Am Gründonnerstag, dem 2. April 2026, ist in Saint-Malo (bretonisch Sant-Maloù) der bretonische Gelehrte Prof. Jean-Claude Lozac’hmeur im Alter von 86 Jahren von Gott heimgerufen worden. Lozac’hmeur war ein leidenschaftlicher Kämpfer des Glaubens, Linguist, Mediävist, Literaturkritiker und Essayist, dessen Werk eine bleibende Spur in der französischen Geisteslandschaft hinterläßt.
Ein Leben in der Kirche verankert
Geboren im April 1940 in Toulon, wuchs Lozac’hmeur auf der Île de Molène (bretonisch Molenez) auf und besuchte das Collège der Frères de Lamennais in Saint-Renan (bretonisch Lokournan). Seine tiefe Verbundenheit mit der Kirche und der heiligen Messe prägte sein gesamtes Leben. Trotz der schmerzhaften und langanhaltenden Krise innerhalb der Kirche blieb er standhaft. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz wäre die heilige Messe in der überlieferten Form des Römischen Ritus in der Bretagne nicht mit solcher Energie etabliert worden. Besonders am Herzen lagen ihm auch der Religionsunterricht und ethische Fragen wie Humanae Vitae und das Lebensrechtsthema.
1961 heiratete er und wurde Vater von fünf Kindern. Schon mit 23 Jahren bestand er das Examen zur Erlangung der Lehrbefähigung an der Sekundarstufe und trat eine Lehrtätigkeit am Collège von Combourg (bretonisch Komborn) an. Parallel dazu setzte er seine Universitätsausbildung fort, unter anderem unter der Betreuung von Prof. Charles Foulon an der Universität Rennes-II, wo er später als Dozent, Assistenzprofessor, außerordentlicher und schließlich ordentlicher Professor lehrte.
Wissenschaftliche Verdienste
Lozac’hmeur promovierte 1978 mit der Arbeit La Genèse de la légende d’Yvain : essai de synthèse (Die Entstehung der Legende von Yvain: Versuch einer Synthese), betreut von Prof. Léon Fleuriot, dem Leiter der keltischen Abteilung in Rennes II. Gemeinsam veröffentlichten sie, zusammen mit Léon Prat und einer Einleitung von Per Jakez-Elias, eine Anthologie keltischer Poesie, die bis heute als Referenz gilt.
Zu seinen weiteren wissenschaftlichen Arbeiten zählen Übersetzungen und Studien mittelalterlicher Texte, etwa die Chanson d’Aiquin (das „Aiquinlied“, 1985, zusammen mit Maud Ozzava) und zahlreiche Arbeiten über die Artussage in Kooperation mit der japanischen Mediävistin Shigemi Sazaki. Seine Forschungen zu König Artus, dem Heiligen Gral und Figuren wie Mabonagrain finden Erwähnung im Dictionnaire de mythologie arthurienne von Philippe Walter.
Neben der Forschung engagierte sich Lozac’hmeur für die Ausbildung von Studenten an Rennes II und anderen Universitäten. Er war Mitbegründer der Fakultät von Saint-Malo (Faclib), die eine Alternative zum damals vorherrschenden ideologischen Einfluß in der Hochschulbildung bieten sollte. Politische Eingriffe führten jedoch zur Schließung – ein weiterer Schmerzpunkt in seinem Leben.
Bretagne
Jean-Claude Lozac’hmeur setzte sich intensiv für seine bretonische Heimat ein, insbesondere für den Erhalt und die Stärkung der kulturellen Identität der Bretagne. In seinen Schriften betonte er die historische Eigenständigkeit der Region, ihre Traditionen, ihre Geschichte und das Bewußtsein für eine gewachsene kulturelle Kontinuität innerhalb Frankreichs. Dabei verstand er die Bretagne nicht nur als geographischen Raum, sondern als kulturelle Gemeinschaft mit eigener Prägung, deren Werte und Überlieferungen bewahrt und weitergegeben werden sollten. Sein Engagement ging somit über reine Heimatpflege hinaus und war eng verbunden mit dem Anliegen, regionale Identität gegenüber Vereinheitlichungstendenzen zu behaupten.
Kein leichtes Unterfangen in einem Frankreich, dessen Staatsdoktrin seit der Französischen Revolution auf Zentralismus und einheitlicher Staatsnation beruht, die jede sprachliche und kulturelle Vielfalt auszulöschen versuchte und ethnische Minderheiten grundsätzlich bekämpfte, obwohl sie ein Teil Frankreichs sind. Er erkannte auch darin den vergifteten freimaurerischen Einfluß, dem er sich entgegensetzte.
Freimaurer-Studien
Lozac’hmeur veröffentlichte zahlreiche Werke über Freimaurerei, die als sorgfältig recherchiert und documentiert gelten. Er argumentierte, daß die moderne Freimaurerei, wenn auch nicht auf direktem Weg, auf antiken Mysterienkulten basiert und eine weltanschauliche Zielsetzung verfolge: die Errichtung eines globalen Staates, in dem der Mensch durch Wissenschaft und Technik quasi gottgleich werde. Zu seinen zentralen Werken zählen:
- Actualité de l’Apocalypse („Aktualität der Apokalypse“, Éditions des Cîmes)
- De la Ré-volution – Essai sur la politique maçonnique („Die Revolution – Eine Untersuchung über die freimaurerische Politik“) Éditions Sainte Jeanne d’Arc)
- Fils de la veuve – Recherches sur l’ésotérisme maçonnique („Sohn der Witwe – Untersuchungen zur freimaurerischen Esoterik“, Éditions de Chiré)
- De la Gnose au Graal – Aperçu sur une tradition initiatique („Von der Gnosis zum Gral – Ein Einblick in eine initiatische Tradition“, Éditions des Cîmes)
- Les origines occultistes de la franc-maçonnerie – Recherches sur une religion d’État („Die okkultistischen Ursprünge der Freimaurerei – Studien zu einer Staatsreligion“, Éditions des Cîmes)
Alle Werke sind weiterhin erhältlich über den katholischen Verlag bzw. Vertrieb Livres en Famille.
Seine Verteidigung der katholischen Kirche, der katholischen Morallehre, des Lebensrechts ungeborener Kinder und des Naturrechts, sein entschiedener Kampf gegen die Freimaurerei und ihren Einfluß auf den französischen Staat, die Staatsdoktrin und das gesellschaftliche Leben, seine Ablehnung des Marxismus und die Förderung kultureller Identitäten historischer Regionen und ethnischer Minderheiten brachten ihm die erbitterte Feindschaft seiner Gegner ein, die ihn mit massiven Kampagnen zu diskreditieren versuchten. Man kennt das auch im deutschen Sprachraum durch den summarischen „Kampf gegen rechts“.
Abschied und Vermächtnis
Jean-Claude Lozac’hmeur verstarb an einem symbolträchtigen Tag, dem Gründonnerstag. In einem Nachruf für ihn heißt es: Für einen Mann, der tief mit dem Glauben verbunden war, ist dies ein Zeichen auf das fortwährende geistliche Ringen um die Eucharistie, das große Geheimnis Gottes, der sich den Gläubigen schenkt.
Die Trauerfeierlichkeiten finden in der Osterwoche am Donnerstag, dem 9. April 2026, um 14:30 Uhr in seiner bretonischen Heimat Sant-Maloù, in der Kapelle Sainte-Anne de Saint-Servan (52 rue Jean XXIII, Saint-Malo 35400), statt.
Sein Werk bleibt Zeugnis eines Lebens des Glaubens, der Wissenschaft und Bildung und der Verteidigung der katholischen Tradition. Dieses Leben verband er mit dem Mut, dem offiziellen Staats- und Geschichtsnarrativ und den dominanten gesellschaftspolitischen Strömungen zu widersprechen und auf unterschlagene Aspekte hinzuweisen und andere Gewichtungen vorzunehmen.
In der Sprache der Kirche und in seiner Muttersprache:
Requiescat in pace.
Ra vo e ene e peoc’h.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: reinformation.tv/Youtube (Screenshot)
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