Palmsonntagsprozession in Jerusalem abgesagt

Chrisammesse verschoben


Die Palmsonntagsprozession in Jerusalem 2025. Die Erklärungd es Lateinischen Patriarchats von Jerusalem zur prekären Situation, in der Zelebrationen der Karwoche und von Ostern abgesagt oder verschoben werden müssen
Die Palmsonntagsprozession in Jerusalem 2025. Die Erklärungd es Lateinischen Patriarchats von Jerusalem zur prekären Situation, in der Zelebrationen der Karwoche und von Ostern abgesagt oder verschoben werden müssen

Das Latei­ni­sche Patri­ar­chat von Jeru­sa­lem kün­dig­te ange­sichts der anhal­ten­den Kriegs­la­ge tief­grei­fen­de Ein­schrän­kun­gen für die dies­jäh­ri­gen Fei­ern der Kar­wo­che an. In einer Mit­tei­lung wird deut­lich, daß zen­tra­le lit­ur­gi­sche Zele­bra­tio­nen auf­grund der staat­li­chen Ein­schrän­kun­gen durch die israe­li­schen Behör­den ent­we­der abge­sagt oder ver­scho­ben wer­den müs­sen – ein Schritt, der die außer­ge­wöhn­li­che Bela­stung der christ­li­chen Gemein­schaft im Hei­li­gen Land unter­streicht und zugleich die seit Jah­ren pre­kä­re Lage der dor­ti­gen Chri­sten wei­ter verschärft.

Im Zen­trum der Erklä­rung steht die ernüch­tern­de Fest­stel­lung, daß „auf­grund des Krie­ges es uns in die­sem Jahr nicht mög­lich gewe­sen ist, den tra­di­tio­nel­len Weg der Fasten­zeit in Jeru­sa­lem zu leben“. Zwar hät­ten sich die Gläu­bi­gen indi­vi­du­ell im Gebet vor­be­rei­ten kön­nen, doch „haben wir den gemein­schaft­li­chen Weg auf Ostern hin ver­lo­ren“. Gera­de mit Blick auf die bevor­ste­hen­de Kar­wo­che, „das schla­gen­de Herz unse­res Glau­bens“, stel­le sich nun die Fra­ge, in wel­cher Form deren Fei­er über­haupt mög­lich sei.

Die­se Ent­wick­lung fügt sich in ein Gesamt­bild ein, das bereits seit Jah­ren von Beob­ach­tern und kirch­li­chen Medi­en beschrie­ben wird. So wur­de wie­der­holt dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die christ­li­che Prä­senz im Hei­li­gen Land durch Abwan­de­rung, wirt­schaft­li­chen Druck und poli­ti­sche Span­nun­gen kon­ti­nu­ier­lich abnimmt. Die jüng­ste Eska­la­ti­on des Kon­flikts durch den Angriff Isra­els und der USA auf den Iran hat die­se Ten­den­zen wei­ter ver­stärkt. Seit dem 28. Febru­ar wer­den die Gläu­bi­gen am Zugang zur Gra­bes­kir­che in Jeru­sa­lem gehindert.

Die gegen­wär­ti­gen Umstän­de las­sen wenig Spiel­raum für Opti­mis­mus. „Die durch den Kon­flikt auf­er­leg­ten Ein­schrän­kun­gen und die Ereig­nis­se der letz­ten Tage las­sen kei­ne unmit­tel­ba­re Ver­bes­se­rung erwar­ten“, heißt es in der Erklä­rung. In enger Abstim­mung mit den israe­li­schen Behör­den und ande­ren christ­li­chen Kir­chen bemü­he man sich zwar um Lösun­gen, doch blei­be die Lage dyna­misch, sodaß „kei­ne end­gül­ti­gen Hin­wei­se für die kom­men­den Tage gege­ben wer­den kön­nen“ und eine Koor­di­na­ti­on „von Tag zu Tag“ erfor­der­lich sei.

Kon­kre­te Ent­schei­dun­gen betref­fen zwei der wich­tig­sten lit­ur­gi­schen Ereig­nis­se: Die tra­di­tio­nel­le Palm­sonn­tags­pro­zes­si­on vom Ölberg nach Jeru­sa­lem ent­fällt in die­sem Jahr voll­stän­dig. Statt­des­sen soll „ein Moment des Gebets in der Stadt Jeru­sa­lem, an einem noch fest­zu­le­gen­den Ort“ statt­fin­den. Auch die Chri­sam­mes­se wird nicht wie üblich gefei­ert, son­dern „auf einen noch zu bestim­men­den Zeit­punkt ver­scho­ben“, vor­aus­sicht­lich in die Oster­zeit und mit Zustim­mung der zustän­di­gen vati­ka­ni­schen Stellen.

Gera­de die Palm­sonn­tags­pro­zes­si­on gilt seit Jahr­zehn­ten als sicht­ba­res Zei­chen der leben­di­gen christ­li­chen Prä­senz in Jeru­sa­lem. Ihr Aus­fall ist daher nicht nur eine orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­me, son­dern besitzt auch eine hohe sym­bo­li­sche Bedeu­tung. In frü­he­ren Jah­ren war sie immer wie­der auch von poli­ti­schen Span­nun­gen beglei­tet, blieb jedoch Aus­druck der Hoff­nung und des öffent­li­chen Glaubenszeugnisses.

Trotz die­ser Ein­schrän­kun­gen blei­ben die Kir­chen der Diö­ze­se geöff­net. Seel­sor­ger sei­en ange­hal­ten, „in den mög­li­chen For­men und Moda­li­tä­ten alles zu tun, um das Gebet und die Teil­nah­me der Gläu­bi­gen an den Oster­fei­ern zu för­dern“. Den­noch wiegt der Ver­zicht auf die gemein­sa­men Fei­ern schwer: „Zur Här­te die­ser Zeit des Krie­ges, die uns alle betrifft, kommt heu­te auch die hin­zu, daß wir Ostern nicht gemein­sam und wür­dig fei­ern kön­nen. Das ist eine Wun­de, die sich zu so vie­len ande­ren vom Kon­flikt zuge­füg­ten gesellt.“

Die Kir­chen blei­ben offen, die Gra­bes­kir­che wur­de aber von den israe­li­schen Behör­den geschlos­sen. Heu­te ist der 25. Tag, daß Gläu­bi­gen der Zugang zum Hei­lig­tum, das Gol­go­tha und das Hei­li­ge Grab umschließt, ver­wehrt ist. Es gab noch kei­ne Zeit, in der die Basi­li­ka so lan­ge geschlos­sen war.

Kirch­li­che Stim­men haben in den ver­gan­ge­nen Mona­ten immer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Chri­sten im Hei­li­gen Land in beson­de­rer Wei­se zwi­schen die Fron­ten gera­ten. Neben den unmit­tel­ba­ren Gefah­ren durch Gewalt­ak­te sei­en es auch wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen – etwa durch den Aus­fall von Pil­ger­strö­men –, die das kirch­li­che Leben beein­träch­ti­gen. Christ­li­che Fami­li­en ver­lie­ren ihre Exi­stenz­grund­la­ge, was die ohne­hin star­ke Abwan­de­rung wei­ter beschleunige.

Gleich­zei­tig ruft das Patri­ar­chat zur geist­li­chen Stand­haf­tig­keit auf. „Wir dür­fen uns nicht ent­mu­ti­gen las­sen. Wenn wir uns nicht so ver­sam­meln kön­nen, wie wir es möch­ten, ver­zich­ten wir nicht auf das Gebet.“ In die­sem Zusam­men­hang wird an die Wor­te Jesu erin­nert: „Betet alle­zeit, ohne nach­zu­las­sen“ (Lk 18,1).

Als Zei­chen der Ver­bun­den­heit soll ein beson­de­rer Gebets­tag die­nen: Die Gläu­bi­gen sind ein­ge­la­den, am Sams­tag, dem 28. März, den Rosen­kranz zu beten, „um die Gabe des Frie­dens und der Gelas­sen­heit zu erfle­hen, beson­ders für alle, die unter dem Kon­flikt lei­den“. Auch wenn räum­lich getrennt, kön­ne das gemein­sa­me Gebet „auf die Kraft der Lie­be Got­tes zurück­grei­fen, die uns im Geist der Hoff­nung und des Ver­trau­ens vereint“.

Die Bot­schaft schließt mit einem öster­li­chen Aus­blick, der trotz aller Dun­kel­heit Zuver­sicht for­mu­liert: „Kei­ne Fin­ster­nis, nicht ein­mal die des Krie­ges, kann das letz­te Wort haben. Das lee­re Grab ist das Sie­gel des Sie­ges des Lebens über den Haß.“ Gera­de die­se Per­spek­ti­ve sei es, so wird in kirch­li­chen Stel­lung­nah­men immer wie­der betont, die den Chri­sten im Hei­li­gen Land Halt gebe – auch unter Bedin­gun­gen, die das öffent­li­che kirch­li­che Leben mas­siv einschränken.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/lpj.org (Screen­shots)

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