Erneut Klärung zu Mater populi fidelis gefordert

Internationale Marianische Vereinigung schreibt an Glaubenspräfekten Tucho Fernández


Die Pietà von Michelangelo im Petersdom zeigt die Gottesmutter Maria, die den vom Kreuz abgenommenen Leichnam ihres göttlichen Sohnes in ihren Armen hält.
Die Pietà von Michelangelo im Petersdom zeigt die Gottesmutter Maria, die den vom Kreuz abgenommenen Leichnam ihres göttlichen Sohnes in ihren Armen hält.

Die Inter­na­tio­na­le Maria­ni­sche Ver­ei­ni­gung hat ihre For­de­rung nach einer offi­zi­el­len Klar­stel­lung durch das Dik­aste­ri­um für die Glau­bens­leh­re bekräf­tigt. Anlaß ist die umstrit­te­ne Lehr­no­te Mater popu­li fide­lis, die nach Ansicht der Ver­ei­ni­gung gra­vie­ren­de mario­lo­gi­sche Män­gel und inhalt­li­che Unschär­fen aufweist.

Bereits am 8. Dezem­ber 2025 hat­te das Exe­ku­tiv­ko­mi­tee der Ver­ei­ni­gung eine umfang­rei­che, rund 23 Sei­ten umfas­sen­de Stel­lung­nah­me ver­öf­fent­licht. Dar­in ana­ly­sier­te eine inter­na­tio­na­le Kom­mis­si­on von über 45 Theo­lo­gen die Lehr­no­te kri­tisch und bat um ent­spre­chen­de Prä­zi­sie­run­gen und Kor­rek­tu­ren. Da eine Ant­wort aus­blieb, wur­de nun mit Schrei­ben vom 19. März 2026 erneut an das Dik­aste­ri­um appelliert.

Im Kern wirft die Ver­ei­ni­gung dem Doku­ment vor, zen­tra­le Aus­sa­gen der kirch­li­chen Mari­en­leh­re zu ver­kür­zen, abzu­schwä­chen oder in ein­zel­nen Fäl­len sogar in Span­nung zu frü­he­ren lehr­amt­li­chen Aus­sa­gen zu ste­hen. Dies betref­fe sowohl vor- als auch nach­kon­zi­lia­re Lehr­ent­wick­lun­gen sowie grund­le­gen­de Aus­sa­gen des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils. Die Kri­tik ver­steht sich aus­drück­lich als Bei­trag zu einem „respekt­vol­len syn­oda­len Dia­log“ und als Teil der theo­lo­gi­schen Ver­ant­wor­tung, wie sie auch in kirch­li­chen Doku­men­ten beschrie­ben wird.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit ver­dient der histo­ri­sche Ver­gleich, den die Ver­ei­ni­gung in ihrem Schrei­ben anführt: Lehr­amt­li­che Doku­men­te sei­en in der Ver­gan­gen­heit durch­aus kor­ri­giert wor­den. Als Bei­spiel wird eine Instruk­ti­on des Hei­li­gen Offi­zi­ums aus dem Jahr 1866 genannt, die die Skla­ve­rei nicht als grund­sätz­lich unver­ein­bar mit Natur- und gött­li­chem Recht bezeich­ne­te. Die­se Posi­ti­on wur­de durch päpst­li­che Leh­r­äu­ße­run­gen revi­diert – zunächst durch Leo XIII. und schließ­lich noch ein­mal expli­zit durch Johan­nes Paul II., der Skla­ve­rei als „in sich schlecht“ ein­stuf­te. Dar­aus lei­tet die Ver­ei­ni­gung die Mög­lich­keit und Not­wen­dig­keit ab, auch gegen­wär­ti­ge lehr­amt­li­che Tex­te kri­tisch zu prü­fen und gege­be­nen­falls zu präzisieren.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­dert das Exe­ku­tiv­ko­mi­tee erneut eine offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me des Dik­aste­ri­ums. Es gehe nicht nur um eine inter­ne theo­lo­gi­sche Debat­te, son­dern um die Glau­bens­un­ter­wei­sung der Kir­che ins­ge­samt. Die Klä­rung sei daher im Inter­es­se des „Vol­kes Got­tes weltweit“.

Nach­fol­gend das voll­stän­di­ge Schreiben:

An den Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre
Kardinal Víctor Manuel Fernández

19. März 2026
Hoch­fest des hei­li­gen Joseph

Eure Emi­nenz,

mit allem gebo­te­nen Respekt wen­den wir uns an Sie, um Ihre Auf­merk­sam­keit auf unse­re frü­he­re Mit­tei­lung vom 8. Dezem­ber 2025 zu len­ken. Dar­in hat die Theo­lo­gi­sche Kom­mis­si­on der Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Ver­ei­ni­gung (IMATC), eine inter­na­tio­na­le Grup­pe von mehr als 45 Theo­lo­gen, dem Hei­li­gen Stuhl einen 23seitigen mario­lo­gi­schen Kom­men­tar sowie eine Kri­tik an der lehr­mä­ßi­gen Note des Dik­aste­ri­ums vom 4. Novem­ber 2025, Mater Popu­li Fide­lis (MPF), vorgelegt.

In unse­rem Kom­men­tar haben wir zahl­rei­che Aus­sa­gen mario­lo­gi­scher Art in MPF auf­ge­zeigt, die Aus­las­sun­gen, Ver­harm­lo­sun­gen oder in eini­gen Fäl­len sogar Wider­sprü­che zu frü­he­ren maria­ni­schen Leh­r­äu­ße­run­gen des päpst­li­chen Lehr­am­tes dar­stel­len – sowohl aus vor- als auch aus nach­kon­zi­lia­rer Zeit. Wir haben dies als Aus­druck eines respekt­vol­len syn­oda­len Dia­logs und im Stre­ben nach best­mög­li­cher theo­lo­gi­scher Klä­rung zum Wohl der Kir­che getan. Die­se Ver­ant­wor­tung der Theo­lo­gen wird im Doku­ment des Dik­aste­ri­ums Donum Veri­ta­tis (Nr. 30) aus­drück­lich benannt.

Wir sind der Über­zeu­gung, daß die­se Klar­stel­lun­gen und Kor­rek­tu­ren not­wen­dig sind, um eine mario­lo­gi­sche Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät zu gewähr­lei­sten – sowohl im Hin­blick auf die maria­ni­schen Leh­ren des päpst­li­chen Lehr­am­tes vor und nach dem Kon­zil als auch auf die wesent­li­chen mario­lo­gi­schen Aus­sa­gen des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Konzils.

Bedau­er­li­cher­wei­se hat die IMATC bis­lang kei­ner­lei Ant­wort von Ihrem Dik­aste­ri­um erhalten.

Aus der Geschich­te wis­sen wir, daß Lehr­no­ten des Hei­li­gen Offi­zi­ums (heu­te DDF) mit­un­ter einer Kor­rek­tur bedurf­ten und tat­säch­lich durch direk­te lehr­amt­li­che Aus­sa­gen der Päp­ste kor­ri­giert wur­den. So erklär­te etwa eine Instruk­ti­on des Hei­li­gen Offi­zi­ums aus dem Jahr 1866 zur Skla­ve­rei: „Die Skla­ve­rei selbst, als sol­che in ihrem Wesen betrach­tet, ist kei­nes­wegs dem Natur- und gött­li­chen Recht ent­ge­gen­ge­setzt“. Spä­ter kor­ri­gier­te Papst Leo XIII. die­sen lehr­mä­ßi­gen Irr­tum mit den Wor­ten: „Der Zustand der Skla­ve­rei … ist zutiefst bekla­gens­wert … und steht in völ­li­gem Gegen­satz zu dem, was ursprüng­lich von Gott und der Natur vor­ge­se­hen war.“ Schließ­lich erklär­te Papst Johan­nes Paul II. die Skla­ve­rei aus­drück­lich als eine Pra­xis, die ihrem Wesen nach „in sich schlecht“ ist (Veri­ta­tis Sple­ndor, Nr. 80).

Eure Emi­nenz, daher bit­ten wir Sie respekt­voll um eine Ant­wort auf den Kom­men­tar der IMATC zu Mater Popu­li Fide­lis sowie auf die Bit­ten des Vol­kes Got­tes welt­weit hin­sicht­lich der fest­ge­stell­ten Män­gel die­ser Lehr­no­te – in Form einer offi­zi­el­len Klarstellung.

Hoch­ach­tungs­voll
Exe­ku­tiv­ko­mi­tee der Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Vereinigung

Text/​Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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