Von Prof. Massimo Viglione*
Ein Papst, der der ganzen Welt mitteilt, daß er an den Wahlen seines eigenen Landes teilnimmt – etwas, das vor ihm noch kein Papst getan hat, nicht einmal Bergoglio –, betreibt damit nicht nur ganz offensichtlich Wahlwerbung, da für jedermann völlig außer Zweifel steht, wen er nicht wählt (Trump und MAGA). Vielmehr führt er in Wirklichkeit eine unendlich zerstörerischere und umstürzlerischere Operation durch als jene, die sich auf die eigentliche politische Ebene beschränkt.
Es handelt sich nämlich um den klaren und offenkundigen Willen, die Gestalt des Papstes auf die eines gewöhnlichen Mannes der Welt herabzuwürdigen, der wie jeder andere demokratische und liberale Politik betreibt. Mit anderen Worten: Er tut etwas, was Petrus („Tu es Petrus“) niemals tun sollte, niemals tun dürfte und niemals tun wollen sollte.
Daher ist selbst in einem Fall von scheinbar untergeordneter Bedeutung wie diesem die Wahrheit, daß seine Bedeutung keineswegs nebensächlich ist. Denn auf dem Spiel steht die Gestalt des Papstes selbst und damit die Rolle des Papsttums in der Geschichte der Kirche und der Welt.
Und folglich stellt sich erneut die entscheidende Frage: Darf Petrus Wahlpropaganda betreiben und sich als pflichtbewußter Bürger eines Staates zeigen? Verstößt er damit nicht gegen die Katholizität – im Sinne der Universalität – seines Amtes?
Noch treffender ausgedrückt: Erniedrigt er damit nicht das Papsttum zum Diener eines säkularen Staates und einer staatsorientierten, etatistischen politischen Erziehung?
Noch deutlicher gefragt: Darf ein Papst das entstellen, entwerten, banalisieren und auf derart jämmerliche Weise vermenschlichen, was nicht allein menschlicher Natur ist und überhaupt nur deshalb besteht, weil es seinem Wesen nach nicht nur menschlichen, sondern auch göttlichen Ursprungs ist?
Darf er Petrus selbst, das heißt die Kirche, in den Dienst des Staates stellen?
Und wenn er das nicht darf, warum tut er es dann?
Und wenn er es tut und dies vor allem auch noch der ganzen Welt mitteilt, damit alle davon erfahren: Was genau will er uns damit vermitteln? Schließlich gehört Petrus keinem Staat mehr an, der nicht die Katholische Kirche (und somit der Heilige Stuhl) wäre. Welche Schlußfolgerungen müssen wir daraus ziehen, wenn Petrus sich nach wie vor als Bürger eines Staates versteht und eben nicht als Petrus?
Sind wir wirklich sicher, daß sich diese Angelegenheit so banal abtun läßt, wie es jeder noch so bedingungslose Verteidiger des Papstes tun würde? Oder muß man daraus nicht vielmehr die Konsequenz ziehen, daß hier wieder einmal das Papsttum und damit die Katholische Kirche als eine ihrem Wesen nach zunächst göttliche und erst danach menschliche Institution demontiert werden?
Hat er im übrigen nicht auch in Frankreich die „grandeur“ von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gefeiert?
*Massimo Viglione, Historiker, Essayist, Hochschullehrer und katholischer Publizist, Jahrgang 1964, studierte Philosophie und Geschichte, promovierte an der Universität La Sapienza (Rom) in Geschichte und befaßt sich schwerpunktmäßig mit antirevolutionären Aufständen gegen Jakobiner und Napoleon, mit dem italienischen Risorgimento und dem Kreuzzugsgedanken.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
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