Castel Gandolfo wird wieder päpstliche Residenz

Kein Museum mehr


Apostolischer Palast Castel Gandolfo: Franziskus hatte ihn 2016 in ein Museum umwandeln lassen, Leo XIV. macht nun wieder eine päpstliche Residenz daraus
Apostolischer Palast Castel Gandolfo: Franziskus hatte ihn 2016 in ein Museum umwandeln lassen, Leo XIV. macht nun wieder eine päpstliche Residenz daraus

Das von Papst Fran­zis­kus in Castel Gan­dol­fo ein­ge­rich­te­te Muse­um wird nicht wei­ter­ge­führt wer­den. Der Apo­sto­li­sche Palast wird unter Leo XIV. wie­der sei­nem eigent­lich Zweck zugeführt.

Das Muse­um von Castel Gan­dol­fo wird geschlos­sen. Damit wird auch in Castel Gan­dol­fo die Rück­kehr des Pap­stes in den Apo­sto­li­schen Palast erleichter.

Das Muse­um Castel Gan­dol­fo wird ab Juli geschlos­sen. Ein­tritts­kar­ten las­sen sich auf der Inter­net­sei­te nur noch bis zum 30. Juni erwerben.

Bereits im Mai sol­len, laut Rome Reports, die Arbei­ten zum Rück­bau in eine päpst­li­che Resi­denz beginnen.

Papst Fran­zis­kus hat Castel Gan­dol­fo wäh­rend sei­nes gesam­ten Pon­ti­fi­kats nicht als Auf­ent­halts­ort genutzt und dort kei­ne Nacht ver­bracht. Im Jahr 2016 ließ er den leer­ste­hen­den Apo­sto­li­schen Palast in Castel Gan­dol­fo in ein Muse­um umwandeln.

Castel Gan­dol­fo ging im Juli 1596 in den Besitz der Apo­sto­li­schen Kam­mer über und wur­de im Mai 1604 zum unver­äu­ßer­li­chen Eigen­tum des Hei­li­gen Stuhls erklärt. Unter Papst Urban VIII. (1568–1644) wur­de Castel Gan­dol­fo zur päpst­li­chen Som­mer­re­si­denz aus­ge­baut, da das Kli­ma am Rand des Alba­ner­sees, eines Kra­ter­sees, in den Som­mer­mo­na­ten mil­der ist als im nahe­ge­le­ge­nen Rom.

Urban VIII. ließ ab 1623 durch Car­lo Mader­no das im Hoch­mit­tel­al­ter erst­mals faß­ba­re Castrum Gan­dul­phi, die Burg einer loka­len Adels­fa­mi­lie wahr­schein­lich lan­go­bar­di­scher Her­kunft, zu einer päpst­li­chen Resi­denz umbau­en. Wei­te­re Gebäu­de wur­den auf den Rui­nen der gro­ßen Vil­la des römi­schen Kai­sers Domi­ti­an errich­tet, der sich hier einen luxu­riö­sen Rück­zugs- und Ver­wal­tungs­ort geschaf­fen hatte.

Die­se wie­der­um stand ver­mut­lich auf der Akro­po­lis der anti­ken, jedoch sagen­haf­ten Stadt Alba Lon­ga. Die­se älte­ste Schicht ist eher als Tra­di­ti­ons- und Erin­ne­rungs­schicht zu ver­ste­hen, archäo­lo­gisch jedoch nicht ein­deu­tig faßbar.

Seit 2016 waren Räu­me der päpst­li­chen Som­mer­re­si­denz für Besu­cher zugäng­lich, die zuvor nie öffent­lich zu sehen waren – etwa das Schlaf­zim­mer des Pap­stes, sei­ne Kapel­le oder sein Arbeitszimmer.

Leo XIV. ließ gleich nach sei­ner Wahl erken­nen, daß er Castel Gan­dol­fo wie­der nüt­zen wol­le. Tat­säch­lich ver­bringt er seit­her einen Tag der Woche, den Diens­tag, dort. Am Mon­tag­abend begibt er sich nach Castel Gan­dol­fo und kehrt am Diens­tag­abend nach Rom zurück. Da der eigent­li­che Palast als Muse­um genutzt wird, wohnt er der­zeit in der Vil­la Bar­be­ri­ni, die sich auf dem Gelän­der von Castel Gan­dol­fo befin­det und die Som­mer­re­si­denz des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs ist. 

Für ein Staats­ober­haupt weist die­ser Ort jedoch meh­re­re Sicher­heits­pro­ble­me auf. Tat­säch­lich zeigt sich dies jedes Mal, wenn der Papst wöchent­lich ein- oder aus­geht: Hun­der­te von Men­schen war­ten vor dem Ein­gang auf ihn – ohne Sicher­heits­kon­trol­len oder ande­re Maß­nah­men, die Zwi­schen­fäl­le ver­hin­dern könn­ten, abge­se­hen von der Leib­gar­de des Papstes.

Nach­dem Leo XIV. ent­spre­chen­de Anwei­sun­gen erteilt hat­te, wur­den ihm Plä­ne zur Rürck­um­wand­lung des Muse­ums in eine päpst­li­che Resi­denz vor­ge­legt und geneh­migt. Zugleich wird eine umfang­rei­che Reno­vie­rung durch­ge­führt, wie sie Leo XIV. bereits für den Apo­sto­li­schen Palast im Vati­kan ange­ord­net hat­te. Deren Durch­füh­rung sei jedoch deut­lich ein­fa­cher umzu­set­zen als im Vati­kan, da Castel Gan­dol­fo, wenn auch als Musuem, die gan­ze Zeit genützt wurde.

Johan­nes Paul II. hielt sich ger­ne in Castel Gan­dol­fo auf. Glei­ches gilt für Bene­dikt XVI. In den mehr als 400 Jah­ren, in denen der Palast über dem Alba­ner­see als päpst­li­che Som­mer­re­si­denz dien­te, sind nur zwei Päp­ste dort ver­stor­ben: Es han­delt sich um Paul VI. im Som­mer 1978 und um Pius XII. im Herbst 1958.

Castel Gan­dol­fo mar­kiert einen jener Punk­te, an denen Leo XIV. sich deut­lich von sei­nem Vor­gän­ger Fran­zis­kus abge­setzt hat. Die­se Kor­rek­tu­ren beschrän­ken sich bis­lang weit­ge­hend auf sym­bo­li­sche Gesten und betref­fen weni­ger die inhalt­li­che oder struk­tu­rel­le Ebene.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va (Screen­shot)

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