sprue​che​.sub​stack​.com, wo die­se Ana­ly­se auch erst­ver­öf­fent­licht wurde.

Bild: Ein­sprü­che


1 https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2026/9–2026/jede-zeit-kann-bewaehrungszeit-und-heilszeit-sein-ein-gespraech-mit-magdeburgs-dioezesanbischof-gerhard-feige/

2 https://​de​.catho​lic​news​a​gen​cy​.com/​n​e​w​s​/​2​5​6​7​9​/​e​r​z​b​i​s​c​h​o​f​-​k​o​c​h​-​z​u​-​v​e​r​l​u​s​t​-​v​o​n​-​a​f​d​-​w​a​h​l​e​r​n​-​i​n​-​g​e​m​e​i​n​d​e​n​-​w​i​r​-​m​u​s​s​e​n​-​d​i​e​s​e​s​-​r​i​s​i​k​o​-​e​i​n​g​e​hen

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