Das Geheimabkommen festigt Pekings Kontrolle über die Kirche

Weitere Bischofsernennungen in China

Neue regimetreue Bischöfe für China – von Leo XIV. anerkannt
Neue regimetreue Bischöfe für China – von Leo XIV. anerkannt

Mit der Wei­he von Msgr. Duan Yongkun zum Bischof-Koad­ju­tor von Bameng am gest­ri­gen 29. Juli 2026 ist inner­halb weni­ger Tage bereits die zwei­te Bischofs­er­nen­nung in der Inne­ren Mon­go­lei im Rah­men des Geheim­ab­kom­mens zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Volks­re­pu­blik Chi­na voll­zo­gen worden. 

Zuvor war am 22. Juli Msgr. Chang Yan­feng zum Bischof von Chi­feng geweiht wor­den. Bei­de Ernen­nun­gen fol­gen dem­sel­ben Muster, das seit Inkraft­tre­ten des pro­vi­so­ri­schen Abkom­mens zwi­schen Rom und Peking vom Sep­tem­ber 2018 zu beob­ach­ten ist: Die chi­ne­si­schen Behör­den prä­sen­tie­ren die Ent­schei­dun­gen als Ergeb­nis ihres eige­nen staat­li­chen Ver­fah­rens, wäh­rend der Vati­kan sie nach­träg­lich als vom Papst gebil­lig­te Ernen­nun­gen darstellt.

Beson­ders auf­schluß­reich ist der Fall von Bischof Duan Yongkun. Die staat­lich kon­trol­lier­te Chi­ne­si­sche Katho­lisch-Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung, offi­zi­ell bis heu­te eine schis­ma­ti­sche Par­al­lel­kir­che, die vom kom­mu­ni­sti­schen Regime 1957 unter Par­tei­kon­trol­le gegrün­det wur­de, um die Kir­che von Rom „unab­hän­gig“ zu machen, ver­mel­de­te sei­ne Ernen­nung ledig­lich als „Weih­bi­schof“ von Bameng und erwähn­te weder den Papst noch den Hei­li­gen Stuhl. So geschah es seit 2018 bei allen Bischofs­er­nen­un­gen, die auf der Grund­la­ge des Geheim­ab­kom­mens zustan­de­ka­men. Nach außen exi­stiert der Hei­li­ge Stuhl für die chi­ne­si­schen Behör­den nicht. Die Ernen­nun­gen wer­den als ein­sei­ti­ger chi­ne­si­scher Akt präsentiert.

Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt bezeich­ne­te Duan Yongkun hin­ge­gen aus­drück­lich als Bischof-Koad­ju­tor mit Nach­fol­ge­recht. Die­se unter­schied­li­che Dar­stel­lung ist kei­nes­wegs eine blo­ße ter­mi­no­lo­gi­sche Fein­heit. Sie ver­deut­licht viel­mehr, daß bei­de Sei­ten offen­bar unter­schied­li­che Nar­ra­ti­ve bedie­nen und selbst grund­le­gen­de kir­chen­recht­li­che Fra­gen nicht ein­heit­lich kom­mu­ni­zie­ren. Die rea­le Ent­schei­dungs­ge­walt liegt dabei aller­dings ein­deu­tig beim kom­mu­ni­sti­schen Regime in Peking, dem die­se vom Hei­li­gen Stuhl und Papst Fran­zis­kus zuge­stan­den wurde.

Asia­News weist zudem auf wei­te­re Unstim­mig­kei­ten hin. So nennt der Vati­kan zu Duans Her­kunft die Inne­re Mon­go­lei, wäh­rend die chi­ne­si­schen Behör­den aus­drück­lich sei­ne fami­liä­ren Wur­zeln in der Pro­vinz Hebei her­vor­he­ben. Ange­sichts der eth­ni­schen Span­nun­gen in der Inne­ren Mon­go­lei ist selbst die­se schein­bar neben­säch­li­che Anga­be poli­tisch bedeutsam.

Die Inne­re Mon­go­lei wird zu etwa 18 Pro­zent von Mon­go­len bewohnt, doch die Mehr­heits­be­völ­ke­rung von fast 80 Pro­zent stel­len Han-Chinesen. 

Wäh­rend der Kai­ser­zeit wur­de die Ein­wan­de­rung von Han-Chi­ne­sen in die Inne­re Mon­go­lei nach Mög­lich­keit unter­bun­den. Nach dem Sturz der Qing-Dyna­stie und der Aus­ru­fung der Repu­blik Anfang 1912 beschleu­nig­te sich die Besied­lung erheb­lich, geför­dert von der Regie­rung in Peking, sodaß Han-Chi­ne­sen in den süd­li­chen Gebie­ten zur Mehr­heit wurden.

Den größ­ten demo­gra­phi­schen Wan­del brach­te jedoch die Zeit nach der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me 1949. Die Ansied­lung von Mil­lio­nen Han-Chi­ne­sen wur­de vom neu­en Regime geför­dert durch dden Auf­bau von Indu­strie- und Berg­bau­zen­tren und der Grün­dung neu­er Städ­te. Die Mon­go­len wur­den zur klei­nen Minderheit.

Bemer­kens­wert ist auch die kirch­li­che Situa­ti­on in Bameng. Die Diö­ze­se ent­stand 1989 durch eine von der staat­li­chen „offi­zi­el­len Kir­che“ vor­ge­nom­me­ne Neu­ord­nung und wur­de ohne päpst­li­che Zustim­mung errich­tet. Ihr erster Bischof emp­fing 1990 die Bischofs­wei­he ohne Man­dat aus Rom. Nach des­sen Tod wur­de 2004 heim­lich der rom­treue Prie­ster Du Jiang zum Bischof geweiht, der die Unter­grund­kir­che anführ­te. Erst 2010 erkann­te ihn die volks­chi­ne­si­sche Regie­rung offi­zi­ell an – aller­dings nur im Rah­men einer staat­lich insze­nier­ten Amts­ein­füh­rung, an der auch damals exkom­mu­ni­zier­te regime­freund­li­che Bischö­fe teil­neh­men muß­ten, um den Vor­rang des Staa­tes zu demon­strie­ren. Die­se Vor­gän­ge hat­ten unter den Ange­hö­ri­gen der Unter­grund­kir­che erheb­li­ches Befrem­den ausgelöst.

Die Ernen­nung Duan Yongkuns erfolgt nun offi­zi­ell auf Wunsch des gesund­heit­lich ange­schla­ge­nen Bischofs Du Jiang. Der zen­tra­le Ein­druck ist ein­deu­tig, dass letzt­lich näm­lich die poli­ti­schen Vor­ga­ben Pekings den ent­schei­den­den Rah­men set­zen. Bereits die Wei­he selbst wur­de von Bischof Meng Qin­g­lu gelei­tet, einem stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den der von Rom nicht aner­kann­ten Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung. Wei­te­re Kon­se­kra­to­ren gehö­ren eben­falls den staat­lich kon­trol­lier­ten kirch­li­chen Orga­nen an, deren Bischofs­kon­fe­renz bis heu­te vom Hei­li­gen Stuhl nicht als legi­ti­me Bischofs­kon­fe­renz aner­kannt wird.

Die Ernennung des neuen Bischofs von Chifeng

Noch deut­li­cher tre­ten die poli­ti­schen Dimen­sio­nen beim weni­ge Tage zuvor geweih­ten Bischof von Chi­feng her­vor. Chang Yan­feng war bereits Lei­ter der ört­li­chen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung und wur­de ent­spre­chend den von der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas vor­ge­ge­be­nen Mecha­nis­men der „Selbst­ver­wal­tung“ am 20. März 2026 zum Bischofs­kan­di­da­ten gewählt. Erst danach bestä­tig­te Papst Leo XIV. sei­ne Ernen­nung im Rah­men des Geheimabkommens.

Beson­ders pro­ble­ma­tisch erscheint dabei Changs öffent­li­ches Ver­hal­ten unmit­tel­bar vor sei­ner Bischofs­wei­he. Ende Juni lei­te­te er eine Sit­zung kirch­li­cher Funk­tio­nä­re, in der aus­drück­lich das neue Gesetz zur För­de­rung der natio­na­len Ein­heit und des „Fort­schritts der chi­ne­si­schen Nati­on“ begrüßt wur­de. Die­ses Gesetz bil­det einen zen­tra­len Bestand­teil der staat­li­chen Sini­sie­rungs­po­li­tik und rich­tet sich ins­be­son­de­re gegen die kul­tu­rel­le und sprach­li­che Eigen­stän­dig­keit eth­ni­scher Min­der­hei­ten wie der Mongolen.

Nach Anga­ben der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung ver­pflich­te­ten sich die kirch­li­chen Ver­tre­ter, das Gesetz „bewußt zu respek­tie­ren, zu stu­die­ren, ein­zu­hal­ten und anzu­wen­den“ sowie die staat­li­chen Prin­zi­pi­en voll­stän­dig in den kirch­li­chen All­tag und die Evan­ge­li­sie­rung zu inte­grie­ren. Die katho­li­sche Gemein­de von Chi­feng sag­te zu, ihre pasto­ra­le Arbeit aktiv an die Anfor­de­run­gen der Reli­gi­ons- und Natio­na­li­tä­ten­po­li­tik der „neu­en Ära“ anzu­pas­sen und die staat­li­che Ein­heits­er­zie­hung zu fördern.

Gera­de in der Inne­ren Mon­go­lei besit­zen sol­che Erklä­run­gen beson­de­res Gewicht wegen der seit Jahr­zehn­ten anhal­te­nen, geziel­ten demo­gra­phi­sche Umge­stal­tung durch die Ansied­lung von Han-Chi­ne­sen. Mon­go­len stel­len inzwi­schen weni­ger als ein Fünf­tel der Ein­woh­ner und ihre Spra­che und Kul­tur wird zuneh­mend aus dem öffent­li­chen Leben ver­drängt. Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint die kirch­li­che Unter­stüt­zung staat­li­cher Sini­sie­rungs­po­li­tik weit mehr als eine blo­ße Loyalitätsbekundung.

Bei­de Bischö­fe sind han-chi­ne­si­scher Abstam­mung. Ein mon­go­li­scher Bezug wird von staat­li­chen Stel­len nicht erwähnt.

Die bei­den jüng­sten Bischofs­er­nen­nun­gen zei­gen damit erneut die Grund­pro­ble­ma­tik des Geheim­ab­kom­mens zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Volks­re­pu­blik Chi­na. Zwar ver­weist der Vati­kan dar­auf, daß der Papst die Kan­di­da­ten jeweils bestä­tigt habe. In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung domi­nie­ren jedoch die staat­li­chen Ver­fah­ren, die Rol­le der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung und die poli­ti­sche Kon­trol­le der Kir­che durch das staat­li­che Regime der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas. Die wie­der­keh­ren­den Unter­schie­de zwi­schen den offi­zi­el­len Mit­tei­lun­gen aus Peking und aus Rom unter­strei­chen zusätz­lich, wie wenig trans­pa­rent die­ses Abkom­men tat­säch­lich ist.

Anstatt die Frei­heit der Kir­che in Chi­na sicht­bar zu stär­ken, ver­fe­stigt das Abkom­men den Ein­druck, daß der Hei­li­ge Stuhl die von der kom­mu­ni­sti­schen Füh­rung vor­ge­ge­be­nen Struk­tu­ren zuneh­mend akzep­tiert und nach­träg­lich legi­ti­miert. Die jüng­sten Ernen­nun­gen in Chi­feng und Bameng lie­fern dafür ein wei­te­res ein­drucks­vol­les Beispiel.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­News

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