Der heilige Eulogius von Cordoba und die zwei Strömungen der Katholiken im Laufe der Geschichte

Um den Mut in schwierigen Situationen bitten


Der heilige Eulogius von Cordoba wurde am 11. März 859 von den islamischen Herrschern wegen seines Glaubens hingerichtet
Der heilige Eulogius von Cordoba wurde am 11. März 859 von den islamischen Herrschern wegen seines Glaubens hingerichtet

Von Pli­nio Cor­rêa de Oliveira*

Sankt Eulo­gi­us von Cor­do­ba, der am 11. März 859 wäh­rend einer gewalt­sa­men Chri­sten­ver­fol­gung im mau­ri­schen Spa­ni­en ent­haup­tet wur­de, ist in die Geschich­te ein­ge­gan­gen durch sei­ne Ver­tei­di­gung des soge­nann­ten „frei­wil­li­gen Mar­ty­ri­ums“. Die­se Ver­tei­di­gung wur­de – wenn auch in zwei­deu­ti­gen For­mu­lie­run­gen und unter dem Druck der mus­li­mi­schen Macht – von den spa­ni­schen Bischö­fen sei­ner Zeit ver­ur­teilt, spä­ter jedoch vom Hei­li­gen Stuhl gebilligt.

Die Pra­xis des frei­wil­li­gen Mar­ty­ri­ums stell­te zwei unter­schied­li­che Pro­ble­me dar: ein mora­li­sches und ein politisches.

Das mora­li­sche Pro­blem beruht auf einer psy­cho­lo­gi­schen Vor­aus­set­zung. Für vie­le Men­schen ist ein Leben, das stän­dig dar­auf aus­ge­rich­tet ist, Gefah­ren zu ver­mei­den, eine uner­träg­li­che Qual. Die Ver­fol­gung in Spa­ni­en im 9. Jahr­hun­dert zwang jene Katho­li­ken, die ihren Glau­ben offen beken­nen und ihn mis­sio­na­risch wei­ter­ge­ben woll­ten – wäh­rend die Kali­fen nur die­je­ni­gen dul­de­ten, die sich auf eine pri­va­te Reli­gi­ons­aus­übung beschränk­ten und jede Form der Evan­ge­li­sie­rung auf­ga­ben –, sich zu ver­stecken und sich nur nachts von einem Ver­steck zum ande­ren zu bewe­gen, um nicht gefan­gen­ge­nom­men und getö­tet zu wer­den. Für man­che die­ser Katho­li­ken war es ein­fa­cher, vor die mus­li­mi­schen Behör­den zu tre­ten und zu erklä­ren: „Ich bin ein ent­schie­de­ner Katho­lik. Tötet mich, wenn dies euer Wil­le ist.“ Es war eine Wei­se, das Leid einer unauf­hör­li­chen Flucht zu beenden.

Die psy­cho­lo­gi­sche Situa­ti­on ist ver­ständ­lich; doch wie steht es um das mora­li­sche Pro­blem? Kann die­se frei­wil­li­ge Hin­ga­be an das Mar­ty­ri­um als eine Form des Selbst­mor­des betrach­tet wer­den? Die Fra­ge ist kei­nes­wegs sinn­los. Sankt Eulo­gi­us ver­tei­dig­te die­se christ­li­chen Mär­ty­rer, eben­so wie vie­le Jahr­hun­der­te spä­ter der hei­li­ge Franz von Sales. Bei­de ver­tra­ten die Auf­fas­sung, daß es sich nicht um Selbst­mord hand­le und daß jene, die sich so ver­hiel­ten, wah­re Katho­li­ken und wah­re Hei­li­ge seien.

Wie dem auch sei: Dies waren die Grün­de, wes­halb vie­le Katho­li­ken sich auf die­se Wei­se dem Mar­ty­ri­um aus­lie­fer­ten. Die Zahl der Mär­ty­rer wuchs so rasch, daß der Kalif von Cor­do­ba dar­über beun­ru­higt wur­de und beschloß, eine Syn­ode von Bischö­fen ein­zu­be­ru­fen, die dem ein Ende set­zen sollte.

Es mag merk­wür­dig erschei­nen, daß ein Kalif eine Bischofs­syn­ode ein­be­ru­fen konn­te; doch muß man beden­ken, daß die katho­li­sche Reli­gi­on nicht frei war, son­dern von den Mus­li­men ledig­lich gedul­det wur­de, unter der Bedin­gung, den Behör­den kei­ne Schwie­rig­kei­ten zu berei­ten. Die Bischö­fe han­del­ten also unter Zwang und muß­ten gehor­chen. Dies erin­nert an die Poli­tik, die der Kom­mu­nis­mus in den Län­dern ver­folgt, die er beherrscht. Er dul­det die katho­li­sche Reli­gi­on nur inso­fern, als sie kei­ne Pro­ble­me schafft, die die Sta­bi­li­tät des Regimes gefähr­den könn­ten. Es ist eine bos­haf­te, aber zugleich klu­ge Poli­tik, weil sie die wah­ren Katho­li­ken trifft und nur den Kol­la­bo­ra­teu­ren erlaubt zu über­le­ben. Die guten Katho­li­ken wer­den besei­tigt oder in die Ille­ga­li­tät gezwungen.

Da die Zahl der frei­wil­li­gen Mär­ty­rer in Cor­do­ba stän­dig zunahm, fürch­te­te der Kalif, die­ses Phä­no­men kön­ne zu einer Radi­ka­li­sie­rung des Kon­flikts zwi­schen den Reli­gio­nen füh­ren und damit die mus­li­mi­sche Herr­schaft über jenen Teil Spa­ni­ens gefähr­den. Des­halb berief er eine Syn­ode ein, die die Pre­digt des hei­li­gen Eulo­gi­us gegen den Islam und sei­ne Ver­tei­di­gung der Bewe­gung des frei­wil­li­gen Mar­ty­ri­ums unter­bin­den soll­te. Wie der Kalif es wünsch­te, ver­ur­teil­te die Syn­ode sowohl den Hei­li­gen als auch das frei­wil­li­ge Martyrium.

Die Bischö­fe for­mu­lier­ten ihre – spä­ter als unbe­grün­det erkann­te – Ver­ur­tei­lung jedoch absicht­lich in zwei­deu­ti­gen Begrif­fen. Der hei­li­ge Eulo­gi­us wider­setz­te sich daher dem erhal­te­nen Befehl und setz­te mutig sei­ne Unter­stüt­zung der Mär­ty­rer fort. Er tat dies so offen, daß der Kalif nur noch einen Weg sah, um ihn zum Schwei­gen zu brin­gen: ihn zu töten. So wur­de er selbst zum Märtyrer.

Wel­che Leh­re kön­nen wir aus sei­nem Leben ziehen?

In jeder Epo­che der Geschich­te der Kir­che gibt es in ihrem Inne­ren zwei Strö­mun­gen. Die eine will dem Glau­ben treu blei­ben, so wie er ist. Die ande­re besteht aus nach­gie­bi­gen Katho­li­ken, die zum Kom­pro­miß bereit sind, um das Leben zu genie­ßen und ruhig ster­ben zu kön­nen; zu die­sem Zweck sind sie sogar bereit, den Glau­ben zu gefähr­den. Die erste ist eine Strö­mung des Hel­den­tums, die zwei­te eine des Kom­pro­mis­ses und des Ver­rats. Auch heu­te gibt es auf der einen Sei­te die wah­ren Katho­li­ken, die den Glau­ben und die Kir­che ver­tei­di­gen, selbst wenn die Welt sie ver­ach­tet und ver­ur­teilt; auf der ande­ren Sei­te die Katho­li­ken des Kom­pro­mis­ses, die nicht nur sich selbst, son­dern auch den katho­li­schen Glau­ben der Revo­lu­ti­on unse­rer Tage anpas­sen möchten.

Sankt Eulo­gi­us kämpf­te wie ein Löwe und muß­te die har­te Prü­fung durch­ste­hen, sich von einer Bischofs­syn­ode ver­ur­teilt zu sehen. Man kann sich leicht vor­stel­len, wie sehr dies einen Men­schen mit der See­le eines Hei­li­gen lei­den ließ. Doch trotz die­ses Lei­dens hielt er es für sei­ne Pflicht, einer unge­rech­ten Ver­ur­tei­lung durch schlech­te Bischö­fe zu wider­ste­hen – und gera­de dadurch gab er uns in Wirk­lich­keit ein Bei­spiel ech­ter Lie­be zur Kir­che. Indem er Gott mehr gehorch­te als den Men­schen, gehorch­te er in Wahr­heit – wie die Auto­ri­tät spä­ter selbst aner­ken­nen soll­te – der Kir­che. Er wur­de von den kom­pro­miß­be­rei­ten Katho­li­ken sei­ner Zeit ver­ur­teilt und ver­folgt. In die­sem Sin­ne ist der hei­li­ge Eulo­gi­us auch heu­te noch ein Schutz­pa­tron für uns, und wir müs­sen ihn um den Mut bit­ten, in schwie­ri­gen Situa­tio­nen dem Kom­pro­miß zu wider­ste­hen – was bis­wei­len sogar schwie­ri­ger sein kann, als dem Mar­ty­ri­um ins Auge zu sehen.

*Pli­nio Cor­rêa de Oli­vei­ra (1908–1995) war ein gro­ßer katho­li­scher Den­ker und Gegen­re­vo­lu­tio­när des 20. Jahr­hun­derts, er lehr­te zunächst Kul­tur­ge­schich­te an der Rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Sao Pau­lo und wur­de dann Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Zeit­ge­schich­te an der Phi­lo­so­phi­schen Fakul­tät Sao Ben­to und an der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Sao Pau­lo. Sein Leben wid­me­te der bra­si­lia­ni­sche Phi­lo­soph, Histo­ri­ker und Poli­ti­ker der Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Kir­che und der katho­li­schen Sozi­al­leh­re. Kon­kret bedeu­te­te das für ihn, den Kampf gegen die anti­christ­li­chen Ideo­lo­gien Mar­xis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus auf­zu­neh­men. Wäh­rend letz­te­re mit dem Jahr 1945 ver­schwand, blieb der Mar­xis­mus in sei­ner Hei­mat Bra­si­li­en und welt­weit eine Bedro­hung, der er sich ent­ge­gen­stell­te. Sein Haupt­werk ist „Revo­lu­ti­on und Gegen­re­vo­lu­ti­on“. Pli­nio Cor­rêa de Oli­vei­ra grün­de­te die Gesell­schaft für Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP), die heu­te in ver­schie­de­nen Län­dern aktiv ist, dar­un­ter in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und in Öster­reich.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

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