Ein Kommentar von Don Michael Gurtner*
Wer die Debatten, und besonders die verschiedenen Argumentationsfiguren in den verschiedenen Feldern wie Politik, Rechtsfindung und Kirche aufmerksam verfolgt und sich darin hineindenkt, wird mit Sicherheit sehr schnell feststellen müssen, daß es auf allen Seiten, und leider auch bei jenen, welche an sich die rechte Sache vertreten, vielfach einen schwerwiegenden Mangel in der Denkweise gibt, welche teils zu einer irrigen Schlußfolgerung führen, teils aber auch an sich im Endergebnis richtige Schlußfolgerungen unhinlänglich stützen und damit ihres Gewichtes und ihrer eigentlichen Begründung berauben.
Gemeint ist eine auffällige Abwesenheit des Wahrheitsargumentes. Dieses Argument geht davon aus, daß es unveränderliche Tatsachen gibt, welche unverfügbar und unveränderlich sind und welche außerhalb des Menschen oder der Menschheit als Gesamt gelegen sind, aber dennoch das Gefüge der Dinge bestimmen, auch das menschliche.
„Wahrheit“ unterscheidet sich hinsichtlich zweier Aspekte: die logische Wahrheit (veritas logica oder veritas intellectus) und die ontologische Wahrheit (veritas ontologica oder veritas rei), wobei die ontologische Wahrheit der logischen Wahrheit vorausgehend ist und nämlich erst bestimmt.
Die veritas ontologica ist die Wahrheit der Sache selbst, die Seinswahrheit. Sie besagt, daß alles Seiende deshalb in sich selbst wahr ist, da es von Gott als dem Schöpfer und Erhalter aller Dinge erschaffen, also ins Dasein gehoben wurde, und durch seinen fortdauernden Willen in diesem Dasein auch weiterhin erhalten wird. Das Wahrsein einer Sache ergibt sich aus der Teilhabe an einer ihr übergeordneten Wahrheit, die im Gegensatz zu den Dingen selbst nicht mehr Teilhabe ist, sondern reine Wahrheit aus sich selbst heraus. Die „reine, absolute Wahrheit“ ist Gott selbst: Gott ist nicht wahr, sondern Gott ist die Wahrheit selbst – Deus ipse veritas est.
Somit ist Gott die quellenlose Quelle aller Dinge, die wahr sind. Er ist nicht wahr, weil es eine außerhalb Gottes gelegene abstrakte Wahrheit gäbe, an welcher er partizipiert, sondern er ist insofern selbst die Wahrheit, als er selbst das Sein ist: Gott hat nicht Sein, er ist Sein. Ipsum esse subsistens.
Sein und Wahrheit fallen in Gott zusammen. Er ist nicht, weil er wahr ist, sondern Gott ist Wahrheit, weil er das Sein selbst ist. Er ist somit die prima veritas, welche alles andere Sein bestimmt und allem anderen das Sein erst gibt.
Alle Dinge, d. h. alles außer Gott, sind uneinheitlich, d. h. in einer gewissen Weise „zusammengesetzt“. Beispielsweise sind das Sein einer Sache (esse) und das Wesen derselben Sache (essentia) unterschieden. So ist etwa ein Mensch prinzipiell kontingent: Er kann existieren, könnte aber auch nicht existieren. Weder bestimmt seine Existenz das Wesen des Menschseins als solches, noch bestimmt das Wesen seine Existenz. Sein und Wesen hängen zwar zusammen, sind aber voneinander unterschieden.
Nicht so in Gott: In ihm fallen Sein, Wesen und Wahrheit zusammen, was durch den Grundsatz Deus omnino simplex est ausgedrückt wird. Daß Gott „einfach“ ist, bedeutet nicht, er sei „unkompliziert“, sondern daß in ihm alles eins ist, was in den geschaffenen Dingen getrennt bzw. zusammengesetzt vorliegt. Er ist das subsistierende Sein selbst, das identisch ist mit der Wahrheit und seinem Wesen. Daß Gott die Wahrheit selbst ist, ist somit keine fromme Zuschreibung an Gott, sondern eine notwendige metaphysische Konsequenz aus der philosophischen Lehre vom Sein.
Sein, Wesen und Wahrheit aller Dinge bestimmen sich folglich aus deren Korrespondenz und Partizipation an Sein, Wesen und Wahrheit Gottes – und damit an Gott selbst, da in ihm alles eins ist. Die Dinge haben Sein, Wesen und Wahrheit, während Gott Sein, Wesen und Wahrheit ist.
Es gilt daher: veritas rei est adaequatio eius ad intellectum divinum: Die Wahrheit eines Seienden resultiert allein daraus, daß es dem göttlichen Verstand entsprechend ist, welcher es aus seiner ewigen Schöpferidee hervorgehen läßt und diese erkennt.
Das eben über die veritas ontologica Dargelegte ist nun die Grundlage für den zweiten Aspekt der Wahrheit, nämlich die veritas logica, die Verstandeswahrheit. Es ist jene Wahrheit, welche sich im menschlichen Intellekt vollzieht, indem dieser Urteile fällt, welche der veritas ontologica, d. h. Seinswahrheit, entsprechend sind. Hinsichtlich der Wahrheitsurteile gilt: veritas est adaequatio intellectus et rei. Die Wahrheit einer Aussage ist genau dann gegeben, wenn in der Aussage der Verstand und die Sache übereinstimmen, d. h. wenn der Verstand die Sache so erkannt hat, wie sie tatsächlich gemäß deren Sein, Wahrheit und Wesen ist. Dies bezieht der Verstand aber alleinig von Gott, weshalb es ohne Gott keine Wahrheit geben kann. Deshalb ist das Wahre das (und nur das), was ist; dies mag zwar zunächst banal klingen, hat jedoch weittragende Implikationen: Der Irrtum kann zwar eine Realität setzen, aber er selbst hat kein eigenes Sein. Ein Irrtum, d. h. eine falsche Aussage, beschreibt keine Wahrheit und kann eine solche erst recht nicht schaffen, sondern ist der Ausdruck eines Mangels an Kongruenz von Seinswahrheit und Aussagenwahrheit. Außerdem impliziert dieser Satz, daß, da alle Wahrheit von Gott kommt, die gesamte Logik mitsamt all ihren praktischen wie theoretischen Konsequenzen und Schlußfolgerungen nicht auf menschlichen Konventionen basieren kann, sondern die Struktur des göttlichen Verstandes abbildet: Sie ist keine menschlich konstruierte Methode, die erfunden wurde und sich bewährt hat, sondern sie ist das Entdecken der göttlichen Seins- und Schöpfungsordnung.
Wenn also das Wahre (nur und all) das ist, was ist, Gott selbst aber das höchste Sein ist, dann folgt daraus, daß Gott die einzige Wahrheit ist, und diese einzige Wahrheit absolut ist. Mit anderen Worten: Wahrheit ist alternativlos.
Aus genau diesem Grund kann es die Haltung religiöser Neutralität, so wie sie vom Liberalismus, der Aufklärung, der Freimaurerei sowie dem Laizismus gefordert wird, per se und prinzipiell nicht geben bzw. kann nämlich nicht funktionieren, wo dennoch der Versuch unternommen wird, sie staatlich oder gesellschaftlich zu implementieren. Denn diese dritte Option zu wählen oder zu handeln, die als möglich suggeriert wird, nämlich jene der neutralen Haltung, ist in Wirklichkeit eine Scheinoption, da sie ein bivalentes Logikproblem für ein trivalentes ausgibt.
Denn Gott kann nur sein oder nicht sein, es gibt keine Zwischenlösung. Die Frage nach der Existenz Gottes, und damit auch nach dem Wahren, kann auch nur positiv oder negativ beantwortet werden: Eine Enthaltung ist in Wirklichkeit eine klar negative Antwort, die sich nur hinter dem Schein der Neutralität versteckt, denn sie ist keine Entscheidung für Gott bzw. für die Wahrheit.
Ein Beispiel macht die Bivalenz vielleicht etwas deutlicher: Wenn ich einen Unfall beobachte, kann ich mich nur entscheiden zu helfen oder nicht zu helfen. Die dritte Option, nämlich mich neutral zu verhalten und mich weder zum Helfen noch zum Nicht-Helfen zu entscheiden, kommt der Entscheidung zum Nicht-Helfen gleich: Die Option der Neutralität ist letztlich eine Illusion.
Nicht anders beispielsweise die Entscheidung, sein Kind im katholischen Glauben zu erziehen oder nicht: Eine Enthaltung und Vertagung der Entscheidung, „damit es einmal selbst darüber entscheiden kann“, ist gleichbedeutend mit der Entscheidung dagegen, denn somit erziehe ich es ja eben gerade nicht im katholischen Glauben.
Dasselbe Prinzip ist auf sämtliche private, gesellschaftliche und politische Bereiche anzuwenden, wo im Namen der religiösen Neutralität oder der Toleranz ohne Gott operiert wird: Stets kommt es einer Entscheidung gegen Gott gleich, und damit einem Verzicht auf die Wahrheit. Doch der Platz, der dort frei wird, wo Gott aus dem Denken entfernt wird, wird unweigerlich mit etwas anderem besetzt werden, das diese Lücke füllt. Doch womit? Jedenfalls nicht mit dem Wahren, dem Guten und dem Schönen.
Ein Staat, der sich religiös neutral verhält und sich der Frage zu entziehen sucht, ob es denn einen Gott gäbe und, wenn ja, wer dieser sei, entscheidet sich dadurch bereits dagegen, Gott und damit die Wahrheit zur Basis seiner Entscheidungen zu machen. Der Versuch, die Gottes- und damit auch die Wahrheitsfrage aus dem öffentlichen Bereich auszuklammern und als reine Privatmeinung sozusagen in die Herzkammern zu verbannen, um stattdessen eine rein weltliche „Neutralität“ zu etablieren, war gewiß einer der folgenschwersten Irrtümer der Moderne.
Noch bedenklicher ist es, daß genau diese religiöse Neutralität, welche nichts anderes ist als ein religiöser Indifferentismus, mittlerweile längst auch innerhalb der Kirche selbst etabliert ist und sogar gefordert wird. Die Diplomatie des Heiligen Stuhles selbst hat in mehreren Fällen in einst katholischen Staaten aktiv interveniert, daß die katholische Religion als Staatsreligion abgeschafft werde und sich die Staaten zu religiöser Neutralität verpflichten.
Damit geht in einer Linie einher, daß auch das Wahrheitsargument aus der politischen und theologischen Debatte vollkommen verschwunden ist: Wurden einst Dinge gefordert, weil sie zu Recht oder zu Unrecht für wahr und Gottes heiligem Willen entsprechend gehalten wurden, so ist dieses Argument heute völlig aus dem Blick der großen Redeführer geraten.
Dies ist ein deutliches Anzeichen für eine voranschreitende Säkularisierung der Kirche selbst, der ihr Glaube abhandengekommen ist: Sogar der Klerus besteht mittlerweile zu einem nicht unerheblichen Teil aus Personen, die selbst nicht mehr gläubig sind, und wenn sie an etwas glauben, so doch meistens nicht mehr den katholischen Glauben teilen.
Eine Kirche aber, die selbst nicht mehr glaubt, was sie predigt oder zumindest zu predigen hätte, wird nicht überleben. Wenn der Kirche der Glaube abhandenkommt, setzt sie dies in ihre Liturgie um, und eine glaubensentleerte Liturgie wird niemanden mehr zum Glauben führen. Doch wenn der Kirche Glaube und Kult wegbrechen, so bleibt ihr nur noch die Moral, die freilich ebenso glaubensleer wird, und somit mutiert sie zum Moralismus als dem letzten, was noch übrigbleibt und was schließlich auch noch die letzten abstoßen und hinaustreiben wird.
Allein die Wahrheit selbst, d. h. allein der Herrgott selbst vermag es, die Kirche zu beleben und zu beseelen. Und alles, was nicht von ihm belebt ist, wird versterben. An der Frage nach dem Wahren kommt letztlich keiner vorbei.
*Mag. Don Michael Gurtner ist ein aus Österreich stammender Diözesanpriester, der in der Zeit des öffentlichen Meßverbots in der Corona-Zeit diesem widerstanden und sich dadurch große Verdienste um das Seelenheil erworben hat. Er ist Autor mehrerer theologischer Bücher. Auf Katholisches.info veröffentlichte er 2023/24 die Reihe „Zur Lage der Kirche“, die auch in Buchform erschienen ist. Derzeit veröffentlicht Katholisches.info seine Publikation „Allein den Betern“.
Bild: Wikicommons
Dank Ihnen, Don Michael Gurtner, für Ihre Worte. Es tut sehr gut, Worte der Wahrheit zu lesen.
‚Allein die Wahrheit selbst vermag die Kirche zu beleben.‘ :
Ja, auch ich vermute, daß es Dinge gibt, die ER sich selbst vorbehält.
Um deutlich zu machen, daß ER es ist, der wirkt.
Und: ER muß den Geschöpfen (Menschen) ihre Grenzen aufzeigen.
Ein: … ‚Bis hierher sollst du gehen, und nicht weiter‘.
Sie sagen: ‘ … was durch den Grundsatz Deus omnino simplex est ausgedrückt wird. Daß Gott „einfach“ ist, …‘:
Zu simplex möchte ich etwas sagen.
Simplex. In der Vulgata fand ich die Lichtreden Jesu, …
Es scheint mir ein sehr wichtiges geistiges Kernstück im Christlichen zu sein.
Ich bringe die Stelle aus der Heiligen Schrift Vulgata/Deutsch von Allioli (ca. 1840 herum)
Lucerna corporis tui, est oculus tuus.
Si oculus tuus fuerit simplex, totum corpus tuum lucidum erit:
si autem nequam fuerit, etiam corpus tuum tenebrosum erit.
Vide ergo ne lumen, quit in de est, tenebrae sint.
Si ergo corpus tuum totum lucidum fuerit, non habens aliquam partem tenebrarum,
erit lucidum totum, et sicut lucerna fulgoris illuminabit te.
Das Licht deines Leibes ist dein Auge.
Wenn dein Auge einfältig (1) ist, so wird dein ganzer Leib erleuchtet sein.
Wenn es aber schalkhaft (2) ist, wo wird auch dein Leib finster sein.
Sieh also zu, daß das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis sei.
Wenn daher dein Leib ganz erleuchtet ist, und nichts Finsteres an sich hat,
so wird das Ganze erleuchtet sein und dich erhellen, wie das Leuchten des Blitzes.
Lukas 11, 34–36, Text bei Allioli
Fußnoten von Allioli sagen dazu:
Von dem Licht, das Christus ist, wird nun auf das Licht übergegangen, das jeder in sich empfangen und nähren soll. – Durch das einfältige Auge.
s.a. Matth. 6, 22–23, Note 26 :
wie das einfach und klar sehende Auge den ganzen Körper immer in der richtigen Richtung erhält, ein doppelsichtiges oder krankes seine Wege verfinstert und ihn fallen macht, so gibt ein reines, nur auf Gott gerichtetes Herz allen Gedanken, Wünschen und Handlungen die rechte Richtung, während ein vielfältiges, auf das Allerleigut der Welt gerichtetes, für Gott erblindetes Herz alle Gedanken, Wünsche und Handlungen verderbt und sündhaft macht (Aug. Greg.) Wie groß muß diese Finsternis sein !
Die geistige Bedeutung ist nach meinem Erkennen:
Wenn du simplex bist, d.h. im SEIN stehst, in der Einheit in Gott (d.i. geistig ständig auf Gott blickst, wie die Engel), dann wirst du, dann wird deine Seele, dein Geist, genährt und erleuchtet von Gott. Darin erhältst du – wie die Engel – zugleich den Willen Gottes, im Ausführen des Willens Gottes wirst du selig sein, wie auch die Engel.
Aber: Wenn du dich, deine Seele und deinen Geist ausrichtest auf die Finsternis der vergänglichen, nutzlosen Dinge, dann wird die Finsternis auch in dir selbst sein. (Du empfängst den Willen Gottes nicht, sondern du nährst dich, Seele und Geist mit Dingen der Finsternis, was i.A. Lüge, ungut, nutzlos, wertlos ist. Und – über die Zeit auch krank macht. Denn das Licht und das Leben Gottes ist nicht darin.
Sieh also zu, daß du dein geistiges Auge auf das Licht Gottes (auf Gott, Christus, den reinsten Heiligen Geist) gerichtet hältst. Und daß du nichts Finsteres (nutzlose Welt-Dinge) in deine Seele aufnimmst. In dieser Lebensweise kann dein Leib (geistig) ganz erleuchtet sein und dein Geist völlig Licht sein.
Anmerkung:
Die Ikonen und Heiligenbilder zeigen die Gloriole, den Heiligenschein. Das ist es, was das geistige Auge sehen kann an einem Menschen, der sich so dem Licht Gottes zuwendet, über eine gewisse Zeit. Diese Menschen beginnen tatsächlich auch geistig zu leuchten, insbesondere mit zunehmendem Alter.
Das ist es, was dann wahrhaft als Würde bezeichnet werden kann, denn Würde und die Ausstrahlung des Geistes Gottes im Menschen (oder Engel.) kommen i.A. gemeinsam.
Die obige Bedeutung von simplex, der Einheit, der Einfalt, findet sich auch z.B. in der ‚Nachfolge Christi‘ von Thomas von Kempis. (Z.B. im 3. Kapitel, ‚Von der Lehre der Wahrheit‘; aber auch an anderen Stellen, im gesamten Text.)
Diese Lichtrede Jesu ist nach meiner Einschätzung eine der geistig wichtigsten Weisungen Christi, um in der Wahrheit Gottes zu leben.
Dabei sind Wahrheiten Gottes auch bei Anderen zu finden. Buddha z.B. sagte:
„Das Schiff soll im Wasser sein, das Wasser aber nicht im Schiff.
Die Seele soll in der Welt sein, aber die Welt nicht in der Seele.“
Die Einheitsübersetzung im Vergleich zu Vulgata/Allioli:
Es ist bezeichnend (vielleicht kein ungewollter Zufall?), daß eben diese – für das geistliche Leben so wichtige Stelle – in der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift in eine Entstellung, ja in eine ent-geistete und innerweltliche Unkenntlichkeit gebracht wird:
Das Licht deines Leibes ist dein Auge.
Wenn dein Auge gesund ist, wird dein ganzer Leib licht sein.
Wenn es aber krank ist, wird auch dein Leib finster sein.
Sieh also zu, daß das Licht in dir nicht etwa Finsternis ist.
Wenn nun dein ganzer Leib ganz licht ist
und gar keinen finsteren Teil an sich hat,wird er so erleuchtet sein,
wie wenn dich das Licht mit seine Glanz erhellt.
Lukas 11, 34–36, Herder Einheitsübersetzung 1965, 2006
Die Seele sträubt sich gegen die Entstellung der Wahrheit:
Dieser Deutungs-Versatz in der Lichtrede Jesu, beschäftigte mich seit vielen Jahren. In der Einheitsübersetzung blieb ich immer an der Lichtrede Jesu ‚hängen‘ und spürte: Da stimmt doch etwas nicht. Es ist keine geistige Wahrheit. Es ist eigentlich leer, nonsense.
Erst mit der Vulgata-Allioli-Bibel oben bestätigte sich mir, was diese Stelle wirklich sagt.
Und auch die Fußnoten Alliolis bestätigten meine eigene Wahrnehmung.
Wahrheiten Gottes KANN man nicht einfach umdefinieren.
Und doch finden sich etliche weitere Versatzstücke dieser Art in der gesamten EU.
Ein weiterer Stolperstrick für den Niedergang der Amtskirche (bes. in Deutschland).
Denn:
Wo die Wahrheit Gottes fehlt, da fehlt die Kraft Gottes.
Allioli sagt sinngemäß in der Einleitung zu Jesus Sirach:
‘ Wo das Wort Gottes nicht treffend übersetzt wird, da verliert es an Kraft Gottes. ‘
Das ist eine Wahrheit. Und das ist das ganz große Problem der Konzilskirche.
Die Menschen haben die volle Kraft Gottes, die Wahrheit Gottes nicht mehr.
Ergänzung, noch zu Allioli (Thomas von Kempis) oben:
1) ‚Einfältig‘ ist der alte deutsche Begriff in etwa für das engelgleiche Leben. Engel stehen in der Einfalt, in der Einheit in Gott: Es bedeutet, in Einheit in Gott zu SEIN, EINS SEIN; einfach sein. Das ist an sich das Ziel des gesamten Christlichen, der gesamten Nachfolge Christi. Das Seiende in Gott. Christus-Ikonen tragen oft die Schrift: Ich bin der Seiende. Darum geht es an sich. Seiend, in Christo, zu sein.
2) u.A. auf Irdisches, z.B. Vergnügungen gerichtet, Vergängliches. Nicht das Ewige.
Es handelt sich beim Auge um einen Hauptaspekt des Sündenfalles. Der erste Sündenfall mag sich vor langer Zeit ereignet haben. Doch ist der Sündenfall ein immerwährender Prozess. Jordan Peterson hat es letztes Jahr so formuliert: „You are what you repeat.“ Aus der ständigen Wiederholung des schalkhaften Blickes ergibt sich ein Gleichsein mit Luzifer. Aus dem ständigen Wiederholung, so wie der Herr zu schauen, ohne Begierde, ergibt sich die Göttlichkeit.
1. Mir bleibt unklar, an wen genau sich der Beitrag wendet und wer welche Konsequenzen daraus ziehen soll. Kirche, Papst, Bischöfe, Priester Laien? Agnostiker? Atheisten? Philosophen? Ich finde, das muss dazu gesagt werden, sonst ist das etwas verwirrend.
2. Ich gebe zu, dass ich den Wahrheitsbegriff des Autors auch nicht ganz verstehe. Das wird vermutlich nicht wenigen so gehen. Des Autors Vertrauen in das stärkere Argument hat Anklänge an Habermas. Erfahrungsgemäß setzt sich aber das stärkere Argument nicht immer durch, und die Wahrheit hat auch nicht immer das stärkere Argument auf ihrer Seite. Wie stark ein Argument wiegt, hängt ja von den Vorannahmen ab.
Des Autors Wahrheitsbegriff ist m. E. logisch nicht zwingend. Die Prämisse, Gott=absolutes Sein=absolute Wahrheit, muss man erstmal akzeptieren. Ich sehe nicht, warum das absolute Sein nicht unpersönlich sein können soll. Dann könnte man es immer noch Gott nennen, aber es wäre nicht der Gott der christlichen Offenbarung. Überhaupt fehlt der Link zur Offenbarung. Aus dem philosophischen Gottesbegriff folgt nicht zwingend, dass Gott sich in Jesus Christus offenbart hat. Es ist auch logisch – eher im Gegenteil – nicht zwingend, dass Gott einer in drei Personen ist. Warum soll nicht der Gott Platos oder des Aristoteles oder des Judentums und des Islams dem absoluten Sein des Autors entsprechen?
3. Den Befund des Autors, dass das Wahrheitsargument in den gegenwärtigen Diskursen nicht zähle, kann ich so auch nicht teilen. Corona- oder Klima-Schutzmassnahmen werden mit rabiatem Wahrheitsanspruch durchgesetzt. Vor Gericht werden Zeugen immer noch zur Wahrheit ermahnt etc..
4. Die Konsequenzen, die der Autor aus seinem Wahrheitsbegriff zieht, leuchten auch nicht unbedingt ein. Die Frage, ob jemand bei einem Unfall Hilfe leisten oder seine Kinder katholisch erziehen soll, ist doch die ethische Frage danach, ob eine solche Pflicht besteht und woraus sie für wen folgt. Ob eine solche Pflicht besteht, kann man freilich mit wahr/unwahr beantworten. Nur: Wie soll eine Pflicht zur katholischen Erziehung vor dem Jahre Null bestanden haben?
4. Weitschweifige Ausführungen zum Selbstverständnis des modernen Verfassungsstaats erspare ich mir an dieser Stelle. Ich glaube auch nicht an den neutralen Staat oder die liberale Religionsfreiheit, nur aus anderen Gründen als der Autor. Ersteres zeigt die Erfahrung. Zweites ist für einen Christen unannehmbar.
Dennoch ist damit nicht gesagt, wie ein christliches Gemeinwesen ausgestaltet und wie christliche Politik aussehen soll.
5. Wenn es nach Ansicht des Autors kein neutrales Staatswesen geben darf, dann konsequenterweise auch kein methodisch atheistische Naturwissenschaft. Welche Massgaben daraus für die Kunst folgen – denn Schönheit ist der Glanz der Wahrheit -, bleibt ebenfalls unklar. Hier wären Präzisierungen nötig. Wären ein solcher Staat oder eine solche Gesellschsft nicht zwangsläufig totalitär?
Dazu fällt mir adhoc ein Liedtext ein: Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur du denkst.….
Dieser Text, insbesondere die Definition von Wahrheit und ihrem Ursprung ist schwere Kost, vielleicht lese ich mir das Ganze noch mal durch, wenn ich wirklich wach bin.…
@ Christian: ein Staat kann gar nicht neutral sein, er ist entweder einer bestimmten Religion verpflichtet oder atheistisch-kulturmarxistisch oder konzernkapitalistisch-wirtschaftsliberal oder islamisch wie der Iran,oder kommunistisch atheistisch wie in China, zutritt zu Kirchen dort ab 18 jahren, auch in den skandinavischen Staaten ist teilweise der Protestantismus staatsreligion, die anderen Religionen werden toleriert.
Es darf tatsächlich kein „neuitales „Staatsweden geben wie in Franreich, wo Abtreibung im Verfassungrang ist als Grundrecht und Euthanansie seit kurzem legal, um den Pflegenotstand zu beseitigen.
das es auch anders geht, zeigen Monaco und Liechtenstein, beides offizielle katholische und nicht „Neutrale Staaten, wo die Fürsten Albert und Alois mit Hinweis auf die Katholische verfassung des Landes die Versuche der dortigen Parlamente, Abtreibung einzuführen, gekippt haben, trotzdem behauptet niemand, diese Staaten seien „totalitär“, nicht einmal die linke Presse.