Für die, welche bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!

Die Lösung ist nicht die Piusbruderschaft


Von Msgr. Dr. Mari­an Eleganti*

Der uni­ver­sa­le Juris­dik­ti­ons­pri­mat des Pap­stes (ex sese) über die gan­ze Kir­che ist seit dem Ersten Vati­ka­num eine unfehl­ba­re, dog­ma­ti­sier­te Wahr­heit. Wir kön­nen also in die­sem Arti­kel nicht von einem lega­li­sti­schen Miß­ver­ständ­nis des kirch­li­chen Gehor­sams unse­rer­seits spre­chen, wenn wir die ange­kün­dig­te Wei­he von Bischö­fen durch die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) ohne die aus­drück­li­che Zustim­mung des Pap­stes als einen schis­ma­ti­schen Akt ein­stu­fen und zum zwei­ten Mal mit Schmer­zen zur Kennt­nis neh­men und in aller Schär­fe ver­ur­tei­len. Mit «wir» mei­ne ich alle Gläu­bi­gen, die mei­ne hier vor­ge­tra­ge­ne Ein­schät­zung tei­len. Ich neh­me im Fol­gen­den auf­grund der Medi­en­mit­tei­lung der Pius­bru­der­schaft an, dass die Bischö­fe, die am 1. Juli 2026 geweiht wer­den, nicht durch Papst Leo XIV. ernannt sein werden.

Das Haupt­ar­gu­ment der sog. «Pius­bru­der­schaft» eines histo­risch ein­ma­li­gen, kirch­li­chen Not­stan­des und ihr Hin­weis auf das prio­ri­tä­re Heil der See­len – vor allem jener, die sich der Prie­ster­bru­der­schaft (FSSPX) ange­schlos­sen haben – kann einen so schwer­wie­gen­den Schritt in kei­ner Wei­se legi­ti­mie­ren. Seit mei­ner Jugend­zeit habe ich mich stets gegen eine «Kir­che» neben der Kir­che oder eine «Kir­che» in der Kir­che aus­ge­spro­chen – die erste­re immer eli­tär als die treue und wah­re ver­stan­den, die letz­te­re (uni­ver­sa­le) als die untreue, vom guten Weg abge­kom­me­ne. Es gibt nur eine Kir­che: die eine, hei­li­ge, apo­sto­li­sche und katho­li­sche Uni­ver­sal­kir­che, die Jesus Chri­stus auf Petrus, dem Fel­sen, gegrün­det hat. Sie ist sicht­bar ver­wirk­licht in der Ein­heit mit dem Papst: die­se Ein­heit ist nicht ideell zu ver­ste­hen (als eine all­ge­mei­ne Aner­kennt­nis des Papst­tums bzw. des gera­de regie­ren­den Pap­stes im Gebet), son­dern muss fak­tisch und kano­nisch rea­li­siert sein, indem man sich offen­sicht­li­cher Akte des kano­ni­schen Unge­hor­sams ent­hält. Zu letz­te­ren zäh­le ich nicht eine stets legi­ti­me Papst­kri­tik, die klar zwi­schen fehl­ba­ren und unfehl­ba­ren Aus­sa­gen und Akten des Pap­stes unter­schei­det und im All­ge­mei­nen pru­den­tia­le Urtei­le betrifft oder spon­ta­ne Aus­sa­gen in Inter­views, schlimm­sten­falls nicht unfehl­ba­re Äusse­run­gen des ordent­li­chen Lehramtes.

Päp­ste hal­ten sich an die Tra­di­ti­on und wider­spre­chen nicht ihren Vor­gän­gern auf dem Stuhl Petri. Das sog. «Lehr­amt des Fran­zis­kus» (2013–2025) ist als Rede­wei­se ein Phä­no­men sui generis.

Aber, was die Prie­ster­bru­der­schaft Pius X. heu­te (2. Febr. 2026) ange­kün­digt hat, näm­lich die Wei­he von wei­te­ren Bischö­fen am 1. Juli 2026 (CNA Mel­dung vom 2. Febr. 2026), ist mei­nes Erach­tens ein ein­deu­tig schis­ma­ti­scher Akt, der dar­in besteht, eine Hier­ar­chie auf- bzw. aus­zu­bau­en neben jener, die in der vol­len, sicht­ba­ren und kano­ni­schen Ein­heit mit dem aktu­el­len Papst steht und von Tau­sen­den von Bischö­fen und Prie­stern in aller Welt gebil­det wird. Damit hät­ten wir – wie gesagt – eine «Kir­che» neben der Kir­che oder in der Kir­che mit gül­ti­gen Sakra­men­ten, die behaup­tet, die wah­re zu sein. Dar­in täuscht sie sich.

Gemeint ist das Selbst­ver­ständ­nis der Prie­ster­bru­der­schaft Pius X.. Hier zäh­len nicht Gemein­schaft im Gebet und in Rest-Schnitt­men­gen des gemein­sa­men Glau­bens und der gemein­sa­men Sakra­men­te, son­dern die kano­ni­sche Ein­heit mit dem Papst, die nicht gege­ben ist, wenn man Bischö­fe ohne sei­nen Wil­len weiht. Die Hei­li­gen sind in ähn­li­chen Zer­reiss­pro­ben nicht ins Schis­ma gegan­gen, wäh­rend die Schis­ma­ti­ker immer schein­bar gute und angeb­lich schwe­re Grün­de anführ­ten, die ihren Schritt recht­fer­ti­gen sollten.

Das 4. Jh. wird ger­ne als eine kir­chen­ge­schicht­lich ana­lo­ge Not­si­tua­ti­on ins Argu­ment geführt. Papst Juli­us I. (337–352) unter­stütz­te Atha­na­si­us, nahm ihn in Rom auf, reha­bi­li­tier­te ihn und ver­ur­teil­te sei­ne Abset­zung. Die Ver­ur­tei­lung des Atha­na­si­us durch Papst Libe­ri­us (352–366) kam nur unter Fol­ter zustan­de und wur­de von Atha­na­si­us nicht als recht­mä­ssig ein­ge­stuft, weil sie unter Zwang erfolg­te. Des­halb hielt er sich nicht dar­an. Spä­ter revi­dier­te Libe­ri­us sei­ne Hal­tung. Atha­na­si­us ver­tei­dig­te ihn in sei­nen Schrif­ten. Papst Dama­sus I. (366–384) unter­stütz­te Atha­na­si­us. Basi­li­us (zusam­men mit den ande­ren Kap­pa­doki­ern) bemüh­te sich inten­siv um Unter­stüt­zung aus dem Westen gegen den Aria­nis­mus und den kai­ser­li­chen Druck (Valens). Er schrieb mehr­mals an Papst Dama­sus I. und bat um kla­re Unter­stüt­zung und Aner­ken­nung der ortho­do­xen ori­en­ta­li­schen Bischö­fe (vor allem Mele­ti­us von Antio­chi­en). Basi­li­us war teil­wei­se fru­striert, weil Rom die theo­lo­gi­schen Fein­hei­ten des Ostens (Hypo­sta­sen-Dis­kus­si­on) nicht immer ver­stand, zu lang­sam und zöger­lich reagier­te, im antio­che­ni­schen Schis­ma ein­deu­tig Pau­li­nus unter­stütz­te, wäh­rend Basi­li­us Mele­ti­us sein Ver­trau­en gab. Es kam zu Span­nun­gen und Basi­li­us lehn­te es ab, eine von Rom gefor­der­te Unter­schrifts-For­mel zu unter­zeich­nen. Sein Wider­stand war m. W. mehr kir­chen­po­li­tisch-tak­ti­scher als dog­ma­ti­scher Natur. Atha­na­si­us und Basi­li­us haben aber nie eine häre­ti­sche oder schis­ma­ti­sche Posi­ti­on gegen­über dem Papst ver­tre­ten, auch wenn die prak­ti­sche Unter­stüt­zung durch Rom pha­sen­wei­se für sie ent­täu­schend aus­fiel. Die Vor­stel­lung, sie sei­en „unge­hor­sam“ gewe­sen, ent­stammt spä­te­ren kon­fes­sio­nel­len Pole­mi­ken. Damit keh­re ich zur Aktua­li­tät zurück:

Auch wenn ich der Ansicht bin, dass …

  1. Pas­sa­gen in eini­gen Kon­zils­do­ku­men­ten (von ganz unter­schied­li­chem Gewicht) durch­aus kri­tik­wür­dig sind;
  2. man in der Lit­ur­gie­re­form über den Wil­len und die Vor­stel­lun­gen der Kon­zils­vä­ter hin­aus­ge­schos­sen ist und Din­ge ein­ge­führt oder abge­schafft hat, die gar nicht im Denk- und Vor­stel­lungs­ho­ri­zont der letz­te­ren lagen und wahr­schein­lich auch nicht ihren Absich­ten entsprachen, …

hal­te ich die Wei­he von wei­te­ren Bischö­fen durch die Pius­bru­der­schaft ohne aus­drück­li­che, päpst­li­che Legi­ti­ma­ti­on (Ernen­nung), für einen defi­ni­tiv schis­ma­ti­schen Akt, der nicht durch die genann­ten Män­gel gerecht­fer­tigt wer­den kann.

Anzu­ra­ten bleibt:

  1. eine ehr­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der Lit­ur­gie­re­form und eini­gen Aus­sa­gen des Konzils,
  2. Eine gerech­te Ord­nung der Riten in der Kir­che, die den alt­ehr­wür­di­gen latei­ni­schen Ritus weder ver­bie­tet noch mar­gi­na­li­siert, viel­mehr als Inspi­ra­ti­on sieht, Ein­sei­tig­kei­ten und Defi­zi­te im Novus Ordo auszugleichen.

Dazu braucht es, wie ich schon ein­mal betont habe, Exper­ti­se. Kri­tik muss ernst genom­men wer­den. Die Sit­zungs­pro­to­kol­le der Kon­zils­jah­re sind für den unver­stell­ten Blick sehr hilf­reich und soll­ten dem näch­sten Kon­si­sto­ri­um, das sich mit der lit­ur­gi­schen Fra­ge befas­sen wird, ver­mit­telt wer­den. Die Gläu­bi­gen, die – etwas ver­ein­fa­chend gesagt – den Hori­zon­ta­lis­mus und Anthro­po­zen­tris­mus im Novus Ordo kri­ti­sie­ren, müs­sen ernst genom­men wer­den. Die Lösung aber ist nicht die Pius­bru­der­schaft oder eine Rück­kehr zum Mess­buch von 1962, son­dern eine wie auch immer gear­te­te «Reform der Reform» (Bene­dikt XVI.), wel­che offen­sicht­li­che Brü­che, die gesche­hen sind, heilt. Dabei geht es mir um die Sache, nicht um das Reiz­wort (Reform der Reform).

*Msgr. Mari­an Ele­gan­ti OSB, pro­mo­vier­ter Theo­lo­ge, war von 1999 bis 2009 Abt der Bene­dik­ti­ner­ab­tei St. Otmars­berg im Kan­ton Sankt Gal­len, dann von 2009 bis 2021 Weih­bi­schof der Diö­ze­se Chur. Bischof Ele­gan­ti betreibt einen eige­nen Blog.
Der vor­lie­gen­de Text wur­de von Msgr. Ele­gan­ti bei der Gustav-Sie­werth-Aka­de­mie und am 4. Dezem­ber 2025 beim Rome Life Forum vorgetragen.

Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shots)

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